{"id":40724,"date":"2025-07-12T00:05:00","date_gmt":"2025-07-11T23:05:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=40724"},"modified":"2025-07-12T05:31:25","modified_gmt":"2025-07-12T04:31:25","slug":"gastbeitrag-wie-stark-steigen-die-staatsschulden-im-euroraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=40724","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Wie stark steigen die Staatsschulden im Euroraum?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>In den kommenden Jahren werden die Schuldenquoten der meisten gro\u00dfen Volkswirtschaften des Euroraums wohl deutlich zulegen. Neben h\u00f6heren Verteidigungsausgaben d\u00fcrften die massiv steigenden Zinszahlungen die Staatshaushalte belasten. Ohne ein starkes Gegensteuern der Politik gef\u00e4hrden die hohen Zinszahlungen insbesondere f\u00fcr Italien und Frankreich die Tragf\u00e4higkeit der Schulden. Darum d\u00fcrfte der Druck auf die EZB und die EU zunehmen, mit ihrer Politik die die L\u00e4nder zu unterst\u00fctzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Staatsfinanzen im Euroraum werden sich in den kommenden Jahren wohl weiter verschlechtern. Denn die auf Staatsschulden zu bezahlenden Zinsen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sodass mehr und mehr Altschulden zu einer h\u00f6heren Zinsrate refinanziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben berechnet, wie stark die Zinszahlungen der vier gr\u00f6\u00dften L\u00e4nder der W\u00e4hrungsunion in den kommenden Jahren steigen werden und was dies voraussichtlich f\u00fcr die Entwicklung der Staatsschulden bedeutet. Daf\u00fcr haben wir Annahmen zur Entwicklung der Prim\u00e4rdefizite, der Zinsen, des Wirtschaftswachstums und der Inflation in Deutschland, Italien, Frankreich und Spanien getroffen (siehe <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/88e3eb20-4bff-4939-9646-bf19e65b681c?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#kasten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kasten<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Verschuldung erreicht zumeist Rekordh\u00f6hen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Berechnungen zeigen, dass der Schuldenstand Deutschlands, Frankreichs und Italiens in den kommenden zehn Jahren deutlich steigen d\u00fcrfte (Abb. 1). W\u00e4hrend die deutsche Staatsverschuldung im Jahr 2035 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt mit 93% auf erh\u00f6htes Niveau steigen wird, wird die Schuldenquote Frankreichs voraussichtlich mit 146% und die Italiens mit 154% auf eine Rekordh\u00f6he steigen. Dabei ist der Anstieg in Frankreich noch einmal deutlich st\u00e4rker als in Italien. In Spanien d\u00fcrfte die Schuldenquote in den kommenden f\u00fcnf Jahren weitgehend unver\u00e4ndert bleiben und erst zwischen 2030 und 2035 zulegen, und dies auch nur in einem vergleichsweise geringen Umfang.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40734\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Zinszahlungen belasten Haushalte massiv<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentraler Treiber der hohen Verschuldung in der Zukunft sind die merklich steigenden Zinszahlungen auf die Staatschulden. Nachdem die Anleiherenditen seit 2012 im Trend gefallen waren und damit die Staatshaushalte entlastet hatten, sind sie in den letzten drei Jahren wieder gestiegen. Zusammen mit den gestiegenen Schulden ist dies daf\u00fcr verantwortlich, dass die Zinszahlungen der Staaten in Prozent des Bruttoinlandsproduktes zuletzt wieder gestiegen sind. Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Denn ein bedeutender Teil der Altschulden wird mit nun h\u00f6heren Zinsen refinanziert werden m\u00fcssen. Zudem gehen wir auch davon aus, dass die Anleiherenditen im Trend sogar noch etwas ansteigen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts seines bereits jetzt hohen Schuldenstands wird der italienische Staatshaushalt auch weiterhin gemessen an der Wirtschaftskraft die h\u00f6chste Zinslast zu tragen haben. Sie wird von zuletzt 3.9% auf etwa 6,5% bis 2035 steigen (Abb. 2). Frankreichs Zinslast wird zwar auch 2035 mit 5% voraussichtlich kleiner sein als die Italiens, aber in den kommenden Jahren deutlich schneller zunehmen. Auch f\u00fcr den deutschen Staat wird die Zinslast gemessen am Bruttoinlandsprodukt gegen\u00fcber dem derzeitigen niedrigen Niveau um gut einen Prozentpunkt zulegen, damit aber weiter deutlich niedriger sein als f\u00fcr die drei anderen gro\u00dfen L\u00e4nder der W\u00e4hrungsunion.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam2-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40736\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam2-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam2-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam2-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam2-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam2-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die Schuldentragf\u00e4higkeit leidet stark<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die oben beschriebenen Trends gef\u00e4hrden die langfristige Tragf\u00e4higkeit der Schulden. Wenn der durchschnittlich auf die Schulden zu zahlende Zins h\u00f6her ist als das nominale Wachstum der Volkswirtschaft, kann ein Land nicht mehr ohne weiteres aus seinen Schulden &#8222;herauswachsen&#8220;. Das gilt auch dann, wenn der Prim\u00e4rhaushalt \u2013 also der Haushalt ohne Zinszahlungen \u2013 ausgeglichen w\u00e4re (wie auch in <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/2e7558d5-b209-4451-afd1-7bd2c5c373e2?id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ist die Staatsverschuldung noch tragbar?<\/a> beschrieben.)<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Italien liegt der Zins bereits in diesem Jahr \u00fcber der nominalen Wachstumsrate, und diese Differenz d\u00fcrfte sich in den kommenden Jahren noch steigen (Abb. 3). Auch f\u00fcr Frankreich d\u00fcrfte in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit der durchschnittliche Zins die Wachstumsrate \u00fcbertreffen. Die spanische Wirtschaft w\u00e4chst derzeit noch schnell genug, um die Schuldenlast als Anteil des Bruttoinlandsprodukts auch bei einem leicht defizit\u00e4ren Prim\u00e4rhaushalt stabil zu halten. In den 2030er Jahren d\u00fcrften sich auch in Spanien das Wachstum wegen der dann schlechteren demografischen Entwicklung verlangsamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Umkehrschluss bedeuten diese Kennzahlen, dass insbesondere Italien und Frankreich deutlich h\u00f6here Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcsse bzw. \u00fcberhaupt Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcsse erwirtschaften m\u00fcssen als von uns erwartet, um einen weiteren Anstieg der Schuldenquote zu verhindern. In Deutschland w\u00e4re hingegen bis weit in das kommende Jahrzehnt ein ausgeglichener Prim\u00e4rhaushalt ausreichend, um die Schuldenquote zu stabilisieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam3-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40737\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam3-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam3-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam3-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam3-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam3-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Entweder die Regierungen handeln, &#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der beste Handlungsweg f\u00fcr Regierungen w\u00e4re sicherlich, durch Reformen das Potenzialwachstum anzuschieben. Das w\u00fcrde das Verh\u00e4ltnis zwischen Wachstumsrate und durchschnittlichem Zins verbessern und letztlich ein &#8222;Herauswachsen&#8220; aus den Schulden erm\u00f6glichen. Eine sehr schmerzhafte Alternative w\u00e4re eine durchgreifende Konsolidierung der Staatshaushalte, um deutlich h\u00f6here Prim\u00e4r\u00fcbersch\u00fcsse zu erwirtschaften. Dadurch k\u00f6nnte die Schuldenquote stabil gehalten werden, selbst wenn die nominale Wachstumsrate unter dem effektiven Durchschnittszins liegt. Aus heutiger Sicht ist dies aber eher unwahrscheinlich. Denn die wohl notwendigen h\u00f6heren Verteidigungsausgaben und eine teilweise sehr ung\u00fcnstige Demografie werden die Haushalte zus\u00e4tzlich belasten. Politische Mehrheitsverh\u00e4ltnisse d\u00fcrften au\u00dferdem eine tiefgreifende Konsolidierung der Staatsfinanzen mindestens erschweren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8230; oder der Druck auf EU und EZB steigt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Somit d\u00fcrfte ohne eine Wende in der nationalen Politik der Druck auf die EU und die EZB steigen, den Staaten ihre Schuldenlast zu erleichtern. So wird zunehmend diskutiert, dass die Europ\u00e4ische Union gemeinsame Schulden etwa f\u00fcr die Verteidigung aufnimmt. Das w\u00fcrde allerdings h\u00f6chstens den zu zahlenden effektiven Zins verringern. Denn auch gemeinschaftliche Schulden der EU m\u00fcssen letztendlich durch Beitr\u00e4ge der Mitgliedsstaaten getilgt werden. Au\u00dferdem w\u00fcrden die Anreize f\u00fcr die einzelnen Mitgliedsstaaten abnehmen, ihre Staatsfinanzen nachhaltig zu sanieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine starke Ausweitung der Anleihenrenditen, insbesondere gegen\u00fcber anderen Anleihenrenditen wie den deutschen Bunds, d\u00fcrfte zudem die EZB auf den Plan rufen. Mit zus\u00e4tzlichen Anleihenk\u00e4ufe und\/oder einer Senkung ihrer Leitzinsen k\u00f6nnte sie die Renditen zumindest zeitweise dr\u00fccken. Das w\u00fcrde zwar die Finanzierungsbedingungen erleichtern, an dem Umfang der Schulden aber nichts \u00e4ndern. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4tte ein durch die Finanzpolitik erzwungenes Abweichen der EZB von ihrem Mandat der Preisstabilit\u00e4t (die sogenannte &#8222;fiscal dominance&#8220;) erhebliche Folgen: Die Inflation w\u00fcrde wieder steigen und das Wirtschaftswachstum in der Folge sinken, und auf Dauer w\u00e4ren die nominalen Zinsen f\u00fcr l\u00e4ngere Laufzeiten wegen des st\u00e4rkeren Preisauftriebs wahrscheinlich h\u00f6her als ohne das Eingreifen der EZB.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a><strong>Kasten: Berechnungsmethoden und Annahmen<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Projektion von Schuldenquoten und Zinslastquoten haben wir Annahmen f\u00fcr die Entwicklung des Staatsaushalts ohne die Zinsen (Prim\u00e4rsaldo), sowie f\u00fcr das wirtschaftliche Wachstum und die Inflation getroffen. Diese Annahmen diskutieren wir unten f\u00fcr die jeweiligen L\u00e4nder. Die zuk\u00fcnftigen Zinszahlungen und den Effektivzins auf die gesamte Schuldenlast haben wir mit Hilfe des Fiskalmodells von Bloomberg Economics berechnet. Dieses erm\u00f6glicht es, die Refinanzierung von in der Zukunft f\u00e4lligen Staatsanleihen sowie die Finanzierungsbedingungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Staatsschulden auf dem Kapitalmarkt zu modellieren. Diese Projektionen stellen das aus unserer Sicht realistischste Szenario dar. Insbesondere eine gr\u00f6\u00dfere oder geringere Haushaltsdisziplin k\u00f6nnten die Entwicklung deutlich anders verlaufen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Deutschland<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nach den im Fr\u00fchjahr vom Bundestag verabschiedeten Grundgesetz\u00e4nderungen plant die deutsche Bundesregierung deutlich h\u00f6here Staatsausgaben. Auch wegen dieser sehr expansiven Finanzpolitik wird die deutsche Wirtschaft in den kommenden drei bis vier Jahren eher schneller wachsen als das Produktionspotenzial. Mittelfristig d\u00fcrfte das Wachstum allerdings auf das sehr niedrige Potenzialwachstum von 0,4% zur\u00fcckfallen. Das folgt aus der \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstigen Demographie und unserer Annahme, dass die zus\u00e4tzlichen Ausgaben das Potenzial der deutschen Wirtschaft kaum vergr\u00f6\u00dfern werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die deutlich h\u00f6heren Staatsausgaben d\u00fcrften die deutsche Prim\u00e4rdefizitquote von 1,9% im Jahr 2024 auf 3,5% im Jahr 2026 steigen lassen (Abb. 4). Mittelfristig d\u00fcrfte sich dieser Wert bei etwa 3% einpendeln. Zusammen mit den zunehmenden Zinszahlungen ergibt sich f\u00fcr 2025 eine Defizitquote von etwas mehr als 5%.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam4-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40738\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam4-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam4-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam4-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam4-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam4-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Frankreich<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit 5,8% war die Defizitquote des Staates in Frankreich deutlich h\u00f6her als in den anderen gro\u00dfen Volkswirtschaften des Euroraums. Der aktuelle Haushaltsplan Frankreichs sieht zwar bis 2029 eine Reduktion der Defizitquote auf 3,0% vor, womit sie wieder den Vorgaben der EU entsprechend w\u00fcrde. Allerdings d\u00fcrfte dieses Ziel kaum erreicht werden. So d\u00fcrften die Zinszahlungen gemessen am Bruttoinlandsprodukt von etwa 2% im Jahr 2024 auf etwa 3,5% im Jahr 2030 steigen (Abb. 5). Zudem d\u00fcrfte es der Minderheitsregierung unter Ministerpr\u00e4sident Bayrou kaum gelingen, im Parlament f\u00fcr umfangreiche Einsparungen eine Mehrheit zu finden. So wurde das Ziel f\u00fcr 2025 bereits von 5,0% auf 5,4% nach oben revidiert. Dar\u00fcber hinaus d\u00fcrfte die franz\u00f6sische Regierung als einzige Atommacht in der Europ\u00e4ischen Union und wichtiger Unterst\u00fctzer der Ukraine ihr Verteidigungsbudget von derzeit 2% am BIP erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>Darum d\u00fcrfte sich das Prim\u00e4rdefizit allenfalls von 3,9% im Jahr 2024 auf 1,7% im Jahr 2030 verbessern. Damit w\u00fcrde sich die gesamte Defizitquote in den kommenden Jahren kaum ver\u00e4ndern und ab 2030 sogar langsam wieder zulegen. Die trotzdem restriktiver werdende Finanzpolitik d\u00fcrfte das Wirtschaftswachstum Frankreichs in den kommenden Jahren geringer ausfallen lassen als in den vergangenen Jahren. Mittelfristig unterstellen wir ein Potenzialwachstum von 0,7%.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam5-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40739\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam5-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam5-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam5-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam5-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam5-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Italien<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Italien hat 2024 als einziges der gr\u00f6\u00dferen Euro-L\u00e4nder einen Prim\u00e4r\u00fcberschuss erwirtschaftet. Mit einer Defizitquote von 3,4% war das Ergebnis sogar besser als von der Meloni-Regierung erwartet (3,8%). F\u00fcr die kommenden Jahre plant die Regierung eine graduelle Verringerung des Haushaltsdefizits. Das ist aber vor dem Hintergrund der ung\u00fcnstigen Demografie, den stark ansteigenden Zinszahlungen und wohl h\u00f6heren Verteidigungsausgaben kaum umsetzbar: Der &#8222;Ageing Reports&#8220; des italienischen Wirtschaftsministeriums beispielsweise prognostiziert, dass die Zusch\u00fcsse des italienischen Staats f\u00fcr das Rentensystem bis 2040 von zuletzt knapp 5% auf fast 6% des Bruttoinlandproduktes steigt. Zudem d\u00fcrfte Italien seine mit 1,5% bis zuletzt recht niedrige NATO-Quote \u2013 also die Verteidigungsausgaben in Prozent des Bruttoinlandproduktes \u2013 mittelfristig deutlich erh\u00f6hen, auch wenn das neue Ziel von 3,5% wohl vorerst nicht erreicht wird. Darum d\u00fcrfte der Prim\u00e4r\u00fcberschuss ab 2030 wieder fallen. Da gleichzeitig die Zinslastquote deutlich steigen wird, d\u00fcrfte die Defizitquote bei \u00fcber 3% verharren und ab 2030 wieder merklich steigen (Abb. 6).<\/p>\n\n\n\n<p>Erschwerend f\u00fcr die langfristige Tragf\u00e4higkeit der Staatsschulden kommt hinzu, dass das Potenzialwachstum in den kommenden Jahren aufgrund der starken Abnahme der erwerbsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung sehr gering ausfallen wird. Wir sch\u00e4tzen es auf 0.4% pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam6-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40740\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam6-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam6-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam6-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam6-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam6-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Spain<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Spanien ist wegen des hohen Wirtschaftswachstums die im Zuge der Pandemie kr\u00e4ftig gestiegene Schuldenquote zuletzt wieder deutlich gefallen. Dabei profitierte das Land ma\u00dfgeblich von dem NextGeneration F\u00f6rderprogramm der EU und einer vorteilhafteren Demografie als andere EU-Staaten. W\u00e4hrend das F\u00f6rderprogramm der EU nun ausl\u00e4uft, d\u00fcrfte die Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter immerhin bis zum Jahr 2030 weiter leicht ansteigen. Danach f\u00e4llt sie auch in Spanien. Wir unterstellen daher f\u00fcr Spanien ein Absinken des realen BIP-Wachstums von derzeit 2,3% auf 0,7% in 2035. Aufgrund des h\u00f6heren Wachstums in den kommenden Jahren d\u00fcrfte der BIP-Deflator in Spanien etwas schneller zulegen als in den anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausgangslage f\u00fcr Spaniens Staatshaushalt hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, das Prim\u00e4rdefizit belief sich auf 0,8% des Bruttoinlandproduktes, wovon 0,4 Prozentpunkte durch einmalige Ausgaben im Zusammenhang mit \u00dcberflutungen in Valencia verursacht wurden. Wir erwarten daher, dass das Prim\u00e4rdefizit kurzfristig auf 0,2% f\u00e4llt (Abb. 7). Angesichts der schwierigen Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im spanischen Parlament, h\u00f6herer Verteidigungsausgaben und einer abnehmenden Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter ab 2030 d\u00fcrfte es in den folgenden Jahren auf bis zu 0,9% wieder steigen. Zusammen mit der h\u00f6heren Zinslastquote wird dies dazu f\u00fchren, dass auch das spanische Haushaltsdefizit im Trend zulegen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam7-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-40741\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam7-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam7-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam7-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam7-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/stam7-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den kommenden Jahren werden die Schuldenquoten der meisten gro\u00dfen Volkswirtschaften des Euroraums wohl deutlich zulegen. 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