{"id":42450,"date":"2025-12-30T09:06:01","date_gmt":"2025-12-30T08:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42450"},"modified":"2026-05-03T11:07:49","modified_gmt":"2026-05-03T10:07:49","slug":"vermoegensungleichheit-ein-non-issue-empirie-ursachen-handlungsbedarf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42450","title":{"rendered":"Verm\u00f6gensungleichheit \u2013 Ein non-issue? <br><b>Empirie, Ursachen, Handlungsbedarf <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p><em>&#8222;The society that puts equality before freedom will end up with neither. The society that puts freedom before equality will end up with a great measure of both.&#8220;<\/em> (Milton Friedman, 1980)<\/p>\n\n\n\n<p>Ungleichheiten polarisieren, mal mehr, mal weniger. Gesellschaften sind ungleich. Das gilt f\u00fcr Einkommen und Verm\u00f6gen. F\u00fcr viele Menschen ist Ungleichheit aber ungerecht. Aktuell stehen hohe Verm\u00f6gen im Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem die Erben gro\u00dfer Verm\u00f6gen erleben einen Shitstorm. Diese Verm\u00f6gen seien \u201eleistungslos\u201c und \u201eunverdient\u201c. Kritisiert werden hohe Verm\u00f6gen auch, weil bef\u00fcrchtet wird, dass sie Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt erodieren. Es gelte immer mehr \u201eone euro, one vote\u201c. Die Kritik an hohen Verm\u00f6gen hat aber noch einen profaneren Grund. In Zeiten von Haushaltskrisen und Investitionsstaus wird die Suche nach neuen Einkommensquellen intensiviert. Verm\u00f6gen- und Erbschaftsteuern erscheinen vielen als eine einfach zu erschlie\u00dfende, kr\u00e4ftig sprudelnde Quelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Wie ungleich verteilt ist das Verm\u00f6gen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist umstritten, wie sich die Verm\u00f6gensungleichheit im Laufe der Zeit entwickelt hat, wie gro\u00df sie heute ist und wie sie sich entwickeln wird. Die beiden Hauptkontrahenten in diesem \u201eempirischen\u201c Streit sind Thomas Piketty und Daniel Waldenstr\u00f6m. Nach Thomas Piketty, der auch am World Inequality Report mitarbeitet, verl\u00e4uft die Verm\u00f6gensungleichheit u-f\u00f6rmig. Sie war im 19. Und 20. Jahrhundert sehr hoch. Dieser Befund gilt sowohl f\u00fcr Europa als auch die USA. Das Verm\u00f6gen war in den (obersten) Oberschicht konzentriert, vor allem bei Landbesitzern und Unternehmern. Verst\u00e4rkt wurde diese Konzentration durch den Kolonialismus. Das Verm\u00f6gen war pfadabh\u00e4ngig, es wurde immer wieder vererbt. Die Mittel- und erst recht die Unterschicht hatten (fast) nichts. Daniel Waldenstr\u00f6m teilt diesen empirischen Befund.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/waldstroem-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-42453\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/waldstroem-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/waldstroem-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/waldstroem-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/waldstroem-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/waldstroem-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im 20. Jahrhundert verringerte sich die Verm\u00f6gensungleichheit. Zwischen dem 1. Weltkrieg und Anfang der 80er Jahre glichen sich die Verm\u00f6gen an. Hierin sind sich die beiden Kontrahenten einig. Sie erkl\u00e4ren allerdings die Entwicklung unterschiedlich. F\u00fcr Thomas Piketty waren es vor allem die Verm\u00f6gensverluste der Reichen durch verlustreiche Kriege, staatliche Regulierungen und progressive Steuern. Es war ein \u201eNull-Summen-Spiel\u201c. Daniel Waldenstr\u00f6m erkl\u00e4rt die Kompression in der Verm\u00f6gensverteilung mit einer \u201eDemokratisierung des Verm\u00f6gens\u201c. Alle wurden verm\u00f6gender (\u201eThe rising tide lifts all boats.\u201c). Es war ein \u201ePositiv-Summen-Spiel\u201c. Vor allem die Mittelschicht bildete st\u00e4rker als alle anderen Verm\u00f6gen. Wohnungseigentum und Anspr\u00fcche an die Alterssicherung (umlagefinanziert und kapitalfundiert) waren die Treiber.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zeit nach 1980 sind die Kontrahenten auch empirisch unterschiedlicher Meinung, wie sich die Verm\u00f6gensverteilung entwickelt hat. Thomas Piketty und der World Inequality Report sind der Meinung, dass Verm\u00f6gensungleichheiten stark zugenommen haben. Getrieben w\u00fcrde diese Entwicklung von Globalisierung (offene M\u00e4rkte), Steuerverg\u00fcnstigungen f\u00fcr Kapital und boomenden B\u00f6rsen. Die Reichen wurden immer reicher. Und das werde auch so bleiben (r &gt; g) (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15065\">hier<\/a>). Die Rendite des Kapitals (r) \u00fcbersteige auch k\u00fcnftig das Wachstum des Sozialproduktes (g). Daniel Waldenstr\u00f6m kommt zu einem ganz anderen empirischen Ergebnis. Die Ungleichheit erh\u00f6hte sich seit Anfang der 1980er nicht, zumindest nicht in Europa. In den USA stieg sie, vor allem bei den obersten 1 %, liegt aber immer noch unter dem Vorkriegsniveau. Die unterschiedliche Empirie von Thomas Piketty und Daniel Waldenstr\u00f6m liegt auch an (Verm\u00f6gens)Anspr\u00fcchen an die Rentenversicherung. Waldenstr\u00f6m ber\u00fccksichtigt sie teilweise, Piketty nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Warum ist Verm\u00f6gen ungleich verteilt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Piketty-Waldstr\u00f6m-Kontroverse zeigt, es ist schwierig das Verm\u00f6gen richtig zu messen. Im Sachverst\u00e4ndigenrat hat sich im letzten Gutachten eine Kontroverse zur Messbarkeit von Verm\u00f6gensungleichheit zwischen den der Mehrheit und Veronika Grimm entwickelt. \u00dcblicherweise enth\u00e4lt das Nettoverm\u00f6gen nicht nur Immobilien und Spareinlagen, sondern auch Finanz- und Betriebsverm\u00f6gen. Das letzte ist f\u00fcr eine vom Mittelstand gepr\u00e4gte Unternehmenslandschaft wie in Deutschland h\u00f6chst relevant. Ein Streitpunkt entsteht bei der Frage, ob auch Anspr\u00fcche an die Alterssicherung bei der Verm\u00f6gensrechnung ber\u00fccksichtigt werden sollen. Sind die Anspr\u00fcche kapitalgedeckt, ist die Antwort einfach: Ja. Bei Anspr\u00fcchen an umlagefinanzierte Alterssicherungssysteme ist die Antwort schwieriger. Werden sie ber\u00fccksichtigt, sinkt f\u00fcr 19 europ\u00e4ische L\u00e4nder der bereinigte Verm\u00f6gens-Gini-Koeffizient um ein Drittel (<a href=\"https:\/\/table.media\/ceo\/tablestandpunkt\/der-sachverstaendigenrat-sollte-die-umverteilungsdebatte-nicht-befeuern\">hier<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch institutionelle Arrangements eines Landes beeinflussen H\u00f6he und Verteilung von Verm\u00f6gen (<a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/wirtschaft\/oxfam-studie-weltwirtschaftsforum-vermoegen-arm-reich\">hier<\/a>). M\u00fcssen sich die B\u00fcrger selbst gegen die Wechself\u00e4lle des Lebens \u2013 Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter, Pflege \u2013 absichern, sparen sie individuell mehr. Das Verm\u00f6gen ist h\u00f6her, die Verteilung gleichm\u00e4\u00dfiger. In L\u00e4ndern, in denen die B\u00fcrger \u00fcber umlagefinanzierte Systeme der Sozialen Sicherung gegen die meisten Lebensrisiken abgesichert sind, ist die Bereitschaft zu sparen, weniger ausgepr\u00e4gt. Der Konsum dominiert, das (Finanz)Verm\u00f6gen ist ungleicher verteilt. Ein funktionsf\u00e4higer Kapitalmarkt ist ein weiterer Treiber der Verm\u00f6gensbildung. Er erm\u00f6glicht es breiten Schichten, Immobilien auf Kredit zu kaufen. Und er finanziert unternehmerische Aktivit\u00e4ten. Unternehmer sind wichtige Treiber eines h\u00f6heren Wohlstandes f\u00fcr Alle.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich spielen individuelle Pr\u00e4ferenzen eine Rolle, ob Verm\u00f6gen gebildet wird und wie es verteilt ist. Individuelle Entscheidungen pr\u00e4gen Verm\u00f6gen st\u00e4rker als das Einkommen. Hat ein Land eine hohe Steuer- und Abgabenbelastung, ist die F\u00e4higkeit der breiten Masse der Bev\u00f6lkerung gering, zu sparen. Das Verm\u00f6gen ist niedrig, die Verteilung ungleich. Individuelle Pr\u00e4ferenzen entscheiden auch mit, wie Individuen ihr Einkommen verwenden, f\u00fcr Konsum oder Ersparnisse. Ein Land von Sparern hat eher ein h\u00f6heres Verm\u00f6gen und eine gleichm\u00e4\u00dfigere Verteilung. Schlie\u00dflich entscheidet auch der Grad der unternehmerischen Freiheit \u00fcber H\u00f6he und Verteilung von Verm\u00f6gen. In einem relativ unternehmerfreundlichen Land w\u00e4chst das Verm\u00f6gen schneller. Bei einer aktiven Mittelschicht wird daraus Wohlstand f\u00fcr Alle (Ludwig Erhard).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Besteht Handlungsbedarf bei ungleich verteilten Verm\u00f6gen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Verm\u00f6gen sind national ungleich verteilt und werden es bleiben. Daf\u00fcr sorgen individuelle Pr\u00e4ferenzen und der institutionelle Rahmen. Pr\u00e4ferenzen und Institutionen unterscheiden sich allerdings von Land zu Land. Die nationalen Verm\u00f6gensverteilungen sind zwangsl\u00e4ufig l\u00e4nderspezifisch ungleich. Manchmal verzerren auch (asymmetrische) Schocks, wie etwa hohe Zuwanderungen von Migranten mit unterschiedlichem Bestand an Humankapital, die Verm\u00f6gensverteilung (<a href=\"file:\/\/\/C:\/Users\/Norbert.Berthold\/Downloads\/JG202526_Kapitel_5.pdf\">hier)<\/a>. Entscheidend ist aber: Jedes Land w\u00e4hlt seinen eigenen Weg. Die Ungleichheit von Verm\u00f6gen ist verschieden. Bei individueller Entscheidungs- und kollektiver Wahlfreiheit gibt es keine \u201eoptimale\u201c Verm\u00f6gensverteilung f\u00fcr alle L\u00e4nder. Die nationalen Verm\u00f6gensverteilungen sind vor allem das Ergebnis der Entscheidungen nationaler B\u00fcrger, W\u00e4hler und Politiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Eingriffe in der Verm\u00f6gensverteilung k\u00f6nnen trotzdem angezeigt sein, wenn individuelle und kollektive Entscheidungsprozesse verzerrt sind oder sich (Verm\u00f6gens)Macht zu einer Gefahr f\u00fcr die Demokratie entwickeln. Das eigentliche Problem sind verzerrte kollektive Entscheidungen. Die Politik tut oft nicht das, was die Mehrheit der W\u00e4hler will. Wirtschaftliche Macht hat (erheblichen) Einfluss. Der Wettbewerb auf den W\u00e4hlerstimmenm\u00e4rkten ist verzerrt. Das Prinzip \u201eone man, one vote\u201c gilt nicht mehr. Vetternwirtschaft dominiert. Zuerst leidet die allokative Effizienz (Wohlstand). \u201eRent seeking\u201c dominiert \u201eprofit seeking\u201c. Wirtschaftliche Macht kann auch der Demokratie gef\u00e4hrlich werden. Ungleiche Teilhabe am politischen Prozess, st\u00e4rkere Polarisierung und mehr Populismus sind einige Indikatoren. Ob eine steuerliche Korrektur der Verm\u00f6gensverteilung zu mehr (unverzerrtem) Wettbewerb auf den W\u00e4hlerstimmenm\u00e4rkten f\u00fchrt, ist allerdings fraglich.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Diskussion, die Verm\u00f6gensverteilung gleichm\u00e4\u00dfiger zu gestalten, geht es kaum um ineffiziente \u00f6konomische und politische M\u00e4rkte. Das wichtigste Argument ist der Vorwurf, (stark) ungleich verteilter Verm\u00f6gen seien sozial ungerecht. Was sozial gerecht ist, ist allerdings umstritten. Das kann bei Werturteilen auch nicht anders sein. Trotz aller individuell unterschiedlichen Werturteile existiert in zivilisierten Gesellschaften ein allgemein akzeptiertes Werturteil: Alle Individuen haben einen Anspruch auf ein sozio-kulturelles Existenzminimum. Dieses Argument kann in der Diskussion um ungleich verteilte Verm\u00f6gen kaum ins Feld gef\u00fchrt werden. Ein gesellschaftlicher Konsens \u00fcber einen Anspruch auf ein individuelles Mindestverm\u00f6gen, analog zum Mindesteinkommen, das der Staat garantieren muss, existiert (noch) nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Was ist zu tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Handlungsbedarf bei (stark) ungleich verteilten Verm\u00f6gen ist begrenzt. Es geht darum, die Macht zu begrenzen, die von gro\u00dfen Verm\u00f6gen ausgeht und auf \u00f6konomischen und politischen M\u00e4rkten effizienzverschlingend genutzt wird. Zwei Alternativen werden kontrovers diskutiert: Einige wollen die gro\u00dfen Verm\u00f6gen schr\u00f6pfen, also die Reichen \u00e4rmer machen, um die \u00c4rmeren reicher zu machen. Andere wollen das Verm\u00f6gen aller steigern, also \u00c4rmere und Reichere reicher machen. Thomas Piketty geh\u00f6rt zur ersten Gruppe. Er will hohe Verm\u00f6gen \u00fcber progressivere Einkommensteuern austrocknen und mit h\u00f6heren Steuern auf Verm\u00f6gen und Erbschaften absch\u00f6pfen. Die gravierenden Probleme, die dabei entstehen, sind sp\u00e4testens seit Arthur Okun (1975) altbekannt: \u201eBig trade off\u201c (Zielkonflikt zwischen Effizienz und Gleichheit) und \u201eleaky buckets\u201c (Sickerverluste staatlicher Umverteilung). Eine solche Steuerpolitik w\u00fcrde dem deutschen Mittelstand existentiell zusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Umverteilung ist effizienzverschlingend. Die Wohlfahrtsverluste eines h\u00f6herer Progressionsgrads der Einkommensteuer, st\u00e4rkere Belastungen durch Erbschaftsteuern und die Wiedereinf\u00fchrung der Verm\u00f6gensteuer sind erheblich. Wichtige Streitpunkte einer h\u00f6heren Erbschaftsteuer sind hierzulande der Abbau der steuerlichen Beg\u00fcnstigung von Betriebsverm\u00f6gen, Probleme des Liquidit\u00e4tsentzugs vor allem beim Mittelstand und Risiken f\u00fcr Investitionen und Besch\u00e4ftigung (<a href=\"https:\/\/table.media\/ceo\/tablestandpunkt\/der-sachverstaendigenrat-sollte-die-umverteilungsdebatte-nicht-befeuern\">hier<\/a>). Ob man mit der Strategie, Reiche \u00e4rmer zu machen, ihren Einfluss auf die Politik eind\u00e4mmt, ist zweifelhaft. Sinnvoller erscheinen Reformen, die Grenzen f\u00fcr Wahlspenden einziehen, das Lobbying transparenter gestalten und den Wettbewerb im Medienbereich zu st\u00e4rken. Der direkte Kauf von Einfluss auf die Politik ginge (vielleicht) zur\u00fcck. Renten suchende Interessengruppen bleiben aber wohl auch weiterhin eine Landplage.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Gruppe, zu der auch Daniel Waldenstr\u00f6m geh\u00f6rt, ist der Meinung, dass alles, was mehr Wohlstand schafft, die Verm\u00f6gensverteilung gleichm\u00e4\u00dfiger macht (\u201eThe rising tide lifts all boats.\u201c). Der wichtigste Treiber wirtschaftlichen Wachstums ist der Wettbewerb. Das gilt f\u00fcr \u00f6konomische und politische M\u00e4rkte. Intensiver Wettbewerb auf G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkten verhindert effizienzverschlingende Marktmacht. Mehr Wettbewerb auf politischen M\u00e4rkten verringert den (wirtschaftlichen) Unfug der Politik. Wie sich der Wettbewerb auf W\u00e4hlerstimmen intensivieren l\u00e4sst, ist allerdings offen. Parteienverbote z\u00e4hlen nicht dazu. Offene \u00f6konomische M\u00e4rkte verbessern die individuellen Aufstiegschancen. Intakte Familien, bessere Bildung und flexiblere Arbeitsm\u00e4rkte sind die Basis (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17994\">hier<\/a>). Mehr soziale Mobilit\u00e4t erh\u00f6ht nicht nur den Wohlstand, sie verteilt ihn auch gleichm\u00e4\u00dfiger. Sie ist ein wichtiger Mechanismus f\u00fcr die Schaffung und Verteilung des Wohlstandes.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Waldenstr\u00f6m hat darauf aufmerksam gemacht, dass Alterssicherung und Wohneigentum wichtige Treiber f\u00fcr mehr und gleichm\u00e4\u00dfiger verteilten Wohlstand sind. Die umlagefinanzierte Alterssicherung muss st\u00e4rker kapitalfundiert werden. Ein h\u00f6herer gesamtwirtschaftlicher Kapitalstock verst\u00e4rkt das Wachstum. Die Rentner profitieren \u00fcber ihre Anspr\u00fcche an die kapitalfundiertere Alterssicherung. Die Demographie wird die Politik zu einer solchen Reform zwingen. Umlagefinanzierte Systeme sind in diesen Zeiten nicht mehr finanzierbar. Und noch etwas muss geschehen, um mehr Wohlstand f\u00fcr Alle auf den Weg zu bringen. Der Erwerb von Wohneigentum f\u00fcr breite Schichten muss wieder m\u00f6glich werden. Der planwirtschaftliche Wohnungsmarkt muss wieder marktwirtschaftlich organisiert werden. Die Politik muss die Angebotsbedingungen verbessern. Das Geflecht an Regulierungen muss gelichtet, Standards m\u00fcssen verringert, die Grunderwerbsteuer muss reduziert, die Preiskontrollen (Mietpreisbremsen) m\u00fcssen eliminiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ungleichheit polarisiert, auch bei ungleich verteilten Verm\u00f6gen. Linke wollen die Milliard\u00e4re abschaffen, sie aber zumindest mit einer Verm\u00f6gen- und Erbschaftsteuer kr\u00e4ftig zur Ader lassen. In neueren empirischen Untersuchungen (Daniel Waldenstr\u00f6m) wird der These steigender Verm\u00f6gensungleichheit (Thomas Piketty) allerdings widersprochen. Kapitalfundierte Alterssicherungssysteme und Wohnungseigentum f\u00fcr breite Schichten machen den Unterschied. Alles, was westliche Gesellschaften reicher macht, macht sie auch gleicher (\u201eThe rising tide lifts all boats.\u201c). Eine Ausnahme sind die USA. Wohlstand w\u00e4chst nur bei intensivem Wettbewerb auf \u00f6konomischen und politischen M\u00e4rkten. Auf beiden besteht dringender Handlungsbedarf. Mehr (Real- und Human)Kapital, mehr (qualifizierte) Arbeit, mehr (technologisches) Wissen treiben das Wachstum. Eine Reform der Alterssicherung hin zu mehr Kapitalfundierung, mehr Wettbewerb und weniger Planwirtschaft auf den Immobilienm\u00e4rkte und mehr soziale Mobilit\u00e4t durch intaktere Familien, bessere Bildung und flexiblere Arbeitsm\u00e4rkte gehen in die richtige Richtung. Der Weg \u00fcber (massive) Umverteilung von Verm\u00f6gen (und Einkommen) ist ein Irrweg. Eine umfassende Angebotspolitik ist das Gebot der Stunde. Dann klappt es auch mit mehr \u201eWohlstand f\u00fcr Alle\u201c (Ludwig Erhard).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Arthur Okun (1975): Equality and Efficiency: The Big Tradeoff. Brookings Institution<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas Piketty (2014): Capital in the Twenty-First Century. Harvard University Press<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold und Klaus Gr\u00fcndler (2018): Ungleichheit, soziale Mobilit\u00e4t und Umverteilung. Kohlhammer Verlag<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Waldenstr\u00f6m (2024): Richer and More Equal. Polity Press<\/p>\n\n\n\n<p>Sachverst\u00e4ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2025\/2026): Perspektiven f\u00fcr morgen schaffen \u2013 Chancen nicht verspielen. Wiesbaden 2025<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Podcast zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42600\">Verm\u00f6gensungleichheit \u2013 Ein non-issue? Der Podcast zum Blog-Beitrag<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gespr\u00e4ch zwischen Prof. (em.) Dr. <strong>Norbert Berthold<\/strong> (JMU W\u00fcrzburg) und Dr. <strong>J\u00f6rn Quitzau<\/strong> (BERGOS AG).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2014): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15065\">Rettet den Kapitalismus vor den Kapitalisten! Thomas Piketty auf den Spuren von Karl Marx<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Guido Zimmermann (LBBW, 2014): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15716\">Verm\u00f6gensverteilung: Die Piketty-Kontroverse<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Markus Fra\u00df (JMU, 2014): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15623\">Die Treiber der Verm\u00f6gensungleichheit. Warum besitzen 10 % der Bev\u00f6lkerung mehr als die H\u00e4lfte des Verm\u00f6gens?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Markus Fra\u00df (JMU, 2015): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17039\">Verm\u00f6gensmobilit\u00e4t. Sind wir noch selbst unser Gl\u00fcckes Schmied?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2015): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17994\">Ungleichheit, Umverteilung und Mobilit\u00e4t. Besteht wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Jan Schnellenbach (BTU, 2015): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=17515\">Erbschaftsteuer und Betriebsverm\u00f6gen. Die Schonzeit ist noch nicht vorbei<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang Scherf (JLU, 2024): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38402\">Deutschland braucht keine Verm\u00f6gensteuer<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das empirische Ergebnis ist f\u00fcr viele \u00fcberraschend. Alles, was Gesellschaften reicher macht, macht sie auch gleicher (Daniel Waldenstr\u00f6m). Die bislang dominierende These steigender Verm\u00f6gensungleichheit (Thomas Piketty) wird in Frage gestellt. Wirtschaftliches Wachstum verringert (Verm\u00f6gens)Ungleichheit. Das hat Konsequenzen f\u00fcr die Wirtschaftspolitik. 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