{"id":42482,"date":"2026-01-03T07:21:22","date_gmt":"2026-01-03T06:21:22","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42482"},"modified":"2026-01-04T09:26:38","modified_gmt":"2026-01-04T08:26:38","slug":"gastbeitrag-interessen-zuerst-warum-europa-ohne-interessenpolitik-im-globalen-wettbewerb-verliert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42482","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Interessen zuerst <br><b>Warum Europa ohne Interessenpolitik im globalen Wettbewerb verliert <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die internationale Wirtschaftsordnung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. W\u00e4hrend Staaten wie China ihre Wirtschafts-, Industrie- und Handelspolitik konsequent an nationalen Interessen ausrichten, wirkt die Europ\u00e4ische Union zunehmend strategielos. Dieser Beitrag argumentiert, dass dies kein Zufall ist, sondern das Ergebnis einer politischen Verschiebung: weg von interessengeleiteter Politik, hin zu einer normativ \u00fcberfrachteten Transformationsagenda ohne klare Priorisierung. Die zentrale These lautet, in einer Welt des Systemwettbewerbs kommen zuerst Interessen, dann Werte. Dabei m\u00fcssen sie nicht im Widerspruch zueinander stehen, aber ohne diese Priorisierung bleibt strategische Handlungsf\u00e4higkeit Illusion.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><br>China hat im Oktober die Leitlinien f\u00fcr den 15. F\u00fcnfjahresplan in erster Fassung vorgelegt. Der Text ist n\u00fcchtern und bemerkenswert klar. Wachstum ist nicht mehr Selbstzweck. Im Zentrum stehen technologische Souver\u00e4nit\u00e4t, industrielle Resilienz, Energie- und Versorgungssicherheit sowie nationale Handlungsf\u00e4higkeit in einer konfliktreicheren Weltordnung. Wirtschaftspolitik, Industriepolitik, Au\u00dfenhandel und Sicherheitspolitik werden explizit zusammengef\u00fchrt. Der Staat definiert strategische Interessen und richtet Regulierung, Investitionen, Forschung und internationale Partnerschaften konsequent darauf aus. Offenheit nach au\u00dfen bleibt Teil des Modells, aber sie ist selektiv und interessengeleitet. Man kann diese Strategie kritisch sehen. Aber sie ist konsistent.<sup>1 2<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Klarheit steht im scharfen Kontrast zur europ\u00e4ischen Politik. Dabei ist interessengeleitete Au\u00dfen- und Handelspolitik kein chinesisches Alleinstellungsmerkmal. Sie war \u00fcber Jahrzehnte hinweg auch ein zentrales Element westlicher Politik.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"925\" height=\"395\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-17.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-42494\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-17.png 925w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-17-300x128.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-17-768x328.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nach dem Zerfall des Eisernen Vorhangs verfolgte der Westen ein sehr konkretes Ziel. Die politische und wirtschaftliche \u00d6ffnung der neuen Staaten in Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika sollte in eine regelbasierte Weltwirtschaft eingebettet werden. Mit der Gr\u00fcndung der Welthandelsorganisation (WTO) im Jahr 1995 wurde dieses Ziel institutionell verankert. Der globale Handel expandierte in der Folge in bislang unbekanntem Ausma\u00df. Die Weltwirtschaft wuchs, die globale Armut ging kontinuierlich zur\u00fcck, Bildungsniveaus stiegen. In vielen Schwellenl\u00e4ndern wurden in den 1990er Jahren die Grundlagen moderner Industrienationen gelegt, etwa in China, Brasilien oder S\u00fcdafrika.<sup>5 6<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als die EU mit den USA noch einen Plan verfolgte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dieser Entwicklung stand ein westlicher Plan. Durch wirtschaftliche Integration sollten Wohlstand entstehen, politische Stabilit\u00e4t gef\u00f6rdert und langfristig junge Demokratien hervorgebracht werden. Handel war kein Selbstzweck, sondern ein macht- und ordnungspolitisches Instrument. Deutschland geh\u00f6rte zu den gr\u00f6\u00dften Profiteuren dieser Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die relevanten Kennzahlen belegen dies eindr\u00fccklich. Der Exportanteil am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland stieg auf \u00fcber vierzig Prozent, der Offenheitsgrad der deutschen Volkswirtschaft erreichte Werte von \u00fcber neunzig Prozent. Die Welt wurde zu einem eng verflochtenen Netzwerk globaler Wertsch\u00f6pfungsketten. Wie es die Handelstheorie beschreibt, brachte diese internationale Arbeitsteilung einen bislang ungekannten Wohlstandsgewinn.<sup>7 8<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vom Partner zum Konkurrenten: Der Wendepunkt nach der Finanzkrise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit zunehmendem Wohlstand wuchsen jedoch auch die Erwartungen und Anspr\u00fcche der ehemals schw\u00e4cheren Staaten. L\u00e4nder wie China, Russland oder Indien wandelten sich von Absatzm\u00e4rkten sowie billigen Arbeits- und Rohstoffstandorten schrittweise zu eigenst\u00e4ndigen wirtschaftlichen und geopolitischen Konkurrenten. Sp\u00e4testens nach der globalen Finanzkrise 2008 und 2009 wurde deutlich, dass sich das Machtgef\u00fcge der Weltwirtschaft dauerhaft verschoben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>China reagierte auf diesen Einschnitt nicht defensiv, sondern strategisch. Als Teil der offenen Weltwirtschaft begann das Land, seine Wirtschafts-, Ressourcen- und Geopolitik systematisch neu auszurichten. In F\u00fcnfjahrespl\u00e4nen und langfristigen politischen Konzepten wurden nationale Interessen klar definiert und konsequent verfolgt. Die Belt and Road Initiative, langfristige Infrastrukturpachten, der massive Ausbau globaler Logistiknetzwerke und der gezielte Kauf internationaler H\u00e4fen sowie eine Vielzahl bilateraler und plurilateraler Handelsabkommen sind Ausdruck dieser Politik. China handelte nicht normativ, sondern interessengeleitet.<sup>1 9<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>TTIP, TPP und der Versuch westlicher Regelsetzung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Westen erkannte diese Entwicklung zun\u00e4chst und reagierte strategisch. Innerhalb der transatlantischen Allianz wurde fr\u00fch diskutiert, wie eine unkontrollierte multipolare Weltordnung begrenzt werden k\u00f6nnte. Die Antwort lautete <em>Regelsetzung durch Marktmacht<\/em>. Ziel war es, China \u00fcber Handels-, Investitions- und Technologieregeln einzud\u00e4mmen und seinen Einfluss auf das globale Wirtschaftssystem zu begrenzen. Das Trans-Pacific Partnership-Abkommen und TTIP waren zentrale Elemente dieses Ansatzes.<sup>10 11<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Diese Strategie stellte, wenn man so will, einen <em>Zehnjahresplan<\/em> des Westens dar. Der damalige Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler wies in diesem Zusammenhang darauf hin, <em>dass eine offene, stark exportorientierte Volkswirtschaft nicht erwarten k\u00f6nne, dass Ressourcen, Lieferketten und Handelswege dauerhaft ohne eigenes Engagement gesichert seien.<\/em><sup>12a<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das politische Scheitern in Europa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch was Teile der politischen Elite verstanden hatten, war in der breiten \u00d6ffentlichkeit weder bekannt noch politisch akzeptiert. Ab etwa 2011 begann innerhalb der Europ\u00e4ischen Union die systematische Untergrabung dieser interessengeleiteten Politik. Getrieben von <em>Partikularinteressen<\/em> und ideologischer Mobilisierung formierte sich massiver Widerstand gegen TTIP und andere Handelsabkommen. In Deutschland wurde TTIP als neokolonialer \u00dcbernahmeversuch stilisiert, in Frankreich wurden Bauern mobilisiert, in Belgien Industriearbeiter. In vielen Teilen der EU wurde gezielt Stimmung gegen den transatlantischen Ansatz gemacht. Der transatlantische Plan zerbrach.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor war Bundespr\u00e4sident K\u00f6hler zur\u00fcckgetreten, weil er unter anderem f\u00fcr seine oben genannten Forderungen \u00f6ffentlich verh\u00f6hnt wurde und politisch keine Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Positionen erhalten hatte. Niemand stellte sich sichtbar an seine Seite, um seine Analyse zu st\u00fctzen.<sup>12b<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>In der Folge dieser normativen Politik verlor Europa seine handelspolitische Orientierung. Freihandelsabkommen mit Kanada, Mercosur oder anderen Partnern galten zunehmend als Projekte multinationaler Konzerne. Dass sie im strategischen Interesse Europas, Deutschlands und der globalen Ordnung lagen, spielte politisch kaum noch eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Werte ohne Priorisierung: Europas Transformationspolitik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Parallel dazu begann die Europ\u00e4ische Union eine umfassende Transformationspolitik. Mit dem Green Deal, dem Ziel der Klimaneutralit\u00e4t bis 2050, ESG-Vorgaben, der Corporate Sustainability Reporting Directive, dem europ\u00e4ischen Lieferkettengesetz und weiteren regulatorischen Initiativen setzte die EU ambitionierte Ma\u00dfst\u00e4be. Diese Ziele sind normativ legitim und politisch nachvollziehbar. Klimaschutz, Menschenrechte und nachhaltige Wertsch\u00f6pfung sind reale Herausforderungen.<sup>13 14 15 16<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Problematisch ist jedoch nicht das Ziel, sondern die <em>Priorisierung<\/em>. Diese Politiken wurden weitgehend losgel\u00f6st von geo\u00f6konomischen, industriepolitischen und sicherheitspolitischen Realit\u00e4ten umgesetzt. Sie belasten europ\u00e4ische Unternehmen einseitig, erzeugen erhebliche Kosten und regulatorische Komplexit\u00e4t und entfalten kaum globale Lenkungswirkung. Die Annahme, Europa k\u00f6nne vorangehen und der Rest der Welt werde folgen, erwies sich als Fehlkalkulation.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rest der Welt folgte nicht. Er verfolgte konsequent eigene Interessen. China nutzte die steigenden Kosten und regulatorischen Lasten in der EU f\u00fcr einen unerwartet leichten Eintritt in die globale Automobilindustrie. Die USA forcierten den Kauf von US-Gas, nachdem billiges russisches Gas f\u00fcr die EU und Deutschland nicht mehr verf\u00fcgbar waren. Die EU und Deutschland sind seitdem Opfer einer naiven normativen Ideenpolitik, die grundlegende Prinzipien in internationalen Beziehungen \u00fcber Bord geworfen hat.<sup>17<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Interessen zuerst: Was Europa daraus lernen muss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In offenen Weltwirtschaften gilt eine einfache Logik: Zuerst kommen Interessen, dann folgen Ideen und Werte. Letztere sollen nicht vernachl\u00e4ssigt werden. Aber in einer offenen Welt im Systemwettbewerb braucht es eine klare Priorisierung, mit Interessen ganz oben und einer entsprechenden Politik.<sup>3 4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Wie kommen die EU und Deutschland nun aus dieser Situation heraus, ohne dauerhaft schwere wirtschaftliche und politische Blessuren davonzutragen? Zun\u00e4chst braucht es schnelle und pragmatische Korrekturen. Dazu z\u00e4hlen die R\u00fcckf\u00fchrung von B\u00fcrokratiekosten und eine interessengeleitete \u00dcberarbeitung von ESG-, CSRD- und Lieferkettenvorgaben, ohne die zugrunde liegenden Ziele grunds\u00e4tzlich aufzugeben. Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Transparenz bleiben legitime politische Anliegen. Ihre konkrete Ausgestaltung muss jedoch mit Wettbewerbsf\u00e4higkeit, Investitionsanreizen und industrieller Resilienz vereinbar sein. Regulierung darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss Teil einer koh\u00e4renten geo\u00f6konomischen Gesamtstrategie werden. Gleichzeitig muss die EU ihre handelspolitische Handlungsf\u00e4higkeit wiederherstellen. In einer Welt zunehmender Machtpolitik ist eine blockierte Handelspolitik gleichbedeutend mit strategischer Selbstentmachtung.\u00b9\u00b3 \u00b9?<\/p>\n\n\n\n<p>Doch selbst bei schnellen Korrekturen bleibt ein zentrales Problem bestehen: Die Achse mit den USA zu kitten wird schwierig. Die Vereinigten Staaten haben ihre Wirtschafts- und Handelspolitik in den vergangenen Jahren grundlegend neu ausgerichtet. Unabh\u00e4ngig von parteipolitischen Mehrheiten verfolgen sie heute eine explizit interessengeleitete, zunehmend nicht-kooperative Politik. Industriepolitik, Subventionen, \u201eBuy American\u201c-Vorgaben und Exportkontrollen werden offen als Instrumente nationaler Sicherheit eingesetzt. Kooperation tritt dort in den Hintergrund, wo sie als nachteilig f\u00fcr die eigenen Interessen wahrgenommen wird. F\u00fcr Europa bedeutet das: Die transatlantische Partnerschaft bleibt wichtig, sie ist aber nicht mehr regelbasiert im klassischen Sinne, sondern asymmetrisch und interessendominiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Umso unverst\u00e4ndlicher ist die Zur\u00fcckhaltung der EU bei der schnellen Umsetzung strategischer Partnerschaften mit politisch schwierigen, aber wirtschaftlich und geopolitisch relevanten Allianzen. Das gilt exemplarisch f\u00fcr das Mercosur-Abkommen, ein angestrebtes Handelsabkommen mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Auch wenn Partikularinteressen wie etwa bestimmte Agrargruppen reale Anpassungslasten tragen werden, muss das Interesse der Mehrheit der europ\u00e4ischen Volkswirtschaften ohne Wenn und Aber im Vordergrund stehen. Zugang zu Rohstoffen, neue Absatzm\u00e4rkte, die Diversifizierung globaler Lieferketten und geopolitische Pr\u00e4senz in S\u00fcdamerika sind keine Randthemen, sondern zentrale Elemente wirtschaftlicher Sicherheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso geh\u00f6rt eine Vertiefung der Handelsbeziehungen mit der T\u00fcrkei auf die europ\u00e4ische Priorit\u00e4tenliste, auch wenn die politische Lage komplex ist. Die T\u00fcrkei hat sich in den vergangenen Jahren als eigenst\u00e4ndiger Akteur im Nahen Osten und im kaspischen Raum etabliert und spielt eine zentrale Rolle in der Energie- und Sicherheitspolitik Europas. Eine strategische Ausblendung dieser Realit\u00e4t schw\u00e4cht nicht Ankara, sondern Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Indien und weiteren L\u00e4ndern gilt \u00c4hnliches. Auch Partnerschaften mit afrikanischen Staaten, etwa in Nordafrika, bleiben politisch schwierig, sind aber im Hinblick auf Ressourcen, Migration, Sicherheit und die Stabilisierung unmittelbarer Nachbarschaftsr\u00e4ume essenziell. Interessenpolitik bedeutet nicht, politische Differenzen zu ignorieren, sondern sie in eine strategische Abw\u00e4gung einzubetten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind Worte, die Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler bereits vor \u00fcber zehn Jahren formuliert hatte und f\u00fcr die er \u00f6ffentlich verh\u00f6hnt wurde. Heute wird deutlich, wie richtig seine Analyse war. <sup>12<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle ist eine grunds\u00e4tzliche Klarstellung hilfreich. In einer von Interessen geleiteten Welt ist Realpolitik nicht der Verzicht auf Werte, sondern die Einsicht, dass Werte ohne eine tragf\u00e4hige Machtbasis politisch wirkungslos bleiben. Insbesondere in einer Welt des Systemwettbewerbs k\u00f6nnen normative Ziele nur dann durchgesetzt werden, wenn sie auf wirtschaftlicher St\u00e4rke, technologischer Souver\u00e4nit\u00e4t und strategischer Handlungsf\u00e4higkeit beruhen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Journalist und au\u00dfenpolitische Beobachter Peter Scholl-Latour brachte diese Logik bewusst zugespitzt auf den Punkt: <em>\u201eMan darf das Weltgeschehen nicht durch die moralische Brille betrachten. Die Welt ist kein Sanatorium.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer kann eine solche interessengeleitete Politik in der EU definieren und politisch durchsetzen? Deutschland, aber nicht allein. Die Gr\u00fcnderstaaten der Europ\u00e4ischen Union m\u00fcssen sich aufrappeln und Partikularinteressen zur\u00fcckstellen. Es braucht eine klar definierte Priorit\u00e4tenliste, die wirtschaftliche St\u00e4rke, Versorgungssicherheit, technologische Souver\u00e4nit\u00e4t und strategische Partnerschaften als Grundlage nimmt. Wertepolitik bleibt wichtig, aber sie muss in eine robuste Interessenarchitektur eingebettet werden. <sup>3 4<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Referenzen (mit Links)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. Xinhua \/ State Council Information (english.gov.cn) (28.10.2025): Full text \u2013 Recommendations for Formulating the 15th Five-Year Plan (15. F\u00fcnfjahresplan). <a href=\"https:\/\/english.www.gov.cn\/news\/202510\/28\/content_WS6900adb9c6d00ca5f9a07216.html\">https:\/\/english.www.gov.cn\/news\/202510\/28\/content_WS6900adb9c6d00ca5f9a07216.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2. IMF (2025): Industrial Policy in China: Quantification and Impact on Misallocation (Working Paper 2025\/155). <a href=\"https:\/\/www.imf.org\/en\/publications\/wp\/issues\/2025\/08\/07\/industrial-policy-in-china-quantification-and-impact-on-misallocation-568888\">https:\/\/www.imf.org\/en\/publications\/wp\/issues\/2025\/08\/07\/industrial-policy-in-china-quantification-and-impact-on-misallocation-568888<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>3. Gilpin, Robert (2001): Global Political Economy: Understanding the International Economic Order. Princeton University.<br>https:\/\/press.princeton.edu\/books\/paperback\/9780691086774\/global-political-economy?srsltid=AfmBOorWcM6zNaYgjPjQ-b_AiGCS7u5MtNH3LzRRUNWksMAjpWHhImtU<\/p>\n\n\n\n<p>4. Kissinger, Henry (2014): World Order. Penguin (Publisher page). <a href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.com\/books\/316669\/world-order-by-henry-kissinger\/\">https:\/\/www.penguinrandomhouse.com\/books\/316669\/world-order-by-henry-kissinger\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>5. World Trade Organization: Marrakesh Agreement Establishing the World Trade Organization (WTO legal text PDF). <a href=\"https:\/\/www.wto.org\/english\/docs_e\/legal_e\/04-wto.pdf\">https:\/\/www.wto.org\/english\/docs_e\/legal_e\/04-wto.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>6. World Bank (2002): Globalization, Growth, and Poverty: Building an Inclusive World Economy (report page). <a href=\"https:\/\/documents.worldbank.org\/en\/publication\/documents-reports\/documentdetail\/954071468778196576\">https:\/\/documents.worldbank.org\/en\/publication\/documents-reports\/documentdetail\/954071468778196576<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>7. Statistisches Bundesamt (Destatis): Au\u00dfenwirtschaft \/ Globalisierungsindikatoren (Definition Au\u00dfenhandelsquote u.a.). <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Wirtschaft\/Globalisierungsindikatoren\/aussenwirtschaft.html\">https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Themen\/Wirtschaft\/Globalisierungsindikatoren\/aussenwirtschaft.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>8. Baldwin, Richard (2016): The Great Convergence: Information Technology and the New Globalization. Harvard University Press (book page). <a href=\"https:\/\/www.hup.harvard.edu\/books\/9780674237841\">https:\/\/www.hup.harvard.edu\/books\/9780674237841<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>9. World Bank (2019): Belt and Road Economics: Opportunities and Risks of Transport Corridors (Open Knowledge Repository). <a href=\"https:\/\/openknowledge.worldbank.org\/entities\/publication\/59486f09-600d-579e-b252-b2d5d06b88d6\">https:\/\/openknowledge.worldbank.org\/entities\/publication\/59486f09-600d-579e-b252-b2d5d06b88d6<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>10. European Commission (12.03.2013): Impact Assessment for EU\u2013US trade relations\/TTIP (SWD(2013) 68 final, PDF). <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/smart-regulation\/impact\/ia_carried_out\/docs\/ia_2013\/swd_2013_0068_en.pdf\">https:\/\/ec.europa.eu\/smart-regulation\/impact\/ia_carried_out\/docs\/ia_2013\/swd_2013_0068_en.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>11. USTR (2016): Trans-Pacific Partnership (TPP) \u2013 Full Text (official chapters). <a href=\"https:\/\/ustr.gov\/trade-agreements\/free-trade-agreements\/trans-pacific-partnership\/tpp-full-text\">https:\/\/ustr.gov\/trade-agreements\/free-trade-agreements\/trans-pacific-partnership\/tpp-full-text<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>12a. FOCUS Online (2010): <em>Die umstrittene Passage des K\u00f6hler-Interviews<\/em>, Dokumentation Interviewtext. <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/die-umstrittene-passage-des-koehler-interviews-dokumentation_id_1779843.html?utm_source=chatgpt.com\">https:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/die-umstrittene-passage-des-koehler-interviews-dokumentation_id_1779843.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>12b. Bundespr\u00e4sidialamt (31.05.2010): Erkl\u00e4rung von Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler (R\u00fccktrittserkl\u00e4rung). <a href=\"https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Horst-Koehler\/Reden\/2010\/05\/20100531_Rede.html\">https:\/\/www.bundespraesident.de\/SharedDocs\/Reden\/DE\/Horst-Koehler\/Reden\/2010\/05\/20100531_Rede.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>13. Directive (EU) 2022\/2464 (CSRD) \u2013 EUR-Lex (ELI). <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/dir\/2022\/2464\/oj\/eng\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/dir\/2022\/2464\/oj\/eng<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>14. Directive (EU) 2024\/1760 (CSDDD, EU-Lieferkettenrichtlinie) \u2013 EUR-Lex (ELI). <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/dir\/2024\/1760\/oj\/eng\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/dir\/2024\/1760\/oj\/eng<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>15. Regulation (EU) 2020\/852 (EU Taxonomy Regulation) \u2013 EUR-Lex (ELI). <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2020\/852\/oj\/eng\/\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2020\/852\/oj\/eng\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>16. European Commission (11.12.2019): The European Green Deal (COM(2019) 640) \u2013 EUR-Lex entry. <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/?uri=CELEX%3A52019DC0640\">https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/?uri=CELEX%3A52019DC0640<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>17. International Energy Agency (IEA) (2023): World Energy Outlook 2023 \u2013 Executive Summary (PDF, German). <a href=\"https:\/\/iea.blob.core.windows.net\/assets\/4d26ad9f-6c17-4789-8cd5-c270788b609a\/WEO2023_Executivesummary_German.pdf\">https:\/\/iea.blob.core.windows.net\/assets\/4d26ad9f-6c17-4789-8cd5-c270788b609a\/WEO2023_Executivesummary_German.pdf<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erdal Yalcin<\/strong> ist Professor f\u00fcr Internationale Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Hochschule Konstanz (HTWG Konstanz). Er promovierte an der Eberhard Karls Universit\u00e4t T\u00fcbingen zur Wirkung von Unsicherheit auf Exporte und ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der internationalen Handelspolitik, globalen Wertsch\u00f6pfungsketten, Sanktionspolitik sowie geo\u00f6konomischen und ordnungspolitischen Fragestellungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2025): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42352\">Was nun, Europa? US-Sicherheitsstrategie, Eurosklerose, Europ\u00e4ische Verteidigungsunion<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2025): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=40272\">Der Fall der WTO. Sind liberale Welthandelsordnungen inh\u00e4rent instabil?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Podcasts zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=40261\">Niedergang der Welthandelsorganisation. Ist Donald Trump ein Brandbeschleuniger?<\/a> Prof. (em.) Dr. <strong>Norbert Berthold <\/strong>(JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. (em.) Dr. <strong>Rolf J. Langhammer<\/strong> (IfW)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=40067\">Donald Trump l\u00e4uft handelspolitisch Amok. Wann hat der Spuk ein Ende?<\/a> Prof. (em.) Dr. <strong>Norbert Berthold <\/strong>(JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. <strong>Michael Frenkel <\/strong>(WHU)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41128\">Welthandelsordnung in Unordnung. Wie k\u00f6nnte eine \u201eneue\u201c Ordnung aussehen?<\/a> Prof. (em.) Dr. <strong>Norbert Berthold<\/strong> (JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. (em.) Dr. <strong>Rolf J. Langhammer<\/strong> (IfW).<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die internationale Wirtschaftsordnung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. 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