{"id":42809,"date":"2026-03-27T00:09:00","date_gmt":"2026-03-26T23:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42809"},"modified":"2026-03-27T06:06:27","modified_gmt":"2026-03-27T05:06:27","slug":"gastbeitrag-eu-mercosur-freihandelsabkommen-eine-geopolitische-dimension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42809","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>EU-Mercosur Freihandelsabkommen <br><b>Eine geopolitische Dimension <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Januar 2026 wurde mit dem Freihandelsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union (EU) und der lateinamerikanischen Freihandelszone Mercosur endlich vollendet, woran die Europ\u00e4ische Kommission 25 Jahre gearbeitet hat. Auch wenn der Schulterschluss der Linken und Rechten im Europ\u00e4ischen Parlament, die \u2013 aus undurchsichtigen Gr\u00fcnden \u2013 das Abkommen knapp zwei Wochen nach Unterzeichnung zur Pr\u00fcfung an den Europ\u00e4ischen Gerichtshof verwies, das endg\u00fcltige Inkrafttreten verz\u00f6gern wird, wird es dazu kommen. Dieses Abkommen soll \u00fcber 90 Prozent der Z\u00f6lle zwischen den 260 Millionen B\u00fcrgern der vier Mitglieder des Mercosur Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay und den 450 Millionen EU-B\u00fcrgern. Neben dem Abbau protektionistischer Ma\u00dfnahmen haben die Partner auch Vereinbarungen im Bereich Nachhaltigkeit getroffen, die \u00fcber den Au\u00dfenhandel hinausgehen, die Liberalisierung aber mit humanit\u00e4ren, sozial und umweltpolitischen Entwicklungen verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade die deutsche Wirtschaft verspricht sich davon einen Schub, der \u2013 wenigstens teilweise \u2013 die wegbrechenden M\u00e4rkte in den USA und China kompensieren hilft. Ob es so kommt, muss sich noch erweisen. Die kolportierten Zahlen \u2013 in der EU spricht man von zus\u00e4tzlichem Au\u00dfenhandel in Milliardenh\u00f6he \u2013 klingen erfreulich, aber es wird Zeit brauchen, da die Zollsenkungen schrittweise vollzogen werden. Aber im Durchschnitt werden die Verbraucher in Europa g\u00fcnstiger einkaufen k\u00f6nnen, und die Unternehmen haben eine neue Alternative als Beschaffungs- und Absatzmarkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u2013 von der EU regelm\u00e4\u00dfig ignoriertes \u2013 Problem stellen aber die Nachhaltigkeitsklauseln dar, die von Partnern der EU regelm\u00e4\u00dfig kritisch gesehen werden, weil sie als ein etwas paternalistischer Versuch gesehen werden, europ\u00e4ische Standards \u2013 im vorliegenden Fall \u2013 in Lateinamerika einzuf\u00fchren oder die Ablehnung solcher Standards dort als Vorwand f\u00fcr die Aufrechterhaltung von Barrieren zu nutzen. So wichtiges nachhaltiges und menschenrechtskonformes Wirtschaften ist, so schwierig ist es, dieses Verhalten Partnern vorschrieben zu wollen. Hier kann man der EU nur anraten, zur\u00fcckhaltend zu sein und darauf zu setzen, dass steigender Wohlstand und das europ\u00e4ische Vorbild einen Beitrag zur Erh\u00f6hung der Nachhaltigkeit in L\u00e4ndern mit weniger Wohlstand liefern. So war es ja auch in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon abgesehen ist das Abkommen ein gutes Signal vor dem Hintergrund der j\u00fcngsten geopolitischen Entwicklungen.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>China hat seine Pr\u00e4senz in Lateinamerika in den letzten Jahren deutlich erh\u00f6ht und verdr\u00e4ngt die USA und die EU in vielen L\u00e4ndern als zentrale Partner. Gleichwohl zeigen Umfragen, dass das Image der EU in Lateinamerika weiterhin sehr gut ist -mit dem Abkommen besteht die Chance f\u00fcr EU-Akteure, selber wieder pr\u00e4senter zu werden.<\/li>\n\n\n\n<li>Die USA hat mit ihrer aggressiven Kanonenboot-Politik die Regellosigkeit zur neuen Regel erkl\u00e4rt und sowohl in Lateinamerika als auch in der EU viel Unruhe erzeugt. Da ist es richtig, mit einem Abkommen Regeln zu setzen und das System des Welthandels zu st\u00e4rken.<\/li>\n\n\n\n<li>Europa zeigt damit Handlungs- und Paktf\u00e4higkeit.<\/li>\n\n\n\n<li>Schlie\u00dflich bietet Lateinamerika ein reiches Arsenal an kritischen Rohstoffen, die f\u00fcr die Herausforderungen in Europa, namentlich die demographische Entwicklung, die Digitalisierung und die Transformation zur klimafreundlichen Wirtschaft entscheidend sind und die zur Zeit fast ausschlie\u00dflich von chinesischen Unternehmen angeboten werden. Zugang zu diesen Rohstoffen zu verbessern, ist eine kluge Idee.<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist auch klug, dass die Europ\u00e4ische Kommission das Abkommen zweigeteilt hat: Der Handelsteil muss nicht von den Mitgliedern ratifiziert werden. Diese Pflicht gilt f\u00fcr den regulativen (im Fachjargon: WTO+)-Teil. Es kann also mit der Liberalisierung des transatlantischen Handels gen S\u00fcden schnell losgehen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Die Vereinbarung mit Mercosur sollte aber nicht das Ende der Bem\u00fchungen sein. Die EU verhandelte au\u00dferdem weitere Abkommen mit Indien und Australien. Gerade letzteres ist wichtig, weil es ein Signal in den pazifischen Raum sendet. Auch hier blockierten die Interessen der Landwirtschaft und speziell der Rinderz\u00fcchter den Abschluss. Es kann nicht sein, dass eine verschwindende Minderheit 450 Millionen Europ\u00e4er in Geiselhaft nimmt. Der Mercosur-Deal ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass die Mehrheit sich das nicht l\u00e4nger gefallen lassen will. Auch deshalb \u00fcberstimmte die Kommission das Europ\u00e4ische Parlament und setzt das Abkommen zum 1. Mai 2026 vorl\u00e4ufig in Kraft. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Der Kommentar erschien als Leitartikel in <a href=\"https:\/\/rsw.beck.de\/zeitschriften\/wist\/das-aktuelle-heft\">H. 2 (2026)<\/a> der Fachzeitschrift WiSt<\/p>\n\n\n\n<p>Blog-Beitrag zum Thema:<\/p>\n\n\n\n<p>Vincent Stamer (CBK, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42785\">Handelsabkommen \u2013 Wie geht es nach Mercosur weiter?<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Januar 2026 wurde mit dem Freihandelsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union (EU) und der lateinamerikanischen Freihandelszone Mercosur endlich vollendet, woran die Europ\u00e4ische Kommission 25 Jahre gearbeitet hat. 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