{"id":42911,"date":"2026-02-13T00:17:00","date_gmt":"2026-02-12T23:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42911"},"modified":"2026-05-01T15:32:58","modified_gmt":"2026-05-01T14:32:58","slug":"de-industrialisierung-in-deutschland-strukturwandel-politikversagen-rostguertel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42911","title":{"rendered":"De-Industrialisierung in Deutschland <br><b>Strukturwandel, Politikversagen, Rostg\u00fcrtel <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eDie \u00d6konomie l\u00e4sst sich nicht beschei\u00dfen.\u201c<\/em> (J\u00f6rg Niehans)<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eWenn wir die Industrie aus Deutschland vertreiben, wird die weltweite CO2-Bilanz nicht besser, aber unser Sozialstaat kleiner&#8220; <\/em>(Christoph M\u00fcnzer)<\/p>\n\n\n\n<p>Deutschland ist wirtschaftlich in Schwierigkeiten. Es ist nicht die Konjunktur, es ist die Struktur. Der sektorale Strukturwandel macht Deutschland zu schaffen. Das industrielle Herz &#8211; Auto, Chemie, Maschinenbau  \u2013 ist aus dem Rhythmus. In allen drei Branchen brechen die Gewinne ein (Mercedes, BASF), sie bauen inl\u00e4ndische Arbeitspl\u00e4tze (Maschinenbau) in gro\u00dfem Stil ab. Die gesamte Industrie hat seit 2019 fast 300.000 Jobs verloren, allein 2025 waren es \u00fcber 110.000. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die \u201eGesetze\u201c des Strukturwandels gelten auch f\u00fcr die deutsche Industrie. Damit muss ein Land und seine B\u00fcrger leben (lernen). Die Politik hat aber nichts Besseres zu tun, als \u00d6l ins Feuer des unvermeidlichen Strukturwandels zu gie\u00dfen. Sie beschleunigt den (unvermeidlichen) industriellen Niedergang. Das Gespenst der \u201erust belts\u201c k\u00f6nnte bald auch in Deutschland spuken. Es ist allerdings zu hoffen, dass die Politik doch noch zur Vernunft kommt und die energie- und klimapolitische \u201eStrukturpeitsche\u201c wieder aus der Hand legt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>\u201eGesetze\u201c des Strukturwandels<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Volkswirtschaften stehen st\u00e4ndig unter Schock(s). Die k\u00f6nnen markt- oder politikgetrieben sein. Die Kunst der Wirtschaftspolitik besteht darin, selbst m\u00f6glichst wenig solcher Schocks zu produzieren und effizient auf die Anpassungslasten aus den Schocks zu reagieren. Ein solcher Schock ist der (sektorale) Strukturwandel. Marktgetrieben ist er, wenn ihn etwa ver\u00e4nderte Produktivit\u00e4ten, andere Pr\u00e4ferenzen und neue relative Preise pushen. Die Industrie wird immer produktiver, prim\u00e4r getrieben durch neue Technologien. Mit steigendem Wohlstand erh\u00f6ht sich die Nachfrage nach Dienstleistungen, getrieben durch Haushalte (Endprodukte) und Unternehmen (Zwischenprodukte). Weltweit offenere G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte ver\u00e4ndern relative Preise und treiben den sektoralen Strukturwandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Der industrielle Sektor verliert mit steigendem Wohlstand, der Dienstleistungssektor gewinnt weiter. Das ist nichts Neues. Diese \u00f6konomischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten gelten f\u00fcr alle, auch wenn viele hierzulande lange glaubten, sie w\u00fcrden f\u00fcr Deutschland nicht zutreffen. Neuerdings treibt eine neue Gr\u00f6\u00dfe den Strukturwandel: Die K\u00fcnstliche Intelligenz. Sie macht beide Sektoren produktiver, Industrie und Dienstleistungen. Wie sich allerdings die Sektoranteile ver\u00e4ndern, ist bisher noch unklar. Einiges spricht daf\u00fcr, dass KI den sektoralen Strukturwandel beschleunigt. Neben dem sektoralen l\u00e4uft ein starker beruflicher Strukturwandel ab. Hochqualifizierte Jobs sind die absoluten KI-Gewinner, personenbezogene, oft auch niedrigqualifizierte Jobs sind KI-resistent, sie verlieren nicht. Die eigentlichen Verlierer sind Jobs, die mittlere Qualifikationen erfordern.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/strukturwandel1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-42914\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/strukturwandel1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/strukturwandel1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/strukturwandel1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/strukturwandel1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/strukturwandel1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der industrielle Sektor steht in der Kritik, er halte den sektoralen Strukturwandel auf. Anhaltende \u00dcbersch\u00fcsse in der Leistungsbilanz waren lange der Anlass. Europa- und weltweit wurde Deutschland \u201estruktureller Merkantilismus\u201c (Martin Wolf) vorgeworfen. Das war Unsinn. Der deutsche industrielle Sektor war einfach wettbewerbsf\u00e4higer. Hohe Zuw\u00e4chse bei der Produktivit\u00e4t und eine moderate Lohn- und Tarifpolitik waren die Treiber. Der schwache Euro half. Nun sitzt die deutsche Industrie wieder auf der Anklagebank. Ihren Interessenvertretern wird vorgeworfen, eine Politik eines protektionistisch abgeschotteten Europas zu verfolgen, den Aufbau von Zukunftsindustrien zu verhindern und die Klimaziele zu verw\u00e4ssern. Die mittelst\u00e4ndischen Unternehmen des BDI, vor allem aber die Familienunternehmen, seien die Lordsiegelbewahrer \u00fcberkommener alter Strukturen (<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/schluss-mit-der-ideologie-die-auf-stabilitaet-fixiert-ist-deutschlands-wirtschaftliche-chance-liegt-in-der-innovation-ld.1923089\">hier<\/a>). Auch das ist Unsinn. Die Industrie k\u00e4mpft ums \u00dcberleben, auch weil ihr vor allem die Energie-, Klima-, aber auch die Sozial- und Steuerpolitik die Luft zum \u00dcberleben nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Strukturpeitsche der Politik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der (sektorale) Strukturwandel ist nicht nur marktgetrieben. Das l\u00e4sst sich weder \u00e4ndern, noch ist es sinnvoll, ihn zu stoppen. Es ist aber auch die Politik, die ihn mit staatlichen Eingriffen beschleunigt. Das muss nicht sein. Gegenw\u00e4rtig sind es vor allem drei Interventionen, die wie eine sektorale \u201eStrukturpeitsche\u201c zu wirken. Der wichtigste Einfluss geht von der Klimapolitik aus. Sie wird marktwirtschaftlich \u00fcber C02-Preise und planwirtschaftlich mit dem Ordnungsrecht (Verbrennerverbot, Heizungsgesetz etc.) betrieben. Der Einfluss auf das Weltklima ist in beiden F\u00e4llen vernachl\u00e4ssigbar. Also: Viel (teurer) L\u00e4rm um klimapolitisch (fast) Nichts. Die Kosten sind allerdings erheblich. Wettbewerblich w\u00e4re das noch zu verschmerzen, w\u00fcrde auch die Konkurrenz auf den Weltm\u00e4rkten klimapolitisch mitmachen. Das tut sie aber zu einem gro\u00dfen Teil nicht. Die ideologiegetriebene Illusion, Deutschland werde weltweit Vorreiter und exportiere \u201egr\u00fcne\u201c Klimapolitik, ist geplatzt. Die Welt macht nicht mit. Deutschland exportiert vor allem industrielle Arbeitspl\u00e4tze und eigenen Wohlstand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur2-1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43004\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur2-1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur2-1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur2-1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur2-1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur2-1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein zweiter staatlicher Treiber des (sektoralen) Strukturwandels ist die missratene Energiepolitik. Sie setzt industriellen (energieintensiven) Unternehmen gewaltig zu. Die Politik hat sich f\u00fcr eine fatal falsche Schrittfolge in der Energiepolitik entschieden. Klimafreundliche atomare Energiequellen wurden abgeschaltet, bevor flatterhafte, nicht grundlastf\u00e4hige Erneuerbare von Norden nach S\u00fcden (Windkraft) transferierbar und effizient speicherbar (Wind, Sonne) sind. Um grundlastf\u00e4hig zu sein, m\u00fcssen die (klimaneutralen) Erneuerbaren Energien mit fossilen Energien gedoppelt werden. Das geht ins Geld, ohne dem Klima zu helfen. Die Energiepreise sind international hoch, energieintensive (industrielle) Branchen geraten im internationalen Wettbewerb ins Abseits. Eine \u201esaudumme\u201c Energiepolitik wirkt wie eine sektorale Strukturpeitsche. Die Bundeswirtschaftsministerin scheint entschlossen, die gr\u00f6bsten Dummheiten zu korrigieren. Das ist gut so!<\/p>\n\n\n\n<p>Die (notwendige) Reform der Erbschaftsteuer k\u00f6nnte den sektoralen Strukturwandel weiter beschleunigen. Im Zentrum steht der Einfluss einer \u201eneuen\u201c Erbschaftsteuer auf mittelst\u00e4ndische Unternehmen. Der Mittelstand spielt im (industriellen) Deutschland (Auto, Maschinenbau, Chemie) eine wichtige Rolle. Er hat viele \u201ehidden champions\u201c, ist mit seinen Netzwerken im Verbund mit gro\u00dfen Unternehmen ein starker (regionaler) Pfeiler im arg gerupften \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c und ein wichtiger (industrieller) Akteur im sektoralen Strukturwandel. Sollte eine \u201egerechtigkeitsgetriebene\u201c Reform der Erbschaftsteuer den Mittelstand besch\u00e4digen (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42795\">hier<\/a>), bliebe das nicht ohne schwerwiegende Folgen f\u00fcr den industriellen Sektor. Ein wichtiger Stabilisator der Industrie k\u00e4me ins Wanken. Der sektorale Strukturwandel w\u00fcrde beschleunigt, die Industrie weiter verlieren, die regionalen Verw\u00fcstungen w\u00fcrden zunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Gefahr von \u201erust belts\u201c?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche Industrie ist geclustert. Wichtige Branchen \u2013 Auto, Maschinenbau, Chemie, Pharma \u2013 sind regional konzentriert. Das gilt auch f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil ihrer Netzwerke an Zulieferern. Der Niedergang einer Branche bringt nicht nur Unternehmen (Endproduzenten, Zulieferer) in Schwierigkeiten. Es besteht auch die Gefahr regionaler Abw\u00e4rtsspiralen. Einer der weltweit bekanntesten F\u00e4lle ist der irreversible Niedergang der industriellen Basis in den USA der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ein wichtiger Ausl\u00f6ser war die globalisierte, billigere chinesische Konkurrenz. Wichtige Grundstoffindustrien (Kohle, Stahl) gingen verloren. Die Autoindustrie kollabierte (GM, Chrysler, Ford). Massenarbeitslosigkeit entstand. Ein Prozess der regionalen Abwanderung setzte ein. Ganze St\u00e4dte (Detroit, Cleveland, Pittsburgh, Youngstown) erlebten einen sozialen Kollaps (Armut, Drogen, Radikalisierung).<\/p>\n\n\n\n<p>Endet die De-Industrialisierung auch hierzulande in \u201erust belts\u201c? Eine Zutat f\u00fcr eine solche Entwicklung w\u00e4re der massive Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen in der Industrie. Der Verlust ganzer Branchen ist aber wenig wahrscheinlich. Nach dem neusten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts bin ich mir aber nicht mehr so sicher (&#8222;highway to hell&#8220;). Die Qualifikation der Arbeitnehmer ist hoch. Mismatch-Arbeitslosigkeit ist m\u00f6glich, Langzeitarbeitslosigkeit eher nicht. Der allgemeine Fachkr\u00e4ftemangel entlastet. Eine weitere Zutat f\u00fcr \u201erust belts\u201c w\u00e4re die regionale Cluster-Bildung wichtiger Industrien. Ein Zusammenbruch ganzer Netzwerke steht (noch) nicht an. Sich selbst verst\u00e4rkende regionale Abw\u00e4rtsbewegungen sind wenig wahrscheinlich. Eine dritte Zutat w\u00e4re die Angst vor dem sozialen Abstieg. Qualifikation und Sozialstaat verhindern aber das Schlimmste. Trotzdem ist zu beobachten, dass dort wo die De-Industrialisierung besonders heftig ausf\u00e4llt, extreme Parteien von links (Die Linke) und rechts (AfD) politisch Honig saugen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur3-1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43005\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur3-1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur3-1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur3-1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur3-1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/struktur3-1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Politik kann einiges tun, um zu verhindern, dass die De-Industrialisierung au\u00dfer Kontrolle ger\u00e4t. An den Lasten aus dem marktgetriebenen Strukturwandel l\u00e4sst sich wenig \u00e4ndern. Sie lassen sich nicht mehr verhindern. Und das ist auch gut so. Wenn es aber dumm l\u00e4uft, werden China (Mehrproduktion) und Trump (Z\u00f6lle) sie noch verst\u00e4rken. Da hat sich einiges aufgestaut. Dieser Stau l\u00f6st sich gerade auf. Arbeitnehmer m\u00fcssen die Lasten \u00fcber flexible L\u00f6hne und eine h\u00f6here regionale, sektorale und berufliche Mobilit\u00e4t tragen, Unternehmen \u00fcber Abschreibungen auf ihre Investitionen. Die Lasten aus dem vermeidbaren politikgetriebenen Strukturwandel sind dagegen nicht gottgegeben. Dieser politische Unfug ist reversibel. Wichtig ist: Die Politik muss in der Energie- und Klimapolitik grundlegend umsteuern. Und sie muss einen der wichtigsten Kostentreiber, den wenig effizienten (ungerechten) Sozialstaat, in den Griff bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Politik f\u00fcr den Strukturwandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der einfache Dreisatz einer effizienten Politik f\u00fcr den Strukturwandel lautet: (Marktgetriebenen) Strukturwandel nicht behindern, (heimischen) Standort attraktiver gestalten, (sektorale) Friktionen sozial abfedern. Der sektorale Strukturwandel in Deutschland hat sich aufgestaut. Es macht keinen Sinn, den Abbau des Strukturstaus zu behindern. Die Industrie muss weiter schrumpfen, der Dienstleistungssektor weiter wachsen. Notwendig ist, politische Lasten abzubauen, unter denen gro\u00dfe Teile der Industrie leiden: Die Klimapolitik ist gescheitert. Der europ\u00e4ische Emissionshandel muss effizienter und gerechter werden. Das erfordert in einer Welt, die klimapolitisch nicht (ausreichend) kooperiert, reziproke C02-Preise, also geringere Klimaziele (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41935\">hier<\/a>). Die \u201egr\u00fcne\u201c, ideologiegetriebene Energiepolitik ist krachend gescheitert. Das Land braucht einen neuen Energie-Mix: EE, Gas (grundlastf\u00e4hig) und Kernkraft (grundlastf\u00e4hig). Kurzfristig m\u00fcssen die zuletzt stillgelegten sechs AKW reaktiviert werden. Die energiepolitische Umkehr hilft dem Strukturwandel, dem Geldbeutel und dem Klima.<\/p>\n\n\n\n<p>Anpassungslasten zu verringern ist das eine, ad\u00e4quat auf sektorale Schocks zu reagieren, ist das andere. Die Anpassung an neue Gegebenheiten gelingt am besten, wenn relative Preise auf G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkten flexibel, Arbeit und Kapital sektoral, regional und beruflich mobil sind. Hilfreich ist: Sklerotisierte M\u00e4rkte \u00f6ffnen, wuchernde B\u00fcrokratie abbauen, nicht wettbewerbsf\u00e4hige Steuern und Abgaben senken, den l\u00e4hmenden Sozialstaat reformieren, privates Unternehmertum aktivieren. Standortwettbewerb statt Industriepolitik ist die Devise (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=35057\">hier<\/a>). Ein Standort prosperiert, wenn er im Kampf der (national) immobilen um (international) mobile Faktoren erfolgreich ist (Herbert Giersch). Eine richtig konzipierte Angebotspolitik sorgt f\u00fcr ein effizientes Angebot an \u00f6ffentlichen G\u00fctern, ein g\u00fcnstiges Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis bei Steuern und staatlichen Leistungen und attraktive institutionelle Regelungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Marktgetriebener Strukturwandel ist notwendig und sinnvoll. Aber er ist nicht umsonst. Arbeit und Kapital im industriellen Sektor verlieren. Es ist Aufgabe des (Sozial)Staates, den Verlierern zu helfen. Verluste an Realkapital sind unternehmerische Risiken. Staatlicher Hilfe bedarf es im Regelfall nicht. Das ist bei Humankapital anders. Staatliche Hilfen sind angesagt. Es geht nicht darum, industrielle Arbeitspl\u00e4tze zu retten, es geht um Hilfen f\u00fcr Arbeitnehmer, die durch den Strukturwandel arbeitslos wurden. Notfall-Hilfe ist ein Element: (Versicherungsad\u00e4quate) Arbeitslosenversicherungen und (anreizkompatible) Grundsicherungen leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Es braucht aber mehr: Eine effiziente aktive Arbeitsmarktpolitik (Beratung, Vermittlung, Qualifizierung) z\u00e4hlt ebenso dazu, wie klug konzipierte finanzielle Hilfen f\u00fcr flexible Einstiegsl\u00f6hne von Arbeitslosen und eine wirksame F\u00f6rderung der (beruflichen, sektoralen und regionalen) Mobilit\u00e4t. Ein fehlender Sozialstaat hat in den USA \u201erust belts\u201c beg\u00fcnstigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man muss f\u00fcr alles bezahlen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter. In Deutschland hat sich der (sektorale) Strukturwandel \u00fcber lange Zeit aufgestaut. Nun brechen alle D\u00e4mme. Und die Politik hat nichts Besseres zu tun, als \u00d6l ins Feuer zu gie\u00dfen. Eine selten \u201edumme\u201c Energie- und eine verfehlte Klimapolitik b\u00fcrden der \u00d6konomie immer neue Lasten auf, f\u00fcr klimapolitisch (fast) Nichts. Darunter leidet vor allem der industrielle Sektor. Damit nicht genug. Der Sozialstaat w\u00e4chst, die B\u00fcrokratie wuchert, Regulierungen fesseln, Steuern und Abgaben steigen, Gewerkschaften halten an alten lohn- und tarifpolitischen Ritualen des Verteilungskampfes fest. Deutschland wird immer mehr zum gefesselten Riesen (Gulliver), der nicht mehr ad\u00e4quat auf den strukturellen Wandel reagieren kann (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29732\">hier<\/a>). Die Politik ist v\u00f6llig von der Rolle. Sie erh\u00f6ht die Anpassungslasten und verringert die Anpassungskapazit\u00e4ten. Das muss sich \u00e4ndern. Sonst drohen amerikanische Verh\u00e4ltnisse (\u201erust belts\u201c), \u00f6konomisch und politisch. Ob die Politik das schnallt? Ansonsten werden die W\u00e4hler reagieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2022): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=30953\">Das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Deutschland\u201c in Zeiten der Krise. De-Globalisierung, Ukraine-Krieg und Energie-Embargo<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2023): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=33653\">De-Industrialisierung ante portas? Politik f\u00fcr den Strukturwandel statt Strukturpolitik mit der Gie\u00dfkanne<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Berthold (JMU, 2024): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=37922\">De-Industrialisierung nimmt Fahrt auf. Gesch\u00e4ftsmodelle, De-Globalisierung und ruin\u00f6se Politik<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Podcast zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38246\">Deutschland im Umbruch. Droht De-Industrialisierung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Prof. Dr. <strong>Norbert Berthold<\/strong> (JUM) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. <strong>Oliver Holtem\u00f6ller<\/strong> (IWH)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist wirtschaftlich in Schwierigkeiten. Der sektorale Strukturwandel macht ihm zu schaffen. Das industrielle Herz &#8211; Auto, Maschinenbau, Chemie \u2013 ist aus dem Rhythmus. Alle drei Branchen bauen in gro\u00dfem Stil inl\u00e4ndische Arbeitspl\u00e4tze ab. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die \u201eGesetze\u201c des Strukturwandels gelten auch f\u00fcr die deutsche Industrie. Seine Bedeutung wird sinken. Damit muss ein Land und seine B\u00fcrger leben (lernen). Die Politik hat nichts Besseres zu tun, als \u00d6l ins Feuer zu gie\u00dfen. Sie beschleunigt den industriellen Niedergang. Das Gespenst der \u201erust belts\u201c k\u00f6nnte bald auch in Deutschland spuken. Es ist allerdings zu hoffen, dass die Politik die \u201eStrukturpeitsche\u201c doch noch aus der Hand legt. <!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":42968,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1219],"tags":[556,2233,188,3007,156],"class_list":["post-42911","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-strukturelles-alles","tag-berthold","tag-de-industrialisierung","tag-politikversagen","tag-rostguertel","tag-strukturwandel"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>De-Industrialisierung in Deutschland Strukturwandel, Politikversagen, Rostg\u00fcrtel  - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42911\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"De-Industrialisierung in Deutschland Strukturwandel, Politikversagen, Rostg\u00fcrtel  - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Deutschland ist wirtschaftlich in Schwierigkeiten. 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