{"id":4341,"date":"2010-11-19T09:29:16","date_gmt":"2010-11-19T08:29:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=4341"},"modified":"2010-11-19T09:30:50","modified_gmt":"2010-11-19T08:30:50","slug":"gastbeitragnach-der-krise-vor-der-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=4341","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag:<\/small><br\/>Nach der Krise \u2013 vor der Krise"},"content":{"rendered":"<p>Aus der Bibel kennen wir den naturalen Rhythmus von sieben mageren und sieben fetten Jahren. Auch die Erfahrung mit der modernen Wirtschaftswelt scheint die ewige Wiederkehr eines Konjunkturzyklus zu best\u00e4tigen, der sich aber nicht auf die geheiligte Zahl sieben festlegen l\u00e4\u00dft und sich \u00fcberdies verl\u00e4\u00dflicher Berechnung entzieht. Diese Unberechenbarkeit ist eine Frechheit, die sich der Geschichtsverlauf gegen\u00fcber den polit\u00f6konomischen Technokraten herausnimmt. Mit den Konjunkturen und Strukturen wird man einfach nicht fertig. Wegen der \u201eImponderabilien\u201c, h\u00e4tte Bismarck gesagt. Und der war eher ein preu\u00dfischer Staatssozialist als ein liberaler Kapitalist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ob Sozialist oder Kapitalist, beide Typen kamen und kommen ohne Staatsverschuldung nicht zurande, wenn sie Investitionen f\u00fcr eine \u201egedeihliche Zukunft\u201c, ob durch milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung oder Industriepolitik, t\u00e4tigen. Daf\u00fcr gibt es ja schlie\u00dflich private Banken und das staatliche Geldmonopol. Mit denen l\u00e4\u00dft sich pr\u00e4chtig \u201eZukunft gestalten\u201c: Wenn man nur w\u00fc\u00dfte, wie diese Zukunft aussehen sollte. Und wie sie tats\u00e4chlich aussehen wird, wenn man so weitermacht.<\/p>\n<p>Immer noch, Gott sei Dank, unterscheidet sich das pers\u00f6nlich verantwortliche \u201eb\u00fcrgerliche\u201c Verhalten von dem des \u00f6ffentlichen Zugriffs auf eine Zukunft, f\u00fcr die kein demokratischer Politiker pers\u00f6nlich haften will. Aber es gibt ihn noch, den treu sorgenden Familienvater und verantwortlichen Eigentumsunternehmer (die weibliche Form ist eingeschlossen), der in fetten Zeiten vorsorgt, um in mageren wenigstens \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, ohne von staatlichen Subsidien abh\u00e4ngig zu sein. Zugegeben: eine aussterbende Gattung, die sich nicht durch finanzielle Anreize des Staates korrumpieren l\u00e4\u00dft. Vielen Privaten, die sich in ihrer Konsum- und Expansionsgier nicht z\u00fcgeln k\u00f6nnen, weil sie ihre Schulden nicht \u201ebedienen\u201c k\u00f6nnen, droht der Offenbarungseid, der unserem Staat einstweilen (wie lange noch?) erspart bleibt.<\/p>\n<p>Diese Drohung wirkt leider nicht mehr auf die Inhaber der Staatsgewalt, egal wie sie sich parteipolitisch zusammensetzt. Es soll Zeiten unter Adenauer gegeben haben, in denen der Staat wie ein guter Hausvater Vorr\u00e4te f\u00fcr magere Zeiten ansammelte. Fritz Sch\u00e4ffers \u201eJuliusturm\u201c ragt aus einer versunkenen Welt hervor und ist nun bei Wikipedia als symbolisches Relikt zu bestaunen. Hier erf\u00e4hrt man ganz nebenbei, da\u00df die acht Milliarden Mark, die der Finanzminister Sch\u00e4ffer damals ansparte, \u201enach heutigem Wert\u201c ca. 35 Milliarden Euro ausmachen. Der Zusammenhang von Wertewandel und Inflation, von geistig-moralischen und finanziellen Werten bedarf einer Kl\u00e4rung, soviel ist wenigstens sicher.<\/p>\n<p>Seit Helmut Schmidt, dem immer noch unerm\u00fcdlichen Welt\u00f6konom, geh\u00f6rt die Schuldenmacherei zur deutschen Staatsr\u00e4son. Sie erinnert an das \u201edeficit spending\u201c des J. M. Keynes, auf den sich heute immer noch, aber mi\u00dfbr\u00e4uchlich, die politisch-\u00f6konomischen Wunderheiler berufen, wenn sie ihr schuldenfinanziertes Wachstum betreiben. Jetzt mehren sich die Zweifel, ob permanentes Wirtschaftswachstum notwendig zur Marktwirtschaft vulgo Kapitalismus geh\u00f6rt &#8211; und ob es ausgerechnet der Staat zu garantieren habe. Der Staat verdirbt die guten Sitten seiner B\u00fcrger. Wer ihm nacheifert, landet im Schuldenturm. Oder bei der Schuldenberatung einer Nanny im Fernsehen.<\/p>\n<p>Nach der Krise ist vor der Krise. Auf diese bange Prognose stellen sich viele Zeitgenossen derzeit ein. Denn die Ereignisse der letzten Jahre sind noch l\u00e4ngst nicht abgeschlossen und ausgestanden. Kommt nach der Finanz- und Wirtschaftskrise eine \u00fcbergreifende W\u00e4hrungs- und Schuldenkrise der Staaten? Diese Frage \u00fcberschreitet bei weitem den nationalen Horizont eines Thilo Sarrazin. \u201eDeutschland schafft sich ab\u201c ist gewi\u00df eine beachtenswerte These, die den \u201eMigrationshintergrund\u201c auszuleuchten versucht. Aber ob die Deutschen als Volk und Kulturtr\u00e4ger aussterben, ob sie \u00fcberhaupt noch an einer eigenen wettbewerbsf\u00e4higen \u201eVolks\u201c-Wirtschaft interessiert sind, m\u00fcssen vor allem die Deutschen mit sich selber ausmachen. Und mit jenen, die als weniger produktive Migranten im Hintergrund stehen, aus welchen Gr\u00fcnden auch immer.<\/p>\n<p>Aber eine weltbewegende, die katholische Soziallehre betreffende Ordnungsfrage ist das nicht. V\u00f6lker kommen und gehen im Lauf der Jahrhunderte \u2013 und sie vermischen sich. Die Weltgeschichte hat den eingeborenen Deutschen keine ewige Bestandsgarantie verhei\u00dfen. Es gibt kein Naturrecht, keinen nationalen Anspruch auf ewiges Wachstum in einem paradiesischen Wohlfahrtsstaat. Die Ludwig Erhard\u2019sche Verhei\u00dfung \u201eWohlstand f\u00fcr alle\u201c setzte noch die Geltung von Werten und Tugenden (\u201eMa\u00dfhalten\u201c) voraus, die heute bei uns kaum noch im Umlauf sind. So k\u00f6nnte die Wohlstandsverhei\u00dfung jetzt auch mal in anderen, bisher darbenden Erdteilen in Erf\u00fcllung gehen. Ist das etwa ungerecht? Geht es unter dem Aspekt der Leistungsgerechtigkeit mit rechten Dingen zu, wenn vormalige Hungerleider nun in den Wohlstand aufr\u00fccken und \u201euns\u201c \u00fcberfl\u00fcgeln?<\/p>\n<p>Anscheinend wirtschaften die alten Industrienationen zunehmend ab \u2013 und neue Wettbewerber betreten die Weltwirtschaftsb\u00fchne. Hier wird unsere Aufmerksamkeit auf eine globale Wirtschaftsordnung gelenkt, die eine universale Geltung beanspruchen kann. Soll das der notorisch krisenanf\u00e4llige \u201eKapitalismus\u201c sein? Als Finanzfachmach h\u00e4tte Sarrazin vielleicht besser ein Buch schreiben sollen mit dem warnenden Titel \u201eDer Kapitalismus schafft sich ab\u201c. Noch besser unter dem Titel der Zukunftsfrage: \u201eWas kommt nach dem Kapitalismus?\u201c<\/p>\n<p>Auf diese Frage erhielt ich von einem internationalistischen National\u00f6konomen die Antwort: \u201eNat\u00fcrlich der Kapitalismus!\u201c Nach wie vor scheinen diese Leute keine blasse Ahnung zu haben von dem, was im ethischen Sinne \u201enat\u00fcrlich\u201c ist &#8211; und was ordnungspolitisch sein sollte. Dazu geh\u00f6rt n\u00e4mlich die Unterscheidung der Geister, die Unterscheidung zwischen realen und nominalen Werten und Wertbegriffen. Sch\u00f6n w\u00e4re es ja, wenn es eine ethisch akzentuierte soziale Marktwirtschaft im Weltma\u00dfstab geben k\u00f6nnte, f\u00fcr die Benedikt XVI. pl\u00e4diert. Aber dazu m\u00fc\u00dften wir sie erst einmal bei uns neu entdecken. Einschlie\u00dflich einer Politik, die auch das Migrations- und Integrationsproblem zu l\u00f6sen sucht.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus der Bibel kennen wir den naturalen Rhythmus von sieben mageren und sieben fetten Jahren. 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