{"id":43562,"date":"2026-04-14T00:54:00","date_gmt":"2026-04-13T23:54:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43562"},"modified":"2026-04-16T05:27:27","modified_gmt":"2026-04-16T04:27:27","slug":"gastbeitrag-das-berliner-miet-mantra-zwischen-planwirtschaft-und-prosa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43562","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Das Berliner Miet-Mantra <br><b>Zwischen Planwirtschaft und Prosa <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Berlins Wohnungspolitik gleicht derzeit einer experimentellen Versuchsanordnung, in der \u00f6konomische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten durch politische Willenserkl\u00e4rungen ersetzt werden sollen. W\u00e4hrend die Wahlprogramme der Parteien zwischen regulatorischer Romantik und offener Marktfeindlichkeit changieren, stellt sich f\u00fcr Fachpublikum und Investoren die Frage: Ist das noch Stadtentwicklung oder bereits die Grundsteinlegung f\u00fcr ein dauerhaftes Wolkenkuckucksheim? Eine Analyse der wohnungspolitischen Wunschzettel im Kontext einer chronisch unterversorgten Metropole.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Pr\u00e4ludium: Wahlprogramme im Epizentrum der Wohnungskrise<\/h2>\n\n\n\n<p>Die folgende Exegese betrachtet eine handverlesene Auswahl wohnungspolitischer Forderungen im Berliner Wahlkampf. Ohne Anspruch auf Objektivit\u00e4t oder gar Vollst\u00e4ndigkeit illustriert diese \u00dcbersicht prim\u00e4r das aktuelle Ambitionsniveau staatlicher Markteingriffe. Sie dient als intellektuelles Fundament, um die zu erwartenden (und meist schmerzhaften) Marktreaktionen zu antizipieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos1-1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43575\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos1-1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos1-1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos1-1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos1-1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos1-1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Stiefkind: Selbstgenutztes Wohneigentum<\/h2>\n\n\n\n<p>Artikel 28 der Berliner Verfassung liest sich wie eine freundliche, aber folgenlose Empfehlung: \u201eDas Land f\u00f6rdert (\u2026) die Bildung von Wohnungseigentum\u201c. In der politischen Realit\u00e4t scheint dieser Satz jedoch der kollektiven Amnesie anheimgefallen zu sein. Lediglich eine der vier etablierten Parteien erinnert sich im Wahlprogramm an die Existenz von Ersterwerbern und stellt Freibetr\u00e4ge bei der Grunderwerbsteuer sowie Mietkaufmodelle in Aussicht. Die Ignoranz der \u00fcbrigen Akteure gegen\u00fcber der Interdependenz der Teilm\u00e4rkte ist bemerkenswert: Wer den Sprung ins Eigentum nicht schafft, blockiert die Mietwohnung, die er eigentlich l\u00e4ngst ger\u00e4umt haben k\u00f6nnte. So konzentriert sich die Nachfrage auf ein k\u00fcnstlich verknapptes Mietsegment \u2013 ein klassisches Beispiel f\u00fcr politisch induzierte Ineffizienz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die LWU-Fixierung: Objektf\u00f6rderung als ordnungspolitisches Allheilmittel<\/h2>\n\n\n\n<p>In seltener Einm\u00fctigkeit huldigen die Parteien den Landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU). Die Forderung nach einer massiven Eigenkapitalinfusion wirkt wie der Versuch, die physikalischen Gesetze der Bau\u00f6konomie durch staatliche Alimentierung au\u00dfer Kraft zu setzen: Neubau und Modernisierung sollen realisiert werden, ohne die Bestandsmieten zu tangieren. Es bleibt jedoch das Geheimnis der Programmatiker, wie private Vermieter denselben Spagat ohne staatliche Kapitalspritzen meistern sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem feiert die Objektf\u00f6rderung eine Renaissance, ungeachtet ihrer strukturellen M\u00e4ngel. W\u00e4hrend sie Mietverbilligung und Belegung koppelt, produziert sie zuverl\u00e4ssig Fehlbelegungen \u2013 sei es durch steigende Einkommen oder durch schrumpfende Haushaltsgr\u00f6\u00dfen nach dem Auszug der Kinder. Das System gleicht einer Lotterie, bei der die breite Masse der Steuerzahler die Gewinne einer kleinen, zuf\u00e4llig auserw\u00e4hlten Gruppe von Mieterhaushalten finanziert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Enteignungs-Utopie: Wolkenkuckucksheim auf Raten<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Projekt \u201eDeutsche Wohnen &amp; Co. enteignen\u201c wird von zwei Parteien flankiert, w\u00e4hrend die SPD in taktisches Schweigen verf\u00e4llt. Die Pl\u00e4ne der zugrunde liegenden Initiative lesen sich wie ein Manifest der kreativen Buchf\u00fchrung: Eine Entsch\u00e4digung weit unter Marktwert, zu 100 % fremdfinanziert \u00fcber Zwangsanleihen an die zu Enteignenden und mit einer Laufzeit von 100 Jahren. Das Versprechen, so gleichzeitig den Landeshaushalt zu schonen und die Mieten zu senken, grenzt an \u00f6konomische Alchemie.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur halbwegs realistische Annahmen (1.500 \u20ac\/qm Entsch\u00e4digung bei 5 % Zins) ergeben bereits eine kalkulatorische Basismiete von 6,25 \u20ac\/qm \u2013 exklusive Verwaltung und Instandhaltung (ca. 1,50 \u20ac\/qm) und erst recht exklusive energetische Modernisierung. Ber\u00fccksichtigt man die aktuellen Durchschnittsmieten der Vonovia (rd. 8,00 \u20ac\/qm), schrumpft der Spielraum f\u00fcr die versprochenen Senkungen auf ein statistisches Rauschen zusammen. Hinzu kommt ein juristisches und organisatorisches Minenfeld: Jahrelange Prozesse, f\u00e4llig gestellte Kredite sowie eine absehbare Instandhaltungs- und Neubau-Apathie machen das Vorhaben zu einem Lehrst\u00fcck in Sachen Realit\u00e4tsverweigerung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Korsett f\u00fcr Private: Regulierung bis zur Erstickung<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Enteignungsdebatte die Schlagzeilen dominiert, vollzieht sich die eigentliche Erosion der privaten Vermieterstruktur im Stillen. SPD, Gr\u00fcne und Linke planen ein Instrumentarium der G\u00e4ngelung, das vor allem kleine und mittlere Vermieter ohne Skaleneffekte trifft. \u00dcber die \u00fcblichen Mietpreisbremsen und Kappungsgrenzen hinaus (Ergebnis siehe Abbildung) werden v\u00f6llig neue Daumenschrauben angelegt: WBS-Quoten f\u00fcr freie Best\u00e4nde, Zwangs-Instandhaltungsr\u00fccklagen und rigide Abrissverbote.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos2-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43569\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos2-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos2-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos2-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos2-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/mythos2-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Da der klassische Marktaustritt \u2013 etwa durch Verkauf an Selbstnutzer oder Umwandlung \u2013 systematisch verbaut wird, treibt man die Vermieter in eine Sackgasse. Wer die Qualit\u00e4t nicht mehr \u00fcber die Miete refinanzieren kann, wird seine Instandhaltungsausgaben reduzieren. Die Politik reagiert darauf nicht mit Anreizen, sondern mit einer Zwangsr\u00fccklage f\u00fcr Instandhaltung. Es ist ein repressives Katz-und-Maus-Spiel, das einen entscheidenden Kollateralschaden ignoriert: Den dringend ben\u00f6tigten Neubau, der in diesem regulatorischen Klima schlichtweg den Atem verliert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Fazit: Das Perpetuum Mobile der Fehlregulierung<\/h2>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich konstatieren, dass die Berliner Lokalpolitik sich mehrheitlich in einer Sackgasse aus repressiver Regulierung und fiskalischer Hybris verfangen hat. Anstatt die Angebotsl\u00fccke durch Anreize und Entb\u00fcrokratisierung zu schlie\u00dfen, fl\u00fcchtet man sich in die Symbolpolitik der Enteignung und die G\u00e4ngelung privater Bestandshalter.<\/p>\n\n\n\n<p>Was dabei als Mieterschutz deklariert wird, entpuppt sich bei n\u00e4herer Betrachtung als schleichende Enteignung und f\u00fchrt zu Instandhaltungsstau sowie Investitionsstopp. Die Ignoranz gegen\u00fcber der Verkettung der Teilm\u00e4rkte \u2013 insbesondere die Vernachl\u00e4ssigung der verfassungsm\u00e4\u00dfig gebotenen Eigentumsbildung \u2013 sorgt daf\u00fcr, dass die Fluktuation vollends zum Erliegen kommt und das Wohnen in Berlin zunehmend zum Privileg derer wird, die bereits einen Altvertrag oder ein gl\u00fcckliches Los in der staatlichen Belegungs-Lotterie besitzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende steht die bittere Erkenntnis: Man kann den Markt zwar fesseln und knebeln, aber man kann ihn nicht dazu zwingen, in diesem Zustand neuen Wohnraum zu produzieren. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Regulator und Vermieter geht in die n\u00e4chste Runde \u2013 der Verlierer steht mit dem suchenden Mieter bereits fest.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"825\" height=\"651\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-19.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43570\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-19.png 825w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-19-300x237.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-19-768x606.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"825\" height=\"629\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-20.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43571\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-20.png 825w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-20-300x229.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-20-768x586.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"825\" height=\"606\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-21.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43572\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-21.png 825w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-21-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-21-768x564.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"825\" height=\"488\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-22.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43573\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-22.png 825w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-22-300x177.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/grafik-22-768x454.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n<p><img src=http:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/734815c44fbd4592aa3d566ee38a7df0 width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlins Wohnungspolitik gleicht derzeit einer experimentellen Versuchsanordnung, in der \u00f6konomische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten durch politische Willenserkl\u00e4rungen ersetzt werden sollen. 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