{"id":43580,"date":"2026-04-11T16:35:39","date_gmt":"2026-04-11T15:35:39","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43580"},"modified":"2026-04-11T16:50:40","modified_gmt":"2026-04-11T15:50:40","slug":"die-deutsche-energiewende-macht-oder-oekonomisches-gesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43580","title":{"rendered":"Die (deutsche) Energiewende <br><b>Macht oder \u00f6konomisches Gesetz? <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u201eWarum sollte ich mich um zuk\u00fcnftige Generationen scheren? Was haben sie jemals f\u00fcr mich getan?\u201c<\/em> (Groucho Marx)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Energiewende steht auf der Kippe. Der \u201eStuttgart 21-Effekt\u201c spielt. Die Kosten laufen aus dem Ruder, die Fertigstellung verz\u00f6gert sich. Schon bisher sind Hunderte von Milliarden aufgewandt worden. Der Erfolg ist bescheiden. Das ist nur die Spitze des Eisberges. Ein Ende der Kostenexplosion ist nicht in Sicht. Schlimmer ist allerdings, dass zum einen noch immer nicht klar ist, wie der effiziente Energie-Mix der Zukunft aussehen wird. Die deutsche Kernkraft-Allergie ist ein schier \u201eirreversibles\u201c Hindernis. Das Ziel einer stabilen, fossilfreien Energieversorgung ist in weiter Ferne. Mindestens genauso schwer wiegt zum anderen, dass das weltweite Kooperations-Problem der Klimapolitik nicht ansatzweise gel\u00f6st ist. Unilaterale (europ\u00e4ische) Klimapolitiken transformieren Dekarbonisierung in Deindustrialisierung. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass die W\u00e4hler die (wachsenden) Wohlfahrtsverluste einer ideologischen Klima- und Energiepolitik weiter hinnehmen werden. Die Politik wird reagieren und sie reagiert. Ursula von der Leyen gesteht schon mal \u201estrategische Fehler\u201c ein. Katherina Reiche macht sich an die Arbeit, unter viel Get\u00f6se der EE-Lobby.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Die Energiewende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt hat ein Problem: Der CO2-Aussto\u00df sch\u00e4digt das weltweite Klima. Das muss sich \u00e4ndern. Mit der Energiewende soll das Problem angegangen werden. In Deutschland soll die Energieversorgung grundlegend umgestellt werden, weg von fossilen Brennstoffen und Kernenergie, hin zu erneuerbaren Energien und einer h\u00f6heren Energieeffizienz. Die umfassende Energiewende soll sicher, sauber und bezahlbar sein. Ziel ist es, bis 2045 klimaneutral zu sein. Etappenziele bis 2030 sind, die C02-Emissionen um 65 % zu verringern, aber auch 80 % erneuerbaren Strom zu erzeugen. Deutschland setzt auf einen Mix von Ma\u00dfnahmen: Ordnungsrecht (Ausbaupfade, Sektorziele, Einsparziele, Heizungsgesetz, W\u00e4rmeplanung u.a.), Subventionen (Wind, PV, Geb\u00e4ude, W\u00e4rme, Klimaschutzvertr\u00e4ge, Speicher, E-Mobilit\u00e4t u.a.), Emissionshandel (europ\u00e4isch: ETS und national: nETS) und Infrastrukturma\u00dfnahmen (Netzausbau, Sektorenkoppelung, Back-up Regelungen u.a.).<\/p>\n\n\n\n<p>Wie hoch die Kosten der kleinteiligen, intransparenten Energiewende ausfallen, ist umstritten. Sichtbar sind direkte Kosten, die haushaltswirksam werden aber auch die, die durch h\u00f6here Strompreise anfallen. Deren H\u00f6he ist umstritten, je nachdem welche Gr\u00f6\u00dfen man mit einbezieht. Unsichtbar bleiben (zun\u00e4chst) die Kosten, die durch ordnungsrechtliche Eingriffe entstehen, da sie staatliche Haushalte nicht (direkt) belasten. Trotzdem entstehen sie. Private Haushalte und Unternehmen k\u00f6nnen ein Lied davon singen. Vorsichtige Sch\u00e4tzungen f\u00fcr direkt sichtbare Kosten belaufen sich auf 400 \u2013 500 Mrd. Euro f\u00fcr die Zeit zwischen 2000 und 2025. K\u00fcnftig kann es noch teurer werden. Die DIHK-Studie von Frontier Economics sch\u00e4tzt die Kosten f\u00fcr den Zeitraum 2025 \u2013 2049, wenn die aktuelle Politik fortgesetzt wird, auf 4,8 \u2013 5,4 Billionen Euro Kosten f\u00fcr das gesamte System. Andere Studien, wie etwa die von Aurora Energy Research f\u00fcr EnBW, kommen auf \u00e4hnliche Werte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hohen Kosten der Energiewende sind das eine, die geringe weltweite Klimawirkung ist das andere. Unbestritten ist, Deutschland hat die Emissionen gesenkt. Wieviel allerdings echte Dekarbonisierung (Wind, Solar, Kohleausstieg) ist und wieviel durch Deindustrialisierung und Abwanderung der Unternehmen entstanden ist, bleibt unklar. Studien sprechen von 20 \u2013 40 % durch Deindustrialisierung als \u201eversteckten Treiber\u201c (<a href=\"https:\/\/www.kas.de\/documents\/252038\/29391852\/WEB_KAS_Wachstum+(1).pdf\">hier<\/a>). Das eigentliche Problem ist allerdings, dass die Wirkungen bei deutschen 1,8 % der Weltemissionen auf das weltweite Klima vernachl\u00e4ssigbar sind. Carbon Leakage verst\u00e4rkt die Ineffizienz noch. Also: Hohe nationale Kosten f\u00fcr klimapolitisch (fast) Nichts. Es liegt auf der Hand, dass die Kosten der Energiewende runter m\u00fcssen. Die Vorschl\u00e4ge der Bundeswirtschaftsministerin sind v\u00f6llig richtig. Sie sollen mehr Kosteneffizienz bringen, die Versorgungssicherheit garantieren, den Netzausbau st\u00e4rker mit dem Ausbau der EE synchronisieren und die Klimaziele bezahlbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Energiewende und Effizienz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die deutsche Energiewende ist (v\u00f6llig zurecht) in der Kritik: Sie ist weder effizient noch gerecht. Vorweg: Erneuerbare Energien sind ein wichtiger Bestandteil eines effizienten Energie-Mix. Eine \u201eErneuerbaren-Only-Strategie\u201c ist dagegen zum Scheitern verurteilt. Die Energiewende ist ineffizient. Ein erster kostentr\u00e4chtiger Fehler ist die falsche Schrittfolge der Energiewende. Es war dumm, das alte Energiesystem zu deinstallieren, bevor ein neues installiert ist. Schlau ist es auch nicht, EE (Wind, Solar) auszubauen, ohne dass der Netzausbau damit Schritt h\u00e4lt. Ein zweiter Fehler ist, die fehlende \u201eGrundlastf\u00e4higkeit\u201c der EE nicht ernst zu nehmen (\u201eSpeicher, noch und n\u00f6cher\u201c). Der Ausstieg aus der Kernkraft legt das Problem offen. Es ist eine Illusion auf ad\u00e4quate Speicher zu setzen. Die \u201eGrundlastf\u00e4higkeit\u201c muss nun dreckig \u00fcber den fossilen Einsatz von Kohle und k\u00fcnftig verst\u00e4rkt \u00fcber Gas garantiert werden. Mehr EE f\u00fchren zu mehr C02-Emissionen, ein paradoxes \u201egr\u00fcnes\u201c Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein dritter kostentr\u00e4chtiger Fehler ist eine falsche F\u00f6rderpolitik. Geld spielte lange beim Ausbau der EE keine Rolle. Gef\u00f6rdert werden etwa windschwache Regionen mit h\u00f6heren Einspeiseverg\u00fctungen (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43393\">hier<\/a>). Geld gibt es aber auch, wenn der erzeugte Strom nicht eingespeist werden kann. Es entstehen hohe Systemkosten durch Abregelung und Redispatch. E-Mobilit\u00e4t wird gef\u00f6rdert, obwohl die Ladeinfrastruktur unzul\u00e4nglich und der \u201eAuspuff im Kohlekraftwerk\u201c ist (Hans-Werner Sinn). Hohe Stromkosten durch Netzentgelte und Redispatch belasten Haushalte und Industrie. Unternehmen werden weniger wettbewerbsf\u00e4hig. Das wird zum vierten Fehler, der ungel\u00f6sten internationalen Kooperation: Die (deutsche) europ\u00e4ische Klimapolitik ist unilateral. Die Welt macht nicht mit. Zusammen mit den steigenden C02-Preisen f\u00fchrt die Dekarbonisierung in Europa zur Deindustrialisierung und Produktionsverlagerungen ins kosteng\u00fcnstigere Ausland. Carbon-Leakage produziert ein weiteres \u201egr\u00fcnes\u201c Paradoxon.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Energiewende und Gerechtigkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Energiewende ist weder effizient noch gerecht. Einkommen und Verm\u00f6gen werden ungleicher verteilt. Wie ungleich, h\u00e4ngt vom Instrumenten-Mix (C02-Preise, Subventionen, Ordnungsrecht) und der Organisation der Kompensation durch die Politik ab. C02-Preise wirken regressiv. \u00c4rmere Haushalte geben einen h\u00f6heren Anteil ihres Einkommens f\u00fcr Energie aus. Ohne \u201eKlimapr\u00e4mie\u201c verteilt das ETS \u201evon unten nach oben\u201c um. Auch Subventionen (EEG, BEG, EV) wirken regressiv (<a href=\"https:\/\/www.arbeit-umwelt.de\/wp-content\/uploads\/181130_ig_publikationen_frondel_web.pdf\">hier<\/a> <a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/sites\/default\/files\/docbase\/docs\/sd-2021-06-loeschel-etal-klimapolitik-verteilungswirkungen.pdf\">hier<\/a>). Bei der EEG-Umlage wurden die Kosten auf den Strompreis umgelegt. Das wirkt regressiv. Die Umstellung auf Steuerfinanzierung verringert wegen der des leicht progressiven Steuersystems die Regressionswirkungen. Die direkte F\u00f6rderung (PV, WP, E-Autos, Sanierung) wirkt ebenfalls regressiv. Arme Haushalte nutzen die F\u00f6rderung seltener als reiche. Am schwierigsten sind die Verteilungswirkungen des Ordnungsrechts (GEG, Effizienzstandards, Heizungstausch-Pflicht, Flottengrenzwerte) zu beurteilen. Vieles spricht daf\u00fcr, dass niedrige und mittlere Einkommen vor allem in l\u00e4ndlichen Gebieten st\u00e4rker belastet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland ist erheblich ungleicher als die Verteilung der Einkommen. Mit der Energiewende versch\u00e4rft sich die Ungleichheit. Vor allem der Immobilienbesitz ist ungleich verteilt. Profiteure der Energiewende sind Hauseigent\u00fcmer und PV-Besitzer (Einspeiseverg\u00fctung, BEG-F\u00f6rderung, Wertsteigerungen sanierter Immobilien), Landwirte und gro\u00dfe Investoren in \u201egr\u00fcne\u201c Technologien (Wind- und Solar-Parks, Pacht, EEG-Verg\u00fctung). Verlierer sind Mieter und Haushalte mit geringem Verm\u00f6gen. Ihnen bringt die Energiewende (h\u00f6here, Mieten, steigende Strompreise) keine Verm\u00f6genszuw\u00e4chse. Die Gefahr ist gro\u00df, dass Besitzer h\u00f6herer Verm\u00f6gen durch die Energiewende weiter gewinnen, w\u00e4hrend Besitzer mittlerer und kleinerer Verm\u00f6gen verlieren. Und noch etwas: Die verkorkste Energiewende treibt \u00fcber Deindustrialisierung die Ungleichheit von Einkommen und Verm\u00f6gen weiter voran. Leidtragende sind Geringverdiener und Geringverm\u00f6gende, vor allem aber die facharbeitende Mittelschicht, die gute Arbeitspl\u00e4tze in der Industrie verliert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Macht oder \u00f6konomisches Gesetz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der weltweite Klimawandel ist Fakt, der Einfluss von C02 unbestritten, die deutsche (europ\u00e4ische) Antwort ist aber eine Katastrophe. Vor allem die deutsche Energiewende (WSJ: \u201ed\u00fcmmste Energiepolitik der Welt\u201c) versch\u00e4rft die Lage. Sie ist extrem teuer, verbrennt Wohlstand, vernichtet Arbeitspl\u00e4tze, verteilt Einkommen und Verm\u00f6gen von \u201eunten nach oben\u201c und versch\u00e4rft den weltweiten Klimawandel (\u201egr\u00fcnes\u201c Paradoxon). Also: Sie ist weder effizient noch gerecht. Die Politik zeigt wenig Anzeichen einer Kehrtwende, weder in Berlin noch in Br\u00fcssel. Gibt es also keine Hoffnung? Doch! Der \u00f6sterreichische National\u00f6konom Eugen von B\u00f6hm-Bawerk hat schon im Jahr 1914 in dem Beitrag \u201eMacht oder \u00f6konomisches Gesetz\u201c aufgezeigt, warum (verbandspolitische) Macht kurzfristig Erfolg hat \u00fcber kurz oder lang aber gegen das \u00f6konomische Gesetz immer den K\u00fcrzeren zieht. Seine \u00dcberlegungen k\u00f6nnten den Weg zeigen, warum es nur eine Frage der Zeit ist, bis die deutsche und europ\u00e4ische (Klima)Politik grundlegende Reformen der missratenen Energiewende auf den Weg bringen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hei\u00dft das f\u00fcr die Energiewende? Kurzfristig kann die Politik den Energie-Mix nach eigenen Pl\u00e4nen ver\u00e4ndern. Subventionen, C02-Preise, Ordnungsrecht, all das \u00e4ndert die relativen Preise auf den Energiem\u00e4rkten. Erneuerbare werden beg\u00fcnstigt, Fossile benachteiligt, Kernkraft wird eliminiert. Macht setzt sich durch. Aber: Die Energiewende verst\u00f6\u00dft gegen physikalische und \u00f6konomische \u201eGesetze\u201c. Physikalisch k\u00e4mpfen EE gegen Intermittenz (Flatterstrom, Dunkelflaute). Kostspielige (Hilfs)Ma\u00dfnahmen sind notwendig (fossile Back-ups, Redispatch, massive Speicher). Die Gefahr, dass sich der staatlich geplante Energie-Mix nicht rechnet, ist gro\u00df. Unklar ist auch, welche Energien sich durchsetzen werden. Die Politik ist nicht technologieoffen. Sie ma\u00dft sich ein Wissen an, das sie nicht haben kann. Aber: Die \u00d6konomie l\u00e4sst sich nicht beschei\u00dfen (J\u00f6rg Niehans). Das \u00f6konomische \u201eGesetz\u201c schl\u00e4gt \u00fcber kurz oder lang zu. Die Nachteile der Transformation (Fehlallokationen, enorme Kosten, Deindustrialisierung, Carbon Leakage) \u00fcbersteigen die Vorteile einer (vielleicht) geringeren globalen Erw\u00e4rmung. Die W\u00e4hler wehren sich. \u00d6konomischer Unfug setzt sich nicht durch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Ehernes Gesetz der Klimapolitik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem \u201eEisernen Gesetz der Klimapolitik\u201c erg\u00e4nzt Roger Pielke, ein amerikanischer Politikwissenschaftler, die Gedanken von Eugen von B\u00f6hm-Bawerk. Seine empirisch gut belegte These ist: Wenn die Ziele der Klimapolitik, C02-Emissionen zu verringern, mit den Zielen wirtschaftliches Wachstum und bezahlbarer Energie kollidieren, gewinnt immer das Wachstum. Die Menschen sind zwar bereit, einen gewissen Preis f\u00fcr Klimapolitik zu zahlen, aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. Senkt allerdings die Klimapolitik den Wohlstand sp\u00fcrbar, erh\u00f6ht die Energiepreise, senkt die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und vernichtet (industrielle) Arbeitspl\u00e4tze, leisten sie Widerstand. Die W\u00e4hler (arm und reich) sind nicht bereit, sp\u00fcrbar materiellen Wohlstand f\u00fcr wolkige Emissionsziele zu opfern. Da die Menschen eine hohe Zeitpr\u00e4ferenz haben (Mindersch\u00e4tzung k\u00fcnftiger Bed\u00fcrfnisse), liegt die Grenze, wie viel \u201eOpfer\u201c sie f\u00fcr k\u00fcnftige Klimavorteile bringen wollen, nicht sehr hoch. Geht es bei der Energiewende auch noch ungerecht zu, weil von \u201eunten nach oben\u201c umverteilt wird, ist die Grenze noch schneller erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tage der Energiewende, wie wir sie kennen, sind gez\u00e4hlt. Sie st\u00f6\u00dft an \u201e\u00f6konomische\u201c Grenzen (Eugen von B\u00f6hm-Bawerk) und Grenzen der individuellen Zahlungsbereitschaft (Roger Pielke). Die ineffiziente und ungerechte Energiewende kommt durch Abwanderung und Widerspruch unter Druck (Albert Hirschmann). Immer mehr Menschen sind immer weniger bereit, die gegenw\u00e4rtige Energiewende zu verteidigen (Loyalit\u00e4t). M\u00e4rkte spielen dabei eine wichtige Rolle. \u00d6konomische M\u00e4rkte disziplinieren die (Klima)Politik durch Abwanderung (knappes Kapital, qualifizierte Arbeit, Technologie an der Grenze des Wissens), politische M\u00e4rkte disziplinieren durch Widerspruch (Widerstand in Parteien, Proteste, Wahlverluste, Kritik von Interessengruppen, Wahl klimaskeptischer Parteien). Der Prozess ist in vollem Gang. In Deutschland will Katharina Reiche das Energieeffizienzgesetz novellieren (Kosteneffizienz, Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit). In Europa durchl\u00f6chert Ursula von der Leyen mit dem Bekenntnis, dass der Ausstieg aus der Kernenergie ein \u201estrategischer Fehler\u201c war, den \u201eGreen Deal\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Reform der Energiewende<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilanz der (deutschen) Energiewende f\u00e4llt miserabel aus. Dem weltweiten Klima hat es (fast) nicht geholfen, die Mittel wurden (kosten)ineffizient eingesetzt, die nationalen Verteilungswirkungen werden nicht akzeptiert. Der Grad der klimapolitischen Zielerreichung muss verbessert werden. Priorit\u00e4t muss haben, das internationale Kooperations-Dilemma der Klimapolitik in den Griff zu bekommen. Eine L\u00f6sung ist aber nicht in Sicht. Das Desaster des in der EU neu eingef\u00fchrten CBAM zeigt, klimaprotektionistische Ma\u00dfnahmen helfen nicht. Wird das Kooperations-Problem nicht gel\u00f6st, m\u00fcssen die Klimaziele auf den Pr\u00fcfstand. Ein sinnvoller Vorschlag kommt von der Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute vom letzten Herbst. Sie schlagen reziproke Klimaziele vor. Der Verlust an (deutscher) Wettbewerbsf\u00e4higkeit w\u00fcrde verringert, der Prozess der Deindustrialisierung verlangsamt. Das k\u00f6nnte den Ansto\u00df geben, grunds\u00e4tzlich dar\u00fcber nachzudenken, wie die Ziele der Verringerung der C02-Emissionen (Mitigation) und der Anpassung an den Klimawandel (Adaptation) neu austariert werden (<a href=\"https:\/\/ideas.repec.org\/p\/osf\/socarx\/m7tqu_v1.html\">hier<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Baustellen tun sich auf, wenn es darum geht, die Energiewende (kosten)effizienter zu gestalten. Ein erster Schritt w\u00e4re, die Gesetze der Physik zu beachten. EE brauchen eine Beimischung grundlastf\u00e4higer Energien. Atomare sind klimafreundlicher, geothermische auch, fossile sind in Deutschland (leider) wahrscheinlicher. Ein zweiter Schritt w\u00e4re, den Energie-Mix technologieoffen st\u00e4rker zu diversifizieren. Es ist riskant und teuer, alle Eier in einen Korb zu legen (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43393\">hier<\/a>). Und es ist eine (staatliche) Anma\u00dfung von Wissen, (Energie)Technologien vorzugeben. Das gilt auch f\u00fcr starre (technologische) Regeln bei der eHeizungswende. Erste tastende Schritte zur Flexibilisierung wurden getan. Ein dritter Schritt w\u00e4re, st\u00e4rker auf konkrete Kosteneffizienz zu achten. Die Vorschl\u00e4ge von Katherina Reiche gehen in die richtige Richtung. Subventionen sind Teufelszeug (Olaf Sievert). Sie abzubauen, ist grunds\u00e4tzlich richtig. EE m\u00fcssen sich \u00f6konomisch rechnen, auch ohne Subventionen. Unerl\u00e4sslich ist auch, den weiteren Ausbau der EE (Windkraft, PV) und der Netze besser zu synchronisieren und am tats\u00e4chlichen Bedarf zu orientieren. Priorit\u00e4t sollte der Netzausbau vor dem Zubau an EE haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die r\u00fcckl\u00e4ufige Akzeptanz der Energiewende hat damit zu tun, dass die Menschen die ineffiziente Energie- und Klimapolitik im eigenen Geldbeutel sp\u00fcren. Eine wichtige Rolle spielt aber auch, dass sie die Energiewende als ungerecht empfinden. Die finanziellen Lasten werden ungleich auf Einkommen und Verm\u00f6gen verteilt. Die beste L\u00f6sung: Dampft die Subventionen der Energiewende ein. Weniger, degressive und einkommensabh\u00e4ngige Subventionen verringern ungleich verteilte \u201erent seeking\u201c-Profite und Lasten der Finanzierung der Subventionen. Dem stehen massive Lobbyinteressen der EE und ihrer \u201egr\u00fcnen\u201c Protagonisten in (fast) allen politischen Parteien entgegen. Die zweitbeste L\u00f6sung: Verteilt die C02-Einnahmen \u00fcber ein Klimageld zur\u00fcck. Eine grobe Variante w\u00e4re eine pauschale Pro-Kopf-Pr\u00e4mie f\u00fcr alle, eine bessere w\u00e4re, \u00e4rmere Haushalte zielgerichtet st\u00e4rker zu f\u00f6rdern. Heizkostenzusch\u00fcsse, Wohngeld und Bedarfe der Grundsicherung w\u00e4ren Stellschrauben. Die drittbeste L\u00f6sung: Sch\u00f6pft die \u201ePlanungs- und Zufallsgewinne\u201c (windfall profits) der Energiewende teilweise ab und verteilt sie etwa an windkraftgesch\u00e4digte Hauseigent\u00fcmer zur\u00fcck. Einkommen und Verm\u00f6gen w\u00fcrden durch die Energiewende weniger ungleich verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Energiewende steht in der Kritik. Das Land hat Hunderte von Milliarden an Euros f\u00fcr EE aufgewendet. Doch der Erfolg ist bescheiden. Einen Einfluss auf das weltweite Klima hat sie (fast) nicht. Der Preis, den die Menschen in Deutschland bezahlen, ist allerdings hoch. Die Energiewende verst\u00f6\u00dft gegen physikalische und \u00f6konomische \u201eGesetze\u201c. Das kostet viel Geld und immer mehr (industrielle) Arbeitspl\u00e4tze. Massenhaft \u201egr\u00fcne\u201c Arbeitspl\u00e4tze sind eine M\u00e4r, Deindustrialisierung ist die Realit\u00e4t. Die Energiewende ist nicht nur ineffizient, sie ist auch ungerecht. Sie verteilt Einkommen und Verm\u00f6gen von \u201eunten nach oben\u201c. Ein Ende dieser Politik der Selbstsch\u00e4digung und wachsenden Ungleichheit ist allerdings in Sicht. Die These von Eugen von B\u00f6hm-Bawerk, dass Macht gegen \u00f6konomische (und physikalische) Gesetze keine Chance hat, gilt auch f\u00fcr die Energiewende. Das \u201eEherne Gesetz der Klimapolitik\u201c (Roger Pielke) verst\u00e4rkt den Widerstand der B\u00fcrger. Die individuelle Zahlungsbereitschaft st\u00f6\u00dft an Grenzen. Ganz zum Schluss: Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die deutsche Energie- und Klimapolitik einen ihrer historischen Treiber kannibalisiert, die Umweltpolitik.<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>Eugen von B\u00f6hm-Bawerk: Macht oder \u00f6konomisches Gesetz? in: Zeitschrift f\u00fcr Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung. 23. Band, Wien 1914 (<a href=\"http:\/\/davidmhart.com\/liberty\/GermanClassicalLiberals\/Boehm-Bawerk\/1914-MachtGesetz\/Boehm-Bawerk_Macht_ZVSV-1914.pdf\">hier<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Roger Pielke, jr.: The Climate Fix: What Scientists and Politicians Won&#8217;t Tell You About Global, Basic Books 2010. Klar und pr\u00e4gnant in einem Substack-Artikel von Roger Pielke: The Iron Law of Climate Policy (<a href=\"https:\/\/rogerpielkejr.substack.com\/p\/the-iron-law-of-climate-policy\">hier<\/a>)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAu\u00dfer Spesen nichts gewesen?\u201c F\u00fcr die Energiewende wurden Hunderte von Milliarden an Euros ausgegeben. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dem weltweiten Klima hilft sie (fast) nicht. Allerdings: Sie ruiniert das Land und macht es ungleicher. Der Widerstand w\u00e4chst. Eine Korrektur ist unvermeidlich. Die alte Idee von B\u00f6hm-Bawerk, wonach Macht gegen \u00f6konomische Gesetze den K\u00fcrzeren zieht, gilt auch f\u00fcr die Energiewende. 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