{"id":43730,"date":"2026-04-25T14:03:00","date_gmt":"2026-04-25T13:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43730"},"modified":"2026-04-25T14:05:33","modified_gmt":"2026-04-25T13:05:33","slug":"gastbeitrag-ueber-sieben-bruecken-marktwirtschaftlicher-wiedereinstieg-in-die-kernenergie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43730","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>\u00dcber sieben Br\u00fccken <br><b>Marktwirtschaftlicher Wiedereinstieg in die Kernenergie <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201e\u00dcber sieben Br\u00fccken musst du gehen, sieben dunkle Jahre \u00fcberstehn.\u201c \u2013 so sang die DDR-Band Karat im Jahr 1978 im Osten und Peter Maffay ab 1980 im Westen. Die wegweisende energiepolitische Botschaft hinter diesem Liedtext sollte freilich erst 48 Jahre sp\u00e4ter zum Tragen kommen \u2013 als \u201eRoadmap\u201c f\u00fcr den Wiedereinstieg Deutschlands in die Kernenergie. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fchrende deutsche Politiker bis hin zum Bundeskanzler und der Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission teilen der \u00d6ffentlichkeit in j\u00fcngster Zeit freim\u00fctig mit: Der deutsche Atomausstieg war ein gro\u00dfer strategischer Fehler. Gleichzeitig unternehmen sie nichts, um ihn zu korrigieren. Doch die Zustimmung zur Kernenergie in der Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst. Der politische Druck steigt. Damit stellt sich die energiepolitische Kardinalfrage:<\/p>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnte ein Wiedereinstieg Deutschlands in die Kernenergie aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Kernenergie in Deutschland offenbart eine starke Polarisierung der Bev\u00f6lkerung. Um die Begriffe links und rechts zu vermeiden, teilen wir die politische Arena der Einfachheit halber in die beiden Gruppen \u00f6kologisch-sozial (\u00d6S) und freiheitlich-konservativ (FK). Die \u00d6S-Fraktion beharrt auf ihrer Ablehnung der Kernenergie als vermeintlich teuer und riskant. Auch verweist sie auf das nach ihrer Auffassung ungel\u00f6ste Endlagerproblem und den laut Bundeskanzler \u201eirreversiblen Charakter\u201c des Atomausstieges. Die FK-Fraktion pl\u00e4diert hingegen in weiten Teilen f\u00fcr einen Wiedereinstieg. Die konkreten Vorstellungen sind uneinheitlich.&nbsp; Der kernenergiefreundliche FK-Fl\u00fcgel will ein sofortiges R\u00fcckbaumoratorium und eine z\u00fcgige Wiederinbetriebnahme mindestens dreier Kernkraftwerke. Er fordert au\u00dferdem staatlich unterst\u00fctzte Forschung und Demonstration neuer Kraftwerkskonzepte wie den Small Modular Reactor (SMR) oder den Dual Fluid Reaktor (DFR). &nbsp;Der indifferente FK-Fl\u00fcgel pl\u00e4diert hingegen allgemein f\u00fcr einen Wiedereinstieg auf der Basis von Kernreaktoren der vierten Generation. &nbsp;Einige Exponenten pflegen schlie\u00dflich das Ablenkungsman\u00f6ver von der baldigen Kernfusion als vermeintlich sauberem Weg in die goldene Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber alle Parteigrenzen hinweg offenbaren die Stimmen pro und kontra Kernenergie allerdings kurioserweise einen bemerkenswerten Konsens: die deutsche Liebe zur Planwirtschaft. Die \u00d6S-Fraktion will n\u00e4mlich den Subventionsstrom f\u00fcr erneuerbare Energien unangetastet lassen. Und das, obwohl die deutsche Energiewende bereits rund 500 Milliarden Euro gekostet hat. Die FK-Fraktion will trotz einer gewissen Uneinheitlichkeit den Wiedereinstieg in die Kernenergie mit Steuermitteln f\u00f6rdern \u2013 wohl wissend, dass es sich hier um milliardenschwere Belastungen f\u00fcr den Staatshaushalt handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re ein Wiedereinstieg Deutschlands in die Kernenergie am Ende nur die Erweiterung der bestehenden solaren Planwirtschaft um eine nukleare? Wie k\u00f6nnte ein Konsens zur Kernenergienutzung aussehen, der in der Bev\u00f6lkerung langfristig mehrheitsf\u00e4hig ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>70 Jahre Energiepolitik im R\u00fcckblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor man teure Zukunftspl\u00e4ne schmiedet, ist ein unvoreingenommener Blick in die Vergangenheit lehrreich. In seinem Buch \u201eDer Energiegipfel\u201c hat der Autor eine kritische Bilanz von 70 Jahren deutscher Energie- und Klimapolitik gezogen. Dabei wurden acht pr\u00e4gende Ma\u00dfnahmen zu ihrer Wirkung auf Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltvertr\u00e4glichkeit der Energieversorgung analysiert. Dies waren der Atomeinstieg, der Atomausstieg, der Kohlepfennig, der Kohleausstieg, die Erdgasr\u00f6hrengesch\u00e4fte zwischen der alten BRD und der Sowjetunion, das Erdgasembargo im Zuge des Ukrainekrieges, das Erneuerbare Energien Gesetz EEG und schlie\u00dflich das Verbotspaar Heizgesetz und Verbrennerverbot.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 70 Jahren gut gemeinter Politik ergibt sich aus den 8 x 3 Feldern der Bewetungstabelle ein ern\u00fcchterndes Fazit. H\u00e4tte Deutschland \u2013 abgesehen von unumstrittenen staatlichen Minimaleingriffen in Form von Antimonopolgesetzen und Immissionsschutzverordnungen \u2013 weder Energie- noch Klimapolitik betrieben, so w\u00fcrde das Land summarisch in keinem der drei Kriterien des energiewirtschaftlichen Zieldreiecks schlechter stehen als heute. Ein energiepolitischer Minimalstaat h\u00e4tte dem Steuerzahler allerdings je nach Berechnungsmethode f\u00fcnfhundert Milliarden bis eine Billion Euro erspart. Mit diesen Mitteln h\u00e4tte Deutschland innere Sicherheit und Landesverteidigung in h\u00f6chster G\u00fcte sicherstellen k\u00f6nnen und es nebenbei in puncto Infrastruktur und Bildung an die Weltspitze geschafft. Daraus folgt, dass die Energie- und Klimapolitik der Zukunft nicht in mehr, sondern in weniger Staat bestehen sollte. Dazu w\u00e4re der Einfluss des Staates in diesen Feldern sp\u00fcrbar zu beschneiden. Das bedeutet nach Auffassung des Autors eine fl\u00e4chendeckende Abschaffung von Energiesubventionen und Regularien sowie eine Trennung von Klima und Staat.&nbsp; Der Weg zu einem Wiedereinstieg in die Kernenergie f\u00fchrt nach \u00dcberzeugung des Autors deshalb \u00fcber sieben Br\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber sieben Br\u00fccken zur Kernenergie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Wiedereinstieg Deutschlands in die Kernenergie darf vor diesem Hintergrund nicht als Einzelprojekt gesehen werden. Nur als ganzheitliches Deregulierungsvorhaben kann er gelingen. Dazu m\u00fcssen sieben planwirtschaftliche Elemente beseitigt werden. Die ersten sechs haben mit Kernenergie nichts zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Schritt ist das EEG sofort, vollst\u00e4ndig und ersatzlos abzuschaffen. Wenn Sonne und Wind \u2013 wie aus interessierten Kreisen oft zu h\u00f6ren ist \u2013 keine Rechnung schicken, werden sie sich gegen konventionelle Energietr\u00e4ger ebenso durchsetzen, wie das Auto gegen die Pferdekutsche. Dies spart dem Staatshaushalt 15 bis 20 Milliarden Euro pro Jahr und entlastet k\u00fcnftige Generationen von milliardenschweren finanziellen Lasten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Schritt ist das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (im Volksmund \u201eKohleausstieg\u201c) zu streichen. Das Gesetz ist ein planwirtschaftlicher Eingriff in die Wirtschaft, der volkswirtschaftliches Kapital in Milliardenh\u00f6he vernichtet und die Versorgungssicherheit beeintr\u00e4chtigt. In China ist die Kohleverstromung trotz Zubaus von Kohlekraftwerken seit 2025 ruckl\u00e4ufig \u2013 ohne staatlich verordneten Kohleausstieg. Dieses Beispiel zeigt, dass sich der Kohleausstieg auch ohne staatliche Verbote vollzieht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Schritt ist das Geb\u00e4udeenergiegesetz (im Volksmund \u201eHeizgesetz\u201c) zu beerdigen. Es verk\u00f6rpert eine nach Auffassung vieler Menschen inakzeptable Einmischung des Staates in die Privatangelegenheiten seiner B\u00fcrger. Der lesenswerte Gesetzestext mit seinen feingliedrigen Ver\u00e4stelungen ist im \u00dcbrigen ein Beispiel f\u00fcr eine au\u00dfer Kontrolle geratene Staatsb\u00fcrokratie.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten Schritt ist die Verordnung 2023\/851 des Europ\u00e4ischen Parlaments (im Volksmund \u201eVerbrennerverbot\u201c) zu annullieren. Sie stellt nach Meinung ihrer zahlreichen Kritiker eine inakzeptable Bevormundung der B\u00fcrger dar. \u00dcberdies verk\u00f6rpert sie eine einzigartige Respektlosigkeit vor den Gesetzen der Physik. Sie postuliert n\u00e4mlich wahrheitswidrig die Emissionsfreiheit von Elektroautos.<\/p>\n\n\n\n<p>Im f\u00fcnften Schritt sind F\u00f6rder- und Importbeschr\u00e4nkungen f\u00fcr Erdgas aufzuheben. Es ist inkonsistent, Fracking in Deutschland zu verbieten und gleichzeitig LNG-Gas aus Fracking-Quellen zu importieren. Erdgasimporte sollten \u00fcberdies ebensowenig durch staatliche Verbote reguliert werden, wie der globale Handel mit Bananen, Eisenerz oder Smartphones.<\/p>\n\n\n\n<p>Im sechsten Schritt ist die Beteiligung Deutschlands am europ\u00e4ischen CO<sub>2<\/sub>-Zertifikatehandel EU-ETS zu beenden. Ein hypothetischer weltumspannender Zertifikatehandel unter der \u00c4gide eines demokratisch legitimierten Weltparlaments w\u00e4re zwar tats\u00e4chlich ein marktwirtschaftliches Instrument zur Senkung der globalen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen. Der EU-ETS ist hingegen auf einen Teil der Welt beschr\u00e4nkt und somit global unwirksam. Au\u00dferdem ist dem EU-W\u00e4hler die demokratische Kontrolle \u00fcber die Zuteilung von Zertifikaten versperrt. Er verf\u00fcgt im Gegensatz zum Schweizer B\u00fcrger \u00fcber kein Mittel der direkten Demokratie, um den Handel zu beeinflussen oder gar zu beenden. Somit handelt es sich beim EU-ETS \u2013 anders als oft behauptet \u2013 nicht um Marktwirtschaft, sondern um ein planwirtschaftliches Instrument unter marktwirtschaftlichem Deckm\u00e4ntelchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als siebenter Schritt ist schlie\u00dflich das Atomgesetz in den Stand des Jahres 2002 zur\u00fcckzuversetzen. Nach diesem Gesetzestext w\u00e4re es nicht l\u00e4nger verboten, Kernenergie zur Stromerzeugung zu nutzen \u2013 ohne dass sich daraus zwangsl\u00e4ufig eine Notwendigkeit f\u00fcr einen Wiedereinstieg in die Kernenergie ableiten lie\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie w\u00fcrde es nach \u00dcberquerung der sieben Br\u00fccken mit der Kernenergie weitergehen?<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Ein marktwirtschaftlicher Weg zur Kernenergie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die skizzierten Leitplanken bieten die Grundlage f\u00fcr einen technologieoffenen Wettbewerb der Energietechnologien. Sie besitzen den Vorteil, weder ein Verbot, noch einen Zwang zu staatlich orchestriertem Wiedereinstieg in die Kernenergie zu implizieren. Somit er\u00f6ffnen sie einen weiten Raum f\u00fcr m\u00f6gliche Szenarien der Kernenergienutzung in Deutschland. Angesichts der Unw\u00e4gbarkeit hinsichtlich k\u00fcnftiger Investitions- und Betriebskosten sowie der Versicherungsbedingungen und der Langzeitlagerung radioaktiver Abf\u00e4lle, ist es angemessen ein pessimistisches und ein optimistisches Szenario zu skizzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem pessimistischen Szenario werden trotz grunds\u00e4tzlicher Erlaubnis zur Nutzung der Kernenergie die Zulassungsprozesse beim Bau politisch verkompliziert. In diesem Szenario w\u00fcrde der Staat die Suche nach einem Langzeitlager f\u00fcr radioaktive Abf\u00e4lle weiterhin verschleppen und f\u00fcr die Versicherbarkeit von Kernreaktoren hohe versicherungstechnische H\u00fcrden aufbauen. Im Ergebnis solcher Weichenstellungen blieben die Baukosten hoch und die Realisierungszeiten lang. Der gelieferte Strom w\u00e4re vermutlich nicht wettbewerbsf\u00e4hig. Dann w\u00fcrde \u2013 trotz prinzipieller M\u00f6glichkeit \u2013 auch in Zukunft kein Unternehmen in Deutschland in Kernenergie investieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem optimistischen Szenario w\u00fcrden Zulassungsprozesse schlank und berechenbar gestaltet. Dies hat in China schon heute zu einer sp\u00fcrbaren Kostenentlastung beim Neubau gef\u00fchrt. Der Findungsprozess f\u00fcr ein Langzeitlager radioaktiver Abf\u00e4lle w\u00fcrde nach dem Muster der Schweizer NAGRA gestaltet. Die NAGRA hat dem Schweizer Parlament Ende des Jahres 2023 einen Endlagervorschlag unterbreitet. In dem optimistischen Szenario best\u00fcnde ferner keine Notwendigkeit einer Lagerung radioaktiver Abf\u00e4lle f\u00fcr eine Million Jahre. Eine Zwischenlagerung in Ingenieurbauwerken \u00fcber einen Zeitraum von etwa 500 Jahren w\u00e4re ausreichend, zumal die vermeintlichen Abf\u00e4lle in Zukunft wertvolle Energierohstoffe f\u00fcr neue Reaktoren sein w\u00fcrden. Diese Option war bei der Erarbeitung des \u201eAbschlussbericht[s] der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe\u201c vom 5. Juli 2016 auf Grund strikter politischer Vorgaben ohne sachlichen Grund von vornherein ausgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich w\u00e4re im optimistischen Szenario die Versicherungsfrage gekl\u00e4rt. W\u00e4hrend der Zeit der Kernenergienutzung in Deutschland waren Sch\u00e4den mit Versicherungskosten bis zu 2,5 Milliarden Euro \u00fcber die Deutsche Kernreaktor-Versicherungsgemeinschaft abgedeckt. Zuweilen wird behauptet, eine Vollversicherung f\u00fcr Kernkraftwerke w\u00fcrde die Stromkosten in prohibitive H\u00f6hen treiben. Dazu ist festzustellen, dass die Versicherung anderer Gro\u00dfrisiken weitaus weniger streng behandelt wird. Wer haftet in Deutschland f\u00fcr ein m\u00f6gliches Scheitern der Energiewende? Wer tr\u00e4gt die finanzielle Verantwortung, wenn Deutschland mit einem gesch\u00e4tzten Aufwand von 10 Billionen Euro bis 2045 Klimaneutralit\u00e4t herstellt, ohne dass der Rest der Welt gleichzieht? Wer haftet, wenn die gesamte Welt mit einem gesch\u00e4tzten finanziellen Aufwand von zehn Prozent des globalen Bruttosozialprodukts klimaneutral wird, sich der Klimawandel jedoch fortsetzt?<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Reaktortypen k\u00e4men f\u00fcr eine langfristige Nutzung der Kernenergie in Deutschland in Frage?<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Systematisierung ordnen wir Kernreaktoren in drei Gruppen ein: Die in Betrieb befindlichen Druck- und Siedewasserreaktoren fassen wir in Kategorie A (Arbeitspferd) zusammen. Reaktoren, die an einzelnen Orten der Welt demonstriert oder betrieben worden sind, wie der Natriumgek\u00fchlte Brutreaktor und der J\u00fclicher Kugelhaufenreaktor AVR, ordnen wir in die Kategorie D (Demonstrationsanlage) ein. Neue Typen wie Fl\u00fcssigsalz-, Dual-Fluid- und H\u00f6chsttemperaturreaktoren bilden die Kategorie Z (Zukunftskonzepte). Welche Chancen und Kostenrisiken stecken in ihnen?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Energieversorgung und Reduktion von CO<sub>2<\/sub>-Emissionen kommen nach Einsch\u00e4tzung des Autors bis 2040 nur Reaktoren Kategorie A in Frage. Ihre technischen Risiken werden durch hohe Sicherheitsstandards minimiert &#8211; \u00e4hnlich wie in der zivilen Luftfahrt. Sofern Bau und Genehmigung nicht politisch gebremst werden, k\u00f6nnten sie wichtige Beitr\u00e4ge zur Energiesicherheit Deutschlands leisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Reaktoren der Kategorie D, erg\u00e4nzt um Wiederaufbereitungsanlagen, k\u00f6nnten nach 2040 dazu beitragen, Brennstoffe effizienter zu nutzen, das Abfallproblem zu entsch\u00e4rfen und Hochtemperaturw\u00e4rme f\u00fcr die Treibstoffsynthese bereitzustellen. Die finanziellen Risiken liegen h\u00f6her als in Kategorie A.<\/p>\n\n\n\n<p>Kategorie Z bietet die Chance einer hocheffizienten Brennstoffnutzung und einer L\u00f6sung des Abfallproblems. Doch hinsichtlich der Vorstellungen ihrer Bef\u00fcrworter \u00fcber Zeitplan und Kosten ist Zur\u00fcckhaltung angebracht. Die Entwicklung des Airbus A 380 f\u00fcr 12 Milliarden Euro ist im Vergleich zu Reaktoren der Kategorie Z geradezu ein Kinderspiel.&nbsp; So konnte beispielsweise \u2013 entgegen lautstarken \u00f6ffentlichen Beteuerungen \u2013 bislang niemand nachvollziehbar darlegen, wie beim vielzitierten Dual-Fluid-Reaktor Materialprobleme bei Temperaturen \u00fcber 1000\u00b0C dauerhaft f\u00fcr 40 Jahre Laufzeit gel\u00f6st werden sollen. Solange dieser Zustand anh\u00e4lt, muss der DFR ehrlicherweise als die Elbphilharmonie unter den Kernreaktorkonzepten betrachtet werden \u2013 beeindruckende Chancen, gepaart mit unkalkulierbaren Kostenrisiken. Sofern dieser und andere Z-Reaktoren nicht durch Vorschusslorbeeren und Kommandowirtschaft auf Elbphilharmonie-Kurs geraten,&nbsp; k\u00f6nnten sie ab 2060 zur sicheren, preiswerten und umweltfreundlichen Energieversorgung beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein Wiedereinstieg Deutschlands in die Kernenergie w\u00fcnschenswert ist und wirtschaftlich sein k\u00f6nnte \u2013 jedoch nicht auf Basis einer nuklearen Planwirtschaft, sondern auf marktwirtschaftlicher Grundlage.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Autor: Andr\u00e9 Thess ist Professor f\u00fcr Energiespeicherung an der Universit\u00e4t Stuttgart, Direktor eines Energieforschungsinstitutes und Autor des Buches <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Energiegipfel-Ausweg-aus-dem-Klimakampf\/dp\/3784437346\">\u201eDer Energiegipfel \u2013 Ausweg aus dem Klimakampf\u201c.<\/a><\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Atomausstieg war ein strategischer Fehler. 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