{"id":43891,"date":"2026-05-16T00:01:00","date_gmt":"2026-05-15T23:01:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43891"},"modified":"2026-05-16T06:52:11","modified_gmt":"2026-05-16T05:52:11","slug":"gastbeitrag-wie-kevin-warsh-die-fed-umkrempeln-koennte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43891","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Wie Kevin Warsh die Fed umkrempeln k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Kevin Warsh \u00fcbernimmt am 15. Mai den Vorsitz des Fed-Direktoriums. Er ist kein Freund der in den letzten Jahren verfolgten Geldpolitik und will die Fed auf ihren Kernauftrag zur\u00fcckschneiden. Dies h\u00e4lt er f\u00fcr die beste Verteidigung der Unabh\u00e4ngigkeit der Fed. Wir analysieren den von ihm geplanten Kurswechsel und bewerten seine Erfolgsaussichten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kevin Warsh \u00fcbernimmt von Jerome Powell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a>Der neue Chef der US-Notenbank, Kevin Warsh, tritt sein Amt am 15. Mai unter schwierigen Umst\u00e4nden an: <a href=\"https:\/\/research.commerzbank.com\/links2\/doc\/html\/b5f22d9e-bd8e-414f-be5f-4dfbe6b441da?r=0&amp;firmId=45344&amp;id=bm9yYmVydC5iZXJ0aG9sZEB1bmktd3VlcnpidXJnLmRlOjc=#FN1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[1]<\/a> Die Fed verfehlt seit nunmehr f\u00fcnf Jahren ihr Inflationsziel von 2%, es zeigen sich immer st\u00e4rkere Meinungsunterschiede im Offenmarktausschuss, und die Unabh\u00e4ngigkeit der US-Notenbank ist durch die st\u00e4ndigen Angriffe der Trump-Administration gef\u00e4hrdet.<\/p>\n\n\n\n<p>Warsh, der von 2006 bis 2011 bereits einmal Fed-Gouverneur war, ist in den letzten Jahren als scharfer Kritiker der Fed hervorgetreten. Er gibt der verfehlten Politik der Fed eine Mitschuld an der \u00fcberh\u00f6hten Inflation der letzten Jahre, und er wirft der Notenbank vor, dass sie sich in immer mehr Politikbereiche eingemischt habe, was auch zu der aufgebl\u00e4hten Bilanz der Fed beigetragen habe. Somit ist sie seiner Ansicht nach mitverantwortlich daf\u00fcr, dass ihre Unabh\u00e4ngigkeit infrage gestellt wurde. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, die Fed auf ihren Kernauftrag zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir analysieren seine geldpolitischen \u00dcberzeugungen, sowie sie sich aus seinen \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen ergeben. Wir st\u00fctzen uns dazu auf Warshs Meinungsartikel im Wall Street Journal vom 16.11.2025 (erstes Zitat) sowie danach auf Zitate aus seiner Anh\u00f6rung vor dem Bankenausschuss des US-Senats am 21. April.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie h\u00e4lt er&#8217;s mit der Inflation?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;AI will be a significant disinflationary force, increasing productivity and bolstering American competitiveness.&#8220; (WSJ Meinungsartikel, 16.11.2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kevin Warsh gibt der Fed die Schuld an der \u00fcberh\u00f6hten Inflation der letzten Jahre. Diese sei auf &#8222;unkluge Entscheidungen&#8220; der Fed unter Jerome Powell zur\u00fcckzuf\u00fchren, wie Warsh in seinem <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/opinion\/the-federal-reserves-broken-leadership-43629c87?msockid=3390b5e80bcd695b32faa31e0a8b68e0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Meinungsartikel<\/a> im Wall Street Journal im letzten Herbst ausf\u00fchrte. Die Fed solle ihr Dogma aufgeben, dass Inflation dadurch entstehe, dass die Wirtschaft zu stark wachse und Arbeiter zu hohe L\u00f6hne bek\u00e4men. Vielmehr werde Teuerung ausgel\u00f6st, wenn die Regierung zu viel ausgibt und zu viel Geld drucke.<\/p>\n\n\n\n<p>Was den Ausblick f\u00fcr die Inflation anbetrifft, scheint er aber optimistischer als viele der aktuellen Fed-Mitglieder. Und dies sei nicht zuletzt auf die seiner Ansicht nach produktivit\u00e4tssteigernden Folgen der Einf\u00fchrung von K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) zur\u00fcckzuf\u00fchren \u2013 Effekte, die Warshs Meinung nach durch die Deregulierung und Steuerpolitik der Trump-Administration R\u00fcckenwind erhielten. Allgemein sieht er die Inflation daher auf dem richtigen Weg. Warsh streicht vor allem die inflationsd\u00e4mpfenden Effekte des zu erwartenden technischen Fortschritts heraus. Dies erscheint uns zwar nicht komplett falsch, aber etwas einseitig. So l\u00e4sst Warsh dabei die strukturellen Gegenwinde, wie die Demographie oder die durch au\u00dfenpolitische Konflikte verursachte Deglobalisierung unter den Tisch fallen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Much as we discussed in your office, I think the data that&#8217;s being used to judge inflation is quite imperfect data. [&#8230;] The measures I prefer are looking at things that are called trimmed averages&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was die Berechnung der Inflation betrifft, bezweifelt Warsh, dass der gebr\u00e4uchlichste Ma\u00dfstab zur Bewertung des unterliegenden Inflationstrends \u2013 die Inflationsrate ohne die oft stark schwankenden Nahrungs- und Energiepreise \u2013 der beste Ma\u00dfstab ist. Er h\u00e4lt einen Ansatz f\u00fcr besser, der die extremsten Preisver\u00e4nderungen nach oben wie nach unten eliminiert, ohne R\u00fccksicht darauf, welche G\u00fctergruppe das gerade betrifft (&#8222;Trimmed Mean&#8220;).<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich sind Trimmed Mean-Inflationsraten nichts Neues, sondern werden schon seit langem beispielsweise von der Dallas Fed berechnet. Im Gro\u00dfen und Ganzen bewegen sich diese Trimmed-Mean-Raten \u00e4hnlich wie die Kerninflationsrate (Chart 1). Die getrimmten Ma\u00dfe k\u00f6nnen allerdings Probleme bekommen, wenn sich die Verteilung der Inflationsraten der einzelnen G\u00fctergruppen im Zeitablauf \u00e4ndert. So schneidet die Dallas Fed mehr extreme Preisbewegungen nach oben ab als solche nach unten. Dies liegt daran, dass in der Vergangenheit die Preise am unteren Ende der Verteilung st\u00e4rker gefallen als die Preise am oberen Ende gestiegen sind. Ohne diese asymmetrischen Abschneidegrenzen w\u00fcrde der getrimmte Mittelwert die tats\u00e4chliche Inflation untersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>In j\u00fcngster Zeit sind die Preise f\u00fcr G\u00fcter am oberen Ende jedoch ebenso stark oder sogar st\u00e4rker gestiegen als die Preise am unteren Ende gefallen sind. Deshalb k\u00f6nnte der getrimmte Mittelwert der Dallas Fed die Inflation <a href=\"https:\/\/www.dallasfed.org\/research\/economics\/2026\/0416\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">untersch\u00e4tzen<\/a>. Solche Ver\u00e4nderungen gab es auch w\u00e4hrend anderer Inflationssch\u00fcbe wie etwa den \u00d6lkrisen der 1970er und der Pandemie. Entsprechend zeigte die Kennzahl der Dallas Fed den pandemiebedingten Inflationsschub erst deutlich sp\u00e4ter an als die \u00fcbliche Kerninflationsrate.<\/p>\n\n\n\n<p>Da aktuell das getrimmte Ma\u00df eine niedrigere Inflation anzeigt als die Kerninflationsrate (Chart 1), k\u00f6nnte der Verdacht aufkommen, dass die &#8222;neue&#8220; Fed die von Trump geforderten Zinssenkungen durch den \u00dcbergang auf dieses Inflationsma\u00df und durch die Hoffnung auf die wundersamen Wirkungen von KI begr\u00fcnden wird. Zu der von Warsh immer wieder unterstrichenen Glaubw\u00fcrdigkeit der Fed tr\u00fcge das nicht bei.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43895\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie schrumpft man die Bilanz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;The big balance sheet has become an ordinary recurring force, and I think has been quite unhelpful, and is part of the reason why the Fed is in the business of politics.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einer der wichtigsten Kritikpunkte Warshs ist, dass die Fed den Umfang ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit immer mehr ausgeweitet habe, was sich vor allem in der aufgebl\u00e4hten Bilanz der Notenbank zeige. Die Fed habe es vers\u00e4umt, nach der Finanzkrise von 2008 die aufgekauften Anleihen z\u00fcgig wieder abzugeben. Vielmehr sei sie in die n\u00e4chste Krise mit einer ohnehin schon gro\u00dfen Bilanz hineingegangen und habe diese noch einmal ausgedehnt. Dies f\u00fchre zu Verzerrungen an den M\u00e4rkten, und die Fed begebe sich damit immer mehr in Aufgabengebiete, die eigentlich der Fiskalpolitik vorbehalten seien. Es sei daher kein Wunder, dass es dann Bestrebungen im Kongress gebe, die Fed an eine engere Leine zu legen. Hier hat Warsh zweifellos einen Punkt. Unabh\u00e4ngigkeit setzt in der Tat voraus, dass sich eine Zentralbank streng an ihr Mandat h\u00e4lt und nicht in anderen Politikbereichen t\u00e4tig wird. Nur dann ist in einer Demokratie zu vertreten, dass die gew\u00e4hlten Vertreter des Volkes auf Kontroll- und Eingriffrechte verzichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings hat die Fed ihre Bilanz im Verh\u00e4ltnis zur Wirtschaftsleistung in den letzten Jahren bereits deutlich reduziert. Per Ende des ersten Quartals 2026 stand die Bilanzsumme der Fed noch bei gut 21% des BIP, deutlich niedriger als die 2022 erreichten 35% (Chart 2). In Zeiten vor den Anleihenk\u00e4ufen (&#8222;QE&#8220;), also vor 2008, kam die Fed allerdings mit einer Bilanzsumme von etwa 6% des BIP aus. Dahin zur\u00fcckzukommen, was Warsh vorzuschweben scheint, setzt allerdings eine grundlegende \u00c4nderung des geldpolitischen Regimes voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis 2008 waren die Bankreserven, also die Einlagen der Banken bei der Fed, sehr knapp bemessen. Die Anleihek\u00e4ufe der Fed haben zu einem massiven Anstieg dieser Reserven gef\u00fchrt, die Fed zahlt seither auch Zinsen auf diese Einlagen, um die Kontrolle \u00fcber die Geldmarktzinsen zu behalten. Das Liquidit\u00e4tsmanagement der Banken hat sich auf dieses Umfeld eingestellt. Eine R\u00fcckf\u00fchrung der Bankreserven kann daher zu Verspannungen am Geldmarkt f\u00fchren, wie sich in den letzten Jahren verschiedentlich gezeigt hat. Dies ist aber noch kein zwingendes Argument gegen eine Bilanzk\u00fcrzung der Fed. Schlie\u00dflich haben \u00fcberreichliche Reserve auch Kosten. Hierzu z\u00e4hlen neben den Zinszahlungen auf diese Einlagen, die einige Jahre lang die Gewinne der Fed aufgezehrt haben, auch die durch hohe Reserven ausgel\u00f6sten Verzerrungen. Ein erneuter Regimewechsel zu einer Politik wieder knapper Reserven bedarf daher geeigneter Vorbereitung und ist wohl nur schrittweise zu erwarten. Dies scheint genau das, was Warsh auch vorhat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid2-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43896\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid2-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid2-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid2-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid2-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/warshweid2-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie strafft man die Kommunikation?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Senator, unlike many of my colleagues past and present, I don&#8217;t believe in forward guidance.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;My broad view on the conduct of policy from here is that too many Fed officials, passed and present, opine in advance about where they think interest rates should be next meeting, next quarter, next year. I think that&#8217;s quite unhelpful.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Warsh kritisiert nicht nur die Ausrichtung der Geldpolitik und ihre Umsetzung, er beklagt auch, dass die Kommunikation der Notenbank in letzter Zeit ausgeufert sei. Nach seiner Ansicht \u00e4u\u00dfern sich zu viele Notenbanker zu h\u00e4ufig, insbesondere zum Zinsausblick. Warsh bef\u00fcrchtet, dass die Kommunikation bestimmter Zinspfade dazu f\u00fchrt, dass die Notenbank nicht schnell genug ihre Politik anpasst, wenn sich die Wirtschaft anders entwickelt als gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorstellbar ist, dass die Fed k\u00fcnftig die viertelj\u00e4hrlichen Wirtschaftsprojektionen und den darin enthaltenen Zinsausblick (&#8222;Dot Plot&#8220;) einschr\u00e4nkt. Wom\u00f6glich reduziert die Fed auch die Zahl der Pressekonferenzen nach den acht Zinsentscheidungen im Jahr. Diese wurden 2011 unter dem damaligen Chef Bernanke eingef\u00fchrt, und zwar zun\u00e4chst viermal im Jahr. Powell dehnte dies 2019 auf jede Sitzung aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine reduzierte Kommunikation k\u00f6nnte allerdings bedeuten, dass es k\u00fcnftig mehr \u00dcberraschungen bei den Fed-Zinsentscheidungen gibt und damit mehr Volatilit\u00e4t an den M\u00e4rkten. In den letzten Jahren hatten die Fed-Offiziellen ihre Pr\u00e4ferenzen \u00fcblicherweise deutlich im Vorhinein signalisiert, sodass der Markt kaum auf dem falschen Fu\u00df erwischt wurde. Es gibt jedoch auch die Meinung, dass \u00dcberraschungen nicht immer schlecht sind. Schlie\u00dflich k\u00f6nnte das Rundum-Sorglospaket aus pr\u00e4ziser Forward Guidance und \u00fcberreichlichen Reserven die Banken zu einem zu riskanten Verhalten verleiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie steht es mit der Unabh\u00e4ngigkeit der Fed?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;The president never asked me to predetermine, commit, fix, decide on any interest rate decision in any of our discussions, nor would I ever agree to do so.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Jerome Powell hat die Unabh\u00e4ngigkeit der Fed mit Z\u00e4hnen und Klauen gegen den Pr\u00e4sidenten verteidigt. Warsh will den Konflikt zwischen Notenbank und Politik l\u00e4ngerfristig entsch\u00e4rfen, indem er die Fed wieder &#8222;kleiner&#8220; macht. Damit w\u00fcrden sich viele der Reibungsfl\u00e4chen mit der Politik verringern, so die Hoffnung. Der Rang der Unabh\u00e4ngigkeit ist f\u00fcr Warsh wohl bei geldpolitischen Entscheidungen im engeren Sinne \u2013 f\u00fcr ihn im Wesentlichen Entscheidungen \u00fcber die Leitzinsen \u2013 am h\u00f6chsten. Bei Fragen der Aufsicht und Regulierung scheint er dagegen durchaus zu Kompromissen bereit. Die Frage ist allerdings, ob eine viel st\u00e4rker politisch beeinflusste Regulierungspraxis nicht irgendwann negative R\u00fcckwirkungen auf die Geldpolitik haben kann. Warsh kann hier aber anf\u00fchren, dass die starke Stellung der Fed in Regulierung und Aufsicht Krisen nicht unbedingt verhindert hat, wie sich im Zuge der Weltfinanzkrise oder in j\u00fcngster Zeit durch den Zusammenbruch der Silicon-Valley-Bank gezeigt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4llt aber auf, dass Warsh in vielen wichtigen Themenfeldern Positionen vertritt, die den Ansichten von Regierungsvertretern nahestehen. Mit Pr\u00e4sident Trump teilt er die Meinung, dass sich die Inflation auf dem richtigen Weg befindet. Finanzminister Bessent hat der Fed vorgeworfen, dass sie die f\u00fcr absolute Notf\u00e4lle gedachten Ma\u00dfnahmen wie QE zur Routine gemacht haben, was unabsehbare Folgen f\u00fcr das Finanzsystem haben k\u00f6nnte. Warsh sieht das \u00e4hnlich. Und es f\u00e4llt weiter auf, dass sich Warsh bei demokratischen Pr\u00e4sidenten immer f\u00fcr eine restriktivere Geldpolitik starkgemacht hat, dies bei Trump aber offenbar anders sieht. Dies wirft einige Fragen auf, wie entschlossen Warsh die Unabh\u00e4ngigkeit der Notenbank verteidigen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kann Warsh seine Vorstellungen durchsetzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kevin Warsh wird also mit vielen Ideen sein neues Amt antreten. Aber wird er diese auch durchsetzen k\u00f6nnen? Das zentrale Direktorium (Board) besteht aus insgesamt sieben Gouverneuren. Am ehesten auf Warshs Linie sind vermutlich die ebenfalls von Trump benannten Gouverneure Chris Waller und Michelle Bowman. Zumindest solange der scheidende Fed-Chef Powell als einfacher Gouverneur im Board verbleibt, d\u00fcrfte es aber sp\u00fcrbaren Gegenwind seitens der Mehrheit der vier anderen Gouverneure f\u00fcr Warsh geben, zumal auch Waller als exzellenter \u00d6konom gilt. Im Offenmarktausschuss, in dem zus\u00e4tzlich auf Rotationsbasis f\u00fcnf der zw\u00f6lf regionalen Fed-Pr\u00e4sidenten stimmberechtigt sind, d\u00fcrften Mehrheiten noch schwieriger zu organisieren sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am leichtesten d\u00fcrfte Warsh \u00c4nderungen wohl bei der Kommunikation durchsetzen. So hat Powell auf der letzten Pressekonferenz bereits erkl\u00e4rt, jeder neue Fed-Chef w\u00fcrde die Kommunikation \u00fcberpr\u00fcfen, und dies sei auch angemessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwerer d\u00fcrfte es Warsh fallen, einen Konsens zu organisieren, dass die Inflationsrisiken wegen der zunehmenden Verbreitung von K\u00fcnstlicher Intelligenz abnehmen und dies Spielr\u00e4ume f\u00fcr Zinssenkungen bietet. Pr\u00e4sident Trump wird die Fed aber sicherlich weiter unter Druck setzen. Jenseits klarer Mehrheitsverh\u00e4ltnisse im FOMC d\u00fcrfte dies Auswirkungen auf die Geldpolitik haben, wie historische Erfahrungen nahelegen. Dauerhaft wird sich die Fed wohl nicht gegen den Pr\u00e4sidenten behaupten k\u00f6nnen, die formale Unabh\u00e4ngigkeit bietet nur einen vor\u00fcbergehenden Schutz. Wir erwarten weiterhin drei Zinssenkungen zum Jahresende und im mersten Halbjahr 2027.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung der Staatsschulden legt au\u00dferdem nahe, dass auch andere Pr\u00e4sidenten als Trump auf niedrige Leitzinsen dr\u00e4ngen werden. Schlie\u00dflich haben die Schulden der US-Bundesregierung j\u00fcngst die Marke von 100% des BIP \u00fcberschritten, die Zinsausgaben spielen eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle im Staatshaushalt. Wir gehen daher von einer allm\u00e4hlichen Erosion der Unabh\u00e4ngigkeit der Fed aus.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a><strong>[1] Kevin Warsh wird der Vorsitzende des Gouverneursausschusses (Federal Reserve Board) der Fed. Dieser stellt 7 der 12 Sitze im Offenmarktausschuss, der die geldpolitischen Entscheidungen trifft; die anderen 5 Sitze werden vom Pr\u00e4sidenten der Fed von New York und auf rotierender Basis von den \u00fcbrigen 11 regionalen Pr\u00e4sidenten eingenommen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mickey Levy (Hoover, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42830\">US Federal Reserve Trump nominates Kevin Warsh<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bernd Weidensteiner und Christoph Balz (CBK, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42836\">Wof\u00fcr steht Kevin Warsh?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gunther Schnabl (FvS, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42845\">\u201eEin Regimewechsel hin zur Stabilit\u00e4t\u201c. Interview mit Gunther Schnabl<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kevin Warsh \u00fcbernimmt am 15. Mai den Vorsitz des Fed-Direktoriums. Er ist kein Freund der in den letzten Jahren verfolgten Geldpolitik und will die Fed auf ihren Kernauftrag zur\u00fcckschneiden. Dies h\u00e4lt er f\u00fcr die beste Verteidigung der Unabh\u00e4ngigkeit der Fed. 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