{"id":44139,"date":"2026-06-10T16:04:53","date_gmt":"2026-06-10T15:04:53","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44139"},"modified":"2026-06-10T16:04:54","modified_gmt":"2026-06-10T15:04:54","slug":"die-fifa-als-betreiber-eines-monopolistischen-wanderzirkus-welche-regeln-braucht-der-wettbewerb-um-die-fussballweltmeisterschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44139","title":{"rendered":"Die FIFA als Betreiber eines monopolistischen Wanderzirkus <br><b>Welche Regeln braucht der Wettbewerb um die Fu\u00dfballweltmeisterschaft? <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Vergabe und Organisation der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft 2026 durch die FIFA r\u00fcckt erneut eine Frage in den Mittelpunkt, die weit \u00fcber den Sport hinausreicht: Nach welchen Regeln sollte ein globaler Wettbewerb organisiert werden, wenn der zentrale Akteur selbst zugleich Regelsetzer und ma\u00dfgeblicher Marktakteur ist? Die FIFA ist in diesem Kontext nicht nur ein Sportverband, sondern faktisch eine globale Ordnungsinstanz mit erheblichen normativen und \u00f6konomischen Steuerungswirkungen. Diese Doppelrolle wirft die Frage nach einer ordnungs\u00f6konomischen Beurteilung dieser Situation auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die WM 2026 \u2013 erstmals mit 48 Mannschaften und drei Gastgeberl\u00e4ndern (USA, Kanada, Mexiko) \u2013 verdeutlicht die \u00f6konomische Potenz der FIFA im Vergleich zu \u00e4hnlichen Unterhaltungsdienstleistungen, zumal davon ausgegangen werden kann, da\u00df die FIFA zwischen 8 und 9,5 Mrd. Euro durch die WM 2026 vereinnahmen wird (o. V. 2026). Rechnet man die Werte der letzten WM hoch, so kann man mutma\u00dfen, da\u00df bei der WM 2026 etwa drei Millionen Stadionbesuche stattfinden und mehr als drei Milliarden TV- und Streaming-Zuschauer die Spiele verfolgen werden. Die Entscheidung \u00fcber Format, Teilnehmerzahl und Vergabe der WM liegt vollst\u00e4ndig bei der FIFA, w\u00e4hrend potentielle externe Kontrollmechanismen nur schwach ausgepr\u00e4gt sind (FIFA, 2023). Freilich sollte man dabei die Kirche im Dorf lassen: So erzielte beispielsweise der BMW-Konzern im Jahre 2025 einen konsolidierten Umsatz von mehr als 133 Mrd. Euro \u2013 also mehr als zehnmal soviel wie die FIFA mit der WM.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie ist nun dieser Sachverhalt aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht zu w\u00fcrdigen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft scheinen zwei zentrale Aspekte von Bedeutung zu sein: Zum ersten tritt bei der Auswahl des Ausrichtungsortes Rent-Seeking auf. Bei der Vergabe der Weltmeisterschaft konkurrieren Staaten nicht prim\u00e4r \u00fcber produktive Effizienz, sondern \u00fcber politische und finanzielle Anreize. Dies kann zu \u00fcberh\u00f6hten Investitionen, regulatorischen Ausnahmeregelungen und in einigen F\u00e4llen zu Korruption f\u00fchren. Die empirische Literatur zeigt, da\u00df gro\u00dfe Sportereignisse h\u00e4ufig nicht die versprochenen gesamtwirtschaftlichen Effekte erzielen. Studien von Baade und Matheson (2016) lassen eher vermuten, da\u00df die langfristigen Wachstumsimpulse von Mega-Events systematisch \u00fcbersch\u00e4tzt werden. Stattdessen entstehen h\u00e4ufig erhebliche Opportunit\u00e4tskosten \u00f6ffentlicher Investitionen. Im Kontext der WM 2026 ist insbesondere die Ausrichtung durch drei Staaten Nord- bzw. Mittelamerikas bemerkenswert: W\u00e4hrend die USA weitgehend auf eine bestehende Infrastruktur zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, waren in Mexiko punktuelle Anpassungsinvestitionen vonn\u00f6ten. Vor diesem Hintergrund scheint der Wettbewerb um die Ausrichtungsst\u00e4tten weniger eine effiziente globale Allokation der Ressourcen zu gew\u00e4hrleisten, sondern es ist naheliegend, da\u00df die FIFA-Entscheidung prim\u00e4r nach anderen \u2013 teilweise wenig nachvollziehbaren \u2013 Kriterien erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum zweiten erweist sich die Marktposition der FIFA aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht als nicht unproblematisch: Die FIFA verf\u00fcgt im Kontext der Fu\u00dfball?Weltmeisterschaft \u00fcber eine marktbeherrschende Stellung, die einem faktischen Monopol gleichkommt. Dieses Monopol gr\u00fcndet sich nicht auf eine staatlich verliehene Exklusivlizenz, sondern auf eine historisch gewachsene, institutionell verankerte und durch starke Netzwerkeffekte stabilisierte Organisationsstruktur. Als weltweiter Dachverband des Fu\u00dfballs besitzt die FIFA die alleinige Kompetenz, eine Fu\u00dfball?Weltmeisterschaft auszurichten, die Teilnahmebedingungen festzulegen und s\u00e4mtliche damit verbundenen Vermarktungsrechte zu kontrollieren. Die nationalen Verb\u00e4nde sind \u00fcber ihre Mitgliedschaft an die FIFA gebunden, so da\u00df alternative Weltverb\u00e4nde oder konkurrierende Turnierformate durch die FIFA unterbunden werden k\u00f6nnen. Damit ist die FIFA nicht nur exklusiver Anbieter der Unterhaltungsdienstleistung \u201eFu\u00dfball?WM\u201c, sondern zugleich Gatekeeper des gesamten Nationalmannschaftsfu\u00dfballs.<\/p>\n\n\n\n<p>Die monopolartige Stellung manifestiert sich insbesondere in der vollst\u00e4ndigen Kontrolle \u00fcber immaterielle Rechte und Wertsch\u00f6pfungsketten. Die FIFA h\u00e4lt s\u00e4mtliche Marken?, Lizenz? und Vermarktungsrechte an der Weltmeisterschaft und verf\u00fcgt damit \u00fcber die alleinige M\u00f6glichkeit, TV?Rechte, Sponsoringpakete, Hospitality?Programme und Ticketing zu vergeben. Dies erlaubt es ihr, Preise, Zugangsbedingungen und kommerzielle Rahmenbedingungen weitgehend autonom festzulegen. Da die Fu\u00dfball?WM das global reichweitenst\u00e4rkste Sportereignis ist und keine gleichwertigen Substitute existieren, konzentriert sich die weltweite Nachfrage nahezu vollst\u00e4ndig auf dieses eine Produkt. Weder kontinentale Turniere wie die UEFA?Europameisterschaft noch olympische Fu\u00dfballwettbewerbe weisen eine vergleichbare sportliche und \u00f6konomische Bedeutung auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stabilit\u00e4t dieses Monopols beruht auf hohen Marktzutrittsschranken. Rechtliche Barrieren wie Markenrechte und Verbandsstatuten behindern die Etablierung alternativer Wettbewerbe. \u00d6konomische Schranken ergeben sich durch die jahrzehntelang gewachsene Markenst\u00e4rke der FIFA. So ist die Fu\u00dfball?WM ein kulturell tief verankertes Ereignis, dessen Ausstrahlung nicht ohne weiteres replizierbar ist. Newcomer m\u00fc\u00dften demzufolge erhebliche Anfangsinvestitionen vornehmen, um eine vergleichbare Markenst\u00e4rke aufzubauen. Diese Position wird durch Netzwerkeffekte verst\u00e4rkt: Je mehr Nationen teilnehmen, desto wertvoller wird das Turnier f\u00fcr die FIFA und die teilnehmenden nationalen Fu\u00dfballverb\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem ist das Monopol institutionell abgesichert: Nationale Fu\u00dfballverb\u00e4nde sind Mitglied in der FIFA und akzeptieren deren Regelwerk. Damit entsteht eine hierarchische Struktur globaler Governance, in der die FIFA die Spielregeln des internationalen Fu\u00dfballs definiert und zugleich massiv in die Absatz- und Faktorm\u00e4rkte der Unterhaltungsdienstleistung Fu\u00dfball hineinwirkt. Zum einen existiert \u2013 wie gerade dargelegt \u2013 bislang keine \u00f6konomisch relevante Alternative zur FIFA-Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft. Zum anderen bietet sich f\u00fcr die teilnehmenden Spieler eine nahezu einmalige Chance, durch ihre Leistung ihren Marktwert und damit ihr Einkommen erheblich zu erh\u00f6hen. Ein Austritt der nationalen Verb\u00e4nde aus der FIFA w\u00fcrde daher dazu f\u00fchren, da\u00df deren Klubs und Spieler nicht mehr an den Veranstaltungen der FIFA teilnehmen k\u00f6nnten \u2013 zumindest w\u00fcrde die FIFA dies versuchen durchzusetzen \u2013 und ihnen dadurch erhebliche wirtschaftliche Nachteile entstehen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt l\u00e4\u00dft sich die FIFA daher als institutioneller Monopolist beschreiben, der durch exklusive Rechte, organisatorische Dominanz, die globale Bedeutung der Marke und durch strukturelle Marktzutrittsschranken die Unterhaltungsdienstleistung Fu\u00dfball?Weltmeisterschaft vollst\u00e4ndig kontrolliert. Diese monopolartige Stellung erm\u00f6glicht es ihr, sowohl die \u00f6konomischen Bedingungen als auch die sportlichen und organisatorischen Rahmenparameter des global bedeutendsten Fu\u00dfballereignisses autonom zu bestimmen und damit eine au\u00dfergew\u00f6hnlich stabile Form marktbeherrschender Macht auszu\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht zu tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht der Austrian Economics best\u00fcnde hier kein weitergehender Handlungsbedarf. Zum einen k\u00f6nnten Wettbewerbe der Kontinentalverb\u00e4nde sukzessive die Bedeutung der WM relativieren und zum anderen k\u00f6nnten Newcomer auftreten, die zu einer Erosion der Marktmacht der FIFA f\u00fchren. Da\u00df es f\u00fcr derartige Newcomer im Sport Anreize gibt, in bestehende M\u00e4rkte einzudringen, zeigt sich etwa durch die Ausrichtung der Enhanced Games und durch den Versuch, eine European Super League zu gr\u00fcnden. Bislang ist der Erfolg dieser Ma\u00dfnahmen jedoch eher bescheiden. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte auch durch eine Ver\u00e4nderung der Konsumentenpr\u00e4ferenzen die monopolistische Marktmacht der FIFA in Mitleidenschaft gezogen werden. So war vor etwa 120 Jahren nicht Fu\u00dfball, sondern Turnen in Deutschland die dominierende und am weitesten verbreitete Sportart. Gleiches k\u00f6nnte dem Fu\u00dfball passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einer mehr pragmatischen ordnungspolitischen Perspektive stellt sich die Frage, welche institutionellen Rahmenbedingungen erforderlich sind, um eine derartige Machtkonzentrationen zu begrenzen. Die zentrale ordnungspolitische Aufgabe des Staates w\u00e4re dabei nicht in der direkten Steuerung wirtschaftlicher Aktivit\u00e4ten zu verorten, sondern in der Setzung eines Rahmens, der Wettbewerb erm\u00f6glicht und zu gro\u00dfe Marktmacht verhindert (Eucken 2004). Auf die FIFA \u00fcbertragen bedeutet dies die Beibehaltung privater Organisationsverantwortung bei gleichzeitiger Einhegung ihrer monopolartigen Stellung durch verbindliche institutionelle Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentraler Ansatzpunkt w\u00e4re die verpflichtende Einf\u00fchrung von Transparenz- und Governance-Standards insbesondere in bezug auf die Entscheidungsprozesse beim Vergabeverfahren. Auf diese Weise lie\u00dfen sich die erheblichen Informationsasymmetrien zwischen der FIFA, den nationalen Verb\u00e4nden, den Staaten und der \u00d6ffentlichkeit abbauen. Transparenz wirkt hierbei als indirektes Steuerungsinstrument, das die Autonomie der Organisation wahrt, zugleich aber ihre Funktionsf\u00e4higkeit absichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Flankierend b\u00f6te sich der Einsatz wettbewerbspolitischer Instrumente an, die insbesondere auf eine St\u00e4rkung alternativer Wettbewerbsformate abzielen. Auch wenn die Fu\u00dfball-WM kein direkt substituierbares Gut darstellt, k\u00f6nnten kontinentale Turniere sowie der Frauen- und Jugendfu\u00dfball den indirekten Wettbewerbsdruck erh\u00f6hen und die strukturelle Abh\u00e4ngigkeit von einem einzelnen Gro\u00dfereignis reduzieren. Die Intensivierung eines derartigen Wettbewerbs setzt voraus, da\u00df die FIFA nicht mit Ausschlu\u00dfdrohungen auf abfallende nationale Fu\u00dfballverb\u00e4nde, Spieler und Klubs reagieren k\u00f6nnte. Es m\u00fc\u00dfte also untersagt werden, da\u00df die FIFA nationalen Fu\u00dfballverb\u00e4nden bzw. Klubs und Spielern, die sich an alternativen Formaten beteiligen, von ihren Wettbewerben ausschlie\u00dft. Auf diese Weise k\u00f6nnten sich durchaus nationale Fu\u00dfballverb\u00e4nde oder eben private Organisatoren finden, die erfolgreiche Substitute aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Baade, R. A. and Matheson, V. A. (2016), Going for the Gold: The Economics of the Olympics, Journal of Economic Perspectives, 30(2), pp. 201\u2013218.<\/p>\n\n\n\n<p>BMW (2026), Income statements for Groups and Segments, Zugriff am 9.Juni 2026 unter: https:\/\/www.bmwgroup.com\/en\/report\/2025\/financial-statements\/income-statement\/index.html<\/p>\n\n\n\n<p>Eucken, W. (2004), Grunds\u00e4tze der Wirtschaftspolitik, 7. Aufl. T\u00fcbingen: Mohr Siebeck.<\/p>\n\n\n\n<p>FIFA (2023), FIFA World Cup 2026, Overview, Z\u00fcrich: F\u00e9d\u00e9ration Internationale de Football Association.<\/p>\n\n\n\n<p>o.V. (2026), FIFA World Cup 2026 Revenue Statistics. Key Facts, Zugriff am 9.Juni 2026 unter: https:\/\/www.theglobalstatistics.com\/fifa-world-cup-revenue-statistics\/.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die FIFA verf\u00fcgt \u00fcber eine monopolartige Marktmacht und tritt zugleich als Regelsetzer und Marktteilnehmer auf. 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