{"id":44160,"date":"2026-06-21T00:27:00","date_gmt":"2026-06-20T23:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44160"},"modified":"2026-06-24T11:17:03","modified_gmt":"2026-06-24T10:17:03","slug":"gastbeitrag-markt-und-moral-gegner-oder-partner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44160","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Markt und Moral <br><b>Gegner oder Partner? <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Markt und Moral werden oft als Gegens\u00e4tze gesehen: hier der kalte, vermeintlich von Egoismus getragene, rationale Markt, dort die warmherzige, altruistische und werteorientierte Moral. Dies ist die Sichtweise der zahlreichen Marktkritiker. Dabei ger\u00e4t die gegenseitige Bedingtheit aus dem Blick. Der Markt ben\u00f6tigt n\u00e4mlich die Moral als Fundament &#8211; denn ohne Vertrauen und Rechtssicherheit kann kein Handel existieren und sich kein Markt etablieren. Umgekehrt ben\u00f6tigt die Moral die Effizienz des Marktes, um den Wohlstand zu erwirtschaften, der ein w\u00fcrdevolles Leben und eine gerechte G\u00fcterverteilung \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zentrale Fragen sind: Welche Gesetze steuern das menschliche Verhalten? Ist Moral marktimmanent oder wie kann man durch organisatorische Steuerungsmechanismen den Markt zu einem effizienten Diener moralischer Werte machen? Ist der Markt ein Helfer oder Partner der Moral oder vielmehr ein Gegner, wie moderne Marktkritiker behaupten? Was ist dran an den Argumenten der Marktkritiker? Was f\u00fcr Beziehungen bestehen zwischen \u00f6konomischem Handeln und Moral? Welche Antworten hat die \u00f6konomische Wissenschaft auf diese Fragen parat? Und wie ist die Sicht der Philosophie? Was sagt die Wirtschaftsethik zu den Beziehungen zwischen Ethik und Wirtschaft? Lassen sich die drei Sichtweisen verkn\u00fcpfen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Der Ausgangspunkt: Adam Smith und die \u00f6konomische Klassik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Adam Smith, der Gr\u00fcndervater der Marktwirtschaft, war nicht nur \u00d6konom, sondern auch Moralphilosoph. Nach den Erkenntnissen des im Jahre 1990 verstorbenen Finanzwissenschaftlers und profunden Smith-Interpreten sowie Smith-\u00dcbersetzers Horst Claus Recktenwald dachte Adam Smith in den Kategorien einer umfassenden Wirtschafts-, Wissenschafts-, Kultur-, Natur-, Ideen- und Menschheitsgeschichte. Er war also weit mehr als der geistige Vater der Volkswirtschaftslehre, wie er oft auch von Experten der Ideengeschichte dargestellt wird, die ihn auf diese Rolle verk\u00fcrzen. Die im Jahr 2023 zum 300. Geburtstag von Adam Smith erschienenen Beitr\u00e4ge aus dem \u00d6konomenlager zielen meist mit Schwerpunkt auf die Pionierleistungen Smith`s f\u00fcr die Entwicklung der \u00f6konomischen Wissenschaft ab. Dabei war Smith ein Universalgelehrter. Im Urteil des \u00f6konomischen Nobelpreistr\u00e4gers Milton Friedman war Adam Smith \u201eein vom \u201aStaunen\u2018 getriebener Wissenschaftler, der\u2026Einzelph\u00e4nomene zu einer Kette zusammenf\u00fcgen trachtete, um durch ihre Verkn\u00fcpfung mit etwas Vorangegangenen den gesamten Ablauf des Universums zu einem sinnvollen Ganzen zu machten\u201c (Milton Friedman 1985, S.219). Adam Smith glaubte an eine g\u00f6ttliche Ordnung hinter den Dingen. Diese breite Orientierung und Weitsicht ist der heutigen reduktionistischen und vorwiegend mathematisch ausgerichteten \u00d6konomie, die zu guten Teilen zur esoterischen Priesterwissenschaft mutiert ist, fremd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Adam Smith&#8217;s Werk ist dreigeteilt. Es setzt sich zusammen aus dem \u201eWohlstand der Nationen\u201c, der \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c und den Aufs\u00e4tzen \u00fcber philosophische Themen (\u201eEssays on Philosophical Subjects\u201c. Wie Horst Claus Recktenwald gezeigt hat, muss man alle Werke als architektonische Einheit sehen, um den wirtschaftenden Menschen als Hauptfigur im \u201eWohlstand der Nationen\u201c sachgerecht interpretieren und M\u00e4rkte richtig w\u00fcrdigen zu k\u00f6nnen. Tut man das, betrachtet man also den wirtschaftlichen Akteur auf M\u00e4rkten durch die Brille oder aus der Perspektive der \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c, l\u00f6st sich das sogenannte \u201eAdam-Smith-Problem\u201c als vermeintliche Unvereinbarkeit beider Werke in Wohlgefallen auf. In der \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c steht hingegen der im Privatleben \u2013 also in Familie, Freundeskreis und Nachbarschaft &#8211; agierende Mensch im Mittelpunkt, der sowohl von Herz als auch Verstand geleitet ist. Auf M\u00e4rkten hingegen dominiert die Ratio, zumal es dort um Effizienz und Wohlstand f\u00fcr alle oder auch um eine m\u00f6glichst breite Basis f\u00fcr soziales Handeln geht und somit Altruismus fehl am Platz oder eher st\u00f6rend ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im \u201eWohlstand\u201c gelangt Smith zu der Schlussfolgerung, dass es automatisch der Gesellschaft nutzt oder dem Gemeinwohl dient, wenn der Mensch auf M\u00e4rkten sein nat\u00fcrliches Selbstinteresse verfolgt. Privates Handeln zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation wird wie von einer \u201eUnsichtbaren Hand\u201c gesteuert in Allgemeinwohl transformiert. Dieses auf M\u00e4rkten verfolgte Eigeninteresse darf aber nicht mit Egoismus verwechselt werden, wie Horst Claus Recktenwald nachdr\u00fccklich betont hat. Er h\u00e4tte Peter Bofinger, der im Zusammenhang mit Adam Smith \u201evom Segen des Egoismus\u201c sprach, wohl vehement widersprochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Eigeninteresse ist vielmehr gel\u00e4utert. Denn in der \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c charakterisiert Adam Smith den Menschen als soziales und mitf\u00fchlendes Wesen, dessen Eigeninteresse durch Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen (Sympathie oder, modern formuliert, Empathie) und die moralische Instanz des &#8222;unparteiischen Beobachters&#8220;- es entspricht dem Gewissen bei Kant &#8211; diszipliniert wird. Bei Smith entspringt dieses Denkkonstrukt eines neutralen Richters, der das eigene Verhalten bewertet, der menschlichen Imaginationskraft. Es ist \u2013 im Gegensatz zum eher metaphysischen Gewissen &#8211; real, da es von jedermann erfahrbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ethik ist nach Adam Smith also auch bei Marktprozessen systemimmanent. Sie konstituiert die sogenannten Sekund\u00e4rtugenden, ohne die M\u00e4rkte nicht funktionsf\u00e4hig w\u00e4ren, weil die Transaktionskosten ins Unermessliche steigen w\u00fcrden und weil Tauschakte Vertrauensvorschuss voraussetzen, der wiederum auf moralischem Handeln gr\u00fcndet. Auch hat bei Adam Smith das Streben des Menschen nach Anerkennung durch die Mitmenschen einen ebenso hohen Rang wie das Streben, durch materielle G\u00fcter seine Lebenssituation zu verbessern. Der Mensch ist also weder ein r\u00fccksichtsloser, selbsts\u00fcchtiger Egoist noch ein platter Materialist, sondern ein im Spiegelkabinett menschlicher Beziehungen und Bewertungen interagierendes soziales Wesen, dem Verhaltensbeschr\u00e4nkungen auferlegt sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Handelt der Mensch in der privaten Sph\u00e4re, also in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft, sind die in der Natur des Menschen verankerten moralischen Leitplanken ausreichend f\u00fcr ein harmonisches Zusammenleben und es ist Raum f\u00fcr Hilfsbereitschaft und Altruismus. Auf anonymen M\u00e4rkten hingegen herrscht Distanz zwischen Menschen. Als Realist erkannte Adam Smith, dass unter den Bedingungen der Anonymit\u00e4t weitere Korrektive in das System der nat\u00fcrlichen Freiheit eingebaut werden m\u00fcssen, um auf Nummer sicher zu gehen, dass bei unvollkommenen Menschen das Eigeninteresse nicht degeneriert, also in R\u00fccksichtslosigkeit und Gewinnsucht umschl\u00e4gt oder in Faulheit oder Fahrl\u00e4ssigkeit etc. Denn wenn sich der Mensch unbeobachtet w\u00e4hnt, wenn also die Missbilligung durch Mitmenschen fehlt, verh\u00e4lt er sich anders, als wenn er unter Aufsicht steht. Dann ist der \u201eunparteiische Beobachter\u201c als moralische Leit- und Kontrollinstanz in der Regel zu schwach. Das ist wie in der Hundeforschung: Die auf dem Tisch liegende Wurst wird gefressen, wenn das Herrchen den Raum verlassen hat. Es bed\u00fcrfte schon der Moral oder Disziplin eines Blindenhundes, wenn dies nicht der Fall w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In anonymen Gro\u00dfgesellschaften und auf M\u00e4rkten bedarf es also der staatlichen Normen (Gesetze), die Fehlverhalten unter Strafe stellen sowie der Aufsichtsbeh\u00f6rden, die gewisserma\u00dfen f\u00fcr den au\u00dfer Kraft gesetzten \u201eUnparteiischen Beobachter\u201c einspringen. Ferner ist die disziplinierende Kraft des Wettbewerbs erforderlich, um zu verhindern, dass Anbieter \u00fcberh\u00f6hte Preise verlangen und sich Laschheit breit macht und die Kosten ins Kraut schie\u00dfen. Diese drei Schranken f\u00fcr das Eigeninteresse werden im \u201eWohlstand der Nationen\u201c thematisiert, w\u00e4hrend die ersten beiden (Sympathie oder Mitgef\u00fchl und Regeln der Ethik) in der \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c abgehandelt werden. Wenn der Staat den n\u00f6tigen Rechtsrahmen schafft und f\u00fcr funktionsf\u00e4higen Wettbewerb sorgt, dann ist es so, dass mit mittelm\u00e4\u00dfigen Menschen, die naturgem\u00e4\u00df erst an sich und dann erst an andere denken, beste Ergebnisse f\u00fcr die Allgemeinheit erzielt werden. Unter diesen Bedingungen ist automatisch dem Gemeinwohl gedient, wenn der Mensch sein eigenes Interesse verfolgt. Ber\u00fchmt ist der Satz, dass wir unser Essen nicht dem Wohlwollen, sondern dem Eigeninteresse des B\u00e4ckers, Metzgers oder Brauers verdanken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schranken oder moralischen Leitplanken, die dem wirtschaftenden und auf M\u00e4rkten agierenden Menschen gesetzt sind, gleichen also gewisserma\u00dfen einem Netz und doppelten Boden. Das erste Sicherheitsnetz besteht aus Mitgef\u00fchl und Regeln der Ethik. Der doppelte Boden besteht aus dem normativen Ordnungsrahmen und den dazu geh\u00f6rigen Institutionen des Staates und dem Wettbewerb. Sch\u00e4digungen Dritter oder externe Kosten haben im moralisch fundierten ganzheitlichen System von Adam Smith keinen Platz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Horst Claus Recktenwald hat gezeigt, dass mit dem \u201eWohlstand der Nationen\u201c und der \u201eTheorie der ethischen Gef\u00fchle\u201c eine nat\u00fcrliche und freiheitliche Ordnung f\u00fcr das harmonische Zusammenleben von Menschen entdeckt worden ist. Das Smith&#8217;sche Ordnungsmodell fu\u00dft auf drei Grundpfeilern: dem Markt, der Ethik und dem Staat, der die Regeln setzt. Die Freiheit des einzelnen wird durch die Rechte von Mitmenschen beschr\u00e4nkt. Erlaubt ist alles, was deren Rechte nicht verletzt. Das Dreigestirn Markt, Staat und Ethik bildet eine h\u00f6here Funktionseinheit. Die drei Elemente harmonieren miteinander und sind nat\u00fcrliche Komplementarit\u00e4ten, die sich gegenseitig befruchten. Horst Claus Recktenwald sprach von der Smith`schen Trilogie. F\u00fcr Adam Smith war das nat\u00fcrliche System der Freiheit gottgewollt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der soziale und moralische oder menschliche Mensch nach dem Weltbild von Adam Smith wird heutzutage durch die moderne Verhaltens\u00f6konomie wiederentdeckt Diese empirische Forschungsrichtung, f\u00fcr die stellvertretend Namen wie Ernst Fehr, Daniel Kahnemann und Tania Singer stehen, best\u00e4tigt die Richtigkeit des Menschenbildes bei Adam Smith. Die Verhaltens\u00f6konomie zeigt, dass der Mensch besser ist als sein Ruf, den er in der modernen reduktionistischen und mathematisierten \u00d6konomie genie\u00dft, die Marktm\u00e4ngel in den Mittelpunkt r\u00fcckt und Akteure am Markt kriminalisiert, w\u00e4hrend sie die Akteure in der Politik idealisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Die Abspaltung der \u00d6konomie von der Morallehre<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 19. und 20. Jahrhundert erfolgte eine Abspaltung der \u00d6konomie von der Moralphilosophie. Dies f\u00fchrte zu einer Aufl\u00f6sung des komplexen Menschenbildes, das dem Ordnungssystem von Adam Smith zugrunde lag. Der Mensch war nicht l\u00e4nger ein Wesen, das von Vernunft und Mit-Gef\u00fchl sowie Bauchgef\u00fchl gesteuert war und das in einer Welt unvollkommener Informationen und von Transaktionskosten lebt. Sondern er wurde auf die reine Ratio und den Eigennutz reduziert und hatte alle Informationen, die kostenlos verf\u00fcgbar waren. Ideengeschichtlich erfolgte also eine konzeptionelle Entkoppelung von Markt und Moral. Und menschliches Verhalten wurde so angepasst, dass es mathematisch modellierbar und prognostizierbar war. Der Mensch verwandelte sich in eine kalkulierbare zweibeinige Rechenmaschine mit Ohren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der Homo Oeconomicus von John Stuart Mill als analytisches Kunstkonstrukt<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der historischen Verengung ging das modellanalytische Konstrukt des Homo Oeconomicus hervor, eines k\u00fchlen Rechners, der nach Eigennutz strebt. Diese auf John Stuart Mill zur\u00fcckgehende Modellfigur, die der neoklassischen Theorie zugrunde liegt, ist f\u00e4lschlicherweise oft Adam Smith zugerechnet worden. Sie geht von drei Pr\u00e4missen aus: Erstens wird das strikte Rationalprinzip unterstellt. Beim Maximumprinzip realisiert der Akteur mit gegebenen Mitteln den maximalen Ertrag, beim Minimumprinzip strebt er ein gegebenes Ziel mit dem geringsten Mitteleinsatz an. Zweitens wird Nutzenmaximierung unterstellt, also ein individuelles Handlungskalk\u00fcl, bei dem der einzelne den subjektiven Nutzen maximiert und die Kosten minimiert. Dies kann als das Streben nach dem h\u00f6chstm\u00f6glichen materiellen oder finanziellen Vorteil interpretiert werden. Drittens wird angenommen, dass die Pr\u00e4ferenzen des Akteurs geordnet und kurzfristig stabil sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Handlungskalk\u00fcl bedeutet Wirtschaftlichkeit eine reine Zweck-Mittel-Rationalit\u00e4t. Sie ist nach Max Weber wertneutral, also frei von Werturteilen. Handlungsoptionen werden nicht nach den moralischen Kategorien von &#8222;gut&#8220; oder &#8222;b\u00f6se&#8220; eingestuft, sondern von &#8222;effizient&#8220; und \u201eineffizient\u201c. Die Ziele oder W\u00fcnsche der Individuen werden in der \u00d6konomie nicht von einer moralischen Warte heraus hinterfragt und bewertet. Es spielt keine Rolle, ob der einzelne eine Luxusjacht erwirbt oder f\u00fcr eine Krebsklinik spendet oder Geld f\u00fcr den Denkmalschutz ausgibt. So gesehen ist das neoklassische Modell moralisch blind. Der Markt ist also in diesem Sinne ausschlie\u00dflich ein anonymer unpers\u00f6nlicher Entdeckungs- und Koordinationsmechanismus oder ein Erf\u00fcllungsgehilfe von Konsumentenw\u00fcnschen, die nicht moralisch bewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird eine Verhaltens\u00e4nderung angestrebt, kann das nicht \u00fcber moralische Appelle geschehen, die auf eine Korrektur der Pr\u00e4ferenzen abzielen. Vielmehr m\u00fcssen politische Instanzen eine Korrektur der Restriktionen anpeilen, die der einzelne bei seiner Entscheidung beachten muss. Darunter fallen das verf\u00fcgbare Einkommen, die relativen Preise oder gesetzliche Gebote und Verbote. Strategische Variablen, um das menschliche Verhalten in moralisch w\u00fcnschenswerte Bahnen zu lenken, sind also die Anreizstrukturen. Um umweltbewusstes Verhalten zu f\u00f6rdern, bietet sich etwa die Verteuerung von fossiler Energie an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Appendix: Moral ist in die neoklassische \u00d6konomie integrierbar<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oft ist Kritik an der Neoklassik und am Homo Oeconomicus ge\u00fcbt worden, weil man das Menschenbild f\u00fcr verzerrt hielt und glaubte, John Stuart Mill habe einen gef\u00fchlskalten Egoisten und Rechner im Auge, der ausschlie\u00dflich von der Ratio geleitet ist. Tats\u00e4chlich ist die Annahme der Rationalit\u00e4t aber zutreffend f\u00fcr die am Markt handelnden Menschen. Tats\u00e4chlich steht Handeln aus dem Bauchgef\u00fchl heraus auch nicht im Widerspruch zur Rationalit\u00e4t. Vielmehr ist Bauchgef\u00fchl mit Rationalit\u00e4t bei unvollkommener Information und bei der Existenz von Transaktionskosten gleichzusetzen. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst sich Sympathie oder Mitgef\u00fchl als sozialer Kitt bei Adam Smith im n\u00fcchternen \u00f6konomischen Modell als das Ausbleiben externer Kosten erfassen oder modellieren. Tats\u00e4chlich ist der Mensch der Neoklassik auch nicht der selbsts\u00fcchtige Materialist, sondern der durch Schranken disziplinierte Mensch, der sein nat\u00fcrliches Selbstinteresse verfolgt und damit unbeabsichtigt zur maximalen allgemeinen Wohlfahrt beitr\u00e4gt. Und tats\u00e4chlich sind das neoklassische Rechenger\u00fcst und der Modellrahmen so flexibel handhabbar, dass auch altruistisches Handeln in die neoklassische Wohlfahrtstheorie integrierbar ist, wie Egon Sohmen gezeigt hat. Dann geht das Wohl des anderen als Argument in die individuelle Nutzenfunktion ein. Ebenso l\u00e4sst sich auch modellieren, dass der Mensch nicht nur Nutzen aus materiellen G\u00fctern, sondern auch aus sozialer Anerkennung zieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzum: Der Homo Oeconomicus als Modellbild des wirtschaftenden und auf M\u00e4rkten agierenden Menschen hat nach wie vor Bestand. Er ist nicht \u201eout\u201c, wie die Empathieforscherin Tania Singer und ihre Mitstreiter aus dem wissenschaftlichen Lager der \u201eCaring-Economics\u201c f\u00e4lschlicherweise meinen. Es sind dies der ehemalige Pr\u00e4sident des Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft, Dennis Snower, und der im Dienste des Dalai Lama stehende buddhistische M\u00f6nch und Chemiewissenschaftler Matthieu Ricard. Der Homo Oeconomicus gleicht vielmehr einer mit wenigen Pinselstrichen erstellten Karikatur des wirtschaftenden Menschen, der erkennbar ist, obwohl er auf einer Photographie oder in echt nat\u00fcrlich anders aussieht. Die Karikatur war erforderlich, um das wohlt\u00e4tige Wirken einer \u201eUnsichtbaren Hand\u201c auf Wettbewerbsm\u00e4rkten mathematisch beweisen zu k\u00f6nnen. Die \u00d6konomen Kenneth Arrow und Gerard Debreu haben im Jahr 1954 in ihrer Nobelpreisarbeit nachgewiesen, dass bei vollkommener Konkurrenz und geregelten Eigentumsrechten der Marktmechanismus ein H\u00f6chstma\u00df an Effizienz herbeif\u00fchrt. Sie haben also den mathematischen Konsistenzbeweis f\u00fcr das Wirken der \u201eUnsichtbaren Hand\u201c hinter dem Marktpreismechanismus und Wettbewerbs erbracht, die die Dinge zum Guten hinlenkt. Der nach Adam Smith \u201egel\u00e4uterte\u201c Homo Oeconomicus ist also gewisserma\u00dfen ein Spezialfall innerhalb einer allgemeinen Verhaltenslehre, wie sie von den modernen Verhaltensforschern wiederentdeckt wird. Sie war bei Adam Smith bereits fest verankert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Die Sicht der modernen \u00d6konomie: Marktm\u00e4ngel und Kollisionen mit der Moral<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neuere Str\u00f6mungen in der \u00d6konomie und Weiterentwicklungen der Wirtschaftswissenschaften haben zu Ergebnissen gef\u00fchrt, die dem bisher Gesagten widersprechen, wonach Eigennutz und Allgemeinwohl harmonieren. Es wurden reduktionistische Modelle konstruiert, in denen das individuelle Streben nach Eigennutz paradoxerweise zu Resultaten f\u00fchrt, die weder moralisch w\u00fcnschenswert noch aus kollektiver Warte heraus \u00f6konomisch effizient sind. Die Spieltheorie hat gezeigt, dass es zum sogenannten Gefangenendilemma kommen kann. Darunter ist die kollektive Selbstsch\u00e4digung durch individuellen Eigennutz zu verstehen. Dabei werden Entscheidungssituationen analysiert, in denen der Erfolg des einzelnen vom Verhalten anderer abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Angenommen zwei konkurrierende Unternehmen stehen vor der Entscheidung, freiwillig Umweltauflagen einzuhalten, oder die Umwelt rigoros auszubeuten, um die Kosten zu minimieren und den Gewinn zu maximieren. Kollektiv w\u00fcnschenswert w\u00e4re, wenn sich beide f\u00fcr den teuren Einsatz umweltsparender Technologie entscheiden w\u00fcrden. Wenn Unternehmen A den Umweltschutz w\u00e4hlt, Unternehmen B aber nicht, riskiert A, aus dem Markt herauskonkurriert zu werden. W\u00e4hlt B ebenso den Umweltschutz, w\u00e4re dies \u00f6kologisch und aus gesellschaftlicher Warte heraus optimal. Doch es ist unwahrscheinlich, dass es zu diesem Ergebnis kommt, weil keines der beiden Unternehmen das Risiko eingehen kann, vom Konkurrenten unterboten zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die mathematische L\u00f6sung dieses Spiels ist, dass beide Unternehmen die Umwelt verschmutzen. Sie wird in der \u00f6konomischen Theorie als sogenanntes &#8222;Nash-Gleichgewicht&#8220; bezeichnet. Das aus diesem Modell heraus zu ziehende Fazit lautet: Ohne \u00fcbergeordnete Regeln f\u00fchrt die Summe individuell rationaler Eigennutz-Entscheidungen zu einem kollektiv irrationalen und moralisch verwerflichen Ergebnis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der W\u00fcrdigung dieser Theorie ist zu betonen, dass sich die individuellen Akteure fundamental vom Menschenbild bei Adam Smith unterscheiden. Es handelt sich um skrupellose Egoisten, die den Planeten ausbeuten und ihre Zeitgenossen sowie nachkommende Generationen sch\u00e4digen. Eine inh\u00e4rente Ethik, die im Smith&#8217;schen System der &#8222;unparteiische Beobachter&#8220; &#8211; das Analogon zum eher metaphysischen Gewissen bei Kant &#8211; sicherstellt, ist dieser mathematischen Modellwelt v\u00f6llig fremd. Auch wird im rechtsfreien Raum argumentiert, w\u00e4hrend im Ordnungsmodell von Adam Smith f\u00fcr Recht und Gerechtigkeit und Strafen f\u00fcr Fehlverhalten gesorgt ist, also f\u00fcr den staatlichen Ordnungsrahmen. Deshalb ist der in diesem spieltheoretischen Modell auftretende Widerspruch zwischen individueller Ratio und Moral logisches Ergebnis der Abstraktion von Moral sowie von einem geeigneten Rechtsrahmen, etwa einer Haftungsregel und einer fl\u00e4chendeckenden Eigentumsabgrenzung im Sinne Walther Euckens. Was als Marktversagen angeprangert wird, ist im Grunde Ergebnis eines reduktionistischen Modells, das die Dinge aus dem Ganzheitszusammenhang rei\u00dft. Es liegt ein Modellmangel vor oder ein Ausdruck von Wissenschaftsversagen. Gleichwohl wird das richtige Fazit gezogen, wonach es der \u00fcbergeordneten Regeln bedarf, damit der Markt gut funktionieren kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das spieltheoretische Dilemma f\u00fchrt direkt zur Theorie der externen Effekte und zu der Lehre vom Marktversagen. Externe Effekte liegen vor, wenn von den Konsum- und Produktionsentscheidungen privater Akteure Wirkungen auf Dritte ausgehen, die im Marktpreis nicht abgegolten werden. Bei externen Nutzen oder Ertr\u00e4gen bieten Private zu wenig von einem volkswirtschaftlich und gesellschaftlich wichtigem Gut an, weil ihr Honorar zu niedrig ist. Ein Beispiel ist die Grundlagenforschung, wo staatliche F\u00f6rderung und der Einsatz von Steuergeldern unabdingbar sind. Im Extremfall des \u00f6ffentlichen Gutes kommt gar kein privates Angebot zustande wie etwa bei der Herstellung von Rechtssicherheit und kodifizierter Gesetzgebung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei externen Kosten ist die private Aktivit\u00e4t gesellschaftlich unerw\u00fcnscht, weil sie mit sch\u00e4dlichen Nebenwirkungen einhergeht. Ein Beispiel ist wieder die Umweltverschmutzung. Leitet ein Unternehmen giftige Abw\u00e4sser in einen Fluss, um Kosten zu sparen und die Wettbewerbsposition und Gewinnmarge zu sichern, handelt es im Rahmen der zugrundeliegenden \u00f6konomischen Theorie absolut systemkonform. Doch kollidiert das Ergebnis mit der Moral und Effizienz, weil die Kosten der Allgemeinheit aufgeb\u00fcrdet werden. Die negativen Au\u00dfenwirkungen bestehen im Sterben von Fischbest\u00e4nden, gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen der Anwohner und Verunreinigung des Trinkwassers.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz allgemein spiegelt bei externen Kosten der freie Marktpreis die \u00f6kologischen und sozialen Folgekosten nicht korrekt wieder. \u00d6konomische Rationalit\u00e4t und Marktprinzipien k\u00f6nnen also in die moralische und gesellschaftliche Krise f\u00fchren. Ein bedingungsloses Vertrauen in die &#8222;Unsichtbare Hand&#8220; scheint nach dieser Theorie also verfehlt zu sein und es scheinen Korrekturen durch die sichtbare Hand des Staates erforderlich zu sein. Es wird postuliert, dass der Marktpreismechanismus als Koordinationsmechanismus dort an seine Grenzen st\u00f6\u00dft, wo die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens betroffen sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem in der bisherigen Analyse das \u00d6konomische im Mittelpunkt stand und die Ethik eine eher begleitende Rolle spielte, soll nunmehr die moralphilosophische Sichtweise ins Zentrum ger\u00fcckt werden. Von dieser Warte heraus soll gefragt werden, wie die Ethik normativer Richter oder korrigierende Instanz f\u00fcr dem Markt oder das Wirtschaftsleben sein sollte. Lassen wir nun die Philosophen zu Wort kommen, bevor wir uns den moralischen Leitplanken der Wirtschaftsethiker zuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Das System von Immanuel Kant<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Philosoph Immanuel Kant hat keine eigenst\u00e4ndige Wirtschaftstheorie entwickelt. Seine Wirtschaftsethik ist aus seiner Rechts- und Moralphilosophie heraus ableitbar. Zentral ist der Gedanke, dass wirtschaftliches Handeln von moralischen Pflichten getragen sein sollte und die Freiheit des Menschen sowie den Schutz des Eigentums voraussetzt. Der Staat hat die Aufgabe, das Eigentum zu sch\u00fctzen und das Recht zu sichern sowie das \u00dcberleben der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerung zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kant kritisiert das Prinzip der Nutzenmaximierung. Er stellt Pflichten oder moralisch gute Absichten vor Nutzen und kritisiert die Auffassung, dass eine Handlung schon deshalb moralisch gut sein soll, weil sie Nutzen stiftet und Wohlstand schafft. Es kommt ihm zufolge f\u00fcr die moralische Bewertung nicht auf die Folge einer Handlung an, sondern auf die intrinsische Motivation, die einer generalisierbaren Verhaltensregel folgt. Der kategorische Imperativ besagt, dass sich Menschen an Maximen ausrichten sollen, die als allgemeines Gesetz gelten k\u00f6nnten. Nach der Kant&#8217;schen Pflichtenethik handelt ein H\u00e4ndler also nicht moralisch, wenn er einen Kunden nur aus der Angst heraus, ihn sonst zu verlieren, nicht betr\u00fcgt. Vielmehr muss es aus der \u00dcberzeugung heraus passieren, dass eine Gesellschaft von Betr\u00fcgern nicht tragf\u00e4hig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der moralischen Pflicht ist die W\u00fcrde ein konstitutiver Eckpfeiler im Kant`schen System. Waren haben ihm zufolge einen Preis, der Mensch aber hat eine W\u00fcrde. Menschen d\u00fcrfen nicht zu reinen Werkzeugen degradiert werden. Das ist seiner Meinung nach der Fall, wenn aus dem Mensch der Produktionsfaktor Arbeit oder das Humankapital wird, deren Preise und Kosten es zu minimieren gilt. Kant w\u00e4re vermutlich ein engagierter Verfechter des Lieferkettengesetzes, von Sozialstandards und von Mindestl\u00f6hnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kritik am Kant&#8217;schen System ist auf die Tatsache gerichtet, dass Pflichten kollidieren k\u00f6nnen. So kann etwa die Pflicht, nicht zu l\u00fcgen, mit der Pflicht, Leben zu sch\u00fctzen, unvereinbar sein. Zweitens ist es aus der Sicht der Verantwortungsethik (Max Weber, Herbert Giersch) heraus nicht nachvollziehbar, dass negative Folgen des gut gemeinten Handels f\u00fcr die moralische Bewertung irrelevant sein sollen, zumal das Gegenteil von gut oft nicht b\u00f6se, sondern gut gemeint ist (Karl Kraus). Drittens ist das, was mit der Menschenw\u00fcrde vereinbar ist, wohl kaum absolut und allgemeing\u00fcltig festlegbar, sondern raum- und zeitabh\u00e4ngig. Die Ma\u00dfst\u00e4be verschieben sich mit dem Entwicklungsstand. Wo bei uns Kinderarbeit als unmoralisch gewertet wird, ist sie unter der Bedingung krassester Armut f\u00fcr die Familie mitunter die einzige M\u00f6glichkeit, zu \u00fcberleben und ein Schulbesuch liegt in weiter Ferne des wirtschaftlich M\u00f6glichen. Ein gut gemeintes Lieferkettengesetz, das Kinderarbeit ausschlie\u00dft, treibt die Kinder nicht in die Schule, sondern vielmehr in halblegale oder kriminelle Erwerbszweige, weil man ihnen eine ehrliche Option zum \u00dcberleben beschnitten hat. Freilich sind Fair-trade-Initiativen seitens der Konsumenten reicher L\u00e4nder ebenso begr\u00fc\u00dfenswert, wie Reisen in diese L\u00e4nder mit Schulspenden und Kauf von in Heimarbeit erstellter Produkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Der Utilitarismus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese philosophische Str\u00f6mung ist der Kant&#8217;schen Sichtweise von der Pflichtenethik diametral entgegengesetzt, da f\u00fcr die moralische Bewertung prim\u00e4r die Folgen des individuellen Handelns relevant sind und nicht die Handlungsmotive. Diese sogenannte Nutzenethik geht auf Jeremy Bentham und John Stuart Mill zur\u00fcck. Die Verwandtschaft mit der neoklassischen Theorie ist augenf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Allerdings gibt es einen fundamentalen Unterschied. W\u00e4hrend die Neoklassik verteilungsblind ist und im Pareto-Optimum im Extrem einer alles besitzen kann und die restliche Bev\u00f6lkerung hungert, strebt der Utilitarismus &#8220; das gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Zahl&#8220; an. Es wird also der These Rechnung getragen, dass der Grenznutzen des Geldes mit steigendem Einkommen abnimmt. Ein Euro stiftet demnach in den H\u00e4nden eines Million\u00e4rs oder Milliard\u00e4rs deutlich weniger Nutzen als in den H\u00e4nden eines Armen. Ungleichheit geht damit mit einem reduzierten Gesamtnutzen f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung einher. Zielgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr den Utilitarismus ist nicht die Maximierung des Sozialprodukts, sondern die Maximierung des Wohlbefindens und die Minimierung von Leid. Geht Wirtschaftswachstum einher mit Stress und Entfremdung, ist es moralisch abzulehnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Freilich sind die Grenzen von staatlich erzwungener Umverteilung, die das gr\u00f6\u00dfte Gl\u00fcck f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Zahl herbeif\u00fchren m\u00f6chte, offensichtlich. Denn aufgrund negativer Anreizwirkungen sinkt die Verteilungsmasse und materielle Basis, was das Streben nach Wohlstand konterkariert. Auch ist die These vom abnehmenden Grenznutzen des Geldes nicht immer plausibel: So gehen etwa einem Elon Musk die Investitionsprojekte nicht aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Die Marktkritik von Michael Sande<\/em>l<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der amerikanische Philosoph Michael Sandel kritisiert in seinem Buch &#8222;what money can&#8217;t buy: the moral limits of markets&#8220; das Eindringen marktwirtschaftlicher Prinzipien in Lebensbereiche wie die Gesundheit, das Bildungswesen, die Politik oder die pers\u00f6nlichen Beziehungen. Er beklagt die Omnipr\u00e4senz des \u00d6konomischen und behauptet, dass der Markt die Moral verdr\u00e4ngt, wenn an die Stelle des Motivs, Gutes zu tun, das Motiv, Geld zu verdienen tritt. Auch h\u00e4lt er es f\u00fcr unfair, wenn Geld \u00fcber die gesellschaftliche Teilhabe und die fundamentalen Lebenschancen bestimmt. Sandel fordert eine Begrenzung der Marktwirtschaft durch Verbote der K\u00e4uflichkeit bestimmter Sachverhalte wie z. B. Stimmenkauf, Leihmutterschaft oder Blutspenden und vermehrter Investitionen in den \u00f6ffentlichen Raum z.B. f\u00fcr Parks, Nahverkehr, \u00f6ffentliche Schulen und Bibliotheken). Er w\u00fcnscht mehr \u00f6ffentliche Diskussionen \u00fcber moralische Werte und mehr Institutionen, die an den Gemeinsinn appellieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Sandels Ansichten lassen sich Gegenargumente anf\u00fchren: Wo die Zuteilung von knappen G\u00fctern und Diensten nicht \u00fcber den Preis erfolgt, entscheiden Beziehungen und B\u00fcrokratie als wesentlich intransparentere und vermutlich ungerechtere Verfahren. Verbote von M\u00e4rkten sind weiterhin unvereinbar mit der Freiheit von Individuen, einvernehmlich Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Ferner fehlt die empirische Evidenz, dass finanzielle Anreize moralische Grundlagen aush\u00f6hlen. Man kann genauso gut argumentieren, dass sich Moral dort entfaltet, wo sie alimentiert wird. Und dass finanzielle Ressourcen erforderlich sind f\u00fcr wirksame Hilfe. Ein auf M\u00e4rkten produzierter Rollstuhl nutzt einem Behinderten mehr als das grenzenlose Mitgef\u00fchl oder Mitleid eines mittellosen buddhistischen M\u00f6nchs. Oft bedarf es auch des finanziellen Anreizes, um chronische Knappheiten (etwa von Blutkonserven) zu mindern. Richtig ist Sandels Einsch\u00e4tzung, dass gesellschaftliche Teilhabe eine sozialpolitische Aufgabe des Staates ist, um die die marktwirtschaftliche Verteilung von G\u00fctern nach Kaufkraft flankiert und erg\u00e4nzt werden muss. Denn eine Gesellschaft ist nur heil, in der auch die \u00e4rmeren Mitglieder unter menschenw\u00fcrdigen Bedingungen leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Adam Smith`s sozialer Kitt \u2013 die Sympathie \u2013 wird zerst\u00f6rt, wenn sich die soziale Schere zu weit \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Fazit aus der moralphilosophischen Betrachtung: Die Relevanz der Wirtschaftsethik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kritik der Morallehre an M\u00e4rkten zeigt, dass diese keine moralfreien R\u00e4ume sein k\u00f6nnen, sondern vielmehr in ein normatives Wertesystem eingebettet sein m\u00fcssen. Wenn der nationale oder globale Wettbewerb dazu zwingt, Abstriche von der Individualmoral machen zu m\u00fcssen, weil ethisches Handeln einen Wettbewerbsnachteil bedeutet und das \u00dcberleben am Markt gef\u00e4hrdet, dann wird die Frage nach der organisatorischen Gestaltung der Rahmenbedingungen und Spielregeln f\u00fcr M\u00e4rkte umso wichtiger. Was muss eine Gesellschaft tun, damit Markt und Moral harmonisiert werden? Die moderne Wirtschaftsethik hat Antworten parat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Die Ordnungsethik von Karl Homann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach der Ordnungsethik oder Institutionenlehre von Karl Homann kommt dem Staat die fundamentale Rolle zu, daf\u00fcr zu sorgen, dass die moralische Handlungsoption die attraktivste ist. Oder anders: Die Anreizstrukturen sind so zu ver\u00e4ndern, dass Ausbeutung von Menschen oder von Natur unrentabel wird. Es m\u00fcssen also Gebote oder Anreize f\u00fcr moralisches Verhalten bestehen und Verbote oder Strafen f\u00fcr unmoralisches. So ist etwa ein Preis f\u00fcr die Umweltnutzung erforderlich. Normative Instrumente sind Qualit\u00e4tsstandards oder Umweltschutzauflagen. Diese Auflagen m\u00fcssen verbindlich f\u00fcr alle gelten, damit Gefangenendilemma-Situationen ausgeschlossen sind. Ferner m\u00fcssen kriminelle Handlungen wie Betrug, Raub, Erpressung, Korruption, Preisabsprachen und Kartellbildung unter Strafe gestellt werden. Au\u00dferdem muss die Rahmenordnung so liberal konzipiert sein, dass sich die kreativen Kr\u00e4fte des Marktes besonders gut entfalten k\u00f6nnen. Um f\u00fcr Innovationen zu sorgen, darf das Regelsystem nicht zu engmaschig sein. Der Staat sollte sich somit nicht zu sehr in die Inhalte einmischen, sondern muss die reibungslosen Abl\u00e4ufe garantieren. Erforderlich f\u00fcr Wirtschaftsaktivit\u00e4ten sind ferner Eigentumsschutz und ein verl\u00e4sslicher Rechtsrahmen, damit Private Vertr\u00e4ge abschlie\u00dfen. Eine wichtige ordnungspolitische Funktion bei der Durchsetzung fairer L\u00f6hne kommt den Gewerkschaften zu, die freilich auch in der Verantwortung stehen, nicht zu \u00fcberziehen, um die Wettbewerbsposition nicht zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schweizer Wirtschaftsethiker Peter Ulrich kritisiert, dass Karl Homann die Moral ausschlie\u00dflich im Ordnungsrahmen verortet und die Individuen gewisserma\u00dfen aus der moralischen Verantwortung entl\u00e4sst. F\u00fcr Peter Ulrich sollte der Markt kein wertfreies neoklassisches Subsystem sein wie bei Homann, sondern eine inh\u00e4rente Ethik besitzen. Unternehmen und Konsumenten sollen sich als moralische Akteure betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit schlie\u00dft sich der Kreis, denn wir sind wieder bei Adam Smith angelangt, unter dessen geistiges Dach sowohl die Ideen von Karl Homann als auch Peter Ulrich passen. Die bisherige Analyse hat gezeigt, dass man an Adam Smith nicht vorbeikommt, dass Adam Smith nach wie vor h\u00f6chst aktuell ist und dass die moderne Wissenschaft Lehren aus seinem ganzheitlichen System ziehen sollte. Eine- Adam-Smith-Renaissance erscheint n\u00f6tiger denn je. Und n\u00f6tig erscheint auch eine R\u00fcckbesinnung auf den monumentalen Beitrag von Horst Claus Recktenwald zur richtigen Smith-Interpretation, der in der j\u00fcngeren Adam-Smith-Forschung im deutschen Sprachraum weitgehend ausgeblendet wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Warum der Markt ein soziales System mit einer ethischen Dimension ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach all der Marktm\u00e4ngelanalyse und der behaupteten moralischen Defizite, die Marktkritiker auf der Basis reduktionistischer Modelle mit realit\u00e4tsfremden Annahmen bei der Marktwirtschaft und dem Wettbewerb verorten &#8211; den Mangel an Nachhaltigkeit und Verteilungsgerechtigkeit, die Ausbeutung von Arbeitskr\u00e4ften und die Verletzung der Menschenw\u00fcrde &#8211; erscheint es abrundend erforderlich, M\u00e4rkte ins rechte Licht zu r\u00fccken und zu rehabilitieren. Denn de facto sitzen der Markt und der auf M\u00e4rkten agierende Mensch auf der Anklagebank, nicht nur im Urteil moralisierender Intellektueller, sondern auch seitens der neueren Str\u00f6mungen innerhalb der \u00f6konomischen Wissenschaft. Im Zeitalter des Internets schie\u00dfen die von marktfeindlichen \u00d6konomen gegr\u00fcndeten Netzwerke oder Labels f\u00fcr neue Forschungszweige wie Pilze aus dem Boden. Zu nennen sind etwa die \u201eplurale \u00d6konomik\u201c, die \u201epost-autistische \u00d6konomie\u201c und die \u201eReal World Economics\u201c. Im Urteil der Neuen Z\u00fcricher Zeitung NZZ vertreten diese Gruppen das gemeinsame Credo, \u201e\u2026dass der Markt f\u00fcr alles \u00dcbel und der Staat f\u00fcr alles Gemeinwohl verantwortlich ist\u201c (NZZ 2015).Typisch f\u00fcr die neue Bewegung ist die \u201e\u2026Ablehnung freier M\u00e4rkte und die \u00dcberzeugung, dass es eigentlich kein Zuviel an Regulierung geben kann\u201c. Das ihren Theorien zugrunde gelegte Menschenbild ist ein Zerrbild der Realit\u00e4t und auch die Annahmen mathematischer Wirtschaftsmodelle sind meist weltfremd.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reale M\u00e4rkte m\u00f6gen mit M\u00e4ngeln behaftet sein. Man sollte jedoch die Realit\u00e4t nicht an modelltheoretischen Utopien messen, wie dies in der Lehre von den Marktm\u00e4ngeln Usus ist. Fakt ist, dass kein anderes System historisch einen so breiten Wohlstand hervorgebracht hat wie die Marktwirtschaft. Die Marktwirtschaft befreit die Menschen von den Fesseln der Armut und erm\u00f6glicht erst, dass sich Humanit\u00e4t entfalten kann. Die Marktwirtschaft \u00fcberspringt tagt\u00e4glich die Knappheitsh\u00fcrden. Sie ist kreativ und wohlt\u00e4tig. Fakt ist, dass der Markt materiellen Wohlstand und dass materieller Wohlstand Verteilungsmasse und Hilfsbereitschaft generiert. Typisch f\u00fcr reiche und florierende Volkswirtschaften ist ein hohes Ma\u00df an Wohlt\u00e4tigkeit und privater Spendenbereitschaft. Man darf bei der moralischen Bewertung der Marktwirtschaft nicht nur darauf blicken, wie die Einkommen und Verm\u00f6gen verteilt sind, sondern vor allem darauf, wie sie verwendet werden. Gegen hohes Produktivverm\u00f6gen, das Arbeitspl\u00e4tze schafft und die Produktivit\u00e4t der arbeitenden Menschen und damit deren Verdienstm\u00f6glichkeiten erh\u00f6ht, ist gar nichts einzuwenden. Es ist, ganz im Gegenteil, moralisch h\u00f6chst positiv zu bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Verteilung der Einkommen nach Leistung gen\u00fcgt Gerechtigkeitsma\u00dfst\u00e4ben. So erscheint es gerecht, dass der, der mehr leistet und zur Wertsch\u00f6pfung beitr\u00e4gt, auch mehr Geld erh\u00e4lt. Zumal die weniger funkelnde R\u00fcckseite der Gerechtigkeitsmedaille in h\u00f6heren Opfern wie Freizeit- und Konsumverzicht und Inkaufnahme von Verlustrisiken besteht. Wer dem T\u00fcchtigen etwas wegnehmen will, um es dem Faulen zu geben, hat nicht unbedingt die Moral auf seiner Seite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Marktwirtschaft sichert die Freiheit und f\u00f6rdert somit die freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit und Eigeninitiative. Sie hilft den Menschen, die in ihnen schlummernden Talente zu entdecken und sch\u00f6pferisch aktiv zu sein. Sie ist somit die Organisationsform, die am besten mit der Menschenw\u00fcrde vereinbar ist, die der Philosoph Immanuel Kant so hoch gehalten hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zuletzt ist es so, dass die Marktwirtschaft die sogenannten Sekund\u00e4rtugenden hervorgebracht hat wie Vertragstreue, Ehrlichkeit, Zuverl\u00e4ssigkeit, P\u00fcnktlichkeit, Flei\u00df, Disziplin, H\u00f6flichkeit und Ordnungsliebe. Diese Regeln der Ethik sind \u2013 wie der staatliche Ordnungsrahmen und der Wettbewerb auch \u2013 Funktionsbedingungen f\u00fcr die Marktwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abrundend ist festzuhalten: M\u00e4rkte sind nicht nur effizient, sondern auch zutiefst moralisch. Und die auf M\u00e4rkten agierenden Menschen sind weit besser als ihr Ruf. Freilich gibt es immer ein paar schwarze Schafe, wobei es aber Aufgabe des Staates ist, Kriminalit\u00e4t und rechtswidriges Verhalten zu minimieren. In der Marktm\u00e4ngeltheorie stehen jedoch alle Individuen pauschal unter Kriminalit\u00e4tsverdacht und bekommen die Scheuklappe der kurzfristigen Gewinnmaximierung und des alleinigen Schauens auf den Preis und den eigenen materiellen Vorteil aufgesetzt. Tats\u00e4chlich aber zahlt sich tugendhaftes Verhalten auf lange Sicht aus und tats\u00e4chlich gilt die Devise: ehrlich w\u00e4hrt am l\u00e4ngsten. Moralisches Verhalten (faire Arbeitsbedingungen, Umweltschutz) zieht qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte an und steigert langfristig den Marktwert des Unternehmens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn etwas angreifbar ist, dann ist es nicht der wirtschaftende Mensch mit seinen angeblichen moralischen Defekten, sondern es sind die realit\u00e4tsfremden Annahmen, die der Marktm\u00e4ngeltheorie zugrunde liegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem in der privaten Sph\u00e4re, also in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft gilt die Regel, dass moralisches Verhalten in Form von Altruismus und Hilfsbereitschaft kein \u201eDraufzahlgesch\u00e4ft\u201c ist, sondern \u2013jetzt oder sp\u00e4ter \u2013 erwidert wird. Auf lange Sicht gibt es also kein einseitiges Geben oder Aufopfern f\u00fcr den N\u00e4chsten, was die Vertreter einer \u201eMitgef\u00fchls-Wirtschaft\u201c oder der \u201eCaring-Economics\u201c wohl zum moralischen Imperativ erkl\u00e4ren, sondern ein marktwirtschaftliches do-ut-des. Moral ist nicht nur ein hoher Wert, sondern auch eine rentable Strategie, also ein \u00f6konomisch effizientes Verhalten. Dabei erscheint m\u00fc\u00dfig, dar\u00fcber zu diskutieren, ob der Mensch nun gibt, damit ihm gegeben wird, ob er also aus einem intertemporalen Sicherheitskalk\u00fcl heraus handelt oder ob er selbstlos hilft, ohne eine sp\u00e4tere Gegenleistung oder Unterst\u00fctzung zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abrundend sei noch betont, dass es in die Irre f\u00fchrt, den altruistischen Menschen f\u00fcr die Wirtschaft zu fordern, wie die \u201eCaring-\u00d6konomen\u201c dies tun. Hier muss mit spitzem Bleistift gerechnet werden, damit mehr \u00fcbrig bleibt f\u00fcr das knappe Gut der N\u00e4chsten- und Fernstenliebe (Herbert Giersch). Der Markt ist und bleibt das Spielfeld f\u00fcr den \u201egel\u00e4uterten\u201c Homo Oeconomicus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Appendix: Der starke Ordnungs-Staat als integraler Bestandteil des Systems der nat\u00fcrlichen Freiheit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wir gesehen haben, sind Markt und Moral siamesische Zwillinge oder Vorder- und R\u00fcckseite derselben Medaille. Das gilt allerdings nur dann, wenn die dazu komplement\u00e4re Ordnungspolitik stimmt: also die Rahmenbedingungen, Spielregeln und Anreiz- und Strafmechanismen, die staatlicherseits zu implementieren sind. Hier bedarf es einer Umsetzung der Ideen von Walter Eucken und der Freiburger Schule in Verbindung mit den Ideen von Karl Homann. Da diese notwendige Synthese ein separates Thema ist, welches den Rahmen dieser Abhandlung sprengen w\u00fcrde, kann hier nur mit kurzen Pinselstrichen darauf eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Walter Eucken muss der Staat die Rahmenbedingungen (\u201eOrdnung der Wirtschaft\u201c) festlegen, statt planwirtschaftliche Prozesspolitik zu betreiben. Eine Renaissance dieser Lehre muss folgende Kernprinzipien reaktivieren: 1) Das Haftungsprinzip: Wer den Nutzen hat, muss auch das Risiko und den Schaden tragen. Dies ist eine Absage an staatliche Rettungsschirme f\u00fcr Missmanagement. 2) Eine konsequente Wettbewerbspolitik: Es ist eine strikte Monopol- und Kartellkontrolle erforderlich, um Machtkonzentrationen und Marktblockaden zu verhindern. Ferner muss der Staat neutral sein, er darf also keine Subventionen und Sonderverg\u00fcnstigungen gew\u00e4hren. 3) Stabile Rahmenbedingungen: n\u00f6tig ist eine langfristig verl\u00e4ssliche Finanz-, Steuer- und Geldpolitik. 4) Offene M\u00e4rkte: Es sind Marktzutrittsbarrieren f\u00fcr Innovationen und Start-ups abzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend bei Eucken der Staat als Schiedsrichter das Spielfeld abgrenzt und die Spielregeln vorgibt, kanalisiert er bei Karl Homann die Spielz\u00fcge \u00fcber Preissignale und \u00f6konomische Anreize sowie Gebote, um gesellschaftliche Ziele wie Dekarbonisierung oder Digitalisierung zu erreichen. Dadurch wird Moral zu einem systemimmanenten Erfolgsfaktor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Staaten, die sich als Marktwirtschaften bezeichnen, weichen fundamental von diesen ordnungspolitischen Erfordernissen ab. Blickt man beispielsweise nach Deutschland, muss man einen \u00fcberregulierten, nicht-neutralen Interventions- und Subventionsstaat diagnostizieren, der die B\u00fcrger bevormundet, statt auf marktkompatible Anreiz- und Strafmechanismen zu setzen. Der Interventionsstaat, der sich aus einer hybriden Marktm\u00e4ngellehre heraus entwickelt hat, hat die moralischen Grundlagen unseres Gemeinwesens erodiert und Anspruchshaltung und Subventionsmentalit\u00e4t hervorgebracht, die unsere Wirtschaft l\u00e4hmt und die die Stabilit\u00e4t unserer Demokratie gef\u00e4hrdet. (Nicht nur) hierzulande ist ein Abschied vom Interventionismus und von der Vetternwirtschaft und eine Renaissance der Ordnungspolitik \u00fcberf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Not tut also nicht nur eine Neubesinnung auf Adam Smith und Horst Claus Recktenwald, sondern auch auf Walter Eucken und die Freiburger Schule. Erforderlich erscheint eine Synthese aus Recktenwalds Adam-Smith-Trilogie, die aus Ethik, Markt und Staat als komplement\u00e4re Subsysteme des Systems der nat\u00fcrlichen Freiheit besteht, und Walter Euckens \u201eInterdependenz der Ordnungen\u201c. Nach der Rehabilitation des Marktsystems durch die Integration mit der Ethik und der Analyse der \u201eUnsichtbaren Hand\u201c, muss die \u201eSichtbare Hand\u201c des Ordnungsstaates n\u00e4her ins Visier genommen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">LITERATUR<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Arrow, K. J. und G. Debreu (1954). Existence of an Equilibrium for a Competitive Economy, in: Econometrica 22 (3). S. 265-290.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Baurmann, M. (1996). Der Markt der Tugend: Recht und Moral in der liberalen Gesellschaft; eine soziologische Untersuchung. T\u00fcbingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bentham, J. (2013). An Introduction to the Principles of Morals and Legislation (Orginalwerk ver\u00f6ffentlicht 1789). Oxford.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bickenbach, F. und R. Soltwedel (1996). Ethik und wirtschaftliches Handeln in der modernen Gesellschaft: Ordnung, Anreize und Moral. Kieler Diskussionsbeitr\u00e4ge 268. Kiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bofinger, P. (24.8.2013). Adam Smith. Vom Segen des Egoismus. In: FAZ. <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/faz\/adam-smith-der-segen-des-egoismus-12536505.html\">https:\/\/www.faz.net\/faz\/adam-smith-der-segen-des-egoismus-12536505.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eucken, W. (1952). Grunds\u00e4tze der Wirtschaftspolitik. Hrsg. von Edith Eucken und K. Paul Hensel. Bern und T\u00fcbingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Friedman, M. (1985). Adam Smiths Bedeutung f\u00fcr 1976. In: H. C. Recktenwald (Hg). Ethik, Wirtschaft und Staat. Darmstadt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1986). Die Ethik der Wirtschaftsfreiheit. In: R. Vaubel und H.D. Barbier (Hg.). Handbuch der Marktwirtschaft. Pfullingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Homann, K.(2014). Sollen und K\u00f6nnen. Grenzen und Bedingungen der Individualmoral. Wien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Homann, K. und C. L\u00fctge (2013). Einf\u00fchrung in die Wirtschaftsethik (3. Auflage). M\u00fcnster.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kant, I. (1999). Grundlegung zur Megaphysik der Sitten. (Originalwerk ver\u00f6ffentlicht 1785). Herausgegeben von B. Kraft und D. Sch\u00f6necker. Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nash, J. F. (1951). Non-Cooperative Games. In: Annals of Mathematics. Vol. 54.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neue Z\u00fcricher Zeitung (NZZ) (8.9.2015). Monotheismus in der \u00d6konomie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mill, J. S. (2006). Der Utilitarismus. (Originalwerk ver\u00f6ffentlicht 1861). \u00dcbersetzt von D. Birnbacher. Stuttgart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Recktenwald, H.C. (1985). Ethik, Wirtschaft und Staat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Recktenwald, H.C. (1978). An Adam Smith Renaissance Anno 1976. The Bicentenary Output. A Reappraisel of his Scholarship. In: Journal of Economic Literature.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosenschon, A. (2024). Markt, Staat und Ethik als Trilogie. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine Adam Smith Renaissance. In: Wirtschaftliche Freiheit. <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=37093\">https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=37093<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosenschon, A. (2024). Ist der homo oeconomicus out? Was von den Einw\u00e4nden der \u201eCaring.Economics\u201c zu halten ist. In: Wirtschaftliche Freiheit. <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38406\">https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=38406<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sandel, M. J. (2012). What Money can&#8217;t Buy. The Moral Limits of Markets. New York.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Singer, T. und M. Ricard (2015). Mitgef\u00fchl in der Wirtschaft. Ein bahnbrechender Forschungsbericht. M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Smith, A. (2018). Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen. (Originalwerk ver\u00f6ffentlicht 1776). \u00dcbersetzt von H.C. Recktenwald. M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Smith, A. (1977). Theorie der ethischen Gef\u00fchle. (Originalwerk ver\u00f6ffentlicht 1759). Herausgegeben von W. Eckstein. Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Smith, A. (1795). Essays on Philosophical Subjekts. London.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sohmen, E. (1976). Allokationstheorie und Wirtschaftspolitik. T\u00fcbingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ulrich, P. (2008). Integrative Wirtschaftsethik: Grundlagen einer lebensdienlichen \u00d6konomie. (4. v\u00f6llig neu bearbeitete Auflage). Bern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weber, M. (1980). Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. (5. revidierte Auflage). T\u00fcbingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markt und Moral werden oft als Gegens\u00e4tze gesehen: hier der kalte, vermeintlich von Egoismus getragene, rationale Markt, dort die warmherzige, altruistische und werteorientierte Moral. 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