{"id":44294,"date":"2026-06-30T06:27:00","date_gmt":"2026-06-30T05:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44294"},"modified":"2026-06-30T06:35:29","modified_gmt":"2026-06-30T05:35:29","slug":"alterssicherungskommission-rentenpolitik-im-demographischen-rueckspiegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44294","title":{"rendered":"Alterssicherungskommission <br><b>(Renten)Politik im (demographischen) R\u00fcckspiegel <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDieses Medikament wird erst wirken, wenn der Patient tot ist.\u201c<\/em> (Bernd Raffelh\u00fcschen, ALU)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun ist die Katze aus dem Sack. Die Alterssicherungskommission hat 33 Vorschl\u00e4ge vorgelegt. Das Echo ist f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse positiv. Die Bundesregierung will die Vorschl\u00e4ge als \u201eGesamtkunstwerk\u201c \u00fcbernehmen. Rosinenpicken sei ausgeschlossen (B\u00e4rbel Bas). Die Vorschl\u00e4ge konzentrieren sich auf zweierlei: Zum einen geht es um Aufr\u00e4umarbeiten eingetretener Sch\u00e4den, vor allem demographischer. Wie sollen die Lasten inter-generativ verteilt werden? Das umlagefinanzierte Alterssicherungssystem soll stabilisiert werden. Zum anderen wird ein substanzieller Einstieg in die Kapitaldeckung vorgeschlagen. Die umlagefinanzierte GRV soll um einen kapitalfundierten Anbau erweitert werden. Ist das nun ein (weiterer) St\u00fctzpfeiler f\u00fcr das alte bauf\u00e4llige umlagefinanzierte Haus oder ein echter Systemwechsel hin zu mehr Resilienz? Oder kommt alles ganz anders, weil eine potenziell disruptive K\u00fcnstliche Intelligenz die Vorschl\u00e4ge der Kommission \u00fcber kurz oder lang zur Makulatur macht?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Kind ist schon l\u00e4nger in den Brunnen gefallen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die umlagefinanzierte GRV ist schon l\u00e4nger defizit\u00e4r. In den letzten 20 Jahren finanzierte der Bund stabil 22 \u2013 24 % der Ausgaben der GRV mit Zusch\u00fcssen. Also viel L\u00e4rm um nichts Neues. Das Kind ist schon l\u00e4nger in den Brunnen gefallen. \u00dcber die Ursachen herrscht Einigkeit. Zum einen ist die GRV, wie alle umlagefinanzierten Alterssicherungssysteme, inh\u00e4rent instabil. Sie wurde und wird immer wieder zum Opfer von Tarifpartnern, der Politik, ihrer Mitglieder und der Finanzierungsstruktur. Tarifpartner w\u00e4lzen arbeitsmarktpolitische Lasten, wie etwa Fr\u00fchverrentung, ab. Die Politik verteilt gro\u00dfz\u00fcgig verteilungspolitische Geschenke, wie die M\u00fctterrente, ohne daf\u00fcr voll zu bezahlen. Ein Teil der Mitglieder lebt auf Kosten der Kinder anderer Leute. Die lohnzentrierte Finanzierungsstruktur erodiert die \u00f6konomische Basis der GRV.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die GRV ist zum anderen aber auch finanziell klamm, weil sie von exogenen Schocks getroffen wird. Der wichtigste ist der demographische Wandel. Mit ihm haben alle umlagefinanzierten Alterssicherungssysteme zu k\u00e4mpfen. Dieser Wandel ist l\u00e4ngst in Gang. Viel Neues kommt da nicht mehr. Es geht darum, die Scherben zusammenzukehren. Ein zweiter Schock ist der sektorale Strukturwandel am Arbeitsmarkt. Teilzeit, Mini-Jobs, Befristungen sind die Spitze des beitragsfressenden Eisberges. Auch dieser Schock w\u00e4re l\u00e4ngst durch, w\u00fcrde nicht die \u201edumme\u201c Energiewende den Prozess der De-Industrialisierung beschleunigen. Ein dritter Schock k\u00f6nnte die K\u00fcnstliche Intelligenz sein. Es steht zu bef\u00fcrchten, dass Arbeit verliert und Kapital gewinnt. Die Lohnquote sinkt, die lohnzentrierte Finanzierungsbasis der GRV erodiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Es geht um (demographische) Aufr\u00e4umarbeiten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle umlagefinanzierten Alterssicherungssysteme haben einen gravierenden Webfehler. Sie sind anf\u00e4llig f\u00fcr demographische Schocks. Die wichtigste Aufgabe der Alterssicherungskommission war, in der GRV demographisch aufzur\u00e4umen. Ein B\u00fcndel von Vorschl\u00e4gen besch\u00e4ftigt sich damit, wie demographische Lasten gesenkt werden k\u00f6nnen. Die Lebensarbeitszeit zu verl\u00e4ngern war der wichtigste Vorschlag. K\u00fcnftig soll das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden (2:1-Regel). Eine h\u00f6here Lebenserwartung soll im Verh\u00e4ltnis 2:1 auf Erwerbst\u00e4tigkeit und Rentenbezugsdauer aufgeteilt werden. Die Abschaffung der abschlagsfreien \u201eRente mit 63\u201c soll zusammen mit versicherungsad\u00e4quaten Abschl\u00e4gen bei Fr\u00fchverrentung den Trend stoppen, vor der Regelaltersgrenze in Ruhestand zu gehen.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demographische Lasten zu senken, ist eines, die Lasten inter-generativ \u201egerecht\u201c zu verteilen, ist etwas anderes. Die Rentenkommission schl\u00e4gt vor, den ausgesetzten Nachhaltigkeitsfaktor ab 2032 wieder in Kraft zu setzen und ihn leicht zu Lasten der Rentenempf\u00e4nger zu versch\u00e4rfen (\u201ealpha\u201c: von 0,25 auf 0,33). Diese Regelung gilt allerdings nur f\u00fcr Bestandsrentner. F\u00fcr sie soll die Haltelinie f\u00fcr das \u201ealte\u201c Rentenniveau von 48 % ab 2032 nicht mehr gelten. F\u00fcr die Neurentner wird ein \u201eneues\u201c Rentenniveau (Gesamtversorgungsniveau) geschaffen. Das Gesamtversorgungsniveau (alte Umlagerente + neue Kapitalrente + tempor\u00e4rer \u00dcbergangsfaktor) soll die 48 %-Marke nicht unterschreiten. Es kann aber auch h\u00f6her ausfallen (Ziel: 70 %). Das \u201eorigin\u00e4re\u201c Rentenniveau (Umlagerente: 48 %) kann abgesenkt werden, wenn die Kapitalrente aus den Zusatzbeitrag von 2 % ihre vollen Ertr\u00e4ge aus der Kapitalanlage abwirft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kommission konnte es nicht lassen, auch alte Rezepte vorzuschlagen, die kurzfristig entlasten, langfristig aber nichts bringen. Den Kreis der Versicherten zu erweitern, ist ein solcher Ladenh\u00fcter. Selbst\u00e4ndige, Abgeordnete und Vorst\u00e4nde sollen zwangsweise Mitglied werden. Die Beitragseinnahmen durch neue versicherungspflichte Einkommen zu erh\u00f6hen, ist ein anderer Klassiker. Mini-Jobs sollen voll rentenversicherungspflichtig werden. Es ist unstrittig, der Substitutions- \u00fcberwiegt den Einkommenseffekt. Dann sinkt aber die beitragsrelevante Lohnsumme. Mini-Jobs sind eine Insel der Flexibilit\u00e4t im Meer der Regulierungen auf den Arbeitsm\u00e4rkten. Mini-Jobs sollten nicht abgeschafft werden. Politik und Tarifpartnern sollten f\u00fcr mehr Flexibilit\u00e4t auf den Arbeitsm\u00e4rkten sorgen. Dann klappt es auch mit den Beitragseinnahmen der GRV.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ungereimtheiten bei versicherungsfremden Leistungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Demographische Schocks sind politisch schwer steuerbar, politische Schocks dagegen schon. Oft geht es um Umverteilung. Die W\u00e4hler fragen sie nach, die Politiker bieten sie gerne an. Die Alterssicherungskommission geht zweigleisig vor: Zum einen schl\u00e4gt sie vor, einige Ma\u00dfnahmen der Umverteilung, wie etwa die \u201eRente mit 63\u201c und die nicht versicherungsad\u00e4quaten Abschl\u00e4ge bei Fr\u00fchverrentung, zu streichen. Zum anderen will sie aber der Politik bei der Umverteilung in der GRV freie Hand lassen. Allerdings schl\u00e4gt sie vor, dass bei inter-personeller Umverteilung in der GRV das Konnexit\u00e4ts-Prinzip (\u201eWer anschafft, zahlt auch\u201c) gelten soll. Alle versicherungsfremden Leistungen in der GRV sollen in einem regelgebundenen Mechanismus perspektivisch voll \u00fcber (dynamisierte) Bundeszusch\u00fcsse (\u201eBundesanteil\u201c) abgegolten werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alterssicherungskommission ist allerdings bei den Vorschl\u00e4gen zu versicherungsfremden Leistungen wenig konsequent. Bei der \u201eRente mit 63\u201c und nicht-versicherungsad\u00e4quaten Abschl\u00e4gen pl\u00e4diert sie f\u00fcr die Abschaffung, bei der M\u00fctterrente (I und II) bleibt sie dagegen auffallend still. Vielleicht hat eine politische Schere im Kopf (CSU-Widerstand) eine Rolle gespielt. Grunds\u00e4tzlich ist es sinnvoll, alle inter-personelle Umverteilung in das Steuer-Transfer-System auszulagern. Das wird jetzt schon bei der Grundsicherung im Alter praktiziert. Eine Abgeltung versicherungsfremder Leistungen \u00fcber (regelgebundene, dynamisierte, steuerfinanzierte) Bundeszusch\u00fcsse sind immer nur eine zweitbeste L\u00f6sung. Die Akzeptanz der GRV nimmt zu, wenn das \u00c4quivalenz-Prinzip gest\u00e4rkt und die GRV wieder st\u00e4rker zu einer Versicherung wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grunds\u00e4tzlich l\u00f6st eine vollst\u00e4ndige Steuerfinanzierung inter-personeller Umverteilung aus der GRV in das Steuer-Transfer-System nicht alle Probleme. Der Zielkonflikt zwischen Allokation und Verteilung bleibt, auch wenn er schw\u00e4cher ist. Gut ist, regelgebundenes Verhalten (\u201e\u00c4quivalenz-Prinzip\u201c) wird gest\u00e4rkt, diskretion\u00e4re Eingriffe werden verringert. Richtig ist auch, die Umverteilung als \u00f6ffentliches Gut wird nicht nur von Beitrags-, sondern von den Steuerzahlern finanziert. Das ist grunds\u00e4tzlich \u201egerechter\u201c. Bei einem ad\u00e4quaten Steuersystem werden auch weniger allokative Risiken und Nebenwirkungen produziert. Das eigentliche Problem, dass die Webfehler im politischen Prozess zu einem zu gro\u00dfen Angebot an effizienzverschlingender Umverteilung f\u00fchren, ist allerdings auch bei einer Auslagerung in das Steuer-Transfer-System nicht gel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Werden demographische Lasten \u201egerecht\u201c verteilt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Reform der Gesetzlichen Rentenversicherung wird nur breit akzeptiert, wenn eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung der Meinung ist, die (demographischen) Lasten werden \u201egerecht\u201c auf Beitragszahler (Junge) und Rentenempf\u00e4nger (Alte) verteilt. Das Problem: Gerechtigkeit ist ein normatives Konzept. Was als \u201egerecht\u201c angesehen wird, ist h\u00f6chst umstritten. Das kann bei individuellen Werturteilen auch gar nicht anders sein. Was nun? In der kontroversen Diskussion haben sich zwei Varianten herauskristallisiert: Die einen verstehen unter einer \u201egerechten\u201c Verteilung der demographischen Lasten, eine \u201egleiche\u201c Verteilung auf Beitragszahler und Rentenempf\u00e4nger. Die anderen stellen auf eine \u201everursachergerechte\u201c Verteilung ab. Wer die demographischen Lasten verursacht hat (Boomer), weil er zu wenig Kinder in die Welt gesetzt hat, soll f\u00fcr die finanziellen Defizite in der GRV aufkommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jungen sind die Verlierer, wenn nichts passiert. Sie m\u00fcssten einen Gro\u00dfteil der demographischen Lasten tragen (Sachverst\u00e4ndigenrat). Mit den Vorschl\u00e4gen der ASK werden demographische Lasten gleichm\u00e4\u00dfiger auf Junge und Alte aufgeteilt. Kritiker, wie Bernd Raffelh\u00fcschen und Axel B\u00f6rsch-Supan, sind der Meinung, die Jungen kommen immer noch zu schlecht weg. Wie ver\u00e4ndert sich die Lastverteilung? Die Boomer (kurz vor der Rente) werden belastet, weil sie l\u00e4nger arbeiten m\u00fcssen (Wegfall der \u201eRente mit 63\u201c; Streichung der Altersteilzeit-Modelle; Koppelung des Renteneintritts an Lebenserwartung) und der Nachhaltigkeitsfaktor wieder wirkt. Allerdings greift das 2:1-Modell, das schrittweise eingef\u00fchrt werden soll, erst ab 2032. Da sind die meisten Boomer schon in Rente. Die Boomer (schon in Rente) trifft nur der Wegfall der Haltelinie (48%), allerdings auch erst ab 2032. Alles in allem: Die demographischen Lasten werden kaum von den Boomer, sondern den neuen Rentnern nachfolgender Generation getragen. Deren Geburtenrate ist allerdings auch nicht h\u00f6her. Es ist richtig, den Nachhaltigkeitsfaktor wieder wirken zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jungen gewinnen gegen\u00fcber dem Status quo. Kurzfristig werden sie erst einmal belastet. Der Rentenbeitrag soll ab 2028 zus\u00e4tzlich zum normalen Beitrag f\u00fcr die Umlagerente schrittweise in vier Stufen um insgesamt 2 Prozentpunkte ihres Bruttolohnes (h\u00e4lftig Arbeitnehmer und Arbeitgeber) steigen. Ein Nachteil ist das nicht, wenn die Kapitalertr\u00e4ge die Zusatzbeitr\u00e4ge \u00fcbersteigen. Daf\u00fcr spricht vieles. Staatlicher Zwang und staatliche Organisation ist allerdings nicht notwendig. Beg\u00fcnstigt werden sie auf den ersten Blick, weil Neurentner (Junge) neben der Umlage- auch eine Kapitalrente und eine \u00dcbergangszulage erhalten, die so lange gew\u00e4hrt wird, wie das Gesamtsicherungsniveau die 48 %-Marke unterschreitet. Neurentner werden gegen\u00fcber Bestandsrentnern (Boomer) bevorzugt. Das gilt brutto. Die \u00dcbergangszulage wird aus Bundesmitteln (Steuern, Kredite) finanziert. Da vor allem die Jungen diese Mittel selbst aufbringen m\u00fcssen, sind ihre 48 % brutto nicht \u201enetto\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kann die Kapitalrente die GRV stabilisieren?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorschl\u00e4ge der Alterssicherungskommission zur Reform der GRV gehen in die richtige Richtung. Nur: Sie sind zu hom\u00f6opathisch und kommen zu sp\u00e4t. Das Kind ist demographisch l\u00e4ngst in den Brunnen gefallen. Die ASK versucht, die demographischen Scherben aufzukehren. Weiter: Verteilungspolitisch motivierte versicherungsfremde Leistungen sind in Demokratien schwer abzubauen. Eine Mehrheit ist dagegen, Alte und Junge. Schlie\u00dflich: Die Reformvorschl\u00e4ge sind demographisch nicht \u201everursacherad\u00e4quat\u201c. So gelingt es nur, einige wenige Boomer auf der Zielgerade ihres Erwerbslebens zur Kasse zu bitten. Die Jungen sind die Dummen. Mit der Aktienrente hat die ASK aber einen bedenkenswerten Vorschlag gemacht. Ist der Einstieg in die Kapitalfundierung ein Systemwechsel? Er wirkt der Tendenz eines sinkenden Rentenniveaus der Umlagerente entgegen. Es ist wohl aber auch der Versuch, mit einem kapitalfundierten Anbau das marode umlagefinanzierte Alterssicherungssystem zu stabilisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein alter Hut: In alternden Gesellschaften sind umlagefinanzierte, national organisierte Alterssicherungssysteme weniger rentabel als kapitalfundierte, international agierende. Von daher w\u00e4re es l\u00e4ngst an der Zeit, einen Systemwechsel vorzunehmen. Wenn da nur nicht das Hindernis der Doppelbelastung j\u00fcngerer Generationen w\u00e4re. Ein Systemwechsel ist nur in hom\u00f6opathischen Dosen m\u00f6glich. Genau das schl\u00e4gt die ASK mit der Aktienrente vor. Das Problem der Doppelbelastung verschwindet zwar nicht. Die Politik soll es aber abmildern. Sie garantiert k\u00fcnftigen Generationen ein Gesamtversorgungsniveau von mindestens 48 %. Wo Umlage- und Kapitalrente (noch) nicht ausreichen, soll es ein \u00dcbergangszulage richten. Diese Zulage soll \u00fcber einen Bundeszuschuss finanziert werden, den aber j\u00fcngere Generationen zum Gro\u00dfteil stemmen m\u00fcssen. Die Rechnung kann f\u00fcr die Jungen trotzdem aufgehen, wenn die Nettorendite aus heutigen Zusatzbeitr\u00e4gen und k\u00fcnftigen Kapitalertr\u00e4gen positiv ausf\u00e4llt. K\u00fcnstliche Intelligenz ist ein starkes Argument f\u00fcr h\u00f6here Kapitalertr\u00e4ge und eine Kapitalrente. Die Alterssicherungskommission pl\u00e4diert f\u00fcr eine Kapitalrente allerdings nicht mit h\u00f6heren Kapitalertr\u00e4gen, sondern mit mehr Unabh\u00e4ngigkeit von der Demographie. Vielleicht liegt das auch daran, dass die KI im Bericht explizit gar nicht vorkommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Jungen finanzieren den Aufbau der Kapitalrente. Sie m\u00fcssen die Kosten des Aufbaus allein stemmen, kommen aber (hoffentlich) auch in den Genuss der (Kapital)Ertr\u00e4ge. Die Boomer beteiligen sich nicht an den Kosten. Der Einstieg in die Kapitaldeckung kommt mindestens 20 Jahre zu sp\u00e4t. Er hilft erst langfristig, wenn die demographische Wende l\u00e4ngst Geschichte ist. Der Vorschlag der Kommission wirft Fragen auf: Warum setzt sie auf eine zwangsweise, kollektive Kapitalbildung? Weshalb setzt sie nicht darauf, freiwillige, individuelle Kapitalanlage f\u00fcr das Alter zu f\u00f6rdern? Reicht der Flop der Riester-Rente als Argument? Besteht die Gefahr, dass bei der obligatorischen Kapitalrente, private durch kollektive Ersparnisse ersetzt werden? Weshalb schl\u00e4gt die Kommission vor, einen (\u201eunabh\u00e4ngigen\u201c) Staatsfonds in der GRV einzurichten? Sind die Pl\u00fcnderungen von Pensionsfonds der Bundesl\u00e4nder (NS, SH, NRW, MV) und des Pflegevorsorgefonds durch die Politik nicht Warnung genug? Was passiert eigentlich, wenn der Staatsfonds in deutsche Staatsanleihen investiert? Erschlie\u00dft die Politik eine neue Quelle der Staatsverschuldung? Ist der \u201eSystemwechsel\u201c mehr als \u201eKonkursverschleppung\u201c der umlagefinanzierten Alterssicherung?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00c4ndert K\u00fcnstliche Intelligenz die Gesch\u00e4ftsgrundlage?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alterssicherungskommission pl\u00e4diert f\u00fcr eine Politik im (demographischen) R\u00fcckspiegel. Vieles ist trotzdem richtig. Die Kommission hatte den Auftrag, Vorschl\u00e4ge zu machen, die demographische Krise in den Griff zu bekommen. Dazu hat sie sich an Rentenniveaus, Beitragss\u00e4tzen und Renteneintrittsalter versucht, den klassischen Stellschrauben der GRV. Die Richtung stimmt. Mit der Kapitalrente hat sie den Blick der Rentenpolitik erweitert. Die Vorschl\u00e4ge greifen allerdings (oft) zu kurz, sind inter-generativ \u201eungerecht\u201c und kommen (meist) zu sp\u00e4t. Sie fordern zu wenig, wenn es etwa um die M\u00fctterrente geht. Sie sind nicht \u201everursachergerecht\u201c, weil sie den j\u00fcngeren Generationen zu viel Lasten aufb\u00fcrden. Sie kommen zu sp\u00e4t, wenn sie fordern, den Nachhaltigkeitsfaktor zu korrigieren und die Lebensarbeitszeit zu verl\u00e4ngern. Sie kommen aber auch zu sp\u00e4t, wenn sie f\u00fcr die Kapitalrente pl\u00e4dieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alterssicherungskommission erw\u00e4hnt den potenziell disruptiven Einfluss der K\u00fcnstlichen Intelligenz auf die GRV mit keinem Wort. Das erstaunt, wundert aber wegen der Fixierung auf die Demographie nicht. Dennoch: Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass deren k\u00fcnftige Entwicklung die Vorschl\u00e4ge der Kommission zur Makulatur macht.&nbsp; Das Wissen \u00fcber den Einfluss der KI auf die finanzielle Lage der GRV ist noch begrenzt. Einige Entwicklungen deuten sich allerdings an. KI setzt einen Prozess in Gang, der das Lohneinkommen, die (einzige) \u00f6konomische Basis der umlagefinanzierten Alterssicherung, ver\u00e4ndern wird. Die KI beeinflusst sowohl die Lohnh\u00f6he als auch das Arbeitsmenge. Es ist Konsens, dass KI einen Strukturwandel ausl\u00f6st, der Arbeit durch Kapital ersetzt. Das Arbeitsvolumen sinkt. Allerdings trifft die KI die Arbeitnehmer unterschiedlich: Vieles spricht daf\u00fcr, dass die Nachfrage nach (hoch)qualifizierter und personenbezogener Arbeit steigt, die Nachfrage nach Arbeit in der mitgliedsstarken Mittelschicht aber eher sinkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn die KI das Arbeitsvolumen verringert, muss die Lohnsumme nicht sinken. Eine h\u00f6here Arbeitsproduktivit\u00e4t kann die mengenm\u00e4\u00dfige Entwicklung wettmachen. Vieles spricht daf\u00fcr, dass die KI zu h\u00f6herer Produktivit\u00e4t und h\u00f6heren L\u00f6hnen f\u00fchrt. Inwieweit sie die negativen Effekte des Arbeitsvolumens auf die Beitragseinnahmen der GRV kompensiert, ist allerdings ungewiss. Und noch etwas irritiert. KI polarisiert die L\u00f6hne. An der Spitze der Lohnverteilung werden die L\u00f6hne stark steigen. Die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt allerdings die Einnahmem\u00f6glichkeiten der GRV. Das ist zwar \u00e4nderbar, hat aber Einfluss auf die H\u00f6he der Rente, wenn man das \u00c4quivalenz-Prinzip nicht \u00fcber Bord werfen will. Die KI beg\u00fcnstigt auch die Produktivit\u00e4t am unteren Ende der Lohnverteilung. Der Effekt d\u00fcrfte aber bei personenbezogenen Dienstleistungen geringer ausfallen, Baumol wirkt. Die entscheidende Gr\u00f6\u00dfe ist die Entwicklung der L\u00f6hne der Mittelschicht. Vieles spricht daf\u00fcr, dass sie stagnieren. Die Arbeitseinkommen der Mittelschicht werden eher sinken und mit ihr die Beitragseinnahmen der GRV.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alterssicherungskommission hat vorgelegt. Ihr Auftrag war, Vorschl\u00e4ge zu entwickeln, die GRV resilienter gegen demographische Schocks zu machen und sie zukunftsf\u00e4higer aufzustellen. Alles in allem: Die Richtung stimmt. Dazu musste sie erst den Scherbenhaufen zusammenkehren, den die Politik in der GRV angerichtet hat. Sie hat (fast) nichts Falsches vorgeschlagen. Die Vorschl\u00e4ge greifen allerdings (oft) zu kurz, sind inter-generativ \u201eungerecht\u201c und kommen (meist) zu sp\u00e4t. Die Jungen sind auch nach diesen Vorschl\u00e4gen die Dummen. Mit der Kapitalrente verl\u00e4sst die Kommission das demographische Klein-Klein von Beitragss\u00e4tzen, Rentenniveaus und Renteneintrittsalter. Sie schl\u00e4gt einen kapitalfundierten Anbau an die marode umlagefinanzierte GRV vor. Ist das schon Systemwechsel oder nur \u201eKonkursverschleppung\u201c? Ein separater kapitalfundierter Neubau w\u00e4re besser. Die Kommission pl\u00e4diert \u00fcber weite Strecken f\u00fcr eine (Renten)Politik im (demographischen) R\u00fcckspiegel. Das ist notwendig. Allerdings: K\u00fcnstliche Intelligenz kann ihre Vorschl\u00e4ge zur Makulatur machen. Dazu verliert die Kommission kein Wort. Das ist schade!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thomas Apolte (WWU, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44265\">Krise? Welche Krise? Wie uns uneinl\u00f6sbare Versprechen in die Falle der Populisten lockten<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joachim Ragnitz (Ifo, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43965\">Generationengerechtigkeit in der Gesetzlichen Rentenversicherung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44042\">Es ist (auch) die Politik, nicht (nur) die Demographie! Sanierung der Systeme der Sozialen Sicherung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2025): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42121\">Aufstand der 18. Inter-generative Verteilungskonflikte ante portas?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bernd Raffelh\u00fcschen (ALU, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39058\">Rentenversicherung generationengerecht reformieren<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2024):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=37162\">Rentenpolitische Raub\u00fcberf\u00e4lle. Leben die Boomer auf Kosten der Kinder anderer Leute?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2021):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=29832\">Demographie, Klimawandel und Generationenkonflikte. Hat die Demokratie eine inter-generative Schlagseite?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2016):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=20180\">22-43-67-4. Der \u201eDa Vinci-Code\u201c der Alterssicherung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Podcasts zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=40975\">Sanierungsfall Sozialversicherungen?! Reformans\u00e4tze f\u00fcr Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. (em.) Dr.&nbsp;<strong>Norbert Berthold<\/strong>&nbsp;(JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. (em.) Dr.&nbsp;<strong>Bernd Raffelh\u00fcschen&nbsp;<\/strong>(ALU).<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Alterssicherungskommission hat vorgelegt. Alles in allem: Die Richtung stimmt. 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