{"id":44589,"date":"2026-07-31T04:31:40","date_gmt":"2026-07-31T03:31:40","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44589"},"modified":"2026-07-31T05:59:45","modified_gmt":"2026-07-31T04:59:45","slug":"chinesische-industriepolitik-und-deutsche-deindustrialisierung-der-blog-beitrag-zum-podcast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44589","title":{"rendered":"Chinesische Industriepolitik und deutsche Deindustrialisierung <br><b>Der Blog-Beitrag zum Podcast <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eHeranfahren ist das eine, \u00fcberholen ist etwas anderes\u201c<\/em> (Christian Danner, Formel 1-Fahrer und Formal 1-Experte)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Gespenst geht um in Deutschland, das Gespenst der Deindustrialisierung. Das produktive Herz des industriellen Sektors, die Autoindustrie, der Maschinenbau, die Chemie, leidet unter Rhythmusst\u00f6rungen. Der gegenw\u00e4rtige Arbeitsplatzabbau in der Industrie ist atemberaubend. Das Verarbeitende Gewerbe hat zwischen 2019 und 2025 \u00fcber 520.000 Arbeitspl\u00e4tze verloren. Diese Entwicklung setzt sich auch 2026 fort. Mehr als 10.000 industrielle Arbeitspl\u00e4tze gehen pro Monat verloren. Ist das der unvermeidliche Prozess der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung? Eher nicht: Er ist gegenw\u00e4rtig st\u00e4rker als anderswo in Europa. Allerdings hat sich \u00fcber lange Zeit hinweg ein Strukturstau gebildet. Und: In der Industrie wird mehr zerst\u00f6rt als Neues in anderen Sektoren geschaffen. Das Sch\u00f6pferische des sektoralen Strukturwandels kommt zu kurz. Politik und \u00d6ffentlichkeit haben einen Hauptverd\u00e4chtigen: Die Chinesen. Die spielten mit unlauteren Mitteln die deutsche Industrie an die Wand. 400.000 von den 520.000 verlorenen Arbeitspl\u00e4tzen gehen auf das Konto des China-Schock 2.0 (IW-K\u00f6ln).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Treiber der Deindustrialisierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umstritten ist, was die Herzrhythmusst\u00f6rungen verursacht. Die einen sind der Meinung, es sei das (wirtschaftliche) Alter, das unweigerlich zu Problemen f\u00fchren. Andere glauben, es sei der unsolide (wirtschafts-, sozial- und energiepolitische) Lebenswandel, der das industrielle Herz stottern l\u00e4sst. Schlie\u00dflich ist eine wachsende Gruppe der Ansicht, es seien \u201eViren\u201c von au\u00dfen (exogene Schocks), wie die aggressive chinesische Wirtschaftspolitik und der anhaltende Zollvandalismus des Donald Trump. Es stimmt schon: Ein Teil des Strukturwandels wird durch das (wirtschaftliche) Alter von L\u00e4ndern getrieben. In alten, reifen Volkswirtschaften ver\u00e4ndern st\u00e4rkere Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr Dienstleistungen und steigende (Arbeits)Produktivit\u00e4t in der Industrie die sektoralen Gewichte. Die L\u00e4nder altern aber auch demographisch. Der Prozess sich wandelnder Pr\u00e4ferenzen wird verst\u00e4rkt. Und: Die internationale Arbeitsteilung beschleunigt den Prozess des strukturellen Wandels. Tats\u00e4chlich erkl\u00e4rt der \u201enormale\u201c Strukturwandel allenfalls 15 \u2013 20 % der Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Herzschw\u00e4che des industriellen Sektors entstand, weil Deutschland einen unsoliden wirtschaftspolitischen Lebenswandel f\u00fchrt. Vor allem die Gewerkschaften waren lange der Meinung, den sektoralen Strukturwandel beschleunigen zu m\u00fcssen. Eine expansive Lohn- und Tarifpolitik sollte als \u201eLohnpeitsche\u201c (Victor Aggartz) eingesetzt werden. Ganz haben die Gewerkschaften auch heute noch nicht mit dieser Vorstellung abgeschlossen. Heute ist es aber eher der Einsatz der \u201eC02-Peitsche\u201c, der die Industrie an den Rand des wirtschaftlichen Kollapses bringt. Schlimmer ist aber: Eine (oft) selbst verursachte \u201e(sau)dumme\u201c Klima- und Energiepolitik (Energiewende) ist f\u00fcr die energieintensiven Branchen der Industrie lebensgef\u00e4hrlich. In die Kategorie \u201eunsolider\u201c Lebenswandel z\u00e4hlen auch die vielen Interventionsspiralen, die durch b\u00fcrokratische Exzesse, lange Genehmigungsverfahren und hohe Regulierungskosten ausgel\u00f6st werden. Der \u201eunsolide\u201c Lebenswandel erkl\u00e4rt zwischen 50 \u2013 60 % der gegenw\u00e4rtigen Deindustrialisierung in Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-44597\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion \u00fcber Ursachen der beschleunigten Deindustrialisierung verlagert sich st\u00e4rker auf exogene Schocks von au\u00dfen. Im Zentrum dieser \u201eViren-These\u201c stehen der China-Schock 2.0 und der US-Zollvandalismus. Donald Trump hat die Weltwirtschaft handelspolitisch aufgemischt. Der internationale Handel wurde beeintr\u00e4chtigt, das Vertrauen in Vertr\u00e4ge mit den USA hat gelitten, die wirtschaftliche Unsicherheit hat zugenommen. Vor allem die exportabh\u00e4ngige deutsche Industrie leidet darunter. Allerdings kann die US-Handelspolitik nur 5 \u2013 10 % der Deindustrialisierung hierzulande erkl\u00e4ren. Einen viel gr\u00f6\u00dferen Einfluss geht vom China-Schock 2.0 aus. Er trifft das industrialisierte, exportabh\u00e4ngige Deutschland besonders hart. Sein Export-Mix \u00fcberschneidet sich am st\u00e4rksten mit dem konkurrenzf\u00e4hig gewordenen China. Die deutsche Industrie verliert Marktanteile in China, auf dem europ\u00e4ischen Binnenmarkt aber auch auf Drittm\u00e4rkten. Gesch\u00e4tzt wird, dass 25 \u2013 35 % der Deindustrialisierung durch die \u201eViren-These\u201c erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>China-Schock 2.0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn der wirtschaftliche Niedergang der deutschen Industrie vor allem mit unserem \u201eunsoliden\u201c wirtschaftspolitischen Lebenswandel zu tun hat, China dominiert immer mehr das produktive R\u00fcckgrat der deutschen Wirtschaft: Automobile, Maschinenbau, Chemie. Der chinesische Einfluss auf die Entwicklung des industriellen Sektors ist nicht neu. Allerdings hat sich die Wirkungsrichtung ver\u00e4ndert, von positiv auf negativ. Der chinesische Beitritt zur WTO im Jahr 2001 l\u00f6ste den China-Schock 1.0 aus. China dr\u00e4ngte mit einfachen Industrie- und arbeitsintensiven Konsumg\u00fctern auf die Weltm\u00e4rkte. Einer der Hauptverlierer waren die USA. Der Hauptgewinner war Deutschland. Einfache Industrie- und arbeitsintensive Konsumg\u00fcter wurden schon in den 70er und 80er Jahren nach Osteuropa verlagert. Nun profitierte es vor allem vom massiven Export von Investitionsg\u00fcter nach China. Deutschland und China waren Komplemente: Deutschland exportierte Investitionsg\u00fcter nach China und importierte Konsumg\u00fcter. Der deutsche Industriesektor gewann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der China-Schock 2.0 hat vieles ge\u00e4ndert. China ist nicht mehr die verl\u00e4ngerte Werkbank. Es hat sich zu einem ernsthaften Konkurrenten europ\u00e4ischer L\u00e4nder, vor allem Deutschlands entwickelt. Der chinesische und deutsche Export-Mix \u00e4hneln sich im mittel- und hochtechnologischen Bereich der verarbeitenden Industrie: Auto, Maschinen, Fahrzeuge, Chemie. China wollte in der Industrie immer so werden wie Deutschland. Das hat Konsequenzen. Die deutschen Marktanteile in diesen Branchen sinken auf dem chinesischen Markt, dem europ\u00e4ischen Binnenmarkt und auf Drittm\u00e4rkten. Der \u00e4hnliche Export-Mix f\u00fchrt unweigerlich zu Handelskonflikten zwischen der EU (Deutschland) und China. Der China-Schock 2.0 trifft die USA anders als der China-Schock 1.0. Der Export-Mix von China und den USA unterscheidet sich: Die USA produzieren dienstleistungsintensiv, ressourcenstark und high-tech-spezialisiert. Beide L\u00e4nder kommen sich bei physischen Industrieg\u00fctern handelspolitisch (noch) wenig ins Gehege. Das k\u00f6nnte sich \u00e4ndern, wenn China technologisch weiter aufholt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"754\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock2-1024x754.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-44598\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock2-1024x754.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock2-300x221.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock2-768x565.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock2-1536x1131.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock2-2048x1508.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die starke Stellung Chinas auf den Weltm\u00e4rkten f\u00fcr industrielle Massenprodukte zeigt sich an den wachsenden \u00dcbersch\u00fcssen in der Handelsbilanz. Gegenw\u00e4rtig liegen sie bei \u00fcber 6 % des BIP. Wichtige Treiber sind: Die strategische Wirtschaftspolitik, gezielte massive Subventionen und ein unterbewerteter Yuan. Mit F\u00fcnf-Jahres-Pl\u00e4nen verfolgt China eine konsequente Strategie des Aufstiegs zum Technologief\u00fchrer in Schl\u00fcsselbereichen (EV, Maschinen, Solar, Batterien, Elektronik, KI). Dabei nutzt es Skalenvorteile und dominiert globale Lieferketten (seltene Erden). Staatliche Hilfen forcieren den Aufstiegsprozess. Strategische Industrien werden mit massiven Subventionen, zinslosen Krediten, billigem Strom und kostenlosem Bauland geflutet. Ein Bankensystem, auf das der Staat zugreifen kann, und lokale Regierungen helfen, diese Politik umzusetzen. Schlie\u00dflich beg\u00fcnstigt ein k\u00fcnstlich unterbewerteter Yuan die Wettbewerbsf\u00e4higkeit chinesischer Unternehmen auf den Weltm\u00e4rkten. Wie stark der Yuan unterbewertet ist, bleibt umstritten. Die Zahlen schwanken zwischen 20 und 30 %.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>China und Tur Tur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskussion um den China-Schock 2.0 erweckt manchmal den Eindruck, in China w\u00fcchsen die B\u00e4ume in den Himmel. Das ist nicht so. China hat ein grunds\u00e4tzliches Problem: Die systemimmanente Schw\u00e4che von Planwirtschaften. China ist keine Planwirtschaft sowjetischen Typs. Einige behaupten sogar, China sei eine Marktwirtschaft mit planwirtschaftlichen Elementen. Die immer neuen F\u00fcnf-Jahres-Pl\u00e4ne zeigen, China ist eine Planwirtschaft mit wettbewerblichen Einsprengseln. Planwirtschaften leiden unter drei Problemen: Der \u201eAnma\u00dfung von Wissen\u201c (Industriepolitik), eine ineffiziente Kapitalallokation (\u201esoft budget constaints\u201c), eine starre B\u00fcrokratie und mangelnden Innovation (Loyalit\u00e4t statt Kompetenz). Das Ergebnis sind \u00dcberkapazit\u00e4ten, Preiskriege und \u201eInvolution\u201c. Mit all diesen Problemen hat auch China zu k\u00e4mpfen. China eilt zwar gegenw\u00e4rtig von einem wirtschaftlichen Erfolg zum n\u00e4chsten. L\u00e4ngerfristig wird es gegen die Marktwirtschaften aber nicht gewinnen, wenn die Marktwirtschaften marktwirtschaftlich bleiben und China eine Planwirtschaft bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wachstumsboom in China macht eine Pause. Die Prognosen liegen f\u00fcr die kommenden Jahre nur noch bei weniger als 4,5 %, nach 6 \u2013 7 % in den 10er Jahren und 5,5 % seit 2023. Das hat Gr\u00fcnde. China kriselt wegen einer schlummernden Immobilienkrise, einer explodierenden Staatsverschuldung und einer schnell alternden Bev\u00f6lkerung. Staatliche Ausgaben im Bau- und Infrastruktursektor waren ein gerne eingesetztes Mittel, makro-\u00f6konomische St\u00f6rungen im Keim zu ersticken. Nun stellt sich heraus, viele dieser Investitionen waren Fehlinvestitionen. Die Bev\u00f6lkerung erleidet erhebliche Verm\u00f6gensverluste. Dazu kommt: Viele Lokalregierungen, etliche Staatsunternehmen und wachsende Schattenbanken haben sich gigantisch verschuldet, allerdings meist bei der eigenen Bev\u00f6lkerung. Es wird immer deutlicher, die Verschuldung ist nicht tragf\u00e4hig. China hat nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, finanzielle Repression und Inflation. Das nachhaltigste Problem ist allerdings die (politisch verursachte) Alterung. Ein ausgebautes Sozialsystem existiert nicht. Soziale Spannungen sind vorgezeichnet. Das wirtschaftliche Wachstum wird ausgebremst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock3-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-44599\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock3-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock3-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock3-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock3-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/china-schock3-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in China geht ein Gespenst um, das Gespenst der \u201eJapanisierung\u201c um. Die Zutaten zur krisenhaften Entwicklung waren in Japan \u00e4hnlich. Anfang der 90er Jahre platzte eine gigantische Immobilienblase. Banken brachen zusammen. Die Politik versuchte mit hoher Staatsverschuldung dagegen zu halten, erfolglos. Der demographische Abw\u00e4rtssog versch\u00e4rfte die Probleme. Das Ende vom Lied waren mehrere \u201everlorene Jahrzehnte, eine schwache Binnennachfrage und eine Deflationsspirale. Ist China heute anders? Dreierlei spricht daf\u00fcr: Die staatliche Finanzdominanz kann einen abrupten Banken-Crash verhindern. Das technologische Upgrade macht eine technologische Stagnation unwahrscheinlich. Ausl\u00e4ndischer Druck (Plaza-Abkommen) kann eine Aufwertung des Yuan eher nicht erzwingen. Und China hat geopolitische Netzwerke (\u201eNeue Seidenstra\u00dfe\u201c, BRICS) als politisches Gegengewicht zum Westen aufgebaut. Die Achillesferse sind aber die systembedingten (planwirtschaftlichen) \u00dcberkapazit\u00e4ten. Ein Konflikt mit den weltweiten Handelspartnern ist programmiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Was tun, Deutschland (EU)?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die radikalste Antwort auf die chinesische Herausforderung ist: Laufen lassen. Nehmen wir die vom chinesischen Steuerzahler subventionierten G\u00fcter als Geschenk. Die billigeren chinesischen G\u00fcter erh\u00f6hen unsere Wohlfahrt als Vor- und Endprodukte. Das Problem ist allerdings: Unsere Industrie geht den Bach runter. Inter-sektorale Verbundeffekte verst\u00e4rken den Schaden. Pfadabh\u00e4ngigkeiten verwehren eine sp\u00e4tere sektorale Umkehr. Eine solche Strategie erfordert eine hohe Anpassungskapazit\u00e4t von Arbeit und Kapital und eine anreizkompatible soziale Absicherung (Flexicurity). Beides fehlt in Deutschland. Die relativen Preise sind nicht ausreichend flexibel, vor allem Arbeit ist beruflich, regional und sektoral nicht mobil genug. Der (deutsche) Sozialstaat sorgt weder f\u00fcr gen\u00fcgend Flexibilit\u00e4t der Produktionsfaktoren noch garantiert er eine ausreichende soziale Sicherheit. Die Strategie \u201elaufen lassen\u201c, ist keine sinnvolle Strategie, schon gar nicht in den sklerotisierten (kontinentaleurop\u00e4ischen) L\u00e4ndern. Sie st\u00f6\u00dft auf den erbitterten Widerstand der Verlierer und der Politik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sinnvoller ist es, die chinesischen Anpassungslasten zu verringern und die deutsche (europ\u00e4ische) Anpassungskapazit\u00e4t zu erh\u00f6hen. Wer Anpassungslasten verringern will, sollte aufpassen, dass er das Kind nicht mit dem Bade aussch\u00fcttet. Korrekturbed\u00fcrftig sind nur die chinesischen Lasten, die durch staatliche Hilfen, strategische Abh\u00e4ngigkeiten und einem unterbewerteten Yuan den chinesischen Unternehmen k\u00fcnstliche Wettbewerbsvorteile zuschanzen. Alle anderen, \u201ewettbewerblichen\u201c Lasten chinesischer Unternehmen m\u00fcssen nicht-chinesische Wettbewerber wegkonkurrieren. Auf staatliche chinesische Hilfen f\u00fcr ihre Unternehmen sollte die EU mit WTO-konformen Anti-Subventionsma\u00dfnahmen reagieren. Dabei sollte auf ma\u00dfgeschneiderte, sektorspezifische (Ausgleichs)Z\u00f6lle (tempor\u00e4re Anti-Dumping- und Anti-Subventions-Z\u00f6lle) gesetzt und zollpolitisch nicht mit der Gie\u00dfkanne operieren werden. Die europ\u00e4ische Handelspolitik kann beim Marktzugang auch Reziprozit\u00e4t erzwingen. Die Chancen, dass das gelingt, stehen wegen der systemischen chinesischen \u00dcberkapazit\u00e4ten, die auf dem heimischen Markt nicht unterzubringen sind, gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen stehen die Chancen schlecht, die k\u00fcnstlichen Wettbewerbsvorteile durch einen unterbewerteten Yuan zu verringern. Ein neues \u201ePlaza-Abkommen\u201c ist nicht zu erwarten. China ist nicht Japan. Strukturelle, politische und wirtschaftliche Gr\u00fcnde sprechen dagegen, dass sich China zu einer Aufwertung des Yuan dr\u00e4ngen l\u00e4sst. Ein traditioneller Weg, chinesischen Anpassungslasten st\u00e4rker aus dem Weg zu gehen, ist strategische Abh\u00e4ngigkeiten zu reduzieren. Europa muss sich handelspolitisch st\u00e4rker diversifizieren, strategische Lieferketten breiter f\u00e4chern, mehr Freihandelsabkommen abschlie\u00dfen, gro\u00dfen plurilateralen Abkommen beitreten, Rohstoffpartnerschaften ausbauen. \u00dcber alles das, kann Deutschland nicht autonom entscheiden. Es ist auf europ\u00e4ische Partner angewiesen. Eines kann es aber tun: Die eigenen (angebotspolitischen) Hausaufgaben machen. Der eigene Standort muss wehrhafter werden. Dabei gilt: Standortpolitik geht vor Industriepolitik. Ein wichtiger Schritt, die \u00f6konomische Basis zu st\u00e4rken, ist ein Ausbau des europ\u00e4ischen Binnenmarktes. Allerdings gilt auch hier: Das geht nur gemeinsam mit den Partnern in der EU. Wirklich gut stehen die Chancen in einer wettbewerbsskeptischeren und staatsgl\u00e4ubigeren EU allerdings nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es droht ein Krieg der Neo-Merkantilisten (Martin Wolf). Heftig wird er zwischen Europa (vor allem Deutschland) und China. Beider Export-Mix ist \u00e4hnlich, Handelskonflikte sind unvermeidlich. Der China-Schock 2.0 ist ein Vorbote. Das deutsche Gesch\u00e4ftsmodell ist gescheitert. Eine starke Ressourcenabh\u00e4ngigkeit (auch) von China (seltene Erden) bringt neben teureren importierten Vorprodukten (russisches Gas) den ersten Pfeiler des Modells zum Einsturz. China hat das deutsche Industriemodell abgekupfert und perfektioniert. Damit bricht auch der zweite Pfeiler einer produktiven Industrieproduktion weg. Schlie\u00dflich zerst\u00f6rt die wettbewerbsf\u00e4hige chinesische Industrieproduktion die Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr deutsche Unternehmen in China. Die chinesische Exportoffensive schrumpft die deutschen Marktanteile auf dem nationalen Heimatmarkt und auf internationalen Drittm\u00e4rkten. Der dritte Pfeiler wackelt bedenklich. Kurz und gut: Deutschland braucht ein neues Gesch\u00e4ftsmodell. Wie es konkret aussieht (weniger Industrie, mehr Dienstleistungen), wird sich zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Misere der deutschen Industrie hat mehr Gr\u00fcnde als der gegenw\u00e4rtig popul\u00e4re China-Schock 2.0: Der \u201enormale\u201c sektorale Strukturwandel, eklatante politische Fehlentscheidungen (Energiewende, B\u00fcrokratie, Steuern und Abgaben, Lohn- und Tarifpolitik), der Trump\u2019sche Zollvandalismus. Die gestiegene chinesische Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist janusk\u00f6pfig. Sie ist einerseits durch harte Arbeit verdient. China ist oft besser und billiger. Es ist sehr innovativ entlang der gesamten (vertikal integrierten) Wertsch\u00f6pfungskette. Andererseits spielt China unfair. Die Europ\u00e4er sind aber auch keine Waisenknaben, wenn es darum geht, \u201eFoul\u201c zu spielen. Chinesische Unternehmen erhalten oft hohe staatliche Unterst\u00fctzung. Die eigene W\u00e4hrung ist stark unterbewertet. Hier ist die (nationale und europ\u00e4ische) Politik gefordert. Handelspolitisch diversifizieren und sich robust gegen unfaire chinesische Konkurrenz wehren, ist das eine, um das Schlimmste zu verhindern. Endlich die eigenen Hausaufgaben machen und den EU-Binnenmarkt vollenden, ist das andere, um Deutschland und Europa perspektivisch wieder auf Kurs zu bringen, auch gegen\u00fcber China.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Podcasts zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44565\">China-Schock 2.0 und Deindustrialisierung<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. (em.) Dr.\u00a0<strong>Norbert Berthold<\/strong>\u00a0(JUM) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr.\u00a0<strong>Rolf J. Langhammer\u00a0<\/strong>(IfW)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43431\">Wettrennen der Superm\u00e4chte. \u00dcberholt China die USA oder h\u00f6rt es auf zu wachsen?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. (em.) Dr.&nbsp;<strong>Norbert Berthold<\/strong>&nbsp;(JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr.&nbsp;<strong>Markus Taube<\/strong>&nbsp;(UDE)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42231\">Kritische Rohstoffe, China und der Westen. Sind Seltene Erden das \u201eneue\u201c \u00d6l?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Prof. (em.) Dr. Norbert Berthold (JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof. Dr. Rolf J. Langhammer (IfW)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Markus Taube (UDE, 2026):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43905\">Chinesische Industriepolitik. Wieviel Markt steckt in Chinas Plan?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42068\">Seltene Erden: Das \u201eneue\u201c \u00d6l? China ist der Elefant im Raum<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vincent Stamer (CBK, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41899\">Wo Deutschland von China abh\u00e4ngt<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der chinesische Traum der deutschen Industrie wird zum Albtraum. Es droht ein heftiger Handelskonflikt. Der (industrielle) Export-Mix beider L\u00e4nder ist zu \u00e4hnlich. Der China-Schock 2.0 ist ein Vorbote. Das deutsche Gesch\u00e4ftsmodell ist gescheitert. Der Prozess der Deindustrialisierung wird sich beschleunigen. Die Politik hat nichts Besseres zu tun, als ihn mit eklatanten Fehlentscheidungen (Energiewende, B\u00fcrokratie, Steuern, Abgaben) zu beschleunigen. 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