{"id":44648,"date":"2026-08-05T06:12:30","date_gmt":"2026-08-05T05:12:30","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44648"},"modified":"2026-08-05T08:28:43","modified_gmt":"2026-08-05T07:28:43","slug":"gastbeitrag-vom-preissignal-zur-marktlenkung-die-transformation-des-eu-ets-in-ein-industriepolitisches-subventionsinstrument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44648","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Vom Preissignal zur Marktlenkung <br><b>Die Transformation des EU-ETS in ein industriepolitisches Subventionsinstrument <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Europ\u00e4ische Emissionshandel (EU-ETS-1) war in seiner urspr\u00fcnglichen Konzeption als marktkonformes Umweltinstrument aufgesetzt worden. \u00dcber eine strikte Mengendeckelung und die freie Preisbildung am Markt (<em>Cap and Trade<\/em>) sollte der Mechanismus sicherstellen, dass CO?-Emissionen dort eingespart werden, wo dies volkswirtschaftlich zu den geringsten Kosten m\u00f6glich ist. Die Preisfindung folgte dem Prinzip der Dezentralit\u00e4t, Anonymit\u00e4t und Technologieoffenheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem im Juli 2026 von der Europ\u00e4ischen Kommission vorgelegten Gesetzgebungspaket (Kommissionsentwurf 2026\/0212 COD) vollzieht das ETS-1 jedoch einen korrigierenden, aber fundamentalen Architekturwechsel<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Angesichts einer drohenden strukturellen Zertifikateknappheit und des immensen Anpassungsdrucks auf die europ\u00e4ische Industrie weicht die Kommission das prim\u00e4re Preissignal auf. An seine Stelle tritt ein komplexes Geflecht aus administrativen Steuerungselementen, tempor\u00e4ren Entlastungen und staatlich gelenkter Kapitalallokation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Wandel transformiert den EU-Emissionshandel schrittweise von einem angedachten marktwirtschaftlichen Knappheitsindikator zu einer industriepolitischen Subventions- und Lenkungsmaschinerie, die ausgepr\u00e4gte Verteilungswirkungen zwischen Gro\u00dfindustrie und Mittelstand entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>1. Die Kernmechanismen der Kommissionsvorschl\u00e4ge (2026)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorgelegten Entw\u00fcrfe sehen tiefgreifende Eingriffe in das Regelwerk vor, die sowohl die Angebotsseite der Zertifikate als auch die Mittelverwendung betreffen<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><td><strong>Instrument \/ Stellschraube<\/strong><\/td><td><strong>Bisheriger Pfad<\/strong><\/td><td><strong>Vorgelegter Kommissionsentwurf<\/strong><\/td><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><strong>Linearer K\u00fcrzungsfaktor (LRF)<\/strong><\/td><td>Strikte K\u00fcrzung um 4,4 % p.a. (Absinken des Caps auf null um 2040)<\/td><td>Abschw\u00e4chung auf 3,7 % (2031\u20132035) und 1,7 % (2036\u20132040)<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/td><\/tr><tr><td><strong>Marktstabilit\u00e4tsreserve (MSR)<\/strong><\/td><td>Entnahmerate aus dem Zirkulationsvolumen: 24 %<\/td><td>Halbierung der Entnahmerate auf 12 % zur Erh\u00f6hung der Marktliquidit\u00e4t<\/td><\/tr><tr><td><strong>Investment Booster (2028\u20132030)<\/strong><\/td><td>Kein direktes marktfinanziertes Eil-F\u00f6rderprogramm<\/td><td>Entnahme von 400 Mio. Zertifikaten zur Generierung von ~30 Mrd. \u20ac F\u00f6rdervolumen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Industrial Decarbonisation Bank<\/strong><\/td><td>Fragmentierte Einzelf\u00f6rderungen<\/td><td>\u00dcbergeordnetes Vehikel f\u00fcr 100 Mrd. \u20ac an Industrie-Transformationshilfen<\/td><\/tr><tr><td><strong>Konditionierung freier Zuteilungen<\/strong><\/td><td>An Effizienz-Benchmarks gekoppelt<\/td><td>Ab 2031: 100 % Reinvestitionsverpflichtung des Zuteilungswerts in EU-Dekarbonisierungspl\u00e4ne<\/td><\/tr><tr><td><strong>CBAM-Ausphasierung<\/strong><\/td><td>Auslaufen der freien Zuteilung bis 2034<\/td><td>Streckung der \u00dcbergangsphase bis 2038<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2. Ordnungspolitische Analyse des Architekturwechsels<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>A. Die Interventionsspirale: Korrektur der k\u00fcnstlichen Knappheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorgesehene Abschw\u00e4chung des linearen K\u00fcrzungsfaktors (LRF) ab 2031 sowie die Halbierung der Entnahmerate der Marktstabilit\u00e4tsreserve sind die direkte Reaktion auf eine drohende Marktfunktionsst\u00f6rung und auf das reale Risiko einer fortschreitenden Deindustrialisierung, die insbesondere den europ\u00e4ischen Industriekern wie Deutschland zunehmend erfasst. Das urspr\u00fcngliche Regeldesign h\u00e4tte das Angebot an Zertifikaten bis knapp vor das Jahr 2040 mathematisch auf null reduziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Europ\u00e4ische Kommission die Verknappung nun bremst, ist vor diesem Hintergrund ein durchaus nachvollziehbarer Schritt zur Standortsicherung. Er legt jedoch die konstruktive Schw\u00e4che des LRF offen: Der LRF fungiert als starrer, mathematischer Automatismus, der gleich doppelt von der \u00f6konomischen Realit\u00e4t entkoppelt ist:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Entkopplung vom inl\u00e4ndischen Technologiestand:<\/strong> Der LRF verknappt das Angebot v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, ob die zur Vermeidung notwendigen Durchbruchstechnologien und Infrastrukturen (wie bezahlbare gr\u00fcne Energie oder funktionierende Wasserstoffnetze) in der Breite marktf\u00e4hig zur Verf\u00fcgung stehen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Entkopplung vom globalen Umfeld:<\/strong> Der Reduktionspfad versch\u00e4rft das Mengenangebot isoliert innerhalb des Binnenmarktes \u2013 ohne R\u00fccksicht auf das Tempo und den Stand der Dekarbonisierungsanstrengungen au\u00dferhalb der EU. Da wichtige globale Wettbewerber CO? nicht im ansatzweise vergleichbaren Umfang bepreisen, setzt ein starrer LRF die energieintensive Industrie in Europa einer existenzbedrohenden Asymmetrie aus.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Absenkung des LRF durch die Kommission ist somit der verst\u00e4ndliche Versuch, den dadurch erzeugten Standortdruck abzufedern. Ordnungspolitisch zeigt sich hier jedoch eine klassische <strong>Interventionsspirale<\/strong>: Weil ein exogen festgelegter, von globalen M\u00e4rkten isolierter K\u00fcrzungsautomatismus die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit \u00fcberfordert, muss die Politik nachtr\u00e4glich korrigierend eingreifen. Der Zertifikatemarkt verliert dadurch seine Funktion als verl\u00e4sslicher, langfristiger Rahmen und wird von einem autonomen Mengensystem zu einer politisch nachjustierten Steuerungssph\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>B. Vom Preissignal zur administrativen Reinvestition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders drastisch offenbart sich der Systemwechsel bei der geplanten Konditionierung der freien Zuteilung. Ab dem Jahr 2031 sollen Betriebe ihre freien Zertifikate nur noch unter der Pr\u00e4misse erhalten, dass sie den vollst\u00e4ndigen finanziellen Gegenwert nachweislich in beh\u00f6rdlich genehmigte <em>EU Decarbonisation Plans<\/em> reinvestieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ordnungspolitisch hebt dieser Mechanismus die Allokationsfunktion des Marktes faktisch auf. Urspr\u00fcnglich sollten freie Zuteilungen lediglich das Risiko von <em>Carbon Leakage<\/em> (Abwanderung) abfedern. Das Unternehmen behielt dabei die volle unternehmerische Dispositionsfreiheit, wie und wo es sein Kapital am effizientesten zur Emissionsminderung einsetzt. Die neue 100-Prozent-Konditionierung ersetzt diese dezentrale \u00f6konomische Autonomie durch eine staatlich vorgegebene Verwendungspflicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders f\u00fcr kapitalintensive und im harten globalen Wettbewerb stehende Sektoren wie die <strong>chemische Industrie<\/strong> wird diese Regelung zu einem immer engmaschigeren regulatorischen Korsett. Statt Technologieoffenheit zu gew\u00e4hrleisten \u2013 bei der das Preissignal den effizientesten Weg zur CO?-Vermeidung diktiert \u2013, ma\u00dft sich die B\u00fcrokratie an, vorzuschreiben, was als legitime \u201egr\u00fcne\u201c Investition gilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies f\u00fchrt zu einer gef\u00e4hrlichen \u00f6konomischen Fehlallokation:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Crowding-out von Zukunftsinvestitionen :<\/strong> Der regulatorische Zwang, immense Kapitalmengen exklusiv in zertifizierte gr\u00fcne Herstellungsverfahren zu leiten, bindet genau jene liquiden Mittel, die dringend f\u00fcr echte Zukunftsinvestitionen ben\u00f6tigt werden. Kapital f\u00fcr Forschung und Entwicklung, die Digitalisierung von Lieferketten oder die Entwicklung v\u00f6llig neuer, innovativer Produktlinien wird gestrichen, weil die Mittel f\u00fcr Compliance-getriebene Pflichtinvestitionen blockiert sind.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Bruch mit der unternehmerischen Autonomie:<\/strong> Die chemische Industrie kann k\u00fcnftig Investitionsentscheidungen nicht mehr prim\u00e4r nach Marktnachfrage oder globaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit treffen, sondern nach den Kriterien eines EU-Katalogs, um den Entzug ihrer freien Zuteilungen zu verhindern.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Schlussfolgerung ist ordnungspolitisch eindeutig:<\/strong> Dieser Zwang zur gelenkten Investition verbessert nicht die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der europ\u00e4ischen Chemieindustrie, sondern verschlechtert ihre globale Marktposition massiv. Das Instrument der freien Zuteilung, das einst geschaffen wurde, um die Abwanderung der Industrie zu verhindern, wird durch seine extreme Konditionierung selbst zum Treiber dieser Abwanderung. Wenn Unternehmen in Europa nicht mehr frei \u00fcber ihre Investitionsbudgets verf\u00fcgen k\u00f6nnen und technologisch in staatlich definierte Pfade gezwungen werden, ist die Verlagerung von Produktionskapazit\u00e4ten in freiere Wirtschaftsr\u00e4ume die unausweichliche marktwirtschaftliche Konsequenz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>C. Verteilungswirkungen und Marktverzerrung: Gro\u00dfindustrie vs. Mittelstand<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ausgestaltung des \u201eInvestment Boosters\u201c und der \u201eIndustrial Decarbonisation Bank\u201c offenbart eine eklatante Schieflage hinsichtlich der marktkonformen Chancengleichheit. Das System entzieht dem Markt einerseits Liquidit\u00e4t und verteilt diese andererseits hochgradig asymmetrisch um. Paradigmatisch l\u00e4sst sich diese marktverzerrende Wirkung am Gegensatz zwischen der politisch protegierten Stahlindustrie und dem mittelst\u00e4ndischen Gie\u00dferei-Sektor illustrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Finanzierung des 30-Milliarden-Euro-Boosters erfolgt durch den Einbehalt von 400 Millionen Zertifikaten aus den Marktreserven. Das Angebot an Zertifikaten am regul\u00e4ren Markt wird dadurch verknappt, was das Preisniveau f\u00fcr alle emittierenden Unternehmen gleicherma\u00dfen hochh\u00e4lt. Die anschlie\u00dfende Entlastung verl\u00e4uft jedoch v\u00f6llig ungleich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Vollprotektion der Gro\u00dfindustrie am Beispiel der Prim\u00e4rstahlerzeugung:<\/strong> Die geplante F\u00f6rderlogik nach dem Prinzip <em>\u201eFirst-come, first-served\u201c<\/em> ist auf kapazit\u00e4tsstarke Gro\u00dfkonzerne zugeschnitten. Nur sie verf\u00fcgen \u00fcber die administrativen Stabsabteilungen, um komplexe EU-Gro\u00dfprojekte in k\u00fcrzester Zeit antragsreif einzureichen und die abgesch\u00f6pften Milliarden f\u00fcr die Umstellung auf bspw. Direktreduktionsanlagen zu sichern. Flankiert wird dies durch massive politische Forderungen, insbesondere aus traditionellen Stahlstandorten wie dem Saarland, der Stahlindustrie \u00fcber Sonderwege weiterhin gro\u00dfz\u00fcgig kostenlose Zertifikate zuzuteilen, um die systembedingt viel zu teure Produktion von \u201egr\u00fcnem Stahl\u201c dauerhaft zu st\u00fctzen. Ordnungspolitisch wird hier ein einzelner, politisch einflussreicher Sektor planwirtschaftlich auf Kosten der Allgemeinheit vor dem Markt abgeschirmt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Die Kostenzange des Mittelstands (Beispiel Gie\u00dfereien):<\/strong> Mittelst\u00e4ndische Betriebe wie die Gie\u00dfereiindustrie werden hingegen in eine fatale, existenzbedrohende Doppelbelastung getrieben:\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Systemische Benachteiligung im ETS:<\/strong> Ihnen fehlen die Kapazit\u00e4ten f\u00fcr den \u201eSubventionswettlauf\u201c um die Booster-Milliarden. Gleichzeitig scheitern sie am Problem der \u201ebin\u00e4ren Transformation\u201c: Ohne Anschluss an ein lokales Wasserstoffnetz k\u00f6nnen sie die geforderten Investitionspl\u00e4ne (siehe Abschnitt B) gar nicht erf\u00fcllen. Sie verlieren ihre freien Zuteilungen und m\u00fcssen den durch die Booster-Entnahme k\u00fcnstlich verteuerten CO?-Preis in voller H\u00f6he tragen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Sekund\u00e4re Preisbelastung im Binnenmarkt:<\/strong> Zus\u00e4tzlich zur regulatorischen Last trifft den Mittelstand die Kosten\u00fcberw\u00e4lzung der Gro\u00dfindustrie. Gie\u00dfereien und spezialisierte Metallverarbeiter sind darauf angewiesen, Vormaterialien im europ\u00e4ischen Binnenmarkt einzukaufen. Sie m\u00fcssen die durch die Transformation massiv gestiegenen Stahleinkaufspreise (den \u201egr\u00fcnen Aufschlag\u201c) absorbieren, ohne diese im harten internationalen Wettbewerb an ihre Endkunden weitergeben zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die ordnungspolitische und volkswirtschaftliche Konsequenz:<\/strong> W\u00e4hrend die Prim\u00e4rstahlindustrie durch einen beispiellosen Mix aus direkten Milliardenzusch\u00fcssen und Zertifikate-Privilegien auf dem Papier \u201egerettet\u201c wird, bluten die nachgelagerten, mittelst\u00e4ndischen Wertsch\u00f6pfungsketten aus. Die Gie\u00dfereien finanzieren \u00fcber den ETS das F\u00f6rdervolumen der Gro\u00dfen mit, zahlen h\u00f6here Materialpreise und werden schrittweise aus dem System der freien Zuteilungen gedr\u00e4ngt. Die unausweichliche Folge dieser Politik sind weitere Betriebsaufgaben und eine verst\u00e4rkte Abwanderung des industriellen Mittelstands ins Nicht-EU-Ausland. Das klimapolitische Ziel wird so konterkariert, da Emissionen durch <em>Carbon Leakage<\/em> in der Lieferkette lediglich in unregulierte Drittstaaten verlagert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>3. Fazit: Erosion der Marktkonformit\u00e4t und die Folgen f\u00fcr den Standort<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vorgelegten ETS-1-Reformen der Europ\u00e4ischen Kommission verhindern zwar den unmittelbaren kollapsartigen Verknappungsschock der europ\u00e4ischen Industrie. Der Preis f\u00fcr diese Anpassung ist jedoch der schleichende Verlust der ordnungspolitischen Reinheit des Instruments.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das System entledigt sich schrittweise seines Marktkerns. Statt die Allokation von Kapital dem dezentralen Preissignal zu \u00fcberlassen, etabliert die EU-Kommission eine zweistufige Staatswirtschaft: Auf der ersten Stufe wird dem Markt \u00fcber Zertifikatseinbehalte Liquidit\u00e4t entzogen, um ein hohes Preisniveau aufrechtzuerhalten. Auf der zweiten Stufe werden die so generierten Mittel \u00fcber b\u00fcrokratische F\u00f6rderbanken und zwingende Reinvestitionsvorgaben wieder an ausgew\u00e4hlte Gro\u00dfunternehmen umverteilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An die Stelle des marktkonformen Zertifikatehandels tritt ein hochgradig regulierter, administrativer Subventionskomplex, der den Wettbewerb verzerrt und die Allokationseffizienz des europ\u00e4ischen Binnenmarktes nachhaltig schw\u00e4cht. F\u00fcr den Industriestandort EU hat dieser Architekturwechsel weitreichende und hochgradig riskante Konsequenzen. Wenn das wirtschaftliche Fundament \u2013 der industrielle Mittelstand \u2013 durch administrative \u00dcberforderung und eine regulatorisch bedingte Kostenzange ausgeh\u00f6hlt wird, w\u00e4hrend gleichzeitig kapitalintensiven Sektoren die technologische Offenheit f\u00fcr Zukunftsinvestitionen genommen wird, verliert Europa seine globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die unausweichliche Folge dieser ordnungspolitischen Fehlsteuerung ist keine erfolgreiche Transformation, sondern die beschleunigte Abwanderung von Kapital und Produktionskapazit\u00e4ten sowie die schleichende Deindustrialisierung des europ\u00e4ischen Kerns.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/oeil.europarl.europa.eu\/oeil\/en\/procedure-file?reference=2026\/0212(COD)\">Procedure File: 2026\/0212(COD) | Legislative Observatory | European Parliament<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/montelnews.com\/news\/bcf858c8-7864-4229-86d1-0149c0833d5c\/ec-updates-ets-rules-to-tackle-expected-scarcity-in-reform-push\">EC updates ETS rules to tackle expected scarcity in reform push | Montel News &#8211; English<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/montelnews.com\/news\/5fd5ce38-ceb5-4fcf-8e76-d63a4b5ac6d1\/ec-proposes-slowing-ets-carbon-cuts-to-3-7-to-help-boost-industry\">EC proposes slowing ETS carbon cuts to 3.7% to help boost industry | Montel News &#8211; English<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Podcast zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41921\">Emissionshandel unter Druck: Steht die (marktwirtschaftliche) Klimapolitik auf der Kippe?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a>Prof. (em.) Dr.\u00a0<\/a><strong>Norbert Berthold<\/strong><a>\u00a0(JMU) im Gespr\u00e4ch mit Prof.\u00a0<\/a><strong>Achim Wambach<\/strong><a>, PhD (ZEW)<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Blog-Beitr\u00e4ge der Serie \u201eEurop\u00e4ischer Emissionshandel in der Kritik\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vinccent Stamer (CBK, 2025): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42096\">Versch\u00e4rfter C02-Preis<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">David Stadelmann (UBT, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42063\">Renten, Regulierung, Realit\u00e4tsverlust. Klimapolitik unter Druck<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Achim Wambach (ZEW, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42013\">Weiter freie Zertifikate<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jan Schnellenbach (BTU, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42017\">Die Gefahren des Kampfes gegen den Emissionshandel<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41935\">Klima im Wandel: Wende in der (europ\u00e4ischen) Klimapolitik?<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Europ\u00e4ische Emissionshandel (EU-ETS-1) war in seiner urspr\u00fcnglichen Konzeption als marktkonformes Umweltinstrument aufgesetzt worden. Mit dem im Juli 2026 von der Europ\u00e4ischen Kommission vorgelegten Gesetzgebungspaket vollzieht das ETS-1 jedoch einen fundamentalen Architekturwechsel. Unter dem Druck drohender Deindustrialisierung transformiert die Kommission den marktwirtschaftlichen Knappheitsindikator zu einer industriepolitischen Subventions- und Lenkungsmaschinerie. Ein Wandel, der den Wettbewerb verzerren und ausgepr\u00e4gte Verteilungswirkungen zwischen protegierten Gro\u00dfkonzernen und dem strukturell benachteiligten Mittelstand entfalten k\u00f6nnte.\u201c<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":512,"featured_media":44678,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[4939,2265],"class_list":["post-44648","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-klimatisches","tag-canne","tag-ets"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gastbeitrag Vom Preissignal zur Marktlenkung Die Transformation des EU-ETS in ein industriepolitisches Subventionsinstrument  - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44648\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gastbeitrag Vom Preissignal zur Marktlenkung Die Transformation des EU-ETS in ein industriepolitisches Subventionsinstrument  - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u201eDer Europ\u00e4ische Emissionshandel (EU-ETS-1) war in seiner urspr\u00fcnglichen Konzeption als marktkonformes Umweltinstrument aufgesetzt worden. 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