{"id":44836,"date":"2026-08-22T16:42:47","date_gmt":"2026-08-22T15:42:47","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44836"},"modified":"2026-08-22T17:18:26","modified_gmt":"2026-08-22T16:18:26","slug":"gastbeitrag-staatsschulden-das-ewige-spiel-mit-dem-feuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44836","title":{"rendered":"<b>Gastbeitrag <\/b><br>Staatsschulden <br><b>Das ewige Spiel mit dem Feuer <\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die horrenden Staatsschulden kehren mit Schwung in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcck. Die Verschuldung der USA hat die Marke von 40 Billionen US-Dollar \u00fcberschritten. Gleichzeitig muss das Land f\u00fcr Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren inzwischen rund 4,7% Zinsen zahlen. <a href=\"https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/sb0607\">Zudem hat das U.S.-Finanzministerium Mittwoch bekanntgegeben, die R\u00fcckk\u00e4ufe im h\u00f6heren Laufzeitbereich (10-30 Jahre) zu erh\u00f6hen.<\/a>&nbsp; Damit kann der Bestand der besonders hoch verzinsten Staatsanleihen etwas reduziert und durch eine k\u00fcrzere Laufzeitenstruktur die Zinslast leicht gesenkt werden. All das sorgt f\u00fcr Schlagzeilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schlagzeilen sind nicht auf die USA begrenzt. Neben den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen (z.B. Japan oder Frankreich) wird sogar der bisher ausgezeichnete Ruf Deutschlands als Kreditnehmer mit einem AAA-Rating \u00f6ffentlich diskutiert. Den Hintergrund f\u00fcr solche Diskussionen bilden die gelockerten Schuldenregeln und steigenden Staatsschulden bei deutlich gestiegenen Finanzierungskosten.&nbsp; Deutschland muss f\u00fcr Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren gut 3,2% Zinsen zahlen. Damit ist die Refinanzierung am Kapitalmarkt f\u00fcr Deutschland inzwischen erheblich teurer als noch vor wenigen Jahren. Und sie ist weitaus teurer als f\u00fcr die stabilit\u00e4tsorientierte Schweiz (Abb. 1), deren Schuldenquote weiter sinkt und die als internationaler \u201eSafe haven\u201c gilt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond1-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-44841\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond1-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond1-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond1-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond1-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond1-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr h\u00f6her verschuldete L\u00e4nder ist die Zeit der Niedrig-, Null- oder gar Negativzinsen vorbei. Die Kosten hoher Staatsschulden, die lange Zeit mit Hilfe der Anleihekaufprogramme der Zentralbanken (\u201eQuantitative Easing\u201c) verschleiert wurden \u2013 was zu weiterer Verschuldung animiert hat \u2013 werden nun wieder sicht- und sp\u00fcrbar. Und damit dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob es Wege gibt, eine Schuldenspirale aus hohen Schulden, steigenden Zinsen und deshalb weiter steigenden Schulden zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den gewaltigen Anstieg der Staatsschulden auf Niveaus, die es zu Friedenszeiten noch nicht gegeben hat, sind bekannt. Neben dem allgemeinen finanzpolitischen Schlendrian gab es in den vergangenen zwanzig Jahren zwei markante Schuldensch\u00fcbe: W\u00e4hrend der globalen Finanzkrise 2008\/2009 mussten die Regierungen verschiedene Banken, Unternehmen und die Konjunktur retten, da ein Kollaps des Finanz- und Wirtschaftssystems drohte. Diese Rettungsaktionen trieben die Staatsschulden in die H\u00f6he. Der zweite Schuldenschub kam mit der Corona-Pandemie. Die Staatsschulden stiegen vielerorts sprunghaft (Abb. 2).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"751\" src=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond2-1024x751.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-44843\" srcset=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond2-1024x751.png 1024w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond2-300x220.png 300w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond2-768x563.png 768w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond2-1536x1127.png 1536w, https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/bilder\/quitbond2-2048x1502.png 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der bedrohlichen Entwicklung hatten die Staatsschulden f\u00fcr viele Beobachter irgendwann ihren Schrecken verloren. Gew\u00f6hnungseffekten spielten eine Rolle. Besonderen Einfluss hatte aber das Zinsniveau. Die ultra-lockere Geldpolitik dr\u00fcckte die Finanzierungskosten f\u00fcr die Regierungen auf historisch niedrige Niveaus. Deutsche Bundesanleihen mit zehnj\u00e4hriger Laufzeit notierten ab dem Jahr 2016 nahe null Prozent, ab Mitte 2019 und Anfang 2022 sogar durchgehend im negativen Bereich (Abb. 1). Die Welt am Anleihemarkt stand Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas Entlastung brachte ab 2021 die gro\u00dfe Inflationswelle. Abbildung 2 zeigt, wie die Schuldenquoten aufgrund der Inflation der Jahre 2021 bis 2023 zeitweilig sanken, denn die Inflation l\u00e4sst das nominale Bruttoinlandsprodukt, also den Nenner der Schuldenquote, steigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Traditionelle Wege aus der Schuldenspirale<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der K\u00f6nigsweg der Haushaltskonsolidierung besteht in wachstumsfreundlichen Strukturreformen. Mehr Wachstum und mehr Besch\u00e4ftigung erh\u00f6hen die Staatseinnahmen, reduzieren die Ausgaben f\u00fcr Arbeitslosigkeit und Soziales und lassen die Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftsleistung sinken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einer qualitativen Konsolidierung werden die Staatsausgaben so umstrukturiert, dass sie gr\u00f6\u00dfere Wachstumswirkung entfalten. Allerdings hat der Bundesrechnungshof schon vor Jahren festgestellt, dass der Bundeshaushalt zu einem guten Teil \u201eversteinert\u201c ist. Der Anteil der fest gebundenen Ausgaben lag 2024 bei 90%. Die verbleibenden 10% laufen Gefahr, wegen steigender Zinsausgaben weiter abzuschmelzen. Somit sind der Bundesregierung die H\u00e4nde weitgehend gebunden. Eine qualitative Konsolidierung erscheint schwierig. Letztlich bleiben diskretion\u00e4re K\u00fcrzungen der Staatsausgaben und die Erh\u00f6hung von Steuern und Abgaben. Beides st\u00f6\u00dft allerdings auf erhebliche Widerst\u00e4nde bei den W\u00e4hlern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schlechte Aussichten f\u00fcr traditionelle Haushaltskonsolidierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Voraussetzungen f\u00fcr traditionelle, nachhaltige Haushaltskonsolidierungen sind derzeit somit schlecht \u2013 in Deutschland, in den USA und in vielen anderen L\u00e4ndern. Die internationale Sicherheitslage erfordert hohe Milit\u00e4rausgaben. Wirtschaftliche Umbr\u00fcche setzen Unternehmen unter Druck und haben staatliche Subventionen wieder salonf\u00e4hig gemacht. Viele westliche Volkswirtschaften erleben gesellschaftliche und soziale Spannungen. Dadurch f\u00e4llt es noch schwerer als sonst, einen Konsens f\u00fcr einen Kraftakt mit weniger staatlichen Leistungen zu finden. Wachstumsf\u00f6rdernde Strukturreformen sind schwer umzusetzen, weil sie den B\u00fcrgern zun\u00e4chst etwas abverlangen, bevor sie sp\u00e4ter Fr\u00fcchte tragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Inflation als Ventil<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Regierungen nicht die Kraft zur Haushaltskonsolidierung aufbringen und die Finanzm\u00e4rkte wegen der hohen Staatsschulden noch unruhiger werden, d\u00fcrften ab einem gewissen Stresslevel die Zentralbanken wieder einschreiten \u2013 nicht, weil sie von den Regierungen dazu gedr\u00e4ngt werden, sondern aus Sorge um die Stabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte. W\u00fcrden Staaten wie die USA oder Frankreich tats\u00e4chlich Schwierigkeiten bekommen, K\u00e4ufer f\u00fcr ihre Staatspapiere zu vertr\u00e4glichen Zinsen zu finden, w\u00fcrden die jeweiligen Zentralbanken vermutlich Staatsanleihen in gr\u00f6sserem Stil ankaufen und damit das Zinsniveau dr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Vorgehen ist inzwischen erprobt. Gleichwohl gehen mit einer solchen quantitativen Lockerung der Geldpolitik Inflationsrisiken einher. F\u00fcr verschuldete Regierungen ist Inflation ein willkommener Helfer, weil sie das nominale Bruttoinlandsprodukt erh\u00f6hen und damit die Schuldenquote eines Landes dr\u00fccken. Zumindest die amerikanische Zentralbank hat trotz anderslautender Beteuerungen offenbar schon eine gewisse Inflationstoleranz entwickelt. Daf\u00fcr sprechen die seit Jahren durchgehend \u00fcber dem 2-Prozent-Ziel liegenden Inflationsraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichwohl ist Inflation kein Patentrezept und keine nachhaltige L\u00f6sung f\u00fcr zu hohe Schulden. Nach einem inflationsbedingten Anstieg der Staatseinnahmen steigen mit zeitlicher Verz\u00f6gerung auch die Ausgaben des Staates. Der Staat muss seinen Angestellten h\u00f6here L\u00f6hne zahlen. Er muss auch h\u00f6here Preise f\u00fcr Waren und Dienstleistungen zahlen und die Sozialleistungen m\u00fcssen an das h\u00f6here Preisniveau angepasst werden. Zeitverz\u00f6gert f\u00e4llt die Inflation also auch dem Staat auf die F\u00fc\u00dfe, doch kurzfristig verschafft sie dem Staatshaushalt etwas Luft. Die Politik gewinnt dadurch etwas Zeit, um nachhaltige L\u00f6sungen f\u00fcr das Schuldenproblem zu finden. Ob sie diese Zeit nutzen, muss sich zeigen. Die Erfahrungen machen allerdings keine allzu gro\u00dfe Hoffnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Schweiz als Vorbild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesen Tagen zeigt sich einmal mehr, wie wichtig glaubw\u00fcrdige Fiskalregeln bzw. Schuldenbremsen sind, um die Staatsschulden wirksam zu begrenzen und Schuldenkrisen vorzubeugen. Deutschland hat seine Schuldenbremse letztes Jahr deutlich gelockert und muss nun mit den Folgen zurechtkommen. In den USA ist das Konstrukt der Schuldenobergrenze, die regelm\u00e4\u00dfig weiter nach oben verschoben wird, kein wirksames Mittel gegen ausufernde Staatsschulden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dagegen kann die Schweiz als internationales Vorbild gelten. Mit ihrer Schuldenbremse, die f\u00fcr eine sehr niedrige Staatsschuldenquote sorgt, und mit einer im internationalen Vergleich stabilit\u00e4tsorientierten Wirtschaftspolitik wird die Schweiz von Anlegern aus gutem Grund als sicherer Anlagehafen angesteuert. Die USA gelten zwar auch noch als sicherer Hafen, allerdings profitieren die Vereinigten Staaten haupts\u00e4chlich von ihrer \u00fcber mehrere Jahrzehnte erworbenen Sonderstellung im Weltfinanzsystem und von der Gr\u00f6\u00dfe ihres Kapitalmarktes. Ohne wirtschafts- und finanzpolitische Kehrtwende wird diese Sonderstellung aber nach und nach br\u00f6ckeln. Es wird h\u00f6chste Zeit f\u00fcr die Kehrtwende.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sollten hoch verschuldete Staaten Schwierigkeiten bekommen, K\u00e4ufer f\u00fcr ihre Staatspapiere zu finden, w\u00fcrden im Ernstfall wahrscheinlich die Zentralbanken wieder als Helfer in der Not einspringen und Staatsanleihen kaufen. Damit w\u00fcrden die Ursachen des Schuldenproblems nicht gel\u00f6st, aber die betroffenen L\u00e4nder erhielten finanziell und zeitlich etwas Luft. 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