{"id":44981,"date":"2026-10-05T04:53:00","date_gmt":"2026-10-05T03:53:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44981"},"modified":"2026-10-05T17:32:41","modified_gmt":"2026-10-05T16:32:41","slug":"das-versagen-der-klimapolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44981","title":{"rendered":"Das Versagen der Klimapolitik"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union stecken in einer hartn\u00e4ckigen Wachstumsschw\u00e4che. Besonders sichtbar ist diese in Deutschland. Seit etwa 2019 gelingt der hiesigen Volkswirtschaft kaum noch nennenswertes reales Pro-Kopf-Wachstum. Das ist umso erstaunlicher, da weltweit der technologische Fortschritt ungebremst voranschreitet. Politische Entscheidungstr\u00e4ger entschuldigen das mit Demografie, Geopolitik oder Energiepreisschocks. Doch ein zentraler Teil der Probleme ist hausgemacht \u2013 unter anderem durch die eigene Umwelt- und Klimapolitik sowie die damit zusammenh\u00e4ngende Energiepolitik, die sich von \u00f6konomischer Vernunft und wirtschaftlicher wie gesellschaftlicher Nachhaltigkeit entfernt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Klimapolitik vieler europ\u00e4ischer L\u00e4nder ist ein Mix aus Detailregulierung, Technologievorgaben und Subventionsregimen. Das Ergebnis l\u00e4uft auf erzwungene Deindustrialisierung hinaus, mit hohen Wohlfahrtskosten und im Grunde keiner relevanten Wirkung auf das globale Klima. \u00dcberspitzt formuliert: W\u00e4hrend die EU Plastikflaschendeckel reguliert, damit sie nicht mehr abnehmbar sind, werden anderswo Raketen r\u00fcckw\u00e4rts eingeparkt und die modernsten KI-Modelle entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Versagen der Klimapolitik<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei w\u00e4re globaler Klimaschutz nicht \u00fcberfl\u00fcssig. Die Erde erw\u00e4rmt sich weiter. Gerade deshalb braucht es eine n\u00fcchterne Kosten-Nutzen-Bilanz der Klimapolitik. Selbst wenn hohe Klimasch\u00e4den von 5 Prozent der Wirtschaftsleistung um 2100 unterstellt w\u00fcrden, entspr\u00e4che das etwa 0,06 Prozentpunkten weniger Wachstum pro Jahr bis 2100. \u00d6konomisch betrachtet darf Klimaschutz daher im Grunde kein Wachstum kosten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die hiesige Klimapolitik verursacht jedoch hohe Kosten und bremst das Wirtschaftswachstum. Alleing\u00e4nge bei CO2-Reduktionen, abgekoppelt von der globalen Realit\u00e4t, sind teuer, ineffizient und weitgehend wirkungslos gegen die Erw\u00e4rmung. Das gilt selbst, wenn die gesamte Europ\u00e4ische Union klimaneutral werden sollte. Die Hoffnung, andere L\u00e4nder w\u00fcrden den EU-L\u00e4ndern folgen, hat sich in den letzten Jahren nicht erf\u00fcllt. In den USA gelten europ\u00e4ische Klimaziele als weltfremd oder gef\u00e4hrlich, weil sie die wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit des Westens schw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Versagen der Klimapolitik beginnt bereits bei Zielsetzungen, deren Kosten gegen\u00fcber ihrem Nutzen aus dem Blick geraten sind und insofern als wohlfahrtssch\u00e4dlich gelten k\u00f6nnen. Wie extrem dieses Missverh\u00e4ltnis ausfallen kann, zeigen Modellrechnungen von Lint Barrage und Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger William D. Nordhaus. F\u00fcr die strikte Einhaltung des globalen 1,5-Grad-Ziels, das politisch hierzulande noch nicht explizit aufgegeben wurde, ergibt sich f\u00fcr 2025 ein impliziter CO2-Preis von rund 3\u2018500 EUR je Tonne. Im wohlfahrtsoptimalen Klimaschutzpfad betr\u00e4gt der entsprechende Wert lediglich etwa 50 EUR. Insofern kann das 1,5-Grad-Ziel unter realistischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beschr\u00e4nkungen als nicht mehr erreichbar gelten. Die Ergebnisse verdeutlichen auch, wie politisch gesetzte globale Temperaturgrenzen Ma\u00dfnahmen erzwingen k\u00f6nnen, deren zus\u00e4tzliche Kosten den zus\u00e4tzlichen Klimanutzen weit \u00fcbersteigen. F\u00fcr Deutschland l\u00e4sst sich die Gr\u00f6\u00dfenordnung am Strom veranschaulichen: Ein CO2-Preis von 3\u2018500 Euro je Tonne entspr\u00e4che beim unver\u00e4nderten deutschen Strommix von 2025 rechnerisch einer CO2-Belastung von rund 1,20 Euro je Kilowattstunde. Bei einer emissionsarmen Stromerzeugung wie in Frankreich w\u00e4re diese Belastung deutlich geringer. Doch Deutschland hat mit dem Atomausstieg zugleich auf eine emissionsarme Erzeugungsoption verzichtet. Politisch gesetzte Netto-Null-Ziele m\u00fcssen sich deshalb einer noch schwierigeren Kosten-Nutzen-Pr\u00fcfung stellen. Werden Emissionssenkungen unabh\u00e4ngig von ihren Kosten und den verf\u00fcgbaren Technologien erzwungen, sind die Wohlfahrtsverluste offensichtlich. Klimapolitischer Ehrgeiz der politischen Entscheidungstr\u00e4ger rechtfertigt keine Ma\u00dfnahmen, die mehr Wohlstand vernichten, als sie durch potenziell vermiedene Klimasch\u00e4den bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt das allseits bekannte Grundproblem beim Klimaschutz. Wirksamer Klimaschutz erfordert globale Zusammenarbeit. Deshalb bleibt auch die Umsetzung des 2-Grad-Ziels wenig realistisch. Zwar haben sich im Pariser Klimaabkommen nahezu alle Staaten zu einer Begrenzung der Erderw\u00e4rmung bekannt. Doch politische Bekenntnisse garantieren keine entsprechenden Taten. Viele Vertragsstaaten werden autorit\u00e4r regiert. Manche ihrer Regierungen behandeln die eigenen B\u00fcrger wie Untertanen, andere internieren ganze Volksgruppen oder f\u00fchren Angriffskriege. Sie werden ihre Klimaversprechen von 2015 sehr wahrscheinlich nicht einl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch f\u00fcr viele deutsche politische Entscheidungstr\u00e4ger ist das Verwerfen unrealistischer Klimaziele schwierig. Oft haben sie die Ziele selbst gesetzt, in Gesetze gegossen, Klimanotst\u00e4nde ausgerufen und Alarmismus kultiviert. Der Alarmismus h\u00e4lt einer empirischen Pr\u00fcfung nicht stand. Das gilt beispielsweise f\u00fcr die Behauptung, extreme Wetterereignisse h\u00e4tten unsere Welt dramatisch verschlechtert. Die Todesf\u00e4lle durch klimabedingte Katastrophen sind im vergangenen Jahrhundert stark zur\u00fcckgegangen. 2025 verzeichnete global eine der niedrigsten j\u00e4hrlichen Todesraten durch extreme Wetterereignisse in der aufgezeichneten Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum trotzdem weitergemacht wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Obwohl die europ\u00e4ische Klimapolitik das Weltklima quasi nicht beeinflusst hat, die USA aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen sind, China in der internationalen Klimapolitik stoisch auf seinem Status als \u201eEntwicklungsland\u201c beharrt und die weltweiten CO2-Emissionen steigen, wird die teure Klimapolitik in Deutschland munter fortgesetzt. Die politische \u00d6konomik erkl\u00e4rt, warum: Je schwieriger ein Problem zu l\u00f6sen ist und je l\u00e4nger es besteht, desto besser eignet es sich zur politischen Bewirtschaftung. Dabei sind f\u00fcnf Mechanismen wichtig:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Genau weil Deutschlands und Europas Beitrag zum Weltklima kaum ins Gewicht f\u00e4llt, braucht es politisch keinen Beleg zur Wirksamkeit der Klimapolitik. Statt nach effizienten Ma\u00dfnahmen zu suchen, k\u00f6nnen sich Entscheidungstr\u00e4ger einfach moralisch positionieren und symbolisch das \u201eRichtige\u201c tun. Nicht einmal Fachkompetenz ist erforderlich.<\/li>\n\n\n\n<li>Subventionen, neue Ausgaben, Regulierungen und Abgaben unter dem Banner des Klimaschutzes erweitern politische Handlungsspielr\u00e4ume. So wurden auch Teile des Sonderverm\u00f6gens mit dem Ziel der Erreichung von Klimaneutralit\u00e4t gerechtfertigt. Klimaschutz ist schon seit l\u00e4ngerem auch eine Plattform f\u00fcr Umverteilungs- und Klientelpolitik.<\/li>\n\n\n\n<li>Milliardensubventionen schaffen Gesch\u00e4ftschancen f\u00fcr beg\u00fcnstigte Branchen, Beratungsunternehmen und Zertifizierer auf Kosten der Steuerzahler.<\/li>\n\n\n\n<li>Indem Verwaltungsabteilungen oft Zielkonflikte ausblenden, k\u00f6nnen sie die moralisierende Klimapolitik zur Ausweitung regulatorischer Ma\u00dfnahmen nutzen und zus\u00e4tzliche Zust\u00e4ndigkeiten und Einfluss gewinnen. So weist das Umweltbundesamt zwar Klimakosten in H\u00f6he von bis zu 1&#8217;000 EUR pro Tonne aus, hat aber keineswegs argumentiert, dass derart hohe Kostens\u00e4tze die Beibehaltung von Kernkraftwerken im Austausch f\u00fcr die Abschaltung fossiler Kraftwerke rechtfertigen w\u00fcrden.<\/li>\n\n\n\n<li>Schlie\u00dflich dient der Klimawandel als bequemer S\u00fcndenbock: Die negativen Konsequenzen maroder Infrastruktur, mangelhaften Hochwasserschutzes oder fehlender K\u00fchlm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die B\u00fcrger werden einfach auf die Erderw\u00e4rmung geschoben.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nachhaltigkeit braucht Kostenwahrheit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwar ist die politische Bewirtschaftung des Klimaschutzes mittlerweile schwieriger geworden als vor zehn Jahren. Doch d\u00fcrfte versucht werden, Klimaschutz als Thema trotzdem weiter zu bewirtschaften. Denn ein offenes Eingest\u00e4ndnis ihres Klimapolitikversagens w\u00e4re f\u00fcr viele politische Entscheidungstr\u00e4ger ein Gesichtsverlust. Ein Kurswechsel w\u00e4re aber m\u00f6glich, sogar ohne \u201ezur\u00fcckzurudern\u201c: Man kann Klimaschutz als relevant deklarieren und ihn \u00f6konomisch endlich vern\u00fcnftiger gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss sie \u00f6kologisch, \u00f6konomisch und gesellschaftlich verstehen. Klimapolitik ist nur ein Teil der Umweltpolitik, also des \u00f6kologischen Aspekts. \u00dcberzogene Klimaziele sch\u00e4digen \u00f6konomische und gesellschaftliche Nachhaltigkeit. Wer Wirtschaftswachstum zu stark einschr\u00e4nkt, stiehlt der jungen Generation eine gro\u00dfartige Zukunft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6konomisch ist das zentrale Instrument f\u00fcr Klimaschutz Kostenwahrheit und damit ein einheitlicher, umfassender CO2-Preis. Ein solcher Preis setzt effiziente Anreize, Emissionen dort zu reduzieren, wo es am g\u00fcnstigsten ist. Er ersetzt im Grunde s\u00e4mtliche Regulierungen im Klimabereich, vermeidet teure Subventionen und er\u00f6ffnet riesige Deregulierungsspielr\u00e4ume. Wer CO2 bepreist, kann vieles streichen, was heute als Klimaschutz etikettiert wird, aber vor allem B\u00fcrokratie erzeugt und Wachstum hemmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU-L\u00e4nder verf\u00fcgen \u00fcber einen CO2-Preis durch das europ\u00e4ische Emissionshandelssystem und somit das prinzipiell richtige Instrument f\u00fcr Klimaschutz. Deutschland hat auch einen nationalen CO2-Preis. Auch wenn das Emissionshandelssystem bislang nicht alle Sektoren abdeckt, ist der Punkt entscheidend: Jede zus\u00e4tzliche Klimaregulierung, die durch Bepreisung ersetzt werden k\u00f6nnte, ist \u00f6konomisch betrachtet bereits jetzt \u00fcberfl\u00fcssig. Derzeit werden hierzulande hingegen kostspielige Doppelregulierungen betrieben. Ein CO2-Preis existiert oder kommt absehbar, aber daneben wachsen Verbote, Gebote und Subventionen weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und hier l\u00e4ge der Schl\u00fcssel zu besserer und wachstumsfreundlicherer Politik. Statt immer neue Instrumente aufeinanderzustapeln, sollte man den CO2-Preis ausweiten und im Gegenzug die Regulierungen und damit die B\u00fcrokratie massiv zur\u00fcckbauen. Das w\u00e4re nicht nur \u00f6konomisch klug, sondern auch politisch elegant. Niemand m\u00fcsste Ziele widerrufen oder \u201eKlimaschutz zur\u00fccknehmen\u201c. Man kann im Gegenteil erkl\u00e4ren, Klimaschutz werde dauerhaft etabliert, doch eben nur \u00fcber das wirksamste Instrument, n\u00e4mlich \u00fcber die Bepreisung von CO2.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist jedoch auch hier intellektuelle Ehrlichkeit, die bislang fehlt. Erstens taugt Kostenwahrheit nicht als Hebel, um politische Ziele wie \u201e1,5 Grad\u201c oder \u201eNetto?Null\u201c durchzusetzen. Ihr Zweck ist ein anderer, n\u00e4mlich die Wohlfahrt der B\u00fcrger umfassend in den Blick zu nehmen. Zweitens wirkt auch Kostenwahrheit nur dann gegen die Erderw\u00e4rmung, wenn sie global umgesetzt wird, was jedoch unwahrscheinlich ist. Doch gerade das macht den Abbau hiesiger Klimaschutzregulierungen und die Abkehr vom bisherigen Klimapolitikversagen nur noch viel wichtiger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44894\">Weniger nationale Vermeidung, mehr lokale (regionale) Anpassung. Subsidiarit\u00e4t, fiskalische \u00c4quivalenz, Gemeinschaftsaufgabe<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2026):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44747\">W\u00e4rme, Wasser, Waldbr\u00e4nde. In der Klimapolitik wird die Anpassung vernachl\u00e4ssigt<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2026):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43084\">Industrie und Klima. Eine verh\u00e4ngnisvolle (deutsche) Beziehung?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2026):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43580\">Die (deutsche) Energiewende. Macht oder \u00f6konomisches Gesetz?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Norbert Berthold (JMU, 2025):&nbsp;<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41935\">Klima im Wandel. Wende in der (europ\u00e4ischen) Klimapolitik?<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europas Klimapolitik kostet Wohlstand und bewirkt global wenig. 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