{"id":45018,"date":"2026-09-19T08:40:00","date_gmt":"2026-09-19T07:40:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=45018"},"modified":"2026-09-19T09:25:50","modified_gmt":"2026-09-19T08:25:50","slug":"der-hype-um-kuenstliche-intelligenz-weltuntergang-oder-just-relax","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=45018","title":{"rendered":"K\u00fcnstliche Intelligenz: Weltuntergang oder &#8222;Just Relax&#8220;? <br><b>Eine neue Politik f\u00fcr den Strukturwandel<\/b>"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eDie Minderung des Risikos eines Aussterbens durch KI sollte eine globale Priorit\u00e4t sein, neben anderen gesellschaftlichen Risiken wie Pandemien und Atomkrieg.\u201c<\/em> (Sam Altman, Open AI und Demis Hassabis, Google DeepMind, 2023)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt hat eine neue gro\u00dfe Debatte. In dem Manifest \u201eWe Must Act Now: A Statement on AI\u2019s Transformation of the Economy\u201c (<a href=\"https:\/\/www.wemustactnow.ai\/\">hier<\/a>) problematisieren namhafte \u00d6konomen, KI-Forscher und Technologie-F\u00fchrungskr\u00e4fte die Entwicklung der KI. Hoffnungen auf kr\u00e4ftige Wohlstandsgewinne sind das eine, Angst vor disruptiven Ver\u00e4nderungen und Massenarbeitslosigkeit das andere, Sorge um ungleich verteilte Wohlfahrtsgewinne ein drittes. Kritisch sehen sie auch, wie tr\u00e4ge Politik und Institutionen reagieren. Notwendig seien regulierende Leitplanken, damit die Entwicklung in \u201egeordneten\u201c Bahnen verl\u00e4uft. Die Diskussion hat sich weiter intensiviert. Nun warnen auch einige Chefs der gr\u00f6\u00dften KI-Anbieter, etwa Sam Altman (OpenAI), Dario Amodei (Anthropic), Elon Musk (xAI), Demis Hassabis (Google DeepMind), vor den Gefahren ihrer eigenen Produkte. Ungebremst k\u00f6nnten sie die Menschheit ausl\u00f6schen. \u00d6konomen springen auf diesen Zug auf und weisen darauf hin, dass eine unregulierte KI nicht mehr beherrschbare Finanzkrisen ausl\u00f6sen und die Geldpolitiken der Notenbanken l\u00e4hmen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Strukturwandel: Nichts Neues?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung der KI scheint erst am Anfang zu stehen. Das \u201eBeste\u201c kommt wohl erst noch. Ein (heftiger) Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c liegt nahe. Viele vergleichen ihn mit der industriellen Revolution. Andere h\u00e4ngen ihn noch h\u00f6her, weil er schneller abl\u00e4uft und mehr Bereiche (Qualifikationen, Unternehmen, Branchen) erfasst. Das Muster solchen Strukturwandels ist allerdings immer das gleiche: Erst wird Altes zerst\u00f6rt, dann wird Neues geschaffen. Neue Technologien, wie heute KI, treiben den Prozess. Alte Gesch\u00e4ftsmodelle erodieren, altes Kapital wird zerst\u00f6rt, alte Arbeitspl\u00e4tzte verschwinden, alte Qualifikationen werden entwertet. In solchen Phasen der \u201eZerst\u00f6rung\u201c wird oft der Untergang der Kultur beschworen, manchmal, wie heute, sogar das Ende der Menschheit. Das Sch\u00f6pferische kommt erst sp\u00e4ter. H\u00f6here Produktivit\u00e4t, h\u00f6here L\u00f6hne, sinkende Preise, neue M\u00e4rkte, neue Jobs, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen k\u00f6nnen. Wichtig: Immer konnte in der Vergangenheit ein signifikanter Wohlstandsgewinn verzeichnet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Drehbuch der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c ist altbekannt. Die Handlung: H\u00f6here Anpassungslasten (Produktivit\u00e4t, Pr\u00e4ferenzen) treffen auf unzureichende Anpassungskapazit\u00e4ten (inflexible relative Preise; beruflich, sektoral und regional immobile Produktionsfaktoren). Die Akteure: Arbeitnehmer, Unternehmen, Branchen und Sektoren. Manche von ihnen gewinnen, manche verlieren. Die Folgen: Kostspielige allokative Friktionen, wachsende Ungleichheiten, finanziell angespannter Sozialstaat. Das Ergebnis: Betr\u00e4chtliche gesamtwirtschaftliche Wohlfahrtsgewinne. Der (sektorale) Strukturwandel ist der Motor wachsenden Wohlstandes. Das (theoretische) \u201ehappy end\u201c: Die Gewinner k\u00f6nn(t)en die Verlierer entsch\u00e4digen. Netto bleibt trotzdem etwas \u00fcbrig. Also: Nichts wirklich Neues. Das gilt auch f\u00fcr den KI-generierten Strukturwandel. Neu ist allenfalls die Abspielgeschwindigkeit des Filmes, sagen die Verfechter von \u201ehaben wir alles schon hunderte Male erlebt\u201c (John Cochrane).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Dieses Mal ist alles anders<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von dieser Retro-Sicht der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c lassen sich die Apokalyptiker der KI nicht \u00fcberzeugen. F\u00fcr sie ist dieses Mal alles anders. Im Strukturwandel der Vergangenheit ersetzte die \u201eMaschine\u201c manuelle und routinem\u00e4\u00dfige physische T\u00e4tigkeiten. Der Mensch wich aus. Er konzentrierte sich auf sektorale Bereiche, wo er komparative Vorteile hatte, kognitiv, kreativ, organisatorisch, empathisch. Die Masse der Arbeitnehmer profitierte vom Strukturwandel \u00fcber mehr Besch\u00e4ftigung und h\u00f6heren Wohlstand. Das alles sei Vergangenheit. Die KI wildere sektor\u00fcbergreifend auch in den kognitiven, wissensbasierten und analytischen Bereichen. Sie werde auch dort besser und billiger. Den meisten Menschen ginge die Arbeit aus. Es drohe Massenarbeitslosigkeit, Statusverlust und Polarisierung. Das (akademische) Qualifikationsversprechen gelte nicht mehr. Auch wer in jungen Jahren flei\u00dfig in Humankapital investiere, k\u00f6nne nicht mehr mit einem sicheren, gut bezahlten Arbeitsplatz rechnen. Es drohten kognitive Kompetenzverluste. Das treffe auch die breite Mittelschicht. Wo finden die Menschen noch Besch\u00e4ftigung? Gibt es noch Bereiche, die exklusiv \u201emenschlich\u201c (KI-frei) bleiben?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die KI ver\u00e4ndere den Strukturwandel fundamental. Sie gleiche massiven Raketenangriffe, die die Luftabwehr hoffnungslos \u00fcberfordere. Die technischen F\u00e4higkeiten der KI-Modelle entwickeln sich sprunghaft weiter, oft im Takt weniger Monate. Das erh\u00f6he die Anpassungslasten f\u00fcr die Volkswirtschaften in einem atemberaubenden Tempo. Die Anpassungskapazit\u00e4ten entwickeln sich allerdings nicht im selben Tempo. Der \u201ealte\u201c Strukturwandel erstreckte sich \u00fcber Generationen. Als die Landwirtschaft mechanisierte, gingen die Kinder der Bauern in die Fabriken (Industrie), als die Fabriken automatisiert wurden, gingen deren Kinder in die \u201eB\u00fcros\u201c (Dienstleistungen). Die Anpassung an den Strukturwandel erfolgte \u00fcber den Generationenwechsel. KI versch\u00e4rfe die Geschwindigkeit der notwendigen Anpassung drastisch. Das Generationen-Modell der Anpassung an exogene Schocks breche zusammen. Die KI lasse der Gesellschaft nur wenige Jahre statt Jahrzehnte zur Anpassung. Die Menschen m\u00fcssten m\u00f6glichst schnell wieder in Arbeit und Brot gebracht werden. Allerdings sei die berufliche, sektorale und regionale Mobilit\u00e4t zu gering, um massenhafte Arbeitslosigkeit zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der durch KI ausl\u00f6ste Strukturwandel habe auch eine distributive Schlagseite. Die Gefahr sei gro\u00df, dass sich Einkommen ungleicher verteile und Verm\u00f6gen stark konzentriere. In der \u201ealten\u201c Welt des Strukturwandels waren Arbeit und Kapital eher komplement\u00e4r. Maschinen machten Arbeit produktiver. Die Lohnquote blieb stabil (Nicolas Kaldor). Mit der KI w\u00fcrden Arbeit und Kapital st\u00e4rker zu Substituten. KI \u00fcbernimmt produktive Aufgaben. Arbeit komme in der Breite unter Lohndruck. Ein gr\u00f6\u00dferer Teil des BIP flie\u00dfe dem Kapital zu. Dieser Wandel lie\u00dfe die Lohnquote sinken und die Verm\u00f6genskonzentration steigen. KI ver\u00e4ndere auch die Verteilungsstrukturen innerhalb der Gruppen von Arbeit und Kapital. Sie belohne eine kleine Gruppe hochqualifizierter Arbeitnehmer, die KI orchestrieren k\u00f6nnen. Dagegen gehe die Verhandlungsmacht breiter Schichten von Sach- und Wissensarbeiter zur\u00fcck. F\u00fcr sie entstehe ein Druck auf die L\u00f6hne. Die Lohnverteilung polarisiere. Ein \u00e4hnlicher Effekt entstehe beim Kapital. KI verst\u00e4rke Plattform- und Netzwerkeffekte. Da KI mit Grenzkosten nahe null skaliere, k\u00f6nnten einige wenige Unternehmen mit bester KI gro\u00dfe M\u00e4rkte bedienen (Superstar-Effekt). Sie sahnen ab (\u201ewinner-takes-all\u201c). Es bliebe wenig Platz f\u00fcr andere Wettbewerber. Die Verm\u00f6gens- und Einkommensverteilung werde noch ungleicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am st\u00e4rksten w\u00fcrde KI den Sozialstaat schocken. Der Sozialstaat finanziert sich vor allem \u00fcber das Arbeitseinkommen, Lohnsteuer und Sozialabgaben. Der Strukturwandel fr\u00fcherer Zeiten erodierte die finanzielle Basis wenig, weder der steuerfinanzierten Teile des Sozialstaates noch der beitragsfinanzierten Systeme der Sozialen Sicherung. Ein Indikator ist die \u00fcber die lange Zeit recht stabile Lohnquote. Das k\u00f6nnte sich allerdings mit dem KI-generierten Strukturwandel \u00e4ndern. Vieles spr\u00e4che daf\u00fcr, dass sich die Einkommen von Arbeit zu Kapital verlagern. Eine sinkende Lohnquote erodiere aber die Steuer- und Beitragsbasis. Stagnierende Arbeitseinkommen in der breiten Mittelschicht d\u00fcnnen die progressive (Lohn)Steuerbasis aus. Der Einfluss der KI auf die Umlagefinanzierung erschlie\u00dft sich nicht sofort. Entscheidend ist nicht die Lohnquote, sondern die Lohnsumme. Die kann auch bei sinkender Lohnquote wegen der h\u00f6heren Produktivit\u00e4t durch KI weiter steigen. Allerdings: Bei sinkender Lohnquote muss die verbliebene (h\u00f6her entlohnte) Arbeit immer h\u00f6here Beitr\u00e4ge zahlen. Eine solche \u201eStrafsteuer auf menschliche Arbeit\u201c f\u00fchrt zur Abwanderung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Ist wirklich alles anders?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist nichts Neues, ein Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c bricht alte Strukturen auf, stellt Arbeitspl\u00e4tze auf den Pr\u00fcfstand, bewertet Qualifikationen neu. Das gilt auch f\u00fcr die KI. Die Arbeit geht eher nicht aus, Massenarbeitslosigkeit nein, Friktionen ja. Jeder Job besteht aus einem B\u00fcndel von Aufgaben. KI wird meist nicht ganze Jobs ersetzen, wohl aber einzelne Aufgaben. Viele Berufe haben kreative, soziale, physische oder komplexe Elemente, die schwer zu automatisieren sind. Gewinner sind etwa Generalisten mit hoher \u201eHuman-in-the-Loop\u201c-Kompetenz, aber auch Handwerker, physische Dienstleister, Pr\u00e4senzberufe. Die KI ist nicht nur substitutiv, indem sie bestimmte Aufgaben \u00fcbernimmt. Sie wirkt oft auch komplement\u00e4r, macht Aufgaben wertvoller und erh\u00f6ht die Produktivit\u00e4t. Vor allem aber schafft sie neue Berufe, die ohne KI gar nicht entstanden w\u00e4ren (\u201ePrompt Engineer\u201c, \u201eData Curator\u201c, \u201eSocial Media Manager\u201c etc.). Alles in allem: KI mischt den Arbeitsmarkt auf. Gesamtwirtschaftliche Arbeitslosigkeit wird eher nicht entstehen, strukturelle aber schon. Die \u00dcberg\u00e4nge werden f\u00fcr viele gerade im mittleren Qualifikationsbereich schmerzhaft sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie weh die \u00dcberg\u00e4nge tun, h\u00e4ngt auch von der Asymmetrie der Anpassungszeit ab. Dabei spielen zwei Elemente eine wichtige Rolle: Wie schnell l\u00e4uft der Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c ab? Wie schnell passen sich Arbeitnehmer, Unternehmen und Staat an die neuen Gegebenheiten an? Die technologische Entwicklung der KI ist atemberaubend. Vermutet wird, das sei noch nicht das Ende der Fahnenstange, die Geschwindigkeit wird noch zunehmen. Tats\u00e4chlich wird nichts so hei\u00df gegessen, wie es gekocht wird. Flaschenh\u00e4lse der Skaliebarbeit bremsen die KI. Infrastrukturelle Nadel\u00f6hre sind Energiebedarf und Rechenkapazit\u00e4ten. Steigende Grenzkosten der Nutzung bremsen. Der \u201eData-Wall\u201c ist ein weiterer Flaschenhals. Menschliche Daten ersch\u00f6pfen sich, synthetische Daten sind riskant. Die organisatorische Umsetzung in den Betrieben ist ein weiteres Nadel\u00f6hr. Regulierung und Haftungsfragen bremsen. Schlie\u00dflich ist gewerkschaftlicher, nachbarschaftlicher und politischer Widerstand ein oft nur schwer zu \u00fcberwindender Flaschenhals.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch bei der KI wachsen die B\u00e4ume nicht in den Himmel. Die Grenzkosten der Anwendung von KI sind nicht null. Physikalische, \u00f6konomische und politische Grenzen bremsen die Geschwindigkeit der Schocks. Damit ist aber die Gefahr noch nicht gebannt, dass die Anpassung an KI-Schocks zu langsam abl\u00e4uft. Die Halbwertzeit von kognitivem Wissen schrumpft. Das \u201ealte\u201c Qualifikationsversprechen gilt nicht mehr. Arbeitnehmer m\u00fcssen sich im Laufe ihres Erwerbslebens mehrfach neu erfinden. Das gilt f\u00fcr alle Arbeitnehmer, seit KI auch st\u00e4rker f\u00fcr Wissensarbeiter. F\u00fcr viele akademisch Ausgebildete ist das eine Z\u00e4sur. Die Gesellschaft wird Modelle entwickeln m\u00fcssen, wie die st\u00e4ndige Umqualifizierung effizient organisiert wird. Skandinavische L\u00e4nder sind da schon weiter. Sie haben mit dem Konzept der \u201eFlexicurity\u201c (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=10738\">hier<\/a>) eine Antwort auf das kaputte Generationen-Modell der Anpassung des \u201ealten\u201c Strukturwandels geschaffen. Das sch\u00fctzt Arbeitnehmer, nicht Arbeitspl\u00e4tze. Die Verluste des Scheiterns werden reduziert. Anreize zu riskanterem Verhalten von Unternehmen und Arbeitnehmer bleiben intakt. Das sind wichtige Treiber des Wohlstandes, gerade in Zeiten von KI.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die KI versch\u00e4rft die Schwierigkeiten, in denen umlagefinanzierte Systeme der Sozialen Sicherung seit langem stecken. Die Demographie setzt der GRV, der GKV und der SPV stark zu. KI wird deren Finanzierungsbasis weiter erodieren. Die richtige Antwort auf die demographischen Probleme ist mehr Kapitaldeckung. Das ist auch die richtige Medizin gegen die KI. Wenn Kapital relativ zur Arbeit gewinnt, m\u00fcssen die Arbeitnehmer st\u00e4rker an den Ertr\u00e4gen des Kapitals beteiligt werden. Umlagefinanzierte Systeme m\u00fcssen st\u00e4rker auf Kapitaldeckung umgestellt werden. Wer heute versucht, KI zu regulieren, um Arbeitspl\u00e4tze des 20. Jahrhunderts zu sch\u00fctzen, betreibt Protektionismus zu Lasten k\u00fcnftigen Wohlstandes. Auch eine Maschinensteuer w\u00e4re der v\u00f6llig untaugliche Versuch, den Strukturwandel durch eine niedrigere Produktivit\u00e4t zu finanzieren. Wer hingegen die Sozialsysteme st\u00e4rker auf Kapitaldeckung trimmt und die B\u00fcrger (auch \u00fcber die Sozialversicherung) am Produktivkapital beteiligt, tr\u00e4gt dazu bei, dass die Maschinen die Arbeit erledigen und die Menschen die Dividende ernten. Kurz und gut: Umlagefinanzierte Sozialsysteme m\u00fcssen st\u00e4rker von der Lohnarbeit entkoppelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Politik f\u00fcr den Strukturwandel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer mehr Wohlstand will, braucht Ver\u00e4nderung. Die KI ver\u00e4ndert. Vieles spricht daf\u00fcr, dass sie den Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c beschleunigt. Was \u00e4ndert sich f\u00fcr die (Wirtschafts)Politik? Die kurze Antwort: Nicht so viel! Auch im Umgang mit dem KI-generierten Strukturwandel gelten nach wie vor \u201ealte\u201c Weisheiten (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=33653\">hier<\/a>): 1. Der Strukturwandel kann nicht aufgehalten werden. Man sollte es erst gar nicht versuchen. Er ist eine wichtige Quelle unseres Wohlstandes. Die KI ist ein neuer, starker Motor. 2. Die Anpassungsf\u00e4higkeit der heimischen Akteure (Arbeitnehmer, Unternehmen, Politik) an KI-Schocks (Anpassungslasten) muss gest\u00e4rkt werden. Mehr Anpassung \u00fcber M\u00e4rkte, weniger Lenkung durch den Staat hei\u00dft die Devise. Politik f\u00fcr den Strukturwandel, keine Strukturpolitik. 3. Der Strukturwandel muss sozial abgefedert werden. Anpassungsprozesse sind immer mit Friktionen verbunden. Der Sozialstaat ist gefordert. Die Hilfe muss anreizkompatiblen erfolgen. Diese drei Elemente im Umgang mit dem KI-generierten Strukturwandel machen \u201esoziale Marktwirtschaft\u201c aus, wie wir sie gerne h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Manifest \u201eWe must act now\u201c zeigt einen Status quo-Bias. Besitzst\u00e4nde sollen gewahrt werden. Staatliche Regulierungen sollen Leitplanken einziehen, die KI einbremsen und Anpassungslasten verringern. M\u00f6gliche Risiken der KI werden h\u00f6her eingesch\u00e4tzt als die Chancen. Die Angst davor, dass die Arbeit ausgeht, spielt keine gro\u00dfe Rolle. Wichtiger ist die Bef\u00fcrchtung, dass die KI sich zu schnell entwickelt, zu einer fiskalischen Schieflage der Sozialstaaten, stark konzentrierten Wohlstandes und marktm\u00e4chtigen Monopolen f\u00fchrt. Kritiker, wie John Cochrane, bem\u00e4ngeln, wenn der Staat eine Technologie reguliere, deren Wirkungsweise er nicht verstehe (Anma\u00dfung von Wissen), erzeuge er Staatsversagen durch \u00dcberregulierung. Der \u201eEU AI Act\u201c sei das beste Beispiel. \u00dcberregulierung verfestige Monopole (\u201eRegulatory Capture\u201c), erststicke Innovation und Produktivit\u00e4t und konzentriere Macht beim Staat. Die Strategie einiger gro\u00dfer KI-Anbieter, die vor ihren eigenen Produkten warnen und staatliche Regulierung fordern, best\u00e4tigt diese Gefahr. Es gehe ihnen vor allem darum, die Regulierung zu kapern, Markzutritte von Start-ups zu erschweren und den Open-Source-Sektor zu schw\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beste Antwort auf den KI-verst\u00e4rkten Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c ist eine h\u00f6here Anpassungskapazit\u00e4t. Arbeitnehmer und Unternehmen m\u00fcssen wettbewerbsf\u00e4higer werden. Die Hauptlast der Anpassung tr\u00e4gt die international weniger mobile Arbeit. Sie muss billiger, besser und mobiler werden. Flexiblere L\u00f6hne und Lohnstrukturen helfen, Zeit f\u00fcr die Anpassung zu kaufen (billiger). Das ist eine Aufgabe der (betrieblichen) Tarifpartner. Die Anpassung muss \u00fcber eine beruflich, regional und sektoral h\u00f6here Mobilit\u00e4t erfolgen (besser, mobiler). Der eigentliche Schl\u00fcssel der Anpassung sind gerade in Zeiten der KI st\u00e4ndige Investitionen in Humankapital. Am wirksamsten sind sie, wenn sie dezentral in den Betrieben organisiert werden. Die Anpassungskapazit\u00e4t wird gest\u00e4rkt, wenn Unternehmen international wettbewerbsf\u00e4higer werden (<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=39278\">hier)<\/a>. Die traditionelle Strukturpolitik (Subventionen, Industriepolitik) ist keine Hilfe. Vielf\u00e4ltige Hindernisse <strong>lassen<\/strong> Unternehmer nicht unternehmen. Sie verhindern, dass Unternehmer unternehmen <strong>k\u00f6nnen<\/strong>. Und sie tragen mit dazu bei, dass Unternehmer nicht unternehmen <strong>wollen<\/strong>. Die Politik muss sich bewegen. Eine wirksame Angebotspolitik muss diese Hndernisse beseitigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der dritte Pfeiler einer KI-gerechten Politik f\u00fcr den Strukturwandel ist eine ad\u00e4quate soziale Absicherung gegen Friktionen des Strukturwandels. Die Verlierer des Strukturwandels k\u00e4mpfen mit dem Verlust an Qualifikation, Arbeitslosigkeit und Armut. Eine erfolgreiche Strategie der st\u00e4ndigen Umqualifizierung ist das nordische (d\u00e4nische) Konzept der \u201eFlexicurity\u201c. Dabei verzichten Arbeitnehmer auf einen strengen K\u00fcndigungsschutz, erhalten gro\u00dfz\u00fcgige Leistungen der Arbeitslosenversicherung, unterliegen aber einem rigorosen \u201eF\u00f6rdern und Fordern\u201c. Das Konzept schafft immer wieder neues (betriebliches) Humankapital, verringert persistente Arbeitslosigkeit und reduziert so die Gefahr (anhaltender) Armut. Es wird aber im Zuge des Strukturwandels auch immer wieder F\u00e4lle geben, die ihren Arbeitsplatz verlieren und in Armut fallen. Der Staat muss ein Existenzminimum garantieren. Dabei sollte er aber darauf achten, dass die staatliche Unterst\u00fctzung eine Hilfe zur Selbsthilfe ist. Das gelingt nur, wenn die Leistungen anreizkompatibel sind. Die Grundsicherung ist es nicht. Auch in bedingungsloses Grundeinkommen erf\u00fcllt dieses Kriterium nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Spekulationen zum \u201eEnde der Welt\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die B\u00fcchse der (Regulierungs)Pandorra wird ge\u00f6ffnet. Marktversagen dominiere Staatsversagen sagen die Manifest-\u00d6konomen des WMAN. Einige wenige, wie etwa John Cochrane, sehen das anders. F\u00fcr ihn ist eine drohende \u00dcberregulierung der KI (Staatsversagen) die eigentliche Gefahr. Die \u00f6ffentliche Diskussion ist weiter. Es geht nicht mehr nur um Marktversagen, es geht um Systemversagen. Markus Brunnermeier (Princeton) ist der Meinung, KI k\u00f6nne durch herdenartiges Verhalten algorithmische Handelsstrategien, blitzschnelle Ansteckungseffekte und eine beschleunigte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes das Finanzsystem destabilisieren, die geldpolitische Steuerung lahmlegen und die (Finanz)Welt in den Abgrund st\u00fcrzen (<a href=\"https:\/\/www.kansascityfed.org\/documents\/18595\/brunnermeier.pdf\">hier<\/a>). Er fordert, KI zu entschleunigen, sie von bestimmten Segmenten auszuschlie\u00dfen. Und er pl\u00e4diert f\u00fcr einfachere Regeln f\u00fcr die Politik der Notenbanken. John Cochrane ist seit langem anderer Meinung: Wenn KI das Finanzsystem ins Wanken bringt, liege das nicht an den Algorithmen, sondern daran, dass wir Banken erlaubten, mit viel zu wenig Eigenkapital und staatlichen Garantien im R\u00fccken zu wetten. W\u00fcrden wir echtes Eigenkapital verlangen, k\u00f6nnte die KI so viel handeln, wie sie wollte, ohne dass der Steuerzahler jemals daf\u00fcr geradestehen m\u00fcssten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die fundamentalere Kritik an der KI kommt von einigen CEOs gro\u00dfer KI-Anbieter. Sie warnen eindringlich vor den Gefahren ihrer eigenen Produkte und bef\u00fcrchten, dass KI die Menschheit ausl\u00f6schen k\u00f6nnte. KI k\u00f6nne sich verselbst\u00e4ndigen und die Menschheit vernichten. Ginge es nach den Kritikern, sollte bei der Entwicklung von KI auf die Bremse getreten werden. Bevor KI-Modelle neu auf den Markt kommen, sollten sie staatlich sicherheitsgepr\u00fcft werden. John Cochrane warnt vor einem Regulierungswahn (<a href=\"https:\/\/www.thefreedomfrequency.org\/p\/the-open-letter-to-steer-ai\">hier<\/a>). Er verweist darauf, dass der Markt die Risiken eind\u00e4mmt. Software sei ein Tool, es habe keine eigenen Ziele, auch nicht das, die Menschheit auszurotten. Der Markt korrigiere KI-Fehler st\u00e4ndig. Wenn Unternehmen mit ihren KI-Produkten einen Schaden anrichten, verlieren sie Kunden, werden verklagt oder gehen pleite. Ein wirksames Haftungsrecht und intensiver Wettbewerb reichen aus, um (KI)Risiken zu steuern. Was auf den ersten Blick wie ein Selbstmord des eigenen Gesch\u00e4ftsmodells aussieht, wenn KI-Anbieter nach staatlicher Regulierung rufen, sei in Wirklichkeit eine Strategie zur Absicherung. Es sei der Versuch, den gegenw\u00e4rtigen Vorsprung in ein dauerhaftes, staatlich gesch\u00fctztes Oligopol zu verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt diskutiert kontrovers \u00fcber KI. Einige sehen darin die Chance einer gewaltigen Wohlstandsmaschine. Andere betonen die Risiken eines \u201eEndes der Welt\u201c. Die Pessimisten dominieren die Optimisten. Sie fordern, wie etwa das Manifest \u201eWe must act now\u201c der 200ff, die KI st\u00e4rker zu regulieren. Sicher ist, KI wird den Prozess der \u201esch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung\u201c ver\u00e4ndern. Viel spricht daf\u00fcr, dass sie ihn beschleunigen wird. Wenig spricht daf\u00fcr, dass uns die Arbeit ausgehen wird. Einiges spricht daf\u00fcr, dass sich der Wohlstand st\u00e4rker konzentrieren k\u00f6nnte. Vieles deutet darauf hin, dass sich die fiskalische Schieflage der umlagefinanzierten Sozialversicherungen verst\u00e4rken wird. Ob sich die Marktmacht gro\u00dfer Anbieter von KI zu einem nachhaltigen Monopol auswachsen wird, ist umstritten. Daran glauben wohl auch die KI-Anbieter nicht. Ansonsten w\u00fcrden sie nicht die Kampagne vom \u201eAusl\u00f6schen der Menschheit\u201c durch die KI fahren. Das ist ein Lehrbuchbeispiel f\u00fcr \u201eRegulatory Capture\u201c. Die ad\u00e4quate politische Antwort auf den Strukturwandel bleibt auch in Zeiten der KI gleich: Laufen lassen, Anpassungskapazit\u00e4t st\u00e4rken, sozial abfedern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jan Schnellenbach (BTU, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44700\">Die Kosten der europ\u00e4ischen Regulierungswut. Das Beispiel k\u00fcnstliche Intelligenz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Astrid Rosenschon (ex IfW, 2026):<a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44628\"> Die zwei Gesichter der K\u00fcnstlichen Intelligenz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Henning Klodt (ex IfW, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44559\">Mit k\u00fcnstlicher Intelligenz in die Job-Apokalypse?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Astrid Rosenschon (ex IfW, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44999\">Ganzheitliche Intelligenz (GI). Wenn Mensch und KI Wissenschaft neu denken<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">J\u00f6rn Quitzau (Bergos, 2026): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=43209\">Volkswirtschaftliche Folgen der KI-Revolution. Was w\u00e4re wenn\u2026?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bernd Weidensteiner (CBK, 2025): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42055https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=42055\">Wie wichtig ist KI f\u00fcr die US-Wirtschaft?<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joachim Weimann (OVGU, 2025): <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=41611\">Uns bleiben nur noch f\u00fcnf Jahre<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohlstandsmaschine oder \u201eEnde der Welt\u201c? Die Welt diskutiert kontrovers \u00fcber KI. Die Pessimisten dominieren. Sie fordern, wie das Manifest \u201eWe must act now\u201c, KI st\u00e4rker zu regulieren. 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