{"id":45172,"date":"2026-10-10T00:27:00","date_gmt":"2026-10-09T23:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=45172"},"modified":"2026-10-10T16:27:56","modified_gmt":"2026-10-10T15:27:56","slug":"ordnungspolitische-denker-8-eine-herbert-giersch-agenda-fuer-ein-zukunftsfaehiges-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=45172","title":{"rendered":"<b>Ordnungspolitische Denker (8) <\/b><br>Eine Herbert Giersch-Agenda f\u00fcr ein zukunftsf\u00e4higes Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Was w\u00fcrde Herbert Giersch heute Deutschland als dem Tr\u00e4ger der roten Laterne raten, damit es wirtschaftlich wieder bergaufw\u00e4rts geht? Welche Reformen w\u00fcrde er den politisch Verantwortlichen empfehlen? Wie s\u00e4he eine Herbert Giersch-Agenda f\u00fcr die deutsche Wirtschaftspolitik aus?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland steckt in einer tiefen strukturellen Krise: Der neuerlichen konjunkturellen Erholung zum Trotz gibt es kaum Wirtschaftswachstum. Die demographische Entwicklung zehrt die Haushalte der Sozialversicherungen aus und begr\u00fcndet einen steigenden Zuschussbedarf aus dem Bundeshaushalt. Ferner ist die Infrastruktur verrottet, die Abgabenlast sowie die Energie- und auch die Arbeitskosten sind dr\u00fcckend hoch und die \u00fcberbordende B\u00fcrokratie l\u00e4hmt private Initiativen. Dies alles ist die Bilanz einer Politik, die Jahrzehnte lang \u00fcberf\u00e4llige Strukturreformen vor sich hergeschoben hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser desolaten Situation erscheint es erforderlich, einen Blick auf das wissenschaftliche Erbe zu werfen, das uns Herbert Giersch (1921-2010) hinterlassen hat &#8211; einer der einflussreichsten und namhaftesten deutschen \u00d6konomen des vergangenen Jahrhunderts. Als langj\u00e4hriger Pr\u00e4sident des Kiel Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft und pr\u00e4gendes Mitglied des Sachverst\u00e4ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Situation war er ein unerm\u00fcdlicher Mahner f\u00fcr Flexibilit\u00e4t, Offenheit, Strukturwandel und Wettbewerb. Herbert Giersch betrachtete sich selbst immer als eine Art Arzt, der einer kranken Volkswirtschaft eine Diagnose stellt und Rezepturen f\u00fcr deren Genesung entwickelt. Und er sprach stets von der Bringschuld der \u00d6konomen gegen\u00fcber der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was w\u00fcrde Herbert Giersch heute Deutschland als dem Tr\u00e4ger der roten Laterne raten, damit es wirtschaftlich wieder bergaufw\u00e4rts geht? Wie s\u00e4he eine Herbert Giersch-Agenda f\u00fcr die deutsche Wirtschaftspolitik aus? Um diese Fragen zu beantworten, m\u00fcssen wir zun\u00e4chst einen kurzen Blick auf sein \u00f6konomisches Weltbild werfen. Was waren seine Kern\u00fcberzeugungen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Das \u00f6konomische Weltbild von Herbert Giersch<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch war sehr stark von Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) gepr\u00e4gt, auf den der Begriff der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung zur\u00fcckgeht. Demnach ist die Verdr\u00e4ngung des Alten durch das Neue der Motor des Kapitalismus. Neue Technologien, Produkte, Dienstleistungen und Gesch\u00e4ftsmodelle dr\u00e4ngen auf den Markt und machen bisherige Angebote obsolet. Im Zentrum dieses Denkansatzes steht der innovative Unternehmer (Entrepreneur), der in bestehende M\u00e4rkte eindringt. Nach Herbert Giersch wird dieser Selektionsprozess behindert und der Strukturwandel verz\u00f6gert, wenn der Staat alte Wirtschaftssektoren durch Subventionspolitik k\u00fcnstlich am Leben h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Umgekehrt hielt er es f\u00fcr verfehlt, wenn der Staat die vermeintlichen&nbsp; Gewinner von morgen alimentiert. Denn hier liegt nach Friedrich August von Hayek (1899-1992), der ebenfalls einen pr\u00e4genden Einfluss auf Herbert Giersch ausge\u00fcbt hat, &#8222;Anma\u00dfung von Wissen&#8220; vor, das der Staat aber niemals ex ante haben kann. Wer sich im Wettlauf um die Zukunft durchsetzt, stellt sich erst ex post heraus. Und auch dies kann sich schnell wieder \u00e4ndern. Herbert Giersch war mit Friedrich August von Hayek der Auffassung, dass Informationen nicht zentral vorliegen, sondern gestreut und von zutiefst subjektiver Natur sind. Wissen kristallisiert sich erst in einem dynamischen Entdeckungsverfahren auf M\u00e4rkten heraus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Grund\u00fcberzeugung von Herbert Giersch war, dass in einer reifen Volkswirtschaft der Wohlstand allein auf Wissen, Qualifikation und Innovation fu\u00dft &#8211; also auf dem sogenannten Humankapital. Er betonte stets, dass hoch entwickelte Volkswirtschaften nur durch technologische Vorspr\u00fcnge \u00fcberleben k\u00f6nnen. Die F\u00f6rderung der Grundlagenforschung war f\u00fcr Giersch daher ebenso zentral wie die Bildungspolitik, bei der der Staat aber kein Monopol innehaben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch war ein engagierter Verfechter einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Das geeignete Instrument, um dauerhafte Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen, war f\u00fcr ihn nicht die staatliche Steuerung der Nachfrage, die allenfalls kurzfristig ein Strohfeuer entfacht. Vielmehr richtete er den Fokus auf die Angebotsseite. Dabei ging es ihm um wirtschaftspolitische Ma\u00dfnahmen, die die Produktionsbedingungen verbesserten, um so \u00fcber vermehrte Investitionen Wachstum und Besch\u00e4ftigung zu erh\u00f6hen. Dazu z\u00e4hlte er Steuersenkungen, Deregulierung, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, Schritte in Richtung Geldwertstabilit\u00e4t sowie Entwicklung und Modernisierung&nbsp; von Infrastruktur und F\u00f6rderung von Grundlagenforschung. Ganz elementar war f\u00fcr ihn, dass M\u00e4rkte offen sind, damit der Wettbewerb als Garant f\u00fcr Wohlstand funktioniert. Das Prinzip der Offenheit taucht als ein Leitmotiv in seinen Werken immer wieder auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1985 machte das von Herbert Giersch gepr\u00e4gte Schlagwort von der &#8222;Eurosklerose&#8220; die Runde. Damit war eine europ\u00e4ische Wirtschaftskrankheit gemeint, die ihre Ursachen in \u00dcberregulierung durch eine \u00fcberbordende B\u00fcrokratie, Unbeweglichkeit von L\u00f6hnen nach unten und verkrusteten Marktstrukturen hatten. Die vielf\u00e4ltigen Blockaden des Preismechanismus und Einmischungen des Staates in das Wirtschaftsgeschehen, waren f\u00fcr Giersch als Bef\u00fcrworter von Flexibilit\u00e4t und staatlicher Neutralit\u00e4t, der die Fahne der Ordnungspolitik im Sinne Walter Euckens und der Freiburger Schule hochhielt, ein Dorn im Auge. Herbert Giersch w\u00fcrde dem heutigen Deutschland wohl auch eine ausgepr\u00e4gte Sklerose bescheinigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zuletzt war Herbert Giersch ein leidenschaftlicher Freih\u00e4ndler. Er verstand die globale Arbeitsteilung und den internationalen Handel nicht als Nullsummenspiel, in dem die einen gewinnen, was die anderen verlieren. Vielmehr sah er in der Globalisierung eine riesige Chance f\u00fcr Wohlstandsmehrung aller Beteiligten. Protektionismus und Abschottung lehnte er vehement ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lockerung der Schuldenbremse und die Errichtung von Nebenhaushalten h\u00e4tte er wohl kaum gebilligt. Er h\u00e4tte eine Strukturkrise statt eines Mangels an Geld diagnostiziert und gefordert, zus\u00e4tzliche Staatsausgaben f\u00fcr Verteidigung und Infrastruktur anderweitig zu finanzieren: \u00fcber den Abbau von Subventionen, Straffung des Sozialstaates und Einsparungen f\u00fcr den Staatsapparat. Kreditfinanzierte Schattenhaushalte h\u00e4tte er abgelehnt, da diese Konstrukte das Ausma\u00df der Staatsverschuldung verschleiern, die demokratische Kontrolle des Parlaments \u00fcber die Finanzen verw\u00e4ssern, und das Vertrauen von M\u00e4rkten und B\u00fcrgern in die Haushaltsdisziplin untergraben. Giersch h\u00e4tte den Versto\u00df gegen die Grunds\u00e4tze der Budgetklarheit und Budgetwahrheit scharf angeprangert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem die Grund\u00fcberzeugungen von Herbert Giersch kurz skizziert worden sind, k\u00f6nnen wir uns nunmehr der Frage nach darauf aufbauenden Reformen zuwenden, um Deutschland wieder zukunftstauglich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Das Reformprogramm von Herbert Giersch<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch w\u00fcrde eine Reform aus einem Guss in einem Hauruck-Verfahren anstreben, also ein simultanes Reformprogramm, das aus mehreren Elementen oder tragenden S\u00e4ulen besteht. Denn er war der Auffassung, dass es die politische Durchsetzbarkeit erh\u00f6ht, wenn alle Problemfelder gleichzeitig beackert werden. Die Blockademacht einzelner Partikularinteressen wird n\u00e4mlich tendenziell abgeschw\u00e4cht, wenn alle Konfliktfelder gleichzeitig ge\u00f6ffnet werden und alle Federn lassen m\u00fcssen. Eine Rosskur statt Reparaturen ist unl\u00e4ngst auch von <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?author=511\">Jochen Andritzky, Stefan Kooths, Jan Schnellenbach<\/a> gefordert worden (17.Juli 2026).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 1) Flexibilisierung des Arbeitsmarktes<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch sah in den Tarifmonopolen der Gewerkschaften eine Hauptursache f\u00fcr Arbeitslosigkeit. Die zentral vorgegebenen Fl\u00e4chentarif-Vertr\u00e4ge bedeuten ihm zufolge ein massives Hemmnis f\u00fcr die Anpassungsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft. Denn sie f\u00fchren zu einer Entkoppelung der L\u00f6hne von der Produktivit\u00e4t einzelner Unternehmen oder Regionen. Leistungsstarke Betriebe k\u00f6nnen zwar h\u00f6here L\u00f6hne zahlen, schw\u00e4chere sind aber durch fl\u00e4chendeckende Tarifabschl\u00fcsse \u00fcberfordert. Denn ihre Produktivit\u00e4t ist unterdurchschnittlich. Dort kommt es wegen der relativen Verteuerung des Faktors Arbeit zu Entlassungen oder Insolvenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesen Gr\u00fcnden w\u00fcrde Herbert Giersch die tarifliche Kompetenz auf betrieblicher Ebene ansiedeln. Die Lohnfindung l\u00e4ge dann in den H\u00e4nden der Belegschaft (oder des Betriebsrats) und der Unternehmensleitung. Durch die Dezentralisierung des Lohnfindungsprozesses kann die jeweilige Lohnh\u00f6he flexibel der realen wirtschaftlichen Lage des spezifischen Betriebs angepasst werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonderes Augenmerk richtete Herbert Giersch auch auf die Ausgrenzungseffekte allgemein verbindlicher Tarif- oder Mindestl\u00f6hne. Wenn Gewerkschaften hohe L\u00f6hne durchsetzen, dient das in erster Linie den Interessen der Insider und Etablierten. Es profitieren davon also jene, die bereits eine Besch\u00e4ftigung haben. Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose und Berufsanf\u00e4nger hingegen sind auf der Verliererseite. Es ist somit n\u00f6tig, Marktzug\u00e4nge f\u00fcr die benachteiligten Outsider zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch w\u00fcrde auch am K\u00fcndigungsschutz r\u00fctteln. In Krisenzeiten erweist sich diese vermeintliche soziale Errungenschaft n\u00e4mlich als massives Einstellungsrisiko. Denn das Unternehmen wird die Leute nicht mehr los, wenn sich die wirtschaftliche Situation schlechter entwickelt, als erwartet. Dies schreckt Firmen ab, neue Mitarbeiter einzustellen, erweist sich also in unsicheren Zeiten als Besch\u00e4ftigungsbremse par excellence. Herbert Giersch w\u00fcrde daher empfehlen, den K\u00fcndigungsschutz zu lockern, vor allem f\u00fcr Start-ups und f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ferner w\u00fcrde er die Arbeitszeiten und Pausenregelungen flexibilisieren. Das Arbeitszeitgesetz mit seiner t\u00e4glichen H\u00f6chstarbeitszeit von 8 Stunden w\u00fcrde er abschaffen. Mitarbeiter und Betriebsleitung sollten selbst entscheiden, wann sie wie viel arbeiten m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Arbeitskr\u00e4ftemangel ist in Deutschland nicht zuletzt deshalb so ausgepr\u00e4gt, weil arbeitsf\u00e4hige Menschen im System der Sozialhilfe gefangen sind und kaum Arbeitsanreize bestehen. Denn der Ausstieg aus diesem System wird durch eine prohibitiv hohe Grenzbelastung vereitelt. Diese setzt sich zusammen aus zu zahlenden Steuern und entfallenen staatlichen Hilfen. Nach Herbert Giersch m\u00fcsste jener, der aus der Arbeitslosigkeit heraus einen Job annimmt, einen gro\u00dfen Teil seines selbst verdienten Geldes behalten d\u00fcrfen. Ferner w\u00fcrde Giersch den Transferbezug st\u00e4rker mit Gegenleistungspflichten verkn\u00fcpfen. Zudem w\u00fcrde er die Empf\u00e4nger st\u00e4rker in die Pflicht nehmen, angebotene Arbeit anzunehmen oder an Qualifizierungsprogrammen teilzunehmen. Sonst w\u00fcrden die Transfers stark gek\u00fcrzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 2) Korrekturen am Sozialsystem<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das deutsche Sozialsystem mit seinen \u00fcber 500 Sozialleistungen (ifo Institut vom 15. Oktober 2025) w\u00e4re f\u00fcr Herbert Giersch der Inbegriff b\u00fcrokratischer Ineffizienz. Er w\u00fcrde dazu raten, das unsystematische Sammelsurium an einzelnen Instrumenten mit seinen jeweils anh\u00e4ngenden Verwaltungsb\u00fcrokratien, komplexen Genehmigungs- und gegenseitigen Anrechnungsverfahren sowie unterschiedlichen Einkommensbegriffen abzuschaffen und durch ein System zu ersetzen, das aus einer einzigen und zielgerichteten Sozialleistung besteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch w\u00fcrde ein integriertes Steuer- und Transfersystem installieren wollen, wie es etwa Milton Friedman vorgeschlagen hatte. Eine negative Einkommensteuer tr\u00e4te an die Stelle des Dickichts an einzelnen und unkoordinierten Sozialleistungen. B\u00fcrgergeld, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Wohngeld, Kindergeld und Kinderzuschlag, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, Elterngeld, Unterhaltsvorschuss, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld; sozialer Wohnungsbau, kostenlose Mitversicherung von Familienangeh\u00f6rigen, Leistungen zur Teilhabe und Rehabilitation, Ehegatten-Splitting, soziale Verg\u00fcnstigungen im \u00d6PNV, Ausbildungsf\u00f6rderung und vieles andere mehr w\u00fcrden entfallen. Es g\u00e4be nur eine einzige Transferleistung, die am Kriterium der Bed\u00fcrftigkeit ankn\u00fcpft. Wer sich selbst helfen kann, bedarf keiner staatlichen Alimente, zumal er diese im konventionellen System meist selbst via Besteuerung zahlen muss. Es w\u00e4re also Schluss mit der kostentr\u00e4chtigen Umverteilung von der linken in die rechte Tasche, die Arbeitskr\u00e4fte in unproduktiven T\u00e4tigkeiten bindet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durch den Umbau des Sozialsystems w\u00fcrden viele Staatsdiener obsolet, die zuvor in der Umverteilungsb\u00fcrokratie besch\u00e4ftigt waren. Herbert Giersch w\u00fcrde dazu raten, Umschulungsprogramme aufzulegen und Mobilit\u00e4tshilfen zu gew\u00e4hren. Dadurch w\u00fcrde der viel beklagte Fachkr\u00e4ftemangel reduziert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 3) Reform der Alterssicherung<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unser Rentensystem, das auf dem Umlageverfahren basiert, dem der zahlende Nachwuchs ausgeht, und das nur durch milliardenschwere Steuerzusch\u00fcsse und angehobene Sozialbeitr\u00e4ge am Laufen gehalten wird, w\u00e4re f\u00fcr Herbert Giersch Paradebeispiel f\u00fcr ordnungspolitisches Versagen. Denn die verantwortlichen Politiker haben Jahrzehnte lang mit Slogans wie \u201edie Rente ist sicher\u201c den Kopf in den Sand gesteckt. Die Rentenreform von Herbert Giersch w\u00fcrde auf folgenden Prinzipien beruhen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als erstes w\u00fcrde Herbert Giersch der demographische Faktor, der den Rentenanstieg d\u00e4mpft, wenn sich der Altersquotient verschlechtert, wieder einf\u00fchren. Zudem w\u00fcrde Giersch ihn vermutlich versch\u00e4rfen, um dem Verlust an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit aufgrund steigender Lohnnebenkosten entgegenzuwirken. Bisher war es so, dass den Rentnern nur ein Viertel der Anpassungslasten aufgeb\u00fcrdet worden ist, der aktiven Generation hingegen drei Viertel. Herbert Giersch w\u00fcrde die Formel wohl so \u00e4ndern, dass der D\u00e4mpfungseffekt zu Lasten des Rentenniveaus sp\u00fcrbar erh\u00f6ht wird. Dies w\u00fcrde auch der j\u00fcngeren Generation signalisieren, dass vermehrte Selbstvorsorge f\u00fcr die eigene Altersrente angesagt ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens w\u00fcrde er das Renteneintrittsalter dynamisieren, also an die Entwicklung der Lebenserwartung koppeln. Wer l\u00e4nger lebt, muss auch l\u00e4nger arbeiten. Dies w\u00fcrde Mehreinnahmen und Minderausgaben f\u00fcr die Rentenkasse generieren, was eine sonst n\u00f6tige Beitragserh\u00f6hung in die Zukunft verschiebt. Dadurch wird Zeit gewonnen, durch produktivit\u00e4tssteigernde Ma\u00dfnahmen gegenzusteuern. Ferner w\u00fcrde Giersch Anreize f\u00fcr eine (Fr\u00fch-) Verrentung abbauen. Er w\u00fcrde alle Subventionen streichen, die mit einem vorzeitigen Ruhestand verkn\u00fcpft sind. Und er w\u00fcrde ein \u201eaktives Alter&#8220; f\u00f6rdern, um dem Arbeitsmarkt wertvolle Arbeitskr\u00e4fte und Kreativit\u00e4tspotentiale zu erhalten, und um den akuten Fachkr\u00e4ftemangel zu lindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine zentrale Ma\u00dfnahme von Herbert Giersch w\u00e4re, das umlagefinanzierte Rentensystem schrittweise auf eine weitere, kapitalgedeckte Basis zu stellen. Auf lange Sicht sollte aus der Umlage lediglich eine Grundsicherung f\u00fcr das Alter finanziert werden. Ein Teil der Rentenbeitr\u00e4ge sollte daher in einen staatsunabh\u00e4ngigen Fonds flie\u00dfen, der weltweit investiert, um vom globalen Wachstum zu profitieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 4) Abbau von staatlichen Beg\u00fcnstigungen und Diskriminierungen<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Subventionspolitik w\u00fcrde Herbert Giersch zu einer rigorosen Kehrtwende raten. Er w\u00fcrde die deutsche Subventionslandschaft radikal beschneiden und Wettbewerbshemmnisse abschaffen, also Regulationen, die dem Insider-Schutz dienen und die den Marktzugang f\u00fcr unliebsame Konkurrenten blockieren. Die freigesetzten Arbeitskr\u00e4fte w\u00fcrde Herbert Giersch durch Umschulung, Weiterbildung und Mobilit\u00e4tshilfen wieder in den Arbeitsmarkt integrieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch w\u00fcrde dem Staat ein striktes Neutralit\u00e4tsgebot auferlegen &#8211; im finanzpolitischen wie normativen Sinne. Beg\u00fcnstigungen, die mit Diskriminierungen einhergehen, w\u00e4ren dem Staat untersagt. Diese ordnungspolitischen Normen sollten Verfassungsrang haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Herbert Giersch erzeugen Subventionen Sklerose. Sie hemmen den Strukturwandel und beeintr\u00e4chtigen die Innovationsf\u00e4higkeit von Unternehmen, da diese ihr Augenmerk gezielt darauf lenken, wie sie Staatsgelder abkassieren k\u00f6nnen. Statt Energie in Effizienzsteigerungen und Neuerungen zu stecken, wird sie in Lobby-Arbeit investiert. Nach Herbert Giersch gelten Subventionen und Marktzutrittsbarrieren als&nbsp; Hauptfeinde einer dynamischen Wirtschaft. Die verkrusteten Strukturen aufgrund von Erhaltungssubventionen und Schutzmauern sind das Gegenteil vom Ideal des Wettbewerbs als Entdeckungsverfahren und der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch lehnte auch die Industriepolitik ab, da der Staat im Voraus nicht wissen kann, welche Technologie den Wettlauf um die Zukunft gewinnen wird und wo der K\u00f6nigsweg liegt. So h\u00e4tte Herbert Giersch beispielsweise die Kaufpr\u00e4mien f\u00fcr E-Autos oder Subventionen f\u00fcr Batteriefabriken niemals gut gehei\u00dfen. Hier h\u00e4tte er auf technologischen Wettbewerb etwa zwischen Wasserstoff, Batterien oder E- Fuels gesetzt. Dass der E-Auto-Boom eine k\u00fcnstlich angesto\u00dfene Hype ist, sieht man am Einbruch der Verkaufszahlen, als die F\u00f6rderung vor\u00fcbergehend eingestellt worden ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 5) Steuerreformen<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutsche Steuerrechtsdschungel ist eine Wachstumsbremse par excellence. Es hemmt Investitionen und Innovationen und bestraft die Leistungstr\u00e4ger und den Erwerbsflei\u00df sowie die Sparsamkeit. Herbert Giersch w\u00fcrde das System radikal vereinfachen und die Einkommensteuer in eine pers\u00f6nliche Ausgabensteuer umformen. Einkommen, das gespart, investiert oder im Betrieb belassen wird, w\u00fcrde von ihm steuerlich verschont. Die Besteuerung w\u00fcrde erst greifen, wenn Geld in den privaten Konsum flie\u00dft, die Kapitalbildung w\u00e4re befreit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da der hohe und stark progressive Tarifverlauf &#8211; der sogenannte &#8222;Mittelstandsbauch&#8220; &#8211; als Leistungsbremse wirkt, w\u00fcrde Giersch die Tarifkurve stark absenken und abflachen. Der Spitzensteuersatz w\u00fcrde nach seiner Vorstellung erst bei einem deutlich h\u00f6heren Einkommen greifen, statt wie heute bereits einen qualifizierten Facharbeiter zu belasten. Die Tarifkorrektur w\u00fcrde der Abwanderung qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte aus Deutschland entgegenwirken und die Zuwanderung stimulieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die K\u00f6rperschaftsteuer und Gewerbesteuer w\u00fcrde Herbert Giersch drastisch reduzieren. Hier w\u00fcrde er wohl einen international wettbewerbsf\u00e4higen Steuersatz von unter 25 Prozent anpeilen. Der Standort Deutschland gew\u00e4nne dadurch sp\u00fcrbar an Attraktivit\u00e4t, so dass Deutschland wieder mehr Kapitalzufl\u00fcsse und weniger Kapitalabfl\u00fcsse zu verzeichnen h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ferner w\u00fcrde Herbert Giersch die Steuerverg\u00fcnstigungen streichen, gehen mit ihnen doch Verzerrungen der Preisstruktur und anreizmindernde Effekte einher. Das Ziel sollte sein: Niedrige Steuers\u00e4tze bei gleichzeitig breiter Bemessungsgrundlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bisherige Diskussion \u00fcber eine Versch\u00e4rfung der Erbschaftsteuer auf Betriebsverm\u00f6gen w\u00fcrde auf heftige Ablehnung von Herbert Giersch sto\u00dfen. Er w\u00fcrde die Substanz von mittelst\u00e4ndischen Unternehmen vor dem Zugriff des Fiskus sch\u00fctzen wollen, zumal die in Unternehmen gebundenen Mittel die Basis f\u00fcr k\u00fcnftige Investitionen sind. Er w\u00fcrde stattdessen ein Erbschaftsteuer-Modell anstreben; das den Generationenwechsel in Familienbetrieben nicht belastet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 6) Umwelt- und Energiepolitik<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch w\u00fcrde die deutsche Umwelt- und Energiepolitik wohl als planwirtschaftlichen Irrweg betrachten und alle diesbez\u00fcglichen b\u00fcrokratischen Vorschriften, Gebote und Verbote und hohen Subventionen komplett abschaffen. Denn ihnen liegt Anma\u00dfung von Wissen zugrunde, das der Staat aber niemals haben kann. Stattdessen w\u00fcrde Giersch auf dezentrale L\u00f6sungen, Marktmechanismen und Preissignale setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Giersch war Umweltverschmutzung ein Problem von externen Kosten &#8211; dem Sch\u00e4diger wird der Umweltverbrauch nicht angelastet. Folglich bietet sich statt eines Sammelsuriums von Subventionen f\u00fcr umweltschonende Ma\u00dfnahmen ein dem Sch\u00e4diger auferlegter Preis f\u00fcr den Umweltverbrauch als alleiniges Steuerungsinstrument an. Statt des Geb\u00e4udeenergiegesetzes, der F\u00f6rderung von E-Autos, des Verbrenner-Aus und der Subventionen f\u00fcr Solaranlagen g\u00e4be es nur eine Steuerungsgr\u00f6\u00dfe: den umfassenden CO<sub>2<\/sub>-Preis im Rahmen eines Emissionshandelssystems. Wer CO<sub>2<\/sub> ausst\u00f6\u00dft, muss daf\u00fcr bezahlen. Die Wirtschaftssubjekte entscheiden dann selbst, ob sie bei gegebenem CO<sub>2<\/sub>-Preis d\u00e4mmen, eine W\u00e4rmepumpe einbauen, synthetische Kraftstoffe nutzen oder weniger heizen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch pl\u00e4dierte stets f\u00fcr Technologieoffenheit. Denn der Staat wei\u00df nicht, ob sich in 20 Jahren Wasserstoff, Solarenergie oder eine v\u00f6llig neue Erfindung durchsetzt. Statt aktive Strukturpolitik zu betreiben (&#8222;pick the winner&#8220;) und ausgew\u00e4hlte Unternehmen zu beg\u00fcnstigen, sollte der Staat lieber das Geld in die Grundlagenforschung stecken und Unternehmensforschung als solche \u2013 also unabh\u00e4ngig von der Forschungsrichtung &#8211; steuerlich f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00d6konom w\u00fcrde die nationale oder europ\u00e4ische Energiepolitik auch daf\u00fcr kritisieren, dass sie nicht \u00fcber den Tellerrand hinausblickt. Er w\u00fcrde daf\u00fcr pl\u00e4dieren, beispielsweise Wind- oder Solarenergie dort einzukaufen, wo die nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnisse am g\u00fcnstigsten sind, sei es in Nordafrika, Australien oder S\u00fcdamerika. Im Gegenzug w\u00fcrde er Umwelttechnologien exportieren. Auch w\u00fcrde sich Herbert Giersch daf\u00fcr stark machen, dass die Umweltpolitik auf eine internationale Ebene verlagert werden w\u00fcrde. Er w\u00fcrde sich f\u00fcr internationale CO<sub>2<\/sub>-M\u00e4rkte und globale Klimaclubs einsetzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 7) Deregulierung und B\u00fcrokratieabbau<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland leidet unter einem regulatorischen Burn-Out. Genehmigungsverfahren schleppen sich \u00fcber Jahre hin. B\u00fcrokratismus kostet die Unternehmen viel Geld und Zeit und erstickt die Kreativit\u00e4t. Hier w\u00fcrde Herbert Giersch wohl empfehlen, mit der Abriss-Birne vorzugehen. Er w\u00fcrde zu folgenden Mitteln raten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die B\u00fcrokratie einzud\u00e4mmen, w\u00fcrde Giersch an die Stelle des ab dem 1. Juli 2015 in Deutschland g\u00fcltigen one-in-one-out-Prinzips das one-in-two-out-Prinzip oder das one-in-three-out-Prinzip setzen. F\u00fcr jede neue Vorschrift, die die Wirtschaft belastet, m\u00fcssten andere, die mit doppelt oder dreimal so hohen B\u00fcrokratiekosten verkn\u00fcpft sind, gestrichen oder entsprechend gelockert werden. Durch diese versch\u00e4rfte B\u00fcrokratiebremse k\u00f6nnten die Folgekosten der Regulationen f\u00fcr Wirtschaft und B\u00fcrger schrittweise reduziert werden. Die Anwendung des Grundsatzes setzt voraus, dass die mit der Einhaltung von Gesetzen verkn\u00fcpften Kosten pr\u00e4zise quantifiziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweites wirksames Instrument gegen b\u00fcrokratischen Schlendrian ist die Genehmigungsfiktion. Genehmigungsverfahren f\u00fcr Fabriken, Infrastruktur und Wohnungsbau gelten automatisch als bewilligt, wenn die jeweilige Beh\u00f6rde innerhalb einer vorgegebenen Frist &#8211; etwa von 3 Monaten &#8211; kein gr\u00fcnes Licht gibt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 8) Korrekturen der Finanzverfassung<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In unserem f\u00f6deralen System sind die L\u00e4nder zu reinen Vollzugsorganen des Bundes degradiert worden. Herbert Giersch w\u00fcrde die Finanzverfassung fundamental umgestalten und die Eigenverantwortlichkeit der L\u00e4nder und Gemeinden st\u00e4rken. Seine Reformen w\u00fcrden sich an Mancur Olsens Prinzip der fiskalischen \u00c4quivalenz orientieren. Demnach m\u00fcsste jede Gebietsk\u00f6rperschaft die Kosten ihrer \u00f6ffentlichen G\u00fcter und Leistungen, \u00fcber die sie alleine entscheiden sollte, auch alleine tragen. Sie erhielte im Gegenzug aber auch die volle Steuerautonomie. Herbert Giersch w\u00fcrde das Konstrukt der Gemeinschaftssteuern ebenso abschaffen wie die Mischfinanzierungen. L\u00e4nder und Gemeinden erhielten ein Zuschlagsrecht auf die Einkommensteuer bzw. die pers\u00f6nliche Ausgabensteuer sowie die K\u00f6rperschaftsteuer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Herbert Giersch w\u00fcrde auch die die Kompetenzverteilung hinterfragen. Dabei sollte gem\u00e4\u00df dem Subsidiarit\u00e4tsprinzip soweit wie m\u00f6glich dezentralisiert werden, etwa in der Bildungs- oder Kulturpolitik. Freilich erscheint mitunter auch vermehrte Zentralisierung erforderlich, etwa bei der inneren Sicherheit und Drohnenabwehr, oder bei der Verteidigung, die auf die Ebene der EU verlagert werden sollte. Ferner w\u00fcrde Giersch den Finanzausgleich drastisch zur\u00fcckfahren oder g\u00e4nzlich einstellen. Denn dieses System mit seinen prohibitiv hohen Abgabes\u00e4tzen und seiner starken r\u00e4umlichen Nivellierung von Wohlstand bestraft eine wachstumsf\u00f6rdernde Politik und Reformeifer und belohnt den politischen Schlendrian und die Gegenwartsorientiertheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ideal von Herbert Giersch ist der Systemwettbewerb. Die L\u00e4nder und Gemeinden sollten miteinander in Wettstreit treten, um Arbeitskr\u00e4fte und Firmen anzulocken. Das Land, das gute (schlechte) Politik betreibt, gewinnt (verliert) Unternehmen und Steuerzahler an Konkurrenten. Wer schlecht abschneidet, hat aber die Chance, die Politik der Gewinner zu kopieren und sich zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>S\u00e4ule 9) Au\u00dfenwirtschaft und Migration<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Zeit, in der die Welt in gro\u00dfe Machtbl\u00f6cke gespalten und Protektionismus zwischen den USA, China und Europa en voque ist, w\u00fcrde Herbert Giersch \u2013 wie auch einer seiner Nachfolger im Amt des Pr\u00e4sidenten des Kiel Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr (Handelsblatt 2026) &#8211; gleichwohl als vehementer Anwalt f\u00fcr Freihandel mit kooperationswilligen Partnern auftreten. Er w\u00fcrde argumentieren, dass \u00d6ffnung nach au\u00dfen Wohlstand generiert. Durch Isolation hingegen w\u00fcrden alle \u00e4rmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt sich auf Subventionswettl\u00e4ufe mit den USA und China einzulassen, w\u00fcrde Herbert Giersch f\u00fcr Weltwirtschaft den Abschluss neuer Freihandelsabkommen mit S\u00fcdamerika, Afrika und Asien anvisieren. Wenn Lieferketten diversifiziert werden m\u00fcssen, dann durch den Marktzugang zu neuen Partnern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4rmere Regionen wie etwa den indischen Subkontinent oder afrikanische Staaten w\u00fcrde Herbert Giersch nicht \u00fcber klassische Entwicklungshilfe f\u00f6rdern, sondern \u00fcber die Markt\u00f6ffnung Deutschlands f\u00fcr Produkte aus diesen L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch w\u00e4re auch ein engagierter Verfechter einer anderen Europapolitik. Statt nach Harmonisierung zu streben, w\u00fcrde er den Systemwettbewerb bevorzugen, der diszipliniert und Innovationen hervorbringt. Nicht die politische Union mit zentralisierten Steuern und harmonisierten Sozialstandards w\u00e4re das Leitbild von Giersch, sondern der Wettbewerb der Systeme und der Regionen. Die sich herauskristallisierende \u00fcberlegene L\u00f6sung h\u00e4tte dann eine Vorbildfunktion f\u00fcr die anderen L\u00e4nder und w\u00fcrde zur Imitation anregen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch h\u00e4tte die gemeinsame Haftung und die Vergemeinschaftung von Schulden in der EU strikt abgelehnt, weil das Einspringen f\u00fcr die Fehler und die Disziplinlosigkeit anderer die Markt- und Anpassungmechanismen au\u00dfer Kraft setzt. Rettungsschirme wie der ESM oder die EU-Corona-Hilfen w\u00e4ren ihn ein Dorn im Auge gewesen. Denn sie f\u00fchren zu moral hazard. Wenn Deutschland oder die Europ\u00e4ische Gemeinschaft f\u00fcr das wirtschafts- und finanzpolitische Versagen eines kriselnden Landes in die Pflicht genommen wird, nimmt man diesem den Anreiz, n\u00f6tige Reformen anzupacken und Anpassungen vorzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was die Migration anbelangt, w\u00fcrde Herbert Giersch strikt trennen zwischen wirtschaftlicher Zuwanderung und Asyl. Um den Fachkr\u00e4ftemangel zu beheben, w\u00fcrde er die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden f\u00fcr qualifizierte Kr\u00e4fte aus dem Ausland komplett streichen. Wer einen Arbeitsvertrag mit einem deutschen Unternehmen vorweisen und seinen Lebensunterhalt selbst verdienen kann, sollte ungehindert einreisen und arbeiten d\u00fcrfen. Um die Einwanderung in das deutsche Sozialsystem zu beschr\u00e4nken, w\u00fcrde Giersch eine Umschichtung von Geldleistungen hin zu Sachleistungen vornehmen und den Bezug mit Gegenleistungspflichten verbinden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><em>Fazit<\/em><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die tiefe Krise, in der die deutsche Wirtschaft steckt, kommt nicht von Ungef\u00e4hr. Sie ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Vernachl\u00e4ssigung der angebotsseitigen Rahmenbedingungen. W\u00fcrde die Politik auf den Rat von Herbert Giersch h\u00f6ren, st\u00fcnde Deutschland vor einer schmerzhaften, aber heilsamen Rosskur. Es ginge um nichts Geringeres als um die Umwandlung eines verkrusteten und b\u00fcrokratischen Subventions- und Wohlfahrtsstaates in eine dynamische, offene und innovationsgetriebene Marktwirtschaft, die zukunftstauglich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">LITERATUR:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?author=511\">Andritzky, J., S. Kooths und J. Schnellenbach<\/a> (17. Juli 2026). Rosskur statt Reparaturen. Wirtschaftliche Freiheit. <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44458\">https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44458<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1977). Konjunktur- und Wachstumspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Klett Cotta.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. Und F. Wolter (1983). An Acceleration-Deceleration Hypothesis. The Economic Journal. Vol. 93. S. 35-55.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1983). Wie es zu schaffen ist. Agenda f\u00fcr die deutsche Wirtschaftspolitik. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1984). The Age of Schumpeter. The American Economic Review. Papers and Proceedings. Vol. 74. S. 103-109.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1985). Eurosclerosis. Kieler Diskussionsbeitr\u00e4ge. Nr. 112. Institut f\u00fcr Weltwirtschaft , Kiel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1987). Eurosclerosis, what is the Cure? European Affairs. Vol. 4., S. 33 &#8211; 43.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (1991). The Great Exchange: Economics, Ideology and the Downfall of Socialism. Institute for International Economics.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H. (2023). Allgemeine Wirtschaftspolitik: Grundlagen. Editiert und herausgegeben von K. Horn, K.-H. Paqu\u00e9 und L. P. Feld. Springer Gabler. Wiesbaden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giersch, H.., K.-H. Paqu\u00e9 und H. Schmieding (1993). The Fading Miracle. Four Decades of Market Economy in Germany. Cambridge University Press. Cambridge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Handelsblatt (11.09.2026) Gabriel Felbermayr: \u201eFinanzpolitisch lebt die AfD im Wolkenkuckucksheim\u201c <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/gabriel-felbermayr-finanzpolitisch-lebt-die-afd-im-wolkenkuckucksheim-01\/100253229.html\">https:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/gabriel-felbermayr-finanzpolitisch-lebt-die-afd-im-wolkenkuckucksheim-01\/100253229.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ifo Institut (15. Oktober 2025).\u00dcber 500 verschiedene Sozialleistungen in Deutschland. <a href=\"https:\/\/www.ifo.de\/pressemitteilung\/2025-10-15\/ueber-500-verschiedene-sozialleistungen-deutschland\">https:\/\/www.ifo.de\/pressemitteilung\/2025-10-15\/ueber-500-verschiedene-sozialleistungen-deutschland<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paqu\u00e9 Karl-Heinz (2010). Ein Leben f\u00fcr die offene Welt. Zum Tod von Herbert Giersch. Wirtschaftsdienst. 90. Jahrgang. Heft 9. S. 631-632.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Beitr\u00e4ge der Serie \u201cOrdnungspolitische Denker heute\u201c:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Astrid Rosenschon: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=44288\">Adam Smith-Interpretation. Was die heutige Wissenschaft von Horst Claus Recktenwald lernen kann<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolf Sch\u00e4fer: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13648\">Verkehrswege in Deutschland: Falsche Institutionen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ulrich van Suntum: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=13779\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ordnungspolitische Leere: Es steht mehr auf dem Spiel als nur die Effizienz<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rainer Hank: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14265\">Was wir von Wilhelm R\u00f6pke lernen sollten \u2013 und was lieber nicht.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Thorsten Polleit: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14436\">Die Interventionismus-Falle<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerhard Wegner: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=14656\">Hayek und die Konstruktivismusfalle. Die geplante Energiewende<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolf Sch\u00e4fer: <a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=15002\">\u201e\u00d6konomischer Imperialismus\u201c .Zu Gary S. Beckers \u00f6konomischer Theorie der Familie<\/a><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was w\u00fcrde Herbert Giersch heute Deutschland als dem Tr\u00e4ger der roten Laterne raten, damit es wirtschaftlich wieder bergaufw\u00e4rts geht? Welche Reformen w\u00fcrde er den politisch Verantwortlichen empfehlen? 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