{"id":5289,"date":"2011-02-04T00:01:48","date_gmt":"2011-02-03T23:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5289"},"modified":"2011-02-07T09:22:46","modified_gmt":"2011-02-07T08:22:46","slug":"von-quotengerechtigkeit-gender-mainstreaming-und-anderen-glaubensbekenntnissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5289","title":{"rendered":"Von Quotengerechtigkeit, Gender-Mainstreaming und anderen Glaubensbekenntnissen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist an sich nichts ungew\u00f6hnliches, wenn Politiker oder \u2013 wie im vorliegenden Falle \u2013 Politikerinnen versuchen, sich gegenseitig die Themen wegzuschnappen. Aber dass die Ministerinnen von der Leyen und K\u00f6hler sich gegenseitig das Verdienst \u00fcber die Einf\u00fchrung einer Frauenquote f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Aufsichtsr\u00e4te in Unternehmen abzujagen versuchen, deutet schon darauf hin, um welche Art von Thema es sich handelt: um eines, mit dem sich ordentlich Stimmung machen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Frau K\u00f6hler arbeitet an einer Regelung, die darauf hinausl\u00e4uft, dass Unternehmen Selbstverpflichtungen eingehen und dabei die individuelle Lage des Unternehmens und seines Umfeldes immerhin noch ber\u00fccksichtigen d\u00fcrfen. Offenbar sah sich Frau von der Leyen im Anschluss gen\u00f6tigt, eine solche Regelung mit einer fixen Quote von 30 Prozent zu toppen \u2013 unn\u00f6tig zu sagen, dass sie wie stets allein im Dienst der guten Sache unterwegs war. Und nun wurden sie beide von Frau Merkel h\u00f6chstselbst zur\u00fcckgepfiffen, um den Unternehmen \u201eerst einmal\u201c mehr Zeit zu geben, ihre Frauenquote zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Das gibt auch uns ein bisschen Zeit, noch einmal grunds\u00e4tzlich \u00fcber die Dinge nachzudenken. Aber bei so viel Stimmung traut man sich gerade als m\u00e4nnlicher Kommentator kaum, seine Zeilen ohne eine vorweggeschickte Beteuerung einzuleiten, etwa so: Nein, ich bin nicht f\u00fcr die Restauration m\u00e4nnlicher Macht, ich bin nicht der Meinung, dass F\u00fchrungsetagen von Unternehmen in m\u00e4nnlicher Hand sein sollten, und ich bin ganz generell nicht der Meinung, dass Frauen in irgendeiner Weise benachteiligt geh\u00f6ren oder dass dies \u00fcberhaupt auch nur zu dulden sei in unserer Gesellschaft. Und mehr als das: Die Tatsache, dass Frauen es gerade in Deutschland in vielf\u00e4ltiger Weise schwerer haben, beruflich voranzukommen, ist ganz und gar unbefriedigend und l\u00e4sst Deutschland im internationalen Vergleich in dieser Hinsicht wahrlich nicht rosig erscheinen. So sieht der Kommentator das, aus innerster \u00dcberzeugung, und damit sind wir gleich bei der Symptomatik des Problems angelangt, welche in der Tat aufhorchen l\u00e4sst: Die F\u00fchrungspositionen deutscher Unternehmen sind ganz \u00fcberwiegend durch M\u00e4nner besetzt. So betr\u00e4gt der Frauenanteil in deutschen Vorst\u00e4nden gerade einmal zwei Prozent, damit ist er so hoch wie in Indien und niedriger als im patriarchalischen Russland. In Schweden liegt er dagegen bei immerhin 17 Prozent.<\/p>\n<p>An diesen Daten ist nicht zu r\u00fctteln. Und doch, auch wenn man es sich kaum zu schreiben traut, muss die Frage erlaubt sein: F\u00fcr was genau sind diese Daten eigentlich Symptom? Was zeigen sie an? K\u00f6nnte es irgendwelche Zweifel daran geben, dass wir hier das Symptom einer fortdauernden Verletzung des Artikels 3 Grundgesetz beobachten? Kann man ernsthaft bezweifeln, dass hier ein Tatbestand vorliegt, welcher die staatlichen Autorit\u00e4ten im Sinne des Grundgesetzes dazu verpflichtet, \u00fcber die Gleichbehandlung der Geschlechter auf staatlicher Ebene hinaus auf eine \u201etats\u00e4chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung\u201c von Mann und Frau aktiv hinzuwirken, wie es vor allem Ministerin von der Leyen unter Verweis auf den Absatz 2 des Artikels 3 Grundgesetz fordert? Schlie\u00dflich ganz konkret: Kann es angesichts der \u00fcberw\u00e4ltigen Evidenz noch irgendeinen ernsthaften Zweifel daran geben, dass das Rekrutierungssystem f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte in Deutschland nach wie vor die Frauen benachteiligt? Die Antwort lautet ja, es gibt sogar sehr ernste Zweifel, und das folgt nicht aus m\u00e4nnlichem Machtstreben, sondern aus schlichter Logik. Um dies zu sehen, m\u00fcssen wir uns zun\u00e4chst die infrage kommenden Ursachen f\u00fcr den geringen Frauenanteil in F\u00fchrungspositionen in Deutschland ansehen. Es sind die folgenden:<\/p>\n<ol>\n<li>Es gibt zwar gen\u00fcgend weibliche Bewerber, aber M\u00e4nner werden nach wie vor bevorzugt ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li>Es gab in der Vergangenheit zwar stets gen\u00fcgend weibliche Bewerber, aber M\u00e4nner wurden in der Vergangenheit bevorzugt ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li>Es gab in der Vergangenheit und vielleicht auch bis heute nicht gen\u00fcgend weibliche Bewerber f\u00fcr die betreffenden Positionen. Die Hauptgr\u00fcnde sind, je nach spezifischer Situation, die Rollenverteilung in der Familie oder in bestimmten Branchen durchaus auch eine geschlechtsspezifische Berufswahl.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Von diesen drei m\u00f6glichen Ursachen beruht nur eine auf einer heute noch bestehenden Diskriminierung, welche mit Hilfe einer Quote grunds\u00e4tzlich bek\u00e4mpft werden kann. Dies ist die erste. Nun m\u00f6chte man aber vielleicht auch dann noch f\u00fcr eine Quote optieren, wenn diese Diskriminierung selbst heute nicht mehr vorliegt, weil die Symptome in der Form kleiner Anteile weiblich besetzter Positionen f\u00e4lschlicherweise als eine fortbestehende Diskriminierung gedeutet werden oder gedeutet werden k\u00f6nnten. W\u00fcrde man Unternehmen auf der Basis dieser Symptome aber bestrafen, so w\u00e4re es wie ein Bu\u00dfgeld bei fehlerhafter Radarmessung, welche unbestrittener Weise rechtswidrig w\u00e4re. Denn man muss zwei Dinge zur Kenntnis nehmen, wenn man trotz fehlender Ursache eins f\u00fcr die Quote optiert: Erstens k\u00e4mpft man, wenn man dies tut, gegen eine Diskriminierung, welche entweder gar nicht mehr oder an ganz anderer Stelle besteht; und zweitens f\u00fchrt man damit eine neue Diskriminierung ein, die ihrerseits dann doch eindeutig gegen den Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes verst\u00f6\u00dft. Letzteres l\u00e4sst sich unter Beachtung der Gesetze der Logik auch nicht als Ausgleich f\u00fcr andere Diskriminierungen rechtfertigen, denn im Ergebnis hat man weder Personen bevorzugt, die fr\u00fcher oder an anderer Stelle benachteiligt wurden, noch Personen benachteiligt, die fr\u00fcher oder an anderer Stelle bevorzugt wurden. Es wird im Gegenteil allein das \u2013 nur noch eine Weile fortlebende \u2013 statistische Symptom vergangener Diskriminierungen bek\u00e4mpft wie der n\u00e4chtlich funkelnde Punkt eines erloschenen Sterns. Letzteres w\u00e4re zwar sinnlos, aber vielleicht noch nicht ganz so schlimm, wenn man sich hierzu nicht per staatlicher Zwangsgewalt des Instruments neuer Diskriminierungen und des neuerlichen Versto\u00dfes gegen den Artikel 3 Grundgesetz bedienen w\u00fcrde, den jeder sehen kann, wer nur bereit ist, sehen zu wollen.<\/p>\n<p>Der ganze Artikel 3 des Grundgesetzes kann vern\u00fcnftigerweise nur als eine Vorschrift interpretiert werden, welche gleiche Chancen f\u00fcr alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger fordert. So wird er grunds\u00e4tzlich auch \u00fcberall gesehen. Nimmt man die dort enthaltene Forderung nach Chancengleichheit aber ernst, so kann eine neuerliche Diskriminierung zur Bek\u00e4mpfung nicht mehr bestehender oder an anderer Stelle bestehender Diskriminierungen schon aus logischen Gr\u00fcnden nicht schon deshalb zu billigen sein, weil sie Menschen desjenigen Geschlechts trifft, deren fr\u00fchere Vertreter fr\u00fcher einmal bevorzugt wurden. Da hilft es auch nichts, wenn eine solche Diskriminierung im Namen der Gleichstellung geschieht; es weist dann lediglich auf eine erfolgte Perversion des Begriffes selbst hin.<\/p>\n<p>Man bedenke, dass den obigen Ausf\u00fchrungen nur ein einziges wertendes Element zugrunde liegt, und zwar das Chancengleichheitsgebot des Artikel 3 Grundgesetz. Der Rest folgt ohne jede weitere Wertung reiner Sachlogik. Damit beinhalten diese Ausf\u00fchrungen auch kein Argument gegen aktive Gleichstellungsbem\u00fchungen an anderer Stelle, etwa im Zusammenhang mit der Rollenzuweisung in der Kinderbetreuung. Aber dort bestehenden Problemen durch das \u201eGegengift\u201c einer Quote begegnen zu wollen, um Frauen beispielsweise an dieser Stelle zu bevorzugen, damit der Nachteil in der Kinderbetreuung ausgeglichen wird, funktioniert nicht und erh\u00f6ht im Gegenteil den Grad an Diskriminierungen in der Gesellschaft gleich in zweierlei Hinsicht. Es ist erstens in Wahrheit kein Gegengift, sondern ein Giftverst\u00e4rker, weil es in hohem Ma\u00dfe Frauen, die kein Kinderbetreuungsproblem haben, gegen\u00fcber jenen Frauen bevorzugt, die es doch haben. Und mit aller Vorsicht sei angemerkt, dass es auch M\u00e4nner diskriminiert. Es beh\u00e4lt also erstens die bestehende Diskriminierung aufrecht und ist damit insoweit sinnlos, und es f\u00fcgt zweitens gleich zwei weitere Diskriminierungen hinzu, und alles das im Namen einer mit Blick auf die Ziele des Artikel 3 GG bedeutungslosen Ver\u00e4nderung der Statistik.<\/p>\n<p>Fassen wir zusammen, so m\u00fcssen Bef\u00fcrworter einer Quote, wenn sie konsistent im Namen der Chancengleichheit des Artikel 3 argumentieren m\u00f6chten, mit Anspruch auf Wahrheit behaupten k\u00f6nnen, dass geringen Frauenanteile in F\u00fchrungspositionen:<\/p>\n<ol>\n<li>auf eine heute noch bestehende Bevorzugung von M\u00e4nnern bei der Besetzung dieser Positionen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, obwohl gen\u00fcgend Frauen f\u00fcr die betreffenden Positionen zur Verf\u00fcgung stehen; und<\/li>\n<li><strong>nicht<\/strong> die Nachwirkung einer solchen Bevorzugung in der Vergangenheit sind; und<\/li>\n<li><strong>nicht<\/strong> die Nebenwirkung von Effekten sind, die an anderer Stelle bestehen, etwa schlechter als in Skandinavien gel\u00f6ste Probleme in der Kinderbetreuung, ein in der Erziehung begr\u00fcndetes Rollenverhalten oder \u00e4hnliches.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Wie wahrscheinlich ist dieser Fall? Lassen wir einmal kurz den Blick \u00fcber die H\u00f6rs\u00e4le und Ausbildungsst\u00e4tten schweifen, so finden wir auff\u00e4llige Geschlechterdifferenzen. Richten wir den Blick dann weiter in die Berufswelt, so finden wir einen Spiegel der H\u00f6rs\u00e4le und Ausbildungsst\u00e4tten. Nehmen wir den Nachhall von Diskriminierungen alter patriarchalischer Zeiten sowie die in Deutschland nur langsam wandelnde Rollenverteilung in der Familie hinzu \u2013 die man je nach Wertehaltung beklagen oder nicht beklagen mag, die aber mit der Quote nicht beeinflusst wird \u2013, so haben wir alle Evidenz, die wir brauchen, um das Ph\u00e4nomen der geringen Frauenanteile zu erkl\u00e4ren. Nat\u00fcrlich kann und wird es hier und da Diskriminierungen von Frauen noch immer geben, wer will das ausschlie\u00dfen? Aber wir k\u00f6nnen solche Diskriminierungen seri\u00f6ser Weise aus den geringen Frauenanteilen nicht schlie\u00dfen. Es ist nicht einmal unwahrscheinlich, dass in vielen Bereichen inzwischen die M\u00e4nner recht massiv benachteiligt werden, was ja nichts weiter ist als die Kehrseite der M\u00fcnze einer \u201ebevorzugten Ber\u00fccksichtigung von Frauen\u201c, die heute in keiner Stellenausschreibung unerw\u00e4hnt bleiben darf, welche nicht vor Gericht landen soll. Noch offener kann man eine Diskriminierung doch gar nicht zugestehen.<\/p>\n<p>So sinnlos und diskriminierend es ist, mit der Quote die nachhallende Statistik vergangener Diskriminierungen zu trimmen, so sinnlos ist es aber auch, mit Hilfe von Diskriminierungen andere Ursachen dieser statistischen Artefakte zu bek\u00e4mpfen, etwa eine geschlechtsspezifisch unterschiedliche Wahl von Berufen und Studienrichtungen. Was immer wiederum deren Ursachen sind, so haben sie alle gemein, dass sie nicht mit dem jeweiligen Hochschulzugang zusammenh\u00e4ngen. Gleichwohl werden Fakult\u00e4ten mit niedrigem Anteil weiblicher Studierender offiziell unter Druck gesetzt mit dem Ziel, den Anteil weiblicher Studierender zu erh\u00f6hen, was manchen Zust\u00e4ndigen an den Universit\u00e4ten zu der verzweifelten Frage treibt: \u201eWo in aller Welt soll ich die Studienbewerberinnen oder Doktorandinnen nur hernehmen?\u201c Und was im Anschluss nicht selten zu der Antwort von \u201eoben\u201c f\u00fchrt: \u201eDann muss man sich mal M\u00fche geben\u201c. Aber M\u00fche allein gen\u00fcgt bekanntlich nicht. Was muss also dazu kommen? Das kann nur ein mehr oder weniger offener Eingriff in die freie Berufs- und Studienfachwahl sein, denn man wird die Chancen auf einen Studienplatz f\u00fcr die wenigen Bewerberinnen in einem typischen \u201eM\u00e4nnerfach\u201c wie Maschinenbau oder Informatik h\u00f6her ansetzen m\u00fcssen als jene der m\u00e4nnlichen Mitbewerber. Anders geht es nicht.<\/p>\n<p>Da aber selbst die Diskriminierung an dieser Stelle nur allzu offensichtlich ist, gibt es wiederum nur einen Weg, um ihn zu verkleistern: Man muss die Freiwilligkeit der heutigen Berufs- und Studienfachwahl in Zweifel ziehen. Und hierzu hat man auch gleich die n\u00f6tige Theorie zur Hand. Dabei handelt es sich um die Theorie des Gender Mainstreaming, das ist eine monstr\u00f6se Verschw\u00f6rungstheorie, welche behauptet, dass M\u00e4dchen und Jungen (sp\u00e4testens!) von Geburt an in einen von M\u00e4nnern gezielt manipulierten Prozess der \u201eKonstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit\u201c verstrickt werden, welcher sie auf einen vorbestimmten Pfad geschlechtsspezifischer Rollenmuster zwingt. \u201eGender\u201c ist insoweit gesellschaftlich \u201ekonstruiert\u201c und unterscheidet sich darin vom physischen Geschlecht, welches sich zwar wegoperieren, aber nicht wegdiskutieren und auch nicht \u201ediskursiv dekonstruieren\u201c l\u00e4sst. Den modernen Erkenntnisstand der Hirnforschung und der Evolutionsbiologie schlicht in den Wind schlagend wird jedenfalls die Behauptung zum Dogma erkl\u00e4rt, dass ausschlie\u00dflich das gesellschaftlich konstruierte Gender und nicht das physische Geschlecht das Rollenverhalten bestimmt. Daher folgt aus dem Dogma auch, dass es keine verhaltensbiologischen Unterschiede zwischen weiblichen und m\u00e4nnlichen Gehirnen gibt, aus welchen irgendwelche geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Ausbildungs- und Studienfachwahl resultieren k\u00f6nnten. Und so d\u00fcrfen alle erkennbaren Verhaltensspezifika von M\u00e4nnern und Frauen an nichts anderem als an der \u201eKonstruktion gesellschaftlicher Wirklichkeit\u201c liegen.<\/p>\n<p>Damit ist auch die Berufs- und Studienfachwahl nicht mehr wirklich freiwillig, sondern von langer Hand manipuliert. Klar, dass den hilf- und willenlosen Gesch\u00f6pfen solch perfider Machenschaften zun\u00e4chst einmal der Weg zu ihren \u201ewirklichen\u201c Pr\u00e4ferenzen bei Berufs- und Studienfachwahl gewiesen werden muss, damit \u00fcberhaupt erst einmal die Voraussetzung f\u00fcr eine \u201ewahre\u201c Gleichstellung geschaffen werden. F\u00fcr uns bleibt aber festzuhalten, dass die Gender-Mainstreaming-Theorie keine Theorie im erkenntnistheoretischen Sinne ist, sondern alle Zutaten zu einer waschechten Ideologie aufweist: erstens beinhaltet sie eine tautologisierende Verschw\u00f6rungstheorie, wonach M\u00e4nner den Prozess der \u201egesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit\u201c steuern, weil es (angeblich) in ihrem Interesse ist, ihn zu steuern; zweitens enth\u00e4lt sie die von dem gro\u00dfen Philosophen Karl Popper als Relativismus bezeichnende Behauptung, dass alle Wirklichkeit nur konstruiert sei, es somit keine objektive Wahrheit gebe und damit aber auch jede \u201eKonstruktion\u201c von Wirklichkeit subjektiv und daher nach Bedarf anzunehmen oder abzulehnen ist \u2013 je nach dem Standpunkt, den man sich konstruiert hat. Mit diesem Trick l\u00e4sst sich jeder Unsinn zur wissenschaftlichen Theorie erheben und umgekehrt jede wissenschaftliche Erkenntnis zur subjektiven Geschichtenerz\u00e4hlerei. Schlie\u00dflich ist die Gender-Mainstreaming-Theorie gegen\u00fcber jedem Widerlegungsversuch immun, weil jeder Hinweis auf ihre empirische Unrichtigkeit durch seine blo\u00dfe Existenz schon Beweis daf\u00fcr ist, dass er auf einer anderen als der Gender-Mainstreaming-Konstruktion von Wirklichkeit beruht. Der zuf\u00e4llige Umstand, dass man die Evolutionsbiologen immer mal h\u00fcbsch \u00fcber die Schwelle zum Rassismusverdacht schubsen kann, leistet hier gute Dienste \u2013 der von den Gender-Forschern hierzu konstruierte Fachbegriff hei\u00dft \u201eBiologismus\u201c.<\/p>\n<p>Die Gender-Mainstreaming-Theorie ist damit in ihrer ganzen Anlage auf einer Stufe mit anderen Ideologien zu sehen, zum Beispiel auch mit der \u201eKreationstheorie\u201c, welche religi\u00f6se Eiferer auf eine Stufe mit der Evolutionstheorie stellen und auch dies ihren Mitmenschen aufzwingen wollen. In diesem Sinne w\u00e4re das alles genau dann harmlose Spinnerei, wenn nicht an allen Enden der Gesellschaft ein explizites, nicht selten schriftliches Bekenntnis zu dieser als wissenschaftliche Theorie verbr\u00e4mten Ideologie verlangt w\u00fcrde \u2013 beispielsweise durch den Einbau von Gender-Mainstreaming-Konzepten in alle Formen von Projektantr\u00e4gen, Akkreditierungen und Evaluierungen an Universit\u00e4ten \u2013, und wenn man nicht versuchen w\u00fcrde, auf der vermeintlichen Legitimationsbasis dieser Ideologie die W\u00fcnsche, Entscheidungen und Chancen von Menschen zu manipulieren und ihnen damit schlicht die pers\u00f6nliche Urteilsf\u00e4higkeit abzusprechen.<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu folgt der Nachweis der Sinnlosigkeit bis Sch\u00e4dlichkeit von Quoten einer ebenso leicht nachvollziehbaren wie unausweichlichen Logik, sofern man nur das Chancengleichheitsgebot des Artikel 3 akzeptiert \u2013 was angeblich alle Quotenfreunde tun. Und auch wenn es die Freunde beliebig konstruierbarer Wirklichkeiten nicht gern h\u00f6ren: Logik ist auch und gerade dann unabdingbar, wenn wir uns in Fragen wie den hier zur Diskussion stehenden nicht versehentlich f\u00fcr Ma\u00dfnahmen einsetzen wollen, die gar nicht aus unseren eigenen ethischen Prinzipien folgen, sondern ihnen im Gegenteil sogar widersprechen. Aber genau diesem Fehler sitzen die Quotenfreunde auf: Wer nur einmal genau hinsieht, muss sofort feststellen, dass Quoten ein Instrument sind, welches nicht nur nicht aus dem Prinzip der Chancengleichheit folgt, sondern welches diesem im Gegenteil diametral zuwider l\u00e4uft. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie Chancenungleichheit im Namen der Chancengleichheit schafft und damit den Begriff der Chancengleichheit pervertiert.<\/p>\n<p>Aber wieso schiebt kein Verfassungsgericht einem Treiben einen Riegel vor, welches den fundmentalen Verfassungsgrundsatz der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz au\u00dfer Kraft setzt? Wieso verpflichten sich gestandene Wissenschaftler in ihren Forschungsantr\u00e4gen sowie renommierte Universit\u00e4ten und Forschungseinrichtungen in ihren Selbstbeschreibungen und Mission Statements auf jene nur vermeintlichen Frauenf\u00f6rderprogramme, welche im Ergebnis auf Diskriminierungen hinauslaufen, die jeder sehen kann, der nur will? Wieso bestehen nicht gerade sie auf anderen Programmen, auf Programmen, die ihnen nicht vorgesetzt wurden, sondern solchen, die das Problem da anpacken, wo es seine Ursache hat? Wie kann es sein, dass jemand, der ein Forschungsprojekt beantragt, eine Forschungseinrichtung gr\u00fcnden oder einen Studiengang starten will, sich schriftlich verpflichten muss auf ein Programm, welches explizit auf der Gender-Mainstreaming-Ideologie beruht? W\u00fcrde er auch im Namen der Kreationstheorie unterschreiben, wenn das f\u00fcr den Antrag gefordert w\u00e4re? Etwa in diesem Stil: \u201eUnser Projekt wird flankiert von einem ausf\u00fchrlich dokumentierten und evaluierten Konzept auf der Basis der Gender-Mainstreaming-Theorie sowie der Kreationstheorie\u201c?<\/p>\n<p>Wie kann es sein, dass gerade die, die es besser wissen m\u00fcssen, sich so etwas bieten lassen, und das in einem Land, welches fast ein Jahrhundert lang von Ideologien gepeinigt wurde? Wieso hat keiner von ihnen den Schneid, offen Einspruch zu erheben, wenn er als angeblich unabh\u00e4ngiger Forscher im Rahmen von Antr\u00e4gen aller Art bekenntnispflichtig gemacht wird zu einer plumpen Ideologie? Wenn er im Anschluss zu Ma\u00dfnahmen gen\u00f6tigt wird, welche durch Anwendung einfacher Logik als unvereinbar mit dem Grundgesetz zu erkennen sind und welche die zugrunde liegenden Diskriminierungen nicht beseitigt, sondern im Gegenteil weitere Diskriminierungen hinzuf\u00fcgen? Kann es sein, dass H\u00e4resie noch heute zur Ablehnung von Forschungsauftr\u00e4gen und zur K\u00fcrzung von \u00f6ffentlichen Forschungsf\u00f6rdermitteln f\u00fchrt? Und kann es sein, dass wir gerade dabei sind, das alles auch auf die F\u00fchrungsetage privater Unternehmen zu \u00fcbertragen? Kann es schlie\u00dflich sein, dass man heute noch seinen Ruf riskiert, weil man das rechte Glaubensbekenntnis verweigert? Und wenn die Antwort ja lautet, was trennt uns denn eigentlich vom Mittelalter? Ach ja, der ganze Irrsinn wird nicht mehr auf dem Marktplatz verk\u00fcndet, sondern \u00fcber das Internet verbreitet, mit Bildchen von Ministerinnen, die um das Erstverwertungsrecht der frohen Botschaft wetteifern und den Ungl\u00e4ubigen mit ewiger Verdammnis oder doch zumindest mit Bu\u00dfgeldern drohen. Gut, das ist ein Unterschied, das w\u00e4re zuzugeben.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist an sich nichts ungew\u00f6hnliches, wenn Politiker oder \u2013 wie im vorliegenden Falle \u2013 Politikerinnen versuchen, sich gegenseitig die Themen wegzuschnappen. 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