{"id":544,"date":"2009-03-05T06:33:32","date_gmt":"2009-03-05T05:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=544"},"modified":"2009-03-05T06:33:32","modified_gmt":"2009-03-05T05:33:32","slug":"der-wohlstand-steht-auf-dem-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=544","title":{"rendered":"Der Wohlstand steht auf dem Spiel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ein Modell auf dem Pr\u00fcfstand<\/strong><\/p>\n<p>Die Weltwirtschaft befindet sich offensichtlich in der st\u00e4rksten Rezessionsphase seit dem Zweiten Weltkrieg. Jedenfalls werden f\u00fcr Nordamerika und Westeuropa f\u00fcr das Jahr 2009 die seitdem gr\u00f6\u00dften Konjunktureinbr\u00fcche erwartet. Die Verwerfungen an den Finanzm\u00e4rkten gelten als eine Hauptursache f\u00fcr die gro\u00dfen globalen Anpassungslasten. Die Wirtschaftspolitiker haben in den letzten Monaten mit umfangreichen Rettungsma\u00dfnahmen eine Reihe von Finanzinstituten gest\u00fctzt. Daneben wurden in vielen L\u00e4ndern Konjunkturpakete geschn\u00fcrt, um \u00fcber Staatsausgaben die Konjunktur zu stabilisieren. Doch damit nicht genug. Das Versagen der Finanzm\u00e4rkte scheint auch die Funktionsf\u00e4higkeit anderer M\u00e4rkte \u2013 also der G\u00fcter- und Arbeitsm\u00e4rkte \u2013 infrage zu stellen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Diese M\u00e4rkte weisen sicherlich auch eine Reihe von Funktionsst\u00f6rungen auf. Mehr Regulierungen und die staatliche St\u00fctzung von Industrieunternehmen sind jedoch das Gegenteil der erforderlichen Ma\u00dfnahmen. Gerade jetzt in der Krise muss die Anpassungsf\u00e4higkeit der G\u00fcter- und Arbeitsm\u00e4rkte gest\u00e4rkt werden, und zwar durch den Abbau der den Strukturwandel behindernden Regulierungen. Allerdings d\u00fcrfte dies im Wahlkampfjahr 2009 in Deutschland kaum politische Unterst\u00fctzung finden. Vielmehr besteht die Gefahr, dass staatliche Rettungsschirme \u00fcber krisengeplagte Firmen aller Branchen gespannt werden. Im Prinzip hat dies die gleichen \u00f6konomischen Effekte wie Protektionismus. Subventionen und andere Firmenst\u00fctzen diskriminieren sowohl heimische Firmen, die nicht in den Genuss der Beg\u00fcnstigungen kommen, als auch ausl\u00e4ndische Wettbewerber. Neben einem m\u00f6glichen Interventionswettlauf bestehen mindestens noch folgende Gefahren:<\/p>\n<ol>\n<li>Ein Wirtschaftsmodell, das von offenen M\u00e4rkten, Privateigentum und Vertragsfreiheit \u2013 in Anlehnung an Walter Eucken \u2013 gepr\u00e4gt war, steht nicht nur in Deutschland, sondern weltweit auf dem Pr\u00fcfstand.<\/li>\n<li>Die \u00f6konomischen Erfolge dieses marktwirtschaftlichen Modells r\u00fccken in den Hintergrund und drohen, durch staatliche Lenkungsmodelle ausgeh\u00f6hlt zu werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>R\u00fcckblick auf den globalen Boom<\/strong><\/p>\n<p>Die globale Dynamik in der j\u00fcngsten Vergangenheit scheint damit v\u00f6llig aus dem Blick zu geraten. Diese Dynamik fand sicherlich in der Zeit statt, als sich an den Finanzm\u00e4rkten mehr und mehr Problemlagen auftaten. Das US-Leistungsbilanzdefizit muss auch im Zusammenhang mit der amerikanischen Finanzierungsakrobatik gesehen werden. Es darf jedoch die wirtschaftliche Dynamik der im Vergleich zu den vorhergehenden Dekaden weiter ge\u00f6ffneten Volkswirtschaften nicht einfach ignoriert werden. Die Weltwirtschaft kann auf ein paar sehr gute Wachstumsjahre seit dem letzten Tiefpunkt in den Jahren 2001 und 2002 zur\u00fcckblicken. Mit einem jahresdurchschnittlichen Plus von mehr als 4\u00c2\u00bd\u00c2\u00a0 Prozent bei der preisbereinigten globalen Wirtschaftsleistung wurde im Zeitraum 2003 bis 2007 der langj\u00e4hrige Durchschnitt von 3,3 Prozent so deutlich \u00fcbertroffen wie noch nie seit 1980. Die reale Weltproduktion belief sich im Jahr 2007 auf fast das 2,5-Fache des Niveaus von 1980. Dabei hat sich die reale Produktion in den aufstrebenden Volkswirtschaften seit 1980 verdreifacht und in den fortgeschrittenen L\u00e4ndern verdoppelt. W\u00e4hrend die Dynamik in den beiden Wirtschaftsr\u00e4umen fast bis Mitte der neunziger Jahre weitgehend deckungsgleich verlief, kam es danach zu einer markanten Abkopplung der Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder. Anhand dieser groben Betrachtung zeigte sich dort in der vergangenen Dekade ein sich beschleunigender Aufholprozess.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Motoren der globalen Konvergenz<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die globale Konvergenz gibt es eine Reihe von Bestimmungsfaktoren: Die \u00d6ffnung vieler M\u00e4rkte f\u00fcr ausl\u00e4ndische G\u00fcter, f\u00fcr ausl\u00e4ndisches Kapital und f\u00fcr Menschen hat die internationale Arbeitsteilung und damit auch die Produktivit\u00e4t in den beteiligten Volkswirtschaften erh\u00f6ht. Der Abbau von protektionistischen Ma\u00dfnahmen wie Z\u00f6llen und nicht-tarif\u00e4ren Handelshemmnissen sowie die Liberalisierung des grenz\u00fcberschreitenden Kapitalverkehrs k\u00f6nnen hier genannt werden. Der Welthandel ist im Zeitraum 2004 bis 2007 um fast 9 Prozent pro Jahr gewachsen. Seit 1980 hat er sich in etwa verf\u00fcnffacht. Die internationalen Direktinvestitionen beliefen sich im Jahr 2006 weltweit auf gut 1.300 Milliarden US-Dollar. Das war der zweith\u00f6chste Wert nach dem Boomjahr 2000 und doppelt so viel wie der Durchschnittswert der Krisenjahre 2002 bis 2004. In der ersten H\u00e4lfte der achtziger Jahre belief sich das j\u00e4hrliche globale Direktinvestitionsvolumen erst auf rund 60 Milliarden US-Dollar. Seitdem hat es sich also mehr als verzwanzigfacht. Durch die internationalen Kapitalstr\u00f6me konnte in den aufstrebenden Volkswirtschaften Sachkapital und Infrastruktur aufgebaut werden. Mit dem internationalen Engagement von Unternehmen kam es auch zu einem zunehmenden Technologie- und Know-how-Transfer. Nicht zuletzt hat auch die rasante Entwicklung der modernen Informations- und Kommunikationsm\u00f6glichkeiten die Vernetzung der Volkswirtschaften und damit eine intensivere internationale Arbeitsteilung angetrieben. Schlie\u00dflich hat sich auch die politische und wirtschaftspolitische Haltung in vielen L\u00e4ndern gewandelt. Marktwirtschaftliche Elemente spielten in diesem Aufholprozess in vielen Volkswirtschaften eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. Die \u00d6ffnung fr\u00fcherer Zentralverwaltungswirtschaften in Osteuropa und Chinas k\u00f6nnen hier als Beispiel genannt werden. Damit hat auch die Wohlstandsorientierung in vielen L\u00e4ndern eine gr\u00f6\u00dfere politische Bedeutung bekommen. Und nicht zuletzt erfreuten sich eine Reihe von rohstoffreichen L\u00e4ndern erhebliche Einnahmen durch die steigende Rohstoffnachfrage und die deutlich angestiegenen Rohstoffpreise.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/globbip.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"\/wordpress\/bilder\/globbip.png\" alt=\"\" width=\"450\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Beachtliche Verbesserungen<\/strong><\/p>\n<p>In der Tat hat sich der Wohlstand \u2013 hier beschr\u00e4nkt auf den materiellen Wohlstand gemessen am Bruttoinlandsprodukt je Einwohner bereinigt um Kaufkraftunterschiede in den jeweiligen L\u00e4ndern und Regionen \u2013 seit der letzten Schw\u00e4chephase der Weltwirtschaft \u00fcberall erh\u00f6ht (Abbildung): Die st\u00e4rksten Einkommensverbesserungen gab es in Asien und in der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS). Hier expandierte das BIP je Einwohner im Zeitraum 2002\u00c2\u00a0 bis 2007 um rund zwei Drittel! Ein Plus von gut 50 Prozent gab es in Osteuropa, das zuletzt mit fast 15.000 US-Dollar (in Kaufkraftparit\u00e4ten) das h\u00f6chste absolute Niveau erreichte. Beim Blick auf die Einkommensh\u00f6he folgen die GUS, der Mittlere Osten und Lateinamerika mit jeweils rund 10.000 US-Dollar je Einwohner im Jahr. Trotz des gro\u00dfen Zuwachses liegt das Einkommensniveau in Asien im Durchschnitt erst bei unter 4.000 US-Dollar. Die geringsten Anstiege des Pro-Kopf-Einkommens \u2013 wenngleich es sich in dem f\u00fcnfj\u00e4hrigen Zeitraum ebenfalls um rund ein Drittel erh\u00f6ht hat \u2013 waren in Afrika, Lateinamerika und im Mittleren Osten zu verzeichnen. Dabei ist das Wohlstandsniveau in Afrika mit einem Pro-Kopf-Einkommen von gut 2.400 US-Dollar deutlich abgeschlagen im Vergleich mit den anderen aufstrebenden Regionen.<\/p>\n<p>Diese Bilanz darf nicht dar\u00fcber hinwegsehen, dass das Ausma\u00df an weltweiter Armut immer noch erschreckend hoch ist. Laut aktuellem Weltentwicklungsbericht der Weltbank m\u00fcssen derzeit 1,4 Milliarden Menschen mit weniger als der Kaufkraft von 1 US-Dollar pro Tag auskommen. Dabei kommt es \u2013 vor allem in Afrika \u2013 immer noch zu Hunger und Unterern\u00e4hrung. Seit Anfang der achtziger Jahre hat sich der Anteil der Menschen unterhalb dieser Armutsschwelle jedoch massiv verringert und sogar fast halbiert. Die gute wirtschaftliche Entwicklung \u2013 auch angetrieben durch die Globalisierung \u2013 hat sich vor allem in China und Indien positiv auf den R\u00fcckgang der Armut ausgewirkt. Zudem gibt es gute Belege daf\u00fcr, dass sich die weltweite Ungleichheit bei der Verteilung der Einkommen im Gefolge des globalen Wachstums- und Globalisierungsprozesses nicht vergr\u00f6\u00dfert, sondern in einer aggregierten Betrachtung vielmehr verringert hat \u2013 so jedenfalls die Studien von Bhalla und Sala-i-Martin.<\/p>\n<p>Nicht nur die materielle Lage vieler Menschen hat sich im Gefolge des vergangenen Weltwirtschaftsbooms verbessert. Eine Langfristuntersuchung zum Gl\u00fccksempfinden zeigt f\u00fcr den Zeitraum 1981 bis 2007, dass sich ein wachsender Wohlstand \u2013 gemessen am Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt \u2013 positiv auf das Gl\u00fccksempfinden der Menschen auswirkt \u2013 siehe etwa die Untersuchung von Inglehart und anderen vom vergangenen Jahr. In 45 der 52 untersuchten L\u00e4nder f\u00fchlen sich Menschen gem\u00e4\u00df dem \u201eWorld Value Survey\u201c heute gl\u00fccklicher als Anfang der achtziger Jahre. Das gilt vorwiegend in den L\u00e4ndern mit einem niedrigeren Einkommen (von unter 12.000 US-Dollar). In reicheren L\u00e4ndern nimmt das pers\u00f6nliche Gl\u00fccksempfinden nicht generell mit wachsendem Wohlstand zu. Trotz all der Einschr\u00e4nkungen bei der Definition und Messung des emotionalen und kognitiven Wohlbefindens zeigen L\u00e4ndervergleiche durchaus einen positiven Zusammenhang zwischen der Einkommensentwicklung und der Lebenszufriedenheit. Sicherlich h\u00e4ngt das Wohlbefinden eines Menschen von Faktoren wie Gesundheit, famili\u00e4re Beziehungen, befriedigende Arbeit, soziales Umfeld und der pers\u00f6nlichen Freiheit ab, die finanzielle Lage und damit das Einkommen spielen jedoch vor allem in aufstrebenden L\u00e4ndern eine bedeutende Rolle.<\/p>\n<p>Der bisherige Wachstums- und Globalisierungsprozess hat sich in einem steigenden materiellen Wohlstand und offensichtlich auch in einer h\u00f6heren Lebenszufriedenheit niedergeschlagen. Diese Wachstumserfahrungen der vergangenen Jahre d\u00fcrfen nicht aus dem Blick verloren werden, wenn sich nunmehr Politiker herausgefordert f\u00fchlen, auf die ernste Weltwirtschaftskrise mit mehr Staatseingriffen zu reagieren. Das Versagen der Finanzm\u00e4rkte darf nicht als Begr\u00fcndung f\u00fcr ein Versagen anderer M\u00e4rkte herangezogen werden. Die Wohlstandsentwicklung in der globalisierten Welt in den letzten Jahren steht damit auf dem Spiel.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Modell auf dem Pr\u00fcfstand Die Weltwirtschaft befindet sich offensichtlich in der st\u00e4rksten Rezessionsphase seit dem Zweiten Weltkrieg. 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