{"id":5581,"date":"2011-03-13T00:01:33","date_gmt":"2011-03-12T23:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5581"},"modified":"2011-03-13T07:14:32","modified_gmt":"2011-03-13T06:14:32","slug":"gastbeitrag-profitiert-deutschland-am-meisten-vom-euro","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5581","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag:<\/small><br\/> Profitiert Deutschland am meisten vom Euro?"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund der Schuldenkrisen einiger EWU-Mitgliedsl\u00e4nder sollen das Treffen der EWU-Regierungschefs am 11. M\u00e4rz und der EU-Gipfel Ende M\u00e4rz dazu dienen, neue institutionelle Pfeiler zur Stabilisierung des Euro und der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion einzuschlagen. Doch welcher Art werden die Beschl\u00fcsse sein? Zu bef\u00fcrchten ist, dass es letztlich doch nur auf eine Aufstockung des sog. \u201eEuro-Rettungsschirms\u201c hinaus l\u00e4uft, dass es nicht gelingt, eine anreizkompatible Strategie gegen \u00dcberschuldungskrisen zu beschlie\u00dfen und dass der \u00dcbergang zu einer Transferunion immer wahrscheinlicher wird. Dies zum Anlass nehmend, haben knapp 200 deutsche \u00d6konomen einen <a href=\"http:\/\/www.wiso.uni-hamburg.de\/lucke\/?p=581\">Aufruf <\/a>ver\u00f6ffentlicht, der aufzeigt, wie stattdessen mit Hilfe geordneter Umschuldungsverfahren eine nachhaltigere Krisenbew\u00e4ltigung und -pr\u00e4vention m\u00f6glich w\u00e4re.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Obwohl auch internationale \u00d6konomengruppen wie die European Economic Advisory Group \u00e4hnliche Argumente vorbringen, werden die meisten Bedenken gegen\u00fcber den j\u00fcngsten Entwicklungen in der EWU von deutschen \u00d6konomen ge\u00e4u\u00dfert. Ein nicht unwesentlicher Grund ist, dass Deutschland mit am meisten unter der Vergemeinschaftung der Schulden einzelner Euro-Mitgliedstaaten leiden w\u00fcrde \u2013 sei es, weil Deutschland am meisten zum \u201eRettungsschirm\u201c beitr\u00e4gt, aber auch, weil eine solche Politik die Anreize f\u00fcr fiskalisches Fehlverhalten erh\u00f6ht und die Glaubw\u00fcrdigkeit der Europ\u00e4ischen Zentralbank untergr\u00e4bt. F\u00fcr eine Volkswirtschaft, die ihren Wohlstand in den letzten 50 Jahren nicht zuletzt durch ihre stabile W\u00e4hrung gesichert hat, ist dies ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Risiko.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite gibt es aber auch Gegenstimmen: So wird oftmals argumentiert, Deutschland profitiere ja am meisten vom Euro! Der Euro m\u00fcsse daher \u2013 koste es, was es wolle \u2013 \u201egerettet\u201c werden. Unabh\u00e4ngig davon, ob der Euro und die W\u00e4hrungsgemeinschaft \u00fcberhaupt durch einen ausufernden \u201eRettungsschirm\u201c nachhaltig stabilisiert werden kann, stellt sich damit die Frage, wie wichtig der Euro tats\u00e4chlich f\u00fcr die deutsche Wirtschaft ist. Was ist der Nutzen des Euro und k\u00f6nnen daher die durch den Euro entstehenden Kosten gerechtfertigt werden?<\/p>\n<p>Die Vorteile einer W\u00e4hrungsunion werden in der Senkung von Transaktionskosten gesehen, im Wegfall von Wechselkursrisiken und den damit einhergehenden Risikopr\u00e4mien, in der Ausschaltung spekulativer Falschbewertungen und in der Tatsache, dass die Mitgliedsl\u00e4nder zu einem Geld \u00fcbergehen \u201edas sie nicht selbst herstellen k\u00f6nnen\u201c (<em>Olaf Sievert<\/em>). Letztlich werde hierdurch der Handels- und Kapitalverkehr im integrierten W\u00e4hrungsraum intensiviert, die Allokation verbessert und die Wohlfahrt gesteigert. Deutschland als dominierende Exportnation m\u00fcsste dabei von der Verringerung der Transaktionskosten und der innerhalb der W\u00e4hrungsunion nun ausgeschalteten Aufwertungsgefahr eigentlich besonders stark profitieren.<\/p>\n<p>Betrachtet man jedoch die Au\u00dfenhandelsentwicklung Deutschlands seit dem Beginn der W\u00e4hrungsunion, so zeigt sich, dass der Handel mit Nicht-Euro-L\u00e4ndern st\u00e4rker zugenommen hat als der Handel mit den Euro-Partnern. Die Existenz einer einheitlichen W\u00e4hrung ist f\u00fcr den deutschen Handel also gar nicht so entscheidend: Der Export Deutschlands ist weniger preiselastisch als in den meisten anderen L\u00e4ndern und daf\u00fcr einkommenselastischer. Die Konjunktur der Handelspartner ist somit entscheidender f\u00fcr unsere Exporterfolge als der Au\u00dfenwert der W\u00e4hrung. Auch der Europ\u00e4ische Binnenmarkt funktioniert mit den Euro-Partnern nicht besser als mit denjenigen EU-L\u00e4ndern, die noch ihre eigene W\u00e4hrung besitzen.<\/p>\n<p>Die anderen m\u00f6glichen Vorteile einer W\u00e4hrungsunion \u2013 Verringerung der Risikopr\u00e4mien und \u00dcbergang zu einem \u201ebesseren Geld\u201c \u2013 betreffen die fr\u00fcheren Schwachw\u00e4hrungsl\u00e4nder und nicht das fr\u00fchere Starkw\u00e4hrungsland Deutschland. Wir konnten\/k\u00f6nnen mit dem Euro allenfalls eine genauso gute W\u00e4hrung bekommen wie wir sie zuvor hatten, aber kaum eine bessere.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben wir aber viel zu verlieren: Der Euro kann seine allokative und stabilit\u00e4tspolitische Effizienz nur entfalten, wenn im Falle unterschiedlicher realwirtschaftlicher Entwicklungen der Wechselkurs \u2013 als fr\u00fcherer monet\u00e4rer Puffer \u2013 durch andere Anpassungsmechanismen (z.B. Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t auf den Arbeits- und Kapitalm\u00e4rkten) ersetzt wird. Zudem muss die EZB willens und f\u00e4hig sein, eine stabilit\u00e4tsgerechte Geld- und W\u00e4hrungspolitik zu praktizieren, die nicht durch destabilisierendes Verhalten nationaler Regierungen unterlaufen wird. Ist dies beides nicht gew\u00e4hrleistet \u2013 und die j\u00fcngeren Erfahrungen seit der Schuldenkrise Griechenlands sprechen daf\u00fcr \u2013 so stehen wenig g\u00fcnstige Perspektiven im Raum: H\u00f6here Risikopr\u00e4mien auch f\u00fcr deutsche Staatstitel, h\u00f6here Inflation und zunehmende Verteilungskonflikte in der W\u00e4hrungsgemeinschaft, die zur Zerrei\u00dfprobe werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Doch zeigen nicht unsere Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse und die entsprechenden Defizite in Griechenland oder Portugal, dass wir doch die Gewinner sind? Nein, denn Leistungsbilanzsalden k\u00f6nnen sehr wohl f\u00fcr beide Seiten effizient sein, wenn die kompensierenden Kapitalstr\u00f6me \u201ein die richtige Richtung\u201c und die richtige (investive) Verwendung flie\u00dfen. Korrekturbedarf besteht nur, wenn die Leistungsbilanzdefizite Folge einer anhaltenden preislichen Wettbewerbsschw\u00e4che und eines \u00dcberkonsums sind. Sie sind dann zugleich nicht Ursache, sondern Symptom struktureller Fehlentwicklungen im Defizitland. Die Verantwortung f\u00fcr ihre Korrektur muss dann aber auch dort und nicht im \u00dcberschussland liegen.<\/p>\n<p>Der Euro hat mittlerweile eine \u00fcber das \u00d6konomische hinaus wirkende wichtige integrationspolitische Bedeutung. Die Verantwortung f\u00fcr sein Funktionieren darf aber nicht allein den soliden L\u00e4ndern aufgeb\u00fcrdet werden, sondern muss von allen gleicherma\u00dfen \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund der Schuldenkrisen einiger EWU-Mitgliedsl\u00e4nder sollen das Treffen der EWU-Regierungschefs am 11. 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