{"id":560,"date":"2009-02-26T07:12:37","date_gmt":"2009-02-26T06:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=560"},"modified":"2009-02-26T07:12:37","modified_gmt":"2009-02-26T06:12:37","slug":"vermoegensungleichheit-in-deutschland-viel-heisse-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=560","title":{"rendered":"Verm\u00f6gensungleichheit in Deutschland: Viel hei\u00dfe Luft"},"content":{"rendered":"<p>In den Jahren von 2002 bis 2007 hat sich der Anteil des reichsten Zehntels der Bev\u00f6lkerung am gesamten Nettoverm\u00f6gen in Deutschland von 57,9 Prozent auf 61,1 Prozent <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/93785\/09-4-1.pdf\">erh\u00f6ht<\/a>. Das ruft doch geradezu nach korrigierenden staatlichen Eingriffen. Die Vorschl\u00e4ge reichen dabei von der Verringerung der Freibetr\u00e4ge bei der Erbschaftssteuer \u00fcber die Abschaffung der gerade erst eingef\u00fchrten Abgeltungssteuer bis zur Reduzierung der Anrechnung eigenen Verm\u00f6gens bei Hartz IV.<\/p>\n<p><!--more-->In den Jahren von 2002 bis 2007 ist der Jahresdurchschnittswert des DAX um rund 70 Prozent gestiegen. Sollte es zwischen dieser Entwicklung und der Entwicklung der Verm\u00f6gensungleichheit keinen Zusammenhang geben? F\u00fcr einen Zusammenhang spricht, dass die Ungleichheit insbesondere beim Geldverm\u00f6gen zugenommen hat, nicht dagegen beim Immobilienverm\u00f6gen oder beim sonstigen Sachverm\u00f6gen. Dies w\u00fcrde aber bedeuten, dass in den Verm\u00f6genszuw\u00e4chsen der Reichen von 2002 bis 2007 viel hei\u00dfe Luft aus spekulativen Blasen steckt.<\/p>\n<p>Seit 2007 hat sich der Wert des DAX nahezu halbiert. Damit haben sich viele Verm\u00f6genszuw\u00e4chse aus den Jahren zuvor als Scheingewinne entpuppt und geradezu \u00fcber Nacht in Luft aufgel\u00f6st. Es fehlt zwar an detaillierten Statistiken dar\u00fcber, wie sich die weltweite Finanzkrise auf die unterschiedlichen Einkommens- und Verm\u00f6gensklassen in Deutschland ausgewirkt hat. Man kann aber vermuten, dass die Anzahl der Hartz IV-Empf\u00e4nger, die ihr Geld mit Lehman-Zertifikaten verloren haben, sehr gering ist. So wie die spekulative Blase in den Jahren bis 2007 die Reichen reicher gemacht hat, so hat das Platzen der Blase seit 2008 die Verm\u00f6gensunterschiede zwischen Arm und Reich wieder eingeebnet. Fundierte wirtschaftspolitische Forderungen zur staatlichen Korrektur der Verm\u00f6gensverteilung sollten sich also nicht allein auf die Entwicklung von 2002 bis 2007 st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wie stark die Verm\u00f6genspreisblasen bis 2007 und das anschlie\u00dfende Platzen dieser Blasen seit 2008 die Unterschiede zwischen Arm und Reich beeinflusst haben, zeigt sich auch an der sogenannten funktionalen Einkommensverteilung, d.h. an der Verteilung des Volkseinkommens auf Arbeitnehmerentgelte einerseits und Unternehmens- und Verm\u00f6genseinkommen anderseits: Vom ersten Quartal 2002 bis zum vierten Quartal 2007 sind die Arbeitnehmerentgelte in Deutschland um 0,2 Prozent pro Quartal gestiegen, die Unternehmens- und Verm\u00f6genseinkommen dagegen um 4,3 Prozent. In der anschlie\u00dfenden Phase vom ersten bis zum dritten Quartal 2008 sind die Arbeitnehmerentgelte um durchschnittlich 0,6 Prozent pro Quartal gestiegen, die Unternehmens- und Verm\u00f6genseinkommen aber um 0,1 Prozent pro Quartal gesunken. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor, doch man kann davon ausgehen, dass sich der R\u00fcckgang der Unternehmens- und Verm\u00f6genseinkommen seither noch einmal deutlich beschleunigt hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich w\u00e4re es verfehlt, angesichts der j\u00fcngsten Entwicklungen die sozialpolitische Brisanz der Verteilungsfrage leugnen zu wollen. Zu viele Menschen standen in den vergangenen Jahren unter dem Eindruck, der Aufschwung sei bei ihnen nicht angekommen und habe sich lediglich in \u00fcberbordenden Managergeh\u00e4ltern niedergeschlagen. Eine solche kollektive Wahrnehmung ist nicht unproblematisch, da sie letztlich der sozialen Marktwirtschaft die konsensuale Verankerung in der Gesellschaft entziehen k\u00f6nnte. Es ist deshalb notwendig und dringlich, \u00fcber die Angemessenheit von Managergeh\u00e4ltern zu diskutieren. Ebenso notwendig ist es aber, die Debatte \u00fcber die Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung in Deutschland auf ein sachliches Fundament zu stellen und nicht auf schlagzeilentr\u00e4chtige Sensationsmeldungen zu schielen.<\/p>\n<p>Eine zentrale Rolle bei diesen Diskussionen nimmt der Begriff der Armut ein. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Armut mit absoluter Armut gleichgesetzt; in den Armutsberichten und anderen statistischen Quellen dazu wird er jedoch als Relation definiert. Demnach gilt als einkommensarm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verf\u00fcgung hat. Wenn es gelingen sollte, durch wirtschaftliches Wachstum alle Einkommen gleicherma\u00dfen steigen zu lassen, w\u00fcrde die absolute Armut ohne Zweifel sinken, doch die relative Armut bliebe unver\u00e4ndert. Wenn daraus der Schluss gezogen w\u00fcrde, Wirtschaftswachstum k\u00f6nne keinen Beitrag zur Armutsbek\u00e4mpfung leisten, dann w\u00e4re dies sicherlich ein Fehlschluss.<\/p>\n<p>Analog zur Einkommensarmut ermitteln jetzt manche Sozialexperten die Verm\u00f6gensarmut &#8211; definiert als Anteil der Personen an der Gesamtbev\u00f6lkerung, die weniger als 60 Prozent des mittleren Verm\u00f6gens zur Verf\u00fcgung haben. Die so berechnete Verm\u00f6gensarmut liegt bei 43 Prozent, w\u00e4hrend die Einkommensarmut lediglich 17 Prozent betr\u00e4gt. Solche Vergleichszahlen suggerieren, dass der staatliche Handlungsbedarf zur Bek\u00e4mpfung der Verm\u00f6gensarmut viel ausgepr\u00e4gter sei als der zur Bek\u00e4mpfung der Einkommensarmut. Was getrost als Unfug bezeichnet werden darf.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Jahren von 2002 bis 2007 hat sich der Anteil des reichsten Zehntels der Bev\u00f6lkerung am gesamten Nettoverm\u00f6gen in Deutschland von 57,9 Prozent auf &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=560\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eVerm\u00f6gensungleichheit in Deutschland: Viel hei\u00dfe Luft\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,25],"tags":[],"class_list":["post-560","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-alles","category-distributives"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Verm\u00f6gensungleichheit in Deutschland: Viel hei\u00dfe Luft - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=560\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Verm\u00f6gensungleichheit in Deutschland: Viel hei\u00dfe Luft - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"In den Jahren von 2002 bis 2007 hat sich der Anteil des reichsten Zehntels der Bev\u00f6lkerung am gesamten Nettoverm\u00f6gen in Deutschland von 57,9 Prozent auf &hellip; 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