{"id":5717,"date":"2011-03-27T14:26:35","date_gmt":"2011-03-27T13:26:35","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5717"},"modified":"2011-03-28T09:57:21","modified_gmt":"2011-03-28T08:57:21","slug":"der-schaden-der-aus-der-zinsmanipulation-erwaechst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5717","title":{"rendered":"Der Schaden, der aus der Zinsmanipulation erw\u00e4chst"},"content":{"rendered":"<p>In der Wissenschaft gibt es kumulativen, substitutiven und regressiven Erkenntnisfortschritt. Kumulativ bedeutet, dass der Erkenntnisbestand im Zeitablauf w\u00e4chst, substitutiv, dass herk\u00f6mmliche durch bessere Erkenntnis ersetzt wird, und zirkul\u00e4r, dass Erkenntnis, zwischenzeitlich vergessen, wiederentdeckt wird. Diese Einsicht sollte zur Reflektion akzeptierter Theorien ermutigen \u2013 dies gilt zum Beispiel f\u00fcr die Zins- und Kapitaltheorie.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Heutzutage wird ein niedriger Zins in der Regel als f\u00f6rderlich f\u00fcr die Wirtschaft gesehen, w\u00e4hrend ein hoher Zins d\u00e4mpfend wirke. Viele \u00d6konomen empfehlen daher, die Zentralbank solle die Zinsen absenken, wenn eine Rezession droht, um die Wirtschaft auf dem Tal zu f\u00fchren. Der Marktzins wird folglich als \u201eSteuerungs-instrument\u201c gesehen, der je nach wirtschaftspolitischem Bedarf zu ver\u00e4ndern sei. Der \u00d6konom Eugen von B\u00f6hm-Bawerk zeigte jedoch bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts, dass der Zins nicht etwa ein l\u00e4stiger Kostenfaktor ist, sondern dass er Ausdruck der menschlichen Zeitpr\u00e4ferenz ist (ein Begriff, den der amerikanische \u00d6konom <em>Frank A. Fetter<\/em> nachfolgend pr\u00e4gte).<\/p>\n<p>Zeitpr\u00e4ferenz bezeichnet das Ausma\u00df, in dem Marktakteure ihr Einkommen in der Gegenwart konsumieren oder sparen und investieren, um den k\u00fcnftigen Konsum auszuweiten. Ist die Zeitpr\u00e4ferenz hoch, wird aus dem laufenden Einkommen viel konsumiert und wenig gespart und investiert. Wird hingegen wenig verbraucht und viel gespart und investiert, so ist die Zeitpr\u00e4ferenz gering. Nimmt die Zeitpr\u00e4ferenz ab, so steigt das Sparangebot aus dem Einkommen. Die Investitionen nehmen zu, gleichzeitig sinkt der Zins, und die Wirtschaftsleistung nimmt zu. Eine Wirtschafts-expansion ist allerdings auch bei steigendem Zins m\u00f6glich: Und zwar dann, wenn die Investitionsnachfrage steigt, w\u00e4hrend die Zeitpr\u00e4ferenz der Sparer unver\u00e4ndert bleibt.<\/p>\n<p>Doch weil ein niedriger Zins in der Regel einem h\u00f6heren Zins vorgezogen wird, und weil der Wunsch vorherrscht, das Spar- und Investitionsangebot auszuweiten, ohne dass dies mit einem Einschr\u00e4nken des Konsums einhergeht, wird allgemein begr\u00fc\u00dft, wenn die Zentralbank den Zins auf ein m\u00f6glichst tiefes Niveau heruntermanipuliert und das Kredit- und Geldangebot \u201eflexibel\u201c anpasst.<\/p>\n<p>Der \u00d6konom <em>Friedrich August von Hayek<\/em> arbeitete insbesondere in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts jedoch heraus, dass das Ausweiten der Geldmenge per Kreditvergabe zu Wirtschaftsst\u00f6rungen, zu \u201eBoom-und-Bust\u201c-Zyklen f\u00fchrt. Denn dies f\u00fchrt zu einer inflation\u00e4ren Nachfrageausweitung, die die \u201eechte\u201c Ersparnis \u00fcbersteigt. Hayek analysierte, dass der Marktzins bei einer Geldmengenausweitung per Kreditvergabe notwendigerweise unter den \u201enat\u00fcrlichen Zins\u201c sinkt, und dass auf diese Weise Investitionen angesto\u00dfen w\u00fcrden, die ohne ein Absinken des Zinses nicht angegangen worden w\u00e4ren, und deren Wirtschaftserfolg vom fortgesetzten Herabdr\u00fccken des Zinses abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Abbildung 1<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/bipzins2.JPG\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"FED-Rate vs. Gold, Kredit und BIP\" src=\"\/wordpress\/bilder\/bipzins2.JPG\" alt=\"FED-Rate vs. Gold, Kredit und BIP\" width=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><small> <strong>Quelle:<\/strong> Thomson Financial, Bloomberg, eigene Berechnungen. Serien indiziert (1960Q1=100)<\/small><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeit besteht Erkl\u00e4rungsbedarf \u00fcber die wirklichen Ursachen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Die \u201eWiederentdeckung\u201c der Arbeiten von <em>B\u00f6hm-Bawerk<\/em>, <em>Hayek<\/em> und nat\u00fcrlich auch von <em>Ludwig von Mises<\/em> w\u00e4re ein positiver Beitrag, um die Diskussion \u00fcber die richtigen Ma\u00dfnahmen zur Krisenbew\u00e4ltigung anzureichern. Denn noch mehr Kredit und Geld, bereitgestellt zu tiefen Zinsen, wird die Probleme, f\u00fcr die zuviel Kredit und Geld, bereitgestellt zu tiefen Zinsen, gesorgt haben, nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Eine etwas andere Version des Beitrages ist am 13. M\u00e4rz 2011 unter dem Titel &#8222;Der Zins der \u00d6sterreicher&#8220; in der FAZ erschienen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Wissenschaft gibt es kumulativen, substitutiven und regressiven Erkenntnisfortschritt. 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