{"id":576,"date":"2009-02-19T07:15:22","date_gmt":"2009-02-19T06:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=576"},"modified":"2009-02-19T08:21:44","modified_gmt":"2009-02-19T07:21:44","slug":"keynes-ist-tot-es-lebt-der-vulgaerkeynesianismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=576","title":{"rendered":"Keynes ist tot. Es lebt der Vulg\u00e4rkeynesianismus!"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie Welt hat nur langsam begriffen, da\u00df wir dieses Jahr im Schatten eines der gr\u00f6\u00dften wirtschaftlichen Zusammenbr\u00fcche der neueren Geschichte leben. Aber w\u00e4hrend sich der Mann auf der Stra\u00dfe jetzt dessen bewu\u00dft ist, was geschah, ist er, in Unkenntnis \u00fcber das Warum und Woher, jetzt ebenso voll von vermutlich \u00fcbertriebenen \u00c4ngsten, w\u00e4hrend ihm ein Ma\u00df an vern\u00fcnftiger Furcht fehlte, als sich die ersten St\u00f6rungen zeigten\u201c. Dies schrieb John Maynard Keynes 1930 in einem gerade heute lesenswerten Beitrag \u201eDer gro\u00dfe Wirtschaftssturz von 1930\u201c. Und er f\u00fcgt an: \u201eheute haben wir uns in einen riesigen Wirrwarr verstrickt, haben gefehlt in der Herrschaft \u00fcber eine feinf\u00fchlige Maschine, deren Arbeitsweise wir nicht verstehen. Das Ergebnis ist, da\u00df unsere Wohlfahrtsm\u00f6glichkeiten ins Leere laufen, vielleicht f\u00fcr eine lange Zeit.\u201c<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dieser Original-Keynes ist aktuell \u2013 und doch akademisch fast tot. Stattdessen ist ein Keynesianismus politisch wieder am Leben, dessen Staatsgl\u00e4ubigkeit ausufernde \u00f6ffentliche Verschuldung, die hohen Inflationsraten sowie die steigende Arbeitslosigkeit der sp\u00e4ten 1970er Jahre herbeigef\u00fchrt haben. Die Sache ist verstrickt. Die hier vertretene, vielleicht zur Entwirrung beitragende, These lautet: Von Keynes k\u00f6nnen wir gerade heute wieder (methodisch) Einiges lernen, ohne die Fehler des Keynesianismus (politisch) wiederholen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Keynes und die Keynesianismen<\/strong><\/p>\n<p>Keynes war kein Keynesianer. Denn: <em>den<\/em> Keynesianismus gibt es nicht und hat es nie gegeben. Vielmehr nehmen unterschiedliche Interpreten f\u00fcr sich in Anspruch, die richtige Lesart des Keynesschen Verm\u00e4chtnisses zu verbreiten. Man wird sich wohl nie auf den ,wahren Keynes\u2019 einigen k\u00f6nnen. Schon der Meister selbst wechselte so h\u00e4ufig seine Meinungen, dass es sein akademischer Rivale Hayek just bei der Publikation der \u201eGeneral Theory\u201c (Keynes 1936) aufgab, sich weiter mit Keynes\u2019 \u201eWirrwarr\u201c auseinanderzusetzen und dies sp\u00e4ter als einen seiner gr\u00f6\u00dften Fehler bekannte. Innerhalb der verschiedenen Nachlassverwalter lassen sich grob eine neokeynesianische und eine postkeynesianische Str\u00f6mung unterscheiden, die sich wieder in weitere Unterstr\u00f6mungen aufspalten. \u201eNeokeynesianismus\u201c meint eine Ann\u00e4herung an den neoklassischen mainstream in Form der \u201eneoklassischen Synthese\u201c, die J.R. Hicks schon 1937 in Form des ber\u00fchmten IS\/LM Schemas formuliert hat. Noch heute begeistert viele Studierende und Politiker die Vorstellung, gesamtwirtschaftliche IS- oder LM- Kurven durch fiskal- und geldpolitische Expansion so weit nach rechts hinaus zu schieben, bis die Volkswirtschaft wieder im Vollbesch\u00e4ftigungs-Lot ist.<\/p>\n<p>\u201ePost-Keynesianer\u201c wiederum nennt sich ein bunter Haufen dem mainstream heftig widersprechender \u00d6konomen. Neben (Post-) Marxisten befinden sich hierunter auch radikale Subjektivisten wie der Hayek-Sch\u00fcler George L.S. Shackle. Gerade in seinem vom mainstream ignorierten Werk (z.B. Shackle 1972) kann man gut das epistemologisch fundiert wiederfinden, was schon Keynes \u2013 noch eher eklektisch \u2013  zur Erkl\u00e4rung von dauerhafter Unterbesch\u00e4ftigung und akuter Krise anf\u00fchrte: Radikale Unsicherheit der Investoren \u00fcber die Zukunft und ein dadurch angestachelter Herdentrieb k\u00f6nne die \u201eanimalischen Instinkte\u201c der Akteure anfangs in irrationale \u00dcber- und Fehlinvestitionen st\u00fcrzen. Sobald die tats\u00e4chliche \u201eGrenzleistungsf\u00e4higkeit des Kapitals\u201c aber den \u00fcberzogenen Ertragserwartungen nicht mehr hinterherkommt, entstehe extreme Verunsicherung, eine Art Schockstarre seitens der Akteure, die das Marktsystem in eine \u201eStockung\u201c versetze, aus der keine endogenen Kr\u00e4fte (Preisanpassungen) sobald heraushelfen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>In dieser Betonung der fundamentalen Unsicherheit f\u00fcr das Entstehen von Wirtschaftskrisen d\u00fcrfte der Kern dessen liegen, was heute noch an der Keynes\u201c\u02dcschen Theorie wichtig ist. Aufgrund ihrer Unsicherheit orientieren sich die Akteure an den Handlungen der anderen. Dies f\u00fchrt im Boom zu \u00fcberzogenem Optimismus und in der Krise zu \u00fcbertriebenem Pessimismus. Hier setzt nun auch Keynes\u2019 Therapie der Krisenbek\u00e4mpfung an: Wenn selbst ein Zinssatz von Null (wie inzwischen seitens der US-Notenbank gesetzt) aufgrund pessimistischer Erwartungen die Investoren nicht zum Investieren und die Konsumenten nicht zum Kaufen anregen kann (\u201eLiquidit\u00e4tsfalle\u201c), m\u00fcsse der Staat durch eigene Ausgabenprogramme selbst f\u00fcr Nachfrage sorgen. Die Aktualit\u00e4t der psychologischen Krisenerkl\u00e4rung ist offenkundig. Kaum jemand wird bestreiten wollen, dass der Herdentrieb entscheidenden Anteil an der Subprime-Krise hatte. Die Notwendigkeit einer (vulg\u00e4r-) keynesianischen Therapie folgt hieraus aber noch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eBastard-\u201e und Vulg\u00e4rkeynesianismus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Schon f\u00fcr den \u201epost-hicks\u2019schen\u201c \u201eNeokeynesianismus\u201c, der versuchte, Keynes in ein neoklassisches Gleichgewichtskonzept bei im Prinzip flexiblen Preisen und L\u00f6hnen zu integrieren und genau die \u201eweichen\u201c psychologischen und institutionellen Rahmenbedingungen in das Prokrustesbett des extern \u201eGegebenen\u201c zu verbannen, hatte Keynes\u201c\u02dc Kollegin Joan Robinson das wenig schmeichelhafte Urteil eines \u201eBastardkeynesianismus\u201c parat. Es f\u00fchrte zu weit, sich in diesen Familienstreit einzumischen. Stattdessen kann man den Begriff des \u201eVulg\u00e4rkeynesianismus\u201c f\u00fcr diejenigen akademischen IS-LM Verschieber und konstruktivistischen Politiker nutzen, die dachten, Keynes\u201c\u02dc Werk im Zeitgeist des Machbarkeitswahns der 1960er und -70er darauf reduzieren zu k\u00f6nnen, eine Anleitung f\u00fcr eine nach allen Regeln der Ingenieurskunst zu betreibende Globalsteuerung zu liefern.<\/p>\n<p>Warum diese Ingenieursphantasie damals nicht hat aufgehen k\u00f6nnen, haben Generationen von \u00fcberwiegend neoklassischen \u00d6konomen seit den 1980er Jahren \u00fcberzeugend begr\u00fcndet. In der akademischen Diskussion d\u00fcrfte die \u201eRevolution\u201c der Theorie rationaler Erwartungen am wirkungsvollsten gewesen sein. Demnach besteht, vereinfachend gesagt, ein von realwirtschaftlichen (Angebots-) Faktoren bestimmtes gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht, an dem keynesianisch inspirierte Politiker nichts dauerhaft \u00e4ndern k\u00f6nnen, da sie von rationalen Wirtschaftsakteuren durchschaut werden. Diese werden erkennen, dass den durch expansive Geldpolitik gestiegenen Nominall\u00f6hnen und Preisen keine realen und dauerhaften \u00c4nderungen der Marktbedingungen zugrunde liegen. Deshalb werden sie als Arbeitnehmer auch nicht mehr verbrauchen und als Unternehmer auch nicht mehr investieren. Expansive Geldpolitik wirkt bestenfalls kurzfristig und das auch nur, wenn sie als \u00dcberraschung daherkommt. Langfristig bleibt nur die Inflation. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei expansiver Fiskalpolitik. Eine durch Verschuldung finanzierte Ausdehnung der Staatsausgaben wird von den Steuerzahlern durchschaut als einfache Verschiebung der eigenen Steuer- und Zinslasten auf sp\u00e4tere Perioden. Derlei Konjunkturprogramme m\u00f6gen kurzfristig Strohfeuer entz\u00fcnden. Langfristig bleibt die verbrannte Erde der Staatsverschuldung und h\u00f6herer Zinsen, die private Investitionen verteuern (\u201ecrowding out\u201c).<\/p>\n<p>Inflation und Verschuldung statt Wachstum und Besch\u00e4ftigung: Das waren auch die empirisch demonstrierten Ergebnisse vulg\u00e4r-keynesianischer Wirtschaftspolitik der 1960er und 1970er Jahre. Dies bedeutet aber nicht, dass Keynes\u201c\u02dc Theorie der Krisenerkl\u00e4rung deshalb widerlegt w\u00e4re. Umgekehrt kann man \u201ekeynesianisch\u201c fragen, wie mithilfe einer Theorie rationaler Erwartungen die aktuelle Krise erkl\u00e4rt werden k\u00f6nnte \u2013 zumal sehr \u00e4hnliche \u00dcberinvestitionsblasen erst vor kurzer Zeit (Japan 1991, new economy 2001) schmerzhaft geplatzt sind, sodass selbst eine Theorie adaptiver Erwartungen (Lernen aus Erfahrung) \u2013 eine schw\u00e4chere Form \u201erationaler Erwartungen\u201c \u2013 einiges zu erkl\u00e4ren h\u00e4tte. Eine neoklassische Theorie, die davon ausgeht, dass die Wirtschaftsakteure k\u00fcnftige Ereignisse (zumindest im Durchschnitt, und effizient kontrolliert durch scheinbar enorm informations-effiziente Kapitalm\u00e4rkte) korrekt vorhersehen, mag das Versagen vulg\u00e4r-keynesianischer Politiken theoretisch erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Als Verhaltenstheorie rationaler Erwartungen wird sie aber durch die wiederkehrende Entstehung von Spekulationsblasen selbst empirisch widerlegt.<\/p>\n<p>Deshalb verdienen einige wichtige Erkenntnisse von Keynes wieder Beachtung, der darauf hinweist, dass eine reine Logik rationaler Wahl bei perfekt ger\u00e4umten M\u00e4rkten eine letztlich ebenso k\u00fchne Phantasie ist wie die Vorstellung, man k\u00f6nne die Gesetze des Marktes und der \u201eLeidenschaft des Gelderwerbs\u201c auf beliebige Weise ignorieren. Soviel zum Grunds\u00e4tzlichen. Nun zum Aktuellen und damit zur Frage des \u201eWarum und woher\u201c der aktuellen Krise.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eKeynesianische Situation\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Kritiker von Keynes haben darauf hingewiesen, dass seine \u201eGeneral Theory\u201c, alles andere als \u201eallgemein\u201c, sondern recht speziell sei. Keynes versuchte, die \u201estillschweigenden Voraussetzungen\u201c der klassischen Theorie (vor allem Vollbesch\u00e4ftigung), die \u201enur selten oder nie erf\u00fcllt sind\u201c, sowohl zu relativieren als auch mit Staatshilfe herbeizuf\u00fchren. Dabei ging er freilich selbst von Voraussetzungen aus, die zum einen sehr spezifisch die Ausnahmesituation der \u201egro\u00dfen Depression\u201c nach 1929 beschreiben, und \u00fcber deren historische Ausl\u00f6ser zum anderen auch konkurrierende \u00f6konomische Erkl\u00e4rungsmuster plausibel erscheinen (z.B. noch eher \u201ekeynesianisch\u201c: Galbraith 1955, deutlich \u201emonetaristischer\u201c: Friedman \/Schwartz 1966, oder noch \u201emarkt-liberaler\u201c: Rothbard 1963).<\/p>\n<p>Auch der klassische Gelehrtenstreit \u00fcber die Gr\u00fcnde der Gro\u00dfen Depression kann hier nicht rekapituliert und noch weniger entschieden werden. Interessant bleibt aber die Frage: Ist die damalige Weltwirtschaftskrise mit der heutigen vergleichbar? Aus heutiger Sicht kann man den Vergleich zur \u201egro\u00dfen Depression\u201c nur als alarmistisch bezeichnen. Damals ging in den USA oder in Deutschland das Sozialprodukt um \u00fcber 30% zur\u00fcck, und von Arbeitslosigkeit waren jeweils mehr als 30% der Arbeitsbev\u00f6lkerung betroffen. Ungeachtet dieser wohl heute kaum zu gew\u00e4rtigenden Dimensionen k\u00f6nnten immer noch (a) die Ausl\u00f6ser, (b) die aktuellen Symptome und (c) die notwendigen Rettungsma\u00dfnahmen der aktuellen Krise keynesianisch gedeutet werden.<\/p>\n<p>Die Ausl\u00f6ser der Krise weisen zur \u201ekeynesianischen Situation\u201c freilich am aller wenigsten Vergleichbarkeiten auf. Bekanntlich ging Keynes von einer Krisensituation aus, die in den fr\u00fchen 1930er Jahren <em>zun\u00e4chst<\/em> durch das Zusammentreffen von \u00e4ngstlicher Unsicherheit sowohl der Konsumenten als auch der Investoren erkl\u00e4rt werden kann \u2013 und durch das nach der B\u00f6rsenkrise gew\u00e4hlte \u201epolicy-mix\u201c aus kontraktiver Geld- und Fiskalpolitik und protektionistischer Handelspolitik zur Weltwirtschaftskrise geriet. In den USA, wo die aktuelle Krise ihren klar bestimmbaren Ursprung nahm, herrschte genau das Gegenteil: eine vor allem durch eine expansive Politik des billigen Geldes erm\u00f6glichte und von ausl\u00e4ndischem Kredit bef\u00f6rderte Konsum- und Investitionsneigung, die seitens der Privaten und des Staates zu Ausgaben reizte, die durch eigene Ersparnisse schon lange nicht mehr nachhaltig gedeckt waren. Die Verschuldungsquote der Privathaushalte der USA stieg von 50 Prozent des Bruttosozialprodukts (1980) auf etwa 100 Prozent im Jahr 2006. Von keynesianischem \u201eAngstsparen\u201c kann da sicherlich keine Rede sein. Auch f\u00fcr die Staatsausgaben in den USA (und anderswo) galt schon lange das Motto: \u201espend now, pay later\u201c. Beides bildete sich im enormen Leistungsbilanzdefizit der USA ab, in einem vulg\u00e4r-keynesianischen Verbrauch \u201eauf Pump\u201c, der von ausl\u00e4ndischen (nicht zuletzt: chinesischen) Krediten finanziert wurde.<\/p>\n<p>Im Ergebnis kann man, grob, festhalten, dass genau die Mittel und Wege, die nach keynesianischer Rezeptur den Weg <em>aus<\/em> der Krise von 1930 f\u00fchren sollten, diesmal den Weg <em>in<\/em> die Krise von 2008 gef\u00fchrt haben. Aktuell kann man zudem bef\u00fcrchten, dass die (vulg\u00e4r-) keynesianischen Rezepturen aus der Krise von 2008 mit den Wegen in die aktuelle Krise nahezu identisch sind, und damit die n\u00e4chste Blase schon wieder mit billigem Geld, ungedecktem Kredit, staatlicher Investitionslenkung und mangelnder Haftung f\u00fcllen (vgl.\u00c2\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.internationalepolitik.de\/archiv\/jahrgang-2008\/dezember2008\/asche-auf-ihrem-haupt.html\" target=\"_blank\">meinen<\/a> Beitrag an anderer Stelle).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Politikversagen als Ausl\u00f6ser der aktuellen (und wohl auch der n\u00e4chsten) Krise<\/strong><\/p>\n<p>Hierzu wurde in diesem Blog schon viel geschrieben. Drum hierzu nur noch eine grobe, vielleicht zum Streit der \u00f6konomischen Schulen anstiftende, Einordnung: Expansive Geldpolitik ist f\u00fcr Neo-Keynesianer des einfachen Makro-Lehrbuchs (weit mehr als f\u00fcr Keynes selbst) ein probates Mittel, um die LM-Kurve nach rechts zu verschieben, bis Vollbesch\u00e4ftigung wieder (und sei es auch nur ann\u00e4hernd) erreicht sei. F\u00fcr neoklassische Protagonisten der \u201erationalen Erwartungen\u201c ist dies bestenfalls nutzlos. F\u00fcr \u201e\u00d6sterreicher\u201c (Mises, Hayek) ist die \u00dcberflutung mit Zentralbankgeld und Zirkulationskrediten (Geldsch\u00f6pfung im Bankensektor) dagegen genau der kritische Ausl\u00f6ser immer wiederkehrender \u00dcber- und Fehlinvestitions-Blasen, die zwangsl\u00e4ufig schmerzhafte Krisen herbeif\u00fchren m\u00fcssen (hierzu auch den <a href=\"http:\/\/hayek.genesisware.de\/images\/pdf\/starbatty_vortrag_12_2007.pdf\" target=\"_blank\">Beitrag<\/a> von Joachim Starbatty).<\/p>\n<p>Dies sollte \u2013 bei allen technischen Unfeinheiten im Detail einer leicht verstauben \u201e\u00f6sterreichischen\u201c Konjunkturtheorie \u2013 genau die Theorien einer echten Renaissance und Modernisierung empfehlen, die in \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Geldsch\u00f6pfung und staatlicher Investitionslenkung die Ausl\u00f6ser von \u00dcberinvestitions-Krisen vermuten. Das hat wenig mit Ideologie zu tun. Im Stile eines \u2013 gleichzeitig marktliberale Rhetorik vertretenden \u2013 \u201eBastardkeynesianers\u201c flutete schlie\u00dflich Alan Greenspan die M\u00e4rkte immer dann mit Liquidit\u00e4t, wenn ein Abschwung zu bef\u00fcrchten war. Dabei war es sp\u00e4testens nach der New Economy-Blase offenkundig, dass die \u00fcberschuldete US-amerikanische Volkswirtschaft eine \u201eReinigungskrise\u201c h\u00e4tte durchlaufen m\u00fcssen, um notwendige Strukturanpassungen zu vollziehen. Nur: warum haben es so wenige \u00d6konomen gesehen (und gesagt)?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00d6konomenversagen?<\/strong><\/p>\n<p>Man hat es zur Zeit nicht leicht als \u00d6konom. Schlie\u00dflich erwartet das Publikum der nichtprofessionellen \u00d6konomen (Geldanleger, Steuerzahler, W\u00e4hler, Publizisten oder etwa Bundeswirtschaftsminister) von den \u201eExperten\u201c, dass diese es besser h\u00e4tten gewusst haben m\u00fcssen. Wenn dies so w\u00e4re, m\u00fcssten die besten \u00d6konomen auch die erfolgreichsten Geldanleger oder Hedgefonds-Manager sein. Das ist wohl nicht der Fall (der Nobelpreistr\u00e4ger Myran Scholes hat bekanntlich ein Modell entwickelt, nach dem der Fonds LTCM operierte, dessen Verlust von \u00fcber 4 Milliarden US-Dollar 1998 eine Finanzkrise ausl\u00f6ste). Risikoloser spekuliert es sich auf dem Wege der Kunden- oder Politikberatung mit dem Geld anderer. Dies gilt vielleicht auch f\u00fcr die letztlich \u00fcberwiegend von Steuerzahlern finanzierte \u00d6konomik selbst.<\/p>\n<p>Wenn etwa Paul Krugman einr\u00e4umt, er habe die Krise so auch nicht vorhergesehen, ehrt ihn dies. Wenn er gleichzeitig in seinem Blog (14.12.2008) verbreitet, ein (wie auch immer konzipiertes) Europa-weites, schuldenfinanziertes Konjunkturpaket habe einen Multiplikator von exakt 2,23, muss man sich fragen, woher nun wiederum dieses \u00fcberlegene Wissen stammen soll, das uns schon bei der Vorhersicht der gro\u00dfen Krise seltsam abhanden gekommen sein muss. Da w\u00e4re der oben zitierte Keynes (\u201ewir haben gefehlt in der Herrschaft \u00fcber eine feinf\u00fchlige Maschine, deren Arbeitsweise wir nicht verstehen\u201c) in seiner (zugegeben nicht gerade typischen) Demut glaubw\u00fcrdiger. Die aktuelle Krise ist vielleicht auch ein chancenreicher Anlass, sich der eigenen Unsicherheit, sei es nun \u201epost-keynesianisch\u201c oder \u201ehayekianisch\u201c erneut zu vergewissern: \u201eWenn wir das Ansehen der Wissenschaft erhalten und die Anma\u00dfung von Wissen, die auf einer oberfl\u00e4chlichen \u00c4hnlichkeit des Verfahrens mit dem der exakten Naturwissenschaften gr\u00fcndet, verhindern wollen, wird viel M\u00fche auf die Entlarvung solcher Anma\u00dfungen aufgewendet werden m\u00fcssen, von denen manche jetzt schon gesch\u00fctzte Interessen anerkannter Lehrf\u00e4cher geworden sind\u201c (Hayek 1975).<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Friedman, M., A, Schwartz (1963)<\/strong>, <em>A Monetary History of the United States, 1867 \u2013 1960<\/em>, Princeton.<br \/>\n<strong>Galbraith, J.K. (1955)<\/strong>, <em>The Great Crash: 1929<\/em>, London.<br \/>\n<strong>Hayek, F.A.v (1975)<\/strong>, <em>Die Anma\u00dfung von Wissen<\/em>, Stockholm.<br \/>\n<strong>Keynes, J.M. (1930)<\/strong>, <em>Der gro\u00dfe Wirtschaftssturz von 1930<\/em>, in: Politik und Wirtschaft, ausgew\u00e4hlte Abhandlungen von John Maynard Keynes, T\u00fcbingen 1954.<br \/>\n<strong>Keynes, J.M. (1936)<\/strong>, <em>Allgemeine Theorie der Besch\u00e4ftigung, des Zinses und des Geldes<\/em>, Berlin.<br \/>\n<strong>Rothbard, M. (1963)<\/strong>, <em>America\u2019s Great Depression<\/em>, Princeton.<br \/>\n<strong>Shackle, G.L.S. (1972)<\/strong>, <em>Epistemics and Economics. A Critique of Economic Doctrines<\/em>, Cambridge.<\/p>\n<p><strong><em>Danksagung:<\/em><\/strong><br \/>\n<em>Viele der hier ge\u00e4u\u00dferten Ideen habe ich gemeinsamen Arbeiten mit Joachim Zweynert zu verdanken. In unserem Artikel in der <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/wirtschaft\/aktuell\/wie_steht_es_mit_dem_comeback_des_keynesianismus_1.1707953.html\" target=\"_blank\">NZZ<\/a> etwa herrscht der gleiche Tenor; dazu wird noch ein wohlverstandener \u201eNeo-Liberalismus\u201c als Gegenentwurf skizziert. <\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie Welt hat nur langsam begriffen, da\u00df wir dieses Jahr im Schatten eines der gr\u00f6\u00dften wirtschaftlichen Zusammenbr\u00fcche der neueren Geschichte leben. Aber w\u00e4hrend sich der &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=576\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eKeynes ist tot. 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