{"id":5803,"date":"2011-03-30T00:01:24","date_gmt":"2011-03-29T23:01:24","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5803"},"modified":"2011-03-30T05:56:37","modified_gmt":"2011-03-30T04:56:37","slug":"euro-laender-oder-finanzkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5803","title":{"rendered":"Euro-, L\u00e4nder- oder Finanzkrise?"},"content":{"rendered":"<p>Die \u201eEurokrise\u201c nimmt kein Ende. Der permanente Euro-Rettungsschirm hat das Vertrauen des deutschen B\u00fcrgers in die gemeinsame W\u00e4hrung weiter ersch\u00fcttert. Auch wenn weiter unklar bleibt, welche Kosten \u00fcber den Rettungsschirm, Abschreibungen auf den Wertpapierbestand der Europ\u00e4ischen Zentralbank oder Inflation realisiert werden, zeichnen sich diese deutlicher ab und k\u00f6nnten am Ende in der Gr\u00f6\u00dfenordnung der deutschen Wiedervereinigung liegen. Die Kritik an der gemeinsamen europ\u00e4ischen W\u00e4hrung gewinnt an Fahrt und die Flucht in Sachwerte hat eingesetzt.  Doch retten wir mit dem Bailout von Griechenland, Irland und Co. den Euro oder unser Finanzsystem? Und w\u00e4re es mit der guten alten DM besser gelaufen?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die anhaltenden Spannungen in der europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion werden weithin als \u201eEurokrise\u201c tituliert. Die Rettungsaktionen seien alternativlos, um ein Auseinanderfallen der Eurozone zu verhindern. In der Tat hat die Krise die Geburtsfehler des Eurosystems offen gelegt. Die Konvergenzkriterien wurden lax ausgelegt, die Stabilit\u00e4tskultur ist nicht gesichert, politische und fiskalische Integration hinken, das Verhalten bestimmt die Regeln und der Wille zu flexiblen Arbeitsm\u00e4rkten fehlt. Zudem habe der Euro, so j\u00fcngste Forschungsergebnisse, die Kapitalfl\u00fcsse an die Peripherie des Eurogebiets beg\u00fcnstigt und damit die Krise erst erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Obwohl die Kritik am Euro berechtigt ist, ist die Krise keine Eurokrise, sondern eine L\u00e4nder- und Finanzkrise. Denn die oft kritischen Auslandsforderungen des deutschen Finanzsystems (siehe Abbildung 1) sind seit der Jahrtausendwende unabh\u00e4ngig vom Euro entstanden. Ausl\u00f6ser waren die Bem\u00fchungen Deutschlands nach Ende des Wiedervereinigungsbooms die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der deutschen Industrie wiederherzustellen und die europ\u00e4ischen Richtwerte bei der Staatsverschuldung wieder einzuhalten. Die sehr expansive Geldpolitik der USA spielte eine wichtige Rolle, weil sie global Fehlspekulationen potenzierte.<\/p>\n<p>Seit Mitte der 90er Jahre tr\u00fcbten in Deutschland die private und \u00f6ffentliche Lohnausterit\u00e4t die Stimmung beim Konsum. Die steigende gesamtwirtschaftliche Ersparnis wurde zun\u00e4chst durch den New Economy Boom absorbiert. Nach dem Platzen der Blase im Jahr 2000 wurde das Kapital in bisher unbekannten Dimensionen vom deutschen Bankensektor ins Ausland exportiert. Die deutschen Kapitalexporte wurden  durch die Zinssenkungen der Europ\u00e4ischen Zentralbank beg\u00fcnstigt. Diese fielen nach dem Platzen der New-Economy-Blase nicht zuletzt aufgrund massiver Zinssenkungen der US-Fed besonders deutlich aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Abbildung 1: Nettoauslandsforderungen Deutschland <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/ford_aus.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Nettoauslandsforderungen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/ford_aus.jpg\" alt=\"Nettoauslandsforderungen\" width=\"340\" \/><\/a><br \/>\n<small> <strong>Quelle:<\/strong> IWF <\/small><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Die Zielrichtung der risikoreichen Kapitalexporte war vom Euro unabh\u00e4ngig. Deutsches Kapital beteiligte sich am US-Hypothekenmarktboom, \u00dcberinvestition und Spekulation in Mittel- und Osteuropa und eben an \u00dcberkonsum und Spekulation in einigen Eurol\u00e4ndern. Mit der globalen Finanzkrise wurden seit 2008 die Verluste auf unterschiedliche Weise realisiert. In Verlauf der US-Hyptohekenmarktkrise wurden die Abschreibungen sehr schnell in den Bilanzen der Finanzinstitute (IKB, Sachsen LB, Hypo Real Estate, Commerzbank und etliche Landesbanken etc.) deutlich. \u00d6ffentliche Garantien, Finanzspritzen und Verstaatlichung dienten als Stabilisierungsinstrumente und trieben die Staatsverschuldung in die H\u00f6he. In Mittel- und Osteuropa wurden im Rahmen der Vienna Initiative die westeurop\u00e4ischen Banken von IWF, Europ\u00e4ischer Aufbaubank und Europ\u00e4ischer Kommission dazu bewegt ihre Kredite aufrecht zu erhalten und Tochterunternehmen in der Region zu rekapitalisieren. Wer die Kosten der Krise tr\u00e4gt, die aufgrund von \u00dcberinvestition, Immobilienspekulation und nicht-produktivit\u00e4ts-orientierten Lohnerh\u00f6hungen entstanden sind, bleibt unklar.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Eurostaaten wurde nun ein Rettungsschirm aufgespannt, der ebenso intransparent ist. Erstens bleibt unbekannt, welche Banken welche Risiken eingegangen sind. Damit d\u00fcrften mit dem Rettungsschirm auch internationale Verteilungswirkungen verbunden sein, wenn beispielsweise wie im Falle Griechenlands franz\u00f6sische Banken ohne Rettungsschirm mehr Verluste realisieren w\u00fcrden als deutsche Banken. Allerdings d\u00fcrften aufgrund der beispiellosen Nettokapitalexporte Deutschlands (Abbildung 1) am Ende insbesondere deutsche Banken profitieren. Zweitens, werden die nationalen L\u00e4nder- und Finanzkrisen, die ohne den Rettungsschirm zweifellos anstehen w\u00fcrden, als Eurokrise getarnt.<\/p>\n<p>W\u00e4re Deutschland mit einer eigenst\u00e4ndigen Geldpolitik zu besseren Politikl\u00f6sungen gelangt? Zwar h\u00e4tte eine nicht im Eurosystem integrierte Deutsche Bundesbank wohl keine minderwertigen Staatsanleihen in ihrer Bilanz aufget\u00fcrmt. Doch w\u00fcrde eine neue Finanzkrise und damit ein deutlicher Anstieg der Staats-verschuldung den Druck auf die Zentralbank zu Zinssenkungen steigen lassen. Auf den G\u00fcterm\u00e4rkten w\u00e4re eine stabile DM nicht nur dem Aufwertungsdruck gegen\u00fcber dem Dollar ausgesetzt, sondern die deutsche Exportindustrie h\u00e4tte auch unter den Abwertungen der europ\u00e4ischen Partnerl\u00e4nder zu leiden. Zudem w\u00e4ren spekulative Wetten auf die Aufwertung der DM m\u00f6glich, die einen global und europ\u00e4isch isolierten stabilit\u00e4tsorientierten Kurs Deutschlands sehr schwer machen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die USA, Japan und dann auch der Rest Europas die geldpolitischen Schleusen \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Der Blick zur\u00fcck in die 70er Jahre, als ein vergleichbares Umfeld wie heute herrschte, macht dies deutlich. Damals blieben zwar dank der unabh\u00e4ngigen, stabilit\u00e4tsorientierten Deutschen Bundesbank die Inflationsraten Deutschlands unter denen der USA und der europ\u00e4ischen Partnerl\u00e4nder. Aber sie stiegen deutlich \u2013 getrieben von Krisen \u2013 \u00fcber das Niveau der 60er Jahre an. Deshalb ist fraglich, ob in einem Umfeld einer von den USA und Japan ausgehenden globalen Liquidit\u00e4tsschwemme, ein geldpolitischer Alleingang Deutschlands m\u00f6glich w\u00e4re. Zwar k\u00f6nnte ein Inflationsniveau realisiert werden, das etwas unter dem anderer Industriel\u00e4nder liegt, doch ist fraglich, ob das einen Ausstieg aus dem Euro rechtfertigen w\u00fcrde. Denn das gemeinsame W\u00e4hrungsgebiet hilft, die Folgens des Aufwertungsdrucks, der von der globalen Liquidit\u00e4tsschwemme ausgeht, abzufedern.<\/p>\n<p>Dennoch wiegt eine Kritik am Eurorettungsschirm schwer. Dieser verschleiert nicht nur die Verursacher der Krise, sondern ist auch der Einstieg in die Transferunion. Denn er realisiert nicht nur die ohnehin f\u00fcr den deutschen Steuerzahler unvermeidbaren Spekulationsverluste der deutschen Banken, sondern er schreibt die Kosten auch in die Zukunft fort. Auch wenn dies im Interesse des deutschen Exportsektors liegen mag, ist dies insbesondere aus Sicht des deutschen Steuerzahlers ein ordnungspolitischer S\u00fcndenfall.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eEurokrise\u201c nimmt kein Ende. Der permanente Euro-Rettungsschirm hat das Vertrauen des deutschen B\u00fcrgers in die gemeinsame W\u00e4hrung weiter ersch\u00fcttert. 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