{"id":584,"date":"2009-02-16T07:26:16","date_gmt":"2009-02-16T06:26:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=584"},"modified":"2026-04-28T09:05:02","modified_gmt":"2026-04-28T08:05:02","slug":"terra-incognita-wirtschaftskrise-und-unterneh-mertum-vergesst-staatliche-ausgabenprogramme-lasst-unternehmer-unternehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=584","title":{"rendered":"Terra incognita, Wirtschaftskrise und Unternehmertum <br\/><font size=3; color=grey>Vergesst staatliche Ausgabenprogramme, lasst Unternehmer unternehmen<\/font>"},"content":{"rendered":"<p>Die Weltwirtschaft steht auf der Kippe. Unternehmen brechen die Auftr\u00e4ge weg, in manchen Branchen drastisch. Im Anlage- und Maschinenbau st\u00fcrzten im Dezember die Auftr\u00e4ge um \u00fcber 40 % ab. Eine tiefe Rezession scheint unausweichlich. Unternehmen drosseln die Produktion, Kurzarbeit nimmt zu, die Arbeitslosigkeit steigt an. Viele Blicke richten sich nun auf die Politik, sie soll es richten. Und sie nutzt die Gunst der Stunde. Notenbanken \u00f6ffnen weltweit die geldpolitischen Schleusen, Regierungen gehen fiskalpolitisch in die Vollen, ordnungspolitische Grundprinzipien werden au\u00dfer Kraft gesetzt, Protektionismus wird wieder hoff\u00e4hig. \u00dcberall ist der Staat auf dem Vormarsch. Die staatliche Verschuldung erreicht schwindelerregende H\u00f6hen, zuk\u00fcnftige Generationen stehen vor einem Scherbenhaufen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Terra incognita<\/strong><\/p>\n<p>Was wir gegenw\u00e4rtig erleben, ist mehr als ein konjunktureller <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=387\">Einbruch<\/a>. Schon seit langem schleppt die Weltwirtschaft vielf\u00e4ltige Strukturprobleme mit sich herum, deren L\u00f6sung auf die lange Bank geschoben wurde. Mit der Finanzkrise und dem politischen Umgang mit ihr erh\u00f6hte sich zu allem \u00dcbel auch noch die wirtschaftliche Unsicherheit drastisch. Das macht es Haushalten und Unternehmen schwerer, nicht leichter den strukturellen Wandel zu meistern. Doch damit nicht genug. Strukturkrisen sind gegen konjunkturpolitische Ma\u00dfnahmen weitgehend immun. Auf diesem Weg l\u00e4sst sich die Weltwirtschaftskrise nicht nachhaltig bek\u00e4mpfen. Ohne tatkr\u00e4ftige Hilfe der M\u00e4rkte fehlt den staatlichen Konjunkturspritzen der entscheidende Wirkstoff. Im schlimmsten Fall l\u00e4hmen sie die Selbstheilungskr\u00e4fte des Marktes.<\/p>\n<p>Die Weltwirtschaft ist strukturell tief im Ungleichgewicht. National treiben immer produktivere Produktionsfaktoren und heterogenere Pr\u00e4ferenzen den strukturellen Wandel. Die Finanzkrise offenbarte, der finanzielle Sektor ist zu gro\u00df, er produziert teilweise unverk\u00e4ufliche G\u00fcter. Weniger risikofreudige Anleger fragen heute andere, scheinbar sicherere, staatliche Finanzprodukte nach. Der Bedarf an sektoraler Anpassung nimmt zu. International existiert ein gravierendes weltweites Ungleichgewicht in den Leistungsbilanzen zwischen \u00dcberschuss- und Defizitl\u00e4ndern. Der notwendige Abbau ver\u00e4ndert die sektoralen Strukturen zwischen handelbaren und nicht-handelbaren G\u00fctern. Die Finanzkrise legte das gewaltige Strukturproblem der Weltwirtschaft offen.<\/p>\n<p>Ein erheblicher Teil der knappen Ressourcen ist gegenw\u00e4rtig weltweit wenig produktiv eingesetzt. Die Verwerfungen im aufgeblasenen Finanzsektor sind nur die Spitze des Eisberges. Auch die Immobilienbranche einiger L\u00e4nder und der Automobilsektor sind verzerrt. Wachstum und Wohlstand steigen nur, wenn es gelingt, suboptimal eingesetzte Faktoren effizienter zu verwenden. Unklar ist allerdings, welches die zukunftstr\u00e4chtigen Wirtschaftszweige sind. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Politik nicht in der Lage ist, dieses Informationsproblem auch nur einigerma\u00dfen effizient zu l\u00f6sen. Sie ma\u00dft sich Wissen an, das sie nicht haben kann und auch nicht hat. In marktwirtschaftlichen Ordnungen f\u00e4llt diese Aufgabe privaten Unternehmen zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Unternehmer als Entdecker<\/strong><\/p>\n<p>Ein effizienter struktureller Wandel ist schon in normalen Zeiten nicht einfach. In diesen Zeiten, in denen nichts mehr so ist wie zuvor, gleicht er einer Herkulesaufgabe. Die Finanzkrise hat Risiken und Unsicherheiten erh\u00f6ht. Bis zum Lehman-Desaster war es unvorstellbar, dass ein Finanzinstitut dieser Gr\u00f6\u00dfe zusammenbrechen k\u00f6nnte. Mit der Insolvenz wurde schlagartig klar, dass es sich nicht um \u00f6konomisch beherrschbare, versicherbare Risiken (known unknowns), sondern um eine Knight\u2019sche Unsicherheit (unknown unknowns) handelt, f\u00fcr die es keine Erfahrungswerte gibt. Die wirtschaftlichen Akteure bewegen sich im strukturellen Wandel quasi auf unbekanntem, nicht kartiertem Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p>Private Unternehmer k\u00f6nnen als Treiber des strukturellen Wandel helfen, sie tragen wirtschaftliche <a href=\"http:\/\/www.vwl.uni-wuerzburg.de\/fileadmin\/12010400\/diskussionsbeitraege\/dp89.pdf\">Unsicherheiten<\/a>. Als Spezialisten f\u00fcr die Zukunft versuchen sie, \u00f6konomische Entwicklungen richtig vorherzusagen, gehen nicht kalkulierbare Risiken ein und ver\u00e4ndern die Welt mit ihren Entscheidungen. Dabei nehmen sie uns allen wirtschaftliche Unsicherheiten ab. Sie entdecken neue knappe Ressourcen, neue Pr\u00e4ferenzen der Nachfrager und neue technologische M\u00f6glichkeiten. Erfolgreich sind Unternehmer, wenn sie die W\u00fcnsche der Nachfrager richtig antizipieren und knappe Ressourcen effizient nutzen, sie zu befriedigen. Liegen sie daneben, erleiden sie Verluste, im schlimmsten Fall gehen sie Pleite und verschwinden von der Bildfl\u00e4che.<\/p>\n<p>Unternehmer stellen den Status quo immer wieder in Frage. Sie verlassen alte, ausgetretene Trampelpfade. Sind sie erfolgreich, \u00fcbernehmen sie \u00f6konomische Unsicherheiten und gestalten die Welt neu. Das \u00f6konomische Risiko dabei ist allerdings gro\u00df, die meisten scheitern. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten wie diesen sind private Unternehmer unabdingbar, um aus der Krise zu kommen. Die Finanzkrise wirft ihnen derzeit allerdings Kn\u00fcppel zwischen die Beine. Nur sehr eingeschr\u00e4nkt funktionierende Finanzm\u00e4rkte erschweren die kredit\u00e4re Finanzierung riskanter unternehmerischer Expeditionen ins wirtschaftliche \u201eterra incognita\u201c. Der strukturelle Wandel ger\u00e4t ins Stocken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Politik als Expeditionsleiter?<\/strong><\/p>\n<p>Die Politik fackelt nicht lange. Sie \u00fcbernimmt die Leitung der Expedition, ohne wirklich aufzubrechen. Eine expansive Fiskalpolitik soll das Schlimmste verhindern, den Absturz ins wirtschaftliche Niemandsland. Erfolg hat sie, wenn es ihr gelingt, wirtschaftliche Unsicherheiten zu verringern und Ressourcen produktiver einzusetzen. Beides ist fraglich. Eine expansive Fiskalpolitik zementiert den Status quo. Die Politik setzt die Mittel dort ein, wo es wirtschaftlich lichterloh brennt. Das sind oft die Sektoren, die &#8211; in ihrer gegenw\u00e4rtigen Form &#8211; ihre Zukunft bereits hinter sich haben, wie etwa die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft oder der Finanzsektor. Kein Wunder, dass in den notleidenden Branchen die Akteure oft mehr auf der effizienzverschlingenden Jagd nach staatlichen als nach \u00f6konomischen Renten sind. Die Probleme des strukturellen Wandels bleiben ungel\u00f6st.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich h\u00e4lt die Politik nicht nur am Status quo fest, sie versucht auch, die \u00d6konomie in ihrem Sinne zu restrukturieren. Wenn sie schon das viele Geld der Anderen ausgibt, so die offizielle Vorstellung, dann soll es m\u00f6glichst in zukunftstr\u00e4chtige Bereiche flie\u00dfen. Kommt es dabei ihrer <a href=\"http:\/\/www.independent.org\/blog\/?p=1118\">Klientel<\/a> zugute, um so besser. Heute ist \u201egr\u00fcne\u201c Industriepolitik en vogue, morgen ist eine andere Branche politisch in Mode. Weder Politik noch private Unternehmen wissen, welche Branchen eine Zukunft haben. Allerdings sind private Investoren n\u00e4her an den M\u00e4rkten. Nimmt ihnen der Staat die Risiken nicht ab, versuchen sie, eigenes Geld rentabel einzusetzen. Dagegen agieren staatliche Akteure relativ markfern, sie spielen mit fremdem Geld und setzen auf b\u00fcrokratische Planung. Dem Prozess der sch\u00f6pferischen Zerst\u00f6rung sind sie nicht ausgesetzt, Ineffizienzen halten sich l\u00e4nger. Die Erfahrungen gelten gestern wie heute und morgen: Politiker sind die schlechteren Unternehmer.<\/p>\n<p>Einer expansiven Fiskalpolitik gelingt es auch nicht, wirtschaftliche Unsicherheiten abzubauen. Der <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB123423402552366409.html\">Multiplikator<\/a> solcher Aktivit\u00e4ten ist zwar kurzfristig positiv, wenn auch geringer als oft angenommen. Daf\u00fcr sorgt ein Einkommenseffekt. Schon mittelfristig dominieren aber negative Anreizeffekte. Es gibt keinen \u201e<a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB123258618204604599.html\">free lunch<\/a>\u201c. Expansive staatliche Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen \u00fcber h\u00f6here Steuern finanziert werden. Die Folgen sind bekannt: Es wird weniger Arbeit angeboten, weniger gespart und weniger investiert. Damit nicht genug: Werden staatliche Aktivit\u00e4ten auf Pump finanziert, versetzt ein wachsender Schuldenberg die B\u00fcrger in Angst und Schrecken. Eine m\u00f6gliche h\u00f6here Inflation oder eine staatliche Pleite verunsichern die wirtschaftlichen Akteure. Die kurzfristigen Multiplikatorwirkungen sind deshalb kleiner als in simplen keynesianischen Modellen. Diese Aktivit\u00e4ten schaden der Gesellschaft mehr als sie <a href=\"http:\/\/faculty.chicagobooth.edu\/brian.barry\/igm\/Evaluating_the_fiscal_stimulus.pdf\">n\u00fctzen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Unternehmen lassen<\/strong><\/p>\n<p>Die Erfahrung lehrt, die Politik ist \u00fcberfordert, wenn sie sich als Spieler auf dem Feld der Wirtschaft versucht. Ihre eigentliche Aufgabe besteht darin, die Regeln zu setzen, nach denen gespielt wird, und sie auch durchzusetzen. Auch nach \u00fcber einem halben Jahrhundert weisen die konstituierenden Prinzipien eines Walter Eucken den richtigen Weg. Die Garantie des Privateigentums, individuelle Vertragsfreiheit, freier Marktzugang und keine Handlung ohne umfassende individuelle Haftung bilden den Kern. Ein stabiler Geldwert sowie eine stetige und verl\u00e4ssliche Wirtschaftspolitik, kein Zickzack-Kurs, sind weitere Elemente, wirtschaftliche Unsicherheiten zu verringern. Das ist die Basis f\u00fcr riskante unternehmerische Expeditionen in wirtschaftlich unbekanntes Terrain.<\/p>\n<p>Um aus dem Schlamassel herauszukommen, bedarf es mehr. Die Politik muss Unternehmer auch <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=71\">unternehmen lassen<\/a>. Institutionelle Marscherleichterung in steinigem Gel\u00e4nde ist das Gebot der Stunde. Die Erfahrung zeigt, ein wachsender staatlicher Sektor hemmt ab einem bestimmten Punkt private unternehmerische Aktivit\u00e4ten. Mit der gegenw\u00e4rtigen Rettungsmanie des Staates ist der Rubikon \u00fcberschritten. Staatliche Aktivit\u00e4ten verdr\u00e4ngen private, h\u00f6here Steuern und Abgaben setzen vielf\u00e4ltige negative Anreize. Ineffiziente staatliche Regulierungen und eine wuchernde B\u00fcrokratie sind weitere Stolpersteine. Eine kostspielige Fiskalpolitik bringt die wirtschaftliche Entwicklung nicht\u00c2\u00a0 wieder in Gang, im Gegenteil. Ein einfacheres, glaubw\u00fcrdigeres Regelsystem und weniger b\u00fcrokratische Fesseln erleichtern es Unternehmern, wieder zu unternehmen.<\/p>\n<p>Damit nicht genug: Unternehmer m\u00fcssen auch unternehmen k\u00f6nnen. Dazu brauchen sie qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte, ausreichend Eigenkapital und Zugang zu Kapitalm\u00e4rkten. Das erfordert flexible Arbeitsm\u00e4rkte, steuerliche Entlastungen von Anlegern und Investoren sowie funktionierende Finanzm\u00e4rkte. Staatliche Ausgabenprogramme, auch sehr gro\u00dfe, sind keine wirkliche Hilfe. Absolute ordnungspolitische Priorit\u00e4t muss aber ein funktionierender <a href=\"http:\/\/faculty.chicagobooth.edu\/john.cochrane\/research\/Papers\/fiscal2.htm\">Finanzsektor<\/a> haben. Ohne ihn ist alles nichts. Ein Patenrezept scheint allerdings, wie die bisherigen Versuche weltweit zeigen, noch nicht gefunden. Da Fremdkapital knapp ist, m\u00fcssen sich Unternehmen mehr als fr\u00fcher aus eigenen Mitteln finanzieren. Staat und Tarifpartner sind gefordert, die Gewinnsituation der Unternehmen zu verbessern, um riskante Expeditionen ins Unbekannte zu finanzieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Es existieren gangbare Wege aus der weltweiten Krise. Das Geld der Anderen mit vollen H\u00e4nden auszugeben, wie es die Politik gegenw\u00e4rtig tut, z\u00e4hlt sicher nicht dazu. Private Haushalte und Unternehmen weiter staatlich zu g\u00e4ngeln, f\u00fchrt ebenfalls nicht zum Ziel. Auf mehr wirtschaftlichen Patriotismus zu setzen und M\u00e4rkte protektionistisch abzuschirmen, versch\u00e4rft unsere Probleme. Dabei ist die L\u00f6sung seit langem bekannt. Die Empirie zeigt, mehr wirtschaftliche Freiheit f\u00fchrt zu h\u00f6herem Wohlstand f\u00fcr alle. Private Unternehmer sind die Katalysatoren in diesem Prozess, Freiheit in Wohlstand zu transformieren. R\u00e4umen wir also die vielen Hindernisse aus dem Weg, die Unternehmer darin hindern, ihre eigentliche Aufgabe zu erf\u00fcllen. Lassen wir sie wieder unternehmen. Das kostet wenig und hilft viel.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/9840d987c4924e8d981d86c1e5d86b9b\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltwirtschaft steht auf der Kippe. Unternehmen brechen die Auftr\u00e4ge weg, in manchen Branchen drastisch. 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