{"id":6068,"date":"2011-05-04T00:01:50","date_gmt":"2011-05-03T23:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6068"},"modified":"2021-03-11T14:51:30","modified_gmt":"2021-03-11T13:51:30","slug":"fukushima-und-der-deutsche-atomenergieausstieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6068","title":{"rendered":"Fukushima und der deutsche Atomenergieausstieg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Katastrophe in Fukushima l\u00e4sst wohl keinen Beobachter unbeeinflusst. Viele Menschen empfinden eine Mischung aus Entsetzen \u00fcber das erlittene Leid und Angst davor, \u00e4hnliches selbst erleben zu m\u00fcssen. Es kann daher nicht verwundern, dass inzwischen erneut \u00fcber den Ausstieg aus der Kernenergie diskutiert wird. Die Art und Weise, wie dies derzeit erfolgt, ist allerdings befremdlich. Anstatt den Versuch zu unternehmen, die hinreichend bekannten Fragen sachbezogen zu hinterfragen, werden durch eine hysterisch anmutende Berichterstattung vorrangig Emotionen gesch\u00fcrt. Dies geht so weit, dass schon die verbale Bef\u00fcrwortung der Kernenergie als Versto\u00df gegen die politische Korrektheit angesehen wird. Man denke dabei nur an die mediale Behandlung des RWE-Vorstandsvorsitzenden J\u00fcrgen Gro\u00dfmann.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inzwischen haben auch die Interessengruppen ihre Nebelmaschinen auf maximale Leistung gestellt. Gr\u00fcne Interessengruppen behaupten, durch den Verzicht auf ein Glas Bier im Monat k\u00f6nne man den Ausstieg aus der Kernenergie finanzieren. Solche Trivialisierungen der Ausstiegskosten unterliegen nat\u00fcrlich auch einem wirtschaftlichen Interessenkalk\u00fcl. Durch eine verst\u00e4rkte Subventionierung erneuerbarer Energien l\u00e4sst sich viel, wirklich viel Geld verdienen; und das auch noch ohne jedes unternehmerische Risiko! Die Interessenvertretungen der etablierten Energiekonzerne stehen den \u00d6ko-Lobbys kaum nach. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) bef\u00fcrchtet f\u00fcr energieintensiv arbeitende Unternehmen Energiepreiserh\u00f6hungen um 222 Prozent, was die Branchen existentiell gef\u00e4hrden k\u00f6nne. Irgendwo dazwischen liegt Stephan Kohler, Leiter der Deutschen Energie-Agentur (Dena), der von einer Strompreiserh\u00f6hung von etwa 5 ct\/kWh ausgeht. F\u00fcr einen 4-Personenhaushalt, der etwa 4000 kWh im Jahr verbraucht, entspricht dies einer Erh\u00f6hung der Stromrechnung um 20 \u20ac im Monat. Davon ginge die Welt nicht unter. Andererseits k\u00f6nnen Mitglieder der Mittel- und Oberschicht solche Betr\u00e4ge leichter zahlen als Hartz-IV-Empf\u00e4nger. Die tats\u00e4chlichen Kosten des Ausstiegs kennt jedoch niemand. Die am besten informierten Akteure sind zugleich die Personen, die am meisten von den entsprechenden Entscheidungen profitieren. Wir k\u00f6nnen ihnen folglich nur bedingt Glauben schenken. Wie kann man sich in diesem Wirrwarr der widerspr\u00fcchlichsten Informationen zurechtfinden? Im Folgenden wird versucht, einige Anhaltspunkte zur Orientierung zu liefern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Die Ausgangslage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die betriebswirtschaftlichen Stromgestehungskosten neuer Kernkraftwerke (KKW) werden im Allgemeinen auf ca. 3,5 ct\/kWh beziffert. Diese Berechnung beruht auf der Annahme einer nahezu vollst\u00e4ndigen Auslastung (knapp 7500 Stunden im Jahr) in der Bereitstellung von Grundlast. KKW-Strom ist also zun\u00e4chst einmal g\u00fcnstig. Au\u00dferdem fallen nur geringe direkte externe Kosten an, da KKWs kein CO2 freisetzen und damit klimafreundlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht ber\u00fccksichtigt sind in dieser Rechnung die mit dem Einsatz der Kernkraft und der Entsorgung der Brennstoffe verbundenen Risiken. Die meisten der heute in Betrieb befindlichen KKWs \u00e4lterer Bauart unterliegen dem geringen, aber nicht vernachl\u00e4ssigbaren Risiko der mit einer Kernschmelze verbundenen Folgen. Um diesen Risiken entgegenzuwirken, gibt es zwei technische Innovationen: (1) Sogenannte Kernf\u00e4nger (Core Catcher) dienen dazu, die Folgen einer Kernschmelze einzud\u00e4mmen, indem der geschmolzene Reaktorkern in einer speziellen Beton-Keramik-Mischung mit K\u00fchlvorrichtung aufgefangen wird. Dieses Vorgehen verhindert das Schmelzen durch den Sicherheitsbeh\u00e4lter und damit die Freisetzung radioaktiven Materials. Bislang arbeiten weltweit nur zwei Reaktoren mit einem Kernf\u00e4nger. (2) Im sogenannten Kugelhaufenreaktor, einer Spezialform des Hochtemperaturreaktors, wird durch wiederholte Zufuhr und Entnahme ein deutlich geringerer Vorrat an Brennstoffen gelagert, was an sich schon die Sicherheit erh\u00f6ht. Dar\u00fcber hinaus verh\u00e4lt er sich bei K\u00fchlungsverlustvorf\u00e4llen und Reaktivit\u00e4tsst\u00f6rf\u00e4llen wesentlich unempfindlicher als andere KKW-Typen. Derzeit ist angestrebt, kleine, dezentral arbeitende Kugelhaufenreaktoren, deren Gefahrenpotential noch geringer eingesch\u00e4tzt wird, zu entwickeln. Ungl\u00fccklicherweise k\u00f6nnen Luft- und Wassereinbr\u00fcche zu erheblichen Freisetzungen radioaktiver Stoffe f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ebenfalls mit nicht vernachl\u00e4ssigbaren sozialen Kosten ist die Endlagerung verbrauchten Brennmaterials verbunden. In Deutschland ist das Entsorgungsproblem derzeit nicht gel\u00f6st, was eine Quantifizierung der Lagerkosten erheblich erschwert. Im Hinblick auf einen schnellen Ausstieg aus der Kernenergie ist allerdings anzumerken, dass schon heute eine erhebliche Menge an radioaktiven Abf\u00e4llen existiert, sodass die zus\u00e4tzlich anfallenden Lagerkosten eines l\u00e4ngeren Betriebs der vorhandenen KKWe eher gering einzusch\u00e4tzen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Was hat sich mit Fukushima ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das KKW Fukushima ist von einem beinahe unvorstellbaren Doppelungl\u00fcck getroffen worden. Am 11. M\u00e4rz 2011 wurde dort das viertst\u00e4rkste jemals gemessene Erdbeben registriert, das erst durch die Kombination mit einer Tsunami-Welle zum Reaktorvorfall f\u00fchrte. Um die Gr\u00f6\u00dfenordnung des Bebens und des Tsunamis zu verdeutlichen, sei noch einmal daran erinnert, dass bislang von 12750 Toten und weiteren 14706 Vermissten als Folge der beiden Ereignisse berichtet wird. Die Folgen der sp\u00e4ter im Fukushima-Kraftwerk erfolgten partiellen Kernschmelze d\u00fcrften erst in langer Frist deutlich werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was sind die Folgen dieses Ungl\u00fccks f\u00fcr Deutschland? Zun\u00e4chst einmal ist festzustellen, dass die deutschen KKWs nicht erdbebengef\u00e4hrdet sind. Sie sind auch nicht durch Tsunamis bedroht. Somit hat sich an der Sachlage eigentlich gar nichts ge\u00e4ndert. Die prim\u00e4ren Folgen in Deutschland beschr\u00e4nken sich auf die ge\u00e4nderte subjektive Wahrnehmung der eigentlich bereits seit langem bekannten Risiken. Diese Wahrnehmung hat zu einem weit verbreiteten Angstgef\u00fchl gef\u00fchrt, das sich in einer derzeit breiten Ablehnung der Atomkraft und in heftigen Ausschl\u00e4gen bei Landtagswahlen \u00e4u\u00dfert. Die politische Debatte hat inzwischen eine bemerkenswerte Eigendynamik entwickelt, sodass sich in Deutschland sehr weitreichende energiepolitische Entscheidungen abzeichnen. Der vorzeitige Ausstieg aus der Kernenergie wird wohl kommen. Doch wie k\u00f6nnte er aussehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. Szenarien f\u00fcr den Atomenergieausstieg<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit werden etwa 22 Prozent des deutschen Stroms durch KKWs bereitgestellt. Ein vorzeitiger Ausstieg aus dieser Technologie fordert einen Ausbau anderer Techniken. In einem ersten Szenario k\u00f6nnte der Atomstrom durch andere konventionelle Technologien, wie z.B. Kohle und Erdgas, ersetzt werden. In diesem Fall ist nicht davon auszugehen, dass die Strompreise deutlich steigen w\u00fcrden. Im Gegenteil: Kohlekraftwerke weisen sogar geringf\u00fcgig geringere Stromgestehungskosten auf. An dieser Stelle wird oftmals kritisiert, dass ein vermehrter Einsatz von Kohle zur Stromproduktion den klimapolitischen Zielen der Regierung widerspricht. Dem ist jedoch entgegenzuhalten, dass klimapolitische Ziele wirksam durch das Instrument der CO2-Zertifikate erreicht werden k\u00f6nnen. Das System der europ\u00e4ischen Emissionszertifikate (EU-Allowances) w\u00fcrde es Deutschland durchaus erm\u00f6glichen, klimaneutral die Kohlestromproduktion auszudehnen, denn die zus\u00e4tzliche Zertifikatnachfrage w\u00fcrde den Preis der EU-Allowances erh\u00f6hen, sodass Stromproduzenten anderer europ\u00e4ischer Nationen CO2-Emissionen verringern m\u00fcssten. Dies w\u00fcrde sie dazu veranlassen, modernere Kraftwerke zu errichten, um dadurch mit deutlich geringerem Aufwand CO2-Emissionen zu vermeiden als es in Deutschland m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem zweiten Szenario kann man auf den noch st\u00e4rker subventionierten Ausbau der regenativen Energien setzen. Es bestehen nur geringe Zweifel daran, dass die Windenergie \u2013 volkswirtschaftlich betrachtet \u2013 inzwischen zu vergleichbaren Kosten produziert wie konventionelle Kraftwerke. Zwar kann man durch das Ersetzen alter Windenergieanlagen durch neue, das sogenannte Repowering, mehr Windenergiestrom erzeugen, doch wird dies nicht ausreichen, die L\u00fccke zu f\u00fcllen, die der Atomenergieverzicht verursacht. Andere Technologien sind jedoch derzeit z.T. deutlich teurer, sodass Strompreiserh\u00f6hungen kaum vermeidbar sein d\u00fcrften. Je gr\u00f6\u00dfer der Anteil der Photovoltaik (mit aktuellem Stand der Technik) ausf\u00e4llt, desto h\u00f6her wird die Belastung f\u00fcr den Verbraucher sein. Die oben genannten 5 ct\/kWh Preiserh\u00f6hung sind hier schnell erreicht bzw. deutlich \u00fcberschritten. Hinzu kommt, dass ein Ausbau der erneuerbaren Produktionstechniken den Ausbau des vorhandenen Stromnetzes erfordert, was derzeit landauf, landab Protestbewegungen hervorruft. Voraussetzung f\u00fcr die Politik des zweiten Szenarios w\u00e4re mithin, dass ein gesellschaftlicher Konsens zur Akzeptanz des Netzausbaus erreicht wird. Ob bzw. wann dieser zu erreichen ist, bleibt unklar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit bleibt der vermehrte Import von Elektrizit\u00e4t \u2013 Szenario 3. Auch dieser ben\u00f6tigt einen Ausbau der \u00dcbertragungsnetze und ist somit nicht leicht umsetzbar. Sollte dies jedoch gelingen, dann w\u00e4re ein nahezu kostenneutraler Ausstieg aus der Atomenergie realisierbar. Deutschlands Nachbarl\u00e4nder werden gerne bereit sein, auf dem deutschen Markt zu verkaufen. Welche Produktionstechnologien in diesen L\u00e4ndern eingesetzt werden, ist dann allerdings die Entscheidung der entsprechenden Unternehmen bzw. der Energiepolitik in den jeweiligen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>4. Eine ordnungspolitische L\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die bis hier diskutierten Szenarien gehen davon aus, dass die Politik dazu in der Lage sei, Nutzen und Kosten des Einsatzes der Kernenergie zu beurteilen. Ebenfalls wird angenommen, die Politik w\u00fcrde den geeigneten Ausstiegspfad durch angemessenes Dosieren von Subventionen und Investitionsanreizen vorgeben k\u00f6nnen. Betrachtet man jedoch die Vielzahl weit auseinander liegender Sch\u00e4tzungen der Kosten energiepolitischer Ma\u00dfnahmen, die \u201ezuf\u00e4llige\u201c Kopplung der Gutachterergebnisse an die Interessen der Auftraggeber und die durchaus sehr von der Stimmungslage gepr\u00e4gte energiepolitische \u00dcberzeugung mancher Regierungsparteien, so kommen Zweifel an der Rationalit\u00e4t der Energiepolitik auf. Deshalb soll noch eine weitere politische Option zur Atomenergiepolitik betrachtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein grundlegendes Problem der Absch\u00e4tzung von Risikokosten, Produktionskosten und technologischen M\u00f6glichkeiten besteht im Informationsvorsprung der beteiligten Unternehmen. Sie haben zudem stark verzerrte Anreize, an der Atomtechnologie festzuhalten, da ihr Nutzen privatisiert, ihre (Risiko-) Kosten aber sozialisiert werden. Insofern besteht wenig Hoffnung, der Industrie die entscheidenden Informationen zu entlocken. Aus diesem Grund bietet es sich an, eine L\u00f6sung zu suchen, in der es im eigenen Interesse der Wirtschaft liegt, die gesellschaftlich vorzugsw\u00fcrdigen Technologien einzusetzen. Eine solche L\u00f6sung besteht darin, dass die externen Kosten der Stromerzeugung, also die Risiko- und Umweltkosten, vollst\u00e4ndig von den Unternehmen zu tragen (zu internalisieren) sind. Die Umweltkosten k\u00f6nnen zum gr\u00f6\u00dften Teil durch den Emissionszertifikate-Markt in die Gewinnrechnung der Unternehmen \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Risikokosten k\u00f6nnen dadurch internalisiert werden, dass KKW-Betreiber dazu verpflichtet werden, eine Versicherung zur unbegrenzten Deckung aller m\u00f6glichen Folgekosten eines Reaktorunfalls\u00c2\u00a0 abzuschlie\u00dfen. Um den Unternehmen eine Anpassungsfrist einzur\u00e4umen, k\u00f6nnte man diese Versicherungspflicht erst ab 2017 oder 2020 beginnen lassen. Es wird nicht leicht sein, einen Versicherer f\u00fcr ein so hohes Risiko zu gewinnen. Doch wenn dies nicht gel\u00e4nge, w\u00e4re es ein deutliches Zeichen daf\u00fcr, dass die Risikokosten der Kernenergie volkswirtschaftlich zu hoch sind und ein Ausstieg w\u00fcnschenswert ist. Wie die Unternehmen den Atomausstieg technologisch bew\u00e4ltigen, sollte dann wiederum ihnen \u00fcberlassen werden. Solange die Kraftwerksbetreiber alle wesentlichen Kosten selbst zu tragen haben, liegt es in ihrem eigenen Interesse, gesellschaftlich w\u00fcnschenswerte Entscheidungen zu treffen. Finden die KKW-Betreiber hingegen Versicherer, so spricht vieles daf\u00fcr, sogar verl\u00e4ngerte Laufzeiten zu akzeptieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>5. Fazit <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die vorstehenden Ausf\u00fchrungen legen nahe, dass ein Ausstieg aus der Atomenergie weder zum Nulltarif zu haben ist, noch den Untergang des Industriestandortes Deutschland bedeutet. Es wurden verschiedene Szenarien diskutiert, wobei sich zeigt, dass ein Umstieg auf andere konventionelle Technologien oder auf vermehrte Importe von Elektrizit\u00e4t zu vergleichsweise geringen Kosten m\u00f6glich ist. Die Politik, vorrangig erneuerbare Energien als Ersatz f\u00fcr die Kernenergie einzusetzen, k\u00f6nnte sich jedoch als vergleichsweise teuer erweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob \u00fcberhaupt ein Ausstieg erforderlich oder w\u00fcnschenswert ist, bleibt m.E. eine offene Frage, da nur die Unternehmen selbst die Betriebsrisiken einigerma\u00dfen verl\u00e4sslich einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Aus diesem Grund wird hier die Empfehlung f\u00fcr eine mit gewissem Zeitverzug einsetzende Versicherungspflicht ausgesprochen, die alle m\u00f6glichen Sch\u00e4den eines m\u00f6glichen Ungl\u00fccksfalls abdeckt. Versicherungsgesellschaft und Kraftwerksbetreiber w\u00fcrden in diesem Fall versuchen, die vorliegenden Risiken so gut zu erfassen, wie dies nur menschenm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz allem gilt nat\u00fcrlich, dass der Wunsch einer deutlichen Mehrheit der B\u00fcrger nach einem Atomausstieg hinreichend f\u00fcr dessen langfristige Umsetzung ist. Wenn die B\u00fcrger die Zusatzkosten des Umstiegs \u2013 sei es in Form h\u00f6herer Energiepreise, in Form der Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen Produzenten oder in Form neuer Kohlekraftwerke \u2013 zu tragen bereit sind, dann spricht nichts gegen einen Ausstieg. Voraussetzung ist allerdings, dass die B\u00fcrger \u00fcber die Existenz und die m\u00f6gliche H\u00f6he der Kosten so weit wie m\u00f6glich informiert werden. So spricht sich zwar eine gro\u00dfe Mehrheit der Deutschen gegen die Kernenergie aus, doch w\u00e4ren laut einer Emnid-Umfrage 33 Prozent der befragten B\u00fcrger nicht bereit, auch nur einen Cent f\u00fcr den Ausstieg zu opfern, und weitere 39 Prozent wollen daf\u00fcr h\u00f6chstens 50 \u20ac pro Jahr \u2013 also 4,17 \u20ac im Monat, das sind zwei Glas Bier \u2013 zahlen. Ob ein vorzeitiger Ausstieg unter diesen Bedingungen politisch und wirtschaftlich umsetzbar ist, bleibt v\u00f6llig offen. In keinem Fall sollten jedoch derartig weitreichende Entscheidungen im Hauruckverfahren, inmitten einer hochgradig emotionalisierten Lage durchgesetzt werden. Das Atom-Moratorium scheint unter den gegebenen Bedingungen nicht die schlechteste Ma\u00dfnahme zu sein. Hoffen wir, dass bis zu seinem Ende eine energiepolitische Diskussion zumindest so sachlich gef\u00fchrt werden kann, wie dies in Japan, also dem Land, das unter dem nuklearen Desaster zu leiden hat, m\u00f6glich ist.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Katastrophe in Fukushima l\u00e4sst wohl keinen Beobachter unbeeinflusst. 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