{"id":64,"date":"2007-08-01T14:23:13","date_gmt":"2007-08-01T13:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=64"},"modified":"2007-08-02T21:04:32","modified_gmt":"2007-08-02T20:04:32","slug":"konservative-revolution-die-cdu-und-der-markt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=64","title":{"rendered":"Konservative Revolution: Die CDU und der Markt"},"content":{"rendered":"<p>Die Union sucht das Konservative. Und verabschiedet sich von der Marktwirtschaft. Roland Koch, einer der Kl\u00fcgsten der Neuchauvinisten, hat angefangen. In einem gro\u00dfen Artikel f\u00fcr die Frankfurter Allgemeine Zeitung (28. Juni) spricht er clever von den <em>\u201eNeuen Herausforderungen der Marktwirtschaft\u201c<\/em> und verschweigt doch zugleich, dass er das Gegenteil von Marktwirtschaft will: Protektionismus, Bilateralismus und die Schaffung einer neuen Wagenburg, wahlweise mit den Europ\u00e4ern oder den Amerikanern.<\/p>\n<p>Willkommenen Anlass f\u00fcr die Trendwende bieten Chinesen und Russen, denen Koch und Konsorten nur finstere Absichten unterstellen. Niemand malt den Teufel so sch\u00f6n an die Wand wie der hessische Ministerpr\u00e4sident: Chinesen nutzen ihre unfassbar gro\u00dfen Devisenreserven von 1,3 Billionen Dollar, um mithilfe staatlicher Fonds die f\u00fcr sie strategisch wichtigsten Unternehmen der Welt zusammen zu kaufen. Eisenbahnen, Energieunternehmen oder Banken \u2013 und ehe wir uns versehen, steht auf Ackermanns Frankfurter Twin Towers \u201eBank of China\u201c und Mehdorns Deutsche Bahn AG hei\u00dft k\u00fcnftig Shanghai Railway Co. Zuvor schon haben sich im Kochschen Szenario die Russen bereits Eon und RWE geschnappt, um Gazprom einen monopolistischen Absatzmarkt zu garantieren und die Strompreise der deutschen Verbraucher nach Belieben zu manipulieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gute Nacht Deutschland, hei\u00dft die Botschaft der Union. Man h\u00e4mmert uns ein, wir bef\u00e4nden uns in einem <em>\u201eWeltkrieg um Wohlstand\u201c<\/em> (Gabor Steingart) und br\u00e4uchten deshalb jetzt dringend den Staat: Als Unternehmer in Schl\u00fcsselindustrien und als militanter Abwehrk\u00e4mpfer gegen trojanische Eindringlinge aus Ost und Fernost. Schluss mit der weiteren Privatisierung von Telekom, Post, Bahn, hei\u00dft die Devise.<\/p>\n<p>Nach Energie, Eisenbahnen und Banken wollen die Politiker jetzt auch die Medien unter Artenschutz stellen und sie dem Zugriff ausl\u00e4ndischer Investoren entziehen. Sie treiben es immer bunter und werden bald die alte innerdeutsche Mauer an den Au\u00dfengrenzen des Staates wieder aufbauen. Denn das Ressentiment gegen ausl\u00e4ndische Investoren w\u00e4chst von Woche zu Woche, einerlei, ob sie privat und rendites\u00fcchtig (dann sind sie raffgierig) oder staatlich und strategieorientiert agieren (dann sind sie noch viel schlimmer).<\/p>\n<p>Peter M\u00fcller &#8211; eine Art Landrat in Saarbr\u00fccken und in puncto Brillanz mit dem Hessen Koch nicht zu vergleichen &#8211; \u00e4u\u00dfert die Bef\u00fcrchtung, die russische Gazprom werde bald nicht nur Appetit auf Schalke und Eon bekommen, sondern auch einen deutschen privaten Fernsehsender schlucken und sich dann publizistisch-medienwirtschaftlichen Einfluss auf die K\u00f6pfe der Deutschen verschaffen. Darunter stellt M\u00fcller sich vermutlich eine besonders perverse Mischung aus sp\u00e4tstalinistischer Ideologie und russisch-orthodoxer Liturgie vor, von finsteren Oligarchen und Mogulen mafi\u00f6s abgew\u00fcrzt. Des Ministerpr\u00e4sidenten Vertrauen in die stabil-deutsche volkserziehende Wirkung seiner \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender scheint nicht besonders ausgebildet zu sein.<\/p>\n<p>Schon der Anlass ist absurd: Der Fernsehsender Pro-Sieben-Sat.1 macht ein Info-Magazin dicht, entl\u00e4sst 180 Leute, und die Welt steht kopf. \u00dcber eine Woche lang wurde dem Unternehmen und seinen ausl\u00e4ndischen Private-Equity-Investoren Renditesucht vorgeworfen. Es k\u00f6nne nicht sein, dass Programme baden gingen, um die Gewinnziele der Eigent\u00fcmer zu befriedigen, kommentierten rechtsstaatlich besonders hartgesottene Beamte von Landesmedienanstalten. Selten haben sich Staatsdiener so umstandslos vom Schutz des Privateigentums distanziert. Merkw\u00fcrdig wirtschaftsfern klingt ohnehin die Unterstellung, ein Sender k\u00f6nne mutwillig seine Mitarbeiter feuern und seine Programme zerst\u00f6ren, um dadurch den Reibach seiner Investoren zu mehren. Solange es nicht von Zwangsgeb\u00fchren lebt wie die \u00d6ffentlich-Rechtlichen, bleibt einem Fernsehunternehmen keine andere Wahl, als um Zuschauer zu buhlen, um dadurch Werbekunden zu finden. Nur die Programme abzuschalten reicht daf\u00fcr augenscheinlich nicht. Ob den Zuschauern Tour de France, Gerichtssendungen oder Morgenmagazine gefallen, entscheiden freilich immer noch sie selbst, auch wenn die Qualit\u00e4tspr\u00fcfer medienwissenschaftlicher Landesanstalten und Oberseminare das gerne anders h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Doch die Politik dreht das Argument jetzt um: Schlimmer noch als Gewinnorientierung sei keine Gewinnorientierung, argumentieren Peter M\u00fcller, Roland Koch, Christian Wulff und Konsorten. Denn dann m\u00fcsse sich hinter dem Einstieg ausl\u00e4ndischer Investoren ein noch viel gef\u00e4hrlicheres Interesse verbergen. Wahrscheinlich manipulieren die Invasoren deutsche K\u00f6pfe und deutsche Herzen und klauen unseren Ingenieuren und Dichtern ihre Formeln und Reime. Da schaudert es die neuen Nationalkonservativen der Christlich-Demokratischen Union. Solche perversen Dinge l\u00e4sst ihr vor Jahren geschlossener Andenpakt nicht zu. Gottlob sch\u00fctzt bislang wenigstens die Sozialdemokraten ihr Internationalismus vor so viel krudem Chauvinismus.<\/p>\n<p>Als \u201eordnungspolitisch blau\u00e4ugig\u201c gilt in der Union neuerdings, wer f\u00fcr Freiheit, Offenheit und frischen Wind pl\u00e4diert und der Wettbewerbsordnung der Marktwirtschaft gen\u00fcgend stabile Widerstandskraft gegen unanst\u00e4ndige Firmeninteressen aus dem In- oder Ausland zutraut. <em>\u201eNaive Trottel\u201c<\/em> nennt Koch jene, denen angesichts der angeblichen staatswirtschaftlichen Gefahren nichts anderes einf\u00e4llt, als auf Marktwirtschaft und global \u00d6ffnung zu setzen. Gespielt arglos pl\u00e4diert Koch daf\u00fcr, jetzt die nationalen Regeln der Marktwirtschaft auf die internationale Ebene zu \u00fcbertragen. Das begr\u00fcnde Reziprozit\u00e4t und Fairness, getreu dem Motto: Wenn ihr eure Bahn und eure Medien nicht privatisiert, dann gibt es auch f\u00fcr uns keinen Grund zur weiteren Deregulierung. Reziprozit\u00e4t war immer schon das schlechteste marktwirtschaftliche Argument. Denn auch wenn die anderen sich dem Wettbewerb verschlie\u00dfen, profitieren jene, die sich einseitig ihm \u00f6ffnen. Das hat niemand treffender als Wilhelm R\u00f6pke gesagt, auf den Koch &amp; Co sich so gerne, aber immer zu Unrecht berufen: <em>\u201eThe outlook is bad, if nations strive after an international order while at home they continue to pursue a policy contrary to what is required for it. Is it not starting to build a house with the roof if we subscribe to a falsely understood internationalism, and should not the foundations come first.\u201c\u009d<\/em> <small>[Zu R\u00f6pke vgl. Razeen Sally: Classical Liberalism and International Economic Order. London und New York 1998.]<\/small><\/p>\n<p>Der Ordnungspolitiker R\u00f6pke rei\u00dft dem Nationalchauvinisten Koch die Maske vom Gesicht: Der Hesse verlangt eine internationale Wettbewerbsordnung, um mit dessen Ausbleiben den Protektionismus zu Hause zu legitimieren. Ein paar W\u00e4hlerstimmen mag diese Haltung durchaus bringen. Den Wohlstand f\u00fcr alle bef\u00f6rdert sie nicht. Daf\u00fcr w\u00e4re das Gegenteil an der Zeit: Liberalisierung der G\u00fcter-, Dienstleistungs- und Arbeitsm\u00e4rkte hierzulande. Das macht noch die \u00fcbelsten Absichten ausl\u00e4ndischer Investoren unsch\u00e4dlich. Denn der Wettbewerb entmachtet sie alle. <em>\u201eInternationalism like charity, begins at home\u201c<\/em>, schreibt R\u00f6pke. Das m\u00fcsste doch den Christen unter den Christdemokraten zu denken geben.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Union sucht das Konservative. Und verabschiedet sich von der Marktwirtschaft. Roland Koch, einer der Kl\u00fcgsten der Neuchauvinisten, hat angefangen. 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