{"id":6534,"date":"2011-07-04T00:01:16","date_gmt":"2011-07-03T23:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6534"},"modified":"2011-07-04T05:25:55","modified_gmt":"2011-07-04T04:25:55","slug":"das-weltfinanzsystem-im-umbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6534","title":{"rendered":"Das Weltfinanzsystem im Umbruch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Verfolgt man die Wortbeitr\u00e4ge zur internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise aufmerksam, so scheint im Zuge der Krisenl\u00f6sungsbem\u00fchungen auch eine Debatte \u00fcber eine Reform der internationalen W\u00e4hrungsordnung in Gang gekommen zu sein. F\u00fcr diesen Eindruck seinen drei Beispiele genannt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Februar 2011 forderte der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF) \u201ea wide-ranging reform of the international monetary system\u201c. Im November 2010 sprach sich der Pr\u00e4sident der World Bank, Robert Zoellick, f\u00fcr eine Nachfolge des \u2013 wie er es nannte \u2013 Systems von \u201eBretton Woods II\u201c aus \u2013 also des internationalen W\u00e4hrungssystems, dass seit den fr\u00fchen 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts de facto auf dem US-Dollar fu\u00dft. Er forderte dabei unter anderem: \u201eThe [currency] system should also consider employing gold as an international reference point of market expectations about inflation, deflation and future currency values.\u201c\u009d Am deutlichsten hat der Governor der Peoples\u2019 Bank of China im M\u00e4rz 2009 seine Reformforderung formuliert: \u201eThe desirable goal of reforming the international monetary system \u2026 is to create an international reserve currency that is disconnected from individual nations and is able to remain stable in the long run, thus removing the inherent deficiencies caused by using credit-based national currencies.\u201c\u009d Bevor diese Vorschl\u00e4ge \u2013 ihre Wirkungen und Erfolgsaussichten \u2013 gew\u00fcrdigt werden (k\u00f6nnen), ist es hilfreich, eine sachgerechte Diagnose der Krisenursache voranzustellen. Was also ist die Ursache der Finanz- und Wirtschaftskrise?<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeit scheint die Meinung vorzuherrschen, die Krise sei die Folge von ungez\u00fcgelten Kapitalm\u00e4rkten, unzureichender Regulierung, \u00fcberzogener Risikospekulation und fehlerhaften Risikomodellen. Mit anderen Worten: Marktversagen hat zur Krise gef\u00fchrt. Doch bei genauer Betrachtung scheinen die beklagten Missst\u00e4nde nur Symptome zu sein, nicht aber die eigentliche Ursache. Diese Schlussfolgerung dr\u00e4ngt sich auf, wenn die Struktur der heutigen internationalen Geldordnung n\u00e4her betrachtet wird. Was zeichnet diese Geldordnung aus? Milton Friedman schrieb im Jahre 1992: \u201c(\u2026) a world monetary system has emerged that has no historical precedent: a system in which every major currency in the world is \u2026 on an irredeemable paper money standard (\u2026). The ultimate consequences of this development are shrouded in uncertainty.\u201c\u009d Professor Friedman macht darauf aufmerksam, dass alle wichtigen W\u00e4hrungen der Welt \u2013 ob US-Dollar, Euro, chinesischer Renminbi, das Britische Pfund oder auch der Schweizer Franken \u2013 derzeit nicht einl\u00f6sbares Papiergeld darstellen (also Fiat-Geld sind, wobei das lateinische Wort fiat \u201ees soll so sein\u201c bedeutet).<\/p>\n<p>Das Fiat-Geld hat eine Reihe von Eigenschaften. Erstens: Fiat-Geld ist intrinsisch wertloses (Zwangs-)Geld, das unter dem staatlichen Geldangebotsmonopol von Zentralbanken produziert wird \u2013 in Form von beliebig vermehrbarem Papier, vor allem aber in Form von Eintr\u00e4gen auf Computerfestplatten (\u201eBits and Bytes\u201c). Zweitens: Fiat-Geld entsteht durch \u201eKreditgeldsch\u00f6pfung aus dem Nichts\u201c: Vergibt eine Bank einen Kredit, wird nicht etwa vorhandenes Geld vom Sparer zum Investor transferiert, sondern vielmehr wird die Geldmenge dadurch um ein Vielfaches der Ersparnis ausgeweitet. Und drittens: Das Fiat-Geldsystem sorgt f\u00fcr sogenannte \u201eBoom-und-Bust\u201c-Zyklen und f\u00fchrt die Volkswirtschaften in die \u00dcberschuldung. Bevor diese dritte Eigenschaft des Fiat-Geldsystems n\u00e4her erl\u00e4utert wird, soll ein kurzer Blick auf Entstehung und Verbreitung des Fiat-Geldes geworfen werden.<\/p>\n<p>Am Ende des Zweiten Weltkriegs sollte das System von Bretton Woods (benannt nach dem Ort im US-amerikanischen New England, an dem die internationale W\u00e4hrungskonferenz im Jahr 1944 stattfand) das internationale Geldsystem auf eine solide Grundlage zur\u00fcckf\u00fchren, um die internationale Arbeitsteilung, Handel und Wohlstand zu f\u00f6rdern. Kernelement des Systems von Bretton Woods war die Konvertibilit\u00e4t des US-Dollar in Gold, und zwar entsprachen 35 US-Dollar einer Feinunze Gold (also etwa 31,1035 Gramm). Die \u00fcbrigen W\u00e4hrungen (wie etwa der franz\u00f6sische Franc, das Britische Pfund oder die D-Mark) waren mit einem festen (wenn auch ver\u00e4nderbaren) Wechselkurs an den US-Dollar gebunden und waren dadurch \u2013 indirekt \u2013 auch in Gold eintauschbar.<\/p>\n<p>Die dominante Rolle des US-Dollar im System von Bretton Woods erkl\u00e4rte sich aufgrund der wirtschaftlichen St\u00e4rke der Vereinigten Staaten von Amerika am Ende des Zweiten Weltkrieges. Die amerikanischen Goldreserven beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf etwa 17848 Tonnen und damit auf 63% Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Doch die inflation\u00e4re Kredit- und Geldvermehrung in den Vereinigten Staaten von Amerika im Zuge des Korea- und Vietnamkriegs in den 50er und 60er Jahren veranlasste dann eine Reihe von Dollar-Besitzer, ihre Greenbacks in Gold umzutauschen. Sie erkannten n\u00e4mlich, dass die Amerikaner mehr Dollar ausgaben, als Gold zur Deckung vorhanden war. Um den Goldabfluss aus den Vereinigten Staaten zu stoppen \u2013 bis 1971 waren die amerikanischen Goldbest\u00e4nde bereits auf 9070 Tonnen oder knapp 25% aller offiziellen Goldreserven abgeschmolzen \u2013, beendete der amerikanische Pr\u00e4sident Richard Nixon am 15. August 1971 endg\u00fcltig die (bis dahin schon stark begrenzte) Goldeinl\u00f6sepflicht des US-Dollar.<\/p>\n<p>(Aller)Sp\u00e4testens mit dieser Entscheidung der amerikanischen Administration wurden alle wichtigen W\u00e4hrungen \u2013 gewisserma\u00dfen mit einem Schlag durch den unilateralen Beschluss der Amerikaner \u2013 zu nicht einl\u00f6sbarem Papiergeld, zu Fiat-Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>Wohl kein anderer Zweig der Volkswirtschaftslehre hat sich so intensiv mit dem Fiat-Geldsystem, seiner Rolle f\u00fcr den Konjunkturzyklus, Inflation und politische Entwicklungen befasst, wie die \u00d6sterreichische Schule der National\u00f6konomie. Sie ist mit Namen verbunden wie insbesondere Carl Menger, Eugen von B\u00f6hm-Bawerk, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek (der f\u00fcr seine Arbeiten insbesondere zur monet\u00e4ren Konjunkturtheorie den Wirtschaftsnobelpreis im Jahre 1974 erhielt).<\/p>\n<p>Aus den umfangreichen Arbeiten der \u00d6sterreicher zum Fiat-Geld sollen an dieser Stelle drei nur Erkenntnisse herausgestellt werden, und zwar: (1) das Fiat-Geld sorgt f\u00fcr Boom-und-Bust-Zyklen; (2) das Fiat-Geldsystem f\u00fchrt in eine Verschuldungs- bzw. \u00dcberschuldungskrise, und (3) das Fiat-Geldsystem zerst\u00f6rt die freie Gesellschaftsordnung.<\/p>\n<p><em>Ad (1): FIAT-GELD F\u00dcHRT ZU BOOM-AND-BUST-ZYKLEN<\/em>. Das Ausweiten der Fiat-Geldmenge erfolgt \u2013 wie bereits angedeutet \u2013 durch Bankkreditgew\u00e4hrung. Die Ausweitung des Kreditangebots senkt den Marktzins unter das Zinsniveau, das bestehen w\u00fcrde, w\u00e4ren die Kredit- und Geldmengen nicht k\u00fcnstlich ausgeweitet worden.<\/p>\n<p>Der k\u00fcnstlich gesenkte Zins regt nun Investitionen an, die ohne das Absenken des Zinses nicht angegangen worden w\u00e4ren, und deren wirtschaftlicher Erfolg davon abh\u00e4ngt, dass die Zinsen k\u00fcnstlich tief gehalten werden.<\/p>\n<p>Das Absenken des Zinses f\u00fchrt gesamtwirtschaftlich dazu, dass die Ersparnis sinkt, der Konsum steigt, und zus\u00e4tzlich die Investitionsnachfrage steigt. Die Geldausweitung \u00fcberdehnt die monet\u00e4re Nachfrage relativ zum G\u00fcterangebot, weil die mit Kredit geschaffene Fiat-Geldmenge die verf\u00fcgbare Ersparnis \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Der gesunkene Zins veranlasst die Unternehmen, die \u2013 wie Eugen von B\u00f6hm-Bawerk (1851 \u2013 1914) es nannte \u2013 Umwegsproduktion auszuweiten. Mit anderen Worten: Im Zuge der Fiat-Geldmengensweitung per Kredit wird die Kapitalg\u00fcterproduktion ausgeweitet zu Lasten der Konsumg\u00fcterproduktion.<\/p>\n<p>Die gesamtwirtschaftliche Produktionsstruktur entspricht nun nicht mehr der eigentlichen Nachfrage; und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zeigt sich, dass sich die Produktionsleistung bei gegebenen Preisen nicht absetzen l\u00e4sst. Unternehmen machen Verluste, und sie k\u00fcrzen Produktion und Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p>Beginnen sich die Konjunkturen abzuschw\u00e4chen \u2013 droht also der mit Fiat-Geld angesto\u00dfene Boom in einen Bust umzuschlagen \u2013, werden in der \u00d6ffentlichkeit Rufe laut, die Zentralbank solle die drohende Rezession (die eigentlich eine Bereinigung ist) mit noch tieferen Zinsen \u201ebek\u00e4mpfen\u201c. Unter dem \u00f6ffentlichen Meinungs- und Politikdruck senkt die Zentralbank die Zinsen, und das Kredit- und Geldangebot steigt noch weiter an, und um das ein oder andere Mal mag es so durchaus gelingen, einen Abschwung in einen neuen Aufschwung umzum\u00fcnzen.<\/p>\n<p>Doch genau wie der Aufschwung zuvor muss auch der neue Scheinaufschwung fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in sich zusammenfallen. Eine Geldpolitik, die mit noch mehr Fiat-Geldausweitung die Krise zu bek\u00e4mpfen trachtet, die sie durch ein Ausweiten der Fiat-Geldmenge verursacht hat, l\u00e4sst die Volkswirtschaften von Konjunkturhoch zu Konjunkturtief taumeln, von Krise zu Krise, von Boom zu Bust.<\/p>\n<p><em>Ad (2): DAS FIAT-GELDSYSTEM F\u00dcHRT IN EINE VERSCHULDUNGS- BZW. \u00dcBERSCHULDUNGSKRISE<\/em>. Die Boom-und-Bust-Zyklen, f\u00fcr die das Fiat-Geldregime sorgt, lassen die Verschuldung der Kreditnehmer st\u00e4rker steigen, als ihre Einkommen zunehmen. Dies ist deshalb so, weil nicht alle der mit Fiat-Geld finanzierten Investitionsobjekte ihre erwartete Rendite erwirtschaften k\u00f6nnen \u2013 weil sie ja aufgrund eines fehlerhaften Kalk\u00fcls \u2013 und zwar in Form eines k\u00fcnstlich abgesenkten Marktzinses \u2013 angeregt wurden.<\/p>\n<p>Wenn sich herausstellt, dass sich die Investitionen nicht rechnen \u2013 also die erwarteten Gewinne der Unternehmer sich nicht einstellen \u2013, werden die eigentlich unprofitablen Investitionen nicht liquidiert, sondern die Zinssenkungen der Zentralbanken sorgen daf\u00fcr, dass die f\u00e4lligen Kredite, mit denen sie finanziert wurden, mit noch tieferen Zinsen refinanziert werden.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich dazu werden weitere Investitionen aufgrund des gesenkten Zinses angelockt, die wiederum nicht die an sie gestellten Gewinnerwartungen erf\u00fcllen werden. In der Konsequenz w\u00e4chst die Schuldenlast relativ zum Einkommen immer weiter an; es ist der Weg in die \u00dcberschuldung. Vor allem aber sorgt das Fiat-Geldsystem f\u00fcr ein besonders starkes Ausweiten der Staatsschulden. In einem Fiat-Geldsystem wird die steigende Kreditnachfrage der \u00f6ffentlichen Hand mit einer Ausweitung der Geldmenge finanziert. Der Refinanzierungszins kann gem\u00e4\u00df politischem Kalk\u00fcl tief gehalten werden. Der Anreiz zur Verschuldung nimmt zu.<\/p>\n<p><em>Ad (3): DAS FIAT-GELDSYSTEM ZERST\u00d6RT DIE FREIE GESELLSCHAFTSORDNUNG<\/em>. \u2013 Die Boom-and-Bust-Zyklen untergraben das Vertrauen der \u00d6ffentlichkeit in ein freiheitliches Wirtschaftssystem. Die Schwingungen der Konjunktur versch\u00e4rfen die empfundene Arbeits- und Einkommensunsicherheit f\u00fcr weite Teile der Bev\u00f6lkerung. Ludwig von Mises schrieb im Jahr 1940: \u201eNichts hat die liberalen Wirtschaftsideen und das kapitalistische Wirtschaftssystem \u00e4rger kompromittiert als der wiederkehrende Wechsel von fieberhafter Haussespekulation, dramatischem Zusammenbruch der Konjunktur und langanhaltender Depression.\u201c<\/p>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeit werden die Missst\u00e4nde von Boom-und-Bust \u2013 wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten und steigenden Schuldenlasten \u2013dem freien Marktsystem angelastet, nicht aber dem staatlich gef\u00fchrten Kredit- und Geldsystems. Marktversagen, nicht Staatsversagen wird als Krisenursache diagnostiziert. Die Folge dieser Fehldeutung ist, dass der Ausweg aus der Krise in noch mehr staatlicher Intervention erblickt wird \u2013 zu Lasten der verbliebenen Marktkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek erkannten die Gefahr f\u00fcr die gesellschaftliche Freiheit, die aus den Sch\u00e4den r\u00fchrt, f\u00fcr die das Fiat-Geldsystem sorgt. So schrieb zum Beispiel Hayek, im Bestreben, die Wurzel der Finanz- und Wirtschaftskrisen klar zu benennen: \u201cThe past instability of the market economy is the consequence of the exclusion of the most important regulator of the market mechanism, money, from itself being regulated by the market process.\u201c\u009d<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>IV.<\/strong><\/p>\n<p>Hayeks Worte leiten zur\u00fcck zur Diskussion \u00fcber m\u00f6gliche Reformans\u00e4tze der internationalen Geldordnung. Auf der einen Seite sind die Reformvorschl\u00e4ge zu finden, die den Einfluss des Staates im Kredit-, Geld und Finanzsystem ausweiten wollen. Auf der anderen Seite finden sich Vorschl\u00e4ge, die auf eine Marktl\u00f6sung abzielen.<\/p>\n<p>Stellvertretend f\u00fcr eine \u201eFiat-Geldreform\u201c sei auf den Vorschlag der G-20 verwiesen (die 2011 unter dem franz\u00f6sischen Vorsitz steht). Gefordert wird, das internationale W\u00e4hrungssystem solle nicht mehr nur auf dem US-Dollar fu\u00dfen, sondern der \u201eReservestatus\u201c sollte von mehren W\u00e4hrungen wahrgenommen werden. Sonderziehungsrechte (SZR), so die \u00dcberlegung, k\u00f6nnten die Rolle einer internationalen Reservew\u00e4hrung \u00fcbernehmen. SZR wurden im Jahr 1969 vom IWF geschaffen, und sie wurden den IWF-Mitgliedsl\u00e4ndern zugeteilt in 1970-72, 1979-81 und 2009. SZR geben den Regierungen einen Anspruch auf Fremdw\u00e4hrungsguthaben. \u201eZieht\u201c ein Land seine SZR, so muss die nachgefragte W\u00e4hrung von den IWF-Mitgliedsl\u00e4ndern bereitgestellt werden \u2013 und zwar durch die jeweilige nationale Zentralbank. SZR wurden daher auch als \u201eHelikoptergeld f\u00fcr den Globus\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich war ein SZR definiert als 0,888671 Gramm Feingold \u2013 und entsprach damals einem US-Dollar. Nach dem Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods wurden SZR im Jahr 1973 \u201eumdefiniert\u201c. Seither repr\u00e4sentierten sie nicht mehr Gold, sondern einen Korb von W\u00e4hrungen, der sich derzeit zusammensetzt aus US-Dollar, Japanischem Yen, Euro und dem Britischen Pfund. Doch sind SZR das \u201ebessere Geld\u201c? Diese Schlussfolgerung dr\u00e4ngt sich nicht auf, denn SZR sind de facto Fiat-Geld. Die im Korb enthaltenen W\u00e4hrungen werden alle durch Kreditvergabe \u201eaus dem Nichts\u201c geschaffen, und dies l\u00e4sst sich ja \u2013 aus Sicht der \u00d6sterreichischen Schule der National\u00f6konomie \u2013 als Kernursache f\u00fcr die immer schwerer werdenden Finanz- und Wirtschaftskrise identifizieren. Der Vorschlag, SZR als Reservew\u00e4hrung etablieren zu wollen, w\u00fcrde daher die Probleme, die das staatliche Fiat-Geld verursacht hat, nicht l\u00f6sen, sondern lediglich auf eine \u201eh\u00f6here Ebene\u201c verlagern.<\/p>\n<p>Die Vertreter der \u00d6sterreichischen Schule der National\u00f6konomie haben eine Reihe von marktorientierten Reformvorschl\u00e4gen vorgebracht. Diese Vorschl\u00e4ge zielen darauf ab, das Geldsystem \u2013 und dabei insbesondere die Geldproduktion \u2013 so zu organisieren, dass es den \u00f6konomischen und ethischen Anspr\u00fcchen einer freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung gen\u00fcgt. In den fr\u00fchen 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erarbeitete Ludwig von Mises (1881 \u2013 1973) einen Mehr-Stufen-Vorschlag, um den US-Dollar (stellvertretend f\u00fcr das Fiat-Geld) wieder im Gold zu verankern.  Sein Sch\u00fcler Murray N. Rothbard (1926 \u2013 1995) stellte nachfolgend eine ganz \u00e4hnliche Strategie vor.<\/p>\n<p>In einem ersten Schritt werden, so Mises und Rothbard, die Fiat-Geldmengen in einem festen Umtauschverh\u00e4ltnis an die Goldbest\u00e4nde angebunden, die noch in den Kellern der Zentralbanken lagern. Das Fiat-Geld erh\u00e4lt so einen Anker, der einer beliebigen, nicht marktkonformen Vermehrung (durch Kreditvergabe) entgegensteht. In einem zweiten Schritt wird das Bankensystem in ein \u201eFree Banking\u201c \u00fcberf\u00fchrt. Das Bankgesch\u00e4ft erfordert dann \u2013 aufgrund eigentumsrechtlicher Anforderungen \u2013 eine 100% Reservedeckung sowie eine rechtliche Trennung zwischen dem Einlagen- und dem Kreditgesch\u00e4ft. Die Zentralbanken werden abgeschafft.<\/p>\n<p>Friedrich August von Hayek, in seinem Buch Denationalisation of Money aus dem Jahr 1976, sprach sich f\u00fcr einen W\u00e4hrungswettbewerb aus. Er forderte, die Privilegien f\u00fcr das Staatsgeld abzuschaffen und ein g\u00e4nzlich freies Angebot von und eine freie Nachfrage nach Geld zuzulassen. Das beste Geld, so Hayek, wird obsiegen. Hayeks Vorschlag hat wichtige Ber\u00fchrungspunkte zu den Vorschl\u00e4gen, die Mises und Rothbard machten. Zum einen kann Hayeks W\u00e4hrungswettbewerb in Edelmetallgeld (also Gold- und\/oder Silbergeld) m\u00fcnden \u2013 was dann der Fall ist, wenn die Marktakteure Edelmetalle als Geld w\u00e4hlen sollten.<\/p>\n<p>Zum anderen besteht die Gefahr, und darauf wies Hayek hin, dass in einem W\u00e4hrungswettbewerb das ungedeckte Fiat-Geld, wenn es mit z. B. freigew\u00e4hltem Goldgeld konkurriert, einen Totalverlust erleiden k\u00f6nnte. So gesehen ist der Goldanbindungs-Vorschlag von Mises und Rothbard gewisserma\u00dfen als Versicherungs-Ma\u00dfnahme zu verstehen, der vor einer m\u00f6glichen v\u00f6lligen Entwertung des Fiat-Geldes im W\u00e4hrungswettbewerb bewahren soll. Bei einer Anbindung des Geldes an das Gold ist nicht von der Hand zu weisen, dass es zu einem (ganz erheblichen) Verlust der Kaufkraft des Geldes kommen k\u00f6nnte. Denn gerade bei stark verschuldeten Volkswirtschaften mag der politische Anreiz gro\u00df sein, einen hohen Umtauschkurs von Gold zu Fiat-Geld zu w\u00e4hlen, durch den die gesamte Geldmenge einmalig ansteigt und das Geld abgewertet wird, so dass Schuldner auf Kosten der Gl\u00e4ubiger besser gestellt werden \u2013 darauf weist etwa der amerikanische \u00d6konom George Reisman hin.<\/p>\n<p>Die Vorschl\u00e4ge, die Mises, Rothbard und Hayek erarbeitet haben, um den Weg zur\u00fcck zu gutem Geld finden, sind politische Handlungsoptionen. Es ist aber auch denkbar, dass ein Marktreformprozess einsetzen k\u00f6nnte, der sich einer politischen Gestaltung entzieht: Wenn n\u00e4mlich die Marktakteure zusehends dazu \u00fcbergehen, ihr Fiat-Geld in Sachgeld (wie zum Beispiel Gold und Silber) zu tauschen \u2013 weil sie wachsende Sorge vor dem Wertverfall des Fiat-Geldes haben. Auf diesem Wege k\u00f6nnte dann die Kaufkraft des Fiat-Geldes im Extremfall g\u00e4nzlich verfallen, wenn eben ein Unterlegen des Fiat-Geldes mit zum Beispiel Gold (wie es Mises und Rothbard empfohlen haben) ausbleibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>V.<\/strong><\/p>\n<p>Die Diskussion zur Reform des internationalen Geldsystems, die nunmehr in Gang gekommen zu sein scheint, erfordert nat\u00fcrlich einen breiteren Raum, als sie im Rahmen eines kurzen Artikels einnehmen kann.<\/p>\n<p>Dennoch mag es hilfreich sein, einen ersten \u00dcberblick \u00fcber zumindest einige wichtige L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu gewinnen, um dadurch auch die Diskussion \u00fcber die Handhabung der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise zu bereichern. Denn diese \u201eKrise\u201c kann nicht unabh\u00e4ngig von dem herrschenden Geldsystem verstanden und entsch\u00e4rft werden. Politik-\u00f6konomisch mag man Verst\u00e4ndnis aufbringen f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Krisensymptome, doch die Gesetze der \u00d6konomie werden es den Gesellschaften wohl letztlich nicht ersparen, die eigentliche Krisenursache zu beseitigen: das Fiat-Geld.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Der Beitrag basiert auf einem Vortrag anl\u00e4sslich der WELT-W\u00e4hrungskonferenz am 27. Juni 2011 in Berlin<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. 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