{"id":657,"date":"2009-03-23T06:28:42","date_gmt":"2009-03-23T05:28:42","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=657"},"modified":"2011-12-27T08:48:18","modified_gmt":"2011-12-27T07:48:18","slug":"strukturkrise-investitionen-und-gewinne-wir-brauchen-einen-marshall-plan-fuer-unternehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=657","title":{"rendered":"Strukturkrise, Investitionen und Gewinne <br\/><small>Wir brauchen einen Marshall-Plan f\u00fcr Unternehmer<\/small>"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Welt befindet sich im tiefsten wirtschaftlichen Schlamassel seit langem. Eine globale Rezession scheint nach Aussagen der <a href=\"http:\/\/web.worldbank.org\/WBSITE\/EXTERNAL\/NEWS\/0,,contentMDK:22093316~menuPK:34463~pagePK:34370~piPK:34424~theSitePK:4607,00.html\">Weltbank<\/a> unvermeidlich. Noch ist der Boden nicht erreicht. Der freie Fall h\u00e4lt an. Immer mehr Branchen und Unternehmen sind betroffen. Das Virus ist l\u00e4ngst vom Finanzsektor in die Realwirtschaft \u00fcbergesprungen. Opel scheint \u00fcberall. Weltweit ist die Politik ratlos. Die Geldpolitik ist impotent. Selbst Null-Zinsen z\u00fcnden nicht mehr. Haushalte und Banken horten Liquidit\u00e4t, private Unternehmen scheuen das Risiko, sie investieren immer weniger. F\u00fcr die Fiskalpolitik steht der Lackmustest noch aus. Ein Konjunkturprogramm jagt das andere. Die Politik gibt das Geld der Steuerzahler mit vollen H\u00e4nden aus, die staatliche Verschuldung erklimmt astronomische H\u00f6hen. Trotzdem ist der Abw\u00e4rtstrend weltweit noch ungebrochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><!--more--><br \/>\n<strong>Struktur statt Konjunktur<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Politik irrt, wenn sie glaubt, die Krise sei mit konjunkturpolitischen Instrumenten in den Griff zu bekommen. Tats\u00e4chlich handelt es sich weniger um eine Konjunktur- als vielmehr um eine handfeste <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=387\">Strukturkrise<\/a>. Eine lange viel zu expansive <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB123414310280561945.html\">Geldpolitik<\/a> und ein weltweites <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2009\/03\/02\/opinion\/02krugman.html\">\u00dcberangebot<\/a> an Ersparnissen haben falsche Anreize gesetzt. Niedrige Zinsen haben Ressourcen in falsche Verwendungen gelockt. So bauten sich etwa im Finanzbereich, in der Autobranche, im Bausektor, m\u00f6glicherweise auch beim Handel und bei Print-Medien\u00c2\u00a0 teilweise erhebliche \u00dcberkapazit\u00e4ten auf. Die Krise ist erst ausgestanden, wenn die sektoralen \u00dcbertreibungen beseitigt sind. Der Staat kann helfen, diesen Prozess der Re-Allokation der Ressourcen zu beschleunigen. Viel w\u00e4re allerdings schon gewonnen, wenn er ihn wenigstens nicht behindern w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Realit\u00e4t sieht anders aus. Mit gigantischen Ausgabenprogrammen versucht die Politik, gebeutelten Sektoren zu helfen. Dabei ger\u00e4t sie zwangsl\u00e4ufig in das Dilemma eines barmherzigen Samariters. Viele der Programme lindern zwar kurzfristig die wirtschaftlichen Leiden, versch\u00e4rfen aber mittelfristig die Krankheit. Die Abwrackpr\u00e4mie ist ein gutes Beispiel. Mit dieser Aktion werden nicht nur volkswirtschaftliche Werte vernichtet, sondern zu allem \u00dcberfluss auch noch \u00fcberkommene sektorale Strukturen zementiert. Knappe Ressourcen bleiben in weniger produktiven Verwendungen gefangen. Das wirtschaftliche Fieber sinkt tempor\u00e4r, der eigentliche Herd der Krankheit wird aber nicht beseitigt. Der Status-quo-Bias solcher staatlichen Ausgabenprogramme verl\u00e4ngert die wirtschaftliche Rezession k\u00fcnstlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein z\u00fcgiger Prozess der sektoralen Umschichtung der Ressourcen ist der bessere Weg aus der Krise. Arbeit und Kapital aus Branchen, die ihre Zukunft schon hinter sich haben, m\u00fcssen sich schleunigst attraktivere Wirtschaftszweige suchen. Das macht zweierlei notwendig. Zum einen muss der Finanzsektor soweit repariert werden, dass Banken wieder eher bereit sind, den sektoralen Ressourcentransfer zu finanzieren. Tats\u00e4chlich hat es die Politik aber noch immer nicht geschafft, die faulen \u00c4pfel auszusortieren. Zum anderen muss die Bereitschaft von Arbeitnehmern und Unternehmen gest\u00e4rkt werden, niedergehende Bereiche zu verlassen. Das macht es erforderlich, mehr Mittel in marktf\u00e4higes Human- und Realkapital zu investieren. Der Staat kann helfen, daf\u00fcr notwendige Investitionen rentabler zu gestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>B\u00fcrokratie und Regulierung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Banken sind gegenw\u00e4rtig keine gro\u00dfe Hilfe, den sektoralen Wandel zu finanzieren. Sie haben mehr als genug damit zu tun, ihre maroden Bilanzen zu sanieren, um die eigene Pleite und damit Schlimmeres f\u00fcr gesamte Volkswirtschaften zu verhindern. Unternehmen, die <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=584\">Scouts<\/a> im Strukturwandel, m\u00fcssen deshalb Investitionen vor allem aus eigenen Mitteln finanzieren. Das ist aber nur m\u00f6glich, wenn die Gewinne nachhaltig steigen. Ein relativ kosteng\u00fcnstiger Weg ist der Abbau b\u00fcrokratischer H\u00fcrden. Das erfordert keine kostspieligen staatlichen Ausgabenprogramme. Notwendig ist nur der Mut der Politik, den Widerstand staatlicher B\u00fcrokratien zu brechen. Das ist in Zeiten, in denen Staat und Regulierungen eine Renaissance erleben, alles andere als einfach. Nur: Wenn nicht jetzt, wann dann?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der aktuelle Report \u201e<a href=\"http:\/\/www.doingbusiness.org\/economyrankings\/\">Doing Business<\/a> 2008\u201c der Weltbank zeigt, Deutschland hat erheblichen Nachholbedarf. Das gilt f\u00fcr alle Phasen des unternehmerischen Lebenszyklus, von der Gr\u00fcndung bis zur Liquidation. Die gegenw\u00e4rtige Situation hierzulande l\u00e4sst sich auf einen einfachen Nenner bringen: Verwaltungsakte dauern l\u00e4nger, Hilfeleistungen f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand sind h\u00f6her, die Zusammenarbeit mit der \u00f6ffentlichen Verwaltung ist komplizierter als bei vielen der wichtigsten Konkurrenten auf den weltweiten M\u00e4rkten. B\u00fcrokratiekosten schm\u00e4lern die Gewinne der Unternehmen, der Spielraum f\u00fcr Investitionen sinkt. Das gilt vor allem f\u00fcr kleine und mittlere <a href=\"http:\/\/www.ifm-bonn.org\/assets\/documents\/105-NF-Kurzfassung.pdf\">Unternehmen<\/a>, den Motoren f\u00fcr Wachstum und Besch\u00e4ftigung. Sie leiden seit langem besonders unter unn\u00f6tigen b\u00fcrokratischen Vorgaben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer die Kosten der B\u00fcrokratie verringern will, muss auch ineffiziente Regulierungen beseitigen. Die Ansatzpunkte eines B\u00fcrokratieabbaus haben sich nicht ge\u00e4ndert. Nach wie vor gilt es, das Prinzip der Subsidiarit\u00e4t konsequent umzusetzen. B\u00fcrgern und privaten Unternehmen muss wieder mehr Freiheit und Eigenverantwortung einger\u00e4umt werden. Weniger staatliche Regulierung und b\u00fcrokratische Verwaltung ist oft mehr. Der Katalog b\u00fcrokratischer Vorschriften muss radikal durchforstet und entr\u00fcmpelt, Verfahren m\u00fcssen vereinfacht werden. Bei heterogenen regionalen Pr\u00e4ferenzen ist ein st\u00e4rkerer Wettbewerb auf der Ebene der Bundesl\u00e4nder der beste Weg, die wuchernde B\u00fcrokratie in die Schranken zu weisen. Experimentier- und \u00d6ffnungsklauseln auf dezentraler Ebene sind ein Gebot der Stunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>L\u00f6hne und Steuern<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung ist nur m\u00f6glich, wenn Unternehmen wieder mehr investieren. Investitionen erzielen eine doppelte Dividende, sie helfen der Konjunktur und dem Wachstum. Mit h\u00f6heren erwarteten Gewinnen steigen die Anreize der Unternehmen zu investieren. Arbeitnehmer k\u00f6nnen einen positiven Beitrag leisten, wenn sie zustimmen, einen Teil ihres Einkommens st\u00e4rker an die Gewinne ihres Unternehmens zu koppeln. Die Grenzkosten der Arbeit sinken, die Gewinne steigen, Arbeitspl\u00e4tze werden sicherer, Unternehmen investieren mehr, die Arbeitseinkommen steigen. Mehr Gewinnbeteiligung hilft Arbeitnehmern und Unternehmen. Organisationspolitische Motive der Tarifpartner haben bisher mit dazu beigetragen, mehr \u201e<a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=182\">Boni f\u00fcr alle<\/a>\u201c zu verhindern. Vielleicht bringt die Krise endlich den Durchbruch des Beteiligungskapitalismus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Politik gibt gegenw\u00e4rtig weltweit horrende Summen aus. Private Investitionen werden allerdings eher <a href=\"http:\/\/online.wsj.com\/article\/SB123129443022559731.html\">stiefm\u00fctterlich<\/a> behandelt. Die vielen Konjunkturprogramme enthalten zwar auch investive Komponenten, allerdings zumeist staatliche. Der Staat selbst gibt mehr f\u00fcr Infrastruktur, Bildung, Forschung und Entwicklung aus. Diese Ausgaben f\u00f6rdern zwar auch privaten Investitionen, aber nur indirekt und mit betr\u00e4chtlicher zeitlicher Verz\u00f6gerung. Anreize, die private Investitionen direkt st\u00e4rken, sind \u00fcberall Mangelware. Die Politik ist darauf fixiert, die Konsumnachfrage zu st\u00e4rken. Der keynesianische Tunnelblick verhindert, dass direkte Anreize f\u00fcr private Investitionen gesetzt werden. Nur, woher soll der k\u00fcnftige Konsum kommen, wenn private Unternehmen nicht vorher kr\u00e4ftig investiert haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es spricht vieles daf\u00fcr, steuerliche Anreize zu setzen und Fehlanreize zu beseitigen, um sofort mehr private Investitionen anzuregen. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass der sektorale Strukturwandel nicht behindert wird. Niedrigere marginale Steuers\u00e4tze bei der pers\u00f6nlichen Einkommensteuer und den Unternehmenssteuern sind geeignete Instrumente. Auch eine geringere Bemessungsgrundlage durch dauerhaft degressive Abschreibungen, zeitlich unbegrenzte M\u00f6glichkeiten der Verlustverrechnung, keine Substanzbesteuerung, Abbau der Zinsschranke und eine steuerliche Forschungsf\u00f6rderung kommen in Frage. Die steuerlichen Anreize sollten allerdings nur dann \u00fcber staatliche Verschuldung finanziert werden, wenn sich die Politik glaubw\u00fcrdig bindet, in wirtschaftlich besseren Zeiten die staatlichen Haushalte zu konsolidieren und staatliche Ausgaben zu k\u00fcrzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Weltwirtschaft ist im freien Fall. Ein gewaltiger weltweiter struktureller Wandel ist im Gange. Die Politik versucht gegenzusteuern, bislang mit m\u00e4\u00dfigem Erfolg. Sie setzt zu stark auf Hilfen f\u00fcr einzelne Sektoren und konsumnahe Ausgaben und zu wenig auf die F\u00f6rderung privater Investitionen. Damit verzerrt und hemmt sie den Strukturwandel und verl\u00e4ngert die Rezession. Eine kapitalf\u00f6rdernde Steuerpolitik jetzt mit bindenden Regeln der Haushaltskonsolidierung in besseren Zeiten ist sinnvoller. Die wichtigste Aufgabe des Staates in diesen Zeiten ist ordnungspolitischer Natur. Er muss f\u00fcr funktionierende M\u00e4rkte sorgen. Essentiell f\u00fcr die wirtschaftliche Genesung sind weltweit offene G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte, keinesfalls aber Protektionismus. Offene M\u00e4rkte erleichtern den Strukturwandel, bringen knappe Ressourcen in produktivere Verwendungen und verhindern eine zweite Weltwirtschaftskrise.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/b19a720b09714a8b90798d503d5064f3\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt befindet sich im tiefsten wirtschaftlichen Schlamassel seit langem. Eine globale Rezession scheint nach Aussagen der Weltbank unvermeidlich. 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