{"id":6622,"date":"2011-08-05T05:40:52","date_gmt":"2011-08-05T04:40:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6622"},"modified":"2011-08-05T05:40:52","modified_gmt":"2011-08-05T04:40:52","slug":"semiprofessionelle-fusballligen-drop-out-ohne-berufsperspektive-ist-der-staat-in-der-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6622","title":{"rendered":"<small>Semiprofessionelle Fu\u00dfballligen:<\/small> <br>Drop out ohne Berufsperspektive \u2013 Ist der Staat in der Verantwortung?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In den Amateurligen des deutschen Fu\u00dfballs haben sich in den letzten Jahrzehnten verst\u00e4rkt durch das medienwirksame Vorbild des Profifu\u00dfballs semi-professionelle Arbeitsverh\u00e4ltnisse herausgebildet. Die daraus resultierenden gezahlten Entgelte erfordern w\u00e4hrend der sportlichen Laufbahn in vielen F\u00e4llen keinen Nebenerwerb, reichen aber oftmals nicht aus, um auf eine berufliche Bet\u00e4tigung nach der sportlichen Karriere verzichten zu k\u00f6nnen. Deshalb ist eine Karriere nach der Karriere f\u00fcr eine Vielzahl an Fu\u00dfballspielern unumg\u00e4nglich. Vor diesem Hintergrund sollten sich Fu\u00dfballspieler eigentlich schon w\u00e4hrend ihrer sportlichen Laufbahn f\u00fcr ihr berufliches Fortkommen danach vorbereiten. Tats\u00e4chlich belegen Studien jedoch, da\u00df sich ein Gro\u00dfteil der aktiven Fu\u00dfballspieler nur unzul\u00e4nglich mit der Thematik besch\u00e4ftigt (<em>Daumann &amp; R\u00f6mmelt<\/em> 2009).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowohl die berufliche als auch die finanzielle Vorbereitung auf die Zeit danach l\u00e4sst sich eindeutig als defizit\u00e4r beschreiben. Die Mehrheit der Spieler ist sich der Problematik bewu\u00dft und auch die M\u00f6glichkeit, da\u00df jederzeit ein sofortiges Karriereende beispielsweise aufgrund von einer Verletzung eintreten kann, ist bei einem Gro\u00dfteil der Spieler allgegenw\u00e4rtig. Ma\u00dfnahmen zur Vorsorge treffen hingegen aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden nur sehr wenige. Spieler in den semi-professionellen Ligen hoffen oftmals, irgendwann erstklassig zu spielen und damit bar jeglicher finanzieller Sorgen f\u00fcr den Rest des Lebens zu sein. Zudem sehen die Spieler Funktion\u00e4re in der Verantwortung, Unterst\u00fctzung zu leisten &#8211; und dies insbesondere in F\u00e4llen, in denen der Spieler jahrelang dem Verein die Treue gehalten hat. Im Gegensatz dazu halten Manager, Trainer und andere Verantwortliche in den Vereinen den Spieler f\u00fcr sich selbst verantwortlich (<em>Daumann &amp; R\u00f6mmelt<\/em> 2009, S.12). Dieser Sachverhalt konstituiert ein \u201eVerantwortungs-Vakuum\u201c innerhalb des \u201egeschlossenen Systems Fu\u00dfball\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um einen problemlos(er)en Einstieg in die nach-sportliche Berufswelt sicherzustellen, ist Bildung ein unumg\u00e4nglicher Faktor, d. h., gelingt es den Fu\u00dfballspielern, w\u00e4hrend der Fu\u00dfballkarriere anderweitig verwertbares Humankapital aufzubauen \u2013 etwa in der Form, da\u00df eine Lehre oder ein Studium abgeschlossen wird, dann sind die Chancen, nach Ende der sportlichen Karriere in einem anderen Beruf Fu\u00df zu fassen, durchaus gut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Verantwortung des Staates. Marktwirtschaftliche Systeme setzen die Geltung des Prinzips der Einheit von Handlung und Haftung voraus (<em>Eucken<\/em> 1998). Demnach hat derjenige Akteur, der Entscheidungen trifft, auch die Folgen dieser Entscheidungen zu tragen. Auf der Basis dieses und anderer konstituierender Prinzipien bildet sich ein Marktsystem heraus, das den Akteuren gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheitsspielr\u00e4ume einr\u00e4umt und zu einer im Vergleich zu  anderen Wirtschaftssystemen \u00fcberlegenen Versorgung f\u00fchrt. Die Notwendigkeit staatlicher Intervention wird regelm\u00e4\u00dfig auf Basis der Marktversagenstheorie gepr\u00fcft. Derartige Versagenstatbest\u00e4nde sind eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung f\u00fcr eine staatliche Intervention. Im Rahmen der semi-professionellen Fu\u00dfballspieler k\u00f6nnten negative externe Effekte vorliegen: Dadurch, da\u00df manche semi-professionelle Fu\u00dfballspieler es vers\u00e4umen, f\u00fcr die nach-sportliche Karriere Vorsorge zu treffen, kann ihnen die Integration in das Arbeitsleben nach der sportlichen Karriere mi\u00dflingen. Dadurch sind sie gezwungen, das staatliche Sicherungssystem in Anspruch zu nehmen. Insofern werden Teile der Kosten, die aus der mangelnden Vorausschau dieser Akteure resultieren, sozialisiert; es entsteht ein negativer externer Effekt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich ist dieser Effekt jedoch politisch induziert; in diesem Fall hei\u00dft das, da\u00df die M\u00f6glichkeit der Inanspruchnahme des staatlichen Sicherungssystems nicht davon abh\u00e4ngt, ob der betroffene Akteur seine finanzielle Misere selbst verursacht hat oder ob er ohne eigenes Verschulden in diese Situation geraten ist. Mit anderen Worten: Es er\u00f6ffnen sich M\u00f6glichkeiten des moral hazard, die darin bestehen k\u00f6nnten, bewu\u00dft auf potentiell mit hohen Kosten<sup><a id=\"anker1\" href=\"#fn1\">[1]<\/a><\/sup> verbundene Vorsorge zu verzichten. Eine L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem best\u00fcnde somit darin, die Inanspruchnahme staatlicher Sicherungssysteme f\u00fcr Akteure einzuschr\u00e4nken (nicht aufzuheben), die aufgrund eigenen Verschuldens in eine derartige Situation geraten. W\u00fcrde eine derartige Pr\u00fcfung vor die Inanspruchnahme geschaltet, dann w\u00fcrde der Anreiz zu moral hazard erheblich eingeschr\u00e4nkt und damit auch das Problem der damit verbundenen negativen Externalit\u00e4ten vermindert. F\u00fcr die semi-professionellen Fu\u00dfballspieler w\u00fcrde damit ebenfalls der Anreiz erh\u00f6ht, rechtzeitig in die nach-sportliche Karriere zu investieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geht man davon aus, da\u00df die Voraussetzungen der Inanspruchnahme staatlicher Sicherungssysteme nicht ver\u00e4nderbar sind, dann bleiben im wesentlichen drei Handlungsoptionen \u00fcbrig:<\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: justify;\">Zwang: Fu\u00dfballspieler und andere Sportler werden verpflichtet, entsprechende Vorbereitungen f\u00fcr die nach-sportliche Karriere zu treffen. Eine derartige Intervention \u2013 sieht man von den mangelnden Operationalisierungs- und Durchsetzungsproblemen ab \u2013 w\u00fcrde einen massiven Eingriff in die Handlungsspielr\u00e4ume der Akteure nach sich ziehen und damit mit einem marktwirtschaftlichen System nicht vereinbar sein.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Information: Fu\u00dfballspieler werden \u00fcber die Gefahren, die ein Verzicht auf die Vorbereitung einer nach-sportlichen Karriere f\u00fcr sie bedeutet, informiert und damit sensibilisiert. Tatsache ist jedoch, da\u00df viele davon betroffene Sportler die Gefahr kennen, aber trotzdem nicht handeln. Insofern d\u00fcrfte dieses Instrument eher eine geringe Wirkung entfalten.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Verzicht auf Intervention: Vor dem Hintergrund des Ausma\u00dfes des Problems (Umfang des betroffenen Personenkreises und des externen Effekts) scheint der Verzicht auf eine Intervention eine sinnvolle L\u00f6sung zu sein, zumal die Intervention mit erheblichen Kosten verbunden sein d\u00fcrfte.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zumindest mittelfristig d\u00fcrfte sich bei den Vereinen bei der Gewinnung von Spielern eine die sportliche Karriere begleitende Vorbereitung auf das Berufsleben danach als Aktionsparameter etablieren, wodurch das Verantwortungsvakuum beseitigt und damit das Problem einer effizienten L\u00f6sung zugef\u00fchrt w\u00fcrde. Da\u00df sich im Sport bereits derartige Ans\u00e4tze finden, zeigt der Ehrenkodex des DSB (heute DOSB), nach dem alle Akteure des Sports sich verpflichtet f\u00fchlen sollten, Sportlerinnen und Sportler zur Eigenverantwortlichkeit und Selbstst\u00e4ndigkeit, auch im Hinblick auf ihr sp\u00e4teres Leben, zu erziehen (o. V. 1977).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fu\u00dfnote::<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"#anker1\">[1]<\/a>F\u00fcr die Fu\u00dfballer d\u00fcrften die hohen Kosten insbesondere dadurch entstehen, da\u00df alle Ma\u00dfnahmen, die das berufliche Fortkommen nach Abschlu\u00df der sportlichen Karriere erleichtern sollen, mit erheblichem Zeitaufwand verbunden sind. Diese potentielle zeitliche Inanspruchnahme w\u00fcrde jedoch dem Spieler f\u00fcr den Aufbau des sportlich relevanten Humankapitals fehlen und damit seine Chance schw\u00e4chen, irgendwann erstklassig zu spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Daumann, F. &amp; R\u00f6mmelt, B.<\/em> (2009), Die Vorbereitung semiprofessioneller Fu\u00dfballspieler auf das Karriere-Ende, in Kremer, H.-G. (Hrsg.), Jenaer Beitr\u00e4ge zum Sport, Heft 14, S.12 \u2013 18, Jena.<br \/>\nEucken, W. (2008), Grunds\u00e4tze der Wirtschaftspolitik, Nachdruck der 7. Aufl., T\u00fcbingen.<em><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>o.V. <\/em>(1977), Ehrenkodex f\u00fcr Trainerinnen und Trainer im Sport, in Leistungssport, 27Jg, Heft 5, S. 14-15.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Amateurligen des deutschen Fu\u00dfballs haben sich in den letzten Jahrzehnten verst\u00e4rkt durch das medienwirksame Vorbild des Profifu\u00dfballs semi-professionelle Arbeitsverh\u00e4ltnisse herausgebildet. 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