{"id":7061,"date":"2011-09-16T00:01:08","date_gmt":"2011-09-15T23:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7061"},"modified":"2011-09-16T14:17:08","modified_gmt":"2011-09-16T13:17:08","slug":"schweizer-nationalbank-zieht-die-reisleinefranken-wird-an-den-euro-gekoppelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7061","title":{"rendered":"Schweizer Nationalbank zieht die Rei\u00dfleine<br><small>Franken wird an den EURO gekoppelt<\/small>"},"content":{"rendered":"<p>Am 6. September verk\u00fcndete die Schweizerische Nationalbank (SNB) einen Mindestkurs des Frankens gegen\u00fcber dem Euro. Durch unbegrenzte Devisenmarktinterventionen will sie garantieren, dass der Wechselkurs nicht unter 1,20 Franken f\u00fcr einen Euro f\u00e4llt. Zu sehen ist diese Ma\u00dfnahme vor dem Hintergrund einer (weiteren) starken Aufwertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro in den letzten Monaten. Abbildung 1 zeigt, dass der Franken in der Zeit von 2003 bis 2007 zun\u00e4chst stetig abwertete, was Carry Trades in gro\u00dfem Umfang ausl\u00f6ste. Neben dem Zinsvorteil zu Gunsten einer Anlage in der Euro-Zone wurde dar\u00fcber hinaus ein Aufwertungsgewinn bei Anlagen in Euro (durch den weiter steigenden Wechselkurs) erwartet und auch in vielen F\u00e4llen realisiert. Da sich der Wechselkurs in dieser Phase aber immer weiter von der Kaufkraftparit\u00e4t (hier berechnet auf der Basis des Zeitpunkts Januar 1999) entfernte, war es nur eine Frage der Zeit, wann es zu einer Trendumkehr kommen w\u00fcrde. Die Abwertung des Euros bzw. die Aufwertung des Frankens begann im Jahre 2008 und setzt sich seither stetig fort.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/kkp.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"KKP\" src=\"\/wordpress\/bilder\/kkp.png\" alt=\"KKP\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>In der Zeit von M\u00e4rz 2009 bis Juni 2010 kam es bereits zu einer ersten Runde von Devisenmarktinterventionen durch die SNB. Sie verkaufte in diesem Zeitraum etwa 70 Mrd. Franken im Gegenzug zu einem entsprechenden Ankauf von Euro. Da der Euro allerdings in den folgenden Monaten weiter an Wert verlor, f\u00fchrten diese Aktionen zu einem erheblichen (Buch-)Verlust der SNB, der ihr herbe Kritik eintrug. Bis zum Beginn des Jahres 2010 war der Euro jedoch (bezogen auf die Kaufkraftparit\u00e4t) noch \u00fcber- und der Franken unterbewertet, so dass Devisenmarktinterventionen aus Gr\u00fcnden der \u201eKurspflege\u201c nicht notwendig gewesen w\u00e4ren. Seit dem Beginn der Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone hat sich die Aufwertung des Frankens durch seine Funktion als \u201esicherer Hafen\u201c allerdings deutlich beschleunigt und mittlerweile ist der Franken erheblich \u00fcber- und der Euro unterbewertet.<\/p>\n<p>Die nun vorliegende \u00dcberbewertung des Frankens gegen\u00fcber dem Euro wirkt sich wiederum negativ auf die Schweizer Wirtschaft aus, die in starkem Ma\u00dfe in die Euro-Zone exportiert (siehe hierzu auch Abbildung 2). So verteuert sich auf der einen Seite der Urlaub f\u00fcr ausl\u00e4ndische Touristen in der Schweiz, w\u00e4hrend auf der anderen Seite die Exportbranchen an Wettbewerbsf\u00e4higkeit verlieren. Mittlerweile fahren Schweizer Konsumenten in gro\u00dfem Umfang ins (deutsche) Euro-Ausland, um sich dort g\u00fcnstig mit entsprechenden Waren zu versorgen. Dies f\u00fchrte wiederum dazu, dass die Schweizer Anbieter auf ihren Waren sitzen blieben. Als Ergebnis dieser Entwicklungen stagniert die Schweizer Wirtschaft im Moment und die Verbraucherpreise sanken im August sogar um 0,3 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/export.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Exporte\" src=\"\/wordpress\/bilder\/export.png\" alt=\"Exporte\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Ein zweites Argument, das sowohl bei der Begr\u00fcndung der aktuellen Ma\u00dfnahme als auch in der Interventionsphase 2009\/2010 eine Rolle spielt(e), ist somit die Ankurbelung der heimischen Wirtschaft sowie die Vermeidung einer drohenden Deflation, die man mit Hilfe einer expansiven Geldpolitik erreichen will. Nachdem die SNB im Zusammenhang mit der Finanzkrise und zur Entlastung des Interbankenmarktes den Zinssatz auf ein Niveau von nahe Null gesenkt hatte, stand dieses Instrument im Jahre 2009, als die heimische Wirtschaft unterst\u00fctzt werden sollte, nicht mehr zur Verf\u00fcgung. \u00c4hnlich wie der amerikanischen Zentralbank (Fed) blieb der SNB daher nur ein Quantitative Easing (QE), um weitere expansive geldpolitische Impulse auszul\u00f6sen. In einer Volkswirtschaft, in der auf der einen Seite die Staatsverschuldung vergleichsweise niedrig ist und damit wenige Staatsschuldpapiere umlaufen, auf der anderen Seite aber auch nur ein begrenztes Ma\u00df an Unternehmensanleihen zur Verf\u00fcgung steht, l\u00e4sst sich ein solches QE aber nur \u00fcber Devisenmarktinterventionen durchf\u00fchren. Dies setzt allerdings voraus, dass deren geldpolitische Wirkungen nicht sterilisiert, sondern in vollem Umfang wirksam werden. Da die SNB bereits w\u00e4hrend der letzten Wochen eine sehr expansive Geldpolitik betrieben hat, um eine Abwertung des Frankens herbeizuf\u00fchren, kann man vermuten, dass gegenw\u00e4rtig der Erhalt der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit und damit auch von Arbeitspl\u00e4tzen in der Schweiz das prim\u00e4re Ziel des Mindestwechselkurses darstellt.<\/p>\n<p>Dieser Mindestwechselkurs wurde in H\u00f6he von 1,20 Franken f\u00fcr einen Euro festgelegt und die SNB will ihn \u2013 nach eigenen Aussagen \u2013 mit allen Mitteln, d.h. mit unbeschr\u00e4nkten Devisenk\u00e4ufen durchsetzen. Dabei unterliegt sie keinerlei Beschr\u00e4nkungen, da sie die zum Kauf der Devisen notwendigen Franken selbst schaffen kann. Die Frage ist allerdings, welche Kosten m\u00f6glicherweise mit einer solchen Garantie verbunden sind. Im Vordergrund steht dabei die Aufgabe oder zumindest Einschr\u00e4nkung einer autonomen Geldpolitik, da bei einem Wechselkursziel das nationale Gleichgewicht (in Form der Preisniveaustabilit\u00e4t) dem au\u00dfenwirtschaftlichen Gleichgewicht hier im Sinne eines Mindestwechselkurses untergeordnet werden muss. Devisenmarktinterventionen zugunsten der eigenen W\u00e4hrung f\u00fchren n\u00e4mlich stets dazu, dass Devisen \u2013 in diesem Fall Euro \u2013 angekauft werden m\u00fcssen und im Gegenzug heimische W\u00e4hrung verkauft werden muss. Diese Aktion l\u00e4sst wiederum die (internationale Komponente der) Geldbasis ansteigen, die die Grundlage der Geldsch\u00f6pfung bildet. Ohne weitere Aktionen f\u00fchrt daher die Ausweitung der Geldbasis zu einem Anstieg der Geldmenge und \u2013 mit entsprechenden zeitlichen Wirkungsverz\u00f6gerungen \u2013 l\u00e4ngerfristig zu einem Anstieg der Inflationsrate.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger die Devisenmarktinterventionen andauern und je gr\u00f6\u00dfer das Ankaufsvolumen ausf\u00e4llt, desto st\u00e4rker wird aber die Inflation in der Schweiz ansteigen.  Damit verliert die Schweizer Wirtschaft aber auch in diesem Fall ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u2013 nun allerdings nicht durch die Aufwertung des Frankens, sondern durch die steigende Inflation in der Schweiz. Diese Inflation betrifft auch nicht nur die Exportbereiche, sondern die gesamte Volkswirtschaft. Das Volumen der Interventionen und damit auch die Zunahme der Inflation h\u00e4ngen dabei in starkem Ma\u00dfe von der Glaubw\u00fcrdigkeit des festgelegten Mindestwechselkurses ab. Forderungen von Schweizer Unternehmen und Gewerkschaften, den Mindestwechselkurs bei 1,30 oder besser noch 1,40 Franken gegen\u00fcber dem Euro festzulegen h\u00e4tten den Wechselkurs kurzfristig zwar n\u00e4her an die Kaufkraftparit\u00e4t herangef\u00fchrt, zugleich aber auch in der aktuellen Situation zu Interventionsverpflichtungen gef\u00fchrt, deren Geldmengenwirkungen kaum akzeptabel w\u00e4ren. Dies wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass \u2013 nach Angaben der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich \u2013 der t\u00e4gliche Umsatz am Euro-Franken-Devisenmarkt bereits im April 2010 ein Volumen von 72 Mrd. USD aufwies. Im Gegensatz dazu betr\u00e4gt der t\u00e4gliche Umsatz an der Schweizer B\u00f6rse (Aktien, Obligationen und Fonds) nur etwa zehn Prozent davon. L\u00e4ngerfristig ist allerdings \u2013 vor dem Hintergrund der Kaufkraftparit\u00e4t \u2013 durchaus mit einem Wechselkurs deutlich \u00fcber 1,20 Franken zu rechnen. Damit entf\u00e4llt auch die Bef\u00fcrchtung, die in n\u00e4chster Zukunft angekauften Euro w\u00fcrden bei einer sp\u00e4teren Aufhebung des Mindestwechselkurses zu umfangreichen Verlusten bei der SNB f\u00fchren \u2013 es ist vielmehr damit zu rechnen, dass die l\u00e4ngerfristig zu erwartende Aufwertung des Euros ihr sogar Gewinne bescheren wird.<\/p>\n<p>Das Kernproblem sind daher die mit dem Mindestwechselkurs verbundenen Inflationsgefahren. Um dieser Gefahr entgegenzutreten, versuchen Zentralbanken h\u00e4ufig, die interventionsbedingte Erh\u00f6hung der internationalen Komponente der Geldbasis durch entgegengesetzte Transaktionen im Bereich der nationalen Komponente der Geldbasis zu neutralisieren (sterilisieren). Gelingt es, die zuflie\u00dfende Liquidit\u00e4t in Form der angekauften Devisen etwa durch restriktive Offenmarktoperationen wieder vom Markt zu nehmen, dann bleiben die Geldbasis, die Geldmenge und am Ende auch die Inflationsrate unver\u00e4ndert. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass eine solche Politik \u2013 insbesondere bei hoher internationaler Kapitalmobilit\u00e4t \u2013 bestenfalls f\u00fcr eine (kurze) \u00dcbergangszeit Erfolg verspricht. Es ist ferner damit zu rechnen, dass die SNB einer steigenden Inflation auch nicht durch eine restriktive Geldpolitik entgegentreten kann, da die hierzu notwendige autonome Geldpolitik \u2013 wenn denn der Mindestwechselkurs noch besteht \u2013 nicht m\u00f6glich sein wird. Die einzige Hoffnung w\u00e4re, dass sich der Wechselkurs zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Kaufkraftparit\u00e4t zubewegt und damit deutlich \u00fcber 1,20 Franken f\u00fcr einen Euro liegen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In der Schweiz wurde im Vorfeld der Wechselkurskopplung h\u00e4ufig auf die (vermeintlich guten) Erfahrungen mit einer solchen Ma\u00dfnahme im Jahre 1978 verwiesen. Zum 1. Oktober 1978 setzte die SNB ein Wechselkursziel von mindestens 80 Rappen f\u00fcr eine DM fest. Bei unbegrenzter Interventionsbereitschaft der Zentralbank ist ein positives Ergebnis in Form des erreichten Wechselkursziels allerdings nicht verwunderlich. So kaufte sie in diesem Rahmen Devisen im Gegenwert von etwa 10 Mrd. Franken, wodurch die Geldmenge M1 im Jahre 1978 um 16 statt der angek\u00fcndigten 5 Prozent und 1979 um 8,5 Prozent anstieg. Weniger h\u00e4ufig wird allerdings darauf verwiesen, dass nachfolgend die Inflationsrate von 1 Prozent im Jahr 1978 auf 6,5 Prozent im Jahr 1981 anstieg. Die abschlie\u00dfende Frage ist daher nicht, ob die SNB ein Wechselkursziel erneut erfolgreich durchsetzen kann, sondern vielmehr, wie hoch die Kosten sind, die damit einhergehen.<\/p>\n<p>1978 geriet die DM unter Abwertungsdruck, weil die deutsche Regierung zuvor bei einem Wirtschaftstreffen eine expansivere Finanzpolitik angek\u00fcndigt hatte, die k\u00fcnftige Abwertungserwartungen ausl\u00f6ste. Doch schon bald stellte sich heraus, dass der Ausgabenanstieg deutlich geringer ausfiel und damit die Erwartungen fehlerhaft waren. Dies f\u00fchrte dazu, dass die notwendigen Interventionen seitens der SNB zur Schw\u00e4chung des Frankens nur von begrenzter Dauer waren und damit auch der Inflationsanstieg  nicht noch st\u00e4rker ausfiel. In der gegenw\u00e4rtigen Situation erheblicher Fluchtgelder aus dem Euro in den Franken scheint eine Wende allerdings nicht in Sicht zu sein. Zu gro\u00df sind die Unsicherheiten, ob und wie die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone gel\u00f6st werden kann. Daher muss man bef\u00fcrchten, dass die Interventionsverpflichtungen der SNB umfangreich sein und zudem l\u00e4nger andauern werden. Als Ergebnis steigt die Inflationsgefahr f\u00fcr die Schweiz in den n\u00e4chsten Jahren deutlich an, w\u00e4hrend gleichzeitig die Geldpolitik ihre Autonomie nicht zur\u00fcckgewinnen wird, um diesen Entwicklungen rechtzeitig entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Damit hat man bestenfalls Zeit f\u00fcr die Schweizer (Export-)Wirtschaft erkauft, doch m\u00f6glicherweise auf Kosten einer k\u00fcnftig deutlich h\u00f6heren Inflationsrate, die dann nicht nur die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit untergr\u00e4bt, sondern die gesamte Volkswirtschaft auf vielf\u00e4ltige Weise \u2013 wie etwa durch Allokationsineffizienzen, Verm\u00f6gens- und Umverteilungsverluste \u2013  belastet.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 6. 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