{"id":7124,"date":"2011-10-12T05:42:58","date_gmt":"2011-10-12T04:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7124"},"modified":"2011-10-12T05:46:58","modified_gmt":"2011-10-12T04:46:58","slug":"die-macht-des-geldes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7124","title":{"rendered":"Die Macht des Geldes?"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber die Macht des Geldes wird viel gesprochen. Weniger klar ist, was mit den vielen Worten gesagt wird. Denn bereits der Ausdruck \u201eMacht des Geldes\u201c l\u00e4sst vielerlei (Be-)Deutungen zu. Im Weiteren werde ich auf der Basis von einem weiten und einem engen Machbegriff zwei Deutungen des Slogans von der \u201cMacht des Geldes\u201c\u009d vorschlagen und diskutieren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Macht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen besteht Macht generell in dem Potential, beliebige eigene Ziele erreichen zu k\u00f6nnen, zum anderen darin, zur Erreichung eigener Ziele die Zielerreichung anderer einzuschr\u00e4nken. Im ersten Fall k\u00f6nnte man von \u201cMacht zu\u201c\u009d, im zweiten von \u201cMacht \u00fcber\u201c\u009d sprechen. Beim Ersten handelt es sich darum, ganz allgemein etwas in der Zukunft verwirklichen zu k\u00f6nnen, beim Zweiten darum, etwas durch Aus\u00fcbung von Zwang auf andere realisieren zu k\u00f6nnen. Der erste Begriff ist allgemeiner, der zweite Begriff spezieller.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist f\u00fcr jeden von uns erstrebenswert, das Potential zu besitzen, etwas in der Zukunft erreichen zu k\u00f6nnen. Macht im ersten Sinne muss von dem, der sie besitzt, daher grunds\u00e4tzlich als etwas \u201egutes\u201c und erstrebenswertes angesehen werden. Wenn die Mittel zur Erreichung des Zieles allerdings die Anwendung von Macht im zweiten Sinne beinhalten, kann dies zu einer anderen Bewertung f\u00fchren \u2013 insbesondere durch andere Personen als den Machtbesitzer. Denn der Zweck heiligt nat\u00fcrlich nicht jegliche Anwendung von \u201eMacht \u00fcber\u201c andere. Das gilt vor allem dann, wenn Geld und Politik ihre Macht verbinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Geld<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soweit Geld dazu benutzt werden kann, Macht in dem zweiten hier angedeuteten Sinne auszu\u00fcben, ist es mit Misstrauen zu betrachten. Vor allem dann, wenn sich \u201eGeld\u201c (jene, die \u00fcber Geld verf\u00fcgen) Zugang zu politischer Macht verschaffen will, m\u00fcssen wir ihm dann im Rechtsstaat mit dem gleichen Misstrauen wie allen Arten von politischer Macht begegnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Solange Geld von anderen nat\u00fcrlichen oder juristischen Personen \u2013 \u201cZug um Zug, Ware gegen Geld\u201c\u009d \u2013 entgegengenommen und gegen Waren oder Dienste freiwillig eingetauscht wird, ist es das bevorzugte Mittel, \u201eMacht zu\u201c ohne \u201eMacht \u00fcber\u201c auszu\u00fcben. Geld verleiht dem Geber Macht nur, weil es dem Empf\u00e4nger das Potential verleiht, selber Macht auszu\u00fcben usw.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jeder, der den vorangehenden Mechanismus verstanden hat, wird dazu neigen, den endemischen Unfug der Verteufelung der Geldwirtschaft und des Tausches abzulehnen. Der Bei\u00dfreflex gegen die Geldwirtschaft, der viele Religionen \u2013 einschlie\u00dflich der marxistischen S\u00e4kular-Religion \u2013 kennzeichnet, ist vollkommen unberechtigt. So wie der Markt \u2013 insbesondere auch nach richtiger Auffassung der deutschen Ordnungstheorie \u2013 das gr\u00f6\u00dfte Entmachtungsinstrument (hinsichtlich der Macht \u00fcber andere) \u00fcberhaupt darstellt, so bildet das Geld das gr\u00f6\u00dfte Erm\u00e4chtigungsinstrument (im Sinne der Macht zu) auf M\u00e4rkten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beides die Entmachtung wie die Erm\u00e4chtigung stehen allerdings unter der Voraussetzung, dass es eine funktionierende Konkurrenz auf M\u00e4rkten gibt. Das ist typischerweise der Fall, solange nicht der Staat mit seiner Zwangsgewalt eingreift, um bestimmte Marktparteien gegen\u00fcber anderen zu bevorzugen. Die Macht des Geldes im ersten Sinne verliert allerdings ihre Unschuld, wenn sie sich in Macht im zweiten Sinne verwandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. \u201eGeldmacht\u201c und politische Macht<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Geldwirtschaft ist auch die \u201eWare Arbeitskraft\u201c der monet\u00e4ren Bewertung durch andere zug\u00e4nglich. \u201e(D)ie Geltung oder der Wert eines Menschen ist wie der aller anderen Dinge sein Preis. &#8230; Und wie bei anderen Dingen, so bestimmt auch bei den Menschen nicht der Verk\u00e4ufer den Preis, sondern der K\u00e4ufer. Denn mag jemand, wie es die meisten Leute tun, sich selbst den h\u00f6chsten Wert beimessen, so ist doch sein wahrer Wert nicht h\u00f6her, als er von den anderen gesch\u00e4tzt wird\u201c (vgl. Hobbes, Thomas, Leviathan, Ullstein\/Suhrkamp-Ausgabe, 1976, \u00c2\u00a7 10, 67).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielen erscheint Hobbes als Zyniker. Doch es ist keineswegs weit hergeholt, dass die wirtschaftlichen Erfolge der letzten 30 Jahre insbesondere in Schwellenl\u00e4ndern auch auf die Deregulierung von Arbeitsm\u00e4rkten zur\u00fcckgehen. In den entwickelten L\u00e4ndern muss man die Bereitschaft, die Arbeit auch der Preisbewertung zu unterwerfen, erkauft werden. Da offene Zahlungen in der Regel weit weniger Schaden anrichten als versteckte, die durch Regulierungen erfolgen, ist es vielleicht kein Zufall, dass gerade jene Staaten, die am besten in Indizes zur Messung der \u00f6konomischen Freiheit abschneiden, typischerweise auch von ziemlich hohen Transfers gekennzeichnet sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst die vereinigten Staaten von Amerika, in denen es ja vorgeblich keinen Wohlfahrtsstaat gibt, kennen gro\u00dfe Transferzahlungen im Bereich der Kranken- und Rentenversicherung etwa f\u00fcr die \u00e4lteren Gesellschaftsglieder. L\u00e4nder wie Schweden sind vermutlich noch bessere Beispiele f\u00fcr das angesprochene Ph\u00e4nomen, weil sie ziemlich unregulierte M\u00e4rkte mit hohen Transfersummen f\u00fcr die B\u00fcrger verbinden. Es ist eines der Ziele des schwedischen Wohlfahrtsstaates, den einzelnen B\u00fcrger durch Transfers in die Lage zu versetzen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Die in Deutschland in den letzten Jahren so popul\u00e4ren Vorstellungen von einem unbedingten Grundeinkommen gehen in die gleiche Richtung. Ohne an dieser Stelle f\u00fcr diese Arten von Sozialpolitik einzutreten oder deren Kosten im einzelnen zu bestimmen, kann man festhalten, dass die unbedingten Geldtransfers vielen von uns als so anziehend erscheinen, weil sie eine Bevormundung des Empf\u00e4ngers aus- und zugleich dessen Erm\u00e4chtigung zur Teilnahme am Wirtschaftsverkehr durch Geldmittel einschlie\u00dfen. Derjenige, der \u00fcber ein Mindestma\u00df an Geld verf\u00fcgt, hat die Macht, seine Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob ein solches System nicht auch eine Abh\u00e4ngigkeitskultur bei den Empf\u00e4ngern induziert und sie damit zunehmend unf\u00e4hig machen k\u00f6nnte, f\u00fcr ihren eigenen Lebensunterhalt aufzukommen, ist eine interessante Frage. Es scheint, dass die Abh\u00e4ngigkeitskultur wom\u00f6glich dadurch entsteht, dass man seine eigene Arbeitskraft der Preisbewertung durch andere nicht mehr unterwerfen bzw. kein gesuchter Anbieter von Arbeitsleistungen mehr sein muss. Salopp gesprochen: Wenn die Macht des Geldes jemanden zwingt, seinen Hintern von der Couch zu rollen, kann das wom\u00f6glich f\u00fcr den Betroffenen und auch f\u00fcr seinen Hintern gute Konsequenzen haben. Zugleich ist ein garantiertes Geldeinkommen gewiss der Unabh\u00e4ngigkeit des einzelnen Individuums von Zw\u00e4ngen f\u00f6rderlich. Es verleiht ihm die Macht, seine Minimalziele zu erreichen, ohne sich der Bewertung durch andere zu unterwerfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>4. Die Macht der Banken und des Gro\u00dfkapitals<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diejenigen, die von der \u201eMacht des Geldes\u201c sprechen, denken gern an die Macht von Banken und Gro\u00dfunternehmen, die anscheinend \u00fcber geradezu unbeschr\u00e4nkte Ressourcen und Mittel verf\u00fcgen. Dass es mit der Macht des Bankensektors nicht allzu weit her ist, wenn nicht die Zentralbanken Liquidit\u00e4t\u00c2\u00a0 und W\u00e4hrungsstabilit\u00e4t garantieren, kann man in der aktuellen Finanzkrise recht gut beobachten. Jene scheinbare \u201eMacht des Geldes\u201c, die letztlich aus der Ohnmacht der Banken erw\u00e4chst, sich gegen das Fehlverhalten anderer Banken zu sch\u00fctzen, ist tats\u00e4chlich zu beschr\u00e4nken. Solange Banken durch immer neue Tricks ihren Multiplikator (leverage) erh\u00f6hen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie letztlich in der Konkurrenz mit anderen Banken gewagte Strategien fahren, um ihre Profitabilit\u00e4t zu erh\u00f6hen. Da sie in Exekution dieser Strategien zugleich davon abh\u00e4ngen, dass andere Banken und die Kapitalm\u00e4rkte insgesamt liquide bleiben, haben sie immer ein pl\u00f6tzliches Herdenverhalten, eine sich selbst best\u00e4tigende Untergangsprognose und \u00c4hnliches in Rechnung zu stellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine vern\u00fcnftige Regulierung des Bankensektors ist daher sowohl im Interesse der Banken als auch aller anderen Betroffenen. Was \u201evern\u00fcnftig\u201c in diesem Zusammenhang hei\u00dft, ist allerdings eine im Einzelnen offene Frage. Unvern\u00fcnftig ist es in jedem Falle, irgendwelchen Verschw\u00f6rungstheorien anzuh\u00e4ngen und die Regulierung des Geldsektors dem Ziel zu unterstellen, die \u201eMacht des Geldes zu brechen\u201c. Eine Geldwirtschaft bleibt nach wie vor die beste aller m\u00f6glichen wirtschaftlichen Welten samt Banken und deren Krisen. Denn es gibt keine Finanzwelt ohne Krisen aber eben auch keine entwickelte wirtschaftliche Welt ohne Finanzwelt, in der sich die reale Welt spiegelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie die meisten Dinge in unserer Welt hat auch die Macht des Geldes zwei Seiten: eine Licht- und eine Schattenseite je nachdem, welche Art der Macht involviert ist. Soweit es um politische \u201eMacht \u00fcber\u201c geht, ist die alte Apo-Maxime \u201ekeine Macht f\u00fcr niemanden\u201c auch mit Bezug auf das Geld nicht verfehlt. Soweit es um \u201eMacht zu\u201c in einem nicht politischen Sinne geht, ist die Macht des Geldes f\u00fcr jeden von uns erstrebenswert und es ist auch erstrebenswert, in einer Welt zu leben, in der andere \u00fcber diese Macht verf\u00fcgen. Gerade deshalb haben wir alle ein Interesse an einer stabilen W\u00e4hrung und einer stabilen Geldpolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sollten auch sehr sensibel f\u00fcr die Tatsache sein, dass eine Politik, die sich daran gew\u00f6hnt hat, immer mehr Lebensbereiche zu durchdringen und dabei ihre eigene Ohnmacht zu beklagen, die Finanzkrise nutzen k\u00f6nnte, um noch mehr \u201eMacht \u00fcber\u201c zu gewinnen. Was als wohlmeinende Regulierungsbem\u00fchung beginnt, wird vielleicht b\u00f6se enden in Regulierungen zur Bevorzugung von Spezialinteressen, die wir \u00e4hnlich wie etwa die abstrusen Agrarregelungen nicht mehr loswerden. Denn neben Marktversagen gibt es auch Politikversagen. Am Ende ist das letztere gef\u00e4hrlicher und sehr h\u00e4ufig die Ursache f\u00fcr das hinterher M\u00e4rkten schlecht-geschriebene Versagen.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><br \/>\nHobbes, Thomas: Leviathan. Ullstein\/Suhrkamp 1976 ff.<br \/>\nBrennan, Geoffrey und Kliemt, Hartmut (2007): The Power to regulate, in: Ordnungspolitik f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Sektor; B. Neum\u00e4rker und C. Schnabel (eds.); Marburg: Metropolis-Verlag, 41-61<br \/>\nKliemt, Hartmut (1993): On Justifying A Minimum Welfare State, in: Journal of Constitutional Political Economy, Vol. 4(2), 159-172<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Macht des Geldes wird viel gesprochen. Weniger klar ist, was mit den vielen Worten gesagt wird. 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