{"id":7287,"date":"2011-10-05T15:25:18","date_gmt":"2011-10-05T14:25:18","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7287"},"modified":"2011-10-05T15:25:18","modified_gmt":"2011-10-05T14:25:18","slug":"von-der-eu-kommt-doch-manchmal-auch-etwas-gutes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7287","title":{"rendered":"Von der EU kommt doch manchmal auch etwas Gutes \u2026"},"content":{"rendered":"<p>Bisher gelang es den nationalen Fu\u00dfballigen, die Spiele zentral vermarkten, f\u00fcr ihre Unterhaltungsdienstleistung nationale Exklusivit\u00e4t zu sichern. Im hier relevanten Fall des Bezahlfernsehens werden in der Regel die TV-Rechte an einen Bezahlsender wie Sky oder Teleclub verkauft, der dann die Spiele live \u00fcber ein verschl\u00fcsseltes Signal ausstrahlt. Um dieses Signal verwerten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt der Verbraucher einen entsprechenden Decoder und eine Decoderkarte. Eine nationale Exklusivit\u00e4t wird nun dadurch erreicht, da\u00df die Decoderkarten nur Verbrauchern zug\u00e4nglich gemacht werden, die im entsprechenden Sendegebiete des Senders leben.\u00c2\u00a0 Damit gelang den Anbietern eine regionale, also vertikale Preisdifferenzierung \u2013 Arbitrage zwischen den nationalen M\u00e4rkten wurde damit wirksam unterbunden. Mit anderen Worten: Die die Unterhaltungsdienstleistung anbietende Liga \u2013 sofern kein Rechth\u00e4ndler zwischengeschaltet ist \u2013 hat bei einer derartigen Konstruktion in Abh\u00e4ngigkeit von der Nachfrage in der entsprechenden Region einen erheblichen Preisgestaltungsspielraum und kann diesen auf manchen M\u00e4rkten, in denen die Konkurrenz unbedeutend ist, dazu verwenden, ihren Optimalpreis durchzusetzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der EuGH hat diesem munteren Treiben nun ein Ende bereitet (Urteil in den Rechtssachen C-403\/08 und C-429\/08). Nach diesem Urteil versto\u00dfen \u201enationale Rechtsvorschriften, die die Einfuhr, den Verkauf und die Verwendung ausl\u00e4ndischer Decoderkarten untersagen, \u2026\u00c2\u00a0 gegen den freien Dienstleistungsverkehr\u2026\u201c und k\u00f6nnen \u201eweder im Hinblick auf das Ziel, die Rechte des geistigen Eigentums zu sch\u00fctzen, noch durch das Ziel, die Anwesenheit der \u00d6ffentlichkeit in den Fu\u00dfballstadien zu f\u00f6rdern, \u2026\u201c gerechtfertigt werden (EuGH, Pressemitteilung Nr. 102\/11). Mit anderen Worten: Der EuGH hat den Mechanismus, der der vertikalen Preisdifferenzierung zugrunde liegt, ausgehebelt; Arbitrage ist damit m\u00f6glich. Der britische Zuschauer kann nun also eine griechische Decoderkarte kaufen, die im Vergleich zur britischen wesentlich g\u00fcnstiger ist.<\/p>\n<p>Um die \u00f6konomisch relevanten Konsequenzen dieses Urteils erfassen zu k\u00f6nnen, lohnt sich nochmals ein Blick auf das Gesch\u00e4ftsmodell: So verkauft die Premier League bspw. national abgegrenzte Live-\u00dcbertragungsrechte ihrer Spiele an einzelne nationale Bezahlsender zu unterschiedlichen Preisen. Diese Sender machen die Spiele ihren Abonnenten zug\u00e4nglich. Sender, die diese bislang regional abgegrenzten Abonnements zu hohen Preisen ver\u00e4u\u00dfert haben, laufen nun Gefahr, durch die einsetzende Arbitrage Abonnenten zu verlieren. Daher werden diese Sender nicht mehr bereit sein, vergleichsweise hohe Preise f\u00fcr die \u00dcbertragungsrechte zu bezahlen mit der Folge, da\u00df auch die Ums\u00e4tze der entsprechenden Ligen absinken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Falle der Premier League, die etwa 1,8 Mrd. britische Pfund (= 2,14 Mrd. Euro) gegenw\u00e4rtig pro Jahr f\u00fcr ihre TV-\u00dcbertagungsrechte erl\u00f6st, wovon mehr als ein F\u00fcnftel im Ausland erzielt wird, d\u00fcrften somit erhebliche Umsatzeinbu\u00dfen zu erwarten sein. Die Fu\u00dfballbundesliga hingegen erzielt im Ausland lediglich 50 Mio. Euro, was etwa 12% ihrer gesamten j\u00e4hrlichen Einnahmen aus der Ver\u00e4u\u00dferung der TV-\u00dcbertragungsrechte ausmacht (gesamt: 420 Mio. Euro). Von diesen im Ausland erwirtschafteten 50 Mio. Euro f\u00e4llt gar nur die H\u00e4lfte auf EU-L\u00e4nder (o. V. 2011a; 2011b). Zudem erweist sich die Gefahr einer Arbitrage als vergleichsweise gering, da in den f\u00fcr deutsche Konsumenten interessanten L\u00e4ndern \u00d6sterreich und Schweiz ein \u00e4hnliches Preisniveau wie in Deutschland vorherrscht. Die \u00f6konomischen Auswirkungen auf die Bundesliga halten sich somit in sehr engen Grenzen, wenngleich nat\u00fcrlich die Erl\u00f6sperspektiven f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige\u00c2\u00a0 Vermarktung im Ausland sich eingetr\u00fcbt haben.<\/p>\n<p>Aus ordnungs\u00f6konomischer Sicht ist das Urteil vorbehaltlos zu begr\u00fc\u00dfen, da es die monopolistischen Strukturen aufbricht und die M\u00f6glichkeiten der vertikalen Preisdifferenzierung sehr stark einschr\u00e4nkt. Es erm\u00f6glicht also mehr Wettbewerb auf den entsprechenden M\u00e4rkten. Inwieweit dies dem Verbraucher zugute kommt, h\u00e4ngt von den Reaktionsm\u00f6glichkeiten der Anbieter ab. K\u00f6nnen die Anbieter die Arbitrage zwischen den nationalen M\u00e4rkten nicht unterbinden und sehen sie diese als eine Bedrohung an, so werden sie die Preise in den M\u00e4rkten anheben, in denen die Rechte bislang vergleichsweise g\u00fcnstig verkauft wurden oder zumindest daf\u00fcr Sorge tragen, da\u00df die Bezahlsender entsprechend ihre Abonnementpreise angleichen.<\/p>\n<p>Daneben werden die Rechteanbieter mit den Bezahlsendern zusammenarbeiten, um die vertikale Marktspaltung aufrecht erhalten zu k\u00f6nnen. Die Pharmaindustrie mit einsprachigen Beipackzetteln oder die Automobilindustrie mit Gew\u00e4hrleistungseinschr\u00e4nkungen zeigen hier gangbare Wege auf. Neben einer entsprechenden regionalen Produktdifferenzierung etwa \u00fcber das Sendeformat oder die Berichterstattung \u2013 was n\u00fctzt einem britischen Zuschauer ein Kommentar in ungarischer Sprache \u2013 bestehen f\u00fcr die Anbieter nach wie vor M\u00f6glichkeiten der verdeckten Marktspaltung etwa in Form \u201eeingeschr\u00e4nkter\u201c technischer M\u00f6glichkeiten etwa bei der Funktionsweise der Software, beim Zugang von Updates oder der Abhilfe von St\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Die ordnungspolitisch richtige Entscheidung des EuGH kann also durch entsprechende Ma\u00dfnahmen der Anbieter noch unterlaufen werden. Ob dies allerdings einen weiteren wettbewerbspolitischen Handlungsbedarf auf derartig dynamischen M\u00e4rkten erforderlich macht, scheint eher nicht der Fall zu sein. Vielmehr sollte prinzipiell die Institution der Zentralvermarktung beseitigt werden, wodurch die vertikale Marktabschottung stark an Bedeutung verlieren d\u00fcrfte. Die von den Ligen hervorgebrachten Argumente im Sinne der Notwendigkeit einer Umverteilung der Einnahmen zum Ausgleich der Spielst\u00e4rke der Clubs erweisen sich kaum als stichhaltig. Hier k\u00f6nnten durchaus andere Instrumente wie ein freiwilliger Ausgleichsfonds bei dezentraler Vermarktung zu einem Ausgleich der Spielst\u00e4rken f\u00fchren, ohne da\u00df damit derartige wettbewerbspolitisch problematische Folgen verbunden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>o. V. (2011a), Hintergrund: Bundesliga-Spiele im Ausland, Zugriff am 5. Oktober 2011 unter: http:\/\/www.news.de\/sport\/855229540\/hintergrund-bundesliga-spiele-im-ausland\/1\/<br \/>\no. V. (2011b), Pub-Besitzerin siegt: Milliardenmarkt in Aufruhr, Zugriff am 5. Oktober 2011 unter: http:\/\/www.news.de\/sport\/855229490\/pub-besitzerin-siegt-milliardenmarkt-in-aufruhr\/1\/<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher gelang es den nationalen Fu\u00dfballigen, die Spiele zentral vermarkten, f\u00fcr ihre Unterhaltungsdienstleistung nationale Exklusivit\u00e4t zu sichern. 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