{"id":7424,"date":"2011-10-28T00:01:31","date_gmt":"2011-10-27T23:01:31","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7424"},"modified":"2011-10-28T05:50:17","modified_gmt":"2011-10-28T04:50:17","slug":"european-safe-bonds-euro-bonds-in-disguise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7424","title":{"rendered":"European Safe Bonds &#8211; Euro-Bonds in disguise?"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. September 2011 hat eine Forschergruppe (The euro-nomics group) um den deutschen Princeton-\u00d6konomen Markus Brunnermeier ein <a href=\"http:\/\/euro-nomics.com\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/ESBiesWEBsept262011.pdf\">Konzept f\u00fcr \u201esichere europ\u00e4ische Staatsanleihen\u201c<\/a> [European Safe Bonds (ESBies)] vorgelegt , das im Folgenden vorgestellt und einer kritischen Analyse unterzogen werden soll. Eines sei dabei bereits vorweg genommen: Der Vorschlag ist nicht dazu geeignet aber auch nicht konzipiert, um die aktuelle Verschuldungskrise zu l\u00f6sen. Es geht vielmehr darum, den Teufelskreis (\u201ediabolic loop\u201c) zwischen Staatsschuldenkrise und (erneuter) Bankenkrise zu \u00fcberwinden, den die folgende Abbildung veranschaulicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/schuldbank.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Staatsschulden und Banken\" src=\"\/wordpress\/bilder\/schuldbank.png\" alt=\"Staatsschulden und Banken\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Den Kernpunkt des Problems sehen die Autoren des Vorschlags in dem hohen Anteil an Schuldtiteln des Heimatstaats, der von den Banken der europ\u00e4ischen L\u00e4nder gehalten wird. Kommt es zu einer Staatsschuldenkrise, dann werden (hohe) Abschreibungen insbesondere bei den nationalen Banken ausgel\u00f6st, die wiederum zu Eigenkapitalverlusten f\u00fchren. Handelt es sich um systemisch relevante Banken, die \u201etoo big to fail\u201c sind, dann erh\u00f6ht dies die Wahrscheinlichkeit oder die (vermeintliche) Notwendigkeit, diese Banken mit staatlicher Hilfe zu retten \u2013 was aber den Staatshaushalt (noch mehr) belastet und eine Staatsschuldenkrise bis hin zur Insolvenz des Landes in Gang setzen oder versch\u00e4rfen kann. Dies zeigt der Fall Irland, wo die Bankenrettung vor dem Hintergrund der Bankenkrise in den Jahren 2008\/2009 erfolgte. Zudem kann ein zweiter (R\u00fcckkopplungs-)Effekt durch eine verminderte Kreditvergabe infolge von Eigenkapitalverlusten der Banken (Kreditklemme) eintreten, was dann wiederum zu einer Reduktion des Wirtschaftswachstums und zu damit verbundenen Steuerausf\u00e4llen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund sind ESBies aber nicht nur f\u00fcr die Banken im Rahmen der regulierungsbedingten Eigenkapitalanforderungen von hoher Bedeutung, sondern ferner auch f\u00fcr institutionelle Anleger mit Anlagebeschr\u00e4nkungen (z.B. Pensionsfonds) und insbesondere f\u00fcr die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihrer Refinanzierungsoperationen. W\u00e4hrend sie gegenw\u00e4rtig die Staatsschuldtitel der Krisenl\u00e4nder uneingeschr\u00e4nkt akzeptiert und damit hohe Risiken eingeht, k\u00f6nnte diese Problematik durch ESBies grunds\u00e4tzlich vermieden werden. ESBies sollen \u2013 gem\u00e4\u00df dem Vorschlag \u2013 von einer Europ\u00e4ischen Schuldenagentur (European Debt Agency, EDA) ausgegeben werden und gekennzeichnet sein durch eine hohe Liquidit\u00e4t, ein minimales Ausfallrisiko sowie eine Denomination in Euro \u2013 also einer W\u00e4hrung, die sich (bisher) durch eine hohe Kaufkraft auszeichnet.<\/p>\n<p>Die Sicherheit der ESBies soll dadurch gew\u00e4hrleistet werden, dass die EDA in einem festen Verh\u00e4ltnis Staatsschuldtitel der Mitgliedsl\u00e4nder der W\u00e4hrungsunion aufkauft und im Gegenzug wiederum zwei Wertpapiere ausgibt, denen die folgende Verbriefungsstruktur zugrunde liegt: Die Senior-Tranche umfasst die ESBies und soll ein sehr geringes Risiko aufweisen. Die Junior-Tranche, das zweite Wertpapier, hingegen stellt eine mit (erheblichen) Risiken behaftete Anleihe dar. Die Sicherheit der ESBies kommt folglich durch Diversifizierung und \u201eTranchierung\u201c des Portfolios zustande. Legt man eine Aufteilung von 70 Prozent f\u00fcr die ESBies und 30 Prozent f\u00fcr das zweite Wertpapier zugrunde, so haben Simulationsrechnungen der Forschergruppe ergeben, dass Ausf\u00e4lle von \u00fcber 30 Prozent bei den ESBies mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,8 Prozent (oder alle 125 Jahre) auftreten. Um die Halter von ESBies dar\u00fcber hinaus zu sch\u00fctzen, k\u00f6nnte man ferner eine Kapitalgarantie abgeben, die allerdings zus\u00e4tzlich finanziert werden m\u00fcsste. Ausf\u00e4lle bis zu 30 Prozent bei den ESBies gehen zu Lasten der Junior-Tranche. Ausf\u00e4lle dort sollen aber stets und ausschlie\u00dflich von den privaten Gl\u00e4ubigern getragen werden. Eine m\u00f6gliche Struktur der von der EDA aufgelegten Vehikel mit unterschiedlichen Laufzeiten zeigt die nachfolgende Abbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/EDA.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"EDA\" src=\"\/wordpress\/bilder\/EDA.png\" alt=\"EDA\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Damit sich die ESBies am Markt auf jeden Fall durchsetzen, bedarf es zweier \u00c4nderungen der jetzigen Rahmenbedingungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die EZB akzeptiert im Rahmen ihrer Refinanzierungspolitik ausschlie\u00dflich ESBies als Sicherheiten.<\/li>\n<li>Im Rahmen der Bankenregulierung brauchen ESBies nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. F\u00fcr nationale Staatsschuldtitel soll dies in Zukunft nicht mehr (in jedem Fall) gelten. Die H\u00f6he soll vom jeweiligen Risiko abh\u00e4ngen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Hauptvorteile eines solchen sicheren europ\u00e4ischen Wertpapiers sieht die Forschergruppe in folgenden Punkten, die sie zu einem \u201emagischen Instrument\u201c zu machen scheinen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die EDA kann einen Zinsvorteil aufgrund des \u201esafe haven\u201c Vorteils nutzen, der f\u00fcr die USA auf 0,7 Prozentpunkte gesch\u00e4tzt wurde.<\/li>\n<li>Die gegenw\u00e4rtige Fehlbewertung nationaler Staatsanleihen, die man im Rahmen der Bankenregulierung einheitlich als risikofrei ansieht, wird \u00fcberwunden.<\/li>\n<li>Der hohe Anteil von Anleihen des Heimatstaates in den Bankbilanzen wird vermieden, weil in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe auf die sicheren ESBies zur\u00fcckgegriffen wird. Daf\u00fcr sorgt bereits die Freistellung von der Eigenkapitalunterlegung. Gleichzeitig kommt es zu einer verbesserten Portfolioaufteilung, die wiederum den Teufelskreis zwischen Staatsverschuldung und Bankenkrisen unterbricht.<\/li>\n<li>Die EZB erh\u00e4lt risikoarme Besicherungsinstrumente.<\/li>\n<li>Die Mitgliedsl\u00e4nder h\u00e4tten den Vorteil einer stetigen Nachfrage nach ihren Staatsschuldtiteln. Gleichwohl verbleibt ihnen die M\u00f6glichkeit, nationale Staatsschuldtitel auszugeben. Da sich das Risiko von Bankeninsolvenzen durch den verst\u00e4rkten Einsatz von ESBies reduziert, sinkt auch die \u2013 aus Sicht der Forschergruppe \u2013 Hauptquelle von Staatsschuldenkrisen.<\/li>\n<li>Die europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge brauchen nicht ge\u00e4ndert zu werden.<\/li>\n<li>Als ein Nebenprodukt lie\u00dfe sich eine risikofreie Euro-Zinsstrukturkurve ableiten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Trotz aller \u201eMagie\u201c bleiben allerdings auch bei diesem Vorschlag offene Fragen, die im Folgenden aufgezeigt werden sollen. Eine abschlie\u00dfende Diskussion ist dabei an dieser Stelle allerdings nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Die Anteile der einzelnen EWU-Mitgliedsl\u00e4nder an der Summe der nationalen Staatsschuldtitel, die die Sicherheit der ESBies bildet (siehe Abbildung 2), sollen sich aus den nationalen Anteilen am EWU-BIP ergeben. Dabei soll es sich um einen Durchschnittswert der letzten 5 Jahre (ohne das aktuelle Jahr) handeln, damit auf der einen Seite Ver\u00e4nderungen des Wachstums ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen, auf der anderen Seite die kurzfristigen Anpassungen nicht zu stark ausfallen. F\u00fcr Deutschland w\u00fcrde dies (gegenw\u00e4rtig) einem Anteil von etwa 27 Prozent und f\u00fcr Griechenland zum Beispiel von etwa 2,5 Prozent entsprechen. Die Forschergruppe sieht ferner vor, dass die Anteile an dem Pool von Staatsschuldtiteln \u2013 \u00fcber Wachstumsdifferenzen hinaus \u2013 nicht ver\u00e4ndert werden d\u00fcrfen, um in Krisenzeiten keine weitergehende Finanzierung einzelner L\u00e4nder zu erm\u00f6glichen. Nach allen Erfahrungen w\u00e4hrend der aktuellen Krise dr\u00e4ngt sich dabei allerdings die Frage auf, warum man bei den Pool-Gewichten die Spielregeln einhalten sollte, w\u00e4hrend dies bei viel gravierenderen Fragen in der j\u00fcngsten Vergangenheit nicht der Fall war. Hinzu kommt die Frage, ob bei wachstumsbedingten \u00c4nderungen der Gewichte insbesondere der notwendige Verkauf von Staatsanleihen weniger stark wachsender L\u00e4nder und damit die Portfolioanpassung m\u00f6glich sein wird.<\/p>\n<p>Die Problematik versch\u00e4rft sich noch, wenn man die H\u00f6chstgrenze f\u00fcr ESBies einbezieht. Eine nahe liegende Grenze w\u00fcrden 60 Prozent gemessen am EWU-BIP darstellen. Dieser \u2013 oder jeder andere beliebige \u2013 Wert hat aber in Kombination mit den im Prinzip festen Gewichten (gemessen am EWU-BIP) zur Folge, dass auch die Verschuldungsquote aller Mitgliedsl\u00e4nder gleich hoch w\u00e4re. Wenn die Grenze bei 60 Prozent liegen w\u00fcrde, kommt dies \u2013 unter normalen Umst\u00e4nden \u2013 in einigen L\u00e4ndern m\u00f6glicherweise einer \u201eZwangs\u201c-Verschuldung gleich, die gar nicht ben\u00f6tigt wird. Liegt die Grenze (deutlich) darunter, kann es andererseits in manchen Mitgliedsl\u00e4ndern zu Engp\u00e4ssen kommen. Auch wenn eine nationale Emission grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist, bleibt die Frage, ob sich diese Wertpapiere absetzen lassen und ob eine solche Emission zu \u2013 aus der Sicht der betroffenen L\u00e4nder \u2013 \u201eangemessenen\u201c Konditionen m\u00f6glich sein wird.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist keineswegs gew\u00e4hrleistet, dass stets Anleihen (von jedem Land) in hinreichendem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung stehen. Im Fall einiger europ\u00e4ischer AAA-L\u00e4nder wie etwa Finnland oder der Niederlande wird die Staatsschuldenquote von 60 Prozent nicht erreicht oder nur knapp \u00fcberschritten. Folglich m\u00fcssten alle Anleihen auf die EDA \u00fcbertragen werden, wobei noch sicherzustellen w\u00e4re, dass sie die richtige Laufzeitstruktur aufweisen.<\/p>\n<p>Eine \u2013 aus der Sicht der Mitgliedsl\u00e4nder m\u00f6glicherweise \u201eangenehme\u201c \u2013 stabile Nachfrage nach Staatsschuldtiteln durch die EDA kann daher aus deren Sicht auch zum Problem werden, da die Sanktionsmechanismen des Marktes partiell ausgehebelt werden k\u00f6nnten. Der Hinweis, dass ein bedeutsamer Teil der Emissionen im Markt verbleibt, w\u00fcrde nur f\u00fcr die hoch verschuldeten L\u00e4nder zutreffen. Wie will die EDA etwa die Ausgestaltung der nationalen Staatsanleihen beeinflussen, wenn sie de facto einen gro\u00dfen Teil der Emissionen aufnehmen muss, um die BIP-basierten Quoten einzuhalten? Diese Problematik wird insbesondere f\u00fcr jene L\u00e4nder relevant, die eine vergleichsweise geringe Verschuldung aufweisen und deshalb eine hohe \u00dcbernahmequote haben. Es bestehen der Anreiz und die M\u00f6glichkeit, die Renditen f\u00fcr die nationalen Staatsschuldtitel vergleichsweise niedrig zu halten \u2013 also die EDA zu \u201eerpressen\u201c. Da sich in einzelnen F\u00e4llen kein Marktpreis bildet, m\u00fcsste die EDA die Emissionskonditionen vorgeben. Sofern nur ein geringer Teil der Anleihen auf den freien Markt kommt, kann die zu geringe Markttiefe ferner zu starken Volatilit\u00e4ten f\u00fchren. Im Ergebnis besteht die Gefahr, dass die Risiken jenseits des Bonit\u00e4tsrisikos steigen und insbesondere institutionelle Investoren auf nationale Anleihen mit einem geringen Marktpreisrisiko ausweichen.<\/p>\n<p>Obgleich von den Autoren des Vorschlags nicht explizit angesprochen, er\u00f6ffnet die Konstruktion der EDA durchaus die M\u00f6glichkeit der Zinssubventionierung. Geht man davon aus, dass die eigenen Zinskosten f\u00fcr ESBies und die Junior-Tranche insgesamt vergleichsweise niedrig liegen werden, so w\u00fcrde dies die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnen, (hoch) verschuldeten L\u00e4ndern ihre nationalen Staatsanleihen (bis zur H\u00f6he von zum Beispiel 60 Prozent) nicht zum Marktzins abzunehmen, sondern zu einem deutlich niedrigeren Zins, der lediglich gew\u00e4hrleistet, dass die EDA keinen Verlust ausweist. Dies w\u00fcrde aber den Druck, die Staatsverschuldung zu reduzieren oder zumindest keine h\u00f6here Verschuldung einzugehen deutlich schw\u00e4chen und damit gerade aus heutiger Sicht falsche Anreize setzen.<\/p>\n<p>Eine Untergrenze f\u00fcr die Ausgabe von ESBies ist dadurch gegeben, dass \u2013 unter den neuen, oben erl\u00e4uterten Rahmenbedingungen \u2013 den Banken hinreichend viele ESBies zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen, um sich bei der EZB refinanzieren zu k\u00f6nnen. W\u00fcrde die H\u00f6chstgrenze bei 60 Prozent des EWU-BIP festgelegt und die Ausgabe von ESBies einem Anteil von 70 Prozent daran entsprechen, dann k\u00e4me ein Ausgabevolumen von etwa 3,9 Bio. Euro zustande. Das Volumen des amerikanischen Anleihenmarktes umfasste hingegen im Jahre 2010 etwa 8,5 Bio. US Dollar (dies entspricht gegenw\u00e4rtig etwa 6,4 Bio. Euro) und war damit fast doppelt so hoch. Der Markt f\u00fcr deutsche Anleihen belief sich wiederum auf 1,6 Bio. Euro, was h\u00e4ufig als zu wenig liquide angesehen wird.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass L\u00e4nder bei den Emissionen die Laufzeitstruktur der Staatsanleihen an die W\u00fcnsche der EDA anpassen, muss nicht zutreffen. Der Vorschlag macht ferner nicht deutlich, nach welchen Kriterien die EDA die Laufzeitstruktur aufbaut. Unterschiedliche Refinanzierungsbed\u00fcrfnisse der L\u00e4nder werden sich kaum hinreichend abbilden lassen. Da die EDA keinen origin\u00e4ren Finanzierungsbedarf hat, ist nicht nachvollziehbar, warum die Laufzeitstruktur von der Passivseite bestimmt werden soll.<\/p>\n<p>Der Vorschlag erfordert zwar keine Ver\u00e4nderung der Europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge, aber doch weitgehende \u00c4nderungen der regulatorischen Rahmenbedingungen, sodass die Einf\u00fchrung sicherlich erhebliche \u00dcbergangszeiten erfordern w\u00fcrde. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die Umsetzung von Basel III, die ihren Abschluss erst 2019 erfahren wird. Insbesondere die ver\u00e4nderte Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen w\u00fcrde die notwendigen Kursabschl\u00e4ge bei den Gesch\u00e4ftsbanken schonungslos offen legen und daher in der gegenw\u00e4rtigen Situation kaum (unmittelbar) durchsetzbar sein.<\/p>\n<p>Bisher hat in erster Linie die falsche Regulierung mit Blick auf Staatsschuldtitel verhindert, dass Private \u2013 aufgrund mangelnder Gewinnaussichten \u2013 die nun vorgeschlagene Tranchierung (Re-Packaging) durchgef\u00fchrt haben. Gelingt hingegen die von den Autoren geplante Anpassung der Regulierung k\u00f6nnte also auch f\u00fcr private Finanzinstitute ein Re-Packaging attraktiv werden, so dass keine Notwendigkeit mehr bestehen w\u00fcrde, eine zus\u00e4tzliche staatliche Institution wie die EDA zu schaffen.<br \/>\nBezogen auf die aktuelle Krisensituation ist zu sagen, dass die gegenw\u00e4rtigen Vorschl\u00e4ge in Form einer (Zwangs-)Rekapitalisierung der Banken ebenfalls auf das Problem eines Teufelskreises zwischen Staatsverschuldung und Bankenrettung gerichtet sind. Die aktuelle Strategie setzt jedoch eher an den Symptomen (Eigenkapitalverlust) und nicht an den Ursachen (etwa hoher Anteil von Schuldtiteln des Heimatstaates in den Bankbilanzen) an. Es bleibt aber die Frage, ob man \u201edie\u201c Ursache \u2013 den Heimatstaat-Bias \u2013 nicht auf andere Weise bek\u00e4mpfen kann. Richtig und in jedem Fall wichtig ist dabei, dass im Rahmen der Bankenregulierung in Zukunft Staatsschuldtitel (nach ihrer Sicherheit) mit Eigenkapital unterlegt werden sollten. Den Bias f\u00fcr Schuldtitel des Heimatstaates k\u00f6nnte man ferner unterbinden, indem man in den Regulierungsvorschriften vorsieht, dass keine \u201eKlumpenrisiken\u201c im Bereich der Staatsschuldtitel eingegangen werden d\u00fcrfen. Konkretisiert werden k\u00f6nnte eine solche Vorschrift etwa durch einen Anteil von maximal 10 Prozent an Staatsschuldtiteln eines jeden Landes. Die Orientierung an den EWU-BIP- Anteilen f\u00fchrt zwar gegenw\u00e4rtig zu einem \u201eguten\u201c Ergebnis. Doch was passiert, wenn in \u2013 hoffentlich ferner \u2013 Zukunft neben den s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern auch Deutschland und Frankreich Probleml\u00e4nder sind und dann alleine bereits knapp 50 Prozent des Portfolios ausmachen?<br \/>\nDie Forschergruppe hat mit den ESBies einen interessanten Vorschlag unterbreitet, mit dessen Hilfe ein Grundproblem der gegenw\u00e4rtigen Krise \u2013 der Teufelskreis zwischen Staatsschulden- und Bankenkrise \u2013 und (zum Gl\u00fcck) nicht das Finanzierungsproblem \u00fcberwunden werden soll. Im Gegensatz zu Euro-Bonds begr\u00fcnden ESBies jedoch keine kollektive Haftung der EWU-Mitgliedsl\u00e4nder und sind daher nicht miteinander vergleichbar. Der Teufel steckt aber \u2013 wie h\u00e4ufig \u2013 auch hier im Detail, so dass sich die Frage stellt, ob man das zutreffend definierte Ziel nicht besser mit Hilfe anderer Instrumente zu realisieren versucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Anmerkung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Albrecht F. Michler<\/strong> ist au\u00dferplanm\u00e4\u00dfiger Professor am Lehrstuhl f\u00fcr internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. 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