{"id":7786,"date":"2011-12-10T07:26:52","date_gmt":"2011-12-10T06:26:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7786"},"modified":"2011-12-10T07:26:52","modified_gmt":"2011-12-10T06:26:52","slug":"euro-krise-ein-wahrungswettbewerb-wird-dringend-gebraucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7786","title":{"rendered":"Euro-Krise:  Ein W\u00e4hrungswettbewerb wird dringend gebraucht"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Die Forderungen, die mit Blick auf die L\u00f6sung der \u201eEuro-Krise\u201c vorgebracht werden, sind vielf\u00e4ltig. Die einen verlangen, dass finanziell schwache L\u00e4nder \u2013 wie zum Beispiel Griechenland \u2013 aus dem Euro-W\u00e4hrungsverbund ausscheiden sollen. Andere sehen in einem Aufspalten der W\u00e4hrungsunion in einen \u201eNord-Euro\u201c und einen \u201eS\u00fcd-Euro\u201c den Ausweg aus der Misere. Wieder andere verlangen, die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) solle ihre K\u00e4ufe von Staatsanleihen einstellen und sich auf ihren eigentlichen Auftrag, die Sicherung der Preisstabilit\u00e4t, beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine weitere Forderung lautet, dass die Wirtschafts- und Fiskalpolitiken der Eurorauml\u00e4nder besser (aufeinander) abgestimmt werden m\u00fcssten. Nationale Staatshaushalte lie\u00dfen sich so besser \u00fcberwachen, und finanzielles Fehlverhalten von einzelnen L\u00e4ndern k\u00f6nnte vermieden werden. Doch all diese Ma\u00dfnahmen, von deren Umsetzung sich ihre Bef\u00fcrworter eine Entsch\u00e4rfung der Euro-Krise versprechen, scheinen das Kernproblem der Euro-Krise zu \u00fcbersehen oder gar zu ignorieren. Der Ursache der Euro-Krise liegt in der (Un)Ordnung des Geldwesens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Der Euro ist \u2013 wie \u00fcbrigens auch alle anderen weltweit wichtigen W\u00e4hrungen \u2013 ungedecktes \u201ePapier\u201c- oder auch \u201eFiat\u201c-Geld. Dieses Geld zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus. Erstens: Es wird von staatlichen Zentralbanken, die das Geldangebotsmonopol halten, in Umlauf gebracht. Zweitens: Fiat-Geld wird durch Bankkreditvergabe \u201eaus dem Nichts\u201c produziert und ist inflation\u00e4r. Und drittens: Fiat-Geld sorgt unweigerlich f\u00fcr Fehlallokationen, Finanz- und Wirtschaftskrisen und eine \u00dcberschuldung, insbesondere von Staaten, aus der sich dann das Kollektiv durch eine (Hyper)Inflationspolitik zu befreien sucht.<\/p>\n<p>Die Euro-Krise ist eine Krise des Fiat-Geldes. Durch das jahrzehntelange Ausweiten der Kreditmengen im Zuge einer Niedrigzinspolitik sind die Verschuldungslasten der Volkswirtschaften \u2013 insbesondere die Staatsschulden \u2013 immer weiter angewachsen relativ zum Einkommen. Zudem konnte auch der Bankenapparat, gespeist von immer mehr Kredit, bereitgestellt zu immer niedrigen Zinsen, \u00fcbermassig expandieren. Mittlerweile sind die Investoren auf den Kapitalm\u00e4rkten \u201eaufgewacht\u201c, sie erkennen die (\u00dcber)Schuldenmisere, und sie sind nicht mehr bereit, die Dauerschuldnerei weiter zu finanzieren, zumindest nicht zu den bisher niedrigen Zinsen. Gleichzeitig sind die Kreditnehmer nicht in der Lage oder willens, die Kredite zur\u00fcckzuzahlen oder einen h\u00f6heren Zins zu bezahlen.<\/p>\n<p>Um die Krisensymptome zu \u201ebek\u00e4mpfen\u201c, greift die EZB drastisch in das Finanzmarktgeschehen ein \u2013 etwa in Form von einer (de facto) Nullzinspolitik, dem Kauf von Staatsanleihen und einer unbegrenzten Basisgeldmengenausweitung im Zuge der Bankenrefinanzierung. F\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit scheinen das \u201erettende Ma\u00dfnahmen\u201c zu sein. Doch zuallererst sind es Eingriffe, mit denen die produktiven Marktkr\u00e4fte zusehends ausgeschaltet werden. Es wird verhindert, dass Staaten, die misswirtschaften, Pleite gehen und Kreditgeber, die leichtfertigt Geld geliehen haben, die Kosten ihrer Fehlinvestitionen zu tragen haben. Gleicherma\u00dfen werden die Einleger und Kreditgeber der Banken subventioniert.<\/p>\n<p>Wenn versucht wird, Zahlungsausf\u00e4lle bei Staaten und Banken mit dem Ausweiten der Geldmenge zu vermeiden, wird das absehbar mit Geldentwertung oder gar v\u00f6lliger Geldzerst\u00f6rung zu bezahlen sein. Das Ausweiten der Geldmenge wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Preise in die H\u00f6he treiben und so die Kaufkraft des Euro herabsetzen. Im Extremfall droht der Totalverlust des Fiat-Euro. Wie bei allen Fiat-W\u00e4hrungen w\u00fcrde die Kaufkraft des Euro, wenn sie erst einmal auf null gefallen ist, wenn also niemand mehr den Euro als Geld akzeptiert, f\u00fcr immer dahin sein; die Kaufkraft des Fiat-Euro lie\u00dfe sich (anders als beim Sachgeld) nicht wiederbeleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>In der Krise des Fiat-Euro, in der die politischen Anreize f\u00fcr eine Inflationspolitik zusehends ansteigen, ist ein \u201eW\u00e4hrungswettbewerb\u201c \u2013 wie er von Friedrich August von Hayek (1899 \u2013 1992) empfohlen wurde \u2013 eine produktive und \u00f6konomisch erfolgsversprechende L\u00f6sung. Um den W\u00e4hrungswettbewerb in Gang zu setzen, w\u00e4ren zun\u00e4chst alle Gesetze abzuschaffen, die bislang einem W\u00e4hrungswettbewerb entgegenstehen. So wird der Weg f\u00fcr die Marktakteure freigemacht, dasjenige Geld nachzufragen, das ihren W\u00fcnschen am besten entspricht. Das kann der Euro sein, es k\u00f6nnen aber (zus\u00e4tzlich) auch andere Geldformen sein \u2013 wie zum Beispiel Gold oder Silber.<\/p>\n<p>Wenn nun aber jeder sein eigenes Geld anbieten darf, w\u00fcrde es da nicht zu \u201eW\u00e4hrungs-Chaos\u201c kommen? W\u00fcrde dann nicht eine un\u00fcberschaubare Anzahl von \u2013 zudem noch inflation\u00e4ren \u2013 W\u00e4hrungen zirkulieren? Die Antwort lautet: Nein! Denn die Geldnachfrager bestimmen, was Geld ist. Und sie werden dasjenige Geld w\u00e4hlen, das ihren Pr\u00e4ferenzen am vergleichsweise besten entspricht \u2013 und das d\u00fcrfte vor allem wertbest\u00e4ndiges Geld sein.<\/p>\n<p>Der W\u00e4hrungswettbewerb ist \u2013 wie jeder Wettbewerb \u2013 ein Entdeckungsverfahren. Sein Ergebnis l\u00e4sst sich daher nicht notwendigerweise ex ante absehen. Allerdings lassen sich einige theoretische \u00dcberlegungen anf\u00fchren, die dazu verhelfen k\u00f6nnen, einige seiner Ergebnisse abzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>So w\u00fcrden sich im Zuge eines W\u00e4hrungswettbewerbs vermutlich keine Papierzettel oder Eintr\u00e4ge auf Computerfestplatten (\u201eBits and Bytes\u201c), die durch nichts gedeckt sind, als Geld etablieren, sondern das k\u00f6nnten wohl nur \u201eintrinsisch\u201c wertvolle Sachg\u00fcter \u2013 eine Erkenntnis, die die \u00d6konomen Carl Menger (1840 \u2013 1921) und nachfolgen Ludwig von Mises (1881 \u2013 1973) erarbeitet haben. In der W\u00e4hrungsgeschichte wurden daher auch immer wieder Gold und Silber, manchmal auch Kupfer, als Geld auserkoren \u2013 weil sie die an Geld zu stellenden Eigenschaften im Vergleich zu anderen G\u00fctern am besten erf\u00fcllten.<\/p>\n<p>Ein W\u00e4hrungswettbewerb h\u00e4tte nun vor allem drei Vorteile. <em>Erstens<\/em> erh\u00f6ht sich der disziplinierende Druck auf die EZB, die Kaufkraft des Euro zu wahren. Denn wenn sie eine inflation\u00e4re Geldpolitik verfolgt, wertet der Euro f\u00fcr alle sichtbar gegen\u00fcber den konkurrierenden W\u00e4hrungen ab. Damit der Euro marktf\u00e4hig bleibt, muss die EZB, wenn die Nachfrage nach ihm abnimmt, zu einer besseren Politik umschwenken.<\/p>\n<p>Das wiederum w\u00fcrde, <em>zweitens<\/em>, den Druck auf die nationalen Regierungen erh\u00f6hen, ihre Staatsfinanzen zu gesunden, und die Banken werden anregt, ihr Gesch\u00e4ftsvolumen auf ein \u00f6konomisch vern\u00fcnftiges Ma\u00df zu stutzen. Staaten und Gesch\u00e4ftsbanken k\u00f6nnten n\u00e4mlich nicht mehr wie bisher davon ausgehen, dass die EZB ihnen unlimitiert zu k\u00fcnstlich gesenkten Zinsen Geld bereitstellt.<\/p>\n<p>Und drittens verursacht Sachgeld keine Konjunkturschwankungen wie das Ausweiten des Fiat-Geldes. Die St\u00f6ranf\u00e4lligkeit des Wirtschaftens nimmt folglich ab. In einem Sachgeldsystem weicht der Marktzins (also der Zins, der sich durch Angebot von und Nachfrage nach Krediten frei bilden kann) nicht systematisch vom \u201enat\u00fcrlichen Zins\u201c ab. Mit anderen Worten: Den Investitionen stehen stets \u201eechte Ersparnisse\u201c zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Der wohl wichtigste Beitrag, den ein W\u00e4hrungswettbewerb leisten kann, ist, dass er den Marktakteuren Wahlm\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet, durch die sie gutes Geld erhalten. Zudem wird ein W\u00e4hrungswettbewerb die Marktakteure in bestm\u00f6glichster Weise vor einem m\u00f6glichen Misserfolg der Einheitsw\u00e4hrung sch\u00fctzen \u2013 der absehbar mit einem Verlust der Kaufkraft des Euro und damit der Ersparnisse verbunden w\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Die Forderungen, die mit Blick auf die L\u00f6sung der \u201eEuro-Krise\u201c vorgebracht werden, sind vielf\u00e4ltig. 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