{"id":782,"date":"2009-04-30T02:01:43","date_gmt":"2009-04-30T01:01:43","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=782"},"modified":"2024-07-30T05:54:55","modified_gmt":"2024-07-30T04:54:55","slug":"nicht-der-doper-ist-pervers-sondern-die-bedingungen-unter-denen-er-lebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=782","title":{"rendered":"&#8222;Nicht der Doper ist pervers, sondern die Bedingungen, unter denen er lebt!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Entschuldbares Doping<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nehmen Sie an, Sie w\u00e4ren einer der dominanten Fahrer im Feld der Tour de France. Bei einer der gro\u00dfen Bergetappen zieht ein Fahrer, den Sie sonst immer kontrollieren konnten, an Ihnen vorbei und realisiert eine an dem betreffenden Anstieg nie erreichte Traumzeit (z.B. Marco Pantani). \u00c4hnliches, so wollen wir weiter annehmen, widerfahre Ihnen in der Folge wiederholt. Sie haben einen begr\u00fcndeten Verdacht, dass Sie von dopenden Konkurrenten \u00fcberholt werden. Sind Sie nach wie vor moralisch verpflichtet, sich an die Regeln gegen das Doping zu halten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p>Es scheint nicht angemessen, in diesem Falle einfach gebetsm\u00fchlenartig zu wiederholen, dass \u201eDoping nicht die L\u00f6sung sein k\u00f6nne\u201c und \u201eder Zweck nicht die Mittel heilige\u201c. Soweit sie den begr\u00fcndeten Verdacht haben m\u00fcssen, dass andere massiv dopen, muss man gerade den besten Athleten moralisches Verst\u00e4ndnis entgegenbringen. Sie sind die Hauptgesch\u00e4digten. Gerade die begabtesten Konkurrenten m\u00fcssen es als moralisch entschuldbar ansehen, selbst zu dopen, wenn sie den begr\u00fcndeten Verdacht haben, dass die weniger begabten es tun.<\/p>\n<p>Ich werde zun\u00e4chst die These von der bedingten moralischen Entschuldbarkeit des Dopings verteidigen (2.-3.). In einem n\u00e4chsten Schritt werde ich dann fragen, was die angemessenen Reaktionen auf diese Situation sein k\u00f6nnten (4.-6.).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Moralische K\u00fcr und moralische Pflicht<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir d\u00fcrfen zwar verlangen, dass Individuen sich an allgemein n\u00fctzlichen Praktiken, solange diese allgemein eingehalten werden, freiwillig beteiligen, aber kaum Vorw\u00fcrfe gegen diejenigen erheben, die nur in der Rechtlosigkeit der anderen nicht die Dummen sein wollen. Ein Regelbruch aus Selbstverteidigung ist moralisch etwas anderes als ein Regelbruch, der vollzogen wird, um in einer Situation allgemeiner Regelbefolgung einseitig Vorteile zu realisieren.<\/p>\n<p>Das erste St\u00fcck oder die ersten St\u00fccke Papier am Strand sind \u201eimmer die schlimmsten\u201c. Papier auf einen im wesentlichen sauberen Strand zu werfen, ist moralisch ungeh\u00f6rig. Wer aber auf einem verdreckten Strand Papier hinterl\u00e4sst, handelt nicht in gleicher Weise verwerflich. Es gibt Handlungen, deren Durchf\u00fchrung man zwar als moralisch ausgezeichnet loben, deren Unterlassung man aber zugleich nicht als moralisch verwerflich tadeln darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. Hobbessches Misstrauen im (Rad-)Sport<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man stelle sich folgendes vor: Es gibt 101 Fahrer bei einem Radrennen. Der Fahrer mit der Nummer 101 sei der Topathlet, der gew\u00f6hnlich siegen wird, wenn er das in einem Mehr-Etappen-Rennen, das nicht den Zuf\u00e4lligkeiten der Eintages-Rennen unterliegt, ernsthaft anstrebt und nicht vom Pech verfolgt wird. Versetzen wir uns in die Lage von 101. Von den 100 anderen werde, das sei angenommen, jeder mit der Wahrscheinlichkeit von \u201e1\/10\u201c schwach und gebe den Sirenenkl\u00e4ngen cleverer Dopingangebote nach. Jeder der Hundert dopt also mit Wahrscheinlichkeit 0.9 nicht. Nehmen wir auch an, dass die Leistungsdichte unter den Fahrern so hoch ist, dass ein \u201egedopter\u201c Fahrer, gew\u00f6hnlich alle anderen \u201eabh\u00e4ngen\u201c kann, w\u00e4hrend er gegen einen anderen ebenfalls gedopten Fahrer, gleiche relative Gewinnschancen hat wie in einem beidseitig dopingfreien Zustand. Setzen wir schlie\u00dflich voraus, dass die Aktionen der einzelnen unabh\u00e4ngig voneinander bestimmt werden.<\/p>\n<p>Die Wahrscheinlichkeit, dass kein anderer dopt, ist dann aus Sicht von 101 durch das Produkt der unabh\u00e4ngigen Entscheidungen der 100 anderen bestimmt: x=(0.9)100. Der Wert von x, der Wahrscheinlichkeit, dass kein anderer dopt, ist praktisch \u201e0\u201c. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens einer dopt, ist y=(1-x) und damit ungef\u00e4hr \u201e1\u201c.<\/p>\n<p>Nimmt man nun an, dass ein beliebiger anderer guter Athlet, der dopt, mit Wahrscheinlichkeit 0.9 besser als der Topathlet 101 sein wird, dann wird der Topathlet damit rechnen m\u00fcssen, mit einer Wahrscheinlichkeit, die gr\u00f6\u00dfer als 0.9 ist, zu verlieren. Denn typischerweise wird nicht nur einer, sondern werden mehrere Athleten gedopt sein. Jeder von den Gedopten hat eine Chance, \u201ean einem guten Tag\u201c mit Wahrscheinlichkeit 0.9 gegen den Topathleten zu gewinnen. F\u00fcr 101 wird es sehr unwahrscheinlich, ohne Doping noch gewinnen zu k\u00f6nnen. Einige der Doper, die zuvor gegen ihn chancenlos waren, werden ihn schlagen.<\/p>\n<p>Welcher der Doper zum Gesamtsieger wird, bleibt zwar offen. Aber wenn ein gedopter Fahrer den ungedopten Topfahrer 101 mit 0.9 Wahrscheinlichkeit schl\u00e4gt, wird er jeden ungedopten Fahrer aus den \u00fcbrigen 100 erst recht, sagen wir mit 0.99 Wahrscheinlichkeit, schlagen. Aus diesem Grund scheint es klar, dass die hinter dem Topathleten rangierenden Fahrer etwa die gleiche \u00dcberlegung wie der Topathlet anstellen m\u00fcssen. Sie sollten dopen, wenn sie \u00fcberhaupt eine Chance haben wollen. Sie haben, insoweit sie mit anderen minder leistungsf\u00e4higen dopenden Fahrern konkurrieren, in etwa die gleichen moralischen Entschuldigungsgr\u00fcnde wie der Topathlet 101.<\/p>\n<p>Man kann nat\u00fcrlich anzweifeln, ob die Pr\u00e4missen des voranstehenden stilisierten Beispiels zutreffen. Die Wahrscheinlichkeit, von 0,1 f\u00fcr individuelle Dopingbereitschaft k\u00f6nnte als hoch erscheinen. Vielleicht sind 0,01 (mit etwa 0,36 f\u00fcr Dopingfreiheit der anderen oder 0,001 mit etwa 0,9 f\u00fcr Dopingfreiheit) plausibler. Wenn z.B. 0,001 plausibel ist, dann wird damit zu rechnen sein, dass in den meisten F\u00e4llen gar kein gedopter Fahrer im Feld ist. Unter solchen Umst\u00e4nden wird man davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer zu Doping greift, zu gering ist, um eigenes Doping als Akt der Selbstverteidigung zu rechtfertigen. Die blo\u00dfe M\u00f6glichkeit, dass irgend jemand dopt, ist keine Rechtfertigung daf\u00fcr, selbst zu solchen Handlungen zu greifen. Ein vorgeblicher Akt der Selbstverteidigung gegen die Ausbeutungsversuche der anderen wird zu einem eigenst\u00e4ndigen Ausbeutungsakt. Da es moralische Hemmungen gegen solche Akte gibt, wird man darauf hoffen d\u00fcrfen, dass aus intrinsischer Motivation allein als Erf\u00fcllung einer moralischen Pflicht unter solchen Umst\u00e4nden nicht gedopt wird.<\/p>\n<p>Wenn das allgemeine Klima und die allgemeinen Praktiken so sind, dass Doping zum Alltag zu geh\u00f6ren scheint, dann wird hingegen die Verallt\u00e4glichung des Dopings in einem sich selbstverst\u00e4rkenden Prozess weitergehen. Wenn Dopingpraktiken recht verbreitet sind bzw. der Verdacht, sie k\u00f6nnten verbreitet sein, verbreitet ist und jeder wei\u00df, dass jeder die Situation in dieser Weise sieht, wird das Misstrauen sich ausbreiten und sogar selbst verst\u00e4rken. Denn wenn man wei\u00df, dass die anderen Grund zum Misstrauen haben, wei\u00df man auch, dass sie sich moralisch weniger gebunden f\u00fchlen und sich gerade deshalb ein noch st\u00e4rkerer Grund zum Misstrauen ergibt. Jedenfalls einige werden aufgrund des Vorliegens der Entschuldigungsgr\u00fcnde entsprechende Handlungen vollziehen. Auch das ist allen bewu\u00dft. Das ganze \u00e4hnelt der Situation, in der jemand voraussagt, die Bank werde Pleite gehen: Jeder, von dem bekannt wird, dass er selbiges glaubt, verst\u00e4rkt die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, das zu glauben und damit daf\u00fcr, dass die Bank tats\u00e4chlich Pleite geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>4. Kontrolle von innen und au\u00dfen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Radprofis sind in kommunikative Netzwerke eingebunden, in denen ein \u00c4quivalent zu den vorangehenden \u00dcberlegungen als gemeinsames Wissen vorhanden sein muss. Die subjektive Wahrscheinlichkeit, dass andere dopen, ist hoch und jeder wei\u00df von jedem, dass sie hoch ist, was die Wahrscheinlichkeit noch h\u00f6her werden l\u00e4sst. Die Profis sitzen in der Falle. Obwohl sie sich wom\u00f6glich s\u00e4mtlich w\u00fcnschen, in einer dopingfreien Welt zu leben, wissen sie nicht, wie sie diese realisieren k\u00f6nnen. Damit es zu einem sich selbst in Richtung allgemeiner freiwilliger Regelbefolgung verst\u00e4rkenden Prozess kommt, scheint es n\u00f6tig, dass erstens die Kontrollen glaubw\u00fcrdig zu einem hohen Entdeckungsrisiko f\u00fcr Abweichler f\u00fchren und zweitens die Kontrollierten das Gef\u00fchl haben, dass durch die Kontrolle ihre eigenen Interessen gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>Die intrinsische Motivation, nicht am Doping teilzunehmen, ist nicht durch moralischen Appell aufzubauen. Die Kontrolldichte war bislang offensichtlich zu gering, um rationales Misstrauen glaubw\u00fcrdig zu beruhigen. Zugleich wurden die Kontrollen nicht im Namen der Athleten selber als eine f\u00fcr diese erw\u00fcnschte Ma\u00dfnahme durchgef\u00fchrt, sondern auf eine Weise, die an das Betragen einer externen Besatzungsmacht erinnerte. Dahinter steht selbstverst\u00e4ndlich das alte \u00dcbel des Sports, dass die Funktion\u00e4re sich nur in den Sonntagsreden als Dienstleister der Athleten verstehen, ansonsten sich aber eher so auff\u00fchren, als st\u00fcnden die Athleten wie Untergeben in ihrem Dienst (eine Tendenz, die sich durch die Zulassung der Sportvertreter totalit\u00e4rer und autorit\u00e4rer Regime naturgem\u00e4\u00df verst\u00e4rkt hat).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soll im Sport nachhaltig etwas gegen das Doping erreicht werden, m\u00fcssen die Kontrollen in eine von den Athleten selbst gew\u00fcnschte Selbstkontrolle \u00fcberf\u00fchrt werden. Jedenfalls die bis zu einem gewissen Grad moralisch von Fairnessw\u00fcnschen motivierten Athleten m\u00fcssen den Eindruck haben, dass Kontrolle ihren eigenen Interessen dient. Wie so etwas im Prinzip m\u00f6glich sein k\u00f6nnte, zeigt eine weitere Modell\u00fcberlegung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>5. Ein Reformmodell f\u00fcr den Sport<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konkurrenz von Verb\u00e4nden und Kontrolleuren zuzulassen, bildet den Schl\u00fcssel zur Verbesserung der Lage. So wie es im Profi-Boxsport verschiedene Weltverb\u00e4nde gibt, so k\u00f6nnte es auch in anderen Sportarten unterschiedliche Verb\u00e4nde mit unterschiedlichen \u201eReinheitsstandards\u201c geben. W\u00e4hrend die bisherigen Strategien von Sportfunktion\u00e4ren und \u00f6ffentlichrechtlichen Sportf\u00f6rderern generell darauf hinauslaufen, eine solche \u201eZersplitterung\u201c zu verhindern, sollte man sie de facto f\u00f6rdern. Man sollte sogar zulassen, dass zertifizierende Verb\u00e4nde ihren Mitgliedern verbieten, sich mit denen zu messen, die nicht zertifiziert sind. Es gibt hier ein leichtfertigen Ausschl\u00fcssen entgegenwirkendes Interesse der Verb\u00e4nde, m\u00f6glichst allgemeine Meisterschaften etc. durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, weil von der Allgemeinheit das Medieninteresse abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Private Kontrolllabore und -institutionen, die von den Athleten bem\u00fcht w\u00fcrden, gingen bei richtigem Vorgehen das Risiko ein, auch nach Jahren noch ihre Zertifizierung zu verlieren, wenn ihnen ein Athlet mit Doping entwischte. Urin- Blut- und Haarproben, die man \u00fcber lange Jahre aufbewahren w\u00fcrde, k\u00f6nnten f\u00fcr solche dauerhaft am Markt operierenden Institutionen eine viel gr\u00f6\u00dfere Bedrohung darstellen als f\u00fcr Athleten, die weit begrenztere Zeithorizonte haben und Er\u00f6ffnungen nach Karriere-Ende in der Regel nicht besonders f\u00fcrchten m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>Der Nachweis der Dopingfreiheit w\u00fcrde eine Bringschuld der Athleten. Wer sich einem der Athletenverb\u00e4nde anschlie\u00dfen wollte, w\u00fcrde nur unter der Bedingung aufgenommen, dass er bestimmte Nachweise f\u00fchrte. Besonders glaubw\u00fcrdige Institutionen w\u00fcrden dazu einladen, dass Konkurrenten ihre Proben und Verfahren \u00fcberpr\u00fcfen etc. Konkurrenz hilft auch hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>6. Ein Reformmodell f\u00fcr den Radsport?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u201eTour\u201c ist so dominant, dass ihre Veranstalter wahrscheinlich die Sauberkeitsregeln diktieren k\u00f6nnten. Nehmen wir einmal an, die Tourleitung w\u00fcrde erkl\u00e4ren, dass die Tour de France nur von jenen Teams bestritten werden darf, die selbst geeignete Mittel ergreifen, um die Sauberkeit ihrer Fahrer zu beweisen. Es muss nicht mehr dem Doper der Gebrauch unerlaubter Substanzen nachgewiesen werden, sondern der Bewerber um die Teilnahme hat seine Sauberkeit nachzuweisen.<\/p>\n<p>Da es sich im Falle der Tourorganisatoren um eine private Organisation handelt, sollte eine solche Beweislastumkehr rechtsstaatlich akzeptabel sein k\u00f6nnen. Die Tourleitung k\u00f6nnte exemplarisch vorschlagen, wie ein solcher Nachweis zu f\u00fchren w\u00e4re und auch eine gewisse logistische Hilfestellung gew\u00e4hren, sie k\u00f6nnte es aber anheimstellen, mit welchen alternativen Mitteln jemand den Nachweis f\u00fchren wollte. Die Tourleitung w\u00fcrde den Nachweis nur gelten lassen, sofern er sie \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>W\u00fcrden sich unter solchen Bedingungen Teams von der Tour zur\u00fcckziehen, w\u00fcrde das deren Ergebnisse in allen anderen Rundfahrten, an denen sie teiln\u00e4hmen, entwerten. Umgekehrt, bei der Tour zu gewinnen, w\u00fcrde noch bedeutender, denn es w\u00fcrde gute Ergebnisse in allen anderen Rennen aufwerten.<\/p>\n<p>Wenn die franz\u00f6sische Regierung etwas tun wollte, um die Tourleitung in die rechte Richtung zu dr\u00e4ngen, so sollte sie weniger an den Einsatz von Strafrecht und Polizei denken als daran, einer Anzahl von Rennst\u00e4llen das Bestreiten einer konkurrierenden \u201esauberen Tour\u201c zu erm\u00f6glichen. Sie k\u00f6nnte das androhen, falls die bisherige Tourleitung nicht angemessene Ma\u00dfnahmen ergreift. Selbstverst\u00e4ndlich gibt es keine Garantie, dass die Medien und andere eine Nachfrage nach den Leistungen der \u201esauberen Tour\u201c zeigen w\u00fcrden. Sollte sich das herausstellen, dann w\u00e4re das auch eine wesentliche Information, die daf\u00fcr spr\u00e4che, den Dopingsumpf, sich selbst zu \u00fcberlassen. Schlie\u00dflich, vergessen wir das nicht, muss niemand unter Androhung von Waffengewalt an Radrennen teilnehmen. Wer sich in den Sumpf begibt, muss damit rechnen, beschmutzt herauszukommen oder auch darin zu versinken.<\/p>\n<p>Wenn es unter solchen Bedingungen keinen guten Grund mehr f\u00fcr eine staatliche Sportf\u00f6rderung geben w\u00fcrde, ist nicht schade. Denn eine staatliche F\u00f6rderung, die &#8212; wie die unsere &#8212; im wesentlichen nach Ergebnissen schielt und nicht ein gewichtetes Ma\u00df benutzt, das u.a. die Dopingwahrscheinlichkeit ber\u00fccksichtigt, vermittelt Athleten, die davon ausgehen m\u00fcssen, mit gedopten Konkurrenten zu tun zu haben, ohnehin nur den Eindruck, unfair behandelt zu werden. Insoweit setzt sie selbst Dopinganreize anstatt, diesen vern\u00fcnftig entgegenzuwirken. Wie so h\u00e4ufig schafft der Staatseingriff erst ein Problem und schreibt es hinterher dem privaten Handeln schlecht. Mehr Privatvertrag und weniger staatliche G\u00e4ngelung kann auch gegen Doping helfen insbesondere im Radsport.<\/p>\n<p>Dem Radfahrer Bernd Lahno danke ich f\u00fcr kollegialen, von Zigaretten gedopten Rat.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><br \/>\nBuchanan, J.M. (1965\/1999): Ethical Rules, Expected Values, and Large Numbers. In Brennan, H. G., Kliemt, H., Tollison, R. D. (ed.): The Collected Works of James Buchanan; The Logical Foundations of Constitutional Liberty, Volume 1. Indianapolis: Liberty Fund, 1999.\u00c2\u00a0 Page(s): 311-328 (urspr\u00fcnglich: Ethics, 1965, 1-13).<\/p>\n<p>Schelling, T. C. (1978): Micromotives and Macrobehavior. New York and London.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. 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