{"id":8063,"date":"2012-01-01T00:01:06","date_gmt":"2011-12-31T23:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8063"},"modified":"2019-11-24T15:44:33","modified_gmt":"2019-11-24T14:44:33","slug":"europa-in-der-fiskalischen-inflationsfalleist-die-ezb-impotent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8063","title":{"rendered":"Europa in der fiskalischen Inflationsfalle <br><font size=3; color=grey>Ist die EZB impotent?<\/font>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eInflation ist neben Stagnation, Arbeitslosigkeit und finanziellem Chaos der vierte Reiter der \u00f6konomischen Apokalypse&#8220; (John H. Cochrane)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Nichts ist in Deutschland mehr so, wie es geld- und fiskalpolitisch einmal war. Die schlimmsten Bef\u00fcrchtungen der Euroskeptiker werden \u00fcbertroffen. Europa taumelt am 10. Geburtstag des Euro-Bargeldes am Rande des Abgrundes, ein Absturz scheint unvermeidlich. Dass es so weit kommen konnte, verwundert nicht. \u00dcberall wurden rote Linien \u00fcberschritten. Die Fiskalpolitik bek\u00e4mpft Schulden mit immer neuen Schulden. Mit gigantischen Rettungsschirmen haften unsere Kinder nicht nur f\u00fcr unsere, sondern auch f\u00fcr die Schulden der Anderen. In der Geldpolitik findet ein Paradigmenwechsel statt. Die EZB flutet Europa mit Geld. Ein wachsender Teil der Staatsschulden und Leistungsbilanzdefizite wird \u00fcber die Notenpresse finanziert. Die EZB hat den Rubikon \u00fcberschritten. Sie ist der monet\u00e4re Helfer verantwortungsloser Schuldenpolitiker. Das l\u00e4sst f\u00fcr die inflation\u00e4re Entwicklung nichts Gutes erwarten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p align=\"center\"><strong>EZB ist eine \u201eBundesbank light\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Die EZB lockert schon seit einiger Zeit ihre Geldpolitik. Mit der j\u00fcngsten Entscheidung vom 21. Dezember 2011 erleichtert sie es Banken, sich in den n\u00e4chsten drei Jahren unbegrenzt g\u00fcnstig zu refinanzieren. Um die Starre auf den Geldm\u00e4rkten zu lockern, pumpt sie \u00fcber 500 Mrd. Euro zus\u00e4tzlich in den Geldkreislauf. Damit setzt sie eine Politik fort, die sie seit Mai 2010 mit dem Ankauf toxischer Staatspapiere ausgew\u00e4hlter L\u00e4nder betreibt. Auf diesem Weg hofft sie, die explodierenden Kosten der Schuldenfinanzierung von Wackelkandidaten der EWU zu begrenzen. Viel geholfen hat es bisher allerdings nicht. Die Kreditkosten stiegen weiter. Versteckt und von der breiten \u00d6ffentlichkeit unbemerkt, finanziert sie \u2013 vor allem durch die Bundesbank (<a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/pls\/portal\/docs\/1\/1209833.PDF\">Traget2<\/a>) \u2013 die Leistungsbilanzdefizite der L\u00e4nder, die keine privaten Kapitalgeber mehr finden. Die Risiken dieses Rettungsschirmes sind betr\u00e4chtlich.<\/p>\n<p>Der Geldregen l\u00e4sst die Alarmglocken vor allem bei den schreckhaften Deutschen schrillen, die Inflation unter jedem Kieselstein vermuten. Die negativen historischen Erfahrungen und das Friedman\u2019sche Diktum, dass Inflation immer und \u00fcberall ein monet\u00e4res Ph\u00e4nomen sei, best\u00e4rkt Inflationsaverse in ihrer Angst. Die EZB wiegelt ab, ein starker Anstieg der Geldmenge \u2013 in welcher Variante auch immer \u2013 findet nicht statt. Mit einer Politik der \u201eSterilisierung\u201c ist es ihr bisher gelungen, den Geldregen auf der einen Seite durch Termingesch\u00e4fte auf der anderen Seite zu kompensieren. Die durchwachsene wirtschaftliche Entwicklung und die Unsicherheiten im Euro-Raum haben die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verringert. Private Haushalte, Unternehmen und Banken horten Geld. Damit wird nur ein Teil der Geldmenge nachfragewirksam.<\/p>\n<p>Die Situation \u00e4ndert sich, wenn es wirtschaftlich bergauf geht. Erst dann schl\u00e4gt die Stunde der Wahrheit. Die EZB muss in der Lage sein, den Geldsegen, den sie jetzt in die Welt setzt, wieder einzusammeln. Das ist nach Ansicht der Notenbanker kein Problem. Die Instrumente sind da, um zu verhindern, dass die Inflation aus dem Ruder l\u00e4uft. Tats\u00e4chlich h\u00e4ngt der Erfolg nicht allein von der geldpolitischen \u201eTechnologie\u201c ab. Der EZB muss zweierlei gelingen. Zum einen muss sie in der Lage sein, die Inflationserwartungen fest zu verankern. Das ist bei einer gigantisch hohen staatlichen Verschuldung in einem volatilen wirtschaftlichen Umfeld nicht einfach. Zum anderen muss sie sich gegen immensen politischen Druck durchsetzen. Es wird immer Gr\u00fcnde geben, die von der Politik gegen eine restriktive Geldpolitik vorgebracht werden.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Club Med hat die EZB gekapert<\/strong><\/p>\n<p>Die historischen Erfahrungen zeigen, dass es immer und \u00fcberall schwierig ist, eine restriktive Geldpolitik durchzusetzen. Eine erste H\u00fcrde wird traditionell von den Gewerkschaften aufgebaut. Nach Jahren des lohnpolitischen Verzichts fordern die Mitglieder einen kr\u00e4ftigen Schluck aus der Pulle, wenn es wirtschaftlich wieder aufw\u00e4rts geht. Die Lohnforderungen sind in der europ\u00e4ischen Peripherie ausgepr\u00e4gter als im Zentrum. Steigende Lohnst\u00fcckkosten setzen aber die Spirale der gef\u00fcrchteten Zweitrunden-Effekte in Gang. Die EZB ist nach den schlechten Erfahrungen, die in die Euro-Krise gef\u00fchrt haben, in einem Dilemma. Eigentlich m\u00fcsste sie die aufkeimende Inflation in der Peripherie im Keim ersticken. Die wahrscheinlich weiter ungem\u00fctliche Lage auf sklerotisierten Arbeitsm\u00e4rkten setzt sie allerdings unter Druck, geldpolitisch weniger rigoros zu agieren.<\/p>\n<p>Eine zweite H\u00fcrde wird von den nationalen Regierungen errichtet. Die wohl auf Jahrzehnte angespannte Haushaltslage in Europa lechzt nach Inflation. Inflationsbedingte Steuermehreinnahmen wollen sich die Staaten nicht entgehen lassen. Die staatlichen Haushalte werden entlastet. Der Druck der Politik auf die EZB wird gro\u00df sein, die geldpolitischen Folterwerkzeuge stecken zu lassen. Auch die EZB selbst wird kein gro\u00dfes Interesse an einer rigorosen Geldpolitik haben. Das liegt nicht nur an der Mehrheitsfraktion der Club Med-L\u00e4nder im Direktorium der EZB. Bei einer hohen Inflationsrate wird sie ihre \u201eBr\u00fcckenfunktion\u201c eher los, die sie eingegangen ist. Mit dem Aufkauf von Staatspapieren greift sie gegenw\u00e4rtig notleidend gewordenen Staaten finanziell unter die Arme, bis die Strukturreformen in diesen L\u00e4ndern anschlagen.<\/p>\n<p>Eine dritte H\u00fcrde ist die angeschlagene Glaubw\u00fcrdigkeit der EZB. Nur eine politisch unabh\u00e4ngige und geldpolitisch glaubw\u00fcrdige Notenbank kann sich politischem Druck erwehren. Die Unabh\u00e4ngigkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit der EZB hat seit Ausbruch der Krise schwer gelitten. Uwe Vollmer hat in seinem <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=7880\">Blog-Beitrag<\/a> die wichtigsten Gr\u00fcnde genannt. Die EZB hat das Prinzip der \u201ekollektiven Verantwortlichkeit\u201c faktisch au\u00dfer Kraft gesetzt. Sie verfolgt neben dem Mandat der Geldwertstabilit\u00e4t immer mehr auch ein zweites Mandat, die Finanzm\u00e4rkte zu stabilisieren. Und sie finanziert mit dem Aufkauf von Staatspapieren einen Teil der staatlichen Verschuldung von Wackelkandidaten der EWU. Das alles sind keine guten Voraussetzungen, eine glaubw\u00fcrdige Politik zu verfolgen. Damit wird es aber schwer, die Inflationserwartungen glaubw\u00fcrdig zu stabilisieren.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>EZB ist geldpolitisch impotent<\/strong><\/p>\n<p>Alle Welt geht davon aus, Notenbanken h\u00e4tten die Instrumente, die Inflationsrate zu steuern. Der Chicago-\u00d6konom<a href=\"http:\/\/www.nationalaffairs.com\/publications\/detail\/inflation-and-debt\"> John Cochrane<\/a> vertritt allerdings die These, dass dies ein gef\u00e4hrlicher Irrglaube sei. Bei nicht nachhaltiger staatlicher Verschuldung h\u00e4tten die Notenbanken keine Kontrolle mehr \u00fcber die Inflation. Selbst wenn sie wollten, sie k\u00f6nnten die Inflation gar nicht stabilisieren. Der Grundgedanke ist relativ einfach. Erreicht die staatliche Verschuldung erst einmal ein Niveau, das nicht nachhaltig ist, rechnen die wirtschaftlichen Akteure damit, dass die Politik die Staatsschulden monetisiert. Viele L\u00e4nder der EWU aber auch die USA und Japan haben dieses Schuldenniveau l\u00e4ngst erreicht. Aus <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6446\">Furcht vor den W\u00e4hlern<\/a> wagt es die Politik nicht, Ausgaben zu k\u00fcrzen und regul\u00e4re Steuern zu erh\u00f6hen. Sie setzt lieber auf die Inflationssteuer.<\/p>\n<p>Man kann nicht sagen, wann die Individuen die Lage so einsch\u00e4tzen, dass sie glauben, die Staatsschulden werden monetisiert. Wenn sie es allerdings tun, fl\u00fcchten sie in Scharen aus Staatspapieren. Das ist auch in rezessiven Phasen m\u00f6glich, wenn die staatlichen Finanzen in Unordnung sind. Sie schichten ihr Portfolio nicht in geldnahe Aktiva um. Es kommt zu einer Flucht in reale Werte. Die Nachfrage nach G\u00fctern und Diensten nimmt zu, die Preise steigen, der Anker der Inflationserwartungen rei\u00dft. In einer stagnierenden Wirtschaft droht Stagflation. Und die Notenbanken k\u00f6nnen nichts dagegen tun. Offenmarktpolitik ist zum Scheitern verurteilt. Niemand will die Staatspapiere haben. Sie sind wie hei\u00dfe Kartoffeln, die alle fallen lassen. Die Gefahr ist gro\u00df, dass die nicht nachhaltige Staatsverschuldung in Europa und anderswo in einer fiskalischen Inflation endet.<\/p>\n<p>Das anhaltende weltweite Geschw\u00e4tz \u00fcber ein h\u00f6heres Inflationsziel bringt uns diesem \u00f6konomischen und politischen Horrorszenario rasch n\u00e4her. Der Harvard-\u00d6konom Kenneth Rogoff aber auch der IWF-Chefideologe Olivier Blanchard fordern seit l\u00e4ngerem das Inflationsziel der Notenbanken tempor\u00e4r von 2 % auf 4 % oder mehr zu erh\u00f6hen. Damit k\u00f6nne es gelingen, die Lasten der Staatsverschuldung zu verringern. Das Gegenteil d\u00fcrfte richtig sein. Es verschiebt nur den Zeitpunkt nach vorn, zu dem die Individuen davon ausgehen, dass die Staaten ihre Schulden monetisieren. Wir kommen einer h\u00e4sslichen, kostspieligen Stagflation einen gro\u00dfen Schritt n\u00e4her. Neben den traditionellen allokativen und distributiven <a href=\"http:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/rajan21\/English\">Einw\u00e4nden<\/a> gegen eine h\u00f6here Inflationsrate l\u00e4sst sie Notenbanken impotent werden. Inflation unterminiert die Stabilit\u00e4t des Wirtschaftssystems.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Schuldenkrise zeigt, das elende Ponzi-Spiel der Staatsfinanzierung ist endg\u00fcltig aus. Horrende Lasten aus staatlicher Verschuldung k\u00f6nnen nicht weiter kredit\u00e4r verschleppt, sie m\u00fcssen getragen werden. Vor dem letzten Holzweg, der Inflation, sei gewarnt. Er ist der kostspieligste Taschenspielertrick. Inflation ist weder effizient noch gerecht. Sie sch\u00e4digt den Preismechanismus nachhaltig. Ein Herzinfarkt der Marktwirtschaft ist unvermeidlich. Austerit\u00e4t und wirtschaftliches Wachstum sch\u00fctzen vor Inflation. Das sch\u00f6ne Leben auf Kosten Dritter ist zu Ende. Staatliche und private Haushalte m\u00fcssen vor allem \u00fcber die Ausgabenseite konsolidiert werden. Die versch\u00fctteten Quellen des Wachstums m\u00fcssen freigelegt werden, damit sie wieder sprudeln k\u00f6nnen. Arbeiten, sparen und investieren sind angesagt. Das ist der Markenkern einer marktwirtschaftlichen Ordnung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/4be9d27bca4542ecade8b42828e61ce7\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eInflation ist neben Stagnation, Arbeitslosigkeit und finanziellem Chaos der vierte Reiter der \u00f6konomischen Apokalypse&#8220; (John H. 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