{"id":8134,"date":"2012-01-06T00:01:59","date_gmt":"2012-01-05T23:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8134"},"modified":"2012-01-05T10:27:28","modified_gmt":"2012-01-05T09:27:28","slug":"gastbeitragordnungspolitische-wende-in-spanien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8134","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br>Ordnungspolitische Wende in Spanien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Vor etwa einem Jahr hatte ich in diesem Blog in einem Beitrag unter dem Titel <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=5134\">\u201eSpanien in der Euro-Schuldenkrise\u201c<\/a> den damaligen Ministerpr\u00e4sidenten des Landes und zugleich Generalsekret\u00e4r (und damit Chef) der Sozialistischen Partei (PSOE), Jos\u00c3\u00a9 Luis Rodr\u00c3\u00adguez Zapatero, als Teil des gravierenden Problems des Landes \u2013 Staatsschuldenkrise,\u00c2\u00a0 wirtschaftliche Stagnation, hohe Arbeitslosigkeit \u2013 bezeichnet. Dieses Problem ist gel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 20. November 2011, bei vorgezogenen Parlamentswahlen, hat die PSOE eine herbe Wahlniederlage hinnehmen m\u00fcssen, und zwar schon ohne Zapatero, der als Spitzenkandidat seiner Partei gar nicht mehr antreten durfte, nachdem bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai die Sozialisten landesweit geschlagen worden waren. Die konservative Volkspartei (PP), angef\u00fchrt von Mariano Rajoy Brey, hat eine komfortable absolute Mehrheit erlangt, im Abgeordnetenhaus ebenso wie im Senat. Sie regiert jetzt auch in 12 der 17 Autonomen Regionen (unseren Bundesl\u00e4ndern vergleichbar) und in den meisten Rath\u00e4usern der 50 Provinzhauptst\u00e4dte, langj\u00e4hrige sozialistische Hochburgen eingeschlossen. Einen derartig ausgepr\u00e4gten innenpolitischen Wandel der Machtverh\u00e4ltnisse innerhalb weniger Monate hat es in Spanien seit der Wiederherstellung der Demokratie (in 1977) noch nie gegeben, eine solche landesweite Machtf\u00fclle f\u00fcr eine einzelne politische Partei auch nicht. Offenbar hat die spanische Gesellschaft im Verlauf des Jahres 2011 mehrheitlich begriffen, dass sie nahezu acht Jahre lang von Zapatero und den Seinen mit sozialistischen Verhei\u00dfungen geblendet wurde und dass diese Regierung absolut inkompetent und verlogen war. Das wichtigste Kapital, das eine Regierung hat &#8211; die Glaubw\u00fcrdigkeit und die F\u00e4higkeit zur Bildung von Zukunftsvertrauen \u2013, wurde leichtfertig aufs Spiel gesetzt, zum Schaden Spaniens und zur gro\u00dfen Beunruhigung Europas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von der Rajoy-Regierung, die am 21. Dezember die Amtsgesch\u00e4fte aufgenommen hat, darf man sich eine Wende zum Besseren versprechen. Ein guter Anfang ist jedenfalls, dass die neue Regierung, anders als ihre Vorg\u00e4ngerin, sich aus Pers\u00f6nlichkeiten zusammensetzt, die alle (mindestens) einen Hochschulabschluss haben; die meisten haben zudem eine profunde politische Erfahrung auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, einige auch als EU-Parlamentarier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im \u00f6konomischen Bereich \u00fcbernehmen mit Wirtschaftsminister Luis de Guindos (er wird das Land im Ecofin-Rat vertreten), Finanzminister Crist\u00c3\u00b3bal Montoro und Arbeits- und Sozialministerin F\u00c3\u00a1tima B\u00c3\u00a1\u00c3\u00b1ez drei Fachleute die Z\u00fcgel, die daf\u00fcr bekannt sind, dass sie die marktwirtschaftliche Ordnung f\u00fcr das beste institutionelle Arrangement und Geldwertstabilit\u00e4t f\u00fcr unabdingbar halten, um im Land Wirtschaftswachstum und Besch\u00e4ftigung dauerhaft zu erm\u00f6glichen. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen sie sich aus dem linken Parteienspektrum bereits anklagend anh\u00f6ren, sie seien \u201eneoliberal\u201c. Aber eigentlich ehrt sie die Kritik. Denn was die Linken missbilligen ist, dass die drei Minister bereits angek\u00fcndigt haben, alles daran setzen zu wollen, die individuellen Leistungskr\u00e4fte zu mobilisieren und den Staat zur Schaffung der daf\u00fcr geeigneten Rahmenbedingungen zu bringen, soll hei\u00dfen, weniger Staatsverschuldung, weniger staatliche Wirtschaftsaktivit\u00e4t, weniger marktwidrige Regulierungen, weniger Sozialleistungen ohne Bed\u00fcrftigkeitsnachweis, weniger B\u00fcrokratie, mehr Wettbewerb auf den G\u00fcter- und Dienstleistungsm\u00e4rkten. Eine grundlegende Verbesserung der Angebotsbedingungen der spanischen Wirtschaft ist sachgerecht. Das wird helfen, die strukturelle Verwerfungen zu beheben, die sich so hartn\u00e4ckig in einer niedrigen Faktorproduktivit\u00e4t und einer unzureichenden Wettbewerbsf\u00e4higkeit des internationalen Sektors (die Tourismusbranche ausgenommen) niedergeschlagen haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Eine sehr schwierige Ausgangslage<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Hinterlassenschaft der sozialistischen Regierung kann beschwerlicher nicht sein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c\u00a2\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 \u00c2\u00a0Das gesamtwirtschaftliche Produktionspotenzial w\u00e4chst wegen der in den letzten Jahren schwachen Sachkapitalbildung und r\u00fcckl\u00e4ufigen Erwerbst\u00e4tigkeit nur noch sehr langsam (um weniger als 1 vH im Jahr). Die Konjunkturaussichten f\u00fcr 2012 sind tr\u00fcbe. Die neue Regierung hat gleich nach ihrem Amtsantritt die Wachstumsprognose ihrer Vorg\u00e4ngerin zur\u00fcckgenommen: von +2,3 vH auf -1 vH. In 2011 hatte es beim realen Bruttoinlandsprodukt noch ein kleines Plus (0,7%) gegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c\u00a2\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 \u00c2\u00a0Die Arbeitslosigkeit ist im Lauf des Jahres 2011 nochmals gestiegen, von 20,1 vH\u00c2\u00a0 der Erwerbst\u00e4tigen auf 21,5 vH (f\u00fcnf Millionen Personen); diese Rate ist\u00c2\u00a0 mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt des Euro-Raums. Die Jugendarbeitslosigkeit (46 vH) ist europaweit ebenfalls die mit Abstand h\u00f6chste. Das ist gesamtwirtschaftlich besonders gravierend, weil sehr viele junge Menschen mit Qualifikation, eine akademische eingeschlossen, betroffen sind. Die Folge ist eine Auswanderung von Ingenieuren, Architekten, Informatikern u.a. (auch nach Deutschland), was die Wirtschaftskraft des Landes schw\u00e4cht (\u201ebrain drain\u201c), wie die Theorie des endogenen Wachstums lehrt. Viele der wenig qualifizierten Arbeitslosen sind in die Schattenwirtschaft abgetaucht, deren Umfang auf mindestens 25 vH des Bruttoinlandsprodukts gesch\u00e4tzt wird. Diese Ausweichreaktionen stabilisieren in gewisser Hinsicht die innenpolitische Lage, allerdings um den Preis erheblicher Steuermindereinnahmen und Einbu\u00dfen bei den Einnahmen der Sozialversicherungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c\u00a2\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 \u00c2\u00a0Trotz der schwachen wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t besteht immer noch ein betr\u00e4chtliches\u00c2\u00a0 Leistungsbilanzdefizit (4vH in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, nach 4,6 vH in 2010). Diesem Defizit stehen keine ausreichenden Nettokapitalimporte mehr gegen\u00fcber. Es muss deshalb in gro\u00dfem Umfang durch Notenbankkredite (die Target-Verbindlichkeiten im EZB-System darstellen) finanziert werden. Das Volumen der Auslandsverschuldung bel\u00e4uft sich mittlerweile auf 160 vH in Relation zum Bruttoinlandsprodukt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201c\u00a2\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 \u00c2\u00a0Das gesamtstaatliche Haushaltsdefizit ist wahrscheinlich h\u00f6her als von der vorherigen Regierung als amtliches Ziel f\u00fcr Ende 2011 verk\u00fcndet und in Br\u00fcssel versprochen worden war (6 vH in Relation zum Bruttoinlandsprodukt). Es gibt Gr\u00fcnde f\u00fcr die Annahme, dass die Zapatero-Regierung die Haushaltsdaten gesch\u00f6nt hat, so wie das die im Fr\u00fchjahr abgew\u00e4hlten sozialistischen Regionalregierungen und B\u00fcrgermeister getan hatten. Nach einem Kassensturz in Madrid und dem Vorliegen der aktualisierten Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen k\u00f6nnte sich das tats\u00e4chliche Defizit auf rund 8 vH belaufen; fr\u00fchestens Ende Januar wird haushaltsstatistische Klarheit herrschen. Etwa zwei Drittel des Defizits sind struktureller Natur und determinieren insoweit das Volumen der Staatsschuld (70 vH in Relation zum Bruttoinlandsprodukt, 34 Prozentpunkte mehr als 2007). Die Staatsschuldenquote liegt zwar noch unterhalb des Durchschnitts im Euro-Raum (rund 80 vH) und dem kritischen 90-Prozent-Schwellenwert aus der Rogoff-Reinhardt-Regel. Aber erstmals seit seiner Zugeh\u00f6rigkeit zur W\u00e4hrungsunion hat Spanien das Maastricht-Kriterium (60 vH) verletzt und ist der Gefahr ausgesetzt, dass die Zinsbelastungen der \u00f6ffentlichen Schuld eine schwer zu kontrollierende Eigendynamik entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl die Zapatero-Regierung unter europ\u00e4ischen Druck \u2013 der in weiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung, h\u00e4ufig gar nicht mal kritisch, sondern heilsam, als \u201eMerkel-Diktat\u201c wahrgenommen wird \u2013 in den Jahren 2010-11 gewisse Ma\u00dfnahmen zur Haushaltskonsolidierung ergriffen und zaghaft einige Strukturreformen eingeleitet hat, steckt das Land in einer schweren Vertrauenskrise. Zu viel Aktionismus, zu wenig Koh\u00e4renz zwischen den Ma\u00dfnahmen, keine klare Linie in der Wirtschaftspolitik &#8211; das konnte nicht gutgehen. Die Finanzm\u00e4rkte dokumentieren dies gnadenlos: Der Interbankenmarkt liegt weitgehend brach, die Kreditversorgung der Unternehmen und privaten Haushalte zu tragbaren Bedingungen stockt, die Risikoaufschl\u00e4ge auf neu emittierte Staatsanleihen haben bis vor kurzem Rekordst\u00e4nde (\u00fcber 460 Basispunkte gegen\u00fcber Bundesanleihen) erreicht. Die Hilfen durch die Europ\u00e4ische Zentralbank \u2013 ab August der umfangreiche Ankauf von spanischen Staatsanleihen auf dem Sekund\u00e4rmarkt, seit Dezember die gro\u00dfz\u00fcgige l\u00e4ngerfristige Bereitstellung von Liquidit\u00e4t an die Gesch\u00e4ftsbanken \u2013 waren und sind unter diesen Umst\u00e4nden nat\u00fcrlich willkommen. Aber eine Dauerl\u00f6sung resultiert daraus nicht. Allein im Jahre 2012 kommt auf Spanien ein Refinanzierungsbedarf\u00c2\u00a0 in H\u00f6he von 378 Milliarden Euro zu (Staat: 223 Milliarden, Banken und Sparkassen: 120 Milliarden, b\u00f6rsennotierte Unternehmen: 35 Milliarden). Es wird sehr schwer sein, diesen Bedarf am Kapitalmarkt zu decken. Aus einem Liquidit\u00e4tsproblem k\u00f6nnte ein Solvenzproblem entstehen \u2013 ein Alptraum f\u00fcr Europa. Damit das nicht geschieht, muss die gesamte regierungsamtliche Anstrengung darauf gerichtet sein, das verloren gegangene Vertrauen der Menschen und der Marktteilnehmer in die Kraft Spaniens, seiner Probleme selbst Herr werden zu k\u00f6nnen, zur\u00fcck zu gewinnen. Dies erfordert schnelles Handeln mit klaren und schl\u00fcssigen Weichenstellungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Priorit\u00e4ten setzen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unter der neuen Regierung werden die Wirtschafts- und Finanzpolitik zum A&amp;O ihres Handelns und die Bek\u00e4mpfung der Massen- und hohen Jugendarbeitslosigkeit zum wichtigsten Ziel. So hat es Rajoy in seiner Regierungserkl\u00e4rung am 19. Dezember verk\u00fcndet (in der eineinhalbst\u00fcndigen Rede widmete er sich gut eine Stunde lang \u00f6konomischen Fragen). Die Menschen werden darauf vorbereitet, dass nicht kleinere wirtschaftspolitische Korrekturen hier und da bevorstehen, sondern umfassende Anpassungsma\u00dfnahmen, die weite Kreise der Bev\u00f6lkerung hart treffen. Jedermann wei\u00df jetzt, dass Abstriche am gewohnten Lebensstandard unvermeidbar sind, soziale Besitzst\u00e4nde infrage gestellt werden (geschont werden nur die Renten, vorerst), die verbreitete Protektion von Unternehmen durch Regulierung und Subventionierung aufh\u00f6ren wird, die Erwerbst\u00e4tigen zu weitm\u00f6glicher beruflicher, sektoraler und r\u00e4umlicher Mobilit\u00e4t bereit sein m\u00fcssen. Das wird vielen Menschen Angst machen und k\u00f6nnte die (in Spanien stark politisierten) Gewerkschaften veranlassen, die Stra\u00dfe gegen die konservative Regierung zu mobilisieren. Aber gegen die normative Kraft des Faktischen gibt es kein Vertun. Transparenz wird zu einem wichtigen Gut. Die Regierung muss um die Einsicht werben, dass kurzfristig Anpassungskosten in Kauf genommen werden m\u00fcssen, damit mittel- und langfristig\u00c2\u00a0 neue und gute Erwerbschancen f\u00fcr alle bereitstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf drei Feldern muss die Regierung schnell zeigen, dass sie zu grundlegenden Reformen entschlossen ist: in der Haushaltspolitik, bei der Sanierung des Bankensektors und bei der Reform der Arbeitsmarktordnung. Bereits auf der zweiten Kabinettssitzung am 30. Dezember 2011 sind drakonische Beschl\u00fcsse gefasst worden; weitere d\u00fcrften in den n\u00e4chsten Monaten folgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die R\u00fcckkehr zur Haushaltsdisziplin erfordert eine strikte Konsolidierung der Staatsfinanzen in den n\u00e4chsten Jahren. Die neue Regierung will das von ihrer Vorg\u00e4ngerin gegen\u00fcber der Europ\u00e4ischen Kommission gegebene Versprechen einhalten, bis Ende 2012 das Staatsdefizit auf 4,3 vH in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zu verringern. Je nachdem wie hoch zu Beginn des Jahres 2012 das tats\u00e4chliche Defizit ist (8 vH?), geht es in diesem Jahr um ein Einsparungserfordernis von bis zu 40 Milliarden Euro. Mit den jetzt getroffenen Ma\u00dfnahmen soll das Defizit unverz\u00fcglich um einen Prozentpunkt verringert werden. Zu Recht (aus Effizienzgr\u00fcnden) wird das Schwergewicht auf die Ausgabenseite gelegt. Dort gibt es viel Spielraum. Je konsequenter er genutzt wird, um so eher entsteht in der \u00d6ffentlichkeit wieder Vertrauen. Aber es mag schon jetzt nicht ausreichen. Die Regierung hat bereits die \u00d6ffentlichkeit darauf eingestimmt, dass die geerbte Haushaltslage viel schlechter ist als zun\u00e4chst vermutet, und deshalb f\u00fcr dieses und das n\u00e4chste Jahr auch Steuererh\u00f6hungen beschlossen, vor allem bei der Besteuerung mittlerer und h\u00f6herer Einkommen, nicht bei der Mehrwertsteuer, was investitionsfreundlicher und fiskalisch ergiebiger w\u00e4re; das d\u00fcrfte noch kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf mittlere Sicht sind die haushaltspolitischen Weichen richtig gestellt, nachdem im August, noch vor Aufl\u00f6sung des Parlaments, die beiden gro\u00dfen Parteien PSOE und PP beschlossen haben, eine Defizitbegrenzung verfassungsrechtlich vorzuschreiben. Bis sp\u00e4testens Mitte dieses Jahres muss das neue Parlament durch Gesetz die Obergrenzen festlegen. Vorgesehen ist, das strukturelle Defizit f\u00fcr den Zentralstaat auf 0,26 vH in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zu begrenzen und f\u00fcr die Autonomen Regierungen auf 0,14 vH, w\u00e4hrend die Kommunen ihren Haushalt ausgeglichen halten m\u00fcssen. Die Schuldenbremse soll ab 2020 greifen. Damit h\u00e4tte nach Deutschland auch Spanien einen wichtigen Beschluss des EU-Gipfels vom Dezember umgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig ist, dass die Marktteilnehmer die Sparma\u00dfnahmen als permanent wahrnehmen. Dann antizipieren sie eine Verminderung der Risikopr\u00e4mie auf Staats- und Unternehmensanleihen und einen \u201eCrowding-in\u201c-Effekt f\u00fcr private Investoren mit der Folge, dass sich die Erwartungsbildung wachstumsorientiert wird (wie Erfahrungen in anderen L\u00e4ndern belegen). Unerl\u00e4sslich ist nat\u00fcrlich, dass der Bankensektor die k\u00fcnftig verminderte Kreditnachfrage des Staates in eine erweiterte Kreditgew\u00e4hrung an die Privaten umlenkt. Das macht die Sanierung und Rekapitalisierung des Bankensektors, der die Folgen der 2007 geplatzten Immobilienpreisblase noch nicht ganz verdaut hat (ausstehender Abschreibungsbedarf mindestens 60 Milliarden Euro), so dringend. Betroffen sind in erster Linie die Sparkassen. Die im vergangenen Jahr eingeleiteten Umstrukturierungen m\u00fcssen z\u00fcgig fortgesetzt, die bisher massiven politischen Einflussnahmen (seitens der Regionalregierungen) endg\u00fcltig unterbunden werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei f\u00fcnf Millionen Arbeitslosen sind Zweifel an der Funktionst\u00fcchtigkeit des spanischen Arbeitsmarktes durchaus angebracht. Dieser Markt ist sehr rigide. In keinem anderen Land des Euro-Raums ist die Korrelation zwischen Lohn- und Produktivit\u00e4tsentwicklung so gering wie in Spanien. Zu Recht will die Regierung die Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarktes erh\u00f6hen. Es geht vor allem darum, betriebsnahe Tarifvertr\u00e4ge zu erm\u00f6glichen und die allgemeine Lohnbildung branchenm\u00e4\u00dfig und regional ad\u00e4quat zu differenzieren, was bislang nicht der Fall ist. Die weitgehend praktizierte Lohnindexierung, die Arbeit unn\u00f6tig verteuert, steht ebenfalls auf dem Pr\u00fcfstand. Falls die Tarifvertragsparteien nicht rasch L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge machen, sollen die Reformen gesetzlich durchgesetzt werden. Im Nebeneffekt w\u00fcrde die Regierung vollziehen, was auf dem EU-Gipfel im M\u00e4rz 2011 mit dem \u201eEuro Plus Pakt\u201c beschlossen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Es ist zu schaffen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die neue Wirtschaftspolitik in Spanien\u00c2\u00a0 das Gebot der \u00f6konomische Effizienz zur Leitvorstellung macht und die notwendigen soziale Garantien darauf abstellt, kann sie die Grundlagen f\u00fcr eine Revitalisierung der Wirtschaft festigen, und zwar auf der Zeitschiene (es gelingt schneller) und auf der Achse der Produktion und Besch\u00e4ftigung (der Wachstumsspielraum wird gr\u00f6\u00dfer). Die Rajoy-Regierung strahlt ordnungspolitische Entschlossenheit aus, wozu geh\u00f6rt, der Bev\u00f6lkerung klipp und klar zu sagen, dass das Land eine steinige Wegstrecke bis zur Gesundung vor sich hat. Ich rechne mit einer Zeitspanne von mehreren Jahren, komplett die gerade begonnene Legislaturperiode. Aus heutiger Sicht sieht es so aus, dass Spanien nicht zu eine dauerhaften Belastung f\u00fcr den Euroraum wird.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwa einem Jahr hatte ich in diesem Blog in einem Beitrag unter dem Titel \u201eSpanien in der Euro-Schuldenkrise\u201c den damaligen Ministerpr\u00e4sidenten des Landes und &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8134\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e<small>Gastbeitrag<\/small><br \/>Ordnungspolitische Wende in Spanien\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on wp_trim_excerpt --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on wp_trim_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":95,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,8,41],"tags":[460,742,743],"class_list":["post-8134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgmeines","category-europaisches","category-ordnungspolitisches","tag-bankenkrise","tag-spanien","tag-strukturreformen"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.2 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>GastbeitragOrdnungspolitische Wende in Spanien - Wirtschaftliche Freiheit<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8134\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"GastbeitragOrdnungspolitische Wende in Spanien - Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Vor etwa einem Jahr hatte ich in diesem Blog in einem Beitrag unter dem Titel \u201eSpanien in der Euro-Schuldenkrise\u201c den damaligen Ministerpr\u00e4sidenten des Landes und &hellip; \u201eGastbeitragOrdnungspolitische Wende in Spanien\u201c weiterlesen\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8134\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Wirtschaftliche Freiheit\" \/>\n<meta property=\"article:published_time\" content=\"2012-01-05T23:01:59+00:00\" \/>\n<meta name=\"author\" content=\"Juergen B. 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