{"id":8556,"date":"2012-02-19T00:01:57","date_gmt":"2012-02-18T23:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8556"},"modified":"2012-02-18T17:18:31","modified_gmt":"2012-02-18T16:18:31","slug":"junge-ordnungsokonomikpraferenz-fur-vielfaltdie-clusterforderung-setzt-neue-masstabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8556","title":{"rendered":"<small>Junge Ordnungs\u00f6konomik<\/small><br>Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Vielfalt<br><small>Die Clusterf\u00f6rderung setzt neue Ma\u00dfst\u00e4be<\/small>"},"content":{"rendered":"<p>Der Internationale W\u00e4hrungsfonds und die Weltbank sind sich einig: Die Eurozone rutscht in diesem Jahr in eine <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/0,1518,811171,00.html\" target=\"blank\">Rezession<\/a>. Vereinzelte Inseln der Gl\u00fcckseligkeit wird es zwischen Finnland und Spanien auch in Zeiten schrumpfender Volkswirtschaften geben, allen voran in Deutschland. Die f\u00fcnf neuen Gewinner des sogenannten <a href=\"http:\/\/www.bmbf.de\/press\/3224.php\" target=\"blank\">Spitzencluster-Wettbewerbs<\/a> der Bundesregierung sind seit Ende Januar bekannt. Sie d\u00fcrfen sich in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren \u00fcber einen Geldsegen in Millionenh\u00f6he freuen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Gef\u00f6rdert werden im Zuge der dritten Auflage dieses Wettbewerbs die unterschiedlichsten Schl\u00fcsseltechnologien: Elektromobilit\u00e4t, intelligente Technische Systeme, medizinische Errungenschaften, Werkstoffinnovationen und die Biotechnologie. Auch in regionaler Hinsicht wird es nicht eint\u00f6nig: Ostwestfalen ist dabei, die Boomregionen Rhein-Main und Rhein-Neckar, das Drei-St\u00e4dte-Eck Augsburg-M\u00fcnchen-Ingolstadt und ein Cluster im sachsen-anhaltischen Leune. Die Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Vielfalt ist zu begr\u00fc\u00dfen, genau wie die geforderte finanzielle Beteiligung der Cluster in gleicher H\u00f6he und die Besetzung der Jury mit Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Wo nichts ist, kann nichts wachsen<\/strong><\/p>\n<p>Insofern unterscheidet sich diese Spielart der Clusterf\u00f6rderung von einer Industriepolitik, die in der Vergangenheit allzu oft eine r\u00fcckst\u00e4ndige Region oder eine zur\u00fcckgefallene Technologie mit Subventionen bedacht hat. Die erhoffte Wirkung blieb meist aus. Denn an den Stellen auf der Landkarte, an denen die wirtschaftliche Landschaft karg ist und ohne bl\u00fchende Ausnahmegew\u00e4chse daherkommt, w\u00e4chst und gedeiht selbst bei einer Wasserleitung aus Gold nichts. Die Subventionen versickern \u00fcber kurz oder lang; es entstehen weder Arbeitspl\u00e4tze noch gleichen sich Regionen wirtschaftlich aneinander an. Aber selbst dort, wo sich Botaniker \u2013 etwa aufgrund der Vielfalt an exotischen Pflanzen \u2013 wohl f\u00fchlen, sollte das Wasser nicht \u00fcberall aufgedreht werden. Marktineffizienzen sind auch bei der Clusterf\u00f6rderung die notwendige Voraussetzung f\u00fcr jegliches staatliches Handeln. Theoretisch ist es denkbar, dass Cluster hinter der optimalen Gr\u00f6\u00dfe zur\u00fcckbleiben und deshalb in einer Volkswirtschaft zu wenige funktionierende lokale Netzwerke am Markt entstehen. Ursachen k\u00f6nnen Wissensspillovers, Informationsasymmetrien und Unteilbarkeiten sein.<\/p>\n<p>Hinter diesen \u2013 zugegebenerma\u00dfen \u2013 etwas sperrigen Begriffen verbergen sich Ph\u00e4nomene, die auch in anderen Bereichen auftauchen. Warum sollte man Texte schreiben, die sich kopieren und (beispielsweise \u00fcber das Internet) beliebig vervielf\u00e4ltigen lassen, ohne daf\u00fcr entsch\u00e4digt zu werden? Das Urheberrecht sieht Regelungen vor, die diese Wissensspillovers internalisieren. In einem Cluster sind es weniger kreative Texte als vielmehr Ideen und Innovationen, die von der Konkurrenz in der Nachbarschaft angewandt werden k\u00f6nnen, ohne den Erfinder (oder dessen Unternehmen) zu entsch\u00e4digen. Wissensspillovers entstehen auch, wenn spezialisierte Arbeitskr\u00e4fte von einem Unternehmen abgeworben werden. Dass die Fluktuation in einem Cluster besonders hoch ist, liegt nahe. Zum einen fragen die (technologieverwandten) Unternehmen h\u00e4ufig Arbeitnehmer mit vergleichbaren Qualifikationen nach. Zum anderen sind Arbeitskr\u00e4fte ein St\u00fcck weit immobil und haben daher eine Pr\u00e4ferenz zu Arbeitgebern in r\u00e4umlicher N\u00e4he zum sozialen Umfeld. Wissensspillovers k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass die Unternehmen zu wenig in die Forschung und Entwicklung und die F\u00e4higkeiten ihrer Besch\u00e4ftigten investieren. Das Cluster bleibt hinter seinen M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck. Es kommt zu Marktineffizienzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Vor und nach Kooperationsbeginn<\/strong><\/p>\n<p>Informationsasymmetrien zwischen Marktteilnehmern sind unvermeidlich und gen\u00fcgen oftmals nicht, um einen staatlichen Eingriff ordnungspolitisch zu legitimieren. Vor dem Eintritt in ein Cluster k\u00f6nnten Unternehmen irref\u00fchrende Angaben \u00fcber ihre Unternehmenspolitik machen, etwa indem sie suggerieren, eine gr\u00f6\u00dfere FuE-Abteilung zu betreiben, als dies tats\u00e4chlich der Fall ist. Nach dem Eintritt besteht die Gefahr, dass die Unternehmen trittbrettfahren. Sie verringern bei einem solchen Verhalten ihre FuE-Investitionen stillschweigend und bedienen sich des Wissens der Konkurrenz. Die Informationsasymmetrie liegt darin begr\u00fcndet, dass dem nutznie\u00dfenden Unternehmen das Abr\u00fccken von der gemeinsamen Strategie nicht oder nur mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hohem Aufwand nachweisbar ist. Unterschiedlich gelagerte Informationen d\u00fcrften bei der Clusterbildung dennoch nur ein geringes Problem darstellen. Zum einen gibt es Instrumente, um die Informationsasymmetrien zu verringern, zum Beispiel den Einsatz unabh\u00e4ngiger Gutachter und das Offenlegen von Bilanzen. Zum anderen ist der Beitritt in ein Cluster in der Regel mit einer weiten \u00d6ffnung gegen\u00fcber den kooperierenden Unternehmen oder sogar einer Standortverlegung verbunden. Der Anreiz f\u00fcr ein opportunes Verhalten ist folglich als gering einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Unteilbarkeiten sind die Ursache daf\u00fcr, warum es sich f\u00fcr Unternehmen lohnen kann, gemeinsame Investitionen \u2013 beispielsweise in FuE-Labore \u2013 zu t\u00e4tigen. In einem Cluster gibt es noch weitere Motive f\u00fcr gemeinsame Investitionen. Zum einen nehmen die Clustervorteile &#8211; das zeigen empirische Studien &#8211; mit r\u00e4umlicher Entfernung immer weiter ab. Zum anderen k\u00f6nnen FuE-Labore mitunter nur von technologieverwandten Unternehmen erfolgsbringend genutzt werden. Sofern die firmen\u00fcbergreifende Finanzierung funktioniert, treten keine Marktineffizienzen auf. Problematisch wird es erst, wenn die Investition in einem Cluster nicht durchgef\u00fchrt wird. Wenn Unklarheit \u00fcber zuk\u00fcnftige Eigentumsrechte und Nutzungsberechtigungen an den FuE-Erkenntnissen herrscht, werden die Clusterakteure gemeinsame Investitionen gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes unterlassen, zumal die Ertr\u00e4ge und Risiken nicht bzw. nur unter Unsicherheit quantifizierbar sind. In diesem Fall verst\u00e4rken Unteilbarkeiten die negativen Folgen von Informationsasymmetrien. Sofern die Eigentums- und Nutzungsrechte eindeutig geregelt sind, d\u00fcrfte die Gefahr des Marktversagens aufgrund von Unteilbarkeiten jedoch gering sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Markt- versus Staatsversagen<\/strong><\/p>\n<p>Anders als bei asymmetrisch verteilten Informationen und Unteilbarkeiten ist die Wahrscheinlichkeit bei technologischen externen Effekten h\u00f6her, dass eine suboptimale Clustergr\u00f6\u00dfe entsteht. Die oben beschriebenen Wissensspillovers als eine Auspr\u00e4gung positiver Externalit\u00e4ten k\u00f6nnen vor allem in der FuE und der Ausbildung der Besch\u00e4ftigten zu Unterinvestitionen f\u00fchren. Im n\u00e4chsten Schritt muss daher die Frage beantwortet werden, ob der Staat diese L\u00fccke schlie\u00dfen kann, ohne dabei Netto-Wohlfahrtsverluste zu verursachen. Dagegen sprechen die negativen Folgen von Fehlallokationen und Wettbewerbsverzerrungen sowie die Kosten der Refinanzierung.<\/p>\n<p>Eine staatliche Clusterf\u00f6rderung, die \u00fcber die Grundlagenforschung hinausgeht, setzt voraus, dass die Politik wei\u00df, welche Technologien und Produkte in Zukunft gefragt sein werden. Diese Allwissenheit des Staates wird in der Literatur vielfach bezweifelt. Die Unternehmer k\u00f6nnen zwar auch aufs falsche Pferd setzen. Aber genau darin liegt das unternehmerische Risiko. Den eingegangenen Risiken stehen in der Regel auch gro\u00dfe Chancen wie das Erlangen der Marktf\u00fchrerschaft gegen\u00fcber. Die Anma\u00dfung von Wissen ist bei der Clusterbildung besonders sch\u00e4dlich. Denn FuE-Investitionen sind irreversibel, wenn die Forschungsergebnisse nur f\u00fcr eine bestimmte Technologie verwendet werden k\u00f6nnen, diese sich aber hernach als nicht mehr zukunftstr\u00e4chtig herausstellt. Auch die Folgen f\u00fcr eine Region, die sich nicht zuletzt wegen der Subventionen auf eine Technologie spezialisiert hat, k\u00f6nnen verheerend sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Auch Wissen sch\u00fctzt nicht vor Wettbewerbsverzerrung<\/strong><\/p>\n<p>Doch selbst wenn der Staat w\u00fcsste, welche Technologien und Produkte in der Zukunft an Bedeutung zulegen, verbleibt die Entscheidung dar\u00fcber, welchem Cluster welche Mittel zuflie\u00dfen sollen. Aus Effizienzgr\u00fcnden m\u00fcssten die erfolgreichsten Cluster die gr\u00f6\u00dfte F\u00f6rderung erhalten. Eine Fokussierung auf die besser funktionierenden Cluster schw\u00e4cht jedoch die relative Position der ineffizienten Konkurrenten. Es wird f\u00fcr letztere schwieriger, den R\u00fcckstand aufzuholen. Der Wettbewerb wird verzerrt. Noch gr\u00f6\u00dfere Verzerrungen entstehen, wenn ineffiziente Cluster finanziell unterst\u00fctzt werden. Es kommt zu Mitnahmeeffekten, die allenfalls den gef\u00f6rderten Clustermitgliedern vor\u00fcbergehend helfen, aber der Volkswirtschaft als Ganzes schaden. Das parlamentarische System und der Einfluss von Lobbygruppen beg\u00fcnstigt diese Gefahr.<\/p>\n<p>Die staatliche Clusterf\u00f6rderung muss \u2013 genau wie die anderen Ausgabenbl\u00f6cke \u2013 zudem finanziert werden. Dies kann prinzipiell auf dreierlei Weise geschehen:<\/p>\n<p>\u201c\u00a2 \u00dcber eine Ausgabenk\u00fcrzung in anderen Bereichen<\/p>\n<p>\u201c\u00a2 im Zuge einer Ausweitung der Einnahmen und<\/p>\n<p>\u201c\u00a2 durch Staatsverschuldung.<\/p>\n<p>Alle drei Finanzierungsformen sind problematisch. Im ersten Fall sind bestimmte Bev\u00f6lkerungsgruppen betroffen, im zweiten Fall die breite Masse der Steuerzahler und im dritten Fall zuk\u00fcnftige Generationen. F\u00fcr Investitionen in Bildung und Grundlagenforschung mag es gerechtfertigt sein, heutige und sp\u00e4tere Generationen zur Finanzierung heranzuziehen. Insbesondere bei einer kostspieligen F\u00f6rderung von Clustern, deren Technologien und Produkte am Ende ihres Lebenszyklus sind, werden jedoch Ressourcen zu Lasten heutiger und sp\u00e4terer Steuerzahler fehlgeleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Innovative Cluster sorgen f\u00fcr positive Wachstums- und Besch\u00e4ftigungseffekte. Das alleine rechtfertigt noch keinen staatlichen Eingriff. Nur wenn am Markt zu kleine bzw. zu wenige erfolgreiche Cluster entstehen, ist die notwendige Bedingung f\u00fcr staatliches Handeln erf\u00fcllt. Wissensspillovers k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass zu wenig in FuE und die Qualifikation der Arbeitskr\u00e4fte investiert wird. Doch auch der Staat kann bei seiner Clusterf\u00f6rderung aufs falsche Pferd setzen und in der Folge hohe Wohlfahrtsverluste verursachen. Welche Effekte tats\u00e4chlich dominieren, muss im Einzelfall empirisch gemessen werden. Auf Nummer sicher geht die Politik, wenn sie sich auf die F\u00f6rderung der Bildung und Grundlagenforschung konzentriert. Bei der Clusterbildung sollte sie hingegen nur die Rahmenbedingungen setzen und eine passive Rolle einnehmen. Insofern geht der Spitzencluster-Wettbewerb in die richtige Richtung.<\/p>\n<p><strong>Hinweis:<\/strong> Die f\u00fcnf Gewinner des dritten Spitzencluster-Wettbewerbs werden am 23. und 24. Februar auf der Clusterkonferenz in Berlin pr\u00e4miert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/94b2a5b474f54d639fb9701a9eff3a19\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Internationale W\u00e4hrungsfonds und die Weltbank sind sich einig: Die Eurozone rutscht in diesem Jahr in eine Rezession. 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