{"id":8993,"date":"2012-04-18T00:01:57","date_gmt":"2012-04-17T23:01:57","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8993"},"modified":"2012-04-17T15:52:49","modified_gmt":"2012-04-17T14:52:49","slug":"von-marktwirtschaft-und-moral-freiheit-und-glucksempfinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=8993","title":{"rendered":"Von Marktwirtschaft und Moral, Freiheit und Gl\u00fccksempfinden"},"content":{"rendered":"<p>Freiheit ist ein Schl\u00fcssel zum Gl\u00fccksempfinden der Menschen. Dies l\u00e4sst sich heutzutage durch empirische Studien belegen. Der amerikanische Politologe Ronald Inglehart untersuchte zusammen mit Roberto Foa, Christopher Peterson und Christian Welzel \u00fcber den Zeitraum von 1981 bis 2007 den Zusammenhang von wirtschaftlicher Entwicklung, pers\u00f6nlicher Freiheit und dem damit einhergehenden Anstieg von Gl\u00fccksempfinden und Lebenszufriedenheit. Die empirischen Ergebnisse lauten wie folgt: Vor allem die M\u00f6glichkeit der freien Wahl ist ma\u00dfgeblich f\u00fcr Gl\u00fcck und Zufriedenheit, und zwar sowohl f\u00fcr den Einzelnen wie auch f\u00fcr eine ganze Nation. Wahlfreiheit wird durch drei Parameter beg\u00fcnstigt: Von prim\u00e4rer Bedeutung ist die wirtschaftliche Entwicklung bzw. das Wirtschaftswachstum eines Landes. Je h\u00f6her der Wohlstand ist, desto geringer wird die Sorge um die materielle und pers\u00f6nliche Sicherheit.<\/p>\n<p><!--more-->Gem\u00e4\u00df der Bed\u00fcrfnispyramide, wie sie Maslow entworfen hat, verfolgt der Mensch nach der Befriedigung von Grund- und Sicherheitsbed\u00fcrfnissen individuelle und soziale Interessen. Mit zunehmendem Einkommen ist er in der Lage, sich verst\u00e4rkt diesen Interessen zu widmen. Gerade die Wahrnehmung der sozialen Interessen \u2013 mithin das Agieren im \u00f6ffentlichen Raum \u2013 kann und wird abh\u00e4ngig vom Einkommen, zudem aber auch vom zweiten Parameter, dem Demokratisierungsgrad einer Gesellschaft, realisiert. Entscheidend ist hier insbesondere die Zusicherung von Grundrechten, die den Menschen freie Wahlen erm\u00f6glicht. Der dritte Parameter, die soziale Toleranz, steht in positiver Wechselwirkung mit dem Demokratisierungsgrad. Je mehr per Gesetz gefestigte Freiheiten einem Menschen zustehen, desto eher verf\u00fcgt er \u00fcber die F\u00e4higkeit der Toleranz, was sich ebenfalls wiederum positiv auf das Gl\u00fccksempfinden auswirkt. Demnach ist die Garantie von Freiheit ein Positivsummenspiel, indem materielle Sicherheit, eine Gesellschaftsform mit gesetzlich garantiertem Zugang zur Wahlfreiheit und die daraus m\u00f6gliche werdende\u00c2\u00a0 individuelle Entfaltung in jeglicher Hinsicht zur Verbesserung der Lebenszufriedenheit einer Nation beitragen.<\/p>\n<p>Der Gedanke der Freiheit wird in einem marktwirtschaftlichen System verwirklicht. Marktwirtschaft bedeutet in erster Linie Vertragsfreiheit und damit Wahlfreiheit. Grunds\u00e4tzlich kann sich jeder in einer Marktwirtschaft frei entscheiden, wie er handeln m\u00f6chte, was er kaufen will, wo er arbeitet. Unabh\u00e4ngig von Alter, Geschlecht oder Ethnizit\u00e4t trifft er seine Entscheidungen bez\u00fcglich seiner Aktivit\u00e4ten aus eigenem Antrieb. Seine Antriebskraft ist dabei sein Eigennutz. Wenn auch oft negativ konnotiert, ist das Verhalten zur Maximierung des eigenen Nutzens die nat\u00fcrliche bzw. evolutionsbedingte Verhaltensweise des Menschen, jene Triebfeder, die uns Menschen dahin gebracht hat, wo wir mit unserer technischen Entwicklung heute stehen. Sie bietet sich damit als Grundlage unser Wirtschaftsordnung an. In einer funktionierenden Marktwirtschaft wird der Eigennutz produktiv kanalisiert und zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft herangezogen. Aus Eigennutz wird am Markt und durch den Wettbewerb Gemeinwohl. Zentraler Vorteil der Marktwirtschaft ist dabei die Tauschgerechtigkeit. Vor dem Marktpreis sind alle Menschen gleich, im Wettbewerb hat jeder die gleichen Chancen auf ein Gut, er muss nur bereit sein, den Marktpreis zu zahlen.<\/p>\n<p>Dennoch besteht auch und gerade in einer Marktwirtschaft die Gefahr, dass Eigennutz in gemeinwohlsch\u00e4digenden Egoismus umschl\u00e4gt. Da die Natur des Menschen nicht dem Altruismus-, sondern dem Eigennutzprinzip entspricht, k\u00f6nnen sich auf dem Markt diejenigen am ehesten durchsetzen, die auch dann egoistisch ihre Ziele verfolgen, wenn dies dem Gemeinwohl schadet. Sie agieren mitunter zwar noch legal, aber an der Grenze zur Illegalit\u00e4t, sie bereichern sich illegitim auf Kosten Dritter. F\u00fchrungskr\u00e4fte in Unternehmen beuten Arbeitnehmer aus oder wirtschaften zu Lasten der Umwelt. F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Politik n\u00fctzen gesetzliche Grauzonen zur eigenen Bereicherung. Solche Grenzmoralisten sind der Grund f\u00fcr das negative Image, das der freiheitlichen Ordnung derzeit hierzulande anhaftet. Viel schlimmer noch: Der Wettbewerb l\u00e4sst nicht nur das Wirtschaften als Grenzmoralist zu, er f\u00f6rdert es sogar.<\/p>\n<p>Aufgrund des Wettbewerbsdrucks k\u00f6nnen die Unternehmen, die bewusst nach ethischen Standards handeln, n\u00e4mlich am Markt zumeist nicht bestehen. Denn ethisch korrektes Wirtschaften hat seinen Preis, und die Einhaltung entsprechender Standards ist f\u00fcr solche Unternehmen ein zus\u00e4tzlicher finanzieller Aufwand, der unter der Maxime der\u00c2\u00a0 Kostendeckung an den Verbraucher weitergegeben wird. Das hat zwei Haken: Erstens ist der Verbraucher ein Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger \u2013 er schaut auf die Preise. Zweitens kennt er die Vielzahl der Unternehmen nicht alle und wei\u00df nur selten, ob diese moralisch integer wirtschaften. Da der Grenzmoralist sich nicht f\u00fcr ethische Werte, sondern nur f\u00fcr seinen Profit interessiert, bleiben ihm moralische Extrakosten erspart und er kann somit das Niedrigpreissegment dominieren. Das kommt beim Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger gut an. Schlie\u00dflich wei\u00df dieser ja auch zumeist nicht um die moralischen Vorz\u00fcge teurerer Mitbewerber, f\u00fcr ihn z\u00e4hlt daher meistens der niedrige Preis. Der Grenzmoralist setzt sich durch, der moralisch Integere verschwindet vom Markt. Wenn die \u201eguten\u201c Unternehmen am Markt weiter bestehen wollen, m\u00fcssen sie sich am Grenzmoralisten und seinen niederen Standards orientieren und sich an ihn anpassen.<\/p>\n<p>Eine L\u00f6sung f\u00fcr dieses Dilemma des Wettbewerbs zu finden erscheint schwierig. Die Natur des Menschen l\u00e4sst sich nur schwer ver\u00e4ndern oder beherrschen; der \u201esozialistische Mensch\u201c, wie ihn ein Karl Marx bei seinem L\u00f6sungsansatz des Dilemmas im Kopf hatten, existiert in unserer Evolutionsgeschichte nicht. Die menschliche Eigenschaft des Eigennutzes ist kaum ver\u00e4nderlich, sie darf beim Gestalten der Wirtschaftsordnung nicht ignoriert werden. Demzufolge sind die Rahmenbedingungen an die Natur des Menschen anzupassen. Sie m\u00fcssen verhindern, dass aus Eigennutz Gemeinwohlsch\u00e4digung entsteht, ohne dass die Freir\u00e4ume in dem Ma\u00dfe begrenzt werden, dass ein \u00dcberwachungsstaat sozialistischer Pr\u00e4gung entsteht, der die Freiheiten unn\u00f6tigerweise einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Freiheit kann und darf nicht bedeuten, dass ein Handeln zu Lasten unbeteiligter Dritter erlaubt ist. So etwas als legitim durchgehen zu lassen w\u00e4re ein anarchistischer Ansatz, kein marktwirtschaftlicher. Er w\u00e4re dem Laissez-faire zuzuordnen, einer Wirtschafts(un)ordnung, die sich vor der Etablierung der marktwirtschaftlichen Ordnung zu Zeiten der industriellen Revolution als quasi-anarchistische, da weitgehende regelfreie Form des Wirtschaftens durchgesetzt hatte. Um eine solche Anarchie zu vermeiden, muss der Mensch gewisse Einschr\u00e4nkungen seiner Freiheit in Kauf nehmen \u2013 im Sinne der Allgemeinheit und im Sinne der Freiheitsrechte der Anderen. Eine staatliche Rahmenordnung in Form von\u00c2\u00a0 insbesondere gesicherten Eigentumsrechten sorgt f\u00fcr ein soziales Agieren der Akteure auf dem Markt. Wer anderen Schaden zuf\u00fcgt, soll daf\u00fcr haften. Ist der Haftungsgrundsatz durchgehend implementiert, ist ein Agieren aus Eigennutz, das unbeteiligten Dritten schadet, nicht mehr m\u00f6glich \u2013 im Falle einer Sch\u00e4digung fallen entsprechende Kompensationsleistungen an. Die Freiheit wird kanalisiert.<\/p>\n<p>Damit schr\u00e4nkt eine Marktwirtschaft die Freiheit des Einzelnen auch wieder ein, und zwar eben durch die Verteilung von Eigentumsrechten. So besitzen Menschen mit geringem Einkommen respektive wenig Eigentumsrechten einen eingegrenzten Handlungsspielraum und k\u00f6nnen diesem in der Regel aufgrund des Bildungsmangels auch nicht kurzfristig entweichen. Folglich fragen diese Menschen jedoch vermehrt Sicherheit statt Freiheit nach. Dies gef\u00e4hrdet das System Marktwirtschaft. Doch gerade der Markt ist es, der ihnen entsprechend des Leistungsprinzips auch die Chance des sozialen Aufstiegs \u2013 also die M\u00f6glichkeit, im Zeitablauf ihre Eigentumsrechte zu erweitern \u2013 bietet. \u00dcber Bildung l\u00e4sst sich zus\u00e4tzliches Einkommen generieren, und da eine funktionierende Marktwirtschaft eben Leistung belohnt, kann aufsteigen, wer sich anstrengt. Wenn auch die absolute Freiheit auf dem Markt durch die staatliche Rahmenordnung eingeschr\u00e4nkt wird, bedeutet das f\u00fcr den Menschen letztlich nicht eine Einschr\u00e4nkung bez\u00fcglich seiner m\u00f6glichen freien Entfaltung, sondern vielmehr die Chance zur freien Nutzung der ihm im Rahmen der Eigentumsrechte geschaffenen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Die Freiheit, die im Rahmen des marktwirtschaftlichen Systems entsteht, ist st\u00e4ndig bedroht. Auf der einen Seite versuchen Wettbewerber, durch technische Innovationen oder auch durch wettbewerbswidriges Verhalten monopolistische Spielr\u00e4ume zu schaffen sowie Wege zu finden, wie sie den Haftungsgrundsatz umgehen k\u00f6nnen. Monopolisten beuten ihre Kunden aus, Aufsichtsr\u00e4te nutzen ihre Spielr\u00e4ume, sich ihnen nicht zustehende Privilegien zu beschaffen, Topmanager heimsen Boni ein und w\u00e4lzen die Haftung f\u00fcr Risiken und Kosten, die sie auf diesem Weg verursachen, auf die Gesellschaft ab. Auf der anderen Seite m\u00fchen sich Kritiker des marktwirtschaftlichen Systems, die Rahmenordnung zu \u00e4ndern: Weg von der Garantie von Freiheiten hin zu einem freiheitsfreien, auf Sicherheit und staatliche Zuweisung aufbauenden System. Im Sinne unserer Freiheit wie auch unserer Lebenszufriedenheit gilt es, beide Bedrohungen ernst zu nehmen und ihnen zu begegnen. Dazu ist jeder Einzelne aufgefordert, Mitverantwortung f\u00fcr die Weiterentwicklung unserer freiheitlichen Ordnung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheit ist ein Schl\u00fcssel zum Gl\u00fccksempfinden der Menschen. Dies l\u00e4sst sich heutzutage durch empirische Studien belegen. 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