{"id":9182,"date":"2012-05-23T00:01:41","date_gmt":"2012-05-22T23:01:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9182"},"modified":"2012-05-28T14:42:40","modified_gmt":"2012-05-28T13:42:40","slug":"der-chefvolkswirtdeutsche-reformerfolge-als-blaupause-fur-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9182","title":{"rendered":"<small>Der Chefvolkswirt<\/small><br>Deutsche Reformerfolge als Blaupause f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag werden die wichtigsten Reformen der vergangenen zehn Jahren in Deutschland kurz beschrieben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Ma\u00dfnahmen sich als besonders erfolgreich und effektiv erwiesen haben. Die Erfahrungen mit den Reformen in Deutschland geben dabei wertvolle Hinweise f\u00fcr heutige europ\u00e4ische Krisenl\u00e4nder wie etwa Italien.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>1. Einleitende Bemerkungen<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten sind mehrere Eurol\u00e4nder zu (weiteren) strukturellen Reformen aufgefordert worden. In Italien, Spanien und Portugal sollen eine Vielzahl von Ma\u00dfnahmen umgesetzt werden, um die Wachstumskr\u00e4fte zu st\u00e4rken. Dazu geh\u00f6ren eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, eine Anhebung des Rentenalters sowie erhebliche staatliche Einsparungen. Europ\u00e4ische Politik und Finanzm\u00e4rkte werden in den n\u00e4chsten Wochen und Monaten genau beobachten, wie schnell und konsequent diese Reformen umgesetzt werden. Neben solideren <strong>Staatsfinanzen<\/strong> sind eine steigende gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4t und ein h\u00f6heres Potenzialwachstum essenziell. Staatliche K\u00fcrzungsma\u00dfnahmen allein werden auf Dauer nicht ausreichen, um die europ\u00e4ische <strong>Schuldenkrise<\/strong> zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Werden L\u00e4nder wie Italien, Spanien und Portugal Erfolg haben? In Deutschland scheint die Skepsis zu \u00fcberwiegen. Dabei wird eines ganz offensichtlich \u00fcbersehen: Vor rund zehn Jahren befand sich die deutsche Wirtschaft in einer vergleichbaren Situation wie einige EWU-Staaten heute. Damals war die Rede von Deutschland als dem &#8222;kranken Mann Europas&#8220;. Das Wachstum fiel seit der <strong>Wiedervereinigung<\/strong> anhaltend schwach aus. Das reale BIP legte im Zeitraum von 1992 bis 2002 um lediglich 1,4 % pro Jahr zu. Das war deutlich weniger als in vielen anderen Eurol\u00e4ndern. Auch im Vergleich zu Italien (+1,5 %) und Frankreich (+2 %) schnitt Deutschland (etwas) schlechter ab. Viele Nachbarl\u00e4nder beklagten sich deshalb zu Recht \u00fcber das anhaltend niedrige Wachstum. Deutschland wurde als Bremsklotz betrachtet, der die wirtschaftliche Entwicklung im restlichen Europa hemmte. Die strukturelle Schw\u00e4che der deutschen Wirtschaft spiegelte sich auch in anderen zentralen Gr\u00f6\u00dfen wider. So fiel die <strong>Arbeitslosenrate<\/strong> ab Jahresmitte 2002 deutlich h\u00f6her aus als in der restlichen Eurozone (siehe nachfolgende Abbildung). Der damalige Bundeskanzler Schr\u00f6der zog dann ein knappes Jahr sp\u00e4ter die Notbremse. Gegen erhebliche Widerst\u00e4nde wurden <strong>strukturelle Reformen<\/strong> auf den Weg gebracht, um das Potenzialwachstum zu erh\u00f6hen und die Arbeitslosigkeit zu verringern. Zum damaligen Zeitpunkt waren diese Ma\u00dfnahmen in der deutschen \u00d6ffentlichkeit heftig umstritten. Erst mit dem mittelfristig wieder anziehenden Wachstum und der stark r\u00fcckl\u00e4ufigen Arbeitslosigkeit wurden die kritischen Stimmen leiser.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/rees11.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Harmonisierte Arbeitslosenrate\" src=\"\/wordpress\/bilder\/rees11.png\" alt=\"Harmonisierte Arbeitslosenrate\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Im Folgenden werden die wichtigsten Reformen der vergangenen zehn Jahren in Deutschland kurz beschrieben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Ma\u00dfnahmen sich als besonders erfolgreich und effektiv erwiesen haben. Die Erfahrungen mit den Reformen in Deutschland geben dabei wertvolle Hinweise f\u00fcr heutige europ\u00e4ische Krisenl\u00e4nder wie etwa Italien.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>2. Agenda 2010<\/strong><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2003 stellte der damalige Bundeskanzler Schr\u00f6der seine <strong>Agenda 2010<\/strong> vor, die in der Folgezeit eine Vielzahl von Reformen anstie\u00df. Im Mittelpunkt standen die sozialen Sicherungssysteme und der Arbeitsmarkt. Bundeskanzler Schr\u00f6der sagte dazu in seiner Regierungserkl\u00e4rung: &#8222;Wir werden Leistungen des Staates k\u00fcrzen, Eigenverantwortung f\u00f6rdern und mehr Eigenleistung von jedem Einzelnen abfordern m\u00fcssen.&#8220; Die Agenda 2010 sah unter anderem eine K\u00fcrzung des Arbeitslosengeldes und die F\u00f6rderung von <strong>Teilzeitbesch\u00e4ftigung<\/strong> vor, um den verkrusteten Arbeitsmarkt aufzubrechen.<\/p>\n<p>Als eine besonders wirksame Reform erwies sich die Liberalisierung der Zeitarbeit Anfang 2004. Die bis dahin geltenden Regelungen f\u00fcr den befristeten Einsatz von Zeitarbeit wurden aufgehoben. Die Unternehmen konnten dadurch den rigiden <strong>K\u00fcndigungsschutz<\/strong> unterlaufen und je nach Bedarf zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte einstellen oder freisetzen. Die F\u00e4higkeit, flexibel auf Auftragsschwankungen reagieren zu k\u00f6nnen, stieg seitdem erheblich. Aber auch die Arbeitnehmer profitierten, da sie im Rahmen der Zeitarbeit einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt erhielten. Hinzu kommen der Erwerb von Berufserfahrung sowie die M\u00f6glichkeit, von der Zeitarbeit in eine regul\u00e4re Festanstellung wechseln zu k\u00f6nnen. Die Erfolgsgeschichte der <strong>Zeitarbeit<\/strong> in Deutschland spiegelt sich in harten Zahlen wider. Seit 2003 stieg die Anzahl der Zeitarbeiter um den Faktor 2,5 auf knapp 900.000 (Durchschnitt von Januar bis August 2011, siehe nachfolgende Abbildung). Damit stammt seit 2003 jeder dritte zus\u00e4tzliche Arbeitsplatz aus der Zeitarbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/rees21.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Zeitarbeit in Deutschland\" src=\"\/wordpress\/bilder\/rees21.png\" alt=\"Zeitarbeit in Deutschland\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>3. H\u00f6here Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Unternehmen<\/strong><\/p>\n<p>Neben Reformen auf der gesamtwirtschaftlichen Ebene gab es auch erhebliche Ver\u00e4nderungen in den deutschen Unternehmen selbst. Umstrukturierungen und Auslagerungen ins Ausland (insbesondere nach Mittelosteuropa) steigerten die Produktivit\u00e4t. Durch Lohnzur\u00fcckhaltung der Arbeitnehmer konnten die <strong>Lohnst\u00fcckkosten<\/strong> gesenkt werden. Seit dem Beginn der EWU sanken sie etwa im exportorientierten Verarbeitenden Gewerbe zeitweilig um bis zu 13 %. Neben geringeren Lohnforderungen trug die sinkende <strong>Tarifbindung<\/strong> zu mehr Flexibilit\u00e4t der Unternehmen bei. Mitte der 1990er Jahre arbeiteten noch rund 70% der Besch\u00e4ftigten in Westdeutschland in einem Unternehmen, das an einen Branchentarif gebunden war. 2010 betrug diese Kennziffer lediglich noch 56% (vgl. nachfolgende Abbildung). In den Neuen Bundesl\u00e4ndern ging sie sogar zuletzt auf 37% zur\u00fcck. Diese Entwicklung erm\u00f6glicht es den Unternehmen, von Tarifvertr\u00e4gen abzuweichen und dadurch gegebenenfalls geringere Lohnzuw\u00e4chse und Bedingungen mit den Besch\u00e4ftigten auf Betriebsebene zu vereinbaren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/rees31.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Tarifbindung\" src=\"\/wordpress\/bilder\/rees31.png\" alt=\"Tarifbindung\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Hinweis<\/strong><\/p>\n<p>Die ausf\u00fchrliche Version dieses Beitrages findet sich in <a href=\"http:\/\/vahlen.becksche.de\/zneu\/vahlen\/zeitschriften.asp?SessionKey=&amp;zheft=3&amp;zeitschrift=WiSt&amp;ebene=4&amp;jahr_ausgewaehlt=2012\">WiSt, 41 Jg. 2012, Heft 3 (M\u00e4rz 2012), S.156-158<\/a>.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag werden die wichtigsten Reformen der vergangenen zehn Jahren in Deutschland kurz beschrieben. 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