{"id":9352,"date":"2012-06-09T08:20:38","date_gmt":"2012-06-09T07:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9352"},"modified":"2024-08-01T06:23:49","modified_gmt":"2024-08-01T05:23:49","slug":"herakles-und-die-dreikopfige-hydra-banken-staatsschulden-und-zahlungsbilanzkrisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9352","title":{"rendered":"Herakles und die Euro-Hydra <br\/><small>Banken-, Staatsschulden- und Zahlungsbilanzkrisen<\/small>"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><em>\u201eDer Euro ist immer noch eine Erfolgsgeschichte.\u201c (Otmar Issing)<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Lage des Euro scheint hoffnungslos. Wir haben nicht eine Krise des Euro, wir haben drei: Eine Banken-, eine Staatsschulden und eine Zahlungsbilanzkrise. Alle drei sind eng miteinander verwoben. Bisher sind alle fiskalischen und monet\u00e4ren Rettungsversuche gescheitert. Die Krisen fressen sich in Zeitlupe von der Peripherie zum Kern durch. Schon der n\u00e4chste Sturm auf den Finanzm\u00e4rkten kann das Aus f\u00fcr den Euro bedeuten. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnte der Sieg der Linken bei den Wahlen in Griechenland sein. Neue Turbulenzen im Eurosystem kommen den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen. Vielleicht k\u00f6nnen wir aber von Griechenland lernen, die Krise zu besiegen. Vorbild k\u00f6nnte der Kampf des Herakles mit der Hydra sein. Er hat nicht nur die neun K\u00f6pfe der Hydra abgeschlagen. Indem er die H\u00e4lse ausbrannte, hat er auch verhindert, dass neue nachwachsen. Und es ist ihm gelungen, das unsterbliche mittlere Haupt zu k\u00f6pfen und unter einem schweren Fels ein f\u00fcr alle Mal zu begraben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die dreik\u00f6pfige Hydra<\/strong><\/p>\n<p>Die Euro-Hydra hat nicht neun K\u00f6pfe, sie hat \u201enur\u201c drei. Ein Kopf ist eine ausgewachsene Bankenkrise. Viele Banken vor allem in den PIIGS sind in einem sehr kritischen Zustand. Toxische Staatspapiere und faule Immobilienkredite belasten. Die Banken haben aus der Finanzkrise wenig gelernt. Noch immer sind sie in der Europ\u00e4ischen Union extrem stark gehebelt. Amerikanische Banken haben ihre Lektion besser gelernt. Sie haben erhebliche Risiken abgebaut. Jeder weitere \u00f6konomische Stress l\u00e4sst deshalb europ\u00e4ische Banken wackeln. Und wir haben auf den Finanzm\u00e4rkten der EWU seit Ende letzten Jahres wieder Stress. Noch ist er zwar nicht ganz so hoch wie in der Finanzkrise. Das kann sich allerdings schnell \u00e4ndern. Wie verletzlich europ\u00e4ische Banken gegenw\u00e4rtig wieder sind, l\u00e4sst sich an den Einlagefazilit\u00e4ten der EZB ablesen. Seit Ende 2011 sind die Einlagen der Banken wieder sprunghaft gestiegen. Der Interbankenmarkt ist zusammengebrochen. Es herrscht tiefes Misstrauen unter den Banken.<\/p>\n<p>Der \u201eunsterbliche\u201c Kopf der Euro-Hydra ist die Staatsschuldenkrise. Alle L\u00e4nder haben in den letzten Jahrzehnten ges\u00fcndigt, die einen mehr, andere weniger. Fast \u00fcberall war der strukturelle Sockel der staatlichen Schulden schon beim Ausbruch der Finanzkrise viel zu hoch. Die Krise hat ab 2008 weitere Schulden draufgesattelt. Kreditfinanzierte Konjunkturspritzen und vielf\u00e4ltige Bankenhilfen haben die Verschuldung teilweise drastisch weiter erh\u00f6ht. Die Schuldenst\u00e4nde sind in einigen L\u00e4ndern, allen voran den PIIGS, l\u00e4ngst nicht mehr tragf\u00e4hig. Besserung ist nicht in Sicht, die Defizite sinken nicht sp\u00fcrbar. Kein Wunder, dass die Zinsaufschl\u00e4ge in diesen L\u00e4ndern gegen\u00fcber Deutschland steigen. W\u00e4hrend sich hierzulande die K\u00e4ufer von Staatspapieren mit einer negativen Rendite begn\u00fcgen, explodieren die Zinsen in den europ\u00e4ischen Probleml\u00e4ndern. Die wiederholte Flutung der Geldm\u00e4rkte durch die EZB und der Kauf staatlicher Papiere durch die Banken hat nur vor\u00fcbergehend Linderung an der Zinsfront gebracht.<\/p>\n<p>Ein dritter Krisenherd ist die Zahlungsbilanzkrise. Die EWU entwickelt sich schon seit einiger Zeit zu einer Zweiklassen-Gesellschaft. Nur noch Deutschland, die Niederlande und Luxemburg weisen \u00dcbersch\u00fcsse in der Leistungsbilanz auf. Alle anderen, vor allem die s\u00fcdliche Peripherie, sind tief in den roten Zahlen. Kritisch wird es, weil die Leistungsbilanzen europ\u00e4ischer Kernl\u00e4nder, wie Frankreich und Italien seit Mitte des Jahrzehntes ebenfalls defizit\u00e4r sind. Die negativen Salden in der Leistungsbilanz werden zum Problem, weil private Kapitalgeber immer weniger bereit sind, die Defizite zu finanzieren. Es ist allerdings noch schlimmer, weil vor allem in den PIIGS privates Kapital auf der Flucht ins Ausland ist, vor allem in den sicheren deutschen Hafen. Halten die Defizite in der Zahlungsbilanz weiter an, m\u00fcssen sie durch staatliches Kapital finanziert werden. Das geschieht schon l\u00e4ngst durch die Staaten \u00fcber fiskalische Rettungsschirme und die EZB \u00fcber \u201eKontokorrent-Kredite\u201c (Target2-Salden) an nationale Notenbanken.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/interdep.png\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Interdenpendenz der Krisen\" src=\"\/wordpress\/bilder\/interdep.png\" alt=\"Interdependenz der Krisen\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die drei Krisen sind interdependent. Bankpleiten k\u00f6nnen Staaten ruinieren. Oft verheben sich Staaten, wenn sie den Bankensektor retten wollen. Irland und Spanien sind gute Beispiele. Aber auch der umgekehrte Zusammenhang gilt. Kommt es zu Staatsbankrotten leiden auch die Banken. Schlie\u00dflich halten sie den gr\u00f6\u00dften Teil der Staatspapiere. Wechselseitig eng verbunden sind auch Staatsschulden- und Zahlungsbilanzkrisen. Hohe Staatsschulden schrecken private Kapitalgeber ab, Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. Umgekehrt f\u00e4llt es Staaten bei Defiziten in der Leistungsbilanz schwer, aus den Schulden zu wachsen. Mangelnde internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit f\u00fchrt zu Zahlungsbilanzkrisen und beg\u00fcnstigt Staatspleiten. Schlie\u00dflich sind auch Banken- und Zahlungsbilanzkrisen interdependent. Bankenkrisen l\u00f6sen eine Kreditklemme aus. Das schadet der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Umgekehrt f\u00fchrt eine mangelnde Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu Zahlungsbilanzkrisen und notleidenden Bankkrediten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Organisierte Verantwortungslosigkeit<\/strong><\/p>\n<p>Alle drei Krisen haben eines gemeinsam: Das institutionelle Design schafft Anreize, auf Kosten von Dritten zu leben. Multiples <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=6957\">\u201emoral hazard\u201c<\/a>-Verhalten ist der Kern allen \u00dcbels. Es erkl\u00e4rt schl\u00fcssig, weshalb es immer wieder zu Krisen kommt. Das gilt f\u00fcr die Finanz- und Eurokrise. Die Banken fahren Trittbrett, wenn ihnen erm\u00f6glicht wird, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren. Hohe Boni f\u00fcr Bankmanager und hohe Lasten f\u00fcr Steuerzahler sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Trittbrett fahren aber auch die W\u00e4hler. Sie dr\u00e4ngen Politiker, Aufgaben auf Pump zu finanzieren und leben auf Kosten k\u00fcnftiger Generationen. Der Virus des \u201emoral hazard\u201c bef\u00e4llt auch L\u00e4nder. Das ist der Fall, wenn sie st\u00e4ndig mehr importieren als exportieren. M\u00fcssen sie schlie\u00dflich mit ausl\u00e4ndischer staatlicher Hilfe gerettet werden, wird offenkundig, dass sie auf Kosten des Auslandes gelebt haben. Der Euro hat die Anreize zu einem Leben auf Kosten von Dritten verst\u00e4rkt. Treiber war die fast 10j\u00e4hrige Zinskonvergenz.<\/p>\n<p>Die Bankenkrise ist ein Paradebeispiel f\u00fcr falsche Anreize. Das Institutionengef\u00fcge im Finanzsektor l\u00e4dt zu \u201emoral hazard\u201c geradezu ein. Es f\u00fchrt dazu, dass Handlung und Haftung auseinander fallen. Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Kein Wunder, dass die Gesch\u00e4fte oft viel zu riskant sind. Der Euro hat die Risikofreude weiter erh\u00f6ht. Die Aussicht auf einen Haftungsverbund in der Eurozone hat die Banken zu noch riskanteren Gesch\u00e4ften eingeladen. Das ist unproblematisch, wenn sie im Falle des Scheiterns auch pleitegehen k\u00f6nnen. Das ist allerdings bei Banken ohne gravierende Sch\u00e4den f\u00fcr das gesamte System kaum m\u00f6glich, wenn sie zu gro\u00df oder zu stark verflochten sind. Damit kommt die Politik in eine schier ausweglose Situation: Sie muss taumelnde Banken auf \u201eTeufel komm raus\u201c retten. Das verst\u00e4rkt die Anreize \u201esystemrelevanter\u201c Institute, die Staaten und Notenbanken finanziell in Geiselhaft zu nehmen. Die riskanten Gesch\u00e4fte gehen weiter, der Steuerzahler wird zur Ader gelassen.<\/p>\n<p>Der harte Kern der Eurokrise ist allerdings die Staatsschuldenkrise. Mit dem Instrument der Staatsverschuldung hat die Politik ein Instrument, die W\u00fcnsche der W\u00e4hler scheinbar ohne finanzielle Lasten zu erf\u00fcllen. Ein niedriger Preis erzeugt eine hohe Nachfrage. Das ist auch auf <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=105\">politischen M\u00e4rkten<\/a> nicht anders. Die W\u00e4hler fordern immer neue Leistungen, wollen aber daf\u00fcr immer \u00f6fter nicht bezahlen. Staatliche Verschuldung macht dieses Kunstst\u00fcck m\u00f6glich. Tats\u00e4chlich leben gegenw\u00e4rtige auf Kosten k\u00fcnftiger Generationen. Schon seit langem ist der Sozialstaat der wichtigste Treiber expliziter und impliziter staatlicher Verschuldung. Mit der Finanz- und Eurokrise kamen die Lasten f\u00fcr \u201esystemrelevante\u201c Finanzinstitute hinzu, die vom Staat auf Pump gerettet werden mussten. Die Banken sind aber nicht nur T\u00e4ter, sie sind auch Opfer. Eine st\u00e4ndig steigende staatliche Verschuldung wird zu einem gro\u00dfen Teil von den Finanzinstituten finanziert. Werden Staatspapiere toxisch, geraten auch sie finanziell ins Schlingern.<\/p>\n<p>Die dritte Krise der Zahlungsbilanz ist eine Wettbewerbskrise. L\u00e4nder mit Defiziten in der Leistungsbilanz leben \u00fcber, L\u00e4nder mit \u00dcbersch\u00fcssen unter ihre Verh\u00e4ltnisse. Schwierig wird es f\u00fcr die L\u00e4nder mit Leistungsbilanzdefiziten. Sie m\u00fcssen die Defizite auf ausl\u00e4ndischen Kapitalm\u00e4rkten finanzieren. Die Gefahr ist gro\u00df, dass ausl\u00e4ndische Finanziers das Vertrauen verlieren, wenn es Defizitl\u00e4nder an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit mangelt. Mit diesem Problem sind die PIIGS konfrontiert. Die Zinskonvergenz nach Einf\u00fchrung des Euro hat zu einem zu reichlichen und sektoral falsch eingesetzten Kapitalzufluss in diesen L\u00e4ndern gef\u00fchrt. Der k\u00fcnstliche wirtschaftliche Aufschwung hat die Lohnst\u00fcckkosten stark erh\u00f6ht. Die L\u00e4nder verloren an internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Hier liegt der Schl\u00fcssel zur mittelfristigen L\u00f6sung der Eurokrise. Gelingt es den PIIGS nicht, m\u00f6glichst schnell wieder international wettbewerbsf\u00e4hig zu werden, schaffen sie es weder die Schulden- noch die Bankenkrise in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Tragen von Lasten<\/strong><\/p>\n<p>Nichts spricht f\u00fcr ein baldiges Ende der Krise. Der H\u00f6hepunkt steht uns erst noch bevor. Nur eine ursachenad\u00e4quate Therapie kann helfen. Der wichtigste Ansatzpunkt ist \u201emoral hazard\u201c. Notwendig ist eine kopernikanische Wende in der Politik. Das bedeutet ein Ende der Flickschusterei. Schulden d\u00fcrfen nicht \u00fcber neue Schulden finanziert werden. Die Rechnung muss jetzt, nicht von k\u00fcnftigen Generationen bezahlt werden. Allerdings muss verhindert werden, dass es zur wirtschaftlichen Apokalypse kommt. Die Bankenkrise in den Griff zu bekommen, hat absolute Priorit\u00e4t. Sie duldet keinen Aufschub. Damit die Probleml\u00e4nder wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen, muss deren internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessert werden. Deshalb m\u00fcssen auch unverz\u00fcglich Strukturreformen eingeleitet werden, nicht nur verbal, sondern faktisch. Der Kampf gegen das eigentliche \u00dcbel, dass W\u00e4hler auf Kosten k\u00fcnftiger Generationen leben, ist eine immerw\u00e4hrende Aufgabe. Je schneller wir damit anfangen, desto besser.<\/p>\n<p>Der Notfall ist da. Die Banken sind wieder in Schwierigkeiten. Ihre Lage ist schlimmer als in der <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=708\">Finanzkrise<\/a>. Damals waren nur die Banken marode, heute sind es auch die Staaten. Es f\u00fchrt wohl kein Weg daran vorbei, die Banken m\u00fcssen abermals gerettet werden. Die EZB wird monet\u00e4r, der ESFS fiskalisch Hilfe leisten. Nicht akzeptabel ist, dass der ESFS die Banken direkt rettet. Das w\u00e4re der schnellste Weg in eine \u00fcber Eurobonds finanzierten Haftungsunion. Die Droge des \u201emoral hazard\u201c w\u00fcrde verst\u00e4rkt unters Volk gebracht. Richtig ist der mittelfristig geplante Weg \u00fcber h\u00f6here Anforderungen an das Eigenkapital der Banken. Notwendig ist allerdings mehr. Die verh\u00e4ngnisvolle Beziehung von Banken und Staaten muss beendet werden. Ein Verbot des Handels mit Staatspapieren f\u00fcr Banken w\u00e4re ein Anfang. Und die Staaten und Notenbanken m\u00fcssen aus der Geiselhaft der Banken befreit werden. Eine Entflechtung \u201ezu gro\u00dfer\u201c Finanzinstitute w\u00e4re ein Schritt in die richtige Richtung. Dann k\u00f6nnten auch Banken pleitegehen.<\/p>\n<p>Die Staatsschulden sind eine schwere Hypothek. Sie loszuwerden oder auf ein tragf\u00e4higes Niveau zu senken, ist \u00e4u\u00dferst schwierig. An einer sparsameren Haushaltsf\u00fchrung des Staates f\u00fchrt kein Weg vorbei. Eine Politik der Austerit\u00e4t ist <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9188\">alternativlos<\/a>, auch wenn kurzfristig negative konjunkturelle Effekte auftreten k\u00f6nnen. Der eingeschlagene Weg \u00fcber den Fiskalpakt ist richtig. Allerdings sind Schuldenbremsen allein nicht erfolgreich. Die Erfahrung in anderen L\u00e4ndern zeigt, sie werden erst effektiv, wenn wettbewerblicher F\u00f6deralismus herrscht. Autonome Entscheidung bei den Ausgaben, Wettbewerb bei den Steuern, keine Haftung der Staaten f\u00fcreinander, inter-regionale Transferzahlungen nur in Notf\u00e4llen und die M\u00f6glichkeit der Insolvenz sind die Elemente, die Schuldenbremsen scharf machen. Das beste Mittel, die nicht tragf\u00e4higen Staatsschulden in den Griff zu bekommen, ist Non-Zentralisation. Die Rettungseurop\u00e4er sind allerdings l\u00e4ngst auf dem Weg, diesen Rat in den Wind zu schlagen.<\/p>\n<p>Eine Politik der Austerit\u00e4t ist auch ein erster Schritt, die Zahlungsbilanzkrise zu entsch\u00e4rfen. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Mittel aus staatlicher Verschuldung wird konsumtiv \u00fcber den Sozialstaat verausgabt. Das mag distributiv oft erw\u00fcnscht sein, allokativ sinnvoll ist es meist nicht. Die Gefahr von \u201emoral hazard\u201c ist gro\u00df, M\u00e4rkte werden sklerotisch, die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit leidet. Sparen allein reicht in den PIIGS nicht aus, international wettbewerbsf\u00e4higer zu werden. Dazu bedarf es umfassenderer Strukturreformen. Diese L\u00e4nder m\u00fcssen \u201ebesser und billiger\u201c werden. Der Weg f\u00fchrt \u00fcber eine interne und \u201efiskalische\u201c Abwertung, produktivere Produktionsfaktoren und Innovation. M\u00f6glich wird das nur, wenn die Arbeits- und G\u00fcterm\u00e4rkte flexibler werden und die vielf\u00e4ltigen Hindernisse f\u00fcr privates Unternehmertum aus dem Weg ger\u00e4umt werden. Privatisieren, deregulieren und entb\u00fcrokratisieren ist das Gebot der Stunde. Dann klappt es auch wieder mit der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p align=\"center\"><strong>Gradualismus oder Big-bang?<\/strong><\/p>\n<p>Die richtige Politik der Austerit\u00e4t und der Strukturreformen steht unter Dauerbeschuss. Es ist wahr, eine solche Politik kommt zur Unzeit. Kurzfristige Risiken und Nebenwirkungen sind m\u00f6glich. Es wird erst schlimmer, bevor es wieder besser wird. Die Politik hat in wirtschaftlich besseren Zeiten die M\u00f6glichkeit gehabt, die staatliche Verschuldung zu begrenzen und die G\u00fcter- und Faktorm\u00e4rkte zu reformieren. Sie hat es nicht getan und auf Zeit gespielt. Selbst im Boom haben sich die Staaten weiter verschuldet. Um eine Reform der M\u00e4rkte, vor allem der sklerotisierten Arbeitsm\u00e4rkte hat man sich fast \u00fcberall gedr\u00fcckt. Das gilt besonders f\u00fcr die L\u00e4nder der s\u00fcdlichen Peripherie. Dennoch haben die Kapitalm\u00e4rkte dieses Treiben lange Zeit finanziert. Damit ist seit dem Ausbruch der Eurokrise aber Schluss. Private Kapitalgeber sind nicht mehr bereit, in den PIIGS ein Leben \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse zu finanzieren. Damit bleibt ihnen gar keine andere Wahl als die notwendigen Reformen anzugehen, jetzt und nicht erst sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Gelingt es den PIIGS nicht, die Kapitalm\u00e4rkte mit einem neuen Gesch\u00e4ftsmodell zu \u00fcberzeugen, werden sie auf keinen gr\u00fcnen Zweig kommen. Das geht nicht ohne glaubw\u00fcrdige Konzepte, die nicht tragf\u00e4hige staatliche Verschuldung zu senken und verkrustete Arbeits- und G\u00fcterm\u00e4rkte zu \u00f6ffnen. Wirkliches Sparen und ernsthaftes Reformieren sind alternativlos. Dazu ist der Druck der Kapitalm\u00e4rkte notwendig. Italien ist ein gutes Beispiel. Als sich Italien im letzten Jahr nur noch zu hohen Zinsen verschulden konnte, versprach die Politik hoch und heilig, \u00fcberf\u00e4llige Reformen auf den Weg zu bringen. Das galt auch f\u00fcr die sklerotisierten Arbeitsm\u00e4rkte. Der K\u00fcndigungsschutz sollte gelockert, die Arbeitslosenversicherung neu geordnet und Anreize f\u00fcr mehr unbefristete Arbeitsvertr\u00e4ge geschaffen werden. Als der Druck der Kapitalm\u00e4rkte wieder etwas nachlie\u00df, schw\u00e4chte sich das Reformtempo ab. Heute ist man weiter. Mario Monti fordert \u00f6ffentliche europ\u00e4ische Ausgabenprogrammen, finanziert durch Eurobonds.<\/p>\n<p>Das alles \u00fcberzeugt weder die Kapitalm\u00e4rkte noch die Steuerzahler in den n\u00f6rdlichen Geberl\u00e4ndern. Es ist noch nie gelungen, das Produktionspotential mit Nachfragepolitik zu erh\u00f6hen. Auch die Anreize nehmen wieder zu, strukturelle Reformen auf die lange Bank zu schieben. Beides schadet dem wirtschaftlichen Wachstum. Ohne Aussicht auf ein nachhaltiges Wachstum kehrt aber privates Kapital nicht zur\u00fcck. Der wirtschaftliche Niedergang setzt sich fort, die Eurokrise findet kein gutes Ende. Die PIIGS werden um Austerit\u00e4t und Strukturreformen nicht herumkommen. Wenn sie den Austritt aus dem Euro scheuen und das Vertrauen der Kapitalm\u00e4rkte m\u00f6glichst schnell\u00c2\u00a0 zur\u00fcckgewinnen wollen, m\u00fcssen sie damit aber jetzt anfangen, nicht erst morgen. Die Erfahrung zeigt, Big-bang-L\u00f6sungen sind gradualistischem Vorgehen \u00fcberlegen. Bei reformierten Arbeitsm\u00e4rkten sind die <a href=\"http:\/\/www.voxeu.org\/index.php?q=node\/7909\">kurzfristigen Nebenwirkungen <\/a>fiskalischer Konsolidierung auf die Besch\u00e4ftigung geringer. Es spricht vieles daf\u00fcr, dass \u00fcber das Schicksal des Euro auf den <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9056\">Arbeitsm\u00e4rkten<\/a> der PIIGS entschieden wird.<\/p>\n<p>Wenn es allerdings nicht gelingt, die wackelnden Banken zu stabilisieren, ist das alles ein Muster ohne Wert. Die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Bankenunion sind nicht nur <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=2160\">problematisch<\/a>, wo sie, wie bei einer europ\u00e4ischen Einlagensicherung, neues \u201emoral hazard\u201c schaffen und den Weg in eine Haftungsunion weiter ebnen. Sie l\u00f6sen auch keines der akuten Probleme. Finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr systemrelevante marode Banken in den PIIGS ist leider unabdingbar, ohne den Euro zu Grabe zu tragen. Nur so kann es im g\u00fcnstigsten Fall gelingen, eine Kreditklemme in den Staaten der Peripherie\u00c2\u00a0 und im ung\u00fcnstigen Fall einen Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern. Da die PIIGS-Staaten selbst nicht mehr in der Lage sind, ihre taumelnden Banken zu st\u00fctzen, muss der ESFS helfen. Damit macht sich die Politik ordnungspolitisch die H\u00e4nde noch schmutziger. Es ist aber leider notwendig, um das Schlimmste zu verhindern. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Rettung der Banken billiger und effizienter ist als die Rettung ganzer Staaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Reformagenda sieht leider anders aus. Der europ\u00e4ischen Politik fehlt ein Herakles. Die dreik\u00f6pfige europ\u00e4ische Hydra hat noch alle K\u00f6pfe. Banken-, Staatsschulden- und Zahlungsbilanzkrisen verbreiten weiter Angst und Schrecken. Die Politik spielt immer noch auf Zeit. Sie tagt oft lange bis sp\u00e4t in die Nacht in Br\u00fcssel, l\u00f6st allerdings keine Probleme, sondern schiebt sie auf die lange Bank. Die Lasten werden mit immer neuen Schulden notd\u00fcrftig finanziert. Staaten und EZB sind weiter in Geiselhaft der Banken. Der Schuldenturm w\u00e4chst unaufh\u00f6rlich. Immer neue, gr\u00f6\u00dfere Rettungsschirme verschleppen unvermeidliche Konkurse. Die EZB rettet nicht nur Banken, sie wird immer mehr zum \u201elender of last resort\u201c von Staaten. Es droht monet\u00e4re Staatsfinanzierung und Inflation. Der Abbau von Defiziten in der Leistungsbilanz stockt. Privates Kapital ist nicht mehr bereit, das Leben \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse zu finanzieren. Der Arm des Club Med reicht weit in die EZB. Sie stopft die L\u00f6cher \u00fcber Target2. Das \u201edolce vita\u201c geht weiter, das <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/de\/link\/_Haftungspegel\">deutsche Haftungsrisiko<\/a> steigt. Die Trag\u00f6die nimmt ihren Lauf.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/7363e6e9d59346f387628e80e5ee532a\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Euro ist immer noch eine Erfolgsgeschichte.\u201c (Otmar Issing) Die Lage des Euro scheint hoffnungslos. 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