{"id":9493,"date":"2012-06-30T12:00:55","date_gmt":"2012-06-30T11:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9493"},"modified":"2012-06-30T10:46:20","modified_gmt":"2012-06-30T09:46:20","slug":"dorschvernichtung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9493","title":{"rendered":"Dorschvernichtung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Vor kurzem wurden im Auftrag der Europ\u00e4ischen Kommission 70\u00c2\u00a0Tonnen Ostseedorsch vernichtet, um die Preise zu stabilisieren. Der Gro\u00dfhandelspreis liegt derzeit unter 70\u00c2\u00a0Cent pro Kilogramm, w\u00e4hrend die Fischer und die EU-Kommission eine Zielgr\u00f6\u00dfe von rund 1\u00c2\u00a0Euro pro Kilogramm verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Wie ist es zu dem Preisverfall gekommen: Vor langen Jahren war der Ostsee\u00c2\u00addorsch (biologisch identisch mit dem Kabeljau) ein \u00e4u\u00dferst preiswerter Speisefisch und wurde deshalb im Volksmund als Schneiderkarpfen be\u00c2\u00adzeichnet. Weil ihn sich auch der arme Schneider, der eigentlich lieber Karpfen ge\u00c2\u00adgessen h\u00e4tte, leisten konnte. Dann gingen die Best\u00e4nde der Ostseedorsche we\u00c2\u00adgen starker \u00dcberfischung derart drastisch zur\u00fcck, dass sich die EU ab dem Jahr 2006 zu einer stetigen Reduzierung der Fangquoten gezwungen sah. Als Konsequenz stieg der Preis f\u00fcr Ost\u00c2\u00adseedorsch merklich an, so dass er fortan nur noch bei wohlhabenden Schneidern auf dem Essenstisch landete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Die Politik der strikten Fangquoten war tats\u00e4chlich von Erfolg gekr\u00f6nt und die Dorschbest\u00e4nde erholten sich \u00fcberraschend gut. So gut, dass sich die EU-Kommission ab dem Jahr 2011 zu einer deutlichen Ausweitung der Fangquoten entschloss. Dies freute die Ostseefischer, die endlich wieder reichlich Dorsch anlanden durften und diese fette Beute zun\u00e4chst auch noch zu sehr ausk\u00f6mmlichen Preisen absetzen konnten. Aber die Markt\u00c2\u00adreaktion lie\u00df nicht lange auf sich warten &#8211; infolge der deutlich erh\u00f6h\u00c2\u00adten Fangmengen sanken die Preise. Heute sind sie wieder etwa dort angekommen, wo sie vor der Versch\u00e4rfung der Fangquoten gelegen hatten. Damit ist auch der vor\u00fcbergehende warme Einkommensregen f\u00fcr die Dorschfischer versiegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Bis hierher klingt dies wie eine gelungene Fischereipolitik der EU, die es ge\u00c2\u00adschafft hat, mit dem tempor\u00e4ren Einsatz von Fangquoten eine nachhaltige Befi\u00c2\u00adschung der Dorschbest\u00e4nde zu erm\u00f6glichen. Die Fischer sehen dies nat\u00fcrlich an\u00c2\u00adders und h\u00e4tten es lieber, wenn die hohen Fangmengen von heute mit den hohen Preisen von gestern kombiniert werden k\u00f6nnten. Realisierbar w\u00e4re dieser Wunschtraum, wenn weiterhin gro\u00dfz\u00fcgige Fangquoten erteilt und zugleich gro\u00dfe Mengen an Ostseedorsch aus dem Markt genommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Tats\u00e4chlich ist die EU-Kommission diesen Lobbyistenw\u00fcnschen jetzt mit ihrer Fischvernich\u00c2\u00adtungsaktion zumindest in Ans\u00e4tzen nachgekommen, was schlichtweg als Skandal bezeichnet werden muss. Bei einer Fortf\u00fchrung dieser Politik w\u00e4ren die Leidtragenden nicht nur die armen Schneider\u00c2\u00adlein, die sich wieder mit Seelachs (oder Pan\u00c2\u00adgasius) begn\u00fcgen m\u00fcssten. Leidtragende w\u00e4ren auch die Steuerzahler, die diese unsinnigen Aktionen \u00fcber den EU-Haushalt mitfinanzieren m\u00fcssten. Und nicht zuletzt litten die Dorsche, denn wenn es tats\u00e4chlich gelingen sollte, die Preise auf hohem Niveau zu stabilisieren, dann w\u00fcrden erneut starke Anreize zur Erh\u00f6hung der Fangmengen gesetzt. Damit beg\u00e4nne der verh\u00e4ngnisvolle Kreislauf von \u00dcberfischung, Bestandsgef\u00e4hrdung, Fangquoten und starken Preisausschl\u00e4gen von neuem. Es ist schwer nachvollziehbar, weshalb die EU-Kommission, denen solche \u00dcberlegungen ja nicht fremd sein d\u00fcrften, sich derart plump vor den Karren der Fischerei-Lobbyisten spannen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">Und wer denkt an die Fischer, die m\u00f6glicherweise nur in einem Umfeld von ho\u00c2\u00adhen Fangmengen und zugleich hohen Preisen wirtschaftlich \u00fcberleben k\u00f6nnen? F\u00fcr sie steht tats\u00e4chlich eine gravierende Strukturanpassung bevor, wobei die Anpassung auf l\u00e4ngere Sicht weit \u00fcber die Dorschfangflotte in der Ostsee hinausgehen d\u00fcrfte. Immerhin gab es einmal eine Zeit \u2013\u00c2\u00a0lang ist es her\u00c2\u00a0\u2013, in der die Menschheit ihren Hunger nach tierischem Eiwei\u00df vorwiegend \u00fcber die Jagd befriedigte. Diese Zeiten sind f\u00fcr die allermeisten V\u00f6lker diese Erde unwiderruflich vorbei, denn die Wildbest\u00e4nde sind viel zu klein, um die Menschheit ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Irgendwann in der Zukunft, die vielleicht gar nicht mehr so fern ist, wird es der Jagd auf wild lebende Fische vermutlich \u00e4hnlich ergehen wie vor tausenden von Jahren der Jagd auf wild lebende Feld-, Wald- und Wiesen\u00c2\u00adtiere. Wenn die Fischwirtschaft auch k\u00fcnftig einen nennenswerten Beitrag zur Ern\u00e4h\u00c2\u00adrung der Welt\u00c2\u00adbe\u00c2\u00adv\u00f6l\u00c2\u00adke\u00c2\u00adrung leisten will, wird es kaum eine Alternative dazu geben, von der Befi\u00c2\u00adschung wild lebender Fischbest\u00e4nde auf Aquakulturen umzusteigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">In Einklang mit diesen nicht sehr rosigen Zukunftsaussichten f\u00fcr Berufsfischer sind viele von ihnen bereits aus diesem Gewerbe ausgeschieden, so dass die Ost\u00c2\u00adseefischerei mehr und mehr von kleinen Fischkuttern beherrscht wird, die nur noch im Nebengewerbe genutzt werden. Das Berufsfischertum wird sicherlich nicht von heute auf morgen vollst\u00e4ndig verschwinden, aber es wird sich damit abfinden m\u00fcssen, eine Nebenrolle gegen\u00fcber den immer st\u00e4rker aufkommenden Aquakulturen zu spielen. Die von der EU subventionierte Vernichtung von Fisch\u00c2\u00adbest\u00e4nden ist ein v\u00f6llig untaugliches Mittel, diesen Strukturwandel aufzuhalten, und geh\u00f6rt deshalb als \u00f6kologisch und \u00f6konomisch widersinnig und politisch skandal\u00f6s gebrand\u00c2\u00admarkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" align=\"left\">\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor kurzem wurden im Auftrag der Europ\u00e4ischen Kommission 70\u00c2\u00a0Tonnen Ostseedorsch vernichtet, um die Preise zu stabilisieren. 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