{"id":9560,"date":"2012-06-28T00:01:30","date_gmt":"2012-06-27T23:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9560"},"modified":"2012-06-30T10:44:52","modified_gmt":"2012-06-30T09:44:52","slug":"replik-auf-jesus-huerta-de-soto-ist-der-euro-fast-so-gut-wie-gold","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9560","title":{"rendered":"Ist der Euro (fast) so gut wie Gold?<br\/><small>Replik auf Jes\u00c3\u00bas Huerta de Soto<\/small>"},"content":{"rendered":"<p>Mitunter irrt auch Homer. Dieser Satz ist mir eingefallen, als ich einen Beitrag zur Eurokrise von Prof. Jes\u00c3\u00bas Huerta de Soto gelesen habe. Ich habe aus dem Hauptwerk von Huerta de Soto, \u201eGeld, Bankkredit und Konjunkturzyklen\u201c viel gelernt und habe es auch ausf\u00fchrlich besprochen. Nun hat Professor Huerta de Soto eine Verteidigung des Euro aus \u00d6sterreichischer Sicht verfasst und als Beitrag auf dem Blog <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9446\">Wirtschaftliche Freiheit<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Der Euro wird dieser Tage oft verteidigt, aber mit dem Hinweis auf die \u00d6sterreichische Schule der National\u00f6konomie doch eher selten oder besser gesagt so gut wie nie. Huerta de Soto rechtfertigt den Euro mit Hinweis auf Mises und Hayek und kritisiert die Gegner des Euro als Keynesianer und Monetaristen. Er geht sogar so weit, den Euro f\u00fcr ein Proxy, also einen \u201eStellvertreter\u201c\u00c2\u00a0 oder Vorl\u00e4ufer des Goldstandards zu halten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die sehr spezifische spanische Situation dieser Tage dabei eine Rolle spielt. Euro und Gold so weitgehend gleichzusetzen und sogar zu erkl\u00e4ren, ersterer sei dem klassischen Goldstandard in einem Aspekt \u00fcberlegen, ist dieser Tage gerade f\u00fcr einen liberalen \u00d6konomen so ungew\u00f6hnlich, dass es sich lohnt, sich intensiv mit seiner Argumentation zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zwei Differenzen zu Huerta de Soto<\/strong><\/p>\n<p>Um es vorweg zu nehmen: Mich \u00fcberzeugen seine Argumente in diesem Beitrag nicht. Ich gebe aber zu, dass sie mich wahrscheinlich teilweise noch zu Beginn der Eurokrise \u00fcberzeugt h\u00e4tten. Damals ging ich wie Professor Huerta de Soto davon aus, die EZB m\u00fcsste sich einfach raushalten und die \u00fcbrigen Eurostaaten auf Hilfen verzichten, dann w\u00fcrden in der Eurozone die normalen Anpassungsmechanismen greifen, die wir aus der Zeit des Goldstandards als anderes Beispiel f\u00fcr eine transnationale W\u00e4hrung kennen, und der Euro k\u00f6nnte in der heutigen Form bestehenbleiben. Inzwischen bin ich aber zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass die Rettungshilfen und die Monetarisierung der Staatsschulden kein Unfall oder Folge der politischen Ungeschicklichkeit einzelner Akteure sind, sondern sehr stark durch die Entscheidung, \u00fcberhaupt eine europ\u00e4ische W\u00e4hrung einzuf\u00fchren, vorgezeichnet worden sind. Darin unterscheidet sich meine Sichtweise heute von der Professor Huerta de Sotos. Worin sie sich noch unterscheidet, ist seine \u00dcberzeugung \u2013 die er mit Ludwig von Mises teilt \u2013, ein System fester Wechselkurse sei einem System flexibler Wechselkurse vorzuziehen. Mit beiden Thesen m\u00f6chte ich mich an dieser Stelle auseinandersetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Euro und der klassische Goldstandard<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst eine kurze Zusammenfassung der Sichtweisen Huerta de Sotos: Das beste denkbare Geldsystem sei ein internationaler Goldstandard mit 100 Prozent Reservedeckung. Solange es eine solche bestm\u00f6gliche L\u00f6sung nicht gibt, sei ein System mit festen Wechselkursen einem System mit flexiblen Wechselkursen zwischen den nationalen W\u00e4hrungen vorzuziehen. Der Euro sei \u00c2\u00a0eine gute Sache, weil innerhalb des Eurosystems eine transnationale W\u00e4hrung existiert und es keine nationalen Zentralbanken mehr gibt, die Geld drucken und ihren Wechselkurs manipulieren k\u00f6nnen. Innerhalb der Eurozone sind die einzelnen Staaten gezwungen, ihren Haushalt zu sanieren und ihren Arbeitsmarkt zu reformieren, was sie im System der nationalen W\u00e4hrungen mit festen Wechselkursen nicht waren. Als Beispiel nennt Huerta de Soto die Reformpolitik in seinem Heimatland Spanien. Ohne die Eurokrise w\u00e4ren solche Sparma\u00dfnahmen, wie sie dort beschlossen wurden, niemals m\u00f6glich gewesen. Stattdessen h\u00e4tte Spanien l\u00e4ngst die nationale Notenpresse bet\u00e4tigt. Im Eurosystem ist das nicht m\u00f6glich, weil die Notenpresse \u2013 bildlich gesprochen \u2013 nicht in Madrid, sondern in Frankfurt bei der EZB steht. Darum pl\u00e4diert Huerta de Soto daf\u00fcr, den Euro zu retten. Der Euro sei nicht nur so gut wie der klassische Goldstandard, sondern sogar besser, weil es schwerer sei, aus dem Euro auszutreten als aus dem klassischen Goldstandard. Er kritisiert aber das Ziel, im Euroraum eine gemeinsame Wirtschaftsregierung zu etablieren und die Staatsschulden zu monetarisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die positiven und die negativen Folgen des Euro <\/strong><\/p>\n<p>Hier scheint mir Huerta de Soto in seiner Analyse einen fundamentalen Fehler zu begehen, der mir allerdings \u2013 das habe ich bereits einger\u00e4umt \u2013 \u00c2\u00a0zum Beginn der Eurokrise auch unterlaufen ist. Huerta de Sotos Analyse besagt: Die Eurozone ist gut, die europ\u00e4ische Geldpolitik war schlecht. Er trennt die positiven Eigenschaften einer transnationalen W\u00e4hrung, n\u00e4mlich den Reformdruck und den Verlust der nationalen Notenpresse,\u00c2\u00a0 von den negativen Folgen, der Transferunion und der Monetarisierung der Staatsschulden durch die EZB. Das eine l\u00e4sst sich aber nicht ohne weiteres vom anderen abtrennen. Er erkl\u00e4rt auf jeden Fall nicht, wie das geschehen soll. Er m\u00f6chte, dass Spanien und Griechenland flei\u00dfig sparen, aber nicht, dass sie bei der EZB und Frau Merkel anrufen, um sich das Sparen ein bisschen zu erleichtern. Dieser Standpunkt gleicht dem Verhalten einer besorgten Mutter, die ihrem \u00fcbergewichtigen Kind die S\u00fc\u00dfigkeiten wegschlie\u00dft, aber den Schl\u00fcssel an das europ\u00e4ische Brett h\u00e4ngt mit der Ermahnung, doch bitte nicht den Schl\u00fcssel zu benutzen. Derzeit kabbelt sich ganz Europa darum, wer zu welcher Zeit den Schl\u00fcssel zu den S\u00fc\u00dfigkeiten vom Schl\u00fcsselbrett nehmen darf. Diese Neigung, die positive Wirkung als notwendige Folge und die negative Wirkung als zuf\u00e4llige Folge zu betrachten, beruht auf einer falschen Pr\u00e4misse.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Analogie zwischen Gold und Papier<\/strong><\/p>\n<p>Huerta de Sotos zentraler Ansatz lautet: Solange es keinen Goldstandard gibt, sollte sich die Geldpolitik m\u00f6glichst so verhalten, als ob es einen Goldstandard g\u00e4be. Das hei\u00dft, man soll das Papiergeldsystem soweit wie m\u00f6glich in Analogie zum Goldstandard betreiben. Da es im Goldstandard logischerweise keine flexiblen Wechselkurse zwischen Staaten gibt, sondern in Deutschland mit derselben Goldm\u00fcnze bezahlt werden kann wie etwa in Frankreich, sind nach Huerta de Soto feste Wechselkurse besser als flexible und noch besser sei es, wenn in Deutschland mit demselben Papiergeld bezahlt wird wie in Frankreich oder Spanien. Deshalb gelte es, den Euro zu verteidigen. Dabei \u00fcbersieht er, dass ein wenig Goldstandard genauso unm\u00f6glich ist wie ein wenig schwanger zu sein. Der Unterschied zwischen einer Edelmetallw\u00e4hrung und einer Papiergeldw\u00e4hrung ist nicht graduell, sondern qualitativ. In einem Papiergeldsystem gelten andere Regeln und Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten als bei einer Goldw\u00e4hrung. Deshalb ist auch die zweitbeste L\u00f6sung, wenn man keinen internationalen Goldstandard hat, nicht ein internationales System fester Wechselkurse oder gar eine internationale Papierw\u00e4hrung, sondern ein Geldsystem mit vielen W\u00e4hrungen mit flexibler Umtauschrelation.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Das Verhalten der EZB<\/strong><\/p>\n<p>Huerta de Soto spricht sich gegen diesen \u201emonet\u00e4ren Nationalismus\u201c, so seine Bezeichnung, also gegen das Nebeneinander nationaler W\u00e4hrungen in Europa aus. Er erkl\u00e4rt: \u201eVom \u00dcberleben des Euro h\u00e4ngt es ab, ob ganz Europa die traditionelle germanische Geldwertstabilit\u00e4t verinnerlicht und sich zu eigen macht.\u201c Das widerspricht aber eklatant dem, was er selbst \u00fcber die Geldpolitik in der Eurozone in den letzten zehn Jahren schreibt: \u201eUnd so bestand der fatale Fehler der Europ\u00e4ischen Zentralbank darin, Europa nicht zu isolieren und vor der gro\u00dfen Kreditausweitung zu sch\u00fctzen, welche weltweit durch die Federal Reserve der Vereinigten Staaten seit 2001 organisiert wurde. W\u00e4hrend einiger Jahre erlaubte in flagranter Nichterf\u00fcllung des Vertrages von Maastricht die Europ\u00e4ische Zentralbank, dass die Geldmenge M 3 in Raten von sogar \u00fcber neun Prozent pro Jahr wuchs, was \u00fcber dem Wachstum der Geldmenge liegt, welches urspr\u00fcnglich von der EZB selbst festgelegt wurde.\u201c Die \u201egermanische Geldwertstabilit\u00e4t\u201c \u2013 wie er das nennt \u2013 springt einem da nicht gerade ins Auge. Sein einziges Argument daf\u00fcr lautet, dass die Geldpolitik der EZB noch nicht so schlimm sei wie die Geldpolitik der Bank von England und der Federal Reserve. Dass sich die Eurozone derzeit auf den \u201ePfad der Kontrolle\u201c begeben habe, wie er schreibt, ist zur\u00fcckhaltend gesagt doch eine sehr optimistische Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Besser viele Notenbanken als nur eine<\/strong><\/p>\n<p>Huerta de Soto h\u00e4lt die Abl\u00f6sung vieler nationaler Notenpressen durch eine kontinentale Notenpresse f\u00fcr einen Fortschritt. Er erkl\u00e4rt aber nicht, warum die eine sich besser verhalten sollte als die anderen zuvor. Er erkl\u00e4rt nicht, warum es besser sein soll, vielen kleinen Gaunern ihre Dolche wegzunehmen und stattdessen einem gro\u00dfen Gauner eine Kalaschnikow zu schenken. Grunds\u00e4tzlich gilt, dass es fast immer besser ist, es mit vielen kleinen Manipulatoren zu tun zu haben als mit einem Gro\u00dfen. Wenn viele nationale Zentralbanken jede f\u00fcr sich Geld drucken, dann ist ihr Spielraum durch den Wettbewerb mit anderen Zentralbanken eingeschr\u00e4nkt. B\u00fcrger und Investoren k\u00f6nnen zwischen verschiedenen nationalen W\u00e4hrungen w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Zwar gibt es in einem solchen System Geldentwertung, die Auswirkung dieser Geldentwertung wird aber dadurch begrenzt, dass es faktisch ein Parallelw\u00e4hrungssystem ist. Die L\u00f6hne werden zwar in der nationalen Landesw\u00e4hrung ausgezahlt und die Steuern in dieser W\u00e4hrung entrichtet, wer aber gr\u00f6\u00dfere Transaktionen abzuwickeln hat oder Sparkapital aufbaut, tut das nat\u00fcrlich nicht in der W\u00e4hrung mit zweistelligen Inflationsraten, sondern in den harten W\u00e4hrungen wie in den neunziger Jahren in Dollar oder D-Mark. Je gr\u00f6\u00dfer die W\u00e4hrungsr\u00e4ume werden und je mehr diese W\u00e4hrungsr\u00e4ume entweder durch feste Wechselkurse oder durch indirekte Anpassungen miteinander verkoppelt werden, desto weniger M\u00f6glichkeiten gibt es, aus der W\u00e4hrung zu fl\u00fcchten. Wenn sich zum Beispiel der Schweizer Franken in einem festen Umtauschverh\u00e4ltnis an den Euro koppelt, ist die Anlage in Schweizer Franken keine effektive Versicherung gegen eine m\u00f6gliche Inflation in der Eurozone mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Bundesbank im europ\u00e4ischen W\u00e4hrungssystem<\/strong><\/p>\n<p>Huerta de Soto baut einen Gegensatz zwischen dem Euro und dem \u201emonet\u00e4ren Nationalismus\u201c auf, damit meint er den Zustand vor der Euroeinf\u00fchrung mit vielen W\u00e4hrungen in Europa. Dieser Gegensatz ist aber doch eher ein scheinbarer denn ein realer. Es sei denn, man ist der Ansicht, \u201eNationalismus\u201c sei lediglich eine Sache der Gr\u00f6\u00dfe. Stehen denn die USA, die Eurozone und China mit ihrer jeweiligen Notenbank weniger f\u00fcr \u201emonet\u00e4ren Nationalismus\u201c als etwa die Schweiz, Norwegen oder Kanada, nur weil deren W\u00e4hrungsr\u00e4ume kleiner sind?\u00c2\u00a0 Das System einer Vielzahl europ\u00e4ischer W\u00e4hrungen vor der Euroeinf\u00fchrung, in dem die deutsche Bundesbank eine zentrale Rolle \u00fcbernommen hatte, war nicht nur ein Garant f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der D-Mark, sondern auch das Bollwerk dagegen, dass die Schleusen in anderen L\u00e4ndern ge\u00f6ffnet wurden. Als die Bundesbank nach der Wiedervereinigung die Zinsen drastisch anhob, um die Inflationsrate zu senken, waren fast alle \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Staaten gezwungen, diese Zinspolitik nachzuvollziehen. In ganz Europa mussten die Zinsen angehoben werden, weil die deutsche Bundesbank es tat.<\/p>\n<p>Dahinter stand kein politischer Druck, sondern einfach der Wettbewerb um Anleger. Dieser Mechanismus, der aus dem Wettbewerb der nationalen W\u00e4hrungen resultierte, war wesentlich effektiver als die Disziplinierung, die \u00c2\u00a0sich Huerta de Soto vom Euro verspricht. Zu D-Mark-Zeiten waren die Zinsen f\u00fcr Italien, Spanien und Griechenland hoch, mit der Einf\u00fchrung des Euro wurden die Schleusen ge\u00f6ffnet und die Zinsen fielen. Huerta de Soto blendet bei seinem Lob f\u00fcr die aktuellen Sparanstrengungen Spaniens aus, dass ohne den durch die Niedrigzinsen in Gang gesetzten Boom in Spanien, die Sparanstrengungen in diesem Umfang wahrscheinlich gar nicht n\u00f6tig w\u00e4ren. Der Niedrigzins in der Eurozone hat zu massiven Fehlinvestitionen auf dem spanischen Immobiliensektor gef\u00fchrt \u2013 genau wie es die \u00d6sterreichische Schule der National\u00f6konomie beschrieben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Unabh\u00e4ngigkeit der Notenbank reicht nicht aus<\/strong><\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zu den Fehlannahmen, die der Konstruktion der Eurozone zugrundeliegen, dass die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbank der wichtigste Faktor f\u00fcr die deutsche Geldwertstabilit\u00e4t gewesen sei. Deshalb glaubten viele Akteure: W\u00e4re die EZB politisch unabh\u00e4ngig, dann w\u00fcrde der Euro auch so stabil wie die D-Mark. Zentral ist aber nicht die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbank allein, sondern die politische Bedeutung der Sparer bei nationalen Wahlen. Unabh\u00e4ngige Zentralbanken sind kein Garant f\u00fcr stabiles Geld. Was wenige wissen: Die Deutsche Reichsbank war zur Zeit der gro\u00dfen Inflation von 1923 unabh\u00e4ngig, ebenso wie die EZB heute. Keine Zentralbank der Welt existiert im luftleeren Raum, jenseits politischer Machtkonstellationen. Dass die verschiedenen nationalen Notenbanken eine unterschiedliche Geldpolitik betrieben haben, das liegt auch an dem unterschiedlichen Einfluss der Sparer in verschiedenen L\u00e4ndern. In einigen L\u00e4ndern wird nicht gespart, daf\u00fcr nehmen die B\u00fcrger Konsumentenschulden auf. Warum sollten sie also etwas gegen Inflation haben? In anderen L\u00e4ndern wie Deutschland und der Schweiz wird viel gespart und deshalb gibt es auch einen starken R\u00fcckhalt f\u00fcr eine stabilit\u00e4tsorientierte Geldpolitik.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Bundesbank und die deutschen Sparer<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland gab es zu D-Mark-Zeiten Millionen kleiner Sparer mit einer Erinnerung an die gro\u00dfe Inflation von 1923. Diese Sparer waren eine politische Macht. Weder Unionsparteien noch SPD trauten sich wirklich, sich mit der Bundesbank anzulegen, weil sie den Zorn dieser breiten Schicht von Sparbuchbesitzern f\u00fcrchteten. Das waren Rentner und Selbst\u00e4ndige, Facharbeiter, Beamte, Angestellte und Freiberufler. Wenn es um ihre Ersparnisse ging, dann h\u00f6rte f\u00fcr diese Gruppe der Spa\u00df auf, mochten sie auch sonst CDU oder SPD, FDP oder Gr\u00fcne w\u00e4hlen. Jacques Delors sagte konsterniert: Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle Deutschen glauben an die Bundesbank.<\/p>\n<p>Ohne diese treuen Bankkunden als m\u00e4chtige Verb\u00fcndete w\u00e4re die Unabh\u00e4ngigkeit der Bundesbank nicht mehr gewesen als bedrucktes Papier. Flexible Wechselkurse erlauben den L\u00e4ndern mit hoher Sparquote, ihre Sparer vor der Inflationspolitik der L\u00e4nder mit niedrigem Spareranteil \u00c2\u00a0zu sch\u00fctzen. Zugleich bieten die Sparerw\u00e4hrungen auch einen Anker f\u00fcr die Ersparnisse aus anderen L\u00e4ndern und begrenzen mit ihrer Hochzinspolitik die M\u00f6glichkeit f\u00fcr andere L\u00e4nder, sich \u00fcber die Ma\u00dfen zu verschulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Feste Wechselkurse und exportierte Inflation<\/strong><\/p>\n<p>Das Problem in einem System fester Wechselkurse \u2013 besonders f\u00fcr die angesprochenen Sparer \u2013 \u00c2\u00a0l\u00e4sst sich ganz einfach am Beispiel der historischen Entwicklung des Systems von Bretton Woods vor seinem Zusammenbruch 1973 darstellen: Die USA k\u00e4mpften damals in Vietnam. Zur Finanzierung druckten sie Geld. Die Deutschen druckten weniger Geld. Zwischen dem Dollar und der D-Mark gab es aber einen festen Wechselkurs. Weil die Deutschen weniger Geld druckten als die Amerikaner, war der innere Wert der D-Mark gr\u00f6\u00dfer. Wann immer die Menschen die Gelegenheit haben, etwas von geringerem Wert gegen etwas von h\u00f6herem Wert einzutauschen, werden sie es aller Wahrscheinlichkeit nach tun. Wenn ich die Gelegenheit h\u00e4tte, mein Sofa gegen einen Porsche zu tauschen, dann w\u00fcrde ich es tun, und das sehen die meisten so.<\/p>\n<p>Also tauschten Dollarbesitzer Dollar zum festen Umtauschkurs in D-Mark, weil sie auf den Aufwertungsgewinn spekulierten. Die Bundesbank musste sich die hineinflie\u00dfenden Dollar ins Depot legen und daf\u00fcr mehr D-Mark drucken. Auf diese Weise exportierten die USA und andere Staaten ihre Inflation in die Bundesrepublik, was f\u00fcr die Verbraucher und Sparer keine sch\u00f6ne Erfahrung war. Bundeswirtschafts- und Finanzminister Karl Schiller versuchte damals gegenzusteuern, was ihn das Amt kostete. Sein Nachfolger Helmut Schmidt setzte hingegen auf ineffektive Devisenkontrollen. So stieg die Inflation in der Bundesrepublik auf ann\u00e4hernd zweistelliges Niveau, bis das System der festen Wechselkurse unter dem Druck der Dollarfluten endlich zusammenbrach und die Bundesbank mit einer Politik des knappen Geldes gegensteuern konnte. Flexible Wechselkurse sind ein Schutzwall der stabilit\u00e4tsorientierten L\u00e4nder gegen die W\u00e4hrungsflut aus den Staaten mit besonders schnellen Druckmaschinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Gold und Papierw\u00e4hrung \u2013 K\u00f6nnen und Sollen<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung, ein System fester Wechselkurse oder eine transnationale Papierw\u00e4hrung sei irgendwie \u201en\u00e4her\u201c am Goldstandard \u2013 Huerta de Soto nennt das \u201eProxy zum Goldstandard\u201c \u2013 beruht auf einem Denkfehler. Denn es bestehen qualitative Unterschiede, die es verbieten, das transnationale Papiergeld als die Vorstufe zum oder Ann\u00e4herung an den Goldstandard zu sehen. Theoretisch k\u00f6nnten Gold und Papier gleicherma\u00dfen eine stabile W\u00e4hrung bilden. Wenn eine bestimmte Zahl von Geldscheinen gedruckt wird und dann nur noch kaputte Geldscheine durch neue Geldscheine ausgetauscht werden und dar\u00fcber hinaus keine weiteren Geldscheine in Umlauf gebracht werden, dann w\u00e4re eine Papiergeldw\u00e4hrung so stabil wie Gold. Worin besteht also dann der qualitative Unterschied zwischen Papiergeld und Gold?<\/p>\n<p>Der Unterschied liegt in den Kategorien von Sollen und K\u00f6nnen. Im Papiergeldsystem sollendie Geldmenge nicht \u00fcber die Ma\u00dfen ausgedehnt und Staatsschulden nicht durch die Zentralbank finanziert werden, im Goldstandard kann die Geldmenge nicht \u00fcber die Ma\u00dfen ausgedehnt werden. Dieser Unterschied ist fundamental. Es gibt eine politische Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit: Alles, was politisch n\u00fctzlich ist und zugleich auch m\u00f6glich, wird irgendwann auch in die Tat umgesetzt \u2013 so viele Eide auch geschworen werden. F\u00fcr die Politik z\u00e4hlt nicht, was sie nicht tun soll, sondern, was sie nicht tun kann. Der Maastrichtvertrag war eine Einigung dar\u00fcber, was man nicht tun soll, wie weit man damit gekommen ist, kann man t\u00e4glich in den Nachrichten verfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Der Goldstandard war eine Folge politischen Scheiterns<\/strong><\/p>\n<p>Lange Zeit herrschte die Vorstellung vor, auch der klassische Goldstandard habe auf einer Einigung der Staaten und Zentralbanken beruht und sei quasi von England und der Bank von England als weisen F\u00fchrern gesteuert worden. Diesen Standpunkt vertraten unter anderem Keynes und Charles Kindleberger. Diese Sichtweise wurde von dem Wirtschaftshistoriker Giulio Gallarotti in seinem Buch \u201eThe Anatomy of an International Monetary Regime\u201c eindeutig widerlegt. Gallarotti zeigt, dass sich der Goldstandard in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts nicht deshalb herausbildete, weil sich Zentralbanken oder Staaten auf diesen Standard geeinigt h\u00e4tten, sondern im Gegenteil deshalb, weil alle Versuche, sich auf ein gemeinsames W\u00e4hrungssystem zu einigen, j\u00e4mmerlich gescheitert waren. Dies ist ein weiterer Beleg daf\u00fcr, dass sich konstruktive L\u00f6sungen aus unkooperativem Verhalten ergeben k\u00f6nnen, weil dadurch dezentrale Systeme erzwungen werden.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert gab es in den zwei Jahrzehnten nach der Jahrhundertmitte eine Reihe von W\u00e4hrungskonferenzen, die von Frankreich angesto\u00dfen worden waren. Die Franzosen setzten auf eine globale W\u00e4hrungsordnung, sie scheiterten aber mit ihren Vorst\u00f6\u00dfen am Desinteresse der Briten und am Alleingang der Deutschen. Die Franzosen standen damals der lateinischen M\u00fcnzunion vor, die auf einem Bimetallstandard \u2013 also auf dem Nebeneinander von Gold und Silber \u2013 \u00c2\u00a0aufgebaut war, die USA hatten ebenfalls einen solchen Bimetallstandard, die Deutschen besa\u00dfen einen Silberstandard. Insoweit sah vieles danach aus, als w\u00fcrde sich auf den W\u00e4hrungskonferenzen ein internationaler Silberstandard durchsetzen. Doch die Deutschen demonetarisierten auf eigene Faust ihr Silber und setzten unter dem Einfluss des liberalen Politikers Ludwig Bamberger auf Gold, w\u00e4hrend die Engl\u00e4nder die H\u00e4nde in die Hosentaschen steckten und bei dem Goldstandard blieben, den sie schon seit Isaac Newton hatten. Das l\u00f6ste eine Kettenreaktion aus \u2013 eine massive Flucht aus dem Silber, und so kam die Welt zum Goldstandard wie die Jungfrau zum Kinde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eGlorreiche Impotenz\u201c als Geheimnis der Geldwertstabilit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Das System war in den kommenden Jahrzehnten deshalb so stabil, weil jeder Beteiligte wusste, dass man sich am Ende nur auf sich selbst verlassen konnte, schlie\u00dflich waren alle Versuche, sich auf ein einheitliches System zu einigen, gescheitert. In turbulenten Zeiten gelang es der Bank von England \u2013 die ja angeblich f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Systems verantwortlich zeichnete \u2013 gerade einmal mit Ach und Krach, sich selbst vor der Pleite zu retten. In Boomphasen verspekulierte sie ihr Geld nicht anders als andere Marktteilnehmer, und im Abschwung, wenn alle Geld brauchten, hatte sie in der Regel selbst keins. Man k\u00f6nnte in diesem Zusammenhang von einer \u201eglorreichen Impotenz\u201c sprechen. Da die Bank von England als \u201eLender of last resort\u201c in der Regel ausfiel und niemand im Traum auf die Idee gekommen w\u00e4re, er k\u00f6nne mit der \u201eSolidarit\u00e4t\u201c der Steuerzahler eines anderen Landes rechnen, wirkte sich Moral Hazard nicht so heftig aus wie unserer Tage. Wenn ein ganzes Land bei der Londoner City in der Kreide stand, dann kam keine Troika mit Geldkoffern, sondern in vielen F\u00e4llen ein englisches Kanonenboot. Auf diese Weise kam etwa \u00c4gypten unter britische Oberherrschaft.<\/p>\n<p>Dass der klassische Goldstandard so stabil war, lag also nicht daran, dass die Politiker damals verantwortungsbewusster, liberaler oder sparsamer gewesen w\u00e4ren, sondern daran, dass es schlicht niemanden gab, der einen Staat oder die \u201eM\u00e4rkte\u201c am Ende \u201egerettet\u201c h\u00e4tte. Wenn man wirklich nachhaltig die Geldmenge vergr\u00f6\u00dfern wollte, dann mussten afrikanische Arbeiter das Gold im Schwei\u00dfe ihres Angesichts aus den Goldminen S\u00fcdafrikas holen. Ein solches System kann man nicht k\u00fcnstlich nachbilden, indem Regierungen Vertr\u00e4ge \u00c2\u00a0unterschreiben. Das Nicht-Sollen kann nicht das Nicht-K\u00f6nnen ersetzen. Weder eine transnationale Papierw\u00e4hrung noch ein internationales System fester Wechselkurse, das Huerta de Soto gegen\u00fcber einem System flexibler Wechselkurse bevorzugt, k\u00f6nnen funktionieren, ohne dass sich Regierungen an bestimmte Regeln halten, und das hei\u00dft in diesem Fall geld- und finanzpolitische Enthaltsamkeit \u00fcben, und hier liegt das Problem.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Flexible Wechselkurse sind das Proxy zum Goldstandard<\/strong><\/p>\n<p>Sowohl eine transnationale W\u00e4hrung als auch ein System fester Wechselkurse setzen ein grunds\u00e4tzlich verantwortungsbewusstes und kooperatives Verhalten aller Beteiligten voraus. Wenn ein Land im Rahmen fester Wechselkurse Geld druckt, pumpt es die Inflation \u00fcber den Wechselkursmechanismus in die anderen Volkswirtschaften. Wenn sich in der Eurozone ein Land bis zum Abwinken verschuldet, dann vermehrt die EZB f\u00fcr alle die Geldmenge und f\u00fcr die Schulden m\u00fcssen schlie\u00dflich alle haften. Die Eurozone und der feste Wechselkurs sind daher kein \u201eProxy\u201c zum Goldstandard, diese Rolle spielt viel eher ein System flexibler Wechselkurse. Flexible Wechselkurse und Goldstandard haben n\u00e4mlich etwas gemeinsam: Sie setzen nicht voraus, dass sich die Akteure \u201eanst\u00e4ndig\u201c verhalten. Beide Systeme funktionieren auch mit Regierungen, denen man die schlimmsten Absichten unterstellen kann. Im System flexibler Wechselkurse kann in der Tat eine einzelne Regierung ihre W\u00e4hrung bis zum Schornstein hinaus inflationieren. Der flexible Wechselkurs sch\u00fctzt aber die anderen Staaten davor, in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Im klassischen Goldstandard konnte sich ein Land stark verschulden, aber weil Gold nur aus der Erde und nicht aus der Druckerpresse kommen konnte, konnten die Schulden nur getilgt oder mit den Gl\u00e4ubigern wegverhandelt, aber nicht weggedruckt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Geldwertstabilit\u00e4t beruht auf Interessen und nicht auf Vernunft<\/strong><\/p>\n<p>Man kann das auch so auf den Punkt bringen: Bei festen Wechselkursen und transnationaler Papierw\u00e4hrung handelt es sich um kooperative Systeme. Beim Goldstandard und flexiblen Wechselkursen handelt es sich um nichtkooperative Systeme. Das hei\u00dft, im ersten Fall muss die eine Partei\u00c2\u00a0 die andere Partei bitten oder zwingen, sich auf eine bestimmte Art zu verhalten, damit sie sich auf eine bestimmte Art verhalten kann. Im anderen Fall gehen alle Parteien quasi davon aus, dass der andere sich nicht kooperativ verhalten wird, und sie setzen deshalb auf Handlungsautonomie. Wie wir nicht erst seit Adam Smith wissen, sind Systeme, die auf Altruismus setzen, Systemen, die auf Eigeninteresse setzen, sehr oft unterlegen.<\/p>\n<p>In Abwandlung von Adam Smith k\u00f6nnte man sagen: Nicht auf die Vernunft, G\u00fcte oder Einsicht von Politikern und Notenbankchefs sollte man setzen, sondern auf die St\u00e4rke politischer Interessen. In einer Volkswirtschaft mit gro\u00dfem Spareranteil unter den W\u00e4hlern gibt es einen starken R\u00fcckhalt f\u00fcr eine Notenbank, die auf stabiles Geld setzt. Die Interessen der Sparer konnten sich in einem System der Handlungsautonomie der einzelnen Zentralbanken besser durchsetzen als in einem einheitlichen W\u00e4hrungsraum mit gro\u00dfem Schuldneranteil. Wenn zehn faule Unternehmer mit zwei t\u00fcchtigen Unternehmern konkurrieren, dann wird das Ergebnis insgesamt besser sein, als wenn sich alle Unternehmer zusammenschlie\u00dfen und gemeinsam per Mehrheit \u00fcber die Gesch\u00e4ftspolitik entscheiden, wie das heute in der EZB geschieht.<\/p>\n<p>Aus diesen hier dargelegten Gr\u00fcnden teile ich nicht die Auffassung von Herrn Professor Huerta de Soto, dass ein System aus festen Wechselkursen oder eine Einheitsw\u00e4hrung besser ist als eine Vielzahl von W\u00e4hrungen mit flexiblen Wechselkursen, und ebensowenig \u00fcberzeugt mich die These, dass der Euro ein \u201eProxy\u201c zum Goldstandard ist oder sein kann. Wie gesagt, manchmal irrt auch Homer.<\/p>\n<p><strong>Hinweis<\/strong>: Der Beitrag erschien am 26. Juni 2012 in <a href=\"http:\/\/ef-magazin.de\/2012\/06\/26\/3581-replik-auf-jess-huerta-de-soto-ist-der-euro-fast-so-gut-wie-gold\">eigent\u00fcmlich frei<\/a>.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitunter irrt auch Homer. Dieser Satz ist mir eingefallen, als ich einen Beitrag zur Eurokrise von Prof. Jes\u00c3\u00bas Huerta de Soto gelesen habe. 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