{"id":9692,"date":"2012-07-15T00:01:07","date_gmt":"2012-07-14T23:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9692"},"modified":"2012-07-15T05:59:05","modified_gmt":"2012-07-15T04:59:05","slug":"der-deutschen-reichsbank-auf-der-spur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9692","title":{"rendered":"Der deutschen Reichsbank auf der Spur"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201cWir haben keine Erfahrungen mit einer derartigen Geldpolitik in Friedenszeiten. Die Notenbankbilanz hat sich innerhalb kurzer Zeit von einer auf drei Billionen Euro verdreifacht. Das sind Dimensionen, die eher an die Kriegsfinanzierung erinnern. Damals hat sich die Bilanzsumme verzehnfacht.&#8220; (Helmut Schlesinger, ehemaliger Pr\u00e4sident der Deutschen Bundesbank)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Regierenden und ihre B\u00fcrokraten wollen den Umsturz der Euro-Schuldenpyramide aufhalten. Schuldenvergemeinschaftung, mehr wirtschaftspolitische Koordination und Harmonisierung zwischen den Teilnehmerl\u00e4ndern und einiges mehr stehen auf der zentralistischen Supranationalisierungsagenda. Die Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) \u2013 obwohl ihr im Maastricht-Vertrag ausdr\u00fccklich politische Unabh\u00e4ngigkeit zugewiesen ist \u2013 dient den \u201eEuro-Rettern\u201c als wirkungsvoller Helfer. Sie gibt immer mehr billiges Geld an strauchelnde Staaten und Banken, weil diese nicht mehr willens oder in der Lage sind, ihre Verbindlichkeiten zu bedienen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nationale Euro-Zentralbanken vergeben dabei still und heimlich vor Ort \u201eNotfallkredite\u201c \u2013 in der Fachsprache \u201eEmergency Liquidity Assistance\u201c oder kurz: \u201eELA\u201c genannt \u2013 an ihre maroden Banken. Details der Kredite \u2013 Empf\u00e4nger, Betr\u00e4ge, Zinsen, Besicherung, Laufzeit etc. \u2013 bleiben im Dunkeln. Die Bundesbank vergab ELA-Kredite in 2008, irische Banken erhielten sie in 2010, griechische Banken in 2011 und wieder im Mai 2012.<\/p>\n<p>ELA-Kredite m\u00fcssen r\u00fcckwirkend vom EZB-Rat genehmigt werden. Eine Zweidrittelmehrheit ist dabei erforderlich, um ELA-Kredite zu blockieren bzw. um eine Verl\u00e4ngerung von bereits ausstehenden ELA-Krediten zu verhindern und die Kredite f\u00e4llig zu stellen. Wird diese Ratsmehrheit nicht erreicht, m\u00fcsste die Bankenrefinanzierung in anderen L\u00e4ndern gek\u00fcrzt werden, damit die Euro-Basisgeldmenge nicht aus dem Ruder l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Wenn nationale Zentralbankr\u00e4te ihre heimischen Banken durch Geldverknappung aber nicht in Bedr\u00e4ngnis bringen wollen, kann der ELA-Kredit im Ergebnis eine permanente Ausweitung des Basisgeldes verursachen. Die mit ELA-Krediten verbundenen Risiken landen mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit im Eurosystem \u2013 und damit auf den Schultern der Steuerzahler.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"\/wordpress\/bilder\/bil_ezb\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Bilanz EZB\" src=\"\/wordpress\/bilder\/bil_ezb\" alt=\"Bilanz EZB\" width=\"400\" \/><\/a><br \/>\n<small>&#8211; zum Vergr\u00f6\u00dfern bitte auf die Grafik klicken &#8211; <\/small><\/p>\n<p>Das ungez\u00fcgelte Geldmengenausweiten durch den EZB-Rat zur Finanzierung der Zahlungsbilanzdefizite einer wachsenden Zahl von Krisenl\u00e4ndern tritt in den ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten \u201eTARGET2-Saldo\u201c der Deutsche Bundesbank in Erscheinung. Sie belaufen sich mittlerweile auf etwa 700 Mrd. Euro belaufen \u2013 oder 27 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. \u00d6konomisch betrachtet ist der positive Saldo Vorbote eines Verlusttransfers von den Krisenl\u00e4ndern auf Deutschland.<\/p>\n<p>Doch nicht nur \u00fcberbordende Staatschulden und Pleitebanken sollen von der EZB finanziert werden, auch die Konjunktur- und Besch\u00e4ftigungslage soll die Geldpolitik in Gang halten, so fordern die Euro-Retter. Im Papiergeldsystem m\u00fcssen daf\u00fcr immer mehr Kredite und Geld zu k\u00fcnstlich tiefen Zinsen bereitgestellt werden, ein Weg, auf dem die monet\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse zerr\u00fcttet werden.<\/p>\n<p>Die deutsche w\u00e4hrungspolitische Erfahrung zu Beginn der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dr\u00e4ngt sich auf. Damals entschied die F\u00fchrung der Deutschen Reichsbank, der Zentralbank der Weimarer Republik, immer mehr Geld auszugeben, um den defizit\u00e4ren Staatshaushalt zu finanzieren \u2013 und das, obwohl die Reichsbank per Gesetz 1922 in die politische Unabh\u00e4ngigkeit entlassen wurde, auf Dr\u00e4ngen der Alliierten, als Gegenleistung f\u00fcr eine vor\u00fcbergehende Aussetzung der Reparationszahlungen.<\/p>\n<p>Die Geldpolitiker der Reichsbank sahen, dass die junge Republik immer st\u00e4rker auf Zentralbankkredite zur\u00fcckgreifen musste, um nicht Pleite zu gehen. Weil es sich aus ihrer Sicht um eine Existenzfrage der jungen deutschen Republik handelte, gaben sie bereitwillig immer mehr Geld aus, um die \u00fcberbordenden Ausgabeprogramme der Regierenden zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Das Ergebnis war Hyperinflation der extremen Art, durch die die Deutsche Reichsmark nicht nur dramatisch entwertet, sondern als Geld sogar v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. Die politische Unabh\u00e4ngigkeit der Reichsbank erwies sich als unwirksamer Schutz gegen die Geldwertzerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Die Situation, auf die der EZB-Rat eingelassen hat, ist der der Deutschen Reichsbank zu Beginn der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht un\u00e4hnlich. Die Entscheidung \u00fcber den Fortbestand eines politischen Projektes \u2013 der Euro-W\u00e4hrungsunion \u2013 ist in die H\u00e4nde des EZB-Rates gelegt. Auch heute lautet die Formel: Die Notenpresse muss notfalls angeworfen werden, damit der Euro-Papiergeldboom nicht endg\u00fcltig kollabiert und das politische Euro-Projekt zu Grabe getragen wird.<\/p>\n<p>Eine Inflationspolitik kann die Einheitsw\u00e4hrung jedoch nicht retten. Sie \u00fcbert\u00fcncht bestenfalls kurzfristig die wirtschaftlichen und politischen Sch\u00e4den, r\u00e4cht sich aber mit einer noch schwereren Krise in der Zukunft. Schlie\u00dflich muss jeder Papiergeldboom letztlich in der Depression enden. Auch die Weimarer Hyperinflation endete im Wirtschaftszusammenbruch, die vorangehende Inflationspolitik hat sie nur noch schwerer gemacht.<\/p>\n<p>Die aktuelle Misere steht letztlich f\u00fcr den Niedergang des Euro-Papiergeldstandards und seines politischen Urhebers, des chronisch auf Pump finanzierten, ausufernden Umverteilungsstaates. Regierungen, Zentralbanken und ihre Einfl\u00fcsterer aus der \u201eMainstream \u00d6konomik\u201c werden sie mit ihren Ma\u00dfnahmen und Ratschl\u00e4gen nicht l\u00f6sen, sondern eher noch verschlimmern, weil sie sich auf die Spur der Deutschen Reichsbank begeben haben.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cWir haben keine Erfahrungen mit einer derartigen Geldpolitik in Friedenszeiten. 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