{"id":9755,"date":"2012-09-29T00:01:04","date_gmt":"2012-09-28T23:01:04","guid":{"rendered":"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9755"},"modified":"2012-09-28T14:56:36","modified_gmt":"2012-09-28T13:56:36","slug":"gastbeitragfinanzmarktstabilitat-basel-iii-lost-die-probleme-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=9755","title":{"rendered":"<small>Gastbeitrag<\/small><br \/>Finanzmarktstabilit\u00e4t: Basel III l\u00f6st die Probleme nicht"},"content":{"rendered":"<p>Banken sollen mehr Eigenkapital vorhalten, um ihre Kreditgesch\u00e4fte besser abzusichern \u2013 das ist Ziel von Basel III. Neben mehr Stabilit\u00e4t auf den Finanzm\u00e4rkten soll das auch daf\u00fcr sorgen, dass der Steuerzahler weniger h\u00e4ufig f\u00fcr Bankenrettungen zur Kasse gebeten wird. Wie Basel II setzt Basel III aber weiterhin in erster Linie auf einen Ansatz, wonach unterschiedliche Finanzgesch\u00e4fte \u2013 je nach Risiko \u2013 mit unterschiedlich viel Eigenkapital unterlegt werden m\u00fcssen. Die Einsch\u00e4tzung der Risiken orientiert sich dabei an dem Urteil von Rating-Agenturen oder an Risikomodellen der Banken. Demnach m\u00fcssen Banken f\u00fcr Kredite an Staaten der Eurozone trotz der Staatsschuldenkrise nach wie vor kein Eigenkapital vorhalten. Auch deshalb w\u00e4re eine deutlich h\u00f6here ungewichtete Eigenkapitalunterlegung besser, die damit auch s\u00e4mtliche Kredite an Staaten angemessen absichern w\u00fcrde. Die neu vorgesehene ungewichtete Eigenkapitalquote (\u201eleverage ratio\u201c) ist mit drei Prozent der Bilanzsumme hingegen zu niedrig. Im Gegenzug k\u00f6nnte auf komplizierte risikogewichtete Regeln verzichtet werden. Die urspr\u00fcnglich f\u00fcr die erste Juliwoche vorgesehene Abstimmung im Europ\u00e4ischen Parlament wurde auf voraussichtlich Ende Oktober verschoben. Die Zeit sollte genutzt werden, die Schwachstellen von Basel III zu beheben. Sonst m\u00fcssen die Arbeiten an Basel IV sehr bald beginnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Finanzkrise der Jahre 2008\/2009 hat gezeigt, dass relativ kleine Verluste von Finanzinstituten schwerwiegende globale Auswirkungen haben k\u00f6nnen. Das Gesch\u00e4ftsvolumen der US-Investmentbank Lehman Brothers auf dem US-Immobilienmarkt war relativ gering. Dennoch mussten nach ihrem Zusammenbruch weltweit viele Banken vom Steuerzahler gerettet werden. Weil das Eigenkapital der Lehmann Bank und anderer Banken nicht reichte, um die eigenen Verluste abzudecken, wurde das Kapital ihrer Gl\u00e4ubiger, z. B. andere Banken, in Mitleidenschaft gezogen. Das f\u00fchrte zu einer weltweiten Kettenreaktion: Die Interbankenm\u00e4rkte kamen zum Erliegen, weil die Banken sich gegenseitig nicht mehr trauten. Die Stabilit\u00e4t des Finanzsystems h\u00e4ngt also entscheidend davon ab, wie viel Eigenkapital die einzelnen Finanzinstitute vorhalten. Wenn die Schieflage eines einzelnen Instituts die Funktionsf\u00e4higkeit des gesamten Finanzsystems gef\u00e4hrdet, spricht man von systemischem Risiko. Die Schieflage einer Bank kann dazu f\u00fchren, dass das Kapital ihrer Gl\u00e4ubiger in Mitleidenschaft gezogen wird und diese dann selbst in Schwierigkeiten geraten. Aber auch ohne vertragliche Verbindungen k\u00f6nnen Probleme einer Bank einen Run auf die Aktiva anderer Banken ausl\u00f6sen, wenn die Gl\u00e4ubiger dort ebenfalls Schwierigkeiten vermuten. Das systemische Risiko, das von einer Bank ausgeht, steigt mit dem Ausfallrisiko der Kredite, die sie vergeben hat, mit der Gr\u00f6\u00dfe der Bank oder Finanzgruppe (\u201etoo big to fail\u201c) und damit, wie sehr Gesch\u00e4fte mit anderen Banken gemacht werden (\u201etoo connected to fail\u201c).<\/p>\n<p>Um das Finanzsystem stabiler zu machen und systemischen Risiken vorzubeugen, schreiben die Empfehlungen des Basler Ausschusses f\u00fcr Bankenaufsicht Eigenkapitalanforderungen f\u00fcr Banken vor. Grunds\u00e4tzlich sollten Regulierungen m\u00f6glichst einfach sein und so ausgestaltet werden, dass sie wenig Feinsteuerung bed\u00fcrfen und m\u00f6glichst wenig anf\u00e4llig f\u00fcr Mess- und Prognosefehler sind. Basel III setzt aber wie Basel II auf komplizierte Modelle mit Risikogewichtung und damit auf die Illusion, man k\u00f6nne Risiken ad\u00e4quat einsch\u00e4tzen: Je h\u00f6her die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredites, den eine Bank vergibt, desto mehr Eigenkapital muss sie daf\u00fcr vorhalten. Dabei muss z. B. f\u00fcr Kredite an Staaten wie Deutschland oder auch Griechenland und Spanien gar kein Eigenkapital unterlegt werden. Somit k\u00f6nnen Banken an diese Staaten Kredite ohne eigenes Risiko vergeben, was zu einer exzessiven Kreditvergabe an Regierungen f\u00fchren kann. Auch ber\u00fccksichtigen die Risikomodelle Ansteckungsgefahren nicht angemessen. Die Risikogewichtung ist eine Ursache daf\u00fcr, dass Finanzinstitute zu wenig Eigenkapital vorhalten.<\/p>\n<p>Neben der risikogewichteten Eigenkapitalquote sieht Basel III zus\u00e4tzlich eine ungewichtete Eigenkapitalquote (\u201eleverage ratio\u201c) f\u00fcr Banken vor. Sie ist jedoch mit drei Prozent im Verh\u00e4ltnis zur gesamten Bilanzsumme zu niedrig. Insgesamt ist demnach nicht zu erwarten, dass mit Basel III systemische Risiken wirksam bek\u00e4mpft und nachhaltig mehr Finanzmarktstabilit\u00e4t erreicht werden k\u00f6nnen. Besser w\u00e4re eine deutlich h\u00f6here ungewichtete Eigenkapitalunterlegung, die s\u00e4mtliche Kredite an Staaten angemessen ber\u00fccksichtigen w\u00fcrde. So fordert der wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Technologie u. a. eine Eigenkapitalquote von deutlich \u00fcber zehn Prozent der ungewichteten Bilanzsumme. Im Gegenzug k\u00f6nnte auf komplizierte risikogewichtete Regeln verzichtet werden. Dies w\u00fcrde dazu f\u00fchren, dass Banken f\u00fcr Kredite mehr Eigenkapital unterlegen und so mit mehr eigenem Geld f\u00fcr die Risiken ihrer Kreditgesch\u00e4fte haften m\u00fcssten. Entsprechend w\u00fcrden Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger werden. Gleichzeitig w\u00fcrden die Finanzmarktstabilit\u00e4t erh\u00f6ht und die Risiken der Banken gesenkt. Dadurch w\u00fcrden die Kosten f\u00fcr Eigenkapital sinken. Auch w\u00fcrde die Kreditvergabe an Unternehmen im Vergleich zu der an Staaten attraktiver. Eine solche Anpassung der Eigenkapitalvorschriften sollte schrittweise erfolgen, um m\u00f6gliche kurzfristige negative Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung zu vermeiden.<\/p>\n<p>Dieser Policy Brief entstand auf Grundlage des ECONWATCH-Meetings \u201eBasel III und ESRB \u2013 kann so mehr Finanzmarktstabilit\u00e4t erreicht werden?\u201c mit Prof. Dr. Claudia M. Buch (Universit\u00e4t T\u00fcbingen, IAW und Sachverst\u00e4ndigenrat) in Berlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Hinweis<\/strong><\/p>\n<p>Eine anschauliche Erl\u00e4uterung der in diesem Beitrag diskutierten Fragestellungen der Finanzmarktstabilit\u00e4t und Basel III von Prof. Dr. Claudia Buch finden Sie in unserer <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?page_id=9784\">Ordothek<\/a>.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content --><!-- AddThis Related Posts generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Banken sollen mehr Eigenkapital vorhalten, um ihre Kreditgesch\u00e4fte besser abzusichern \u2013 das ist Ziel von Basel III. 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