Es gibt angenehmere Zeiten für Ökonomen als Krisenzeiten. Soweit ich mich zurückerinnere, gingen konjunkturelle Abschwungsphasen meistens mit einem gleichzeitigen, temporären Ansehensverlust der Ökonomen einher. Auf zwei Vorwürfe kann man sich in jeder Rezession gefasst machen: Ihr habt diese Krise nicht rechtzeitig vorhergesehen! ist der eine, Ihr habt uns mit Euren Politikempfehlungen erst in diesen Schlamassel gebracht! ist der andere. Der erste Vorwurf wird aktuell gerne soweit zugespitzt, daß die schärfsten Kritiker der Ökonomik gleich völlige Nutzlosigkeit unterstellen. Ich glaube, daß dieser Vorwurf auf einem Mißverständnis über die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft beruht, das sich leicht aufklären läßt. Der zweite Vorwurf hingegen hat etwas mit Politik zu tun, und wird daher vielleicht nicht ganz so leicht aus der Welt zu schaffen sein.
Das alte Problem der Komplexität
Es ist eine Binsenweisheit, daß Volkswirtschaften komplexe Systeme sind. Aber es scheint, als wären die Implikationen dieses Gemeinplatzes vielen ökonomischen Laien nicht mehr wirklich präsent. Die eine Implikation ist die fehlende zentrale Steuerbarkeit einer komplexen Volkswirtschaft, welche aus der Unmöglichkeit folgt, die hierfür nötigen Informationen über individuelle Pläne zu zentralisieren — und dies ist, wie wir wissen [1], ein Problem des Prinzips, nicht der Rechenleistung. Damit ist aber auch klar, daß wissenschaftliche Prognosen über dieses System auf vereinfachten Modellen und unvollständigen Informationen beruhen müssen. Daran kann auch kein wissenschaftlicher Fortschritt jemals etwas ändern. Wenn ein Zentralplaner nicht in der Lage ist, alles notwendige Wissen zur effizienten Steuerung einer Volkswirtschaft zu zentralisieren, dann kann der Wissenschaftler dies zu Prognosezwecken auch nicht.
Es gibt aber noch eine weitere Implikation von Komplexität für den Prognostiker: Er muß mit der Existenz von Bifurkationen umgehen. Zu jedem Zeitpunkt sind für die Zukunft verschiedene Entwicklungspfade möglich, abhängig von der Konstellation zahlreicher Parameter. Damit sind aber alle ökonomischen Prognosen grundsätzlich bedingte Aussagen: Wenn sich die Randbedingungen in einer bestimmten Weise entwickeln, dann können wir mit einer Wachstumsrate des BIP von x Prozent rechnen. Seriöserweise können wir aber für das Eintreten verschiedener Szenarien nicht einmal Wahrscheinlichkeiten angeben. Welcher Sachverständigenrat von Ökonomen hätte vor zwei Wochen die Möglichkeit des Ausbruchs einer Schweinegrippen-Pandemie vorhergesehen und die damit verbundenen negativen Angebots- und Nachfrageschocks als mögliches Szenario in seinem Gutachten berücksichtigt?
Komplexität bedeutet aber natürlich nicht die Unmöglichkeit von Ökonomik als Wissenschaft. In seinem längst zum Klassiker avancierten Essay zur Theorie komplexer Phänomene hat Friedrich von Hayek bereits umrissen, was möglich ist. Er nannte das Mustervorhersagen und er meinte damit letztlich die oben schon erwähnten bedingten Aussagen. Wir können prognostizieren, daß unter bestimmten Bedingungen ein bestimmtes Szenario eintreten wird. Aber viele relevante Randbedingungen liegen weit jenseits der Expertise von Ökonomen — ihre Entwicklung ist für uns exogen, wir können sie nicht vorhersagen.
Die Immobilienblase
Man kann das alles auch anhand der aktuellen Finanzkrise illustrieren. Ökonomen wußten schon lange vor dieser Krise, daß allzu expansive Geldpolitik zu Spekulationsblasen auf den Märkten für Vermögenswerte führt — vor allem dann, wenn der Wettbewerbsdruck auf den Gütermärkten globalisierungsbedingt so stark ist, daß sich Inflationstendenzen dort nicht recht durchsetzen können. Lange Phasen der Greenspan-Ära wurden von akademischen Warnungen in dieser Hinsicht begleitet, zumal die ungewollten Nebenwirkungen expansiver Geldpolitik noch duch den enormen Zufluß von europäischen und asiatischen Ersparnissen in die USA verstärkt wurden. Da haben wir also eine allgemeine Mustervorhersage, die sich im Nachhinein als zutreffend erwiesen hat. Schwieriger wird es dann schon, wenn es darum geht, eine einzelne Spekulationsblase zu identifizieren und das mit ihr verbundene Risiko abzuschätzen.
Wahrscheinlich gibt es niemanden, der besser über die Daten und Details des amerikanischen Immobilienmarktes informiert ist, als Karl Case und Robert Shiller. Im Jahr 2003 haben beide eine Studie in den Brookings Papers on Economic Activity [2] veröffentlicht, in der sie untersucht haben, ob es eine Blase auf dem Immobilienmarkt gibt. Die Vermutung, daß es so ist, geisterte damals schon länger durch den akademischen Diskurs und auch durch die öffentliche Diskussion. Ihre Schlußfolgerung war aber etwas differenzierter: Es gebe zwar eine Immobilienpreisblase in den USA, schrieben sie 2003, aber nur auf wenigen lokalen Märkten. In der überwiegenden Mehrzahl der Staaten ließ sich der Anstieg der Häuserpreise fast vollständig mit einem Anstieg der Einkommen erklären, und nur in wenigen Boomregionen wie Kalifornien, New York und New Jersey war dies anders. Case und Shiller versuchten außerdem, etwas über die Motive von Hauskäufern in Erfahrung zu bringen. Sie führten eine Umfrage durch, deren zentrales Ergebnis war, daß ein großer Teil der Immobilienkäufer vor allem in diesen Boomregionen von steigenden Preisen in der Zukunft ausging, so daß weniger der Konsumnutzen des eigenen Hauses, als das Investitionsmotiv im Vordergrund stand. Die weite Verbreitung dieses Spekulationsmotivs beim Häuserkauf deuteten sie als Indiz für eine entstehende Immobilienblase.
Die Blase war damit identifiziert, zumindest in lokalen Märkten, aber die wirtschaftspolitischen Schlußfolgerungen aus diesem Ergebnis waren noch zu klären. Case und Shiller sahen keinen großen Anlaß zur Beunruhigung. In den Gegenden, in denen sich der vergangene Häuserpreisanstieg durch Einkommenszuwächse erklären ließ, müsse man auch bei einem Platzen der Blase kein Sinken der nominalen Häuserpreise befürchten. Die lokalen Blasen würden außerdem wahrscheinlich nicht gleichzeitig platzen, so daß aus gesamtwirtschaftlicher Sicht kein Grund zu großer Sorge bestünde. Es kam bekanntlich anders: Die Immobilienblase schwoll nach Veröffentlichung des Papiers noch sehr viel weiter an, nachdem das sub-prime-Marktsegment zu florieren begann. Als die Blase dann platzte, sanken die Immobilienpreise nicht asynchron, sondern gleichzeitig und sie sanken auch auf Märkten, die Case und Shiller noch für sicher hielten. Von den unterschätzten gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen ganz zu schweigen. Haben hier also zwei prominente Volkswirte versagt?
Schweine im Weltall
An anderer Stelle [3] habe ich das grundsätzliche Problem der Ökonomik schonmal mit den Schwierigkeiten von Astronomen verglichen, die sich mit der Gefährdung der Erde durch Asteroiden beschäftigen. Die grundsätzliche Warnung, daß immer mal wieder, alle paar zehntausend Jahre, ein größerer Asteroid auf Kollisionskurs vorbeikommt, steht im Raum. Trotzdem kommt es immer wieder vor, daß Asteroiden, die uns nur ziemlich knapp verfehlen, erst in letzter Minute entdeckt werden. Würden wir uns nicht sicherer fühlen, wenn Astronomen zuverlässig alle potentiell gefährlichen Himmelskörper wenigstens ein, zwei Jahre vor dem möglicherweise katastrophalen Ergeignis entdecken würden? Und es kommt noch schlimmer: Manchmal werden Entdeckungen von Amateuren gemacht, die mit einem Refraktor auf ihrem Garagendach sitzen! Wofür leisten wir uns eigentlich die teuren Profis?!
Ein anderes, aktuelles Beispiel ist die Schweinegrippe. Nach allem, was man als medizinischer Laie darüber hört, war es den meisten Experten klar, daß früher oder später wieder eine neue Virusvariante den Weg vom Tier zum Menschen finden würde. Die Experten warnten auch, daß irgendwann eine solche Virusvariante ansteckend genug sein werde, um eine neue Pandemie auszulösen. Es war allerdings kein Experte in der Lage, zu prognostizieren, daß im April 2009 in Mexiko ein möglicherweise gefährliches Grippevirus vom Schwein auf den Menschen überspringen würde. Wenn wir Mitte April eine Umfrage unter Virologen durchgeführt hätten, wäre niemand von ihnen in der Lage gewesen, begründet zu sagen: Mexiko, in zwei Wochen! Besorgt Euch rechtzeitig eine Wagenladung Tamiflu!. Wieder war nur die allgemeine Mustervorhersage möglich: Wenn irgendwann und irgendwo eine Reihe von Bedingungen eintreten, dann wird es zu einer Pandemie kommen.
Die Probleme ähneln sich: Mediziner können nicht alle dort draußen vor sich gehenden Virusmutationen erfassen und beobachten, also werden sie niemals den Ausbruch einer Pandemie örtlich und zeitlich exakt voraussagen können. Astronomen sind kaum in der Lage, alle kleinen Himmelskörper zu erfassen und zu beobachten, also können sie nicht sagen, wann genau in der Zukunft mal wieder ein größerer Asteroid mit der Erde kollidieren wird. Und Ökonomen können weder die individuellen Motive aller Konsumenten und Hauskäufer beobachten, noch können oder sollten sie die Bilanzen aller Unternehmen nach unsicheren Positionen durchforsten. Auch wir Ökonomen können nur allgemein warnen, daß es unter bestimmten Bedingungen zu einer Spekulationsblase und einem anschließenden Crash kommen wird, aber Zeit, Ort und Schadensumfang werden wir ex ante niemals genau benennen können. Dazu ist der Untersuchungsgegenstand einfach zu komplex.
Erstaunlich ist nur, daß die meisten der naiveren Kritiker, die der Ökonomik heutzutage nachstellen, dies nicht wahrhaben wollen. Wirtschaft wird von Menschen gemacht, also sollte sie auch von Menschen überschaubar und kontrollierbar sein — das ist wohl der dahinter stehende Gedanke. Die Komplexität des alltäglichen Koordinationswunders der modernen Marktwirtschaft wird einfach nicht wahrgenommen. Dann ist es aber natürlich auch leicht, von Ökonomen zu fordern, daß sie Marktergebnisse genauso exakt prognostizieren sollen, wie ein Physiklehrer das Ergebnis eines Schulexperiments in klassischer Mechanik. Diese Forderung basiert aber, das muß man nochmal ausdrücklich sagen, auf einer fundamentalen Fehlwahrnehmung des Untersuchungsgegenstandes.
Case und Shiller haben ihre Prognose über die Gefahren eines Platzens der Immobilienblase auf der Grundlage beschränkter Informationen abgegeben. Die den gesamten Finanzsektor betreffende Ansteckungsgefahr durch Kreditversicherungen und Verbriefungen von Hypothekenkrediten war damals noch nicht, wie heute, allgemein bekannt. In den folgenden Jahren, als zusätzliche Informationen bekannt wurden, sind allerdings auch die Warnungen vor der Spekulationsblase und ihrem Platzen deutlicher geworden. Die Risiken wurden von vielen amerikanischen Ökonomen nun viel realistischer eingeschätzt. Daß solche Warnungen von den politischen Entscheidungsträgern nicht gehört wurden, daß ein sanftes Luftablassen aus der Immobilienblase nicht einmal versucht wurde, daß im Gegenteil eine immer großzügigere Hypothekenvergabe das politische Ziel war — das alles steht auf einem ganz anderen Blatt.
Der Ökonom ist immer der Täter
Beim Lesen alter Krimis konnte man sich angeblich immer darauf verlassen, daß der Gärtner der Mörder war. Im modernen Wirtschaftskrimi dagegen ist der Ökonom, im Zweifelsfall: der neoliberale Ökonom, stets der Täter. Und war es in diesem Fall nicht wirklich so? David X. Li ist ein sino-amerikanischer Ökonom und Statistiker. Im Jahr 2000 veröffentlichte er ein Papier, in dem er einen Ansatz vorschlägt, mit dem auf der Grundlage der Marktpreise von credit default swaps die Korrelation zwischen den Eintrittswahrscheinlichkeiten von Zahlungsunfähigkeiten berechnet werden können. Eine typische Frage wäre etwa: Wie hoch ist die Korrelation zwischen den Risiken, daß sowohl A in Alabama als auch W in Wyoming ihre Hypothekenraten nicht mehr zahlen können? Wenn man die Korrelation kennt, kann man verschiedene Hypotheken zu einem verbrieften Papier zusammenfassen, es bewerten und damit handeln. Der Wirtschaftsjournalist und Blogger Felix Salmon beschreibt in einem unbedingt lesenswerten Artikel [4] eindrucksvoll, welche Auswirkungen Lis Vorschlag auf Wall Street hatte: Der Handel mit verbrieften, also gebündelten Krediten kam in gigantischem Umfang in Gang.
Haben wir mit David X. Li also einen Ökonomen auf frischer Tat ertappt? Nicht wirklich. Sein Papier erschien in einem akademischen Journal [5]. Dort veröffentlicht man aber keine Handlungsanweisungen für die Finanzindustrie und keine Anleitungen für erfolgreiches Investmentbanking. Li schlägt in seinem Papier schlicht und einfach eine neue Herangehensweise zur Analyse eines Problems vor, und sein Vorschlag beruht natürlich auf vereinfachenden Modellannahmen. Wie Salmon berichtet, warnte Li schon früh die Anwender seines Ansatzes, daß sie die Zahlen, die seine Formel ausspuckt, keinesfalls für bare Münze nehmen dürfen, sondern daß es sich hier um äußerst interpretationsbedürftige Resultate handelt. Die Praktiker hat das offenbar leider nicht gestört.
Damit ist Li wohl mehr oder weniger exkulpiert, aber die populäre Ökonomenkritik hat sich ja ohnehin auf ein ganz anderes Feindbild fokussiert: Sie sieht Ökonomen vor allem als Befürworter möglichst unregulierter Märkte und glaubt, daß fehlendes Eingreifen staatlicher Stellen in die Finanzmärkte für die aktuelle Krise verantwortlich sei. In der ersten Behauptung steckt sicherlich mehr als ein Körnchen Wahrheit; die meisten Ökonomen gehen wohl zunächst einmal davon aus, daß der Preismechanismus individuelle Pläne in der Regel effizient koordiniert. Es gibt sicherlich so etwas wie eine implizite Effizienzvermutung für den freien Markt und eine ebenso implizite Forderung, daß man vom Sinn staatlicher Regulierung erst mühsam überzeugt werden will. Dies bedeutet aber im Umkehrschluß, daß Ökonomen entgegen dem populären Vorurteil für einen gut begründeten, sinnvollen Regulierungsrahmen [6] stets zu gewinnen sind.
Wahrscheinlich ist es so, daß die Behauptung einer angeblichen Deregulierungswut von Ökonomen und deren Verantwortung für Krisen eine entlastende Wirkung für viele Kritiker hat. Roger Congleton hat ein demnächst in Public Choice erscheinendes Papier [7] geschrieben, in dem er eine penible Chronologie und Analyse der Finanzkrise vorlegt. Der Leser erfährt einiges über Fehlentwicklungen im privaten Sektor. Wirklich atemberaubend ist aber auch die lange Kette von fatalen Entscheidungen im öffentlichen Sektor. Unabhängig davon, ob Demokraten oder Republikaner die Mehrheit im Kongreß oder den Präsidenten stellten, dominierten stets populistische Motive und die kurzfristige Perspektive. Bereits 2004 wies beispielsweise Alan Greenspan in einer Anhörung im Kongreß deutlich auf Risiken im System der Hypothekenfinanzierung hin. Das hinderte die zuständige Regulierungsbehörde allerdings nicht, den eingeschlagenen Pfad weiter zu verfolgen. Das Wachstum des sub-prime-Marktsegmentes wurde nicht beschränkt. Die von Congleton geschilderte Vorgeschichte der Finanzkrise ist ein einziges, langes Desaster für jeden, der ernsthaft glaubt, daß der Staat zu effizientem Interventionismus in der Lage ist. Ist es da ein Wunder, daß die Anhänger eines solchen Interventionismus einen Sündenbock suchen und lieber den angeblich blinden und deregulierungswütigen Ökonomen die Schuld zuschieben?
Dabei ist die Realität deutlich komplizierter. Im Laufe des letzten Jahrzehnts, als auch private Investmentbanken aus aller Welt in den zuvor fast ausschließlich von Fannie Mae und Freddie Mac beherrschten Markt für mortgage backed securities einstiegen, wuchs mit der Größe des Marktes auch das Risiko für das gesamte Finanzsystem. Die problematischen Anreize, die vom Weiterreichen von Kreditrisiken ausgingen, waren alle schon vorher vorhanden, als nur die halbstaatlichen den Markt beherrschten. Aber deren Bankrott hätte das Finanzsystem wohl ohen große Schwierigkeiten vertragen. Als private Investmentbanken das problematische Geschäftsmodell von Fannie Mae und Freddie Mac imitierten und der Markt wuchs, da wurde es kritisch. Das wissen wir heute — im Nachhinein. Der Preis von Freiheit und Offenheit [8] besteht wohl darin, daß man gelegentlich, wenn man Neues ausprobiert, aus Fehlern lernt. Versuch und Irrtum sind Triebfedern des Fortschritts offener Gesellschaften, das sah schon Karl Popper so. Ex post zu behaupten, ein idealer staatlicher Regulierer hätte alles bereits ex ante effizient und schmerzlos geregelt, wenn nur neoliberale Ökonomen es ihm nicht ausgeredet hätten — diese Behauptung ist schlicht unredlich.
Eine Schlußbemerkung
Nach dieser etwas längeren Verteidigung der Ökonomik ist wohl noch ein Nachwort angebracht: Natürlich gibt es noch viel zu lernen und besser zu verstehen. Natürlich arbeiten wir nicht mit den besten vorstellbaren Modellen. Natürlich gibt es noch viele Wirkungskanäle, die empirisch zu entdecken sind. Wenn die Ökonomen ihren Untersuchungsgegenstand bestmöglich verstehen würden, dann könnte man die meisten Fakultäten schließen, weil es ja nichts mehr zu erforschen gäbe. Aber die am wissenschaftlichen Fortschritt interessierte Kritik der Ökonomik ist eine andere, eine sachliche, eine mit ernsthaften Zielen. Diese Kritik ist wichtig. Hier ging es aber stattdessen um die manchmal aggressive, populäre Kritik an der Ökonomik. Diese Kritik scheint auf Irrtümern zu beruhen, etwa wenn sie Ökonomen für Ingenieure im Maschinenraum der Gesamtwirtschaft hält, und damit auch impliziert, Ökonomen seien die Verantwortlichen für den traurigen Zustand der Volkswirtschaft in Zeiten der Finanzkrise. Eigentlich alle argumentativen Voraussetzungen, auf denen die populäre Ökonomenkritik beruht, scheinen aber falsch zu sein.
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