Gastbeitrag:
Rationalität auf dem Markt, Irrationalität in der Politik ?

Wenn man von den durchaus vorhandenen fachinternen Unterschieden mal absieht, dann gehen die meisten Wirtschaftswissenschaftler von der Rationalitätsprämisse aus, wonach Menschen versuchen, die Handlungsfolgen abzuschätzen und sich zumindest um Nutzenmaximierung bemühen. Ob sich die verhaltenstheoretische Psychologie mehr im Jargon oder auch in der Substanz von diesem Menschenbild unterscheidet, darüber kann man streiten. Klinische oder Tiefenpsychologen begegnen diesem Menschenbild mit einer Mischung aus Skepsis und Entsetzen über die Realitätsferne der Prämisse. Soziologen neigen dazu, die Einflüsse von sozialen Normen und Mitmenschen auf Handlungen hervorzuheben. Seit den späten 1950er Jahren kann man beobachten, dass das ökonomische Menschenbild vor allem in Amerika auf die benachbarten Sozialwissenschaften übergreift, zunächst mit der ökonomischen Demokratietheorie auf die Politikwissenschaft, später auch auf die Soziologie. Der immer noch anhaltende Siegeszug des ökonomischen Menschenbildes wird von der Merkwürdigkeit begleitet, dass experimentelle Studien Evidenz dafür geliefert haben, dass dieses Menschenbild nicht ganz stimmt und der Modifikation bedarf. Bisher sieht es allerdings so aus, als ob man einigermaßen unfassende sozialwissenschaftliche Theorien nur auf einem stark vereinfachten Menschenbild aufbauen kann. Der ,homo oeconomicus’ besticht durch die Einfachheit des Menschenbildes, das auf  Eigennutz und Maximierungsversuch aufbaut.

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